Rom im Netz: Das antike Rom

dies lunae ante diem VIII Idus Apriles MMDCCLXXIII ab urbe condita
Mondtag, 8. Tag vor den Iden des April, 2773. Jahr nach Grndung der Stadt

Heiligtum des Bacchus, Horrea Vespasiani, Haus des M. Aemilius Scaurus

Neben der Domus Publica, gegenüber der Basilica des Maxentius, befinden sich die Überreste eines kleinen Bacchus-Heiligtums. Bacchus ist, der ob seiner Zuständigkeit, auch heute noch vielen ein Begriff: Er war vor allem Zuständig für den Wein und den Genuss desselben, aber auch für die Fruchtbarkeit in Flora und Fauna. Die von den Anhängern des Gottes gefeierten Feste - oder besser Orgien - nahmen teilweise so ausschweifende und ausufernde Formen an, dass der Kult zeitweise verboten wurde. Über das Aussehen des Tempels informiert uns eine antoninische Münze, und auch Martial erwähnt das Heiligtum in einem seiner Epigramme. Es handelte sich um einen kleinen, runden Tempel mit einer Statue des Gottes, der umgeben ist von einer halbkreisförmigen Gebäudestruktur. Erhalten hat sich ein aus Backsteinen gemauerter Halbkreis.

Unmittelbar gegenüber, am Fuße der gewaltigen Überreste der Basilica des Maxentius, befindet sich eine mittelalterliche Porticus, die vermutlich zur benachbarten Kirche SS. Cosma e Damiano gehörte, die zwei heilkundigen Heiligen geweiht war. Entsprechend wurde hier wahrscheinlich mit Heilkräutern und Medizin gehandelt.

Gegenüber der Basilica des Maxentius, beginnend hinterhalb des Bacchus-Heiligtums und sich bis zum Titusbogen erstreckend, befand sich in der Kaiserzeit ein Geschäftsviertel, von dem aber kaum noch etwas erhalten ist. Es wurde nach dem großen Brand in der Regierungszeit Neros unter dessen Nachfolger Vespasian errichtet und trägt demzufolge den Namen Horrea Vespasiani. Zumindest ein Teil davon scheint als Fischmarkt gedient zu haben (wie die Funde von Wannen und Muschelschalen in den Abwasserkanälen nahe legen). Vorher befand sich hier ein Wohngebiet, in dem mehrere berühmte Persönlichkeiten ihren Wohnsitz hatten:

Ganz am südöstlichen Rand dieses Viertels sind unter einem Schutzdach die Überreste eines Privathauses zu sehen, das als das Haus des Marcus Aemilius Scaurus identifiziert worden ist: Scaurus errichtete es 74 v.Chr. 53 v. Chr. verkaufte Scaurus für den horrenden Preis von 15 Mio. Sesterzen an den berüchtigten Publius Clodius Pulcher. Im Atrium dieses Hauses versammelte sich nach dessen Ermordung durch Titus Annius Milo eine große Volksmenge, um von dem Volkstribunen die letzte Ehre zu erweisen. Es kam zu Ausschreitungen, die Menge schaffte den Toten in die Curia Hostilia am Forum und brannte sie mitsamt dem Leichnam nieder. Letztmals erwähnt wird das Haus des Scaurus - nun im Besitz des Caius Caecina Largus - kurz vor dem neronischen Brand. Freigelegt wurde das untere Geschoß, in dem sich neben einem Heiligtum der Laren mehrere kleine Räume (wohl Sklavenunterkünfte) und ein Bad befanden.

Das Haus des Scaurus ist das einzige, das sich von dem Wohnviertel erhalten hat, das sich vor dem Brand des Nero vom Haus des Scaurus bis zur Domus Publica erstreckte und das ein bevorzugtes Wohngebiet war: Das Haus des Cicero etwa grenzte unmittelbar an das Wohnhaus des Pontifex Maximus. Bei neueren Grabungen wurden allerdings mehrfach Überreste von Atriumhäusern freigelegt, die aus der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts vor Chr. stammen und die zwischen dem 3. und 2. Jahrhundert mehrfach renoviert wurden.