Mein Rom-Mosaik

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Mein Rom-Mosaik

Dieses Thema soll mir in Zukunft dazu dienen, Erinnerungen an zurückliegende Rom-Reisen zusammenzustellen. Ich hoffe, dass das eine oder andere "Mosaiksteinchen" gewogene Leser ansprechen wird. Nach und nach wird hoffentlich ein buntes Ensemble an verschiedenen Teilberichten entstehen, die ein vielfältiges Bild von Rom zeichnen sollen. Die "Steinchen" werden mal größer mal kleiner sein, manche bunter als andere. Einige besonders hübsch glitzernde ;) werde ich hoffentlich auch finden.

Themen werden u.a. Bauwerke, Denkmäler, Künstler und ihre Werke, Plätze, Brunnen, Ausstellungen, Ausflüge ins römische Umland ... sein.

Das erste Thema wird uns in Kürze auf den Palatin, den legendären Gründungsort Roms, führen.

In diesem Ausgangsbeitrag wird nach und nach ein mitwachsendes, alphabetisch geordnetes Inhaltsverzeichnis entstehen:

Architekten und Künstler:
Raffaele de Vico
Ausflüge ins Umland:
Garten von Ninfa Teil I und Teil II
Palazzo Farnese in Caprarola Teil I, Teil II und Gärten des Palazzo Farnese
Blühendes Rom:
Azaleen an der Spanischen Treppe
Roseto comunale - Herbstöffnung 2019
Kirchen:
Restaurierte Fassade von S. Maria in Trastevere
SS. Silvestro e Martino ai Monti und Titolo di Equizio
S. Teodoro al Palatino
Museen:
Skulpturen-Depot im Museo Pietro Canonica
Ostia Antica:
Erstbesichtigung im Sommer 2015
Palatin und Forum:
Farnesinische Gärten
An den grünen Hängen des Palatin
Mit dem S.U.P.E.R-Ticket in der Domus Transitoria, dem Haus des Augustus Teil I und Teil II, dem Haus der Livia, der Loggia Mattei und der Aula Isiaca, dem Palatin-Museum, dem Kryptoportikus des Nero und dem Romulustempel
Palazzi:
Palazzo Scapucci und Affenturm
Palazzo Bonaparte und "Impressionisti segreti"
Petersdom:
Wappen Johannes' XXIII. von Giacomo Manzù
Weihekreuze von Borromini und Calandra
Barocke Weihwasserbecken
Tempel:
Area Sacra am Largo Argentina
Hadrianstempel und "Luci su Adriano"
Wohnviertel:
ICP-Viertel San Saba auf dem Kleinen Aventin
Piccola Londra
 
Zuletzt bearbeitet:

Simone-Clio

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Farnesinische Gärten auf dem Palatin
Im Februar hatte ich das Vergnügen hier im Forum auf folgende Ausstellung aufmerksam zu machen:

Siehe: Palatin: Ausstellung über die Farnesinischen Gärten
Sie wurde am 21. März 2018 eröffnet und wird noch bis zum 28. Oktober zu sehen sein. Die Farnesinischen oder Farnesischen Gärten waren ein berühmter Ort im Rom der Renaissance und des Barock.

Wikipedia schrieb:
Die Familie Farnese, ausgehend von Papst Paul III., ließ ab 1542 bis in das 17. Jahrhundert eine ausgedehnte, sich über mehrere Terrassen erstreckende Gartenanlage anlegen und reich ausstatten. (...)

