Rom im Netz: Das antike Rom

dies mercurii Kalendis Aprilibus MMDCCLXXIII ab urbe condita
Merkurtag, Kalenden des April, 2773. Jahr nach Grndung der Stadt

Haus der Vestalinnen

Direkt anschließend an den Tempel der Vesta befindet sich das Haus der Vestalinnen. Das zweigeschossige Gebäude war mit größtem Komfort ausgestattet. Die Marmorfußböden und Wandverkleidungen sind teilweise noch erkennbar. Leider ist es mittlerweile auch nicht mehr möglich, den Innenhof des Hauses zu betreten. Das dortige Wasserbecken wird von den (heute teilweise kopflosen) Statuen der ranghöchsten Vestalinnen umsäumt.

Eine angehende Vestalin musste frei geboren, zwischen sechs und zehn Jahre alt und frei von körperlichen Mängeln sein; zudem mussten bei der Aufnahme beide Eltern noch am Leben sein. Der Dienst dauerte dreißig Jahre. In dieser Zeit war die Vestalin zur Keuschheit verpflichtet, ein Verstoß wurde grausam bestraft: Da die Vestalin der Göttin geweiht war, durfte sie nicht getötet werden. Also wurde sie in einer Kammer nahe der Porta Collina lebendig begraben - so sollte Vesta selbst entscheiden, was mit ihr geschehen sollte. Nicht tödlich, gleichwohl hart war die Strafe für eine Vestalin, die das heilige Feuer hatte ausgehen lassen: Sie wurde vom Pontifex Maximus ausgepeitscht.

Daneben genossen die Vestalinnen aber auch bedeutende Privilegien. Sie unterstanden nicht mehr der väterlichen Gewalt (diese Aufgabe übernahm teilweise der Pontifex Maximus, dessen Wohngebäude in republikanischer Zeit gleich nebenan lag), was sich nicht zuletzt darin äußerte, dass sie ein Testament machen und über ihren Besitz verfügen durften, was für eine römische Frau durchaus etwas besonderes war. Sie waren hoch angesehen, durften in der Stadt mit dem Wagen fahren und bei den Spielen und im Theater waren ihnen besondere Plätze reserviert. Sie hatten das Recht, innerhalb des pomeriums, der Stadtgrenze, begraben zu werden, und zum Tode verurteilte Verbrecher, die einer Vestalin ansichtig wurden, mussten begnadigt werden.