Ostia Antica - Sommer 2015
Am Sonntag, dem 23. August 2015 habe ich gemeinsam mit Claude einen unvergesslichen Ausflug nach Ostia Antica unternommen.
Es war mein erster und bislang auch einziger Besuch der antiken Stadt. Ich erinnerte mich an die Worte meines Lehrers am Gymnasium, der uns Ostia ans Herz gelegt hat, da man sich dort wunderbar vorstellen könne, wie das Leben in einer römischen Stadt ausgesehen habe.
In Claude, die Ostia bereits gut kannte, fand ich eine wunderbare Führerin, die mich zielsicher durch die alten Strassen von Ostia lotste und viel zu erzählen wusste.
Einen besonderen Anreiz, Ostia Antica während der Rom-Reise 2015 zu besuchen, war die Ausstellung "Manzù. Le donne e il fascino della figura". Im Gelände und vor allem im Museum waren seit dem 12. März und bis zum 6. November 2015 dreissig Werke des 1991 verstorbenen
Giacomo Manzù ausgestellt. Siehe:
Manzù. Le donne e il fascino della figura
Manzùs moderne Skulpturen, Zeichnungen und Gemälde führten einen interessanten Dialog mit antiken Statuen, Büsten, Sarkophagen ...
Gleich hinter der ehemaligen
Porta Romana empfing die Besucher einer der bekannten Kardinäle Manzùs. Neben den Frauenbildnissen beherrschte die sakrale Kunst als Gegenpol das Schaffen des Künstlers.
All’ingresso dell’area un cardinale monumentale accoglie i visitatori di Ostia Antica, per ricordare che oltre alle donne Manzù fu scultore e interprete straordinario ed anche innovativo dell’arte sacra, di cui appunto la serie dei cardinali e la Porta della Morte in San Pietro sono capolavori dell’arte plastica del Novecento.
Quelle
Die Kopie der geflügelten Minerva-Vittoria und der Kardinal wandten einander den Rücken zu
Entlang des
Decumanus Maximus spazierten wir zu den
Terme dei Cisarii.
In frigidarium C is the mosaic that gave the building its name. The border consists of a city wall (referring to Rome?). In the centre is a further city wall, with gates and towers (referring to Ostia?). Towers at the four angles are supported by telamones (figures of Atlas, "male caryatids"). Around this wall are small, two-wheeled wagons or carriages, called in Latin cisia, driven by coachmen (cisiarii). They were drawn by mules, and the names of some of these are inscribed: Pudes ("Modest"), Podagrosus ("Gouty"), Potiscus (?), Barosus ("Silly"). Around the wagons are some marine figures.
Mich interessierte besonders die folgende Triton-Darstellung mit den im Wind flatternden Draperien an seinem linken Arm, hatten wir uns doch hier im Forum
Terme dei Cisiarii: Triton im Dezember 2014 nach einer Frage von
@rikmanfredson länger mit dem Thema beschäftigt:
Bald danach kamen wir zu den
Thermen des Neptun.
Die
Thermen des Neptun im östlichen Teil der Stadt sind unter Hadrian erbaut worden, der diesen Bau auch mit zwei Millionen Sesterzen finanziell unterstützte. Sie ersetzten ältere Thermen an derselben Stelle. Der Bau besteht aus dem eigentlichen Bad und einer großen
Palästra. Die Thermen des Neptun sind vor allem durch ihre reiche Ausstattung an schwarz-weißen Mosaiken bekannt.
Quelle
Das wunderschöne Fussbodenmosaik konnten wir von einer erhöhten Plattform aus sehr gut beobachten:
Links: Blick von der Plattform Richtung Theater
Rechts: Zurück auf dem Decumanus maximus blicken wir zurück Richtung Porta Romana
Die wundervollen Pinien wuchsen im Altertum wohl nicht in der Stadt, tragen aber heute in meinen Augen ganz wesentlich zum Zauber des archäologischen Parks bei!
