Wunderschöner Frühsommer in Rom

Simone-Clio

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Wunderschöner Frühsommer


Vom 18. bis 22. Mai 2016 hatte ich das Glück 3,5 kurze aber intensive und wunderschöne Tage in Rom zu verbringen. Nachdem sich der Frühling in unseren Breitengraden nördlich der Alpen nicht von seiner besten Seite gezeigt hat, herrschte in Rom wunderschöner Frühsommer mit Temperaturen zwischen 22 und 26 Grad, den ich freudig genossen habe.

Der Plan zu dieser Rom-Reise entstand im Februar. Ich wollte nach langer Zeit mal wieder mit meiner Mutter nach Rom fliegen um ein paar schöne gemeinsame Tage dort zu verbringen und ihr römische Orte zu zeigen, die sie noch nicht kennt. Leider zeichnete sich in den vergangenen Wochen immer deutlicher ab, dass dieser Wunsch nicht in Erfüllung gehen würde. Sie muss mit ihren Kräften haushalten und fühlte sich der Reise nicht mehr gewachsen. So kam es, dass ich leider allein reisen musste.

Da auch Gaukler den schönen Monat Mai auserkoren hatte um eine erholsame Zeit in Rom zu verbringen, unternahmen wir während meines Aufenthalts gemeinsame Streifzüge durch Rom. Darüber freute ich mich sehr, denn in Gesellschaft genossen, gefällt mir Rom doch am besten!

Trotz bereits vieler Rom-Reisen unseres römischen Duos steuerten Gaukler und ich an drei Tagen fast lauter für uns neue römische Ziele an. Was wir im wunderschönen römischen Frühsommer gesehen haben, möchte ich euch in meist kürzeren Berichtsteilen vorstellen.

Für diese Berichtsteile lege ich jetzt die Baustellen an und später am Abend gibt es auf jeder Baustelle eine kleine Vorschau zum geplanten Inhalt.

Hier entsteht nach und nach ein

Inhaltsverzeichnis:
Erster Abend und Aufbruch zum ersten Treffen
SS. Cosma e Damiano - Kirche und Mosaiken
SS. Cosma e Damiano - Kreuzgang
S. Francesca Romana
Pico Cellini und die Madonnen-Ikonen
Kreuzgang des Konvents S. Maria Nova
Neue Gammadiae und Spaziergang auf dem Palatin
Santa Maria Antiqua - Teil 1
Santa Maria Antiqua - Teil 2
Konzert in S. Agnese in Agone
Der Garten des Édouard François André
In Trastevere oder Die Principessa ist zurück
Villa Aldobrandini
San Silvestro al Quirinale
Ausstellung "Antiquorum Habet" und Tagesausklang
San Giovanni dei Fiorentini
"Cortili aperti" - Teil 1
"Cortili aperti" - Teil 2
"Cortili aperti" - Teil 3
"Cortili aperti" - Teil 4
"Cortili aperti" mit Überraschungen - Teil 5
Roseto Comunale
Abschied mit Pulverdampf
 
Zuletzt bearbeitet:

Erster Abend und Aufbruch zum ersten Treffen
Mein Flieger nach Rom hob pünktlich am frühen Abend des 18. Mai ab und ebenso pünktlich landete der Flieger um 19.45 Uhr auf dem Flughafen Fiumicino. Ein netter Fahrer von Tims Shuttle-Dienst erwartete mich und während die Sonne unterging, machten wir uns auf den Weg ins centro storico, wo ich ausnahmsweise mal wieder in der Albergo S. Chiara in Pantheon-Nähe Quartier bezog.

Die Fahrt zog sich in die Länge, da es einen schweren Unfall auf der Autobahn gegeben hatte und die bereits geräumte Unfallstelle immer noch nur einspurig zu befahren war.

Kurz nachdem ich mein Zimmer in der 2. Etage bezogen hatte, machte ich mich wieder auf den Weg um noch eine Kleinigkeit zu essen und die herrlich laue römische Abendluft zu geniessen. Ich grüßte Beli an der Piazza della Minerva, ging am Pantheon und am geschlossenen Tazza d'oro vorbei zur Piazza Capranica, wo ich erstmalig die Enoteca e Taverna Capranica besuchte.


Bruschetta und Erdbeeren mit Vanilleeis schmeckten sehr lecker. Das Hauptgericht, Spaghetti carbonara, war nicht nach meinem Geschmack, da die Sosse mit einem, für meine Begriffe, viel zu scharfen Käse zubereitet war. Aber das machte gar nichts, denn Atmosphäre und Bedienung waren sehr angenehm und freundlich, so dass ich den Abend auf angenehme Weise verbrachte. Wieder im Hotel tauschte ich noch einige Nachrichten mit Gaukler aus und wir verabredeten uns für den folgenden Morgen am Forumseingang der Fori imperiali.

Nach einer ruhigen Nacht und dem Frühstück mit Cappuccino, Cornetto und Obst, machte ich mich auf den Weg zum Corso Vittorio Emanuele II um mit dem Bus zu den Kaiserforen zu fahren. Noch ganz in Hotel-Nähe fiel mir an der Via dei Sediari auf, dass im Palazzo Maffei-Marescotti oder Palazzo del Vicariato (das römische Vikariat ist allerdings seit 1964 im Palazzo di S. Callisto in Trastevere untergebracht) eine Ausstellung stattfand.

Ich habe sie zwar nicht besucht, aber vielleicht interessiert sie den ein oder anderen Forista. Die Ausstellung trägt den Titel Perigrinatio Sancta. Le bolle dei giubilei dall' archivio segreto vaticano. Gezeigt werden Original-Dokumente aus dem Besitz des Vatikanischen Geheimarchivs. Die Ausstellung dauert noch bis zum 31. Juli und ist jeden Tag von 10 bis 21 Uhr zu besichtigen. Der Eintritt kostet 10 Euro und der Eingang befindet sich in der Via della Pigna 13A. Das ist folgender Eingang, den ich im Dezember 2015 fotografiert habe, als ich eine andere Ausstellung besucht habe:

Weiterführende Links für Interessierte:
(italienisch) "Peregrinatio Sancta. Le Bolle dei Giubilei dall'Archivio Segreto Vaticano"
(englisch) "Peregrinatio Sancta. Le Bolle dei Giubilei dall'Archivio Segreto Vaticano"
Seite des Vikariats: Pastorale Universitaria PEREGRINATIO SANCTA: LE BOLLE PAPALI IN MOSTRA AL PALAZZO CINQUECENTESCO DEL VICARIATO.

Mich zog es weiter zu den Kaiserforen, wo ich in der wärmenden Morgensonne die Blicke auf das Forum genoss:



Ave Caesar!
Ich erfreute mich vor allem am Anblick der vielen Mohnblumen und der wiederaufgebauten Säulen am Forum Pacis:

Dann kam auch schon Gaukler und nach der Begrüßung konnten die gemeinsamen Rom-Spaziergänge beginnen!
 

SS. Cosma e Damiano

Letzter Anstoss Santi Cosma e Damiano endlich kennenzulernen war dieser Beitrag unserer Nutzerin Nihil in ihrem Reisebericht Rom im Februar 2016. Durch ihre Frage zu den Zeichen auf dem Gewand eines bestimmten Engels sind wir hier im Forum den römischen Mosaiken mit Gammadiae auf die Spur gekommen. Es war also Ehrensache "Nihils Engel" ;) einen Besuch abzustatten. So erklärt sich die Vignette, die ich diesem Beitrag vorangestellt habe.

Die Kirche und ihre Mosaiken
Beginnen wir mit ein paar Hintergründen zur Lage und Geschichte dieser frühesten Kirche an den Kaiserforen:

In den 70er Jahren des 1. Jahrhunderts wurde hier am Friedenstempel Kaiser Vespasians die Biblioteca Pacis errichtet.
Im 3. Jh. wurden die Bibliotheksräume als Stadtkataster, Grundbuchbehörde oder Stadtarchiv sowie als Amtssitz der Stadtpräfektur genutzt.
303 erlitten die Brüder und Ärzte Cosmas und Damian das Martyrium in Kleinasien.
309 soll Maxentius den sogenannten Tempel des Romulus errichtet haben.
Zwischen 495 und 525 wurde die Biblioteca Pacis unter dem Ostgotenkönig Theoderich dem Großen instand gesetzt und von ihm und seiner Tochter Amalasuntha Papst Felix IV. zur Nutzung als Kirche übergeben.
526 Papst Felix IV. einte die beiden Gebäude, gründete SS. Cosma e Damiano und stiftete das erhaltene antike Apsismosaik.
Um 600 entstand das Triumphbogenmosaik.
Im 12. Jh. entstand ein romanischer Campanile. Er stürzte 1600 ein und wurde nicht wieder aufgebaut.
1503 gingen Kirche und Kloster in den Besitz der Franziskaner des Dritten Ordens über.
Im 17. Jh. wurden grosse bauliche Veränderungen beschlossen und zwischen 1632 und 1643 von Luigi Arrigucci, einem Bernini-Schüler, verwirklicht. Dabei wurde u.a. in einem Drittel der Gesamthöhe des Kirchenraumes ein neuer Fußboden eingezogen.
1947 wurde der Eingang zu SS. Cosma e Damiano vom Romulustempel an die Via dei Fori Imperiali verlegt.

Diese Zeichnung zeigt den alten Eingang und mein in den Farnesinischen Gärten auf dem Palatin aufgenommenes Photo den heutigen Zustand an dieser Stelle.

Wir betraten den Komplex an der Via dei Fori Imperiali und gelangten durch den Kreuzgang zum Eingang der Kirche.

Soweit ich mich erinnere, waren kaum Menschen da als wir eintraten, so dass wir in Ruhe schauen und die Atmosphäre aufnehmen konnten. Durch ein Fenster in der Kirchenwand warfen wir zunächst einen Blick hinunter ins Innere des Romulustempels, der lange als Vorhalle der Kirche gedient hat. Sein Bronzetor war verschlossen.

Dann wurde unser Blick magisch angezogen von dem herrlichen Apsismosaik mit sieben Personen vor dem leuchtenden Kobaltblau des Hintergrundes. Bereits im 6. Jahrhundert angefertigt, diente es als Vorbild für weitere Mosaikwerke in Rom.

Es fällt sofort auf, dass man diesem Mosaik näher ist, als jenen anderer römischer Kirchen. Das hängt natürlich mit dem im 17. Jh. angehobenen Fussboden zusammen. Um das ständige Eindringen von Wasser zu verhindern hat man den Boden um 7 Meter angehoben wodurch zugleich eine Krypta entstand.

Thema ist die Parusie (Mt 24,30), die endzeitliche Ankunft Christi.

Danach wird das Zeichen des Menschensohnes am Himmel erscheinen; dann werden alle Völker der Erde jammern und klagen und sie werden den Menschensohn mit großer Macht und Herrlichkeit auf den Wolken des Himmels kommen sehen.


In der Mitte des Apsismosaiks steht Christus in ein goldenes Gewand gekleidet auf rötlich-blauen Wolkenstreifen, die als Morgenröte gedeutet werden können. Er zeigt auf den in einer Palme stehenden Phönix, das Symbol für Tod und Auferstehung.


Beeindruckend finde ich auch die würdevollen Gestalten der Apostel Petrus und Paulus, sowie jene der beiden Ärzte-Heiligen, die zu Christus geführt werden. Die markanten Gesichter der Apostel und Heiligen mit den großen Augen haben mir sehr gut gefallen.


Paulus mit Damian


Petrus mit Cosmas​

An den Rändern des Mosaiks erscheint links Papst Felix IV. als Gründer von SS. Cosma e Damiano und Stifter des Mosaiks. Er präsentiert ein Kirchenmodell als Geschenk an Christus. Rechts ist der Hl. Theodor, auch als Stadtpatron von Venedig bekannt, abgebildet. Sein Gewand ist besonders prächtig.

Wikipedia schrieb:
Zwei Personen wurden in der Heiligenlegende miteinander vermischt. Der einfache Soldat Theodor Tiro († um 300), auch Tiro von Euchaïta genannt, mutierte zu einem Bruder des ebenfalls legendären Georg des Drachentöters, kämpfte ebenfalls gegen einen Drachen und nahm schließlich die Gestalt des römischen Garnisonsführers Theodor Stratelates († 319) an.[1] Die katholische Kirche verehrt beide in einer Person

Quelle: Theodor Tiro - Wikipedia


Papst Felix IV. (526 bis 530) und der Hl. Theodor​

Neben den beiden sehen wir jeweils eine Palme und in der Palme neben dem Papst steht der Phönix. Sein Kopf ist von einem siebenstrahligen Nimbus umgeben.

Alle Dargestellten befinden sich vor dem als hellblaues Band dargestellten Fluss Jordan (als Hinweis auf die Bedeutung der Taufe) in einer Paradieseslandschaft, darunter das häufig verwendete Motiv des Lämmerfrieses als Symbol für Christus und die Apostel mit dem Paradiesberg und den vier Paradiesflüssen (auf meinen Photos nicht zu sehen). Unter dem Fries befindet sich auf blauem Grund eine goldene Inschrift, welche den Stifter, die Titelheiligen und das kostbare Mosaik selbst preist.

Die Inschrift lautet:

AVLA DEI CLARIS RADIAT SPECIOSA METALLIS
IN QVA PLVS FIDEI LVX PRETIOSA MICAT
MARTYRIBVS MEDICIS POPVLO SPES CERTA SALVTIS
VENIT ET EX SACRO CREVIT HONORE LOCVS
OBTVLIT HOC DNO FELIX ANTISTITE DIGNVM
MVNVS VT AETHERIA VIVAT IN ARCE POLI
Eine deutsche Übersetzung habe ich hier gefunden:

Gottes kostbare Halle schimmert in leuchtender Pracht auf,
in ihr noch mehr des Glaubens kostbares Licht,
den Märtyrerärzten zur Ehre.
Dem Volke wurde die Hoffnung auf die Heilung gewiss,
die heilige Stätte nahm zu an Ausschmückung.
Papst Felix brachte dem Herrn diese würdige Gabe dar,
damit er auflebe in der Himmelsburg in der Höhe.

Zwei Veränderungen am Mosaik hat es im Laufe der Zeit gegeben:
1) Über dem Kopf von Christus war früher die Hand Gottes zu sehen, der Christus die Lorbeerkrone als Zeichen des Triumphes über den Tod reicht. Dieses Element fiel Umbauarbeiten im 17. Jh. zum Opfer. Den ursprünglichen Zustand zeigt diese Zeichnung von Giovanni Ciampini vom Ende des 17. Jahrhunderts.

2) Im 16. Jh. liess Papst Gregor XIII. (1572 bis 1585) die Darstellung von Papst Felix IV. entfernen und durch das Bild Papst Gregors des Grossen ersetzen. Die barocken Restauratoren des 17. Jahrhunderts stellten den ursprünglichen Zustand so gut wie möglich wieder her.

Zum Abschluss noch ein paar Worte zum Mosaik des Triumphbogens.

Es ist etwa 80 Jahre nach dem Apsismosaik entstanden und präsentiert sich ganz anders als dieses mit einem Goldgrund. Wir haben es hier mit einer Darstellung apokalyptischer Symbole aus der Offenbarung des Johannes zu tun. In der Mitte das Lamm Gottes auf einem Thron und das Buch mit den 7 Siegeln umgeben von 7 Leuchtern, vier Engeln und den Symbolen der Evangelisten Matthäus und Johannes. Die Gestalten der 24 Ältesten und die beiden anderen Evangelistensymbole gingen im Barockzeitalter durch den Bau von Seitenkapellen fast völlig verloren.

Bei einem nächsten Besuch dieser schönen Kirche gibt es sicher noch andere interessante Dinge zu sehen. Völlig verpasst habe ich die Decke mit einem Gemälde der Hl. Cosmas und Damian in der Glorie. Aufgefallen ist mir hingegen gleich beim Eintreten dieses Fresko in einer Kapelle:


Es ist eine sehr ungewöhnliche Kreuzigungsdarstellung aus dem 8. Jahrhundert bei der Christus in eine Tunika gekleidet ist. Hinter ihm ist ein rotes Tuch mit Blütenmuster und Goldborte ausgebreitet. Informationen dazu habe ich zunächst nur in diesem italienischen Blog gefunden. Demzufolge befindet sich die Kreuzigungskapelle an der Stelle in der Kirche, an der sich einst der eingestürzte Campanile erhob. Inzwischen habe ich auch noch diese englische Seite von Franziskanern gefunden. Dort liest man:

The work of art above the altar is a precious fresco of the Kyrios (8th Century) which was transferred from the lower church in 1637. The crucified Christ is vested in a Colobio, that is the garment of the Byzantine emperor to signify that on the cross He has become the King of the Universe.
Das Bild erinnerte mich an ein Fresko aus S. Maria Antiqua von dem ich bislang nur eine Mosaikkopie kannte. Am Nachmittag sollte ich auch das Original bewundern dürfen.


Mosaik an der Fassade von S. Maria Liberatrice​
 

SS. Cosma e Damiano


Der Kreuzgang

Der Kreuzgang von SS. Cosma e Damiano hat sehr unter baulichen Veränderungen ab 1873 gelitten. Wären da nicht vor allem die Reste eines Freskenzyklus' zum Leben des Heiligen Franziskus, könnte man ihn für einen Innenhof halten.

Entstanden ist der Kreuzgang zwischen 1626 und 1632, als Luigi Arrigucci bedeutende Veränderungen an der Kirche und einen Neubau des Konvents durchführte. Arrigucci war architetto camerale Urbans VIII. und Nachfolger Carlo Madernos in diesem Amt. Er verwirklichte hier ursprünglich von Orazio Torriani im Auftrag der Franziskaner ausgearbeitete Pläne. Die Bauleitung lag in den Händen des Kapuzinermönchs Michele Bergamasco.