Mit der Erweiterung der Gartenanlage im Stil des Frühbarock im Laufe des 17. Jahrhunderts war der für mehrere Projekte der Familie Farnese tätige Architekt Girolamo Rainaldi betraut. Insbesondere sind ihm die Anlage eines ausgedehnten Botanischen Gartens in der dritten Ebene und die Umgestaltung der Hinterwand des Kryptoportikus in ein Nymphäum zu verdanken. Auch die Anlage der Terrasse mit den Brunnen (teatro del fontanone) und die nach 1618 entstandenen beiden Vogelhäuser, die bis heute bestehen, sind seine Werke. In den Gärten wurden vor allem Pflanzen aus der Levante und Ostasien, aber auch aus Lateinamerika angepflanzt, darunter auch die Farnesische Akazie. Seltene tropische Bäume machten die Orti Farnesiani als ersten modernen Botanischen Garten berühmt.
Nach langer Restaurierung sind nun nach 30 Jahren die beiden großen uccelliere (Vogelhäuser) und das Ninfeo della pioggia zu betreten. Der Brunnen auf der mittleren Ebene der Treppenanlage hinauf auf den Palatin wurde ebenfalls restauriert.

Es folgen Bilder vom 22. März, als @lukasi und ich Forum und Palatin einen Besuch abgestattet haben. Sind auch die Gärten längst nicht mehr so prachtvoll, wie zu Zeiten der Farnese, so bemüht man sich doch und der Spaziergang zu den Orten der Farnese auf dem Palatin am 2. Frühlingstag hat uns gut gefallen.

Der Ausstellungsparcours beginnt hinter dem Titusbogen. In einem Baum tummelten sich einige der grünen Sittiche. Sie waren gut getarnt aber ihre Rufe machten unverkennbar auf ihre Anwesenheit aufmerksam.
Die Ausstellung besteht zum überwiegenden Teil aus solchen Tafeln, die ausführlich über die Geschichte der Farnesinischen Gärten von den Anfängen bis in unsere Zeit berichten:

Ich habe sie zwar fotografiert, zeige sie aber nicht hier, denn die Lektüre der Texte in diesem Format wäre doch sehr mühsam.

Hier stehen wir am Fuß der doppelten Treppenanlage, blicken auf den Kryptoportikus mit dem dahinter liegenden Regen-Nymphäum. Auf der zweiten Ebene (hinter der weissen Balustrade) befindet sich die Brunnenanlage, darüber die uccelliere und dahinter die Gärten.



Reproduktion des Gemäldes Galerie de vues de la Rome moderne (1759) von Giovanni Paolo Pannini im Louvre.
Vgl. Site officiel du musée du Louvre
Nun kommen wir zum Kryptoportikus und dem Eingang zum Nymphäum. Die Treppenanlage war mit purpurfarbenen Levkojen und weissen Blumen geschmückt:

Im Nymphäum kann man sich dank einer Multimedia-Projektion über das Aussehen desselben sowie der Gärten zu deren Blütezeit informieren:


Steigt man weiter die doppelte Treppenanlage hinauf, gelangt man auf der zweiten Ebene zum fontanone. In den Nischen und auf der Balustrade stehen keine Marmorskulpturen mehr aber Figuren aus Holz erinnern an die Vorgänger:
Zitrusbäumchen und Kamelien verschönern die Terrassen auf den verschiedenen Ebenen:





Die Lilie aus dem Wappen der Farnese


Reste alter Fresken
Nun sind wir in den ucceliere angekommen. Für die Dauer der Ausstellung stehen in den beiden Vogelhäusern verschiedene Statuen aus der Sammlung Farnese, so die beiden folgenden Figuren gefangener Daker. Früher waren sie im Kryptoportikus vor dem Nymphäum aufgestellt. Ihre Herkunft ist ungewiss. Vielleicht standen sie ursprünglich im Theater des Pompejus. Anderen Quellen zufolgen befanden sie sich in den Trajansforen.
Schön ist auch die aus zwei Marmorsorten gefertigte Skulptur der Isis-Fortuna:
Besonders beeindruckend fand ich die Skulptur des knieenden Barbaren:
Die Skulptur ist aus schwarzem und pavonazetto-Marmor gefertigt. Möglicherweise gehörte der knieende Barbar zusammen mit anderen zu einem in Rom unter Kaiser Augustus, nach einem Sieg über die Parther, errichteten Monument. Später wurde der knieende Barbar zur Dekoration in den Farnesinischen Gärten aufgestellt, befindet sich aber seit 1776 in Neapel. Zur Ausstellung kehrte er, wie die Isis-Fortuna, nun bis Oktober nach Rom zurück.



