Mein Rom-Mosaik

Nihil

Praetor
Stammrömer
Es handelt sich um "Mosaici pavimentali cosmateschi: Segni, disegni e simboli" von Michela Cigola aus der Revue Palladio von Juni 1993, Seite 101 bis 110. Vor ein paar Jahren stand er irgendwo im Internet in voller Länge zur Verfügung. Inzwischen gibt es leider nur noch eine Vorschauseite auf der Homepage der Wissenschaftlerin. Siehe: MCigola_Pubblicazioni.
1989 hat Michela Cigola auch ein Buch über S. Crisogono veröffentlicht: La basilica di S. Crisogono in Roma: Un rilievo critico, numero monografico del Bollettino del Centro di Studi per la Storia dell'Architettura, n. 35, Roma, dicembre 1989. Auch davon leider nur Titelblatt und Inhaltsverzeichnis online. Siehe hier.
Hallo Simone, Danke für den Hinweise auf Michela Cigola. Ich schau mal ob man da fündig werden kann.
 

Simone-Clio

Augustus
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Faszination Porphyr
Teil IV - Auf dem Kapitol

1. Der Dea-Roma-Brunnen

Steigen wir gemächlich die Cordonata hinauf, stehen wir bald auf dem Kapitol. Den Hintergrund des Platzes bildet der Senatorenpalast, Sitz der römischen Stadtregierung seit dem 12. Jahrhundert.

Zwischen den beiden Freitreppen, die zum Eingangsportal hinaufführen, befindet sich die Fontana della Dea Roma. Die Nische ziert eine antike Statue der Göttin Roma. Im antiken Rom war sie eine Gottheit, die den römischen Staat oder die Stadt Rom symbolisierte. Ihr Gewand besteht aus rotem Porphyr. Der rote Porphyr aus Ägypten, der vor allem den Kaisern vorbehalten war, wurde in der Antike gelegentlich auch bei Götterstatuen verwendet, hauptsächlich für Darstellungen von Apollo, Minerva und der Dea Roma.

Als der Brunnen 1588 zwischen den Statuen von Nil und Tiber gebaut wurde, schmückte die zentrale Nische über dem doppelten Brunnenbecken eine grosse Statue der Göttin Minerva. Dies seit 1583. Sie befindet sich heute in den Kapitolinischen Museen. Siehe: Statua di Minerva | Musei Capitolini

La scultura, di colossali dimensioni (oltre tre metri di altezza), era in precedenza collocata sotto la scalinata del Palazzo Senatorio, sulla piazza, e nel portico del Palazzo dei conservatori.
1593 ersetzte Giacomo della Porta diese durch eine kleinere sitzende Minerva aus Porphyr und Marmor. Diese aus Cori stammende Statue ist viel kleiner, wurde auf drei übereinanderliegenden Sockeln platziert und zur Göttin Roma umgedeutet. Sie entstand ursprünglich zur Zeit Kaiser Domitians (81 - 96 n.Chr). Mit der rechten Hand hält sie eine Lanze und mit der linken die Weltkugel.

Ich freue mich schon, von einem kommenden Rombesuch Detailaufnahmen mitzubringen. Das Oberteil des Gewands ist z.B. mit einem eingeritzten schuppenartigen Muster verziert. Die Statue ist leider oft durch Taubendreck verunstaltet, was besonders auf dem Porphyr sehr unschön aussieht und ihm sicher auch schadet. Eine Restaurierung scheint geplant, finanziert, aber noch nicht durchgeführt zu sein, sonst hätte man wohl davon gelesen. Siehe: Art Bonus - Fontana della Dea Roma in Campidoglio

2. In den Kapitolinischen Museen

Bekannt sind mir vier Werke aus Porphyr. Drei davon habe ich allerdings noch nicht mit eigenen Augen gesehen.

* Im Atrium des Palazzo Nuovo sind Teile zweier Statuen aus Porphyr ausgestellt.

Bei dem ersten handelt es sich um einen Torso, sehr ähnlich jenem in der Kurie im Forum Romanum. Siehe: Torso maschile togato | Musei Capitolini. Die Details der Toga lassen eine Datierung auf das späte 1. oder das frühe 2. Jh. n. Chr. zu. Möglicherweise handelte es sich bei dem Dargestellten um Kaiser Trajan, seinen Nachfolger Hadrian oder ein anderes Mitglied der kaiserlichen Familie. Die Statue wurde 1818 von den Stufen der Kirche Santa Maria in Aracoeli ins Atrium des Palazzo Nuovo versetzt.