Die Barberini, insbesondere Papst Urban VIII. (Maffeo Barberini) sowie sein Neffe Francesco Barberini, Protektor des Dritten Ordens der Franziskaner, förderten nach einer Zeit des Niedergangs die Restrukturierung von SS. Cosma e Damiano. Die Franziskaner überliessen Taddeo Barberini Travertinblöcke vom Areal der Kirche zum Bau des Palazzo Barberini und erhielten im Gegenzug die nötigen Mittel für die Arbeiten an Kirche und Konvent.

Der Kreuzgang hat einen rechteckigen Grundriss mit 7 Arkadenbögen an den Längsseiten und 3 an den Schmalseiten. Sie werden von Pilastern getragen. In der Mitte befindet sich ein Brunnen, der dem Kreuzgang eine heitere Note verleiht. Über sein Alter konnte ich leider nichts herausfinden.


Die Basis besteht aus einem runden Travertinbecken. Die mittlere Brunnenschale wird von vier geflügelten Pferden getragen. Diese und die oberen Schale sind mit Tierköpfen (wahrscheinlich Löwen) dekoriert. Die obere Schale wird von vier sitzenden Vögeln getragen, die so mit Moos bewachsen sind, dass ihre Art nicht zu erkennen ist. Es könnte sich evt. um Tauben handeln. Überhaupt nicht mehr wahrzunehmen ist der völlig mit Pflanzen überwucherte obere Teil des Brunnens. Es soll sich um einen Putto, der einen Delphin hält, handeln.

Der nur in Resten erhaltene Freskenzyklus des Kreuzgangs entstand zwischen 1638 und 1641. Neueren Forschungen zufolge ist er das Werk des umbrischen Malers Flaminio Allegrini (und nicht, wie man lange annahm, das seines Vaters Francesco Allegrini). Thema sind, wie bereits eingangs geschrieben, Szenen aus dem Leben des Heiligen Franziskus von Assisi. Vier davon sind erhalten.


Franz von Assisi empfängt die Stigmata

Dieses Photo werde ich nach einem erneuten Besuch durch zwei Einzelaufnahmen ersetzen, vor allem damit man die Szene rechts besser erkennen kann. Sie enthält nämlich einige barocke Spielereien!
Das linke Fresko zeigt Franz von Assisi während einer Predigt in Poggibonsi.
Das rechte Fresko ist das spannendere. Sein Titel lautet "Confermata della regola francescana". Es geht um die päpstliche Anerkennung der franziskanischen Ordensregel. Der Papst, welcher dem vor ihm knienden Franziskus die Ordensregel reicht, ist allerdings kein Zeitgenosse von Franziskus sondern Urban VIII. umgeben von zwei Kardinalnepoten, Antonio und Francesco Barberini! :eek: Das haben vergleichende Studien von Stefano Riccione ergeben, dessen Aufsatz Flaminio Allegrini, i Barberini e un libro. Gli affreschi nel chiostro della Basilica dei SS. Cosma e Damiano (2006) ich mit Interesse gelesen und recht gut verstanden habe.

Inhaltlich zum linken Fresko des kleinen Photos passt dieses 4. Fresko im Kreuzgang:
Wir sehen darauf die Einkleidung des ersten Mitglieds der Franziskaner-Tertiaren, des als heilig verehrten Luchesius von Poggibonsi.

Wenig später kam Franziskus von Assisi nach Poggibonsi, legte dem Ehepaar die Idee des Dritten Ordens ans Herz und kleidete sie mit einem grauen Habit mit Büßerstrick. Luchesius wurde so im Jahr 1221 der erste Tertiar der Franziskaner. Das Paar führte von nun an ein Leben in Buße und in Werken der Barmherzigkeit.
Man erkennt, wie Franziskus San Lucio mit dem grauen Büßergewand kleidet. Auch Bona di Segni (Bonadonna genannt), die Ehefrau von Luchesius ist dargestellt. Das Geschehen schien eher als traurig erlebt zu werden, denn unter den Zuschauern erkennt man eine weinende Frau mit Kind. Umgeben ist dieses Fresko von zwei Heiligengestalten, links der französische König Ludwig IX., rechts wahrscheinlich der Heilige Ivo Hélory von Kermatin aus der Bretagne.

Es freut mich immer sehr, wenn ich lerne einen schönen Ort in Rom besser zu verstehen, dazu hat der zitierte Aufsatz wesentlich beigetragen.
 

S. Francesca Romana al Palatino
oder

S. Maria Nova


Von SS. Cosma e Damiano gingen wir Richtung Kolosseum um die Kirche der beliebten Mit-Patronin Roms, Franziska von Rom, kennenzulernen.

Auf Anhieb fanden wir den Wegweiser zur Kirche. Hinter den gelben Zäunen der Metro C-Baustelle verläuft der Clivio di Venere Felice und endet nach einer Biegung auf dem Vorplatz der Kirche.



Mit Bedauern stellten wir fest, dass der fünfstöckige Campanile momentan völlig eingerüstet ist. Nach der Renovierung wird er umso schöner sein!


Das Photo oben ist ein Blick zurück. Mit dem Tor im Rücken hält man sich links und kommt zur Doppeltreppe deren Stufen zum Portikus und dem Eingang von S. Francesca Romana führen:

Dem Tor auf dem ersten Photo genau gegenüber, liegen die beiden Drehtüren des 2. Photos. Dies ist ein Forums-Ausgang, den man nutzen kann wenn man sich die Maxentius-Basilika angesehen hat. Wir sahen allerdings niemanden dort herauskommen. Man steht dann auf dem kleinen Vorplatz von S. Francesca Romana und es bietet sich der Blick von Photo 1.

Doch kommen wir nun zur Kirche selbst. Ich möchte gerne wieder zum Auftakt ein paar Angaben zu ihrer Lage und Geschichte machen:


Ab 121 ließ Kaiser Hadrian den Doppel-Tempel der Venus und Roma errichten. Vollendet wurde der Bau unter seinem Nachfolger Antoninus Pius. Die westliche, dem Forum zugewandte Cella war der Stadtgöttin Roma geweiht. Wie hier im Forum nachzulesen, befasste sich ihr Kult mit der Aeternitas, der Ewigkeit der Stadt.

307, nach einem Brand, ließ Maxentius den Tempel restaurieren und veränderte dabei dessen Aussehen wesentlich. So erhielten z.B. die Cellae damals erst Apsiden. Die westliche Cella, links in diesem Bild, ist am besten erhalten. Und so päsentieren Cella und Apsis sich heute. Sie gehören zum Gebäudekomplex von S. Francesca Romana.

Die früheste christliche Präsenz auf dem Gelände könnte auf das 4. Jh. zurückgehen, als Papst Silvester I. in den Tempelruinen ein kleines Oratorium errichtete. Es war den Aposteln Petrus und Paulus geweiht.

Als im 9. Jh. (nach einem Erdbeben 847) Santa Maria Antiqua am Fuß des Palatin aufgegeben werden musste, wurde das Oratorium vergrössert und verschönert. So entstand die Kirche Santa Maria Nova als Rechtsnachfolgerin der alten Kirche.
Auch heute wird sie unter diesem Namen auf der Webseite Diocesi di Roma - Vicariatus Urbis geführt. Ente | Vicariatus Urbis

1161 entstand das schöne Apsismosaik im byzantinischen Stil.

Ebenfalls im 12. Jahrhundert, zur Zeit von Papst Alexander III., wurden ein Kreuzgang und der romanische Campanile errichtet. Dieser ist mit arabischen Majolikaschalen und roten Porphyrkreuzen verziert.

1216 Neubau unter Papst Honorius III.

1352 berief Papst Clemens VI. Benediktiner-Mönche von Monte Oliveto Maggiore mach S. Maria Nova. Bis heute befindet sich dort eines der Klöster dieses Ordens, dessen neuer Teil zum Forum hin blickt.

1440 Tod der Hl. Francesca Romana. 1425 hatte sie die Compagnia delle Oblate del Monastero Olivetano di S. Maria Nuova gegründet. Nach ihrem Tod wurde sie hier beerdigt und die Kirche wurde Zeil einer Wallfahrt.

1600 bis 1615 erhielt die Kirche ihr heutiges Aussehen. Das Kircheninnere wurde barockisiert und eine neue Fassade errichtet. Die alte Fassade mit Portikus, sechs ionischen Säulen und Mosaik wurde durch eine barocke Travertin-Fassade ersetzt.Mit diesen Veränderungen ist der Name des Architekten Carlo Lombardo (auch Lombardi oder Lambardi) verbunden.

1608 Heiligsprechung der Hl. Francesca Romana. Seit damals wird S. Maria Nova auch S. Francesca Romana genannt.

Nach dieser langen Vorrede sollen nun die Schönheiten dieser Kirche für sich sprechen:





Gesamteindruck mit Triumphbogen, Apsismosaik, Fresken von Märtyrern und Marien-Ikone, Confessio mit Statue der Hl. Francesca und ihrem Schutzengel. Die Confessio entstand nach einem Entwurf Gian Lorenzo Berninis. Seine Statue der Heiligen wurde von Napoleon nach Paris transportiert. Es gibt sie nicht mehr. Die heutige Statuengruppe fertigte 1869 der Bildhauer Giosuè Meli.


Das Apsismosaik habe ich bewusst zum ersten Mal gesehen, als unsere Nutzerin lukasi mir kürzlich ein von ihr aufgenommenes Photo für den Gammadiae-Thread zur Verfügung stellte. Das Mosaik ist ein Werk von 1161. Ich freute mich sehr darauf diese Pracht mit eigenen Augen zu sehen. Der Stil ist ein anderer als bei dem älteren Mosaik in SS. Cosma e Damiano aber es gefällt mir auch sehr gut.

Ausser Gaukler und mir war noch eine kleine italienische Gruppe mit ihrem Führer anwesend. Wir kamen kurz ins Gespräch, da ein Teilnehmer an der Führung sich nach den Zeichen auf den Gewändern der Apostel erkundigte und die Antwort erhielt, dass es sich um Gammadiae handle.

Die thronende Madonna mit dem Jesuskind ist umgeben von den Aposteln Johannes und Jakobus (links) sowie Andreas und Petrus (rechts).



Dieses Mosaik lässt im Gegensatz zu jenem in SS. Cosma e Damiano noch die Hand Gottes erkennen. Er schickt sich an Maria mit einem Kranz zu krönen.


Zu meinem Leidwesen ist mir erst zu Hause aufgefallen, dass ich es versäumt habe eine Detailaufnahme des Apostels Andreas zu machen. Allein das ist ein Grund der Kirche bald wieder einen Besuch abzustatten.




Johannes und Jakobus


Maria mit Kind und Petrus​


Über dem Hochaltar der Kirche befindet sich eine wertvolle und schöne Madonna mit Kind. Sie ist ein Werk der toskanischen Schule des 12. Jahrhunderts und wurde 1949/50 restauriert. Dazu mehr im folgenden Beitrag.









Blickt man auf den Hochaltar findet man rechts davon das Grabmonument für Papst Gregor XI. Die Römer errichteten es zur Erinnerung an die Beendigung des Avignonensischen Papsttums 1377. Relief und Statuen sind Werke des Bildhauers Pietro Paolo Olivieri (1551 bis 1599). Dessen Kleopatra-Skulptur im Foyer der Galleria Corsini kennen wir schon länger.






Links und rechts Darstellungen der Tugenden Glaube und Klugheit
In der Mitte ein Relief mit einer Darstellung der feierlichen Rückkehr Papst Gregors XI. nach Rom. Links tritt Roma aus dem Stadttor um den langen Zug des Papstes zu empfangen. Der Papst reitet unter dem Baldachin. Unter diesem erkennt man auch Katharina von Siena, auf deren Betreiben hin er Avignon verließ.





Über dem bald nicht länger verwaisten römischen Papstthron schwebt
ein Engel mit Tiara und den Schlüsseln Petri
In der Nähe des Papst-Grabmals liegt der Zugang zur Krypta unter der Confessio. Dort liegt seit 1868 die Hl. Francesca Romana in einem Glassarg. Gegenüber befindet sich ein Medaillon aus der Schule Berninis.

Durch eine Öffnung in der Decke kann man in den Kirchenraum blicken und sieht die prächtige Holzdecke, der wir gleich unsere Aufmerksamkeit schenkten.




Aus der Krypta kommend, gingen wir die Treppe der Confessio hinab und während ich die Marmor-Balustrade betrachtete, erinnerte ich mich an eine Meldung, die ich am 24.11.2012 hier im Forum gepostet habe. Damals hat ein Vandale die Messe gestört und u.a. die Balustrade an der Confessio nach dem Entwurf Berninis beschädigt bevor er überwältigt werden konnte. Siehe: Danneggia balaustra di Bernini preso falso centurione 'furioso' - Roma - Repubblica.it

Hier sehen wir ein paar Bilder der prachtvollen, bunt bemalten Holzdecke von Carlo Lombardo aus dem Jahr 1612.





S. Francesca Romana und der Engel
Siehe auch ganz oben die Vignette zu diesem Berichtsteil



Bilder einiger Kapellen


Alte und neue Kirchenpatronin vereint:
Maria im Apsis-Mosaik
Hl. Francesca Romana und der Engel über dem Ausgang
Um Punkt 12 Uhr traten wir aus der Kirche heraus. Das verkündete der deutlich hörbare Kanonenschuß vom Gianicolo. Vom Portikus hat man einen schönen Blick Richtung Forum. Gleich links der Pinien liegt der Titus-Bogen:

Es war sehr warm geworden und der Himmel leicht bewölkt. Der Blick auf die Kirchenfassade ließ am schmiedeeisernen Tor das Symbol der Olivetaner-Benediktiner erkennen - drei Berge, Olivenbaumzweige und ein Kreuz darüber.


Während ich dies schreibe, habe ich immer noch den herrlichen Duft einer Jasminhecke vor der Kirche in der Nase.


Zum Abschluss dieses Berichtsteils noch der Hinweis darauf, dass die Hl. Francesca Romana, wie der Hl. Chistophorus, Schutzpatronin der Automobilisten ist. Pius XI. erklärte sie 1925 dazu. Gedenktag der Heiligen ist der 9. März. Jedes Jahr zu dieser Zeit (2016 am 6. März) können Autofahrer ihre Fahrzeuge segnen lassen. Hier ein paar Links zu alten Aufnahmen:
 

Pico Cellini und die Madonnen-Ikonen


Während ich diese Ikone der Madonna mit Kind in S. Francesca Romana betrachtete, musste ich an die spannende Geschichte denken, die ich über sie und ihre „Schwestern“ bereits vor meiner Rom-Reise gelesen hatte.


1949 wurde dem bekannten römischen Restauratoren Pico (Giuseppe) Cellini (1906 bis 2000) im Auftrag des Soprintendente alle Gallerie di Roma e del Lazio eine Ikone aus S. Maria Nova anvertraut. In seinem Studio sollte er eine künstlerisch wertlose Übermalung des Jahres 1805 von Petrus Tedeschi entfernen. Nachdem dies geschehen war, kam allerdings nicht nur eine ältere Ikone zum Vorschein sondern gleich mehrere Schichten. Die heute sichtbare mittelalterliche Ikone ist ein Werk der toskanischen Schule des 12. Jahrhunderts, evt. von Berlinghiero Berlinghieri.

Dahinter befand sich eine weitere, viel ältere Ikone! Picco Cellini trennte die beiden Ikonen voneinander, eine äusserst delikate Angelegenheit, aber sie gelang ihm. Beide wurden von ihm neu auf Holz aufgezogen.

«Millimetro per millimetro, riuscii a distaccare l’incollatura medioevale e vidi formarsi quei grandi occhi che tornavano alla luce … occhi che riflettevano gli ultimi bagliori del mondo antico … Di qui il turbamento di una creatura limitata e peccatrice come me, che mi reputo un modesto “otturabuchi”, al quale però è capitata un’avventura di quelle che non si ripetono nella vita. Davanti a quegli occhi che riflettono – così m’è venuto da dire – tutte le sofferenze e speranze delle generazioni passate, altri hanno disquisito. Io ho pianto».
Quelle: Artikel von Pina Baglione vom 11. Mai 2016 Piccole Note - La Madonna che indica la strada - piccole note

So gibt es heute zwei wertvolle Madonnenbildnisse in S. Francesca Romana. Das antike ist das älteste Madonnenbildnis in Rom.

Nach der Wiederentdeckung der Ikone des 5. Jahrhunderts fand sich der glückliche Restaurator Pico Cellini jeden Sonntag in S. Francesca Romana ein um an der Messe teilzunehmen und im Angesicht der Madonna zu beten. Gerne erzählte er den Gläubigen von "seiner" Madonna, die sich damals in der Sakristei befand. Soweit ich weiß, befindet sie sich heute an einem Besuchern unzugänglichen Ort, in der Kapelle der Mönche.

L’icona è ospitata, anche per motivi di sicurezza, nella cappella della comunità di Santa Francesca Romana. «È lo scrigno ideale per questa perla – ha detto l’abate generale della congregazione dei benedettini di Monte Oliveto, padre Diego Maria Rosa (...)
Quelle

Dieses Porträt hat Cellini von sich anfertigen lassen. S. Francesca Romana und die antike Ikone sind mit abgebildet.

Bis September kann man sie in S. Maria Antiqua bewundern. Dort habe ich folgendes Photo gemacht, das ich hier schon mal zeigen möchte:


Das Bestechendste am Gesicht der Madonna sind ihre großen schwarzen Augen. Sie sind viermal grösser als jene des mittelalterlichen Bildes.

Die Ikone stammt aus dem 5. Jahrhundert und befand sich bis zur Aufgabe von S. Maria Antiqua in dieser Kirche. Hier verehrte man das Kultbild bis zum 9. Jahrhundert. Danach wurde es nach S. Maria Nova transferiert.

Wie wir heute wissen wurde es von Kaiser Valentinian III. um 439 aus Konstantinopel nach Rom gebracht. Zuerst befand es sich in dessen Palast auf dem Palatin, dann in S. Maria Antiqua. Es war hochverehrt denn man hielt sie für ein Lukasbild. Ebenfalls der Legende nach, hat es der römische Adlige und Kreuzfahrer Angelo Frangipani um 1100 aus Palästina mitgebracht. Seine Burg stand neben S. Maria Nova.

