Rom im Netz: Das antike Rom

dies mercurii ante diem VI Kalendas Augustas MMDCCLXIX ab urbe condita
Merkurtag, 6. Tag vor den Kalenden des August, 2769. Jahr nach Grndung der Stadt

Der flavische Palast: Domus Flavia, Domus Augustana, Stadion

Kaiser Domitian gab zu Beginn seiner Regierungszeit einen neuen Palast in Auftrag: Er sollte zentral, am hchsten Punkt des Palatin liegen. Zu diesem zweck wurde die Senke zwischen den beiden Gipfeln des Hgels aufgeschttet und so sein Aussehen nachhaltig verndert: Die Gebude, die sich dort zuvor befunden hatten, verschwanden; vor allem deshalb sind einige davon noch heute vergleichsweise gut erhalten und beherbergen einige der schnsten Wandmalereien, die in Rom aus der Antike erhalten sind (Haus des Greifen, Isis-Aula, nicht zuletzt Teile von Neros Domus Transitoria).

Der groe flavische Kaiserpalast besteht aus drei, relativ klar voneinander abgegrenzten Teilen: die Domus Flavia, die der Reprsentation des Kaisers und den Amtsgeschften diente und die im Westen des Palastkomplexes lag; die Domus Augustana im Zentrum, in der sich die Privatrume des Kaisers befanden, und schlielich im Osten das Stadion. Noch heute vermittelt der Ziegelbau eine Vorstellung von der Monumentalitt des Palastes und dem architektonischen und Handwerklichen knnen seiner Erbauer, und die zeitgenssischen Quellen sind voll der Bewunderung. Fast vollstndig den Plnderungen spterer Jahrhunderte zum Opfer gefallen ist leider die prchtige Ausstattung.

Der Rundgang sollte bei der Domus Flavia beginnen. Ihr vorgelagert ist sowohl auf der Nord- als auch auf der Westseite eine Portikus. An der Nordfassade verlief eine Art Terrasse (1), auf der sich der Kaiser zeigte und die sich zu drei Slen ffnete, in denen offizielle Handlungen vorgenommen wurden. Der linke (2) wurde - ohne berzeugenden Grund - fr das Lararium, das Privatheiligtum des Kaisers gehalten. Der mittlere, mit 30 x 39 Metern der grte der drei, wird Aula Regia (3) genannt; in der dem Eingang gegenberliegenden Apsis befand sich ein Thron, hier hielt der Kaiser Audienz. An den Wnden sind berreste der Dekoration erhalten, zwei Kolossalstatuen aus Marmor (Apollo und Herkules) wurden nach ihrer Entdeckung um 18. Jahrhundert nach Parma geschafft. Der rechte Saal, eine dreischiffige Basilika (4), diente entweder fr Gerichtsverhandlungen oder politischen und verwaltungstechnischen Besprechungen.

Hinter den Slen fhren Durchgnge zu einem groen Peristyl (5), in dessen Zentrum ein achteckiger Brunnen liegt. Die berlieferung will, dass Domitian hier bevorzugt spazieren ging: Die kappadokischen Marmorplatten der umlaufenden Sulenhalle spiegelten, und so konnte der Kaiser - stndig in Angst vor einem Anschlag auf sein Leben - sehen, was hinter seinem Rcken vorging. Hinter dem Peristyl folgte das Triclinium (6): Die Cenatio Iovis, der Speiseraum Iuppiters, verfgte ber farbigen Marmorfuboden, von dem sich Reste in der Exedra erhalten haben; hier stand bei Banketten - etwas erhht - der Tisch des Kaisers, der den Blick auf die Wasserspiele und Gartenanlagen des Peristyls genieen konnte. hnliches bot der Ausblick an den beiden Seitenwnden, wo groe Fenster den Blick auf zwei symmetrisch angelegte elliptische Brunnenanlagen (Nymphen, 7) freigaben, von denen eines noch erhalten ist.

Hinter dem noch erhaltenen, rechten Nymphum steht der Rest des Casino Farnese, gegenber das Museo Palatino, das Palatin-Museum. An der Rckseite des Tricliniums fhren Durchgnge in einen Sulengang (8), dahinter folgen zwei groe Rume mit Apsiden, in denen man wohl Bibliotheken (9) - wie blich: eine rmische und eine griechische - erkennen kann.

