dies saturni ante diem XIII Kalendas Maias MMDCCLXVII ab urbe condita
Saturntag, 13. Tag vor den Kalenden des Mai, 2767. Jahr nach Gründung der Stadt

Romulus und Remus: Die Gründung Roms

In Alba herrschte Proca als direkter Nachkomme des Aeneas, der mit seinem Großvater Anchises und einigen Getreuen aus dem brennenden Troja entkommen und sich in Latium niedergelassen hatte. Er hatte zwei Söhne: Numitor und Amulius. Dem älteren der beiden, Numitor, hinterließ er den Thron, doch der jüngere, Amulius, vertrieb seinen Bruder und riß die Krone an sich. Die Enkel seines Bruders lässt Amulius aussetzen, doch die Zwillinge werden von einer Wölfin gesäugt und gerettet. Nachdem sie herangewachsen sind, wird ihre Abkunft bekannt und sie töten Amulius. Sie beschließen, gemeinsam eine Stadt zu gründen, doch es kommt zum Streit, wer von beiden das Herrschaftsvorrecht ausüben dürfe. Romulus tötete den Remus:

Verbrechen auf Verbrechen häufend ermordete er [Amulius] die Söhne seines Bruders und machte die Tochter, Rea Silvia, zu einer Vestalin; so beraubte er sie, unter dem Vorwand, sie zu ehren, durch die dauernde Jungfräulichkeit aller Hoffnung auf Nachkommen.

Aber das Schicksal hatte, so meine ich, den Ursprung dieser größten aller Städte bereits beschlossen und die Grundlegung des größten Reiches nach dem der Götter. Die Vestalin wurde durch Gewalt überwunden und brachte Zwillinge zur Welt. Als ihren Vater nannte sie den Gott Mars, entweder weil sie es wirklich glaubte, oder weil die Schuld weniger groß schien, wenn ein Gott der Grund dafür war. Doch weder die Götter noch Menschen schützten sie und ihre Säuglinge vor der Grausamkeit des Königs. Die Priesterin ließ er ins Gefängnis werfen, die Knaben befahl er in den Fluss zu werfen. Doch durch die Fügung irgendeines Gottes war der Tiber gerade über die Ufer getreten, und durch die Überschwemmungen konnte man den eigentlichen Flusslauf nicht erreichen. Diejenigen, die die Kinder trugen, glaubten, dass dieses stehende Wasser genüge, um darin zu ertrinken, und indem sie glaubten, die erfüllten den Befehl des Königs, setzten sie die Knaben nahe der Fluten aus, dort wo der Ficus Ruminalis [Ruminalischer Feigenbaum] jetzt steht. Der Ort war damals eine wilde Einöde. Die Überlieferung berichtet weiter, dass das treibende Körbchen, in dem die Knaben ausgesetzt worden waren, vom zurückgehenden Wasser dort zurückgelassen wurde; eine durstige Wölfin aus den umliegenden Hügeln kam zu ihnen, angelockt vom Geschrei der Kinder, säugte sie und ging so freundlich mit ihnen um, dass der Hirte sie fand, wie sie die Knaben mit ihrer Zunge leckte. Es heißt, sein Name sei Faustulus gewesen. Er brachte die Kinder zu seiner Hütte und gab sie seiner Frau Larentia zur Erziehung. Manche glauben, sie sei wegen ihres für jedermann zugänglichen Körpers bei den Hirten Lupa [das gleichlautende lat. Wort für Wölfin und Hure] genannt worden und dies sei der Ursprung der wunderbaren Geschichte. Sobald die so geborenen und aufgezogenen Knaben zu jungen Männern heranwuchsen, vernachlässigten sie nicht ihre Pflichten als Hirten, aber ihr besonderes Vergnügen war es, die Wälder zu durchstreifen und zu jagen. Als ihre Kraft und ihr Mut so gewachsen waren, lauerten sie nicht nur auf wilde Raubtiere, sondern auch auf Räuber, die mit Beute beladen waren. Was sie erbeuteten verteilten sie unter den Hirten, mit denen sie, umgeben von einer immer weiter anwachsenden Schar junger Männer, Pflicht und Freude teilten.