Die Ikone überstand im 13. Jahrhundert einen Brand von S. Maria Nova bei dem das Kirchendach einstürzte. Dadurch erfuhr sie eine noch grössere Verehrung.

Die von Cellini wiederentdeckte Madonna gehört dem Typ Hodegetria an. Allerdings trägt die Muttergottes das Kind ausnahmsweise auf dem rechten Arm. Von dessen Gesicht ist leider kaum noch etwas zu erkennen.

Die Technik mit der das Madonnenbildnis hergestellt wurde ist die Enkaustik.

Erst nach der Rückkehr aus Rom habe ich eine weitere Fortsetzung dieses "Kunstkrimis" gelesen.

Nach der Entdeckung Cellinis hat auch die bekannte Epigraphikerin und Archäologin Margherita Guarducci sich mit dem antiken Madonnenbildnis auseinandergesetzt. Es entstand durch Auflegen und Abdrucken einer noch älteren Ikone, des vermeintlichen Lukasbildes, und ist demnach ein Spiegelbild desselben. Dieses Original hat M. Guarducci in der Madonna di Montevergine im gleichnamigen Wallfahrtsort Santuario di Montevergine in Kampanien gefunden und ein Buch mit dem Titel La più antica icona di Maria. Un prodigioso vincolo fra Oriente e Occidente geschrieben.

Proseguendo le sue ricerche, la Guarducci si imbatté in una splendida ed enorme icona mariana esistente a Montevergine, celebre santuario dell’Avellinese. L’opera, eseguita tra la fine del XIII e l’inizio del XIV secolo, raffigura la Madonna in trono col Bambino e presenta una particolarità: la testa di Maria è leggermente sporgente dal resto della tavola e inclinata verso chi osserva dal basso.

Esami condotti tra il ’60 e il ’61 accertarono che essa è dipinta su un disco di legno di tipo diverso dal resto della tavola, e che dal dipinto medievale traspaiono tracce di una pittura più antica. E in effetti, una tradizione risalente al ’500 vuole che questa sia l’autentica testa della famosa Odigìtria perduta, in realtà trafugata da Baldovino II, ultimo imperatore latino d’Oriente, allorché fuggì da Costantinopoli nel 1261.
Quelle

Wie Untersuchungen 1960/61 bewiesen befindet sich unter der heute sichtbaren Schicht der Ikone von Montevergine eine runde Holztafel mit dem Antlitz einer Ikone aus dem 5. Jahrhundert. Bald nach deren Anfertigung muss der Abdruck entstanden sein, der am Ursprung des von Cellini wiederentdeckten Kultbildes steht. Mehr zu diesem wieder im kommenden Beitrag über S. Maria Antiqua.
 
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Kreuzgang des Konvents S. Maria Nova


Dass es einen Kreuzgang in den Gebäuden des alten Konvents von S. Maria Nova neben der Kirche S. Francesca Romana gibt, habe ich erst diese Woche herausgefunden. Obwohl ich ihn noch nicht kenne und es mit dem Kennenlernen aus Gründen, auf die ich noch zu sprechen kommen werde, noch eine Weile dauern wird, soll der Kreuzgang doch seinen Platz in diesem Bericht finden.

Alles hat damit begonnen, dass ich mittels Google Earth den Komplex von S. Francesca Romana aus der Luft betrachtet habe. Hier erkennt man von links nach rechts: die Kirche und den Campanile, hinter der Apsis ein quer zur Kirche liegendes Gebäude, dann den Kreuzgang (meine Vermutung, dass es sich wohl um einen solchen handeln müsse, erwies sich als richtig), einen weiteren Gebäudeflügel und schließlich Cella und Apsis des Roma-Tempels.
Im Bild unten, der jüngere, heute noch von den Olivetanern bewohnte Teil des Konvents. Im Bild oben der 1873 vom Staat enteignete alte Teil des Konvents.

Was ich im Mai noch nicht wusste ist, dass in den früheren Konventsgebäuden an der Piazza S. Francesca Romana 53 Büros der Soprintendenza Speciale per il Colosseo, il Museo Nazionale Romano e l'Area Archeologica di Roma sowie das Antiquarium Forense untergebracht sind. Dieses soll 2017 als Nuovo museo del foro romano Wiedereröffnung feiern. Auf die geplante Wiedereröffnung nach Neustrukturierung habe ich selbst am 2. und 3. März 2016 hier im Forum hingewiesen. Siehe: "Museo del foro" eröffnet 2017 .

Betrachtet man die Bilder-Galerie auf der Seite von Mario Bellini Architects genau, findet sich u.a. dieses, welches einen Durchblick von der Cella des Roma-Tempels auf den Kreuzgang erlaubt. :idea: 8)

Die Suche nach weitergehenden Informationen zur Geschichte dieses Kreuzgangs war nicht einfach, aber in den vergangenen Tagen habe ich doch einige gute Quellen im weltweiten Netz gefunden.

Mein erster Fund war diese Seite. Dort findet sich ein schönes Schwarz-Weiß-Photo des Kreuzgangs.

Folgendes Bild der Geschichte des Konvents und des Kreuzgangs von S. Maria Nova habe ich gewonnen:

Die erste Kirche und das erste Kloster an dieser Stelle gehen auf das 9. Jahrhundert zurück
Im 12. Jahrhundert, unter Papst Alexander III., kam es zu bedeutenden baulichen Veränderungen, welche 1161 abgeschlossenen waren. Dazu gehörte auch die Errichtung eines Kreuzgangs.
Zuerst lebten im Konvent Regularkanoniker der Kongregation des Hl. Frediano di Lucca, danach Kanoniker der Lateran-Basilika, seit 1352 und bis heute Mönche vom Orden der Olivetaner.
Im 14. Jh. errichteten die Olivetaner den Kreuzgang neu, da sich inzwischen statische Mängel eingestellt hatten.

Der Kreuzgang des 14. Jahrhunderts hat einen quadratischen Grundriss. Die unterschiedlich breiten Arkaden des Erdgeschosses ruhen auf Backstein-Pilastern. Im Obergeschoss des Kreuzgangs befinden sich vier große Arkaden auf jeder Seite. Die achteckigen Backstein-Säulen stehen auf Marmorsockeln und haben Marmorkapitelle. Im 17. Jh. wurden die Arkaden des Obergeschosses zugemauert um Platz zu gewinnen.

Nach der Enteignung von 1873 eines Teils der Konventsgebäude begann eine Zeit des Niedergangs für den Kreuzgang. Um 1900 war er in einem erbärmlichen Zustand. Zwischen 1900 und 1907 wurde er vom Archäologen und Architekten Giacomo Boni (1859 bis 1925) sowie dem Architekten Guido Cirilli restauriert. Siehe dazu den sehr lesenswerten Aufsatz von Cristina Gonzalez-Longo Giacomo Boni at the Museo Forense: Construction History as a Source for Architectural Innovation. Er enthält zahlreiche Photos aus der Zeit um 1900. Von der gleichen Autorin und G. Theodossopoulos ist der ebenfalls empfehlenswerte Aufsatz The Platform of the Temple of Venus an Rome.

Bei Bonis Restaurierung des Kreuzgangs aus dem 14. Jh. kamen hinter dem Mauerwerk des Westflügels mehrere Arkaden des ersten Kreuzgangs zum Vorschein. Es gab wahrscheinlich zwölf davon auf jeder Seite.
Zwei Etagen des alten Konvents und der Kreuzgang selbst wurden in ein Museum umgewandelt. Ausgestellt waren vor allem Funde, welche Boni selbst bei Ausgrabungen auf dem Forum und dem Palatin gemacht hatte. Das von Boni gewünschte Museum wurde 1935 von Mussolini eingeweiht.
Es ist nun schon lange geschlossen und ich freue mich nach der Entdeckung der Existenz eines Kreuzgangs noch mehr auf die Wiedereröffnung als zuvor schon. Hoffentlich bleibt es bei dem Termin 2017!

PS: Ein Photo, das ich von Bonis Grab auf dem Palatin gemacht habe, illustriert in Ermangelung anderer Photos diesen Beitrag.​
 
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Neue Gammadiae und Spaziergang auf dem Palatin


Nach dem Besuch der beiden schönen Kirchen SS. Cosma e Damiano und S. Francesca Romana fuhren wir mit der Tram zur Lateran-Basilika und verbrachten eine angenehme Mittagspause im Merulana Cafè. Erfrischende Getränke sowie gemischte Bruschette resp. ein Nudelgericht schmeckten lecker.

Auf dem Weg zum Merulana Cafè kamen wir am Leonischen Triclinium vorbei und was erwartete uns dort? Jede Menge neuer Gammadiae!


Die Gewänder der Apostel, denen Jesus ihren Missionsauftrag erteilt, sind mit unterschiedlichen Gammadiae in roter Farbe verziert. Auch auf dem Gewand von Petrus an der rechten Stirnseite des Tricliniums befindet sich eine Gammadia.



Ich kannte das Leonische Triclinium, auch Nicchione del Laterano genannt, hatte mich aber zuvor nie wirklich mit diesem Monument beschäftigt. Das habe ich inzwischen nachgeholt. Einen aufschlussreichen Text, aus dem ich kurz zitiere, habe ich auf dieser italienischen Seite gefunden.

Papst Sixtus V. ließ den alten Lateranpalast abreißen und als Reste die Sancta Sanctorum und ihre Fundamente in einem neuen Bau mit der Scala Santa zusammenfassen. Der Abriss des alten Lateranpalastes dauerte von 1585 bis 1590 und ein dritter von Domenico Fontana geretteter Teil war eine der drei Apsiden des Tricliniums mitsamt Mosaik.

La parete dell'esedra col mosaico era stata risparmiata dal Fontana, ed era ancora in piedi agli inizi del XVII secolo, quando il cardinale Francesco Barberini l'ha fatta restaurare (...)
Kardinal Francesco Barberini (1597 bis 1679) liess das Mosaik im 17. Jh. restaurieren.


Questa esedra è stata in piedi per circa un secolo (a), poi agli inizi del XVIII secolo, quando si cercò di spostarla in un'altra collocazione, andò in pezzi. Allora Benedetto XIV, nel 1743, ordinò di realizzare il nicchione classicheggiante che oggi vediamo. Va da sé che il mosaico è quasi tutto rifatto.
Rund 100 Jahren später sollte die Exedra mit dem Mosaik dann leicht versetzt werden. Bei diesem Unternehmen fiel das Mosaik ab. Benedikt XIV. gab daraufhin Ferdinando Fuga 1743 den Auftrag zur Errichtung der Aedikula, wie wir sie heute kennen. Das dort angebrachte Mosaik wurde 1743-1744 von Pier Leone Ghezzi rekonstruiert.

Si tratta in realtà di un 'facsimile': una grande edicola di stile classicheggiante costruita da Ferdinando Fuga nel 1743 e ornata con mosaici (ritoccatissimi) provenienti dal demolito triclinio di Leone III (che nel Patriarchio si trovava in una posizione a metà tra l'edicola settecentesca e la facciata della basilica di San Giovanni).
Ob auch Gammadiae die Gewänder der Apostel im Original-Mosaik zierten, kann ich nicht sagen.

Nach dieser erholsamen Pause begannen wir am Palatin-Eingang des Forums, an der Via di San Gregorio 30, einen genussvollen Spaziergang über den Palatin und immer weiter abwärts bis zum Haus der Vestalinnen, von wo aus es nur noch ein paar Schritte bis zu S. Maria Antiqua waren. Ich kann diesen Spaziergang und die langsame Annäherung an diesen einzigartigen Ort nur empfehlen.


Rechts: Stadion des Domitian



Blick auf S. Giovanni e Paolo auf dem Caelius


Blick auf's Kolosseum


In den Farnesinischen Gärten


Ein Photo aus den Orti Farnesiani habe ich diesem Berichtsteil vorangestellt


Das Grab von Giacomo Boni

Wikipedia schrieb:
Sein Grab befindet sich – wie von seinem Freund Gabriele D’Annunzio gegenüber Mussolini erbeten – inmitten der Farnesinischen Gärten auf dem Palatin.


Blick auf S. Francesca Romana


Rechts SS. Cosma e Damiano


Eine Weile beobachteten wir diese Möwe und ihr Junges


Herrlicher Blick Richtung Tabularium und Senatorenpalast.
Im Vordergrund das Oratorium der 40 Märtyrer



Blick auf S. Maria Antiqua, Kaiserrampe und Aussichtsplattform


S. Teodoro al Palatino


Wunderschön und atemberaubend!


Die Uccelliere Farnese werden gerade renoviert


Tor zu S. Sebastiano al Palatino


Maxentius-Basilika und S. Francesca Romana




Haus der Vestalinnen

Ich war zuvor erst einmal auf dem Palatin und zwar an einem grauen Dezembertag 2009 mit viel Regen! Welch ein herrlicher Kontrast dazu Palatin und Forum an diesem Frühsommertag im Mai!
 
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Santa Maria Antiqua


Höhepunkt der Frühsommer-Tage in Rom war ohne Zweifel der Besuch von S. Maria Antiqua auf dem Forum. Nachdem wir das Oratorium der 40 Märtyrer und die Kaiser-Rampe bereits im Dezember 2015 kennengelernt hatten, durften wir uns nun glücklich schätzen, zur rechten Zeit in Rom zu sein, um die nach 35 Jahren wiedereröffnete Kirche S. Maria Antiqua besuchen zu können. Seit dem 17. März und noch bis zum 11. September 2016 findet dort die Ausstellung Santa Maria Antiqua tra Roma e Bisanzio statt. Man geniesst also den Vorteil, ausser den herrlichen Fresken in der Kirche weitere mit ihr in Verbindung stehende Kunstwerke bewundern zu können.

Zunächst ein paar Angaben zur Geschichte von S. Maria Antiqua:

Die Kirche wurde im 5./6. Jh. in einen Gebäudekomplex aus der Zeit Kaiser Domtians (81 bis 96) eingefügt. Dabei wurden nur geringe bauliche Veränderungen vorgenommen. Noch heute stehen Reste des antiken Komplexes mehrere Stockwerke hoch, wie man z.B. hier erkennen kann.


Die Entstehung der Kirche und ihre künstlerische Ausgestaltung gehen auf die byzantinische Epoche Roms zurück, als auf dem Palatin die Repräsentanten des Kaisers in Konstantinopel residierten.

Höchst interessante Hintergründe zur Interpretation von S. Maria Antiqua findet man in folgendem Artikel von Professor Stefan Heid vom Römischen Institut der Görres-Gesellschaft: Der Besuch hat sich gelohnt

Zweitens wurde der Komplex offenbar in der ersten Hälfte des 6. Jahrhunderts von den Byzantinern besiedelt, die seit 536 Rom eingenommen hatten. Seit Thedosius' Gesetzen von 391/92 wurden nirgends mehr heidnische Opfer dargebracht; die Tempelanlagen blieben offen und ungenutzt. Damit boten sie sich für neue Nutzungen an. Die Byzantiner betrachteten Italien als Provinz des Byzantinischen Reichs. Sie hatten ihre Repräsentanz auf dem Palatin, dem Hügel der Kaiserresidenzen. Es lag also nahe, dass sich im Minervakomplex nun die Palastgarde niederließ, um den Palatin zu schützen und einen abgeriegelten Aufgang auf den Hügel zu haben, denn direkt neben der späteren Kirche S. Maria Antiqua führte ein Straßenverteiler auf den Palatin herauf. Aber wo wohnten die Soldaten? Man kann sich gut vorstellen, dass die beiden sehr großen Atrien als Aufmarsch- und Exerzierplätze dienten. Dort könnten auch in den oberen Stockwerken, die heute nicht mehr erkennbar sind, die Kasernen gewesen sein.
Wie S. Heid schreibt, geht man aufgrund der Fresken in der Kirche mit Sicherheit davon aus, dass die Kirche von einer griechisch-östlichen Mönchsgemeinschaft versorgt wurde. Diese bestand bis zum Einsturz der Kirche während des Erdbebens von 847. Durch ihren Bilderschmuck bekämpfte S. Maria Antiqua den byzantinischen Ikonoklasmus (Bildersturm). Die Mönche waren offensichtlich anti-byzantinisch und pro-päpstlich.

Die Namen von fünf Päpsten sind eng mit S. Maria Antiqua verbunden. Sie

S. Heid schrieb:
haben in diese Kirche investiert, dort die Stationsgottesdienste gefeiert und eine Diakonie eingerichtet.

Es handelt sich um:
Martin I. (649-653). Ihm verdankt die Kirche die erste Ausmalung des Altarraums und vieler Teile des Hauptschiffs.

Johannes VII. (705-707). Auf sein Pontifikat gehen u.a. die Fresken der Cappella dei Santi Medici rechts vom Altarraum zurück. Auch einen Ambo hat er S. Maria Antiqua gestiftet. Im antiken Petersdom liess er ein Oratorium für sich einrichten, das mit herrlichen Mosaiken geschmückt war. Vier kleine Teile davon, die die Zeiten überdauert haben, sind bis September in S. Maria Antiqua zu sehen. Dieser Papst war dem Palatin besonders verbunden, da sein griechischer Vater auf dem Palatin als Verwalter tätig war und er dort aufwuchs. Er verlegte den Sitz des Bischofs von Rom vom Lateran auf den Palatin und starb auch dort im Komplex von S. Maria Antiqua und der Kaiserrampe.

Zacharias (741-752). Zu seiner Zeit entstanden die Fresken in der Kapelle des Theodotus, die den Namen ihres Stifters trägt.

Wikipedia schrieb:
Die Diakoniekirche Santa Maria Antiqua, die von einem seiner Vorgänger, dem ebenfalls griechischen Johannes VII., bereits mit Fresken ausgeschmückt worden war, ließ er weiter verschönern: Dort hat sich auch ein zeitgenössisches Fresko mit seinem Porträt erhalten.