Schöne Ausblicke aus den Gärten

Auch ein Brunnen in den Farnesinischen Gärten war von schönen purpufarbenen Levkojen und weissen Blumen umgeben:
Der Spaziergang auf der Spuren der Farnese auf dem Palatin führte uns bis zur Casina Farnese (auch Casino del Belvedere):



Zaghaft öffnete ein Judasbaum seine Blüten, der Frühling hielt pünktlich Einzug in Rom:

 

Claude

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Liebe Simone,
auf Deine Kosmatenarbeit auf römischem Boden bin ich schon gespannt. Gerne mache ich mich mit Dir auf Entdeckungsreise, denn ich schätze, dass es neben Bekanntem (vielleicht sogar gemeinsam Erkundetem) auch wieder viel Neues und Lehrreiches zu lesen gibt.

Schon jetzt ein herzliches grazie!
Claude
 

lukasi

Tribunus Militum
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Liebe Simone,

ich freue mich schon sehr auf dein römisches Mosaik und auf Neues, das mir bisher verborgen blieb.
 

Simone-Clio

Augustus
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Liebe Claude, liebe Ursula,

schönsten Dank für Eure freundlichen Zeilen. Ihr werdet beide sehr schnell Muster im römischen Mosaik entdecken ;), die Euch bekannt vorkommen dürften. Bisher sind drei Beiträge geplant - wie es dann weitergeht, wird auch für mich eine Überraschung sein! :)

Die Palatin-Bilder habe ich eben fertig eingefügt und schalte das Album jetzt für alle sichtbar frei.
Ein wenig Text folgt später oder morgen.

Edit: Die Bilder sollten jetzt für alle Nutzer sichtbar sein.
 

Angela

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Rom-Reise
15.03.2020-22.03.2020
Sehr schöne Bilder und eine schöne Idee, dieses Mosaik!
 

pecorella

Magnus
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Ich sehe, ein Besuch im Forum lohnt auf jeden Fall wieder. Zum Glück passt die Dauer der Ausstellung noch so gerade eben in meine Reisezeit.
 

rikmanfredson

Aedilis
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Sehr schöne Bilder und ein informativer Text! Wie schade, dass ich letzte Woche keine Zeit hatte, die Ausstellung zu besuchen.
 

Simone-Clio

Augustus
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Zum Glück passt die Dauer der Ausstellung noch so gerade eben in meine Reisezeit.
Dann wünsche ich dir viel Vergnügen bei einem eigenen Besuch der Ausstellung.

Wie schade, dass ich letzte Woche keine Zeit hatte, die Ausstellung zu besuchen.
Sie hätte dir sicher gut gefallen. Statt dessen hast du bestimmt viele andere schöne Eindrücke genossen. Willkommen zurück aus Rom und besten Dank für das freundliche Lob.
 

Simone-Clio

Augustus
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Wappen Johannes' XXIII. im Portikus von St. Peter

Vergangene Woche habe ich zufällig erfahren, dass das Porphyrstein-Fußbodenfeld mit dem Wappen von Papst Johannes XXIII. im Portikus des Petersdoms von Giacomo Manzù entworfen wurde. Dieser Künstler, den ich sehr schätze, ist ja vor allem durch seine Werke aus Bronze, allen voran die Porta della morte des Petersdoms, bekannt.

