Da kein aktueller Rom-Reisebericht in Aussicht steht wieder einmal ein "Römisches Kalenderblatt".
Am 9. März wird der heiligen
Francesca Romana gedacht, der Patronin der Stadt Rom, der Frauen und der Autofahrer.
Francesca wurde 1384 geboren, ihre Eltern waren Paolo Bussa und Iacobella Roffredeschi. Die angeseheneFamilie wohnte in der heutigen Via di Santa Maria dell'Anima.
Francesca wurde in der nahegelegenen Kirche Sant’Agnese in Agone getauft.
Man weiß nicht viel über ihre Ausbildung, vermutlich konnte sie lesen jedoch nicht schreiben. Schon als kleines Kind begleitete sie ihre Mutter oft zur Kirche Santa Maria Nova. Ein dort tätiger Benediktiner bemerkte bereits damals ihre Vorliebe für das klösterliche Leben, die sie auch im familiären Umfeld zu leben versuchte. Den Wunsch, ins Kloster zu gehen, konnte sie sich jedoch nicht erfüllen. Der Vater hatte andere Pläne mit ihr.
Die Familie Bussa de'Buxis de' Leoni war während der Zeit als die Päpste in Avignon weilten zu Besitz und Einfluss gekommen, der jedoch abnahm, als die Päpste Ende des 14. Jh. wieder nach Rom zurückkehrten. Um als Großgrundbesitzer und Kaufmann wieder mehr Ansehen zu bekommen entschied der Vater, dass Francesca den adeligen Lorenzo de' Ponziani heiraten musste. Die Familie Ponziani war mit ihren vielen Ländereien und durch Viehzucht reich geworden, sie galten als adelig und der Vater hatte als Konsul politischen Einfluss.
Gegen ihren Willen kam Francesca mit ungefähr zwölf Jahren (1395 oder 1396) in den
Palazzo der Familie Ponziani, der sich in Höhe des Ponte Rotto
auf der anderen Tiberseite nahe der Kirche Santa Cecilia in Trastevere befand,
und wurde dem etwa gleichaltrigen Lorenzo versprochen.
Der Palazzo Ponziani in der Via di Vascellari 61 beherbergt heute ein Hotel.
Obwohl sich Francesca nach der Heirat mit Lorenzo de' Ponziani in einer privilegierten Situation befand, war ihr Leben geprägt von familiären Schwierigkeiten. Sie konnte sich in der neuen Umgebung nicht einleben, litt an psychischen und gesundheitlichen Störungen. Aber sie war auch mystisch begabt und hatte zahlreiche Visionen. Nach einer dieser Visionen veränderte sich ihre Einstellung zu ihrem Leben, das sie nicht im Kloster verbingen konnte, und sie fügte sich in ihr Dasein als Ehefrau. Vierzig Jahre war sie mit Lorenzo, der Befehlshaber der päpstlichen Truppen war und als stürmisch und kühn beschrieben wird, glücklich verheiratet. Mit 16 Jahren bekam sie das erste ihren sechs Kinder, die jedoch nicht alle überlebten, zwei starben an der damals grassierenden Pest.
Nachdem sie von einer schweren Erkrankung genesen war, begann sie, zusammen mit ihrer Schwägerin Vannozza, sich in vielfältiger öffentlicher Form um Kranke und Arme zu kümmern. Die Ehemänner der beiden hatten Verständnis dafür, ließen sie trotz Anfeindungen aus der Familie und der Öffentlichkeit gewähren – so fromme und karitativ engagierte Frauen fand man damals nicht so gut - und nahmen sie sogar in Schutz. Francesca vernachlässigte trotz ihrem Dienst an den Armen und Kranken nicht ihre Pflichten als Hausfrau und Familienmutter. Zwei Stunden Schlaf täglich sollen ihr gereicht haben. Hingebungsvoll pflegte sie ihren Mann, der während der Besetzung Roms durch neapolitanische Truppen verletzt wurde und sich davon bis zu seinem Tod 1436 nicht mehr erholte.
Francesca hatte ihre Sehnsucht nach einem Leben im Kloster nie aufgegeben. Zusammen mit ihrer Schwägerin gründete sie am 15. August 1425 in der Kirche Santa Maria Nova die „Compagnia delle Oblate del Monastero Olivetano di S. Maria Nuova“, einen Orden für „karitativ tätige adlige Frauen“ nach der Regel des heiligen Benedikt. Nach dem Tod ihres Mannes trat sie nun selbst als Nonne in diesen Orden ein, dem sie kurz darauf als Oberin vorstand.
Die Gemeinschaft lebte seit 1433 in einem Gebäudekomplex unterhalb des Kapitols. Sie nannten sich nun „Nobili Oblati di Tor de' Specchi“. Der Orden der „Vornehmen Oblaten am Tor de' Specchi“ hat noch heute im Kloster Tor de' Specchi ihren Sitz.
Francesca kehrte nochmal in den Palazzo Ponziani zurück, um ihren an der Pest erkrankten Sohn zu pflegen. Nach seiner Genesung erkrankte sie selbst und starb wenige Tage darauf am 9. März 1440. Nachdem viele Menschen von der geliebten und geachteten Verstorbenen Abschied nehmen wollten, wurde sie aus dem Familienpalazzo in die Kirche Santa Maria Nova gebracht, wo sie in einem offenen Sarg aufgebahrt und dann dort bestattet wurde. 1608 wurde sie heiliggesprochen und so trägt die Kirche heute auch ihren Namen:
Santa Francesca Romana: Schutzpatronin der Frauen – das leuchtet ohne weiteres ein; nicht umsonst folgt ihr Gedenktag auf den Weltfrauentag

. Aber warum Patronin der Autofahrer? Unter ihren zahlreichen Visionen, die ihr Beichtvater aufschrieb, ist auch die ihres sie immer begleitenden Schutzengels. Es heißt, er habe ihr immer so viel Licht gespendet, dass sie sich auch in den dunkelsten Gassen zurechtfand und sogar nachts lesen konnte. Vielleicht hat sie Papst Pius IX. deshalb als Beschützerin der Autofahrer ausersehen.
Die traditionelle
Autosegnung – vielleicht wäre besser: Segnung der Autofahrer? - vor der Kirche Santa Francesca Romana am Festtag der Heiligen habe ich nie miterlebt, es scheint sie aber immer noch zu geben.
Da vertraue ich lieber auf die Begleitung eines Schutzengels.
Ausführliche und schön bebilderte Beschreibungen zum Monastero der Oblaten am Tor de' Specchi und auch zur Kirche Santa Francesca Romana, auch Santa Maria Nova, sind im Forum zu finden. Ich selbst habe an die Kirche nur die Erinnerung, dass ich im Rahmen eines sommerlichen Festivals einmal ein schönes Konzert in der Kirche Santa Francesca Romana erleben durfte.