Rom im Netz: Das antike Rom

dies solis ante diem XVI Kalendas Ianuarias MMDCCLXX ab urbe condita
Sonntag, 16. Tag vor den Kalenden des Januar, 2770. Jahr nach Grndung der Stadt

Arx und Tempel der Iuno Moneta (Santa Maria in Aracoeli)

Die nördlichere der beiden Kuppen des Kapitols, die Arx, ist der höhere der beiden Gipfel (ca. 49 Meter). Hier befand sich seit frühester Zeit die eigentliche Burg, die Arx, die dem Hügel auch den Namen gab und bis ins erste Jahrhundert vor Christus von militärischer Bedeutung blieb. In der Frühzeit der Republik hielten hier Wächter Ausschau nach herrannahenden Feinden, während auf dem Marsfeld oder im Comitium Volksversammlungen stattfanden. Auch das Auguraculum, der Ort also, von dem aus die Auguren den Himmel und den Vogelflug beonachteten, befand sich auf der Arx. Einige Mauerreste in der Gartenanlage vor der linken Schmalseite des Palazzo Senatorio werden dem Auguraculum zugeschrieben.

Ein Patrizier namens Marcus Manlius Capitolinus soll auf der Hügelkuppe ein Haus besessen haben, das aber 384 v. Chr. abgerissen wurde, als der Senat beschloss, dass fortan kein Patrizier mehr auf dem Kapitol wohnen solle. Dort, wo das Haus des Manlius gestanden hatte, errichtete Marcus Furius Camillus 344 v. Chr. den Tempel der Iuno Moneta, den er ein Jahr zuvor im Krieg gegen die Auruncer gelobt hatte.

Zur Erklärung des Namens gibt es eine ganze Reihe von Überlieferungen: Cicero berichtet, einst habe eine Stimme im Tempel vor einem Erdbeben gewarnt (lat. monere: mahnen, warnen), damit Vorsorge getroffen werden könne. Suidas berichtet, während eines Krieges mit Tarent sei den Röern das Geld ausgegangen, woraufhin sie einem Rat der Juno gefolgt und so wieder zu Mitteln gekommen seien. Als Dank sei danach die Münzstätte beim Tempel angesiedelt und Juno der Beiname "Moneta" gegeben worden. Tatsächlich läßt sich die Tatsache, dass wir unser Geld heute gelegentlich als "Moneten" (, ital. "monete", engl. "money") bezeichnen, auf den Tempel der Juno Moneta zurückführen, in deren Nähe sich tatsächlich die Münzstätte befand. Die Namensgebung erfolgte aber umgekehrt: Nicht der Tempel hat seinen Namen vom Geld, sondern das Geld von der Nähe zum Tempel.

Am wahrscheinlichsten ist es, dass der neue Tempel ein älteres Heiligtum ersetzte, das sich schon länger auf der Arx befand. Dass es ein solches gegeben haben muss, belegt die bekannte Überlieferung von den Heiligen Gänsen der Iuno: Die Tiere verhinderten durch ihr Geschnatter, dass die Gallier 387 v. Chr. neben der Stadt auch noch die Burg erobern konnten, indem sie sich heimlich einen Pfad hinaufschlichen:

So leise waren sie vorgegangen, dass nicht nur die Wächter sie nicht hörten, sondern auch die Hunde, die doch auf nächtliche Geräusche besonders empfindlich reagieren, gaben nicht Laut. Allein die heiligen Gänse der Iuno ließen sich nicht täuschen, die trotz der höchsten Not an Nahrung dennoch nicht angerührt worden waren. Dies rettete die Besatzung: Denn ihr Geschrei und ihr Flügelschlagen weckte Marcus Manlius, den hervorragenden Soldaten, der drei Jahre zuvor Consul gewesen war. Er ergriff seine und rief auch die anderen zu den Waffen. (Livius, 5,47.)