Straße mit
Insulae und einem besonderen Brunnen
Nun erreichen wir das
Theater von Ostia Antica.
Das Theater steht am
Decumanus Maximus in der Mitte der Stadt. Von einer Inschrift ist bekannt, dass ein erster Bau unter Augustus von
Agrippa errichtet wurde. Zu dieser Zeit fasste das Theater maximal 3.000 Zuschauer, jedoch wurde es später mehrfach vergrößert. Die Reste des jetzigen Baues stammen aus dem späten 2. Jahrhundert. Eine weitgehend rekonstruierte Bauinschrift
[4] berichtet, dass der Bau im Jahr 196 unter der Regierung von
Septimius Severus und
Caracalla renoviert wurde. Das Theater ist aus Ziegeln erbaut. Die halbrunde Fassade orientierte sich auf den Decumanus Maximus. Davor standen zwei Nymphäen, während sich hinter der Fassade im Halbrund unter den Zuschauerreihen 16 Läden befanden. Der Zuschauerraum und der Bühnenbereich waren einst reich mit Marmor verkleidet. Die
Orchestra hatte einen marmornen Fußboden und die Bühne fünf Nischen, die auch mit Säulen aus Marmor geschmückt waren. Davon ist heute so gut wie nichts mehr erhalten. Das Theater wurde noch im späten 4. Jahrhundert renoviert. Der Bau in seiner heutigen Form wurde nach der Ausgrabung restauriert und wird weiterhin für Aufführungen genutzt.
Quelle
Wir sassen eine Weile auf den oberen Rängen des Theaters und versuchten uns den antiken Zustand vorzustellen. Da die Bühnenwand heute fehlt, kann man auf den
Piazzale delle Corporazioni und die Ruinen des
Tempels in seiner Mitte blicken:
Der
Platz der Korporationen (Piazzale delle Corporazioni (II,VII,4) befindet sich direkt hinter dem Theater und wurde mit diesem unter Augustus erbaut. Er ist ca. 110 m × 80 m groß. Der Platz wird von einer Portikus gerahmt, hinter der sich wiederum 70 kleine Räume befinden. In diesen und davor fanden sich viele Mosaiken mit Hinweisen auf Handel. Die Inschriften nennen Korporationen, Reeder und Händler. In der Mitte des Platzes wurde unter Domitian ein Tempel errichtet. Die Funktion dieser Anlage ist unsicher. Vielleicht handelt es sich um Büros von Organisationen anderer Hafenstädte, in denen der Handel diskutiert und besprochen wurde. Tatsächlich werden in den Inschriften auf den Mosaiken Orte wie Alexandria oder
Sabratha genannt.
Quelle
Den Platz der Korporationen umrundeten wir in aller Ruhe und freuten uns an den schönen Mosaiken mit Darstellungen von Schiffen, Fischen, Leuchttürmen, Palmen, Handelsgütern ...
Links wird die Stadt Narbonne erwähnt.
Der Elefant auf den Bildern in der Mitte und rechts gefiel mir besonders gut.
Einen weiteren Elefanten sieht man in der Mitte unten.
Auf der Wiese rings um das Tempel-Podium standen zwei Bronze-Skulpturen. Die erste, von 1958, stellt Inge Schabel, die spätere Ehefrau von Manzù dar. Sie ist im Mai 2018 verstorben. Leider gab es kein kleines Faltblatt zur Ausstellung und so kann ich leider nicht viel zu den in Ostia ausgestellten Werken sagen.
Wir streiften noch ein wenig weiter durch Strassen von Ostia aber dann wurde es Zeit für eine Pause und einen Imbiss.