Der untere Teil einer Kolossalstatue aus Porphyr wird oft als jener einer weiblichen Gestalt beschrieben. Es kann sich aber auch um den Körper eines Apollo citaredo handeln. Die Apollo-Statue hätte dann im linken Arme eine Kithara gehalten. Als Entstehungszeit nimmt man die Ära der julisch-claudischen Dynastie an (30 - 60 n. Chr.). Auch diese Statue stand einst am Fuss der Treppe zu S. Maria in Aracoeli. Sie ist dort für das Jahr 1730 bezeugt. Siehe: Parte inferiore di statua colossale | Musei Capitolini

* In der Sala degli Imperatori ist eine Büste Kaiser Caracallas mit Porphyr ausgestellt. Von dieser Büste habe ich folgendes Foto bei Wikimedia Commons (public domain) gefunden:

Der antike rote Porphyr ist an einer Stelle mit einem Streifen aus rotem Marmor repariert. Die Büste steht auf einem schön geformten Fuss aus marmo giallo antico. Vgl. Ritratto di Caracalla | Musei Capitolini

* In der Sala del Medioevo des Konservatorenpalastes findet man folgendes herrliche Werk von gut einem Meter Durchmesser:


Der äussere Kranz aus weissem Marmor illustriert sieben Szenen aus dem Leben des Achilles. Es handelt sich um den ehemaligen Rand einer sogenannten Mensa, eines Marmorbeckens, aus dem 4. Jh. Im 13. Jahrhundert wurde das antike Stück von Kosmaten als Element an einem Ambo in der Kirche Santa Maria in Aracoeli wiederverwendet und mit Porphyr ergänzt. Diese Künstler sind namentlich bekannt und zwar handelt es sich um Lorenzo di Tebaldo und seinen Sohn Jacopo. Sie waren zwischen dem Ende des 12. und dem Beginn des 13. Jahrhunderts tätig. Das gute Stück wurde den Kapitolinischen Museen von Papst Benedikt XIV. 1743 geschenkt.



3. In Santa Maria in Aracoeli (früherer Name: S. Maria in Capitolio)

Roten Porhyr findet man in dieser wunderschönen Kirche im Fußboden, z.B. zwei grosse Rotae im Querschiff, aber auch an zwei Kanzeln. Auffallend ist die grosse Menge grünen Porphyrs (Serpentin), der hier verarbeitet worden ist und der mir auch sehr gut gefällt.
Lassen wir einfach Bilder sprechen. Die meisten sind meine eigenen, aber ich habe auch vorübergehend vier von Wikimedia Commons genutzt.

Gegenüber dem Hauptaltar an den Vierungspfeilern sind zwei Ambonen mit einer Kosmatenarbeit aus dem 13. Jhd. eingefügt. Der östlich an die Cappella di Santa Elena angrenzende ist als Werk des Lorenzo di Tebaldo signiert. Er zeigt auf der Innenseite einen Adler zwischen zwei gedrehten, kleinen Säulen (...)
Quelle: Santa Maria in Aracoeli – Wikipedia
Das nächste Foto zeigt die Kapelle, welche der Heiligen Helena, der Mutter Kaiser Konstantins, geweiht ist. Sie wird vom linken Arm des Querschiffs der Kirche gebildet. Der Altar in der Ädikula besteht aus einer großen Porphyrwanne. Man kann sie auf dem Foto leider höchstens erahnen.


Zu guter Letzt eine Reihe von Fotos des Fußbodens von S. Maria in Aracoeli, der noch viel mehr Motive bietet:
Das letzte Foto zeigt ein Motiv des Fußbodens der Cappella Bufalini mit ihren schönen Pinturicchio-Fresken von 1484. Das Quincunx-Motiv ist keine Cosmatenarbeit aus dem 13. Jh. , sondern entstand wahrscheinlich im 15. Jh. nach Art der Cosmaten.
 

ColleMarina

Consul
Stammrömer
Als der Brunnen 1588 zwischen den Statuen von Nil und Tiber gebaut wurde, schmückte die zentrale Nische über dem doppelten Brunnenbecken eine grosse Statue der Göttin Minerva.
Da gefällt mir persönlich die jetzige Statue mit dem wunderschönen roten Porphyrgewand viel besser.
Vielen Dank für wieder sehr schöne Beispiele mit Porphyr aus den Kapitolinischen Museen und aus Santa Maria in Aracoeli. Der kleine Adler ist ja allerliebst!
 

lukasi

Tribunus Militum
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Stammrömer
Vielen Dank für wieder sehr schöne Beispiele mit Porphyr aus den Kapitolinischen Museen und aus Santa Maria in Aracoeli.
Dieser Aussage von @ColleMarina möchte ich mich hundertprozentig anschließen!

