Rom im Netz: Das antike Rom

dies solis ante diem IV Kalendas Martias MMDCCLXX ab urbe condita
Sonntag, 4. Tag vor den Kalenden des Mrz, 2770. Jahr nach Grndung der Stadt

Das Marsfeld - Einführung

Die Größe des Feldes ist wirklich bemerkenswert, bietet es doch Raum gleichzeitig und ohne gegenseitige Behinderung für Wagenrennen, jegliche Art des Pferdesports und die Menge der Leute, die sich im Ball- und Reifenspiel sowie im Ringen trainieren. Die ringsum aufgestellten Kunstwerke, die Bepflanzung, die während des ganzen Jahres grün ist, und die Hügelkette, die bis zum Flussufer reicht, machen auf das Auge den Anschein eines Bühnenbildes - all das ergibt einen Anblick, von dem man sich nur schwerlich lösen kann. Neben dieser Ebene liegt eine andere [gemeint ist wohl die regio um den Circus Flaminius] mit ringsum angeordneten Portiken, Höfen, drei Theatern, einem Amphitheater, prächtigen Tempeln, die einer neben dem anderen liegen, so dass sie die übrige Stadt wie ein Anhängsel wirken lassen. (Strabo 5,3,8)

So schilderte der griechische Geograph Strabo kurz nach dem Tod des Augustus das Marsfeld, das in der Tat eine durchaus beachtliche Ausdehnung hat: Der Campus Martius der Antike umfasste die ganze Ebene vor der Servianischen Stadtmauer, begrenzt vom Tiber im Westen und den Abhängen des Kapitols im Süden, des Quirinals im Osten und des Pincio im Nordosten. Das gesamte Gebiet des heutigen Centro Storico und des Corso gehörten also dazu - und die heutige Via del Corso war als erstes Stück der Via Flaminia - in diesem Bereich Via Lata genannt - schon in der Antike seine Hauptachse. Obwohl zum Marsfeld gehörig wurden die Viertel östlich der Via Lata (Via del Corso) bis zu Quirinal und Pincio "regio Via Lata" und der südlichste Teil als "regio Flaminio" bezeichnet - letztere benannt nach dem Circus Flaminius, der sich dort befand.

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Die heutige Piazza Navona entspricht den Stadion des Domitian
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Quelle: lostajy

Die mittelalterlichen und renaissancezeitlichen Viertel, die auf dem Marsfeld entstanden und heute die eigentliche römische Altstadt bilden, haben nach wie vor vieles mit ihren antiken Vorläufern gemein, und gleichzeitig verhindert die dichte und kontinuierliche Besiedlung natürlich die archäologische Untersuchung des Gebiets - wichtige Aufschlüsse vermittelt hier der severische Marmorstadtplan, die Forma Urbis. Bewahrt hat sich dadurch allerdings vielfach die antike Stadttopographie: Straßen haben seit der Antike den gleichen Verlauf, und gerade die wichtigen Achsen gehen auf antike Straßenzüge zurück: Dies gilt etwa für die Via della Scrofa in Nord-Süd oder die Via dei Coronari/delle Copelle in Ost-West-Richtung, für die Via di Monserrato parallel zum Tiber und für den Straßenzug Via dei Gubbernatori - Campo dei Fiori - Via del Pellegrino, die in der Antike vermutlich die Via Tecta bildeten. Der antike Stadtplan blieb an vielen Stellen bewahrt - man denke nur an die Piazza Navona, die aus dem Stadion Domitians entstanden ist, oder die Via di Grotta Pinta, die auf das Theater des Pompeius zurückgeht.

