S. Marta al Collegio Romano
Die dekonsakrierte Kirche S. Marta befindet sich an der Piazza del Collegio Romano mit Blick auf das Gymnasium E.Q. Visconti.
Die ehemalige Titelheilige Martha von Bethanien war die Schwester von Lazarus, den Jesus von den Toten erweckte. Bei ihr und ihren Geschwistern machten Jesus und die Jünger gerne Rast.
Im Haus von Bethanien erlebte der Herr Jesus den Familiensinn und die Freundschaft von Martha, Maria und Lazarus; deshalb heißt es im Johannesevangelium, dass er sie liebte. Martha nahm ihn in Gastfreundschaft großzügig auf, Maria hörte aufmerksam auf sein Wort, und Lazarus stieg auf den Befehl dessen, der den Tod erniedrigt hatte, sogleich aus dem Grab.
Quelle:
DEKRET über die Feier der heiligen Marta, Maria und Lazarus im Römischen Generalkalender (26. Januar 2021)
Später in ihrem Leben wurde sie der Legende nach mit anderen in einem steuerlosen Boot auf dem Mittelmeer ausgesetzt und erreichte Marseille. In Tarascon soll sie einen furchterregenden Drachen gezähmt haben. Daher wird sie oft mit einem Drachen, den sie an einer Leine führt dargestellt.
Oft bin ich an S. Marta vorbeigekommen und habe die frühere Kirche fotografiert, aber immer war sie verschlossen. Die Kirche wurde Anfang der sechziger Jahre von der Soprintendenza restauriert und schließlich dem Ministerium für Kulturerbe übergeben. Sie beherbergt seit 2017 das ICR (Istituto centrale per il restauro).
Anschauungsmaterial zu Restaurierungstechniken
2019 ergab sich spontan die Gelegenheit S. Marta zu besuchen. Ein Angestellter verbrachte gerade eine Zigarettenpause vor der Tür und als er bemerkte, dass wir interessiert waren, winkte er uns heran, bat uns einzutreten und uns umzusehen. Das taten wir in aller Ruhe und verabschiedeten uns mit einem herzlichen Dankeschön für die so unerwartet gebotene Möglichkeit das Kircheninnere sehen zu dürfen.
Zur Geschichte und Ausstattung der ehemaligen Kirche
Die Ursprünge von S. Marta gehen darauf zurück, dass Ignatius von Loyola 1543 beschloss, ein Heim für sogenannte "malmaritate", die Schlechtverheirateten zu gründen. Also für Frauen, die ihrem elenden Leben entfliehen wollten, ohne in ein Kloster einzutreten.
Das Institut wurde neben einem Kloster von Augustinerinnen errichtet und blieb dort bis 1561. Nach der Verlegung des Instituts wurde das Gebäude von den Augustinerinnen gekauft und in ihren eigenen Komplex eingegliedert.
Man erkennt die Kirche und die umgebenden Gebäude auf folgender Nachzeichnung von 1610 einer älteren Karte:
Ab 1668 wurde das Kloster vergrößert und die 1570 geweihte Kirche S. Marta ab 1671 umstrukturiert und ausgeschmückt. Daran arbeiteten die Architekten
Giovanni Antonio De Rossi und später
Carlo Fontana, wobei letzterer der Autor der endgültigen Barockstruktur der Kirche war.
S. Marta hat ein einziges Schiff, das von einem Tonnengewölbe bedeckt und durch sechs Seitenkapellen bereichert wird. Die Kapellen sind von Bögen eingerahmt, die auf Pilastern mit vergoldeten korinthischen Stuckkapitellen ruhen und ein teilweise vergoldetes Gebälk tragen. Darüber befinden sich heute teils zugemauerte Fenster, die von Stuckarbeiten mit Muscheldarstellungen gekrönt sind.
Die Fassade wird durch ein vorspringendes Gesims in zwei Ordnungen geteilt; die untere Ordnung ist durch Pilaster gegliedert und enthielt ursprünglich ein Portal aus dem 16. Jahrhundert, das von zwei Nischen flankiert wurde, die Anfang des 20. Jahrhunderts in Fenster umgewandelt wurden. Die obere Ordnung wurde mit einem Fresko von
Giovanni Battista Gaulli verziert, das den ewigen Vater im Tympanon darstellt, sowie mit zwei Fresken in den beiden rechteckigen Nischen an den Seiten, die ebenfalls in Fenster umgewandelt wurden.