Es ist wirklich faszinierend für mich zu erfahren, wo überall, in Kirchen, antiken Stätten oder bei Statuen,
roter u. grüner Porphyr verwendet wurde. Ich muss gestehen, dass mir der grüne Porphyr am besten
gefällt.
 

Gaukler

Caesar
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Auf jeden Fall sind hier beide Sorten sehr schön in Szene gesetzt. Und Teil 3 des Beitrags macht dem Threadtitel ganz besondere Ehre. ;)
 

Simone-Clio

Augustus
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Liebe ColleMarina, lukasi und Gaukler,
herzlichen Dank für euer Interesse am Porphyr und ich freue mich, dass euch die Fotos gefallen haben

Der kleine Adler ist ja allerliebst!
Den muss ich mir für einen späteren Beitrag im Thread zu den römischen Tierdarstellungen merken. :)

Ich muss gestehen, dass mir der grüne Porphyr am besten gefällt.
Das verstehe ich gut! Er ist auch wunderschön und es gibt weitere interessante Beispiele für seine Verwendung. Beide passen einfach wunderbar zusammen.

Teil 3 des Beitrags macht dem Threadtitel ganz besondere Ehre. ;)
Stimmt! ;) Als ich die Bilder in S. Maria in Aracoeli gemacht habe, war ich begeistert von den vielfältigen Formen und den herrlichen Farben.
 

Simone-Clio

Augustus
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Der Teufelsstein in Santa Sabina auf dem Aventin

Auf der Suche nach ganz anderen Informationen, bin ich am Sonntag bei Wikimedia Commons auf ein paar alte Fotografien aus Santa Sabina auf dem Aventin gestossen, die mich in Erstaunen versetzt haben: Mitten im Kirchenschiff erkennt man eine kleine Säule mit einem darauf platzierten runden Stein. Säule und Stein sind mir zwar durchaus bekannt, aber ihr Standort auf den Bildern verblüffte mich.


Mit eigenen Augen gesehen, habe ich den Stein zum ersten Mal am Pfingstsonntag 2010. Siehe diesen und den folgenden Reiseberichtsbeitrag.


Damals wussten wir @Tre a Roma noch nicht, worum es sich bei diesem Stein handelt, der, etwas verloren wirkend, heute in der Ecke neben der kleinen Cappellina di San Domenico steht.

Im Herbst 2010 habe ich in folgendem Thread Decentius in pacem eine Frage von @SPQR beantwortet und nebenbei auch den glänzend schwarzen Stein erwähnt. Angeregt durch die Fotofunde von Sonntag, habe ich mich nun näher mit dem auffälligen Stein, seiner Legende und der Geschichte solcher Steine befasst.

Zur Legende - oder: Der Teufelsstein (lapis diaboli)

Der Legende nach betete der Heilige Dominikus, Gründer des Dominikanerordens, gerne über einer Marmorplatte, die die Gebeine einiger Märtyrer in Santa Sabina bedeckte. 1219 hatte Papst Honorius III. die Kirche samt Nebengebäuden Dominikus übertragen.

Eines Nachts tauchte der Teufel höchstpersönlich in der Kirche auf und versuchte auf jede erdenkliche Weise, Dominikus zu verführen, jedoch ohne Erfolg. Irritiert von so viel Hingabe, nahm der Teufel einen riesigen schwarzen Stein in seine Klauen (manchmal liest man, er habe ihn aus dem Kirchendach gerissen) und schleuderte ihn mit aller Kraft in Richtung des Heiligen. Aber er streifte ihn bloss, ohne ihm Schaden zuzufügen. Beim Aufprall auf den Kirchenboden zerbrach der Stein nur die Marmorplatte. Der Teufel musste sich geschlagen geben und floh.

Vielleicht zur Erinnerung daran, dass das Gute immer über das Böse triumphiert, wurde der Stein, auf dem man noch immer die Löcher sehen kann, die die Krallen des Teufels hinterlassen haben, auf einer kleinen Säule platziert und in S. Sabina aufgestellt

Die Fragmente der Platte wurden wieder zusammengesetzt. Sie befindet sich jetzt in der "schola cantorum" der Kirche. Der wahre Grund für ihre Beschädigung ist folgender: Die Platte wurde 1587 versehentlich vom Architekten Domenico Fontana während Renovierungsarbeiten in der Kirche zerbrochen. Hier ein Foto des Steins an seinem heutigen Platz.