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Das erhaltene, an das Triclinium angrenzende Nymphum (7)
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Quelle: Roma Antiqua

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Der wohl meistfotografierte Baum auf dem Palatin - er wchst auf der Insel der Brunnenanlage, auf der das Tempelchen stand (11)
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Quelle: Roma Antiqua

stlich an die Domus Flavia schloss sich die Domus Augustana an, die einen anderen, wenn auch nicht weniger prchtigen und verschwenderischen Charakter hatte als der Reprsentationsteil des Palastkomplexes. Hier finden sich nicht nur groe Sle, sondern groe und kleine Rume, gruppiert um mehrere Peristyle, wechseln einander ab. Auch war die Domus Augustana zweigeschossig: Der obere Teil befand sich auf der gleichen Ebene wie die Domus Flavia, der untere lag rund 12 Meter darunter. Die oberen Gebudeteile gruppierten sich um ein von Sulenhallen umgebenes Peristyl (10), in dessen Wasserbecken sich in der Mitte eine Insel mit einem Tempelchen (11) erhob, das ber eine kleine Brcke erreicht werden konnte und vermutlich der Minerva geweiht war (auf dem Grundriss leider nicht eingezeichnet). Zu beiden Seiten des Peristyls befanden sich eine Reihe von Rumen unterschiedlicher Gre. ber den nrdlich angrenzenden Bereich ist kaum etwas bekannt, hier wird eine groe Eingangshalle vermutet.

Im Sden trat man durch die Sulen in einen halbrunden Saal, an den symmetrisch angelegt Wohn-, Schlaf- und Baderume angrenzen (12). In einem der Rume sdlich des Peristyls befindet sich die Loggia Mattei (13): Die Eigentmer, die Familie Mattei, berdachte einen Hof mit einem Gewlbe, das wohl von Peruzzi um 1520 ausgemalt wurde.

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Der Sulenhof auf der unteren Ebene der Domus Augustana, mit Brunnenanlage (14)
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Quelle: Roma Antiqua

Geht man weiter nach Sden, kann man von einer Art Galerie die untere - leider momentan nicht zugngliche - Ebene des Palastes einsehen, das ber eine antike Treppe hinter dem Museumsgebude erreichbar wre. Im Zentrum der unteren Ebene befindet sich der groe, zweigeschossige Sulenhof (14), von dessen oberen Ebene der Betrachter hinabschauen kann. Auch hier befindet sich in seinem Zentrum eine groe Brunnenanlage. Um das Becken herum hat man sich eine Gartenlandschaft aus Blumenbeeten, Bschen und Statuen vorzustellen, und besonders im Sommer muss der Aufenthalt in den angrenzenden, schattigen Rumen sehr angenehm gewesen sein. Zum Palatin schloss der Palast mit einer gewaltigen Exedra.

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Das Hippodrom oder Palatinische Stadion
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Quelle: Roma Antiqua
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Die Kaiserloge im Hippodrom (14)
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Quelle: Roma Antiqua

Wiederum stlich an die Domus Augustana anschlieend befindet sich das Palatinische Stadion oder Hippodrom. Die Anlage (160 x 48 Meter) war von einer zweigeschossigen Portikus umgeben und verfgte in der Mitte der stlichen Lngsseite ber eine Kaiserloge (14). An beiden Enden der Arena befanden sich Brunnen, die ovale Einfriedung in ihrer Mitte wurde bisher nicht zufriedenstellend gedeutet. Sie stammt aus einer spteren Epoche. Ebenfalls in der Sptantike wurde in der Mitte des Stadions eine Sulenhalle errichtet, deren Basen noch erkennbar sind. Das rmische Hippodrom stammt in seiner Nutzung vom griechischen Gymnasion ab - es ist eher als eine Art Parkanlage zu verstehen, die von Wegen und Alleen durchzogen war und die dank einer reichen Ausstattung an Plastiken auch an Kunstgalerien erinnerten.

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