Mein Foto von 2012 gibt leider nicht das gesamte Rechteck aus rotem Marmor wieder und wird bei Gelegenheit um ein besseres ergänzt. Auf dem aktuellen kann man die Inschrift über und unter dem eigentlichen Wappen nur teilweise erahnen. Über dem Wappen steht

IOANNES XXIII PONTIFEX MAXIMUS
darunter

DIE XI OCTOBRIS ANNO MCMLXII
An jenem Tag, dem 11. Oktober 1962, wurde das Zweite Vatikanische Konzil eröffnet. Johannes XXIII. hatte es 1959 überraschend einberufen.

Auf diesem Bild erkennt man den gesamten Portikus von St. Peter mit dem Wappen in der Mitte. Und hier eine gute Aufnahme des gesamten Marmorfeldes. Es ist misst 3x5 Meter.

Auf die Freundschaft, die Johannes XXIII. und Giacomo Manzù verband, muss ich hier im Forum nicht mehr extra hinweisen.

Kurz nach der Wahl von Angelo Giuseppe Roncalli zum Papst übersiedelte Giacomo Manzù aus Mailand nach Rom. Er erhielt zunächst den Auftrag drei Büsten des Pontifex anzufertigen. In dieser Zeit nahm er auch die Arbeit an den Bildfeldern für die Porta della morte erneut auf, deren Einweihung Johannes XXIII. leider nicht mehr erleben sollte.

Als das Konzil einberufen worden war, entwarf Manzù auch Medaillen zu Ehren des Konzils und erhielt den Auftrag für das Paviment-Mosaik des Portikus, dessen Belag die Dombauhütte von St. Peter im Hinblick auf die Eröffnung des Konzils neu gestalten liess.

Eines Tages, nachdem der Papst Manzù, wie so oft Modell, gesessen hatte, blieb noch Zeit, sich mit dem Entwurf des Künstlers für das Wappen zu befassen. Manzù breitete seine Zeichnungen auf dem Boden aus und der Papst zeigte sich sehr angetan!
Das Wappen zeigt den Turm der Familie Roncalli vor rotweissem Grund sowie zwei stilisierte Lilien. Den Turm hatte Angelo Roncalli bereits bei seiner Ernennung zum Bischof als Bestandteil seines Wappens ausgewählt. Die Lilien erinnern an den heiligen Alexander von Bergamo. Darüber befindet sich ein Markus-Löwe, den er als Kardinal und Patriarch von Venedig in seinem Wappen führte. Natürlich fehlen auch nicht die Insignien des Papsttums, die gekreuzten Schlüssel und die Tiara.

Manzù hatte sich dazu entschlossen das Wappen in einem rechteckigen Feld anzuordnen obwohl die Vatikanbaumeister lieber eine ovale Form gesehen hätten. Eine solche nennt man testa di cavallo (Pferdekopf) aber Johannes XXIII. schloss sich der Auffassung des Künstlers an.

Manzù berichtete dem Papst, dass der Löwe bereits Kritik geerntet habe, weil er angeblich zu sehr einem zahmen Kätzchen ähnele. Lachend meinte der Papst, der Löwe sei gut so, er solle ja einen freundlichen Löwen darstellen und müsse keine Christen im Kolosseum verschlingen! Manzù war erleichtert, dass der Löwe, den er mochte, auch dem Papst gefiel. "Das ist mein Typ von einem Löwen" sagte Johannes XXIII.

Nun fertigte Manzù ein Gemälde des zukünftigen Fußbodenfeldes an. Siehe: Manzù G. sec. XX, Stemma di papa Giovanni XXIII

Ausserdem suchte Manzù in Carrara persönlich den Marmor aus, aus dem das Wappen entstehen sollte. Leider erkrankte er danach ernstlich und begab sich zur ärztlichen Behandlung nach Bergamo, wo er sich von der anstrengenden Arbeit an den beiden Flügeln der Porta della morte, die ihn erschöpfte, aber auch an dem Portico-Mosaik erholte. Er konnte aber rechtzeitig zur Vollendung des Mosaiks vor der Eröffnung des Konzils nach Rom zurückkehren.

