Zwischen stürmischen Windböen mit Regen, Sonnenschein und Hagelschauern war ich gestern aus gegebenem Anlaß wenigstens in Gedanken immer wieder in Rom unterwegs. Da ich mir unsicher bin, ob es „alla scoperta di Roma“ oder auch „un giro in Italia“ war, bliebe ich diesmal bei „Roma oggi e ieri“ (weil es aktuell („oggi“) schon so lange her ist, dass ich dort das letztemal („ieri“) unterwegs gewesen bin).
Festtag der heiligen Katharina von Siena
Der gegebene, gute Anlaß für römische Erinnerungen war der Gedenktag der heilige Katharina von Siena. Auf den Lebensweg dieser Kirchenlehrerin und Patronin von Europa und Italien -und auch unserer Pfarrgemeinde – möchte ich einige Blicke richten.
Gleich vorneweg: Quelle der Zitate
wikipedia - Katharina von Siena
Katharina von Siena kam am 25. März 1347 als Caterina Benincasa zur Welt. … Sie war das zweitjüngste der 25 Kinder von Jacobo Benincasa und Lapa Di Puccio Di Piagente, die zum Adel gehörten. Da die Familie verarmt war, musste ihr Vater als Wollfärber den Lebensunterhalt verdienen. ... Katharina wuchs ohne Ausbildung heran; Lesen und Schreiben lernte sie erst viel später.
Bereits als etwa sechsjähriges Kind hatte sie der Überlieferung zufolge ihre erste Vision. Sie sah über dem Dach der Dominikanerkirche „ein wunderschönes, mit königlicher Pracht geschmücktes Brautgemach. Darin sah sie den Erlöser der Welt, ...“ ... Nach dieser Vision zog sich Katharina mehr und mehr zurück und suchte die Einsamkeit.
Als sie das heiratsfähige Alter von zwölf Jahren erreicht hatte, soll sie sich ... geweigert haben, ... Wert auf ihr Äußeres zu legen. [Sie soll z.B. einmal mit rasiertem Kopf an den Esstisch gekommen sein und hatte durch eine Pockenerkrankung auch Narben im Gesicht zurückbehalten.] Sie widersetzte sich der Heiratsvermittlung ihrer Eltern und geriet deswegen mit ihnen in Konflikt. In einer Vision soll Katharina den hl. Dominikus im Kreis anderer Heiliger gesehen haben. Dieser habe ihr das Ordensgewand der Schwestern von der Buße des heiligen Dominikus gezeigt und ihr versprochen, diesem Orden angehören zu dürfen.“
Sie wurde also eine „Mantellatin“ im Dritten Orden der Dominikaner (so genannt wegen ihres langen schwarzen Umhanges über dem weißen Gewand) und wohnte weiterhin im Elternhaus.
Eine Vision, die mystische Vermählung, soll das Leben Katharinas radikal verändert haben. In dieser Vision sei ihr Christus erschienen, der ihr einen Ring über den Finger gestreift habe [den nur sie selbst sah]… Katharina ging daraufhin in die Öffentlichkeit. Sie stellte ihr Leben in den Dienst der Mitmenschen. … Sie half im Haushalt ihres Elternhauses und unterstützte Arme, Kranke und Gefangene. Sie wurde zur geistlichen Mutter für viele, darunter Mantellatinnen, Bekannte, Freunde, Dominikaner und Mitarbeiter der Sieneser Spitäler.
Auf ihrem Weg durch die Stadt Siena ist sie vermutlich auch durch solche Gassen gegangen, hat den Dom gesehen,
ist über die Piazza del Campo am Palazzo Pubblico vorbei gelaufen
und hat vielleicht am Brunnen beim Stadttor
Fontebranda Wasser geschöpft.
Katharina äußerte sich außer zu kirchlichen Fragen auch in politischen und gesellschaftlichen Belangen – für eine Frau in dieser Zeit äußerst ungewöhnlich und Aufsehen erregend.“
Sie verfasste Briefe an hochgestellte Persönlichkeiten, die sie zeitweise drei verschiedenen Sekretären gleichzeitig diktierte. 1374 wurde sie vor das Generalkapitel des Dominikanerordens nach Santa Maria Novella in Florenz
zitiert und musste sich dort für ihr ungewöhnliches Verhalten und auch ihre Visionen rechtfertigen. Sie konnte jedoch vor den Ordensoberen alle Bedenken gegen sich ausräumen und wurde vom Vorwurf der Ketzerei freigesprochen. Von nun an durfte sie ihre Schriften gefahrlos veröffentlichen und in offiziellem Auftrag der Kirche reisen und predigen. Jedoch wurde ihr
Raimund von Capua als geistlicher Begleiter und Beichtvater zugewiesen.
Ihre Persönlichkeit beeindruckte ihn [jedoch] tief und hatte Einfluss auf sein weiteres Leben.
