Rom im Netz: Das antike Rom

dies lunae ante diem XV Kalendas Ianuarias MMDCCLXX ab urbe condita
Mondtag, 15. Tag vor den Kalenden des Januar, 2770. Jahr nach Grndung der Stadt

Das Kapitol - Geschichte und Geschichten

Steht man vor dem Kapitol - dem flächenmäßig kleinsten, aber beileibe nicht unbedeutendsten der sieben Hügel Roms -, wird deutlich, warum die Römer gerade diesen zur Burg ausbauten. Dort, wo heute die Kirche Santa Maria in Aracoeli steht, erreicht der Hügel mit 46 Metern über dem Meer seine größte Höhe. Weit wichtiger noch war allerdings die besondere Form: Das Kapitol wird auf allen Seiten von schroffen Abhängen und unzugänglichen Felsen begrenzt; einzig die zum Quirinal hin gelegene Seite fällt weniger steil ab. Heute noch sind die beiden Hügelkuppen zu erkennen: im Nordosten die Arx, die Burg, im Südwesten das Capitolium. Zwischen den beiden Hügeln befand sich eine Senke (das Asylum); heute nimmt die Piazza del Campidoglio den Raum dieser Senke ein.

Die Orientierung des Hügels hat sich indes seit der Antike umgekehrt: Anders als heute erreichte man das Kapitol hauptsächlich von der zum Forum hin gelegenen Seite. Die einzige Straße, die hinauf führte, war der Clivus Capitolinus, eine beim Saturntempel beginnende Verlängerung der Via Sacra, die den Steilen Abhang hinaufführte. Daneben gab es noch zwei Treppen: eine davon befand sich vermutlich an der Stelle, an der sich noch heute zwischen dem Concordiatempel und San Giuseppe dei Falegnami ein Treppenaufgang befindet, die andere führte vermutlich an der Südseite in Richtung Marcellus-Theater hinunter.

Seine herausragende Bedeutung für das politische Leben Roms verdankt das Kapitol allerdings der Konzentration der wichtigsten Kultstätten der Staatsreligion auf seinen beiden Gipfeln: Auf dem nördlichen Gipfel befand sich die Arx (Burg) und der Tempel der Iuno Moneta; auf dem südlichen, bedeutenderen Gipfel, dem Capitolium, stand der wichtigste Tempel Roms und des Reiches: Der Tempel des Iuppiter Capitolinus, dessen Bau von Roms füftem König Tarquinius Priscus begonnen worden war. Dabei war der Tempel nicht Iuppiter allein geweiht, sondern der kapitolinischen Trias aus Iuppiter, Iuno und Minerva. Seine Bedeutung für das untrennbar miteinander verknüpfte politische und kultische Gefüge des römischen Staatswesens erschließt sich nicht zuletzt daraus, dass jede Stadt römischen Rechts (colonia) an ihrem Forum um einen Tempel verfügte, der eben dieser kapitolinischen Trias geweiht war.

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Der Raub der Sabinnerinen, Gemälde von Johann Heinrich Schönfeld (ca. 1640)
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Quelle: Wikimedia

Folgt man der Überlieferung, soll der Gott Saturn auf dem Kapitol eine Siedlung gegründet haben; daran erinnerte seit frühester Zeit ein dem Saturn geweihter Altar am Fuße des Hügels auf dem Forum Romanum, der später durch den Saturn-Tempel ersetzt wurde. Tatsächlich legen bronzezeitliche Keramikfunde aus dem 14. bis 13. Jahrhundert vor Christus nahe, dass sich hier die älteste Siedlungsstätte auf dem späteren Stadtgebiet befand. In der Frühzeit sollen die Sabiner kurzzeitig das Kapitol beherrscht haben, das sie durch Verrat von den Römern erobern konnten: Nachdem die Römer die Töchter der Sabiner geraubt hatten, rüsteten diese unter ihrem König Titus zum Krieg. Die römischen Verteidiger wurden befehligt von Spurius Tarpeius; dessen Tochter Tarpeia versprach den Sabinern, ihnen für das, was sie am linken Arm trugen (sie dachte an die goldenen Armbänder), des Nachts die Tore der Burg zu öffnen. Die Sabiner nahmen das Kapitol, und Tatius zeigte sich der Verräterin gegenüber wenig dankbar: Er befahl seinen Männern, ihr alles zu geben, was sie am linken Arm trügen, und warf ihr neben seinem goldenen Armband auch seinen Schild hin. So starb der Legende nach die Verräterin Tarpeia, begraben unter Gold und Schilden. Tatsächlich trug einer der Abhänge die Bezeichnung "Tarpeischer Felsen", und später hat man Hochverräter hingerichtet, indem man sie von diesem Felsen in die Tiefe stieß.

Das wohl einschneidendste und bekannteste Ereignis in der Geschichte des Hügels ereignete sich im Jahre 387: Der Galliersturm, in dessen Verlauf es den Kelten beinahe gelungen wäre, neben der übrigen Stadt auch noch die letzte Zufluchtstätte der Römer, das Kapitol, zu erobern. Allein das warnende Geschnatter der Gänse soll dies verhindert haben. Wohl in Reaktion auf diese Beinahe-Katastrophe wurde der Hügel sieben Jahre später durch eine gewaltige, auch als Befestigungsanlage dienende Terrassierungsmauer abgestützt.

83 v. Chr. zerstörte ein Brand das Kapitol, die Arbeiten zum Wiederaufbau des Iuppiter-Tempels dauerten mindestens bis 69 v. Chr. 69 n. Chr. wurde der Hügel während der Thronwirren nach Neros Tod erneut ein Raub der Flammen, und kaum hatte Vespasian die Bauwerke wiederherstellen lassen, brannte es 80 n. Chr. erneut: Das verheerende Feuer, das das Marsfeld in Schutt und Asche legte, griff auch auf das Kapitol über.

Mit der Ausbreitung des Christentums und dem Verlust der Hauptstadtfunktion in der Spätantike verlor das Kapitol seine Bedeutung als religiöses Zentrum eines Weltreichs. Die großen Tempel fielen dem Verfall anheim, und während der Jahrhunderte des Mittelalters verkam das Kapitol zum "Monte Caprino", zum Ziegenberg - gerade so wie das Forum zum "Campo Vaccino", zur Kuhweide, wurde. Erst der Emanzipationskampf der römischen Kommune gegen das Papsttum führte im 12. Jahrhundert u einer Reaktivierung, wenn auch in kleinem Stil: Zwar gab es eine Art Rathaus, doch mit dem Prunk, den sich andere italienische Städte in diesen Jahrzehnten leisteten - etwa in der Toskana - konnte sich der eher kümmerliche Bau nicht messen. Nicht einmal eine ordentliche Treppe gab es, und auch die neben dem Rathaus gelegene Kirche, in dem die Männer tagten, die sich wieder stolz Senatoren nannten, war wenig represäntativ.

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