Am Morgen des 11. Oktober 1962 zogen dort über 2400 Konzilsväter und Johannes XXIII. auf der sedia gestatoria in den zur Konzilsaula umfunktionierten Petersdom ein. Filmaufnahmen von diesem Tag (aber ohne Aufnahmen aus dem Portikus) findet man z.B. in diesem Video.

Am 15. April 1963, vier Tage nach der Veröffentlichung der Papst-Enzyklika Pacem in terris, zeigte Manzù dem schwer erkrankten Papst Farbfotos des Portico-Pflasters. Er fand den Löwen "ganz prächtig" und auch den Turm "sehr gut". Er freute sich sein Wappen auf diese Art zu sehen und bedauerte, dass er jedesmal, wenn es aus der Basilika hinaus- oder hineingehe, diesen Weg nur auf dem tragbaren Thron gehoben, zurücklegen könne und so nicht sehe, was unter ihm sei. Hin und zurück komme er über die Arbeit Manzùs und sehe sie doch nie. So lebe nun einmal ein Papst!

All dies wusste ich nicht, als ich das Wappen im Sommer 2012 fotografierte weil es mir so gut gefiel!

 

Pasquetta

Triumphator
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Was Du immer entdeckst! Vielen Dank für diese interessante Ausführung zu so einer "unscheinbaren" Fußbodenplatte, über die man beim Besuch von St. Peter mehr oder weniger achtlos - im wahrsten Sinne des Wortes - hinweg gegangen ist... (Ich habe nachgesehen und festgestellt, dass ich auch nur ein "abgeschnittens" Foto davon habe :(.)
 

Simone-Clio

Augustus
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Was Du immer entdeckst!
Es freut mich, dass mich, dass die für uns beide neuen Informationen auf dein Interesse gestossen sind. Ich habe eben den Teil mit der Beschreibung des Wappens ein wenig ergänzt, nachdem ich in diesem Buch noch etwas über die Bedeutung der beiden Lilien und Näheres zum Turm gefunden habe.
 

ColleMarina

Praetor
Stammrömer
Rom-Reise
11.03.2020-25.03.2020
Ich kann mich Paquetta nur anschließend - es ist sehr interessant, was du zu berichten weißt über die Entstehungsgeschichte dieses Wappens. Da Johannes XXIII. immer "mein" Papst gewesen ist, habe ich mich ganz besonders über diese menschlichen Anekdoten gefreut, vor allem seine Einstellung zum "Kätzchen".
 

Padre

Censor
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Auch ich möchte mich ganz herzlich für dieses kleine, aber feine Mosaiksteinchen bedanken!
 

Simone-Clio

Augustus
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Da Johannes XXIII. immer "mein" Papst gewesen ist, habe ich mich ganz besonders über diese menschlichen Anekdoten gefreut, vor allem seine Einstellung zum "Kätzchen".
Ja, diese Einstellung spricht ganz für den "papa buono"! :)

Auch ich möchte mich ganz herzlich für dieses kleine, aber feine Mosaiksteinchen bedanken!
Ich habe für das freundliche feedback zu danken! Der nächste Beitrag wird reicher bebildert sein aber momentan tue ich mich etwas schwer mit dem Begleittext dazu.
 

Simone-Clio

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Es freut mich, dass meine Fotos Deine Vorfreude auf einen Besuch auf dem Palatin steigern konnten. Sicher ist es auch im Oktober sehr schön dort.
 

Simone-Clio

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Ostia Antica - Sommer 2015

Am Sonntag, dem 23. August 2015 habe ich gemeinsam mit Claude einen unvergesslichen Ausflug nach Ostia Antica unternommen.

Es war mein erster und bislang auch einziger Besuch der antiken Stadt. Ich erinnerte mich an die Worte meines Lehrers am Gymnasium, der uns Ostia ans Herz gelegt hat, da man sich dort wunderbar vorstellen könne, wie das Leben in einer römischen Stadt ausgesehen habe.