Paul I. (757-767). Zu seiner Zeit entstand die letzte Schicht der Fresken in der Apsis des Altarraums. Auch die Freskenzyklen der Seitenschiffe der Kirche, insbesondere die Darstellung von Christus mit lateinischen und griechischen Kirchenvätern im linken Seitenschiff entstanden zu seiner Zeit.

Hadrian I. (772-795). Dieser Papst hat letzte Fresken im Atrium anbringen lassen.

847 musste die Kirche nach einem Erdbeben aufgegeben werden. Vom Palatin herabstürzende Mauern des verfallenden Kaiserpalastes beschädigten sie schwer. Als Rechtsnachfolgerin der verschütteten Vorgängerin entstand S. Maria Nova (heute besser bekannt als S. Francesca Romana).

1702 wurde die Kirche zufällig bei Bauarbeiten in der darüber errichteten Kirche S. Maria Liberatrice wiederentdeckt. Man stiess auf die Apsiswand mit ihren Fresken. Doch damals verschloss man den Zugang wieder und forschte nicht weiter nach. So wurde gar die exakte Lage von S. Maria Antiqua vergessen. Eine Archäologe vermutete sie unter S. Francesca Romana.

1900, beim Abriss von S. Maria Liberatrice, stiess Giacomo Boni, wie von ihm erhofft, in der Tiefe auf S. Maria Antiqua. Eine Inschrift bezeugte ihren Namen.

S. Heid schrieb:
Die Kirche wurde ab 1900 rasch von dem klassischen Archäologen Giacomo Boni ausgegraben (...), der jedoch keine Rücksicht auf die Stratigraphie nahm, so dass durch die Erdabräumung ganz wichtige historische Informationen verloren gingen, ganz abgesehen davon, dass die freigelegten Fresken sofort der Zerstörung anheimfielen, bis man auf die Idee kam, die Reste zu überdachen und zu retten, was zu retten war.

Quelle

Mitte März 2016 wurde S. Maria Antiqua nach langer Restaurierung der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht. Siehe hier im Forum: Wiedereröffnung von Santa Maria Antiqua im März 2016

Folgende Bilder von S. Maria Antiqua habe ich am 19. Mai 2016 gemacht:


Die Atmosphäre in S. Maria Antiqua nahm mich sofort gefangen. Ich blieb lange und konnte mich nur schwer von diesem Ort losreißen. In dieser Kirche zu stehen, die weder baulich noch dekorativ verändert worden ist, war etwas ganz Besonderes. Die 250 Quadratmeter erhaltener und restaurierter Fresken (von ursprünglich 1000 Quadratmetern) anzusehen, bewundernswerte Malweisen zu betrachten und vor allem in Gesichter zu blicken, die uns aus einer anderen Zeit anschauen, fern und nah zugleich, das war ein unglaubliches Erlebnis!


Madonna del Conforto
132 cm hoch und 97 cm breit
Siehe auch meinen Beitrag
Pico Cellini und die Madonnen-Ikonen

Die alte Madonnen-Ikone aus S. Maria Nova hängt an zwei Stahlseilen über dem Altarraum der Kirche, in der sie als Kultbild bis 847 verehrt wurde. Sie zu fotografieren war schwierig, denn das vom Eingang kommende Licht spiegelte sich auf Rahmen und Bild.

Zwei italienische Artikel der Webseite Roma Sette hatte ich vor Reisebeginn mit Interesse und Gewinn gelesen. Es sind dies Santa Maria Antiqua, la traslazione dell’icona mariana | Roma Sette und La Madonna del Conforto torna a Santa Maria Antiqua | Roma Sette

Das Photo im zweiten Artikel zeigt, wie die Madonna am Dienstag, dem 15. März 2016 in einer feierlichen Prozession von S. Francesca Romana nach S. Maria Antiqua zurückkehrte. Ich hoffe, für die ganze Dauer der Ausstellung und nicht nur für drei Monate, wie im ersten Artikel zu lesen. :?

L’icona risalirebbe al V secolo, è alta 132 centimetri e larga 97: per gli studiosi è la più antica di Roma. Rappresenta i volti ad encausto della Madonna e del Bambino ed è del tipo Odigitria: la Vergine ha Gesù sul braccio destro e lo indica con il sinistro. Nel medioevo più volte è stata portata in processione per la via sacra dei Fori Romano. (...) Fu il restauratore Pico Cellini a ritrovarla mentre lavorava al restauro del mosaico del dodicesimo secolo che si trova sull’abside della basilica. Si racconta che il ritrovamento dell’icona fu motivo di conversione per il restauratore che ogni domenica si recava nella basilica di Santa Francesca Romana per ammirarla e “presentarla” ai fedeli.
Quelle

Seit 200 Jahren hatte es keine Prozession mehr auf dem Forum gegeben, so dass dies für alle Teilnehmer ein sehr besonderer Moment gewesen sein muss. Die Prozession an diesem schönen Märzabend 2016 erinnerte auch an jene, 590 von Papst Gregor dem Großen organisierte, die zur Beendigung der Pest in Rom führen sollte. Wie ich an anderer Stelle gelesen habe, war "unsere" Ikone wahrscheinlich jene, die auch damals mitgeführt wurde!

Die Bilder von meinem Rundgang durch S. Maria Antiqua stelle ich in chronologischer Reihenfolge vor. Beginnen wir mit dieser Madonna in der nordwestlichen Ecke der Kirche:


Nun befinden wir uns im rechten Seitenschiff der Kirche. Dort sind u.a. vier der sieben noch existierenden Teile einer Mosaikwand des Oratoriums von Papst Johannes VII. (705 bis 707) ausgestellt. Das Oratorium wurde 1609 beim Neubau des Petersdoms abgerissen.


Die vier Teile sind auf der Zeichnung von Jacopo (Giacomo) Grimaldi farbig hervorgehoben. In S. Maria Antiqua befinden sich für die Dauer der Ausstellung:​



das Fragment einer Mariendarstellung aus der Weihnachtsgeschichte, heute im Diözesanmuseum in Orte (Viterbo); das Bad des Jesuskindes aus den Vatikanischen Grotten; Maria mit dem Jesuskind, Josef und einem Engel, ein Fragment der Anbetung der Heiligen Drei Könige aus der Sakristei von S. Maria in Cosmedin; das Fragment der Szene vom Einzug Jesu in Jerusalem aus den Vatikanischen Grotten.

An dieser Stelle möchte ich mich herzlich bei unserer Forista lukasi bedanken. Als die ersten Bilderstrecken aus S. Maria Antiqua in der Presse erschienen und auch das Mosaik-Fragment der Szene mit den Heiligen Drei Königen zu sehen war, ist ihr nämlich aufgefallen, dass es sich um jenes handelt, das üblicherweise in der Sakristei von S. Maria in Cosmedin aufbewahrt wird. :thumbup: 8) :idea: Hier ein Photo aus Ihrer reichen Sammlung von Rom-Bildern:


S. Maria in Cosmedin

Ich habe dieses Mosaik zwar auch einmal in S. Maria in Cosmedin gesehen, hätte es aber nicht wiedererkannt. Im Moment hängt dort wohl eine Kopie des kürzlich restaurierten Mosaiks. Sicher ist jedenfalls, dass im April ein Mosaik in S. Maria in Cosmedin zu sehen war.

Dieses Mosaik entspricht spiegelbildlich exakt einem Fresko im Presbyterium von S. Maria Antiqua. Ob das Mosaik Inspirationsquelle für S. Maria Antiqua war oder das Fresko von S. Maria Antiqua für das Mosaik des Oratoriums in Alt-St. Peter müsste ich noch nachsehen. Leider ist meine Aufnahme des Freskos nicht besonders gelungen:


Doch bleiben wir noch ein wenig im rechten Seitenschiff. Dort ist einer von insgesamt fünf ausgestellten römischen Sarkophagen aus S. Maria Antiqua oder ihrer unmittelbaren Umgebung zu sehen.


An den Wänden einige Reste von Fresken, u.a. eine Geburt Christi und wieder die Drei Könige​



Zu den beiden folgenden Bildern kann ich leider keine Angaben machen:


Es soll noch Darstellungen von Zacharias (dem Vater von Johannes) und der Hl. Anna gegeben haben.

Links neben dem Sarkophag und in geringer Höhe, findet man in einer Nische das folgende sehr schöne Fresko:


Links sehen wir die Hl. Anna mit der kleinen Maria, rechts Elisabeth mit dem kleinen Johannes und in der Mitte Maria mit dem Jesuskind in einer Mandorla:



Das folgende Fresko befindet sich an der Nordseite eines Eckpfeilers im Presbyterium. Der untere Teil stellt die Makkabäer (Märtyrer-Heilige des 2. Jahrhunderts) dar:


In der Mitte Solomone (auch Salomone), die Mutter der Makkabäer. Dargestellt (aber nicht mehr alle zu erkennen) sind des weiteren die Söhne sowie deren Lehrer Eleazar.



Rechts auf dem rechten Photo: die Hl. Barbara


Zur temporären Ausstellung gehört das sehr gut erhaltene Fresko mit dem Antlitz der Hl. Agatha von Catania. Es ist Teil einer Privatsammlung in Rom, stammt aus dem 7./8. Jh., wahrscheinlich aus S. Maria Antiqua:


Ebenfalls zur Ausstellung gehört diese Marmorinschrift aus dem zerstörten Oratorium von Papst Johannes VII. im alten Petersdom:



Iohannis s[e]rvi s[an]c[t]ae Mariae

An der Südseite des Pfeilers mit den Makkabäern befindet sich ein schönes Fresko mit der Darstellung von drei Ärzteheiligen. Zwei Gesichter sind gut erhalten. Die Farbtöne der Gewänder dieser beiden fand ich aussergewöhnlich und schön:



Blick vom Pfeiler in das linke Seitenschiff

Die Fresken von S. Maria Antiqua zeigen auffallend viele Ärzteheilige. Einer der Gründe ist, dass S. Maria Antiqua seit dem 8. Jh. eine Diakonie war. Stefan Heid berichtet in dem bereits erwähnten Artikel Der Besuch hat sich gelohnt:

Es gab am Forum Romanum allein 7 solcher Diakonien. Es handelt sich dabei um Versorgungsanstalten, wo Lebensmittel an die Bevölkerung ausgeteilt wurden, wo Vorsorgen der Hygiene (Bäder) getroffen und wo Kranke betreut wurden.
Vielleicht gibt es auch einen Zusammenhang mit antiken Heilkulten. Immerhin lag die Kirche in unmittelbarer Nachbarschaft der antiken Heilquelle der Iuturna und des Dioskurentempels. An der Iuturna-Quelle fand man eine Apollostatue. Die Funktion des Gottes der Heilung hat sozusagen auf die Dioskuren Castor und Pollux abgefärbt.

Stefan Heid schrieb:
Es lag für die Forschung also nahe zu vermuten, dass etwa die syrischen Ärzteheiligen Kosmas und Damian die Dioskuren Castor und Pollux ersetzen und gleichsam taufen sollten.

Werfen wir nun einen Blick in die Kapelle der Ärzteheiligen (Cappella dei Santi Medici) in S. Maria Antiqua. Es ist ein sehr kleiner Raum und er war leider dauernd sehr voll. Auch ging immer wieder das Licht aus und animierte Projektionen (an die ich keine Erinnerung habe) erschienen an den Wänden. Ich zog es vor, mich in anderen Bereichen der Kirche umzusehen. Das bedaure ich jetzt ein wenig.


Soweit ich mich erinnere gibt es Darstellungen von Ärzteheiligen an drei Seiten der Kapelle. Die Namen der Ärzte (u.a. Cosmas, Damian, Cyrus der Arme und Pantaleon) stehen in griechischer Schrift neben oder über ihnen. Ich habe leider nicht darauf geachtet und erst zu Hause festgestellt, dass es sich bei diesem (einem aus einer Gruppe von fünf an der Südwand) um Cosmas handelt:


Damian werde ich bei einem erneuten Besuch hoffentlich auch noch finden.

Und heute erst habe ich gelesen, dass es sich bei der Gestalt mit der roten Tunika, den langen Locken und dem Bart an einer anderen Wand um Jesus Christus mitten unter den Ärzten handelt. Sein Name ist nicht genannt.



Eine hervorragende Quelle zu S. Maria Antiqua ist diese Webseite, wahlweise in italienischer oder englischer Sprache. In mehreren Kapiteln wird die Kapelle der Ärzteheiligen und ihre Restaurierung vorgestellt. Die abgebildeten Ärzte und Heiler waren sogenannte Anargyroi, die kein Geld für ihre Dienste annahmen.

Die Kapelle wurde von Kranken aufgesucht, die sich Heilung erhofften. Sie verbrachten die Nacht meditierend in der Kapelle. Diese scheint sogar noch nach der Aufgabe der Kirche genutzt worden zu sein. :eek: Darauf soll ein gemaltes Gemmenkreuz im unteren Wandbereich schließen lassen. Dieses habe ich zufällig selbst photographiert:

 
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Santa Maria Antiqua
Teil 2


Setzen wir die Besichtigung von S. Maria Antiqua fort. Nach dem kurzen Besuch der Kapelle der Ärzteheiligen ging ich zur Apsis, die nachträglich in die Rückwand der Kirche eingefügt wurde.


In der Apsis überlagern sich Reste von Fresken in zwei Schichten. Die oberste Schicht zeigt einen aufrecht stehenden Christus umgeben von zwei Cherubim. Zu seinen Füßen, geführt von Maria, erkennt man Papst Paul I. (757 bis 767) mit dem quadratischen Nimbus noch Lebender.

Eine Rekonstruktion der Bemalung von Apsis und Stirnwand zu seiner Zeit sieht man auf folgendem im Presbyterium hängenden Bild:



Auf der Wikipedia-Seite über Santa Maria Antiqua liest man:

Auch die Apsis wurde unter Johannes VII. ausgemalt. Diese Fresken wurden jedoch unter Papst Paul I. mit einem Jüngsten Gericht übermalt.
Während sich von der Bemalung der Wand links der Apsis nicht viel erkennen lässt, hält die rechte Wandseite Herrliches bereit. Man nennt sie die

Palimpsest-Wand

Wikipedia schrieb:
In der Restaurierung von Wandmalerei werden Bereiche als Palimpsest bezeichnet, in denen Putz- und Malschichten unter einer bestehenden Wandmalerei erhalten geblieben sind

Von 7 übereinanderliegenden Schichten, darunter 5 bemalten, haben sich unterschiedlich große Reste erhalten. Mehr dazu auf dieser Seite der römischen Altertümerverwaltung. Die verlinkte Flash-Applikation schaut man sich am besten in der italienischen Version an, denn die englische enthält einen Fehler.

Der deutsche Archäologe Joseph Wilpert (1857 bis 1944) hat sich um die Datierung der Malereien verdient gemacht.

Wilpert hat die berühmte Palimpsestwand entschlüsselt und hatte, wie Bordi betonte, in allen wichtigen Belangen der Datierung der Malereien recht.
Quelle: Sancta Maria Antiqua - spektakulär und grandios


Oberstes Register der Palimpsest-Wand​

Lange stand ich voller Bewunderung vor den prachtvollen Fresken der Wandmitte. Eine Lichtinstallation will Ordnung in das Durcheinander der Schichten bringen. Sie hat mich aber mehr gestört, als dass sie hilfreich gewesen wäre. Ihr zum Trotz sind mir drei Aufnahmen ohne durch Licht hervorgehobene Teile der Fresken gelungen.


Links erkennen wir die Muttergottes mit dem Jesuskind. Diese Darstellung der Maria Regina ist das früheste Zeugnis der Malereien in S. Maria Antiqua. Maria ist exakt wie eine byzantinische Kaiserin gekleidet und sitzt auf einem Thron. Perlen und Edelsteine schmücken ihre Kleider und ihre Krone.
Rechts sehen wir einen Engel mit braunen Haaren, der Maria verehrt. Durch den Einbau der Apsis verlor die Madonna den zweiten flankierenden Engel links. Ein paar winzige Spuren von ihm sollen noch erhalten sein.
Die Gruppe mit Maria, dem Jesuskind und dem erhaltenen Engel entstand im 6. Jahrhundert (wahrscheinlich zwischen 536 und 550) und gehört zur 3. Schicht der Fresken.


Diese Detailaufnahme lässt Einzelheiten und die schönen Farben besser erkennen. Auch Goldpulver wurde für den gemalten Kleidungsstoff Marias verwendet! Die Darstellung des Heiligen neben Maria stammt aus der 7. und letzten Schicht der Palimpsestwand. Der Kirchenvater wurde im frühen 8. Jh. gemalt.


Diese beiden Engel stammen aus verschiedenen Zeiten und Schichten. Denjenigen links kennen wir bereits (6. Jh. und 3. Schicht). Derjenige rechts stammt von einer späteren Übermalung mit einer Verkündigungsszene. Er wird der "schöne Engel" genannt. Das in Teilen erhaltene Gesicht zwischen Maria und dem Kirchenvater gehört auch zu dieser 4. Schicht vom Beginn des 7. Jahrhunderts.


Den unteren Wandbereich zieren zwei Kirchenväter. Es handelt sich um Basilius den Großen und Johannes Chrysostomos. Darunter eine gemalte Marmorverkleidung (rechts). Jene links ziert die Wand links neben der Apsis.

Die beiden folgenden Photos sind im Chorbereich, dort wo sich die schola cantorum befand, aufgenommen. Deren Innenseite schmückten Fresken.


Rechts erkennt man den kranken König von Juda Hiskija (Ezechia), den der Prophet Jesaja mahnt "Das spricht der Herr: Ordne dein Haus, denn du wirst sterben und nicht leben." Links befindet sich eine Darstellung von David und dem getöteten Goliath zu seinen Füßen.