Zu den Tatsachen - oder: Vom Gegengewicht (lapis aequipondus) zum Marterinstrument (lapis martirium)

Bei dem Stein in Santa Sabina handelt es sich um das Gegengewicht einer römischen Waage. Solche Gewichte kamen u.a. beim Wiegen von Getreide zum Einsatz. Solche Gewichte waren rund, im oberen und unteren Teil abgeflacht. Die größeren hatten zwei Ringe oder eiserne Haken, mit denen sie angehoben werden konnten, die kleineren hatten nur einen. Die größeren Exemplare erreichten ein Gewicht von einhundert römischen Pfund. Das entspricht etwa 33 Kilogramm.

Das Material, das die Römer zur Herstellung solcher Steine nutzten, ist die sogenannte pietra nefritica. Siehe: roman marbles - marmi romani

Zur Zeit der Christenverfolgungen wurden die grossen Gewichte zweckentfremdet. Mal wurden sie um den Hals der Märtyrer gebunden und diese ins Wasser, in Brunnen oder Kloaken geworfen. Mal wurden sie den Märtyrern an die Füsse gebunden und die Ärmsten aufgehängt. Fresken in der den Heiligen Primus von Rom und Felicianus geweihten Kapelle in S. Stefano Rotondo zeigen eine solche Szene. Siehe hier und hier.

Zum Schluss noch der Hinweis, dass es ein solches römisches Gegengewicht nicht nur in Santa Sabina gibt, sondern mehrere davon auch in anderen Kirchen, z.B. in Santa Maria in Trastevere und in San Lorenzo fuori le mura. Sie haben sich erhalten, weil sie als Reliquien verehrt wurden.

 

Gaukler

Caesar
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Stammrömer
Säule und Stein sind mir zwar durchaus bekannt, aber ihr Standort auf den Bildern verblüffte mich.
Das geht mir ganz genau so! Denn obwohl S. Sabina eine meiner römischen Lieblingskirchen ist seit 2000 oder 2001, kann ich mich an keinen anderen Standort erinnern als den heutigen.

Danke schön also für diese interessante Recherche.
 

caravaggiolina

Tribunus plebis
Stammrömer
Liebe Simone,
Vielen Dank für die weiteren Teile deiner Porphyr-Mosaiksteinchen! Ich habe alles mit großer Freude und großem Interesse nachgelesen und kann es kaum erwarten, in Rom bald selbst wieder auf die „Jagd“ nach Mosaiksteinen zu gehen.

Man wird vor lauter Wunschzielen gar nicht wissen, wohin man sich zuerst wenden soll. :)
... dem kann ich nur vollinhaltlich zustimmen :D
 

Simone-Clio

Augustus
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Stammrömer

caravaggiolina

Tribunus plebis
Stammrömer
Auch mir ist der von dir beschriebene „Teufelsstein“ aufgefallen bei meinen Besuchen in Santa Sabina, aber den Hintergrund kannte ich nicht.

Demnächst werden wir Santa Sabina einen weiteren virtuellen Besuch mit anderem Schwerpunkt abstatten!
Darauf freue ich mich schon!
Danke für deine unermüdlichen Recherchen und die spannenden Beiträge!
 

Padre

Censor
Stammrömer
Vielen Dank für den Teufelsstein aus Santa Sabina. Ich mag diese Kirche und die dazugehörige Legende. Neu war mir, dass es sich bei dem Stein um ein Gegengewicht handelt. Wieder etwas dazugelernt!
 

Simone-Clio

Augustus
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Stammrömer
Guten Abend, caravaggiolina, Padre und arator,
vielen Dank für eure virtuelle Begleitung auf den römischen Spaziergängen und das freundliche Lob.
Einen schönen Sonntag und bis zum nächsten Mal. :)
 

Angela

Augustus
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Stammrömer
Rom-Reise
15.03.2020-22.03.2020
Zu guter Letzt eine Reihe von Fotos des Fußbodens von S. Maria in Aracoeli, der noch viel mehr Motive bietet:
Dieser so schöne Fußboden ist der, der mir unter allen Cosmatenböden mit am besten gefällt, nicht zuletzt, weil man da das Alter und die vielen Schritte, die im Laufe der Jahrhunderte drüber hinweggegangen sind, so richtig nachempfinden kann.

Auch mir gefällt vor allem die Kombination des grünen und roten Porphyrs in den Mustern der Böden.

Vielen Dank für diese schönen weiteren Porphyr-Steinchen! ;)
 

Simone-Clio

Augustus
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Stammrömer
Vielen Dank für diese schönen weiteren Porphyr-Steinchen!
Bitte schön - immer wieder gerne. :)
In ein paar Tagen wird es hoffentlich mit einem neuen Porphyr-Steinchen weitergehen können.
Recherchen zu diesem haben mich zunächst den Umweg zum "Teufelsstein" von Santa Sabina nehmen lassen.
 
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