Die Architektur Fontanas wurde 1672 durch
Leonardo Retti und Antonio Roncati mit Stuckaturen bereichert.
(...) the sculptors assigned the Angels on the chapel arches, counter-faced and on the wall of the apse, and the Fama reggicartiglio at the top of the absidal cap, while the angels on the cornice and sides of the window are lost (…)
Quelle
Gli stucchi sono stati eseguiti nel 1672 dagli artisti barocchi Leonardo Reti e Antonio Roncati per quanto riguarda le statue, da Simone Brogi per le decorazioni architettoniche e da Vincenzo Corallo per le dorature, con la supervisione dell'Architetto Carlo Fontana.
Quelle
Blick von der Apsis in den ehemaligen Nonnenchor mit einem Fresko der
Madonna lactans aus dem 14. Jh.
Die Deckenfresken wurden von dem bereits erwähnten Giovanni Battista Gaulli, bekannt als
Il Bacciccio, entworfen. Das zentrale Tondo stellt die Glorie der Heiligen Martha dar und stammt von seiner Hand.
Die beiden weteren Tondi mit zwei Szenen aus dem Leben der Heiligen. Martha, die den Drachen besiegt und Martha, die einen Ertrunkenen rettet, basieren auf Gaullis Entwurf, wurden aber von
Girolamo Troppa (1636 bis nach 1710) ausgeführt.
Die Tondi wirken fast wie kleine Kuppeln und die umgebenden Bildfelder wie Pendentifs.
Die vier Motive um die Glorie der Heiligen Martha herum sind von
Bacciccio gemalt und zeigen folgende Tugenden: Die Unschuld, die ein Lamm an die Brust drückt, die Glorie, die ihr Gesicht der Szene des Tondos zuwendet und die Krone und die Tuba erhebt, die Reinheit oder Keuschheit, flankiert von einem Einhorn mit einer Blumenkrone in der Hand, die Buße, dargestellt als Magdalena, mit langem Haar, eingerahmt von der Dornenkrone und dem Holzkreuz in der Hand.
Das Fresko von Martha, die den Drachen besiegt, war dem Hochaltar am nächsten. Ringsum sind die vier Kardinaltugenden dargestellt: Klugheit (Prudentia), Gerechtigkeit (Iustitia), Tapferkeit (Fortezza) und Mässigung (Temperanza) mit ihren jeweiligen Attributen.
Rings um das Fresko mit Martha, die einen Ertrunkenen rettet, sind folgende Allegorien abgebildet:
Glaube, Religion, Mildtätigkeit und Wahrheit. Diese blieben uns wegen des Gerüsts leider verborgen.
Im Inneren der Kirche befanden sich einst neun Gemälde für ebenso viele Altäre. Die Themen und die Maler sind bekannt, aber die meisten Gemälde sind nach der Enteignung des Klosterkomplexes durch den Staat nach 1870 in alle Winde verstreut worden. Nur drei sind wiedergefunden worden.
Davon hat eines den Weg zurück nach S. Marta gefunden und zwar „La predica del Battista“ von
Francesco Cozza (1606 bis 1682). Das 1675 entstandene Werk gehört zu den bedeutenden des Malers. Es tauchte auf dem Kunstmarkt auf und wurde 1966 vom Staat erworben um seinen angestammten Platz wiedereinzunehmen. Seit 2017 befindet es sich wieder in S. Marta.
Zwei weitere Originale befinden sich im Kloster der Augustinerinnen von Santi Quattro Coronati. In S. Marta findet man Reproduktionen derselben. Es handelt sich um das zentrale Gemälde „Cristo in casa di S. Marta e Maria“ von
Guillaume Courtois, genannt
Il Borgognone (1638 bis 1679) sowie das Gemälde „Madonna con Bambino e i Santi Agostino e Monica“ von
Giacomo del Pò (1652 bis 1742).
Wie man auf den Fotos gesehen hat, 2019 noch Teile der Decke und der Gegenfassade restauriert, aber ich habe
hier gelesen, dass die Restaurierung zwischen September und November 2020 abgeschlossen worden ist.
Vielleicht ergibt sich ja noch einmal ein Besuch. Regulär zu einer Führung anmelden kann man sich über die auf folgender Seite genannte Adresse:
Santa Marta al Collegio Romano / Beni architettonici e storici / Beni culturali / Cultura e svago. Momentan finden allerdings wegen der Pandemie keine Führungen statt.