Schöner Mosaik-Fußboden im Chor

Der obere Teil der Ostwand des Chorbereichs war mit Szenen aus dem Leben Chirsti bemalt. Erhalten haben sich ein Fresko mit der Anbetung der Drei Könige sowie eine Szene vom Leidensweg Christi mit Simon von Cyrene, der Jesus hilft das Kreuz tragen:


Im unteren Bereich sieht man schöne Brustbilder der Apostel in Form von Medaillons (clipei) und gemalte Vorhänge mit Vogel-Motiven:




Die Westwand des Presbyteriums ist identisch gestaltet aber von dieser habe ich keine Bilder. An dieser Westwand befindet sich darüber hinaus einer von zwei Ein-/Ausgängen der Kapelle der Ärzteheiligen und direkt links davon dieses gut erhaltene und schöne Fresko der Hl. Anna mit der kleinen Maria auf dem Arm:


Ein kurzer Korridor beginnt am Ende der Ostwand des Prebyteriums und führt in das linke Seitenschiff von S. Maria Antiqua. Entweder von dort oder durch einen Ein-/Ausgang in der Ostwand des Presbyteriums selbst gelangt man in die Kapelle des Theodotus. Der Durchgang zum Seitenschiff ist so lang, wie das Fresko welches ihn schmückt:


Dargestellt ist Christus umgeben von Maria und Johannes dem Täufers, der mit dem Finger auf Jesus deutet. Links ein nicht bekannter Stifter.



Zu diesem Bild kann ich keine Angaben machen

Nun stehen wir vor der

Kapelle des Theodotus


Sie befindet sich links neben dem Prebyterium und ist nach ihrem Stifter Theodotus benannt. Über diesen hat mich der Forista amator_antiquitatis vor ein paar Monaten näher informiert:

Hierbei handelt es sich um den, gut belegten, Onkel Papst Hadrians I., der in den einschlägigen Quellen meist als Primicerius bezeichnet wird - ein aus der Spätantike übrig gebliebener Begriff für einen Verwaltungsbeamten, der aber später auch ins kirchliche Vokabular übernommen wurde.

Die Fresken der Kapelle entstanden während des Pontifikats von Papst Zacharias (741 bis 752). Die beiden waren also Zeitgenossen.

Die Fresken an der Rückwand der Kapelle kannte ich bereits durch Photos und ihre Mosaikkopien seit August 2015. Siehe meinen Beitrag: S. Maria Liberatrice al Foro und S. Maria Liberatrice a Monte Testaccio. Die Originale zu sehen war ein bewegender Moment.


S. Maria Antiqua war die erste der Muttergottes geweihte Kirche in Rom und das Fresko aus dem 8. Jahrhundert ist auch etwas ganz Besonderes. Zum ersten Mal wird hier Maria unter dem Kreuz dargestellt. Sie steht sehr aufrecht und trägt einen blauen Schleier (Maphorion), der ihren Kopf bedeckt und bis zu den Knien reicht. Auffallend ist ihre Geste - während ihr Blick auf Christus gerichtet ist, hebt sie die verhüllten Hände zum Mund, vielleicht wie um einen Schmerzens- oder Klagelaut zu unterdrücken. Christus ist mit einer ärmellosen Tunika (Colobium) bekleidet.


Kreuzigung Christi mit Maria und dem Jünger Johannes
sowie
Longinus mit der Lanze und einem Gehilfen mit dem Essigschwamm

Das Blau des Colobiums, wie das Blau des Gewands Marias im Fresko darunter besteht aus Ägyptisch Blau, dem ersten auch künstlich hergestellten Farbpigment. Es handet sich hier um eine sehr späte Verwendung des kostbaren Materials.

Das Fresko unterhalb der Kreuzigungsszene zeigt die thronende Muttergottes umgeben von Papst Zacharias, der Hl. Julitta (Giulitta) und Paulus auf der einen, Petrus, dem kleinen Sohn von Julitta, dem Hl. Quiricius (Quirico) und Theodotus (Teodoto) mit einem Modell von S. Maria Antiqua in den verhüllten Händen auf der anderen Seite.


Links: Papst Zacharias


Papst Zacharias, Julitta, Paulus und Maria


Maria, Petrus, Quiricius und Theodotus

Neben dem viereckigen Nimbus von Theodotus liest oder las man früher (die Inschrift ist sehr verwittert): Theodotus primicerio defensorum et dispensatore sanctae Dei genitricis semperque virginis Mariae quae appellatur antiqua. D.h. Ich, Theodotus, Primicerius der Vertreter und Verwalter der Kirche der heiligen Gottesmutter und allzeit Jungfrau Maria, die die altehrwürdige genannt wird.

Freudig überrascht war ich von den Gammadiae auf den Gewändern von Petrus, Paulus und Quiricius! Sie waren mir im August 2015 auf der Mosaikkopie vom Beginn des 20. Jahrhunderts nicht aufgefallen:


Wie auf dem Original-Fresko und auf der Kopie zu erkennen, sind die Häupter, sowohl von Papst Zacharias, wie von Theodotus von einem viereckigen Nimbus umgeben.

Dazu noch einmal der Forista amator_antiquitatis:

Man muss grundsätzlichen zwischen den runden und den eckigen Nimben unterscheiden. Die eckigen sind nämlich aus der Tradition der Porträttafeln entstanden und haben keinen sakralen Charakter. Sie sollen wirklich nur anzeigen, dass jemand noch lebt. (...)
Papst Zacharias hat ja auch den eckigen, aber das könnte daran liegen, dass er zu diesem Zeitpunkt noch nicht heiliggesprochen war oder dem Künstler war es wichtiger, ihn als noch lebend darzustellen.

Vielen Dank noch einmal an dieser Stelle für Deine Recherche zu den Nimben aus kunsthistorischer Sicht und die Übersetzung der lateinischen Inschrift.

An der West- und Ostwand der Kapelle ist in 8 Szenen das Martyrium von Quiricius und Julitta dargestellt. Sie erlitten während der Christenverfolgung unter Kaiser Diokletian den Tod und gelten als Schutzpatrone der Familien und der kranken Kinder. Einzelheiten hier. Das folgende Bild zeigt links die 8. und letzte Szene, den Tod des kleinen Qiricius.

Rechts daneben ein weiteres Fresko und seine Rekonstruktion mittels Lichtprojektion am rechten Ende der Westwand der Kapelle:


Abgebildet sind Theodotus mit seiner Ehefrau und zwei Söhnen. In ihrer Mitte erneut Maria mit dem Jesuskind.

Sehr Schönes und Interessantes hält auch die Südwand bereit. In der linken Hälfte kniet Theodotus vor Quiricius und Julitta, sieht aber den Betrachter an. In den Händen hält er Opferkerzen. Die Kleidung von Quiricius ist auch hier mit einer Gammadia versehen!


Schön fand ich auch das Motiv der rechten Wandhälfte, ein Fresko mit vier Heiligen, einem Mann mit weißem Bart und drei Frauen. Einer lateinischen Inschrift zufolge kennt nur Gott ihre Namen!



Die Lichtinstallation in dieser Kapelle gefiel mir gut, obwohl das Auge dem Tempo kaum folgen kann. Es ist schön, wenn fehlende Teile der Fresken wie von Geisterhand vervollständigt werden oder die Wandverkleidung in opus sectile plötzlich die antike Pracht erahnen lässt.




Nun neigte sich mein Rundgang langsam dem Ende zu. Als ich die Kapelle des Theodotus verließ, stand ich im linken Seitenschiff. Dort ist u.a. die Basis eines Ambo ausgestellt, den Papst Johannes VII. der Kirche gestiftet hat (unten links).


Die Fresken an der Langwand des Kirchenschiffes sind besonders im unteren Register verblüffend gut erhalten. Im oberen Wandbereich findet man in zwei Reihen 14 Szenen aus dem Alten Testament oder was davon übrig ist. Ich habe nur diese Einzelaufnahme gemacht:


Darunter der thronende Christus zwischen 20 griechischen und lateinischen Kirchenvätern. Das Wandbild ist etwa 20 Meter lang und mehr als einen Meter hoch. Die Gesichter vieler Heiliger sind gut zu erkennen, ihre eleganten Gewänder sehr verschieden. Christus segnet mit der einen Hand und hält in der anderen eine kostbar verzierte Bibel.







In diesem Bereich ist auch ein Sarkophag aus dem 3. Jh. ausgestellt:


In der Mitte erkennt man ein Ehepaar (das Gesicht der Frau ist nicht ausgearbeitet). Der Mann sitzt in der Heiligen Schrift lesend im Freien neben seiner betenden Frau. Rechts ist die Taufe im Jordan dargestellt. Links erkennt man ein Schiff und einen Wal. Jonas, schläft, nach dem glücklich überstandenen Aufenthalt im Bauch des Wals, in einer Laube.





Dieser Engel mit den schwarzen Flügeln gehört zu einer Verkündigungsszene. Das Fresko wurde von einem Pfeiler abgenommen.



Im linken Seitenschiff befindet sich ein Ausgang, der direkt von der Kirche zur Kaiserrampe führt. Dazwischen stand ich plötzlich überrascht vor diesem Fresko. Es handelt sich um eine Darstellung des Abstiegs Christi in die Unterwelt. Die kraftvoll ausschreitende Christusfigur gefiel mir ebenso, wie mich der verwendete Gelbton erstaunte!



Echte Freude bereitete mir das Wiedersehen mit diesem hübschen Engel in einem kleinen Raum entlang der Kaiserrampe. Ich hatte schon befürchtet, er habe zu der im Winter zu Ende gegangenen Ausstellung gehört und ich würde ihn nicht wiedersehen. Aber der Engel aus der abgerissenen Kirche S. Maria Liberatrice scheint hier eine neue Heimat gefunden zu haben.



Inzwischen war ich so müde und hatte so viele Eindrücke zu verarbeiten, dass ich die Rampe diesmal nicht mehr hinaufging. Allerdings verliess ich S. Maria Antiqua nicht ohne im Eingang noch diese Ausstellungsstücke zu betrachten:


Goldmünze mit dem Porträt Theoderichs des Großen


Porträts aus der Zeit zwischen dem Ende des 5. und der Mitte des 6. Jahrhunderts

Man weiss nicht, ob es sich bei den Frauenporträts um die byzantinische Kaiserin Ariadne oder Amalasuntha, Königin der Ostgoten und Tochter Theoderichs, handelt. Die Kronen erinnern auf jeden Fall an jene der Maria Regina an der Palimpsest-Wand.


Im Vorhof von S. Maria Antiqua setze ich mich noch kurz auf eine Bank, sah mir ein paar Freskenreste an, über deren Präsenz an dieser Stelle ich mich wunderte. Inzwischen weiss ich, dass der Vorhof nach der Aufgabe von S. Maria Antiqua noch als Kapelle genutzt wurde. Sie war dem Hl. Antonius geweiht. Ob mit diesem Antonius der Große gemeint ist?

Antonius der Große (* vielleicht um 251[1]; † 356) war ein christlicher ägyptischer Mönch, Asket und Einsiedler. Er wird auch Antonius der Einsiedler, Antonius Eremita oder Antonius Abbas, „Vater der Mönche“ genannt.
Dazu würde zumindest diese Darstellung von Cyrus dem Armen in einer Nische des Atriums passen:​


"Abba" Cyrus



Ich konnte nicht gehen, ohne noch einmal in die Kirche zu schauen und einen letzten Blick auf die Madonna del Conforto zu werfen:


Auf diesem Weg ist sie für ein paar Monate nach S. Maria Antiqua zurückgekehrt:


Erfüllt von dem Gesehenen machte ich mich auf den Weg ins Hotel, fand glücklicherweise ein Taxi und legte eine kleine Rast vor dem letzten Termin des Tages ein.

 
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Konzert in S. Agnese in Agone



Die Vignette zu diesem Beitrag zeigt die Taube aus dem Familienwappen des Adelsgeschlechts der Pamphilj. Aufgenommen habe ich sie in der Sakristei von S. Agnese in Agone, wo wir am frühen Abend ein Konzert, Music in Bernini's Rome, besuchten.


Die Sakristei wurde zwischen 1658 und 1666 von Andrea Baratta nach einem Entwurf von Francesco Borromini (1599 bis 1667) errichtet. Zu diesem Zeitpunkt war Borromini nicht mehr am Baugeschehen von S. Agnese beteiligt. Die Bauleitung war ihm 1657 entzogen worden.

Wikipedia schrieb:
Nach dem Tod Innozenz X. war zu befürchten, dass der Bau nun durch die einflussreiche Olimpia Maidalchini an Bernini übergeben würde, so dass Borromini sich allmählich vom Baugeschehen zurückzog und dieses erneut stockte. Die Untätigkeit der Bauhütte veranlasste den neuen Papst Alexander VII. dazu, Olimpia Maidalchini zur schnellen Fertigstellung der Kirche zu drängen, da die Piazza Navona mit Travertinblöcken zugestellt war. Diese gab die Bauaufsicht an ihren Sohn Camillo zurück. Auf Camillos Wunsch erweiterte Borromini den Bau um die beiden flankierenden Glockentürme, die zuvor nicht vorgesehen waren. Meinungsverschiedenheiten zwischen Architekt und Auftraggeber über den Fortgang der Arbeiten führten aber bald dazu, daß Borromini die Arbeiten verzögerte. Am 2. Juli 1657 wurde er der Bauleitung enthoben.



Die Sakristei ist ein achteckiger Raum mit vier konvexen Ecken. Sie ist reich mit vergoldeten Stuckdekorationen ausgestattet. Das Deckengemälde zeigt die Glorie der Hl. Agnes. Sie erscheint ihren Eltern, die an ihrem Grab knien. Es handelt sich um ein Werk von Paolo Gismondi aus dem Jahr 1664.


Gut gefiel mir auch die von zwei Engeln flankierte Uhr. Das Marienbildnis über dem Altar ist ein Werk aus dem 18. Jh. Siehe: Sant'Agnese in Agone | Official Site


Der erste Teil des Konzerts fand in diesem hübschen Rahmen statt. Das Schola Romana Ensemble präsentierte hier fünf Stücke von Andrea Falconieri, Girolamo Frescobaldi, Carlo Calvi, Cesare Negri und Claudio Monteverdi.


Für den zweiten Teil wechselten wir in die Kirche selbst. Es war herrlich, sie einmal ohne Menschenmassen zu erleben! Die dezente Beleuchtung erinnerte fast an Kerzenlicht. Wir lauschten einer Hymne an die Hl. Agnes sowie Stücken von Giacomo Carissimi, François Le Cocq, Diego Ortiz, Girolamo Frescobaldi und Juan Arañés.

Die Konzerte finden Donnerstags um 18.30 Uhr (Einlass ab 18 Uhr) statt und sind über diese Seite zu buchen: Sant'Agnese in Agone | Official Site

Hier ein winziges Klangbeispiel:



Hl. Agnes von Ercole Ferrata

Er schuf u.a. auch den Elefanten vor S. Maria sopra Minerva nach dem Entwurf Berninis. Siehe auch hier und hier.


Grabmonument Innozenz' X. (1644 bis 1655)
von 1729 über dem Hauptportal


Nach dem Konzert wurden wir durch diese Tür


in die Via di S. Maria dell'Anima entlassen. Die Lilien gehören, wie die Taube mit dem Ölzweig, zum Wappen der Pamphilj.​

Der Abend fand seinen angenehmen Abschluss mit einem feinen Essen im nahegelegenen Ristorante Al Duello, ein Tipp von ColleMarina im Februar. Auf dem Weg dorthin trafen wir auf der Strasse noch einmal Stefano Sabene, den Gründer des Ensembles, das wir eben kennengelernt hatten.​


Ristorante Al Duello

 
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Der Garten des Édouard François André


Am 20. Mai wollte ich morgens an der via Arenula in die Tram 8 steigen um zum vereinbarten Treffpunkt zu fahren. Aber es fuhren gleich mehrere Trambahnen ohne mich Richtung Trastevere, denn ich wollte mir unbedingt die frisch restaurierte Grünanlage an der Piazza Cairoli genauer ansehen. Sie ist, genau wie der Orangengarten auf dem Aventin, zum Natale di Roma neu eingeweiht worden. Pflanzungen, Wege, Umzäunung, neue Bänke, Abfalleimer, alles war piccobello.

Hier ein kleines Video Polizia a cavallo a largo Cairoli per il nuovo giardino, aufgenommen am 21. April.

Vergangenes Jahr noch war dies ein unglaublich verdreckter und von seltsamen Gestalten bevölkerter Ort. Drei alte Bäume, darunter zwei Platanen wurden zwar leider im Winter gefällt, aber ein paar neue Bäume, u.a. vier junge Palmen, wurden neu angepflanzt.

Die Piazza Cairoli ist nach Benedetto Cairoli (1825 bis 1889), einem italienischen Freiheitskämpfer und Staatsmann benannt.

Das Monument im kleinen Park hingegen wurde zu Ehren seines Zeitgenossen, des italienischen Staatsmanns Federico Seismit-Doda (1825 bis 1893) errichtet. Er war u.a. Finanzminister, wurde aber wegen des Vorwurfs der stillschweigenden Befürwortung irredentistischer Äusserungen 1890 dazu gezwungen, sich aus der Regierung zurückzuziehen. Drei Jahre später starb er in Rom. (Zum italienischen Irredentismus siehe hier.)

Nachdenklich sitzt Federico Seismit-Doda in seinem Polstersessel und hält ein Buch in der rechten Hand, das fast herunterzufallen droht.



Die Bronzeskulptur ist ein Werk von Eugenio Maccagnani (1852-1930), der auch am Vittoriano mitgearbeitet hat. Angefertigt wurde sie bereits 1905/06, aufgestellt aus Rücksicht auf die Österreicher erst nach dem Ersten Weltkrieg 1919. Siehe: Monumento a Seismit Doda / Monumenti / Roma medioevale e moderna - Sovrintendenza

Vom Giardino di Piazza Cairoli bietet sich ein schöner Blick auf die Kirche San Carlo ai Catinari und ihre Kuppel. Der Palazzo mit der hellen Fassade an einer Längseite ist der Palazzo Santacroce (auch: Pasolini dall'Onda). Dessen Innenhof besuchten wir am nächsten Tag im Rahmen der Cortili aperti.