In Claude, die Ostia bereits gut kannte, fand ich eine wunderbare Führerin, die mich zielsicher durch die alten Strassen von Ostia lotste und viel zu erzählen wusste.

Einen besonderen Anreiz, Ostia Antica während der Rom-Reise 2015 zu besuchen, war die Ausstellung "Manzù. Le donne e il fascino della figura". Im Gelände und vor allem im Museum waren seit dem 12. März und bis zum 6. November 2015 dreissig Werke des 1991 verstorbenen Giacomo Manzù ausgestellt. Siehe: Manzù. Le donne e il fascino della figura

Manzùs moderne Skulpturen, Zeichnungen und Gemälde führten einen interessanten Dialog mit antiken Statuen, Büsten, Sarkophagen ...

Gleich hinter der ehemaligen Porta Romana empfing die Besucher einer der bekannten Kardinäle Manzùs. Neben den Frauenbildnissen beherrschte die sakrale Kunst als Gegenpol das Schaffen des Künstlers.

All’ingresso dell’area un cardinale monumentale accoglie i visitatori di Ostia Antica, per ricordare che oltre alle donne Manzù fu scultore e interprete straordinario ed anche innovativo dell’arte sacra, di cui appunto la serie dei cardinali e la Porta della Morte in San Pietro sono capolavori dell’arte plastica del Novecento.
Quelle


Die Kopie der geflügelten Minerva-Vittoria und der Kardinal wandten einander den Rücken zu​

Entlang des Decumanus Maximus spazierten wir zu den Terme dei Cisarii.

In frigidarium C is the mosaic that gave the building its name. The border consists of a city wall (referring to Rome?). In the centre is a further city wall, with gates and towers (referring to Ostia?). Towers at the four angles are supported by telamones (figures of Atlas, "male caryatids"). Around this wall are small, two-wheeled wagons or carriages, called in Latin cisia, driven by coachmen (cisiarii). They were drawn by mules, and the names of some of these are inscribed: Pudes ("Modest"), Podagrosus ("Gouty"), Potiscus (?), Barosus ("Silly"). Around the wagons are some marine figures.
Mich interessierte besonders die folgende Triton-Darstellung mit den im Wind flatternden Draperien an seinem linken Arm, hatten wir uns doch hier im Forum Terme dei Cisiarii: Triton im Dezember 2014 nach einer Frage von @rikmanfredson länger mit dem Thema beschäftigt:

Bald danach kamen wir zu den Thermen des Neptun.

Die Thermen des Neptun im östlichen Teil der Stadt sind unter Hadrian erbaut worden, der diesen Bau auch mit zwei Millionen Sesterzen finanziell unterstützte. Sie ersetzten ältere Thermen an derselben Stelle. Der Bau besteht aus dem eigentlichen Bad und einer großen Palästra. Die Thermen des Neptun sind vor allem durch ihre reiche Ausstattung an schwarz-weißen Mosaiken bekannt.
Quelle

Das wunderschöne Fussbodenmosaik konnten wir von einer erhöhten Plattform aus sehr gut beobachten:



Links: Blick von der Plattform Richtung Theater
Rechts: Zurück auf dem Decumanus maximus blicken wir zurück Richtung Porta Romana
Die wundervollen Pinien wuchsen im Altertum wohl nicht in der Stadt, tragen aber heute in meinen Augen ganz wesentlich zum Zauber des archäologischen Parks bei!


Straße mit Insulae und einem besonderen Brunnen

Nun erreichen wir das Theater von Ostia Antica.

