Rom im Netz: Das antike Rom

dies solis ante diem XIII Kalendas Decembres MMDCCLXX ab urbe condita
Sonntag, 13. Tag vor den Kalenden des Dezember, 2770. Jahr nach Grndung der Stadt

Insula am Abhang des Kapitols

Noch bevor der moderne Besucher aber eine der beiden Treppen zum Kapitol hinaufsteigt, sollte er sich ein wenig Zeit nehmen für die antiken Überreste am Abhang unmittelbar neben der Treppe, die zu Santa Maria in Aracoeli hinaufführt. Dabei handelt es sich um die Überreste einer römischen Insula, also eines Mietshauses, die aus dem 2. Jahrhundert nach Chr. stammen. Neben dem Erdgeschoß und einem niedrigen Zwischengeschoß sind drei weitere Stockwerke zu erkennen, und für ein viertes sind Spuren vorhanden - ob dieses dann schon das letzte war, ist ungewiss. Der deutlich erkennbare Campanile (Glockenturm) ist eine mittelalterliche Ergänzung. Auf Straßenniveau gab es Läden, die sich zu einem Hof hin öffneten und über direkte Verbindung zum darüber liegenden Zwischengeschoß verfügten. Die Zwischendecken aus Holz sind nicht erhalten - möglicherweise dienten die Räume den Ladenbesitzern als Lagerräume oder Schlafstätten. Zu den Mietwohnungen in den Obergeschossen gehörten jeweils mehrere Räume, die immer kleiner werden, je höher man steigt. Wer Ostia Antica besichtigt hat, wird den Baustil wiedererkennen - er ist typisch für die enge Bebauung Roms in der Kaiserzeit: Die Zahl der Bewohner dieses Komplexes wird auf etwa 380 geschätzt, die Räume waren wenig mehr als Schlafstätten, und je ärmer einer war, desto höher wohnte er. Dies ist die Kehrseite der Monumentalbauten, denen man auf der anderen Seite des Kapitols, auf dem Forum, begegnet.

Martial und Juvenal, beide befreundet, haben in ihren Epigrammen und Satiren das Leben in einer Insula beschrieben - Martial selbst lebte im dritten Stock eines solchen Mietshauses auf dem Quirinal:

Weder zum Nachdenken, noch zum Ruhen
ist in der Stadt Raum für die Armen. Das Leben verweigern
einem des Morgens die Lehrer, des Nachts die Bäcker,
und die Hämmer der Schmiede den ganzen Tag.
(Martial 12,52,3-6)

Tatsächlich waren die Gebäude mehr als das, was man heute hellhörig nennen würde, und der Lärm der Straße konnte meist ungehindert durch die Fenster hereindringen, die bestenfalls über einen Fensterladen oder einen Vorhang verfügten. Die größte Gefahr für Leib und Leben der Bewohner bestand allerdings zweifelsohne darin, dass die oft billig gebauten und überbelegten Häuser einstürzten oder - schließlich wurde geheizt, gekocht und beleuchtet - niederbrannten. Beides kam oft genug vor.

Hier entdeckt einer der Bewohner ein Feuer und schreit nach Wasser, ein anderer Nachbar rettet seinen schäbigen Besitz. Das dritte Stockwerk, auf dem Du lebst, raucht schon - aber Du weißt es nicht einmal! Unten herrscht Panik, aber Du, oben, wo die sanften Tauben nisten, wo Dich nur dünne Dachziegel vor dem Regen schützen, Du wirst der letzte sein, der verbrennt. (Juvenal, Sat. 3)

Marcus Licinius Crassus, der als reichster Mann seiner Zeit galt und dessen Reichtum sprichwörtlich war, hatte aus dieser allgegenwärtigen Gefahr ein offenbar sehr profitables Geschäftsmodell entwickelt:

Als er beobachtete, wie sehr die Stadt vom Feuer und vom Einsturz von Husern gefhrdet war, kaufte er auerdem Sklaven, die Bauarbeiter und Architekten waren, und als er mehr als 500 angesammelt hatte, machte er es zu seiner Praxis, Huser zu kaufen, die brannten, und die in der Nachbarschaft, die die Eigentmer wegen der unmittelbaren Gefahr und Unsicherheit fr wenig oder nichts weggaben. [Dann ließ Crassus seine Männer löschen]. (Plutarch, Leben des Crassus)

Insula am Kapitol
Links neben der steilen Treppe zu Santa Maria Aracoeli hinauf sind die berreste eines antiken Mietshauses zu sehen. Weitere berreste befinden sich unterirdisch. Der Campanile, der von der Piazza d'Aracoeli leicht zu sehen ist, ist allerdings eine mittelalterliche Ergnzung.
Karte/Satellitenbild anzeigen
Adresse:
Piazza d'Ara Coeli
00186 Roma
Haltestelle:
Busse H, 30, 40, 44, 46, 60, 62, 63, 64, 70, 81, 84, 85, 87, 95, 117, 119, 160, 170, 175, 271, 492, 571, 628, 630, 715, 716, 780, 781, 810, 850, 916, 541
Öffnungszeiten:
Nur nach Vereinbarung (Tel./Fax 06 67103819)
Eintritt:
2,10 EUR

Kommentare zu diesem Artikel im Rom-Forum: 3

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Kommentar Nr. 3 von Asterixinchen (15.08.12)
Zitat von humocs Beitrag anzeigen

Soweit ich das dort verstehe, gibt es die Besichtigungsmglichkeit nur nach telefonischer Anmeldung und nur fr Gruppen.

Das ist RICHTIG - und EIGENTLICH nur fr grere Gruppen eines eingetragenen Kulturvereins ...
Kommentar Nr. 2 von humocs (15.08.12)
Ergnzung: Hier noch die Informationsseiten bei 060608:
(ital.) Insula dell'Ara Coeli / Beni archeologici / Beni culturali / Cultura e svago - 060608.it
(engl.) Insula dell'Ara Coeli / Archaeological heritage / Cultural heritage / Culture and leisure - 060608.it

Soweit ich das dort verstehe, gibt es die Besichtigungsmglichkeit nur nach telefonischer Anmeldung und nur fr Gruppen.
Zitat von 060608.it
Open to organized groups upon reservation only.
Phone Booking required;
Groups and schools: tel. +39 060608 (daily from 9.00 am to 9.00 pm).
Kommentar Nr. 1 von Asterixinchen (15.08.12)
.


Der Eintritt kostet mittlerweile 3 € p.P. und man kann eine Besichtigung ber Contatti - 060608.it versuchen zu vereinbaren ...

Betreffender Teilbericht vom August 2012:

http://www.roma-antiqua.de/forum/rom...tml#post184449
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