Im Gegensatz zu den Namen der beiden Herren Cairoli und Seismit-Doda war mir derjenige des Gartengestalters bestens bekannt: Giardino und Brunnen wurden von dem bekannten französischen Gartengestalter und Botaniker Édouard François André (1840 bis 1911) entworfen. In Rom war André Ende des 19. Jahrhunderts an den Plänen zur Umgestaltung der Villa Borghese von einem privaten in einen öffentlichen Park sowie an der Gestaltung des Giardino Carlo Alberto del Quirinale beteiligt.

Finalmente nel 1894 i lavori erano finiti, con un laghetto, uno spazio ellittico centrale e la soluzione della doppia scalea che collega ancora via del Quirinale con via Piacenza, grazie all’architetto francese Edouard André.
Quelle

Baron Guglielmo Huffer (oder Hüffer) trug die Kosten für die, auf seinen Vorschlag hin, von der Stadt 1888 genehmigte Grünanlage. Auch die Contessa Sforza Cesarini di Santa Fiora beteiligte sich mit einer Spende von 50.000 Lire. Die Via Arenula war damals noch ganz neu. Sie wurde erst 1880 gebaut um den Largo Argentina mit dem Ponte Garibaldi zu verbinden.


Am Sockel des Brunnens hat André seinen Namen angebracht. Man erahnt ihn mehr, als dass man ihn gut lesen könnte:


Das achteckige Brunnenbecken zu ebener Erde besteht aus grauem Granit aus Baveno am Lago Maggiore.
Der mit Voluten verzierte viereckige Baluster in seiner Mitte trägt eine runde Marmorschale aus der Antike. Sie stammt ursprünglich vom Forum und wurde 1887 bei Bauarbeiten an der nahen Piazza Cenci gefunden. Diese beim Brunnenbau zu verwenden, war eine Auflage die André erfüllen musste.
In ihrer Mitte erhebt sich ein weiterer Baluster, der eine kleine Brunnenschale trägt. Er war früher mit Bronzedelphinen geschmückt. Diese Teile gingen irgendwann verloren.


Die antike Brunnenschale ist leider sehr verkrustet, so dass man den grauen ägyptischen Marmor gar nicht sehen kann. Sie steht auf der Liste der zu restaurierenden Brunnen Roms.


Im Mai 1890 wurde der Garten von Edouard André erstmals eingeweiht. Siehe: Fontana in Piazza Cairoli / Fontane / Roma medioevale e moderna - Sovrintendenza. Nach der Generalüberholung 2016 steht zu hoffen, dass er vor allem den Anwohnern, aber auch des Weges kommenden Touristen eine angenehme Rast bieten kann und nicht wieder zur Müllhalde verkommt.
 
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In Trastevere
oder
Die Principessa ist zurück
8)


In Trastevere war unser Ziel an diesem Morgen das Kirchlein Santa Maria in Cappella. Es gehört zum Altersheim Santa Francesca Romana am Vicolo Santa Maria in Cappella, 6. Seit 2008 gibt es dort auch Zimmer für Studenten. Der gesamte Komplex ist im Besitz von Mitgliedern der Familie Doria-Pamphilj.

Die Kirche aus dem 11. Jh. ist auch unter dem Namen Santa Maria ad Pineam bekannt. Daran erinnert ein modernes Relief von 1966 über dem Eingang, welches eine Madonna mit Kind zwischen zwei Pinien zeigt. Zur Kirche gehört der kleinste romanische Kirchturm in Rom.

Im April 2015 waren wir zum ersten Mal hier und die Kirche verschlossen. Die vier folgenden Bilder habe ich bei diesem ersten Besuch gemacht.



Damals hatten wir das Vergnügen, einen Spaziergang durch den Garten der Donna Olimpia (Olimpia Maidalchini-Pamphilj) unternehmen zu dürfen. Darüber habe ich hier berichtet:


Seither hat sich Einiges getan! :eek: Ein kleines Museo di Santa Maria in Cappella wurde eingerichtet und die Kirche steht Besuchern nun im Rahmen des Museumsparcours offen. Beides kennenzulernen war eine willkommene Fortsetzung des netten Erlebnisses ein gutes Jahr zuvor! Informationen zum Museum und den Öffnungszeiten findet man auf der Webseite der Associazione Culturale Artesìa.

Neben dem Eingang zum Altersheim findet man jetzt eine Tafel mit dem Hinweis auf das Museum.


Wir traten ein und wurden von zwei jungen Frauen in Empfang genommen. Eine sprach ausgezeichnet französisch und freute sich, ein wenig in dieser Sprache plaudern zu können. Sie begleitete uns zum Museumseingang und erklärte uns, wie wir von dort anschliessend in die Kirche gelangen würden. Das Museum im Untergeschoss eines Nebengebäudes hinter der Kirche ist wirklich sehr bescheiden aber vielleicht tragen die Eintrittsgelder ja dazu bei, die Restaurierung von S. Maria in Cappella fortzuführen.


Links ein alter Waschbrunnen, in dem bedauernswerte Goldfische schwimmen. Rechts u.a. eine mit Löwenprotomen dekorierte Kathedra.


Das Photo in der Mitte zeigt einen Altar mit Agnus Dei-Motiv. Er wurde 1113 von Papst Paschalis II. geweiht. Eine Kopie steht in der Kirche. Rechts ein Weihwasserbecken aus Einzelteilen des 12./13. Jahrhunderts. Es wurde wahrscheinlich im 19. Jh. zusammengesetzt.


Weihinschrift von S. Maria ad Pineam vom 25. März 1090

Sie lautet:

+ Ann[o] D[omi]ni MillXC, Ind[icatione] III, Men[sis] Martius d[ie] XXV, dedicata e[st] h[a]ec eccl[esi]a S[an]c[ta]e Mari[a]e qu[a]e appella ad pinea, per ep[iscop]os Ubaldu[m] Savinen[sem] et Ioh[anne]m Tuculans[em] tem[pore] D[omi]ni Urbani II pap[a]e, in qua sunt reliq[uia]e ex vestimentis S[an]c[ta]e Mari[a]e Virg[inis], rel[iquiae] s[ancti] Pietro apli Cornelii P[a]p[ae] Calixst P[a]p[ae] Felicis P[a]p[ae] Yppoliti Mart[yris], Anastasii Mar[tyris] Felix Marmeniei Martyris. Da Damaso vitam post mortem, XP Redemptor.

Gründer der Kirche war demnach ein Mann namens Damasus und geweiht wurde sie, wenn ich das richtig verstehe, zur Zeit von Papst Urban II. durch die Bischöfe Ubaldo von Sabina and Johannes von Tusculum.






Frühere Fenster aus der Kirche. Rechts das Wappen der Pamphilj


Schliesslich gelangten wir durch einen Seiteneingang (bei der Palme) in die Kirche. Sie ist leider in einem sehr maroden Zustand, hat aber in meinen Augen eine rührende Ausstrahlung und man wünscht dem armen Kirchlein, dass genug Spendengelder für eine vollständige Restaurierung zusammenkommen. 2011 wurde mit Ausgrabungen unter den zwei Seitenschiffen begonnen. Dort ist immer noch Baustelle.

Die Innendekoration stammt aus dem frühen 19. Jh. In der Apsis steht auf einer antiken Säule eine Maria Immacolata.



Der untere Berich der Apsis ist mit Rosetten bemalt. Es wurden unverkennbar Mosaiken aus dem sog. Mausoleum der Galla Placidia in Ravenna zum Vorbild genommen. Zum Vergleich ziehe ich ein Photo von Claude heran:


Der obere Teil der Apsis ist mit einem grossen juwelenbesetzten Kreuz bemalt. Es ist von wehenden Bändern mit folgenden Aufschriften umgeben: Sapientia, Intellectus, Fortitudo, Consilium, Scientia, Pietas und Timor Domini. Es handelt sich dabei um Gaben des Heiligen Geistes, der in Form einer Taube über allem schwebt. Darüber der nicht vollständig erhaltene Schriftzug Virgo Potens, Ora pro Nobis. Unterhalb des Kreuzes sechs Schafe, die vom Wasser des ewigen Lebens trinken.


Im mittleren Bereich der Apsis, hinter der Marienstatue, ist eine sie umgebende Mandorla zu sehen; rechts und links davon zwei Engel mit je nur einem Flügel. :eek: Sie halten Bänder mit den Aufschriften Sine labe concepta resp. Dei Mater alma.

Rechtes Seitenschiff:



Mitte: Verkündigungsszene

Linkes Seitenschiff:



Geburt Christi, das Pendant zur Verkündigungsszene

Eine Restaurierung würden auch die beiden kleinen Statuen von Petrus und Paulus verdienen. Die Paulusfigur scheint hier einen besonderen Freund zu haben, wenn ich das Kränzchen aus Gänseblümchen richtig interpretiere:



In S. Maria in Cappella wird man auch an die Hl. Francesca Romana erinnert.

Wikipedia-Artikel S. Maria in Cappella schrieb:
Bereits ab 1391 wurde ein Armenhospiz und ein Hospital angebaut, beides Stiftungen der Schwiegereltern der heiligen Franziska von Rom, die auch hier tätig war, intensiv ab 1401. Architekt war der Schwager der Heiligen, Andreozzo Ponziani.[5] Der erste Krankensaal wurde wohl im, dann dafür separierten, rechten Seitenschiff eingerichtet.[9] Nach dem Tod der Franziska 1440 übernahmen die von ihr gegründeten Oblatinnen des Klosters Tor de'Specchi die Kirche und die karitativen Einrichtungen.

Nach dem Besuch der Kirche wollten wir den Garten der Donna Olimpia wiedersehen, kamen aber zu einem ungünstigen Zeitpunkt.

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[FONT=&quot]Photo von April 2015
[/FONT][/FONT][FONT=&quot]
[/FONT]
Es herrschte gerade einige Unruhe im Garten, hervorgerufen durch sehr wichtig wirkenden Besuch, dem wir Touristen aus dem Weg zu gehen hatten. Es handelte sich der freundlichen jungen Frau am Empfang zufolge um einen Gartenarchitekten und sein Gefolge. Der Garten soll wohl einer Verschönerungs- oder Restaurierungskur unterzogen werden! Schön wäre es, vor allem im Interesse der Rentner und Studenten, wenn der Brunnen wieder Wasser hätte. :idea:

Nur drei Bilder habe ich an diesem Mai-Morgen im Garten gemacht. Das erste schmückt diesen Bericht als Vignette. Die beiden anderen folgen:


Unser Museums-Ticket bewahren wir gut auf. Es hat uns für ein Jahr zu Freunden des Vereins "Princess is back - Il ritorno della principessa" gemacht. 8)


Somit ist auch der Titel erklärt den ich der Vorschau zu diesem Bericht gegeben habe. :idea:

Was besagte Principessa, Olimpia Maidalchini-Pamphilj, wohl sagen würde, wenn sie ihren Garten heute wiedersehen würde ...?

[FONT=&quot]
[/FONT]

[FONT=&quot] Galleria Doria Pamphilj, Roma
[/FONT]

Zum Schluss noch ein paar weitere Bilder aus Trastevere an diesem Morgen. Getroffen haben Gaukler und ich uns im Atrium von S. Cecilia in Trastevere.


Im Kirchenraum waren wir die einzigen Besucher. Eine Benediktinerin spielte schön die Orgel.


Das Apsismosaik kannte ich bereits, aber auch hier waren mir die Gammadiae an den Gewändern von Petrus und Paulus nie aufgefallen.


Das Mosaik hat Claude sehr gut im ersten Reisebericht der Tre a Roma (Claude, Gaukler und ich) Römisches Bilderbuch beschrieben:

Aus der Entstehungszeit der Kirche blieben aber immerhin die Mosaiken der Apsis erhalten. Stand das Mosaik in S. Agnese in byzantinischer Tradition, so haben wir hier ein Beispiel für den Neuansatz der Mosaikkunst um 800 vor uns (ein anderes wäre S. Prassede, ebenfalls eine Stiftung Paschalis' I., bei dem man sich an frühchristlichen Vorgängern orientierte). Die unmittelbare Verwandtschaft mit dem Mosaik von S. Cosmas und Damian ist nicht zu übersehen. Auch hier ist das Thema die Parusie (Mt 24,30). Christus erscheint auf der Himmelswolke, links von ihm stehen der Apostel Paulus, die hl. Caecilie und der Stifterpapst Paschalis I. mit dem in verhüllten Händen getragenen Kirchenmodell (der quadratische Nimbus zeigt an, dass es sich um eine noch lebende Person handelt). Auf der rechten Seite befinden sich Petrus, der hl. Valerianus und die hl. Agathe. Palmen rahmen die Mittelgruppe ein und zeigen, dass der Ort das irdische Paradies ist. Auf der linken Palme hat sich – so wie auch in S. Cosma und Damiano - ein Phönix, das Symbol der Auferstehung, niedergelassen. Über Christus erscheint die aus dem Himmel kommende Hand Gottes, die das Diadem herabreicht. Abgesetzt von der auf blauem Hintergrund sich abspielenden Adventusszene finden wir im Sockel auf goldenem Grund den Lämmerfries. Das mittlere, durch einen Nimbus ausgezeichnete Lamm steht auf dem Paradiesberg. Die übrigen Lämmer (entsprechend den 12 Aposteln) wenden sich dem Agnus Dei zu. Am Rand finden sich links und rechts die Städte Jerusalem und Bethlehem. Darunter finden wir die Stiftungsinschrift. Leider verstellt das Ziborium von Arnolfo di Cambio vom Ende des 13. Jh. ein wenig die Sicht auf das Mosaik.


Blütenpracht des römischen Frühsommers in Trastevere

Passend zum nächsten Tagestermin fanden wir kurz nach dem Besuch von S. Maria in Cappella in der Via del Porto, 17 eine schöne Hausmadonna:


Sie würde wunderbar in die Photo-Sammlung des Forista SPQR passen! Mit ihm und seiner BEVA waren wir zum Mittagessen verabredet.

An der Bushaltestelle Porta Portese habe ich eine in den Boden eingelassene Gedenkplatte, auf der steht, welche Szenen aus "Fahrraddiebe" genau dort gedreht wurden, photografiert:​


Vergleiche hier: [TV] Spaziergang durch Rom

Die erwähnte Szene mit dem jungen Sergio Leone habe ich im Netz gefunden:


Nicht auf gestohlenen Fahrrädern ;), sondern mit dem Bus, fuhren wir zum vereinbarten Treffpunkt, dem Ristorante Il Pastarito an der Via IV Novembre. Einem fröhlichen Wiedersehen, vier Jahren nach unserem ersten Mini-FT in Rom, stand nichts mehr im Weg! 8) :thumbup: Viel gab es zu erzählen und so haben wir es leider versäumt, diesmal ein Erinnerungsphoto zu machen. So sollen diese von 2012 noch einmal zu Ehren kommen:


Auf Wiedersehen in Rom oder anderswo!




 
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Villa Aldobrandini


Seit November 2013 war die Villa Aldobrandini Römern und Touristen verschlossen. Am Freitag, dem 22. April 2016 erhielt sie ihre moderne Bestimmung als öffentlicher Park zurück. Das Gelände ist trapezförmig und erstreckt sich zwischen Via Panisperna, Largo Magnanapoli, Via Nazionale und Via Mazzarino.

Il 22 aprile i cancelli di Villa Aldobrandini si sono riaperti, grazie alla Sovrintendenza Capitolina, con il recupero delle antiche fontane, il rinnovo degli arredi, il ripristino dell'impianto di irrigazione, il rifacimento della pavimentazione, la sistemazione dei sentieri, il restauro dei marmi antichi, delle basi che sorreggono le statue del giardino e il recupero degli elementi architettonici deteriorati dei padiglioni. Sono state curate le molteplici specie di alberi e fiori, tra cui le camelie centenarie, ed è stato messo in sicurezza il vasto complesso archeologico, situato in prossimità dei Mercati di Traiano, vicino ad importanti arterie stradali quali Via Nazionale, Largo Magnanapoli e Via Panisperna.
Quelle: Fontane e camelie: la stupenda Villa Aldobrandini riapre i cancelli nel cuore di Roma (FOTO)

Im Dezember 2015 hatte ich nur einen erwartungsvollen Blick auf die hohen Bastionen und die Wipfel einiger Palmen werfen können:


Nun wollten wir uns diesen "hängenden Garten", wie er oft genannt wird, endlich genauer ansehen.

Dass der Park sich nicht mehr so präsentiert, wie auf dem Gemälde des holländischen Malers Mattias Withoos (1627–1703) im Palazzo Braschi, war klar.


Dieser Maler hielt sich von 1648 bis 1653 in Rom auf. Das Gemälde entstand aber erst um 1660/65. Es gibt einen Eindruck davon, wie die Villa zur Zeit von Olimpia Aldobrandini (1623 bis 1681) und ihrem Ehemann Camillo Francesco Maria Pamphilj (1622 bis 1666) aussah.


Galleria Doria Pamphilj, Roma

Ihr umfangreiches Erbe, darunter die Villa Aldobrandini auf dem Quirinal in Rom und die Villa Aldobrandini in Frascati, fielen zuerst an die Fürsten Pamphilij, nach deren Erlöschen an die Fürsten Borghese, deren jüngerer Zweig bis heute die Fürsten Aldobrandini stellt.
Befassen wir uns zuerst ein wenig genauer mit den wichtigen Etappen der Geschichte der Villa Aldobrandini:

1556 erwarb Giulio Vitelli aus Città di Castello in Umbrien von den Brüdern Luca und Giovanni Battista Grimaldi ein Gelände am Monte Magnanapoli, das sich bis zum heutigen Palazzo Pallavicini Rospigliosi auf dem damals noch wenig bebauten Quirinal erstreckte. Die Villa umfasste ein Wohnhaus, einen giardino segreto ("geheimen Garten") und einen Park.
Vitelli beauftragte den Architekten Carlo Lambardi (auch Carlo Lombardi), der auch in S. Francesca Romana tätig war, mit der Restaurierung und Verschönerung der Villa. Ab 1575 erweiterte Lambardi z.B. den Haupteingang der Villa am Largo Magnanapoli/Ecke Via Panisperna. Von dort gelangte man über eine Treppenanlage zum Haupteingang des Palazzo. Auch errichtete er einen ersten von später zwei Pavillons (oder Casinos) am Rand des Parks.

