Zum Christus habe ich noch etwas Interessantes herausgefunden. Er hat nämlich einen Doppelgänger, der sich seit 1644 auf dem Hauptaltar der Kirche des hl. Vinzenz in Bassano Romano befindet.
Metello Vari de'Porcari erteilte 1513/14 Michelangelo den Auftrag, für S. Maria sopra Minerva eine "Marmorfigur eines lebensgroßen, nackten Christus mit einem Kreuz im Arm" zu schaffen. Michelangelo wählte einen passenden Marmorblock aus und arbeitete bis 1516 daran, stellte die Arbeit dann aber ein, denn im Marmor kam eine unschöne schwarze Ader zum Vorschein, ausgerechnet im Gesicht. Die Statue blieb unvollendet und wurde später von fremder Hand überarbeitet. Sie landete im Besitz der Giustiniani. 2001 wurde sie in der Ausstellung "Caravaggio e i Guistiniani" gezeigt und es gab sofort eine Kontroverse wegen der Zuschreibung. Der Kopf ähnelt dem des Christus der berühmten Piéta und dem zweiten Christus, den wir heute in S. Maria sopra Minerva sehen können. Der Körper zeigt Verwandtschaft mit dem sterbenden Gefangenen aus dem Louvre. Die schwarze Spur ist auf den Abbildungen, die ich kenne, nicht zu übersehen. Deutlich wird aber auch der meisterhafte Versuch, sie in die Skulptur zu integrieren - auch wenn er letztlich als gescheitert bewertet werden muss: der Mangel in Marmorblock reichte einfach zu weit nach unten. Die Kunsthistoriker sind sich einig, dass der Christus aus Bassano Romano zu den eigenhändigen Werken Michelangelos zählt.