Das Theater steht am Decumanus Maximus in der Mitte der Stadt. Von einer Inschrift ist bekannt, dass ein erster Bau unter Augustus von Agrippa errichtet wurde. Zu dieser Zeit fasste das Theater maximal 3.000 Zuschauer, jedoch wurde es später mehrfach vergrößert. Die Reste des jetzigen Baues stammen aus dem späten 2. Jahrhundert. Eine weitgehend rekonstruierte Bauinschrift[4] berichtet, dass der Bau im Jahr 196 unter der Regierung von Septimius Severus und Caracalla renoviert wurde. Das Theater ist aus Ziegeln erbaut. Die halbrunde Fassade orientierte sich auf den Decumanus Maximus. Davor standen zwei Nymphäen, während sich hinter der Fassade im Halbrund unter den Zuschauerreihen 16 Läden befanden. Der Zuschauerraum und der Bühnenbereich waren einst reich mit Marmor verkleidet. Die Orchestra hatte einen marmornen Fußboden und die Bühne fünf Nischen, die auch mit Säulen aus Marmor geschmückt waren. Davon ist heute so gut wie nichts mehr erhalten. Das Theater wurde noch im späten 4. Jahrhundert renoviert. Der Bau in seiner heutigen Form wurde nach der Ausgrabung restauriert und wird weiterhin für Aufführungen genutzt.
Quelle

Wir sassen eine Weile auf den oberen Rängen des Theaters und versuchten uns den antiken Zustand vorzustellen. Da die Bühnenwand heute fehlt, kann man auf den Piazzale delle Corporazioni und die Ruinen des Tempels in seiner Mitte blicken:
Der Platz der Korporationen (Piazzale delle Corporazioni (II,VII,4) befindet sich direkt hinter dem Theater und wurde mit diesem unter Augustus erbaut. Er ist ca. 110 m × 80 m groß. Der Platz wird von einer Portikus gerahmt, hinter der sich wiederum 70 kleine Räume befinden. In diesen und davor fanden sich viele Mosaiken mit Hinweisen auf Handel. Die Inschriften nennen Korporationen, Reeder und Händler. In der Mitte des Platzes wurde unter Domitian ein Tempel errichtet. Die Funktion dieser Anlage ist unsicher. Vielleicht handelt es sich um Büros von Organisationen anderer Hafenstädte, in denen der Handel diskutiert und besprochen wurde. Tatsächlich werden in den Inschriften auf den Mosaiken Orte wie Alexandria oder Sabratha genannt.
Quelle

Den Platz der Korporationen umrundeten wir in aller Ruhe und freuten uns an den schönen Mosaiken mit Darstellungen von Schiffen, Fischen, Leuchttürmen, Palmen, Handelsgütern ...




Links wird die Stadt Narbonne erwähnt.
Der Elefant auf den Bildern in der Mitte und rechts gefiel mir besonders gut.
Einen weiteren Elefanten sieht man in der Mitte unten.

Auf der Wiese rings um das Tempel-Podium standen zwei Bronze-Skulpturen. Die erste, von 1958, stellt Inge Schabel, die spätere Ehefrau von Manzù dar. Sie ist im Mai 2018 verstorben. Leider gab es kein kleines Faltblatt zur Ausstellung und so kann ich leider nicht viel zu den in Ostia ausgestellten Werken sagen.

Wir streiften noch ein wenig weiter durch Strassen von Ostia aber dann wurde es Zeit für eine Pause und einen Imbiss.
Dazu suchten wir die "Caffetteria degli scavi" hinter dem Museum auf. Im gegenüber gelegenen Souvenirgeschäft gab es u.a. besonders schöne Postkarten. Fotos dieses Bereichs findet man hier: Ostia - Visiting the ruins
Frisch gestärkt suchten wir nun das kleine aber feine Museum auf. Es befindet sich im Erdgschoss eines Gebäudes mit neo-klassizistischer Fassade. Siehe Museo Ostiense | Ostia Antica und Museo archeologico ostiense - Wikipedia

Vor dem Eingang hatte es sich eine Katze gemütlich gemacht:
Ausserdem empfing uns ein weiteres Manzù-Werk:
Ich lasse nun vornehmlich Bilder sprechen:



Rechts und in der Mitte unten das Original der Minerva-Vittoria von der Porta Romana