1600 verkaufte Clemente Vitelli, der Sohn Giulios, die Villa an Papst Clemens VIII., Ippolito Aldobrandini. Dieser schenkte den ganzen Komplex im darauffolgenden Jahr seinem Neffen, Kardinal Pietro Aldobrandini. Pietro Aldobrandini war zu dieser Zeit der einflussreichste Kardinal in Rom und Großmeister des Malteserordens.

Der Architekt Giacomo della Porta genoss das Vertrauen des neuen Besitzers, für den er bereits in Frascati beim Bau der dortigen Villa Aldobrandini tätig war.

Giacomo Della Porta, architetto di fiducia del nuovo proprietario, dotò il palazzo di scale e logge e di una facciata continua sul giardino. Questo fu arricchito con alberi ad alto fusto, in parte ancora esistenti. I viali furono arredati con statue (oggi in copia), vasi, cippi, sedili, alcune fontane e una peschiera (oggi non più esistente). Tutti i lavori, per i quali il cardinale impiegò una grande quantità di denaro, vennero condotti, anche se non del tutto finiti, in un lasso di tempo molto breve tra il 1601 e il 1602.
Quelle: Villa Aldobrandini / Ville dei nobili / Ville e Parchi storici - Sovrintendenza

Giacomo della Porta hat den Palazzo Aldobrandini u.a. mit Treppen, Loggien und einer rückwärtigen Fassade mit Blick auf den Park ausgestattet. Im Garten wurden Bäume gepflanzt, welche z.T. heute noch dort zu finden sind. :eek: Entlang der Wege wurden Statuen, Vasen und Sitzgelegenheiten aufgestellt. Es sollen insgesamt 456 antike Statuen gewesen sein, welche den Park zierten. Hinzu kamen Brunnen und heute nicht mehr existierende Fischteiche. Der Kardinal gab viel Geld dafür aus und die Arbeiten wurden in kurzer Zeit, zwischen 1601 und 1602 durchgeführt. Sie waren noch nicht ganz beendet als Giacomo della Porta im September 1602 plötzlich verstarb.

Pietro Aldobrandini lebte noch bis 1621. Er machte die Villa zu einem gesellschaftlichen Mittelpunkt Roms und legte vor allem in den oberen Etagen seines Palazzo eine große Kunstsammlung an. In Lambardis Pavillon war lange Zeit die sog. Aldobrandinische Hochzeit, ein Fresko aus augusteischer Zeit, ausgestellt. Es befindet sich heute in den Vatikanischen Museen.

Zwischen 1811 und 1814 residierte hier der französischen Gouverneur Sextius Alexandre François de Miollis. Nach der napoleonischen Episode ging die Villa wieder in den Besitz der Aldobrandini über und blieb bis 1926 in deren Hand.

Eine radikale Veränderung machte der Park 1846 durch, als die Borghese Aldobrandini die Aufteilung in viereckige Parterres zugunsten von sich durch den Park schlängelnden Wegen und Beeten in unregelmässigen Formen aufgaben. Die Buchsbaum- und Lorbeerhecken verschwanden. Eine Art "englischer" Garten in der Mode der Zeit wurde angelegt, seltene Pflanzenarten angeschafft, so dass die Villa einem botanischen Garten glich.

Als Rom am 26. Januar 1871 Hauptstadt des im Zuge des Risorgimento als Königreich entstandenen italienischen Nationalstaates wurde und 1873 die Via Nazionale zum 1867 errichteten Bahnhof Roma Termini gebaut wurde, fiel ein großer Teil des Parks der Straße zum Opfer.

1926 erwarb der italienische Staat die Villa Aldobrandini. In den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts vergrösserte der Architekt Marcello Piacentini den Palazzo, indem er rechts vom heutigen Haupteingang, in der Via Panisperna, einen Flügel im Stil der Neo-Renaissance errichtete. In den Teil des Palazzo mit Blick auf den Park zog das Istituto Internazionale per l'Unificazione del Diritto Privato (Internationales Institut für Privatrecht) mit seiner Bibliothek ein. Dazu gehört ein kleiner abgezäunter Teil des Parks.

Der überaus grösste Teil des Parks wurde der Stadt Rom überlassen. An der Via Mazzarino entstand 1938 eine Doppeltreppenanlage als Eingang für den öffentlichen Park, welcher die Villa Aldobrandini seither ist.

Auf diesem Weg gelangten wir in die grüne Oase. Bänke luden dazu ein, länger zu verweilen, dem Spiel der Wolken zuzusehen, in die Wipfel der hohen Bäume zu blicken, den Rufen der grünen Sittiche zu lauschen ...



Einer der seltenen Nasoni mit lupa



Links und Mitte:
Blick auf die Torre delle Milizie
und die Chiesa di Santa Caterina a Magnanapoli


Zu meiner Freude entdeckte ich einen kleinen Hahnenkamm- oder Korallenbaum (Erythrina crista-galli), der gerade dabei war seine ersten Blüten zu öffnen. Es gibt auch noch einen größeren dieser Bäume im Park.



Hier wachsen Palmen aus drei Kontinenten


Mitte und rechts:
Blick auf den Largo Magnanapoli und Richtung Quirinal
Der sich erdolchende alte Römer (Kaiser Otho) stimmte mich etwas nachdenklich
und ich machte mich auf in andere Teile des Gartens


Bekannt sind die teilweise über hundertjährigen Kamelien der Villa Aldobrandini. Um diese Jahreszeit waren nur wenige Blüten zu finden:



Blicke auf Santi Domenico e Sisto



Links und Mitte: der zweite Korallenbaum


Hinter diesem Gitter liegt das bereits erwähnte Internationale Institut für Privatrecht:



Wappen der Aldobrandini






Wir verbrachten eine wirklich erholsame Rast in dieser grünen Oase. An mehr als drei weitere Besucher in diesem Moment kann ich mich nicht erinnern.


Links noch einmal das Aldobrandini-Wappen.
Öffnungszeiten:
Oktober bis Februar 7 bis 18 Uhr
März und September 7 bis 20 Uhr
April bis August 7 bis 21 Uhr
Die Rasenflächen darf man nicht betreten!
 
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S. Silvestro al Quirinale

S. Silvestro al Quirinale war eine Neuentdeckung für mich. Erfahren habe ich von der Existenz dieser Kirche durch einen Artikel der Repubblica vom 13. Februar 2016 mit dem Titel San Silvestro al Quirinale, la street art entra in una chiesa di Roma. Nicht nur "street art" holt Padre Luigi Mezzardi in die Kirche, auch darüber hinaus hat man sich hier Einiges zum Heiligen Jahr der Barmherzigkeit einfallen lassen, wie u.a. die Webseite San Silvestro al Quirinale aktuell beweist. So führt ein Percorso della Misericordia (Parcours der Barmherzigkeit) zu einzelnen Stationen in der Kirche. Er endet an einer Pforte der Barmherzigkeit, hinter welcher eine Kopie der Pietà Michelangelos aus dem Petersdom zu sehen ist. Ein Photo dieses Werks habe ich als Vignette zu diesem Berichtsteil ausgewählt.

Kurz vor Reiseantritt legte mir auch noch eine liebe Bekannte dieses Gotteshaus ans Herz. Nach dem Spaziergang im "hängenden Garten" der Villa Aldobrandini bot sich ein Besuch dieser Kirche an, die man auch als "hängende Kirche" bezeichnen kann.

Die Kirche wurde 1030 zum ersten Mal erwähnt. Ihr ursprünglicher Name war San Silvestro de Biberatica, nach der antiken Via Biberatica, die an ihr vorbeiführte. Die Kirche stammt jedoch wahrscheinlich bereits aus dem 9. Jahrhundert. Sie wurde über den Ruinen des Tempels des Sancus aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. erbaut.
1507 übergab Papst Julius II. die Kirche den Dominikanern von San Marco, die 1524 mit dem Neubau der Kirche begannen. 1566 gingen die Kirche und das anschließende Kloster an die Theatiner über, die die Bauausführung fortsetzten und 1584 abschlossen.
Als Rom zum Königreich Italien kam, wurde das Kloster in eine Kaserne umgewandelt. Für die Verbreiterung der heutigen Via XXIV Maggio wurde die Kirche verkürzt und zwei Kapellen wurden abgerissen. Andrea Busiri Vici entwarf die aktuelle Fassade nach dem Vorbild aus dem 16. Jahrhundert.
Das ehemalige Kloster dient heute als Außenstelle des Verfassungsgerichtshofes, der seinen Hauptsitz im nahen Palazzo della Consulta hat.
Quelle: San Silvestro al Quirinale - Wikipedia

Die Kirche auf dem Quirinal war auch unter dem Namen S. Silvestro a Monte Cavallo bekannt, dies natürlich wegen der Gruppe der Dioskuren mit ihren Pferden an der nahen Piazza del Quirinale. Auch unter dem Namen S. Silvestro in Arcione war sie in früheren Zeiten bekannt.

Ich habe mir erlaubt S. Silvestro al Quirinale als "hängende Kirche" zu bezeichnen, da ihr Eingang sage und schreibe 9 Meter über der Via XXIV Maggio liegt! Bei deren Bau in den 1870er Jahren wurde das Strassenniveau um ganze neun Meter abgesenkt. Die heutige Fassade ist nur eine Scheinfassade! Sie wurde 1873/74 von Andrea Busiri Vici errichtet.

Als wir vor der Kirche ankamen war alles mit weiss-roten Plastikbändern abgesperrt aber ein freundlicher Wachmann winkte uns näher zu kommen, begleitete uns in die Kirche und machte Licht. Was wie ein Nebeneingang links neben dem Scheinportal wirkt, ist der eigentliche Eingang:

Eine Treppenanlage führt in die Höhe und man betritt die Kirche durch die Türöffnung mit dem gelbem Vorhang (Bild links).

Im folgenden Video vergleicht Padre Luigi Mezzardi S. Silvestro al Quirinale mit dem Abendmahlssaal, zu dem ebenfalls eine Treppe hinaufführte.

Hier blicken wir in den ungewöhnlich tiefen Altarraum, der mir vor allem aufgrund seiner illusionistischen Deckenbemalung gut gefiel.
Links am Triumphbogen erkennt man erneut das Wappen der Aldobrandini, das wir bereits aus der Villa Aldobrandini kennen. Rechts dasjenige der Familie des in der Kirche beerdigten Pierantonio Bandini (1504 bis 1592). Hier ein Portät des in Florenz geborenen Bankiers.

Die Kirche verfügt über vier Seitenkapellen, zwei wurden in den 1870er Jahren abgerissen, wodurch das Langhaus heute sehr kurz ist. Leider war von zwei Kapellen kaum etwas zu sehen, da sie durch Stellwände mit in die Kirche aufgenommener street art verbarrikadiert waren.

Besonders schön ist die Cappella della Madonna del latte o della catena (der Kette) mit einer Ikone aus den 1320er Jahren:

Zu Füssen der Madonnen-Ikone sind Papst Pius V. und sein Grossneffe sowie Kardinalnepot, Kardinal Alessandrino, abgebildet.
In der Kapelle finden wir auch Szenen aus der Weihnachtsgeschichte:
Im Langhaus befindet sich ein barockes Stuckrelief mit einer Darstellung der Taufe Christi. Es wurde hier erst nach der Errichtung der Scheinfassade angebracht:

Links und rechts davon zwei Grabmäler mit Büsten der Verstorbenen. Diejenige rechts zeigt Prospero Farinacci, einen bekannten Juristen und Verteidiger im Prozess der Beatrice Cenci, wie ich erst später gelesen habe.

Ausgesprochen prachtvoll ist die üppig verzierte Kassettendecke der Kirche, von der leider auch ein Drittel dem Umbau im 19. Jh. zum Opfer fiel. Sie ist das Werk von Marco Antonio Fiorenzi.
Die beiden übriggebliebenen bunt bemalten Medaillons von ursprünglich drei erinnerten mich an jene in S. Francesca Romana. Das eine zeigt die Schlüsselübergabe durch Jesus Christus an Petrus, das andere die Anbetung des Jesuskindes durch Maria und Joseph:
Durch eine geöffnete Tür in der Kirche fiel Sonnenlicht und als ich hinaustrat fand ich mich auf einer Terrasse über den Dächern Roms wieder. An der offenen Seite blickt man Richtung Piazza Venezia und erkennt die Kuppel von Santissimo Nome di Maria al Foro Traiano.


Unerwartet findet man hier ein kleines Oratorium. Der Hof davor wird Chiostro del Michelangelo genannt. Hier soll sich Michelangelo mit einem Kreis von Freunden (Theologen, Künstlern, Literaten) und vor allem Vittoria Colonna sonntags getroffen haben.

Die Fassade des Oratoriums ziert ein Relief mit einer Kreuzabnahme. Die beiden Fenster und die Tür sind mit Masken und einem Putto geschmückt:

Leider habe ich vergessen, wen die kleine Heiligenstatue links darstellt. Im Hof stehend sieht man die Kuppel der zur Kirche gehörenden Cappella Bandini.
La Cappella Bandini, a pianta ottagonale (il numero sette è quello dei sette giorni della creazione, con cui inizia la storia dell’uomo; essa si completa solo con l’ottavo giorno che è quello della «vita eterna»), fu eretta tra il 1580-1585 su progetto di Ottaviano Mascarino (1524-1606) da Pier Antonio Bandini e dalla moglie Cassandra Cavalcanti e completata nel 1629 dal loro figlio Ottavio, cardinale, con i due monumenti sepolcrali, le statue e gli affreschi.
Sullo sfondo campeggia la sontuosa Pala d’altare, raffigurante L’Assunzione di Maria al cielo dipinta su ardesia da Scipione Pulzone (1550ca-159[noparse]8[/noparse]) nel 1585. (...)
Ritornando alla descrizione della cappella, troviamo a sinistra, il monumento del cardinale Ottavio Bandini, con il busto dello scultore Giuliano Finelli (1602ca-1657), la tematica è della vocazione religiosa, espressa dalle due statue di Alessandro Algardi (1598ca-1654). Esse rappresentano Maria di Betania, che «ha scelto la parte migliore», e S. Giovanni Evangelista che accolse Maria in casa sua come discepolo dopo la «consegna» di Gesù dalla Croce.
A destra, sotto il monumento in onore di Pier Antonio Bandini e della moglie Cassandra Cavalcanti, vi sono due statue di scultore ignoto, di fattura meno pregiata, ma designanti la vocazione matrimoniale. A sinistra c’è S. Giuseppe che accolse Maria la Madre di Gesù come sposa e Marta, la sorella di Maria di Betania e Lazzaro, che ebbe il merito di accogliere Gesù e di servirlo.
Nei pennacchi ci sono quattro ovali ad affresco di Domenico Zampieri, detto il Domenichino (1581-1641). I soggetti sono figure mariane: David danza davanti all’Arca dell’Alleanza: Maria è l’arca nuova perché porta il Figlio di Dio nel mondo, nel tripudio della Chiesa (2 Sm 6, 5); Giuditta con la testa di Oloferne: Maria vince il male (Gdt 13, 15); Ester dinanzi ad Assuero: Maria intercede per i deboli e i perseguitati (Est 5, 1ss.); Salomone e Betsabea: intercessione di Maria (1 Re 2, 19).
Quelle: San Silvestro al Quirinale F. Cappella Bandini

Ich werde mich noch um eine Zusammenfassung und ungefähre Übersetzung obigen Zitats bemühen.
In der Cappella Bandini ist aus Anlass des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit die Reproduktion von Michelangelos Pietà aus dem Petersdom aufgestellt worden. Borrominis Sockel der Statue (siehe: Die Werke Francesco Borrominis - Seite 9 ) wurde mit reproduziert aber zumindest sieht man die Pietà in etwa so, wie sie vom Künstler gedacht war, nämlich als am Boden stehend! Leider kann man sie nicht umrunden da der Zutritt zur Kapelle nicht gestattet ist.

Links und rechts der römischen Pietà-Kopie zeigen Photos Michelangelos unvollendete Pietà-Skulptur (Pietà Bandini) aus dem Dom-Museum in Florenz sowie Michelangelos Zeichnung der Pietà für Vittoria Colonna aus einem Museum in Boston.

Die 174 cm hohe, 195 cm breite und 69 cm tiefe Kopie der römischen Pietà wurde S. Silvestro al Quirinale von nicht genannten Mäzenen aus den Vereinigten Staaten von Amerika gestiftet. Ob sie über das Heilige Jahr hinaus bleiben wird, kann ich nicht sagen.
Zu guter Letzt noch zwei Aufnahmen der Cappella Bandini:

Dieses Werk zeigt das hier beerdigte Ehepaar Pierantonio Bandini und Cassandra Cavalcanti. Ihnen gegnüber beerdigt ist ihr Sohn Kardinal Ottavio Bandini (1558 bis 1629). Seine Büste schuf der bekannte Bildhauer Giuliano Finelli. Das habe ich erst heute gelesen. Sonst hätte ich mich um eine bessere Aufnahme als jene unten bemüht.
Wenn die "street-art"-Ausstellungen beendet sind, würde ich mir auch gerne die Cappella di S. Silvestro ansehen, die mit Szenen aus dem Leben von Papst Silvester I. resp. der Silvesterlegende ausgeschmückt ist. Momentan verlinke ich nur zu dieser Fotogalerie mit u.a. drei Aufnahmen aus der Kapelle:

 

Ausstellung "Antiquorum habet" und Tagesausklang


Nach dem Besuch von S. Silvestro al Quirinale genossen wir ein leckeres Eis bei Giolitti und machten uns von dort auf den kurzen Weg zum Palazzo Giustiniani, wo bis zum 30.6. eine Ausstellung mit dem Titel "Antiquorum habet" stattfand. Mit den Worten Antiquorum habet fida relatio beginnt das apostolische Schreiben, mit dem Papst Bonifatius VIII. im Jahr 1300 das erste Heilige Jahr ausrief.