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Faustulus mit Romulus und Remus (Pietro da Cortona 1650)
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Quelle: PD
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Faustulus mit Romulus und Remus (Peter Paul Rubens, 1614)
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Plutarch schildert das Geschehen mit leichten Abweichungen:

Nahe dieses Platzes [an dem der Korb angeschwemmt wurde] wuchs ein Feigenbaum, den sie Ruminalis nannten [...] Als die Kinder dort lagen, so erzählt uns die Geschichte, säugte sie eine Wölfin, und ein Specht nährte und bewachte sie; diese Tiere gelten dem Mars als heilig. [...] Dies belegt, so gut es überhaupt möglich ist, dass der Vater des Kindes der Gott Mars war, wie die Mutter behauptete. Andere sagen, diese Fabel [von der Wölfin] kam von der Amme der Kinder, durch die Zweideutigkeit der Bezeichnung: Denn die Latiner nannten nicht nur die Wölfin Lupa, sondern auch Frauen mit einem lockeren Lebenswandel, und so eine war die Frau des Hirten Faustulus, die die Kinder nährte. [...] Inzwischen zog Faustulus die Knaben groß, ohne dass jemand davon wusste. [...] Und sie wurden Romulus und Remus genannt.

Zurück zu Livius:

Es heißt, das Fest der Lupercalia, das heute noch begangen wird, sei schon in diesen Tagen auf dem Palatin gefeiert worden. Der Hügel hieß ursprünglich Pallantium, von einer Stadt gleichen Namens in Arkadien; der Name änderte sich später zu Palatium. Evander aus dem Geschlecht der Arkadier hatte das Gebiet viele Generationen zuvor beherrscht, und hatte ein arkadisches Fest eingeführt, währenddessen junge Männer nackt herumliefen, sowohl spielerisch als auch zügellos, um den Lykäischen Pan zu verehren, den die Römer später Inuus nannten. [...] Während die beiden Brüder sich daran beteiligten, als die Räuber, wütend über den Verlust ihrer Beute, sie überfielen. Romulus verteidigte sich erfolgreich, aber Remus wurde gefangen genommen und vor Amulius gebracht, und klagten ihn an. Das Hauptverbrechen, dessen man ihn beschuldigte, war, dass er mit einer Schar junger Männer, die sie versammelt hatten, auf Numitors Land vorgedrungen seien und Beute weggeschleppt hätten, als ob sie sich im Krieg befänden. Remus wurde dementsprechend dem Numitor zur Bestrafung übergeben. Faustulus hatte von Anfang an den Verdacht gehegt, er ziehe königliche Kinder groß, denn er hatte wusste, dass die Knaben auf des Königs Befehl ausgesetzt worden waren und dass der Zeitpunkt genau mit dem übereinstimmte, an dem er sie zu sich genommen hatte. Er hatte sich jedoch geweigert, die Sachlage frühzeitig zu enthüllen, bevor nicht eine günstige Gelegenheit oder die Notwendigkeit es erforderten. Die Notwendigkeit kam zuerst. Sich um die Sicherheit des Romulus sorgend weihte er Romulus ein. Gleichzeitig begann sich Numitor, der Remus in seiner Gewalt hatte, seiner Enkel zu erinnern, als er hörte, dass dieser und sein Bruder Zwillinge seien, ihr Alter verglich und Charakter und Auftreten bemerkte, die so gar nicht zu jemandem in dienender Position passen wollten. Durch weitere Nachforschungen kam er zum gleichen Schluss, und so war er nahe daran, Remus zu erkennen. So wurde des Königs List von allen Seiten zunichte. Romulus ließ seine Hirten nicht in einer Schar vorrücken - denn er war König Amulius im direkten Kampf nicht gewachsen - sondern wies sie an, auf verschiedenen Wegen vorzugehen und sich zu einer bestimmten Zeit zu treffen. Und im Haus des Königs half Remus, der eine eigene Schar gesammelt hatte. So starb der König.