Um wen es sich bei der hier und auf dem Plakat weiter oben Dargestellten handelt, wusste ich 2015 nicht. Inzwischen ist mir bekannt, dass es sich um eine Mailänder Mäzenin Manzùs handelt, da ich ihre Statue 2017 in der Manzù-Ausstellung in der Engelsburg gesehen habe:

Weiter geht es (nach diesem kleinen Schlenker) mit Photos aus dem Museum in Ostia antica:

Das Photo oben links zeigt eine wunderschöne Venus. Die sogenannte Venere tipo Doidalsas aus lunensischem Marmor wurde in der Domus della Fortuna Annonaria gefunden und stammt aus dem 2. Jh.

Das Photo oben rechts zeigt die bekannte Darstellung von Cupido und Psyche aus dem gleichnamigen Haus.
Besonders beeindruckend fand ich diese Statue der Isis Pharia oder Pelagia mit einer Schlange. Isis galt u.a. als Beschützerin der Seefahrer und wurde häufig auf einem Schiff stehend mit einem geblähten Segel in der Hand dargestellt.
grandiosa statua dell'Iside Pharia (o Pelagia) con serpente, in marmo bigio che doveva essere raffigurata in piedi sulla prua di una nave, oggi mancante, e che con le braccia protese in avanti doveva spiegare le vele dell'imbarcazione.
Quelle

In einem der letzten Räume des Museums steht der folgende Kinder-Sarkophag mit einer Prozession kleiner Amoretten (oder Eroten):
Besonders bezaubernd fand ich den kleinen Bären (?) auf der rechten Seitenwand des Sarkophags. Vgl. hier

Sehr gut gefiel mir auch der folgende Sarkophag mit einer Darstellung der Musen:
Es folgen zwei Photos mit Giavomo Manzù und zwei letzte Werke von ihm in der Ausstellung:

Bei den beiden Kindern auf dem kleinen Wagen rechts handelt es sich um seine Tochter Giulia und seinen Sohn Mileto.

Nach dem Museumsbesuch setzten wir unseren Spaziergang zu weiteren Sehenswürdigkeiten Ostias fort. An ehemaligen Wohnhäusern, Garküchen ... entlang gingen wir Richtung Forum.

Ein Höhepunkt unserer Besichtigung waren die Thermen der Sieben Weisen.

Die Thermen sind unter Hadrian erbaut worden und liegen zwischen zwei Häuserblöcken. Zentrum der Anlage ist ein runder Saal, der einst eine Kuppel hatte. Der Fußboden zeigt ein schwarz-weißes Mosaik mit Jagddarstellungen.
Die Insula delle Muse (Informationstafel rechts) fanden wir leider verschlossen vor. Und bis zur Synagoge, die ich gerne gesehen hätte, schafften wir es nicht. Bei einem erneuten Besuch von Ostia Antica könnte man die Besichtigung in dieser Ecke des archäologischen Parks beginnen. Müde und zufrieden traten wir den Rückweg an und kamen noch an der christlichen Basilika (rechts) vorbei:
Wir verabschiedeten uns von Manzùs Kardinal ;)
und verliessen Ostia Antica auf dem gleichen Weg auf dem wir gekommen waren.

Ein herrlicher Besichtigungstag, an den ich auch nach drei Jahren noch mit grosser Freude denke, war zu Ende. Vielen Dank noch einmal an meine Reisegefährtin Claude, ohne die dieser Tag nicht zu einem solch wunderbaren Erlebnis geworden wäre!

 

Simone-Clio

Augustus
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Der Beitrag über meinen Erstbesuch von Ostia Antica ist fertiggestellt. Zuerst waren nur Photos zu sehen, dann habe ich etappenweise Text hinzugefügt. Viel Vergnügen beim Betrachten und wer Mühe hat, sich den antiken Zustand zu vergegenwärtigen, findet auf dieser Webseite Rekonstruktionen.

 
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