Deshalb ist es auch zur Erkundung des antiken Marsfeldes durchaus nützlich, einen modernen Stadtplan zur Hand zu nehmen: Schon die heute noch erkennbare unterschiedliche Orientierung der Straßen macht deutlich, dass das Marsfeld in drei große Gebiete zerfiel: Der Mittelteil, begrenzt von der Piazza Navona (W), der Via del Corso (O), der Via dei Coronari und der Via delle Copelle (N) so wieder Via delle Botthege Oscure (S) folgt in seiner Orientierung den Himmelsrichtungen. Im Süden und Westen zieht sich ein langer Streifen entlang des Tibers, zwischen dem Marcellustheater/Tiberinsel bis hinauf zur Ponte Vittorio Emanuele, auf der man den Tiber in Richtung Vatikan überquert. Die Straßen laufen hier von Südwesten nach Nordosten und sind gewissermaßen im rechten Winkel auf den Fluss hin ausgerichtet. Das nördliche - und am spätesten (abgesehen von den Grabmälern in hadrianischer Zeit) bebaute - Dreieck des Marsfeldes folgt in seiner Orientierung der Via Lata (Via del Corso). Dies gilt auch für das gesamte Gebiet östlich der Straße.

Das Land der Tarquinier, das zwischen der Stadt und dem Tiber lag, wurde dem Mars geweiht und von da an war es bekannt als der Campus Martius, das Marsfeld. Es heißt, das Korn habe dort gerade reif zur Ernte gestanden, und da es [nun] ein Sakrileg gewesen wäre, das zu essen, was auf dem Feld wuchs, wurde eine große Schar Männer ausgesandt, es zu schneiden. Sie trugen es mitsamt dem Stroh in Körben zum Tiber und warfen es hinein. Es war Hochsommer und der Strom war niedrig, und so sammelte sich das Korn im seichten Wasser, und einzelne Haufen wurden von Schlamm bedeckt. Nach und nach wurde eine Insel daraus, indem sich das Treibgut, das der Fluss anschwemmte, dort sammelte. (Livius, Ab urbe condita 2,5)

Der Sage nach befand war das Marsfeld Gut der etruskischen Könige Roms und ging nach deren Vertreibung in öffentlichen Besitz über - durchaus nicht unwahrscheinlich, da sich das Gebiet tatsächlich in der Hand des Staates befand (weniger glaubwürdig berichtet Livius weiter, die letzte Ernte des Königs sei in den Tiber geworfen worden, woraus die Tiberinsel entstanden sei). Im südlichen Teil des Marsfeldes war eine ganze Reihe uralter Kulte und Riten angesiedelt, darunter auch der des equus october: An den Iden (15.) des Monats wurde ein Wagenrennen veranstaltet; vom Gespann des Siegers wurde das rechte Pferd zu Ehren des Mars geopfert. Anschließend kam es regelmäßig zu Prügeleien zwischen den Bewohnern der Subura und den Anwohnern der Via Sacra und des Palatins um das Recht, den glückbringenden Kopf des Pferdes in ihrem Viertel auszustellen.

Die Funktion des Feldes war aber seit frühester Zeit eine militärische, und so ist es sicher kein Zufall, dass das Gebiets nach dem Kriegsgott benannt ist und Mars hier über einen Altar verfügte, der später zu einem großen Heiligtum ausgebaut wurde, das in der nähe der Piazza Venezia vermutet wird. Auch das Amtsgebäude der Censoren (die Villa Publica) befand sich hier, die nur alle fünf Jahre amtierten und deren wichtigste Aufgaben die Zählung der Bürger und die Reinigung des Senats von unwürdigen Mitgliedern waren. Von besonderer Bedeutung war die Saepta, ein großer Platz von 310 Metern Länge und 44 Metern Breite. Hier versammelten sich die Comitia Centuriata, die nach Hundertschaften gegliederte Volksversammlung, die damit gleichzeitig einer Heeresversammlung glich. Bis in die späte Republik hatte sie gerade auf Grund der Tatsache, dass sich hier die wehrfähigen Männer nach Zenturien gegliedert versammelten, erhebliche Bedeutung: Hier wurden u.a. die Magistrate gewählt, über Krieg und Frieden entschieden und Todesurteile bestätigt. Demokratisch darf man sich das Prozedere allerdings nicht vorstellen: Abgestimmt wurde nach einem komplizierten Modus, der den vermögenden Schichten die absolute Stimmenmehrheit sicherte. Wie alle Orte der Volksversammlung war der Platz ein Tempelbezirk und nach den Himmelsrichtungen ausgerichtet - die Dominanz des riesigen Platzes erklärt damit nicht zuletzt die Orientierung dieses Teils des Marsfeldes.