[...] Nachdem die Regierung in Alba wieder auf Numitor übergegangen war, wurden Romulus und Remus von dem Verlangen ergriffen, eine Stadt an der Stelle zu bauen, wo sie ausgesetzt und erzogen worden waren. Die Bevölkerung Albas wie auch die Latiums war zu groß; hinzu kamen die Hirten, die sich alle leicht die Hoffnung machten, dass Alba und Lavinium klein erscheinen würden vor der Stadt, die gegründet werden sollte. Diese angenehmen Überlegungen durchkreuzte aber der alte Fluch, die Begierde zu herrschen, der zu einem heftigen Streit über das führte, was anfangs einfach genug schien. Da sie Zwillinge waren, konnte keine Vorrecht auf der Basis des Alters geltend gemacht werden, und so entschieden sie sich, die Schutzgötter des Ortes zu befragen, indem sie den Vogelflug beobachteten [Augurium], um zu entscheiden, wer der neuen Stadt seinen Namen geben sollte und wer sie nach ihrer Gründung beherrschen sollte. Romulus wählte den Palatin, Remus den Aventin als heiligen Ort der Beobachtung.

Remus, so heißt es, wurde das erste Omen zuteil: Er sah sechs Geier. Dies war dem Romulus gerade mitgeteilt worden, als ihm die doppelte Anzahl erschien. Jeder von beiden wurde von seinen Anhängern zum König ausgerufen. Die einen stützten ihren Anspruch auf den früheren Zeitpunkt der Beobachtung, die anderen auf die Zahl der Vögel. Es kam zu einer heftigen Auseinandersetzung, erhitzte Gemüter führten dazu, dass Blut floss; dies führte zum Tod des Remus. Die weiter verbreitete Überlieferung ist, dass Remus geradezu spielerisch über die neu errichtete Mauer sprang und daraufhin von dem wütenden Romulus getötet wurde, der ausrief: "So soll es in Zukunft jedem ergehen, der meine Mauer übersteigt". So wurde Romulus zum alleinigen Herrscher, und die Stadt wurde nach ihm, ihrem Gründer, benannt.

Noch einmal Plutarch mit einer leicht abweichenden Fassung:

Kaum hatten sie [Romulus und Remus] entschieden, eine einzige Stadt zu erbauen, als sie schon wegen des Ortes in Streit gerieten. Romulus legte die sogenannte Roma quadrata [auf dem Palatin] an und wollte dort die Stadt erbauen; Remus dagegen bestimmte dazu einen festen Platz auf dem Mons Aventinus [...]. Sie einigten sich, diesen Streit durch Auspizien zu entscheiden, und als sie sich zu diesem Zweck an zwei verschiedenen Orten niedergelassen hatten, sollen Remus sechs, Romulus aber doppelt so viele Geier erschienen sein. Manche behaupten, Remus habe die Geier wirklich gesehen, Romulus aber gelogen, und die zwölf Geier erst gesehen, nachdem Remus wieder zu ihm gekommen war. [...] Remus war über den entdeckten Betrug sehr wütend, und als Romulus einen Graben aushob, der die Mauer umgeben sollte, spottete er nicht nur über die Arbeit, sondern mühte sich auch, sie auch zu behindern. Zuletzt sprang er sogar mit einem Satz über den Graben. Es heißt, er wurde von Romulus selbst, folgt man anderen aber von Celer, einem seiner Anhänger, erschlagen.

Livius, ab urbe condita 1,3-7 und Plutarch, Das Leben des Romulus 9 f.

Hinweis: Ich habe mir bei der Übersetzung gelegentlich einige Freiheiten herausgenommen, die dazu führen, dass sich der Text nicht zur Hausaufgabenerstellung eignet.


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