Die Ausstellung trug den Untertitel I Giubilei nella storia di Roma attraverso le librarie e documentarie del Senato. Ausgestellt waren Bücher und Dokumente aus dem Besitz des italienischen Senats zur Geschichte der Heiligen Jahre. Wir wurden mit grosser Zuvorkommenheit empfangen und erhielten nach Besichtigungsende ein kleines Präsent in Form eines hübschen Notizbüchleins, eines Lesezeichens und eines Bleistifts. 8) :thumbup:

Die Ausstellung gehört inzwischen der Vergangenheit an aber die Webseite besteht weiter. Siehe: ANTIQUORUM HABET. Sie lässt sich auch auf englisch umstellen. Ich habe dort schon im Vorfeld der Reise ein für mich interessantes Photo von der Öffnung der Heiligen Pforte in Sankt Paul vor den Mauern im Jahr 2000 entdeckt. Es befindet sich in dieser Bildergalerie. Man erkennt darauf noch die alte hölzerne Heilige Pforte. Direkter Link zum Photo.

Giovanni Paolo II, durante il giubileo del 2000, apre la porta santa della Basilica di San Paolo fuori le mura insieme ai rappresentanti delle varie Chiese cristiane
Ein kleines Video über die Ausstellung findet man auf der Webseite "Rome reports": An exhibition shows in Rome the original Papal Bull of the first Jubilee Year of 1300

Der Besuch der Ausstellung war auch eine gute Gelegenheit einige Räume des Palazzo Giustiniani zu sehen. Besonders prächtig ist die von Federico Zuccari (1542 bis 1609) mit Fresken ausgemalte Große Galerie oder Sala Zuccari. Beschreibung und sechs Photos hier: senato.it - Senato della Repubblica

Mein Abend klang ruhig mit einem Restaurantbesuch an der schönen Piazza Sant'Ignazio aus:




 
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S. Giovanni dei Fiorentini


Treffpunkt am Samstag Morgen war S. Giovanni dei Fiorentini, eine Kirche, die ich bereits recht gut von früheren Besuchen kannte. An diesem Tag wollte ich mir eine bestimmte Kapelle näher ansehen und zwar die Sacchetti-Kapelle, auch Cappella del Crocifisso genannt. Marco Lodoli hat Kirche und Kapelle ein Kapitelchen in seinem Buch "Spaziergänge in Rom" gewidmet. Mich an seine Angaben haltend, fand ich die Kapelle links vom Hauptaltar.


Ab 1620 gaben Giovanni Battista Sacchetti, gebürtiger Florentiner in Rom, und seine Nachkommen viel Geld aus um diese Familienkapelle eindrucksvoll auszustatten. Über der Kapelle befindet sich ihr Familienwappen. Vergleiche: Sacchetti (famiglia)

Zu Giovanni Battista Sacchetti schreibt Wikipedia:

Wikipedia schrieb:
Di parte guelfa e ostile ai Medici, all'instaurazione del principato mediceo fu costretta, con Giovanni Battista, a lasciare le sue case e ad esulare a Roma negli anni settanta del XVI secolo. Qui, aderendo al Papato, acquisì prestigio e potenza, entrando subito a far parte della nazione fiorentina, ben rappresentata da banchieri (Giovanni Battista era sposato ad una Altoviti) e orefici, che era insediata in gran parte nel Rione Ponte e che aveva come chiesa nazionale la basilica di San Giovanni dei Fiorentini, dove la famiglia eresse la propria cappella gentilizia.

Die Stuckarbeiten gefielen mir sehr gut. Sie werden hier sehr genau beschrieben. Leider habe ich den Link eben erst gefunden und werde mir die Beschreibung noch genauer ansehen. Die Fresken im Gewölbe der Kapelle sowie zwei Gemälde an den Seitenwänden sind Werke des aus Parma stammenden Malers und Zeichners Giovanni Lanfranco.


Das Fresko im Gewölbe stellt die Auferstehung Christi sowie die vier Evangelisten dar:


Ich kann Marco Lodoli nur zustimmen, wenn er über das Gemälde an der rechten Seitenwand, "Gebet im Garten Gethsemane" (Orazione nell'orto) schreibt, es sei ergreifend. Das Thema ist pyramidenförmig aufgebaut: Unten die in ihre Mäntel gehüllten schlafenden Apostel, oben die sehr schmale, in helles Licht getauchte Gestalt des wachenden Christus:


Das Gemälde an der linken Kapellenwand zeigt die Kreuztragung Christi (Salita al Calvario):


Bekannt ist Lanfranco vor allem wegen seines späteren römischen Meisterwerks, der von ihm ausgemalten Kuppel von S. Andrea della Valle:


S. Andrea della Valle

Anfang Februar habe ich hier im Forum über den Umzug der "Taufe Christi" aus dem Eingangsbereich des Museo di Roma im Palazzo Braschi nach S. Giovanni dei Fiorentini berichtet. Siehe: S. Giovanni dei Fiorentini: Nach 400 Jahren - an ihrem Bestimmungsort. Zu meinem Erstaunen standen Jesus, Johannes der Täufer, sowie die für S. Paul vor den Mauern bestimmten Petrus und Paulus immer noch verpackt im Eingangsbereich von S. Giovanni dei Fiorentini!





Erstmals entdeckte ich in S. Giovanni den Hinweis auf die Cappella di Gesù Misericordioso, folgte dem Schild und fand mich in einer kleinen modern eingerichteten Kapelle mit Glaskuppel wieder! Sie ist in meinen Augen aussergewöhnlich schön ausgestattet. Wieder zu Hause habe ich gelesen, welcher Künstler Altar, Ambo, Kreuz und Weihwasserbecken aus Bronze geschaffen hat, nämlich Gino Giannetti (geboren 1951).

Nel 2006 il Maestro realizza la porta di bronzo sulle mura cinquecentesche vaticane in Piazza Risorgimento, un complesso di opere bronzee per la chiesa di San Giovanni dei Fiorentini e la medaglia ufficiale del secondo anno di pontificato di Benedetto XVI.
Von ihm ist auch die Porta di Santa Rosa in der vatikanischen Mauer in der Nähe der Piazza del Risorgimento. Sie wurde 2006 von Papst Benedikt XVI. eingeweiht und ist mit dessen Wappen verziert. Siehe: Vaticano, è nata porta Santa Rosa - la Repubblica.it

Realizzata dallo scultore Gino Giannetti, la porta ha l' obiettivo di alleggerire l' eccessivo traffico che si concentrava finora in un unico varco. Ma è già diventata un monumento: tanti turisti ieri si fermavano a fotografarla.
Da ich kein eigenes Photo habe, hier ein Fund aus dem weltweiten Netz.

Zurück zur Kapelle: Da immer wieder Frauen zum Gebet in die Kapelle kamen, habe ich nur ein paar schnelle Eindrücke festgehalten:




Die Glasplatte des Altars wird von einem fast echt aussehenden Granatapfelbaum
mit Früchten und Vögeln getragen.


Weihwasserbecken
 
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Cortili aperti
Teil 1



Am 21. und 22. Mai konnte man in Rom zum 6. Mal die Cortili aperti, die offenen Innenhöfe verschiedener Palazzi besuchen. Dieses Jahr nahmen 26 Palazzi teil. Da ich am 22. wieder abreisen musste, wolten wir am 21. so viele wie möglich sehen. Da ich im Mai 2013 bereits zu den Cortili aperti in Rom war, standen solche, die damals nicht teilgenommen hatten, ganz oben auf der Wunschliste.

Ein paar Schritte von S. Giovanni dei Fiorentini entfernt, liegt der

Palazzo Malveggi Campeggi

an der Via del Consolato, 6.


Er wurde im 17. Jahrhundert von den Aldobrandini errichtet. Mehrere Bäume, darunter die Japanische Wollmispel (nespolo) mit ihren typischen gelben Früchten, sorgen für ein wenig Garten-Atmosphäre. An der Umfassungsmauer steht ein säulengeschmückter Wandbrunnen, dessen Nische die Kopie eines tanzenden Satyrs aus der Galleria Borghese ziert.


Hier die im 19. Jh. restaurierte Originalstatue. Leider hat man den Satyrn nicht mit der Flöte ausgestattet, die er ursprünglich spielte, sondern mit Finger-Zimbeln.


The original from which this cast is taken was heavily restored in the nineteenth century; the face shows that the satyr was playing a flute, not the finger cymbals shown. Why the restorer, Thorvaldsen, ignored the evidence of the figure’s puffed cheeks is a mystery
Quelle

Vom Palazzo Malveggi Campeggi, dessen Besitzer ihren Innenhof erstmalig bei den Cortili aperti Besuchern geöffnet hatten, gingen wir die paar Schritte bis zu S. Giovanni dei Fiorentini zurück und begannen dort einen Spaziergang bei dem wir zwischen Via Giulia und Via di Monserrato hin- und herpendelten um einige Cortili von unserer Liste zu sehen.

Dabei fiel mir in der Via Giulia diese schöne Fassade auf:


Gestern erst habe ich festgestellt, dass sich heute in diesem Haus ein Hotel, das Relais Giulia, befindet. Dessen Webseite habe ich entnommen, dass es sich bei dem von zwei Einhörnern flankierten Wappen an der Fassade um dasjenige von Papst Paul III. Farnese handelt.

Domina infatti al centro lo stemma a lui dedicato fiancheggiato da due Liocorni, con a destra lo stemma di Ottavio Farnese, a sinistra quello di Alessandro Farnese. Più giù campeggia un busto il cui volto riproduce un personaggio della Famiglia Farnese e sulle cornici di alcune finestre vi sono decorazioni con animali mitologici e ornamenti floreali”.
Links und rechts davon die Wappen zweier weiterer Farnese. Die Büste zeigt ein Familienmitglied und die Fenster sind mit mythologischen Tiergestalten und Planzenornamenten verziert.

Dann hatten wir auch schon den

Palazzo Sacchetti


an der Via Giulia, 66 erreicht.


Die Cappella Sacchetti in S. Giovanni dei Fiorentini hatte ich bereits gesehen, nun kamen wir also zum Palazzo der Familie. Einer Inschrift an der Fassade zufolge hat ihn Antonio da Sangallo der Jüngere für seine eigene Familie geplant. 1649 kam er an die aus Florenz stammenden Marchesi di Sacchetti. Teile des Palazzo sind vermietet aber im piano nobile lebt heute die Marchesa Antonia Sacchetti, Witwe des 2010 verstorbenen Marchese Giulio Sacchetti. Dieser war 30 Jahre lang governatore im Vatikan.

Für ein kleines aber sympathisches OT vergleiche Vatikan/Papst: Die weiße Amsel des Papstes

Die Vogelwelt des Kirchenstaates war schon in den vergangenen Jahrzehnten akribisch unter Beobachtung genommen worden. Der langjährige Sonderdelegat der Päpstlichen Kommission für den Staat der Vatikanstadt, der römische Marchese Giulio Sacchetti, hatte sich ihr mit großer Leidenschaft verschrieben – mehrmals in der Woche durchstreifte er, mit Notizbuch und Bleistift ausgestattet, die Vatikanstadt. Die Aufzeichnungen des passionierten Freizeit-Ornithologen riefen bei seinen akademischen Kollegen beträchtliches Interesse hervor, wurden in diversen Fachzeitschriften publiziert und führten dazu, dass italienische Ornithologen die vatikanische Vogelwelt systematisch untersuchten.
Sechsundzwanzig verschiedene Vogelarten konnte der Aristokrat im Vatikan nachweisen, mehr als in jedem Park der Ewigen Stadt verzeichnet wurden. Den Artenreichtum führt Giulio Sacchetti nicht zuletzt auf die besondere Flora der päpstlichen Gärten und deren aufwendige Pflege zurück, aber auch auf die vielen verwinkelten Gebäude des Kirchenstaates und die zahlreichen Nischen im vatikanischen Mauerwerk: „Die Kuppel von St. Peter umfliegen Wanderfalken, Stare bauen sich Nester unter den Dächern des Apostolischen Palastes und Sperlinge bevölkern fast alle Örtlichkeiten der Vatikanstadt“, zeigte sich der Marchese in seinen 2005 veröffentlichen Erinnerungen „Segreti Romani“ (Römische Geheimnisse) von der Vielfalt der vatikanischen Vogelwelt begeistert, „wir leben hier in einem kleinen irdischen Paradies“.
Zurück an die Via Giulia mit ein paar Innenaufnahmen aus der Wohnung der Marchesa, u.a. aus dem Speisezimmer, welches im Film La Grande Bellezza vorkommt. Weitere schöne Bilder aus dem Palazzo Sacchetti findet man hier.

Wie tacitus bereits schrieb, lebte in diesem Palazzo auch die Schriftstellerin Ingeborg Bachmann:

Dort war die letzte Wohnung von Ingeborg Bachmann, die dort in der Nacht vom 25. auf den 26. September 1973 einen schweren Brandunfall erlitt, an dessen Folgen sie wenige Tage später in einem Krankenhaus im Stadtviertel EUR starb.

Im Vorfeld dieser Rom-Reise habe ich in dem Büchlein "Lesereise Rom: Vom süßen Leben und der großen Schönheit" der Autorin Christina Höfferer eine interessante Reportage über den Palazzo Sacchetti gelesen. Sie trägt den Titel "Als die Signora Bachmann kam". Siehe: Lesereise Rom: Vom süßen Leben und der großen Schönheit - Christina Höfferer - Google Books (fast vollständige Leseprobe).

Uns hat man bei dem Versuch, einen Schritt in den Innenhof des Palazzo zu setzen, bei einem der letzten Rombesuche sehr unhöflich-bestimmt verjagt.

Ich erinnere mich, dass es Pasquetta 2013 nicht anders ging und so bewahrheitet sich normalerweise dies:

Ein Haus wie eine Festung: Ingeborg Bachmanns letzte Wohnung im Palazzo Sacchetti in der Via Giulia 66 erinnert an ein Kloster. Dunkle, dicke Wände, vergitterte Fenster im Erdgeschoß und ein strenger Portier. „Bitte keine Fotos, das ist verboten“, sagt er. „Wissen Sie denn, dass die österreichische Schriftstellerin Ingeborg Bachmann in den siebziger Jahren hier gewohnt hat?“ – Auch diese Frage prallt an ihm ab. Nein, das sei ihm nicht bekannt, meint er, und man möge bitte den Innenhof sofort verlassen. Nichts erinnert in dem Haus an die Autorin, keine Gedenktafel, keine Inschrift.
Quelle

Am Tag der Cortili aperti war uns mehr Glück beschieden! Auch wenn ich nur wenige Aufnahmen mitgebracht habe, so hoffe ich doch dem einen oder anderen damit eine kleine Freude zu machen. Der Garten mit kiesbestreuten Wegen, Buchsbaumhecken, Zitronenbäumen, Brunnen und Loggia, blieb auch uns leider verschlossen aber im Hof durfte man photographieren:



Im Cortile fand eine Photoausstellung statt, welche allerdings nichts mit dem Palazzo zu tun hatte und der wir keine gesteigerte Aufmerksamkeit widmeten. Gut gefiel mir die palazzoeigene Hausmadonna über einem antiken Relief:



Wir setzten unseren Weg fort und gingen genau auf ein Haus in der Via dei Banchi Vecchi zu. So fiel mir die Erinnerungstafel und vor allem der Name Kaiser Karls IV., dessen 700. Geburtstag dieses Jahr gefeiert wird, ins Auge. :eek:



Die Inschrift lautet:[FONT=&quot]CAROLUS IMPERATOR IIII REX BOEMIE ME FECIT ET H RORAW PROCURATOR HOSPITALIS PRESENTIS ET NACIONIS BOHEMORUM RUINOSUM REFECIT ANNO MCCCCLVII

Karl IV. hat dieses Hospiz 1348 für böhmische Pilger in Rom bauen lassen. 1457 hat H. Roraw, Vorsteher des Hospizes und der böhmischen Gemeinde Roms, das verfallene Gebäude neu errichten lassen. Vergleiche: Via dei Banchi Vecchi

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Bald kamen wir an der Via Monserrato, 149 zum

Palazzo d'Aste

Ein Brunnen mit Löwenkopf und eine kleine Statue verschönern diesen schmalen Cortile. Carlo d'Aste veranlasste im 17. Jh. den Bau des Palazzo, der sich seit dem 19. Jh. im Besitz der Familie Sterbini befindet:​
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Wir setzten unseren Weg fort und besichtigten an der Via Monserrato, 34 den Cortile des

Palazzo Capponi Antonelli


Ein langer Flur führt zu einem kleinen Cortile mit einem Brunnen, den eine Büste schmückt:



Hinter dem Gitter öffnet sich ein von weiteren Gebäuden umgebener charmanter Garten. Auffallend ist vor allem ein Treppenhaus mit Loggien auf zwei Etagen. Hier betreibt auch eine Kunstgalerie ihr Geschäft mit teuren alten Gemälden.



Im vorderen Bereich des Palazzo befinden sich einige verblichene Renaissance-Sgraffiti an den Wänden:



Die Via della Barchetta


führte uns zurück zur Via Giulia. Letztes Ziel dort war der

Palazzo Cisterna

an der Via Giulia, 163.



Der Palazzo stammt aus der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts. Laut Informationstafel hat Della Porta den vorderen Teil errichtet. Gemeint ist der Architekt und Bildhauer Guglielmo Della Porta (um 1500/1510-1577), der im nahen Palazzo Muccioli, Via Giulia, 167 lebte und im heutigen Palazzo Cisterna ein Atelier besass.


Das Gebäude ist oft umgebaut worden, was auch Auswirkungen auf das Aussehen des Cortile hatte.