Überhaupt war das Marsfeld vor allem durch öffentliche Bauten und Großbauten geprägt: Die Tatsache, das das Gebiet eben weitläufig und in Staatsbesitz waren, schufen ideale Voraussetzungen. Seit dem zweiten vorchristlichen Jahrhundert wurde in großem Stil gebaut - Portiken, Theater, Thermen, Tempel. Bis zum Ende der Kaiserzeit bot das Marsfeld Platz genug zur Verwirklichung städtebaulicher Großprojekte.

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Besonders baufreudig auch auf dem Marsfeld: Augustus
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Quelle: PD

Gebaut wurde auf dem Marsfeld etwa in drei wichtige Bauphasen: Zunächst in der Nähe der Servianischen Stadtmauer und entlang des Tibers, dann mit immer größerer Ausdehnung nach Norden. Auf die Zeit der Republik gehen einige Heiligtümer zurück: der Tempel des Apollo Medicus und der Bellona-Tempel etwa oder die Tempel der Area Sacra am Largo Argentina. Ab dem zweiten Jahrhunderts wurde auf dem Marsfeld immer mehr nach griechisch-hellenistischem Vorbild gebaut (nach der Eroberung Griechendlands standen wohl genug Architekten zur Verfügung): Der Circus Flaminius (221 v. Chr.), der sich in etwa auf Höhe der Tiberinsel direkt am Fluss befand, ein Tempel des Herkules (187 v. Chr.), die Portiken des Octavius (168 v. Chr.) und des Metellus (146 v. Chr.) - bis hin zum Theater des Pompeius in der Mitte des 1. Jahrhunderts vor Chr. Caesar hatte Pläne, die seiner würdig waren: Er wollte den Tiber umleiten und den Vatikan mit dem Marsfeld vereinen, was seine Ermordung jedoch vereitelte. Augustus, seine Verwandten und Freunde schließlich gestalteten das Zentrum der Ebene und gestaltete die Gegend um den Circus Flaminius völlig neu. Es entstanden das Theater des Marcellus, das Theater des Balbus, die Portikus der Oktavia, das Amphitheater des Statilius Taurus, die Thermen des Agrippa, das Pantheon, die Saepta, die Ara Pacis, die große Sonnenuhr und nicht zuletzt das Mausoleum des Augustus.

Die unmittelbaren Nachfolger des ersten Kaisers bauten dagegen vergleichsweise wenig, von Bedeutung waren vor allem die Thermen des Nero. Erst unter Domitian kam es zu einer neuen, weiteren wichtigen Bauphase: 80 n. Chr. hatte ein Brand weite Teile des Viertels zerstört, was erhebliche Neu- und Wiederaufbauten zur Folge hatte:

Dennoch breitete sich im folgenden Jahr [80 n. Chr.] ein zweiter Brand über sehr große Teile Roms aus, während sich Titus in Kampanien befand und sich um eine Katastrophe kümmerte, die die dortige Region getroffen hatte [der Vesuv-Ausbruch, der u.a. Pompeji zerstörte]. Es zerstörte den Tempel des Serapis, den Tempel der Isis, die Saepta, den Tempel des Neptun, die Bäder des Agrippa, das Pantheon, das Diribitorium, das Theater des Balbus, das Bühnenhaus im Theater des Pompejus, die Octavianischen Bauten zusammen mit den Büchern, und den Tempel des Iuppiter Capitolinus mit den umgebenden Tempeln. (Cassius Dio, 66,24)

Viele weitere Kaiser bauten auf dem Marsfeld Tempel und Profanbauten: Darunter der Tempel des Hadrian und die Marc-Aurel-Säule.

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