Rom im Netz: Das antike Rom

dies lunae ante diem VIII Idus Apriles MMDCCLXXIII ab urbe condita
Mondtag, 8. Tag vor den Iden des April, 2773. Jahr nach Grndung der Stadt

Crypta Balbi: Theater und Säulenhalle des Balbus

Der jüngste Sitz des Museo Nazionale Romano, des römischen Nationalmuseums, ist die Crypta Balbi: Krypta beschreibt in diesem Fall eine Porticus mit tiefen, schattigen und kühlen Säulenhallen - von Menschenhand geschaffene Höhlen. Eine solche Porticus lies der Offizier und Diplomat Lucius Cornelius Balbus Minor errichten, der - in Gades in Spanien geboren - unter Caesar in Gallien diente und auch für Augustus heikle Missionen übernahm. Durch Beute und die Ausbeutung seiner Heimatprovinz Hispania ulterior während seiner Quaestur kam er zu großem Reichtum. 20/21 v. Chr. diente er als Proconsul in der Provinz Africa, wo er erfolgreich Krieg gegen die Garamanten führte und in der Folge als erster, der bei seiner Geburt noch nicht das römische Bürgerrecht besessen hatte, einen Triumphzug bewilligt bekam. Gleichzeitig war dies der letzte Triumph eines Mannes, der nicht der kaiserlichen Familie angehörte.

Die Crypta Balbi war Teil eines Theaters, das Balbus auf dem Marsfeld errichten lies und das 13 v. Chr. geweiht wurde. Es befand sich direkt zwischen den benachbarten Theatern des Marcellus und des Pompeius und war das kleinste der drei Theater auf dem Marsfeld, dafür aber am exklusivsten und reichsten ausgestattet. An die Bühne anschließend (die gerade Seite der D-förmigen Theaterbauten) befand sich die Säulenhalle, die vielmehr ein zweigeschossiger Säulenumgang um einen quadratischen Innenhof war. Hier konnte man sich während der Spielpausen, zwischen oder oft auch während der Stücke aufhalten: Theater in Rom war kein abendliches Ereignis, sondern eine Ganztages-, oft auch mehrtägige Veranstaltung: Wie man einen Tag im Circus bei den Wagenrennen verbrachte, verbrachte man auch einen Tag im Theater, wo mehrere Aufführungen in einer Reihe gegeben wurden.

Der Theaterbau erstreckte sich zwischen den heutigen Straßen Via dei Delfini, Via Caetani und Via delle Botteghe Oscure. Im Jahr 80 n. Chr. wurde der Bau - wie so viele andere - von dem großen Feuer auf dem Marsfeld stark beschädigt und unter Domitian wieder aufgebaut. Dabei wurden die Außenbögen der Porticus zugemauert, was darauf schließen lässt, das der Bau nun für andere Zwecke Verwendung fand. Erneute Arbeiten gab es wenige Jahrzehnte später unter Hadrian, der die große, dem Theater gegenüberliegende Exedra der Porticus in eine große öffentliche Latrine umwandeln ließ.

In der Spätantike wurde das Theater wiederholt von Erdbeben, Feuern und Tiberhochwassern beschädigt. Theoderich nahm 507-511 eine letzte Renovierung vor, aber der Theaterkomplex wurde weiterhin genutzt: Während des ganzen Mittelalters, der Renaissance bis in die Moderne - wenn auch nicht mehr seiner ursprünglichen Bestimmung gemäß: Im 7.-9. Jahrhundert wurde in der Exedra Glas hergestellt, sie wurde als Müllhalde genutzt und in Brennöfen wurde der Marmor des imperialen Rom zu Kalk verbrannt. Ein kleiner Tempel, der in der Mitte des quadratischen Platzes gestanden hatte, wurde mit einer Kirche überbaut. Um das Jahr Tausend wurde das Theater in das Castrum Aureum umgewandelt, einen Festungsbau, der eine Kirche und ein Kloster umfasste. Ab dem 13. Jahrhundert kam es zu einer erneuten Wandlung und die Festung wurde zu repräsentativen Stadtresidenzen mehrerer Adelsfamilien.

Bis in die 1960er-Jahre hielt man die Rundung des Theaters fälschlich für die gebogene Seite des Circus Flaminius, der aber weiter westlich, am Tiber, lag. Seit 1980 fanden auf dem Gelände des Theaters und der Krypta groß angelegte Grabungen statt, deren Ergebnisse heute in Museo Nazionale Crypta Balbi präsentiert werden. Die bewegte Geschichte des Baukomplexes wird durch die Jahrhunderte nachgezeichnet.