Rom im Netz: Das antike Rom

dies mercurii Kalendis Aprilibus MMDCCLXXIII ab urbe condita
Merkurtag, Kalenden des April, 2773. Jahr nach Grndung der Stadt

Tabularium, Asylum und Tempel des Veiovis

Zwischen den beiden Hügelkuppen des Kapitols befindet sich eine Senke, das Asylum. Einen großen Teil seiner Fläche nimmt heute die Piazza del Campidoglio ein; hier befindet sich aber mit dem Tabularium auch das noch am besten erhaltene Bauwerk des antiken Kapitols. Auf seinen gewaltigen Überresten, deren Fassade noch heute den Blick vom Forum Romanum in Richtung Kapitol dominiert, steht heute der Senatorenpalast.

Nach dem großen Brand von 83 v. Chr., der das Kapitol völlig verheerte, wurde Quintus Lutatius Catulus mit dem Wiederaufbau beauftragt, der 78 v. Chr. den Konsulat und 65 v. Chr. das Zensorenamt bekleidet hatte. Er ließ ein gewaltiges Gebäude errichten, über dessen Verwendung trotz seiner Bedeutung die schriftlichen Quellen schweigen. Aus den vorhandenen Baustrukturen und inschriftlichen Zeugnissen weiß man jedoch, dass es sich um das Tabularium handelte, das Staatsarchiv der römischen Republik. Sein Name leitet sich ab von den bronzenen Täfelchen (tabulae), auf denen Gesetze und Urkunden eingeritzt wurden; diese wurden hier archiviert.

Das Tabularium hat mit seiner massiven Stützkonstruktion den zum Forum Romanum hin gelegenen Abhang des Kapitols grundlegend verändert. Kern des Gebäudes sind Fundamente, die den Abhang terrasieren. Von den oberen Geschossen ist kaum noch etwas vorhanden; sie wurden entweder zerstört oder in eine der vielen Umbauten des darauf errichteten Senatorenpalastes einbezogen. Die heute noch zu sehenden Halbbögen eines zum Forum hin offenen Durchgangs waren im Mittelalter zugemauert und wurden erst 1939 wieder geöffnet. Sie verbanden in der Antike die beiden Hügelkuppen, so dass ein Übergang möglich war, ohne ins Tal des Asylum hinabsteigen zu müssen. Man kann diese Halle seit einigen Jahren während der Besichtigung der Kapitolinischen Museen betreten (die beiden Museumsteile in den sich gegenüberliegenden Palazzi sind durch einein Gang unter der Piazza del Campidoglio, die Galeria Lapidaria, verbunden, von dem aus man das Tabularium erreicht..

In diesem Bereich ebenfalls zu sehen sind die Überreste eines ebenfalls 1939 entdeckten Tempels an der südwestlichen Ecke des Tabulariums (die aus Rücksicht auf das ältere Bauwerk ein wenig zurückspringt). Der Tempel des Veiovis war einer jugendlichen Erscheinungsform Iuppiters geweiht, die ihre Ursprünge in einer Unterweltsgottheit aus dem etruskischen Götterkreis hatte. Gefunden wurde unter anderem eine monumentale, ebenfalls ausgestellte Marmorstatue des Gottes. Der Tempel wurde 192 v. Chr. geweiht und von den Feuern, die das Kapitol heimsuchten, nicht verschont. Die gefundenen Überreste entstammen wahrscheinlich der gleichen Bauphase wie das Tabularium. Auch der Grundriß dieses Tempels ist unregelmäßig und ungewöhnlich - wie beim Tempel der Concordia auf dem Forum dürfte die Enge des Raumes hierfür verantwortlich gewesen sein.