Was folgte, waren Verhandlungen, und die Römer konnten die Gallier für den stolzen Preis von 1000 Pfund Gold zum Abzug bewegen. Der gallische Häuptling Brennus lies es sich aber nicht nehmen, die Römer noch ein weiteres mal zu demütigen: Die Gewichte, mit denen das Gold gewogen wurde, waren falsch, und als sich der römische Tribun Quintus Sulpicius beschwerte, warf Brennus auch noch sein Schwert auf die Waage mit den berühmten Worten "Vae Victis" - Wehe den besiegten. Die wenig wachsamen Hunde übrigens wurden, so die Überlieferung, gekreuzigt.

Die Eigenschaft der Iuno, die auf dem Kapitol verehrt wurde, war also die der Mahnerin und Warnerin, und eines der wenigen überlieferten Abbildungen, die den Tempel zeigen, hebt die Gänse besonders prominent hervor. Rom jedenfalls zeigte sich dankbar: Fortan umfasste der römische Haushalt immer auch einen Posten für Gänsefutter.

Neben dem Tempel der Iuno Moneta gab es auf der Arx noch weitere Heiligtümer, vor allem orientalische Kulte haben Spuren hinterlassen: Mithras wurde hier ebenso verehrt wie Isis. Das Heiligtum der ägyptischen Göttin hatte bereits eine lange Tradition, als es 58 v. Chr. auf Senatsbeschluss; zerstört wurde. Der Isis-Kult war dem römischen Staat ein Dorn im Auge und wurde verschiedentlich verboten, sowohl wegen der sexuell ausschweifenden Kultpraktiken, als auch - und vor allem - wegen seiner orientalischen Herkunft. Nichtsdestotrotz wurde der Tempel später wieder aufgebaut.

Nicht nur dank des umstrittenen Nationalmonuments (Monumento a Vittorio Emanuele II), das heute einen großen Teil der Arx einnimmt, ist von den Tempeln heute kaum noch etwas zu sehen - sieht man von Mauerresten des Podiums im Garten von Aracoeli ab. Sie fielen schon im frühen Mittelalter der Errichtung der Kirche und des Klosters Santa Maria in Aracoeli zum Opfer. Ein bezeichnendes Beispiel für die Umwidmung heidnischer Heiligtümer durch den christlichen Kult: An der Stelle, an der zuvor der Göttermutter Iuno gehuldigt worden war, wurde nun die Gottesmutter Maria verehrt. Spätestens seit der ersten Hälfte des 8. Jahrhunderts bemächtigte sich das Christentum der heidnischen Heiligtümer, und auch hierzu gibt es eine (später entstandene) Legende: An der Stelle, an der heute die Kirche steht, soll die Tiburtinische Sibylle dem Augustus eine Himmelserscheinung gedeutet haben:

Nun geschah es, dass der Kaiser auf den Tag der Geburt des Herrn seinen Rat gesammelt hatte [...] da erschien um Mittentag ein güldner Kreis um die Sonne, und mitten in dem Kreis die allerschönste Jungfrau, die stand über einem Altar und hielt ein Kind auf dem Schoß. Das wies die Sibylle dem Kaiser. Und da der Kaiser sich sehr verwunderte, hörte er eine Stimme, die sprach: "Dies ist ein Altar des Himmels." Und Sibylla sprach zu ihm: "Dies Kind, Kaiser, ist größer denn du, darum sollst du es anbeten." die Kammer ward danach geweiht in unserer lieben Frau Ehre, und heißet noch jetzt Sancta Maria in Ara Coeli. (Legenda Aurea)

Zunächst scheint ein griechisches Kloster entstanden zu sein, das im 10 Jahrhundert an die Benediktiner überging, die wahrscheinlich den Neubau der dreischiffigen Basilica errichteten. Seit 1143 tagte hier der neu konstituierte Senat der römischen Kommune. 1249 folgten den Benediktinern die Franziskaner nach, die das Querschiff errichteten und damit die heutige Gestalt der Kirche prägten. Die steile Treppe, die zur Kirche hinaufführt, wurde 1348 als Dank für die Errettung der Bürgerschaft von der Pest errichtet.

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