Er verfasste später ihre Biografie, die
Legenda maior.
Sie hielt öffentliche Ansprachen und brachte dabei – wenn sie es gerade aufgrund ihrer Verbundenheit mit der Kirche für nötig hielt – auch scharfe Kritik an den kirchlich und politischen Verantwortlichen an. Bald verbreitete sich ihr Ruf in ganz Europa. Menschen aus allen Ländern fragten sie um Rat – darunter selbst der Papst, den sie ihrerseits nicht schonte, sondern ihn auch prophetisch mahnte. Auflehnung gegen die päpstliche Autorität war ihr jedoch fremd.
"Im Garten der Kirche müssten die faulenden Pflanzen ausgerissen und durch frische, duftende neue Pflanzen ersetzt werden" - das ist kein aktuelles Zitat, sondern stammt aus dem 14. Jahrhundert und ist von Katharina von Siena.
1376 reiste Katharina nach Avignon. Sie überzeugte Papst Gregor XI. nach Rom zurückzukehren. Ein Jahr später begann das große [abendländische] Schisma, wobei Katharina zu Papst Urban VI. stand. Auf seinen Wunsch hin zog sie nach Rom. Von dort aus kämpfte sie für die Einheit der Kirche und für eine Friedenslösung im krisengeschüttelten Italien.“
Katharina pflegte auch in Rom guten Kontakt zu den Dominikanern oben auf dem Aventinshügel bei der Kirche Santa Sabina.
Im kleinen Kreuzgang-Garten neben der Kirche Santa Sabina wächst ein Orangenbäumchen, dessen Ur-Wurzeln noch immer jene des Bäumchens sein sollen, das der heilige Dominikus aus seiner spanischen Heimat mit nach Rom gebracht hat.
Katharina von Siena soll Papst Urban VI. kandierte Orangen aus den Früchten dieses Baumes geschenkt haben. Trotz ihres Wohlwollens ihm gegenüber hörte sie nicht auf, ihn zu kritisieren und zurechtzuweisen.
Katharinas Hoffnung auf Kirchenreformen durch Urban VI. erfüllte sich nicht. Ihre Briefe aus dieser Zeit zeugen von ihrer Ohnmacht und Verzweiflung angesichts der gespaltenen Kirche. Ihr Gesundheitszustand verschlechterte sich zusehends, unter Schmerzen siechte sie monatelang dahin. Am 29. April 1380 starb sie schwer erkrankt mit 33 Jahren, der Überlieferung nach in der Peterskirche in Rom, wohin sie sich noch täglich geschleppt habe, wahrscheinlicher aber in ihrer Unterkunft nahe der Kirche Santa Maria sopra Minerva.
Dort ist sie auch beigesetzt. Seit 1855 befinden sich ihre Reliquien in einem Schrein unter dem Hochaltar. (Ihre Hauptreliquie wurde in die Dominikanerkirche ihrer Heimatstadt Siena gebracht.) Da ich kein eigenes Foto von dem Schrein gefunden habe,
hier der Link zu einer Abbildung davon. Da ich dem Reliquienkult und einbalsamierten Heiligen eher skeptisch gegenüberstehe habe ich in Santa Maria sopra Minerva eher Altarbilder und den Christus von Michelangelo abgelichtet.
Katharina wird in der katholischen Kirche als Schutzpatronin Europas, Italiens und der Stadt Rom verehrt. Sie wird zur Abwehr von Feuer, Pest und Kopfschmerzen angerufen und gilt außerdem – passend zur jetzigen Pandemie-Zeit - als Patronin der Krankenschwestern und der Sterbenden.
Katharina von Siena ist im Stadtbild von Rom wohl am markantesten sichtbar als Denkmal nahe der Engelsburg.
Dieses Denkmal wurde von dem aus Sizilien stammenden Künstler Francesco Messina geschaffen und am 30. April 1962 eingeweiht. Der Standort wurde gewählt, da Katharina während der Fastenzeit 1380 jeden Tag frühmorgens von ihrer Unterkunft an der Piazza di S. Chiara über die Tiberbrücke bei der Engelsburg nach St. Peter ging, wo sie für die Einheit der Kirche zu beten pflegte.
Bevorzugtes Modell von Francesco Messina war die damals knapp 20jährige italienische Sängerin und Schauspielerin Maria Sole, die er hier als Katharina von Siena „verewigte“.
Die einzelnen Darstellungen auf dem Monument beziehen sich auf Ereignisse im Leben der Heiligen:
sie diktiert den Sekretären ihre Schriften
sie geht in die Gefängnisse und steht Gefangen in ihrer letzten Lebensstunde bei
bei einem Aufstand in Florenz entgeht sie mit Hilfe eines Engels unverletzt der Verfolgung
sie beschwört Papst Gregor XI. nach Rom zurückzukehren
„Mein Wesen ist Feuer“ sagte diese beeindruckende Frau über sich.