Dazu suchten wir die "Caffetteria degli scavi" hinter dem Museum auf. Im gegenüber gelegenen Souvenirgeschäft gab es u.a. besonders schöne Postkarten. Fotos dieses Bereichs findet man hier:
Ostia - Visiting the ruins
Frisch gestärkt suchten wir nun das kleine aber feine Museum auf. Es befindet sich im Erdgschoss eines Gebäudes mit neo-klassizistischer Fassade. Siehe
Museo Ostiense | Ostia Antica und
Museo archeologico ostiense - Wikipedia
Vor dem Eingang hatte es sich eine Katze gemütlich gemacht:
Ausserdem empfing uns ein weiteres Manzù-Werk:
Ich lasse nun vornehmlich Bilder sprechen:
Rechts und in der Mitte unten das Original der Minerva-Vittoria von der Porta Romana
Um wen es sich bei der hier und auf dem Plakat weiter oben Dargestellten handelt, wusste ich 2015 nicht. Inzwischen ist mir bekannt, dass es sich um eine Mailänder Mäzenin Manzùs handelt, da ich ihre Statue 2017 in der
Manzù-Ausstellung in der Engelsburg gesehen habe:
Weiter geht es (nach diesem kleinen Schlenker) mit Photos aus dem Museum in Ostia antica:
Das Photo oben links zeigt eine wunderschöne Venus. Die sogenannte
Venere tipo Doidalsas aus lunensischem Marmor wurde in der
Domus della Fortuna Annonaria gefunden und stammt aus dem 2. Jh.
Das Photo oben rechts zeigt die bekannte Darstellung von Cupido und Psyche aus dem
gleichnamigen Haus.
Besonders beeindruckend fand ich diese Statue der Isis Pharia oder Pelagia mit einer Schlange. Isis galt u.a. als Beschützerin der Seefahrer und wurde häufig auf einem Schiff stehend mit einem geblähten Segel in der Hand dargestellt.
grandiosa statua dell'Iside Pharia (o Pelagia) con serpente, in marmo bigio che doveva essere raffigurata in piedi sulla prua di una nave, oggi mancante, e che con le braccia protese in avanti doveva spiegare le vele dell'imbarcazione.
Quelle
In einem der letzten Räume des Museums steht der folgende Kinder-Sarkophag mit einer Prozession kleiner Amoretten (oder Eroten):
Besonders bezaubernd fand ich den kleinen Bären (?) auf der rechten Seitenwand des Sarkophags. Vgl.
hier
Sehr gut gefiel mir auch der folgende Sarkophag mit einer Darstellung der
Musen:
Es folgen zwei Photos mit Giavomo Manzù und zwei letzte Werke von ihm in der Ausstellung:
Bei den beiden Kindern auf dem kleinen Wagen rechts handelt es sich um seine Tochter Giulia und seinen Sohn Mileto.
Nach dem Museumsbesuch setzten wir unseren Spaziergang zu weiteren Sehenswürdigkeiten Ostias fort. An ehemaligen Wohnhäusern, Garküchen ... entlang gingen wir Richtung
Forum.
Ein Höhepunkt unserer Besichtigung waren die
Thermen der Sieben Weisen.
Die Thermen sind unter
Hadrian erbaut worden und liegen zwischen zwei Häuserblöcken. Zentrum der Anlage ist ein runder Saal, der einst eine Kuppel hatte. Der Fußboden zeigt ein schwarz-weißes Mosaik mit Jagddarstellungen.
Die
Insula delle Muse (Informationstafel rechts) fanden wir leider verschlossen vor. Und bis zur
Synagoge, die ich gerne gesehen hätte, schafften wir es nicht. Bei einem erneuten Besuch von Ostia Antica könnte man die Besichtigung in dieser Ecke des archäologischen Parks beginnen. Müde und zufrieden traten wir den Rückweg an und kamen noch an der christlichen Basilika (rechts) vorbei:
Wir verabschiedeten uns von Manzùs Kardinal
und verliessen Ostia Antica auf dem gleichen Weg auf dem wir gekommen waren.
Ein herrlicher Besichtigungstag, an den ich auch nach drei Jahren noch mit grosser Freude denke, war zu Ende. Vielen Dank noch einmal an meine Reisegefährtin Claude, ohne die dieser Tag nicht zu einem solch wunderbaren Erlebnis geworden wäre!