Ein Blick in das
Kaleidoskop, ein Spielzeug nicht nur aus Kindertagen. Auch ich drehe es und die vielfältigen Formen, die es abbildet, verändern sich, verschieben sich und ergeben ein neues Farbenmuster – flirrend, facettenreich und bei jeder noch so kleinen Bewegung anders.
So könnte auch die Zusammenfassung meiner letzten Rom-Reise lauten: flirrendes Licht über der Stadt, facettenreich die Blicke darauf: neue durch die Anregungen der Mitreisenden, erinnerungsvolle auf Altbekanntes, das sich im Laufe der Jahrzehnte aber natürlich auch verändert hat.
Und so möchte ich meinen Beitrag zum
Römischen Kaleidoskop auch gestalten: an das früher erlebte Rom mich erinnern und neu Kennengelerntes aus meiner Sicht erwähnen und das alles mit meinen Bildern. Es kann sein, dass sich dabei Überschneidungen mit den Berichten der Tre a Roma ergeben, aber diese kleine Abweichung riskiere ich und hoffe, dass es die geneigte Leserin und Leser nicht zu sehr „stört“.
Die Kirche
Santa Passera – eine alte Schönheit, die ich bisher noch nicht gesehen hatte und die wie ein kleines Bauernhaus – zur Entstehungszeit noch vor der Stadt gelegen – anmutet. Keine Heilige ist ihre und die Patronin der kleinen Ausgrabung unter der Kirche, sondern von „Abbas Cyrus“ leitet sich der Name ab, daraus wurde Sant'Abbaciro und im Laufe der Zeit verkümmerte er zu Pacero, Pacera und wurde schließlich zu „Passera“. Verehrt werden hier die beiden Heiligen
Cyrus und Johannes
aus dem alten Ägypten, deren Gebeine nicht mehr in dem Gewölbe unter der Kirche bestattet sind, sondern sich nun in Neapel und in München in der St. Michaels-Hofkirche befinden. Wie schon an
dieser Stelle so treffend beschrieben: welch ein Glück hatten wir, dass der Kirchendiener vor dem Sonntagsgottesdienst noch die Tür zu der kleinen Ausgrabung aufschloss
und wir einen Blick werfen konnten auf die zwar spärlichen aber interessanten Reste der verblassten Bemalung
und des in „Strohtechnik“ gemauerten Gewölbes. Auf C.s Foto kann man noch sehr gut die Struktur des Strohs oder der Binsen erkennen.
(Foto ausgeliehen von C - besten Dank!)
Wie ein buntes Kaleidoskop muteten auch die relativ vielen Besucher des Sonntagsgottesdienstes an: Männer und Frauen aller Altersgruppen, dazwischen ein paar Kinder und Jugendliche – man kannte sich, es wurde nach allen Seiten gegrüßt, fleißig gesungen und mitgebetet – in dieser kleinen Kirche, eine der ältesten in Rom, hatte sich eine muntere Gemeinde versammelt.
Und nach dem Gottesdienst konnten wir dann unter den wohlwollenden Blicken der noch in der Kirche verbliebenen älteren
Signore die vorsichtig restaurierten Fresken in der Apsis der Kirche bewundern:
kostbare Farbsplitter im römischen Kaleidoskop – schön zu sehen in den Fotos des
Santa Passera-Beitrags.
Wenn wir nun schon einmal so „weit draußen“ sind, im Viertel Portuense, so wollen wir noch etwas entdecken, was wir bisher nicht kannten: die „Außenstelle“ der Kapitolinischen Museen, die
Centrale Montemartini. Dazu müssen wir an die Via Ostiense. Erst einmal hieß es warten und warten und warten … aber da kommt er: der 780er-Bus, der uns zur Metro-Station Magliana bringen sollte. Ach herrje – sind denn heute Vormittag alle Bewohner der Außenviertel in der Stadt zum Einkaufen gewesen? Der Bus ist gerammelt voll und wir quetschen uns noch hinein. Auf die vorsichtige und höfliche Frage, ob wir „denn richtig wären zur Metro-Station Magliana, wir wollen in die Via Ostiense“ kommen die unterschiedlichsten Antworten und es ist auch nicht auszumachen, ob der Kaugummi kauende und mit Ohrstöpsel verkabelte Busfahrer nun bestätigend genickt oder doch eher genervt reagiert hat ... Bis eine mit prall gefüllten Einkaufstaschen bewaffnete resolute Signora meinte „Scendete quando scendo io – e cosi siete giusti!“
Und dem war so: Wir konnten sogar aus dem rasant die Kurven nehmenden Bus heraus noch einen Blick auf die Kuppel von SS. Pietro e Paolo und das “Colosseo Quadrato“ werfen,
Foto-Ausleihe bei G
- besten Dank dafür :nod:
bevor uns die Metro von EUR-Magliana in ein paar Minuten zur Station Garbatella brachte. Tja, und auf die Frage „wo geht es denn zum Museo Centrale Montemartini?“ haben wir nur bedauerndes Kopfschütteln und ein „non lo conosco“ bekommen...
Aber: wer Augen hat zum Schauen, der entdeckte auch einen kleinen versteckten Wegweiser und so standen wir kurze Zeit später vor dem beeindruckenden Komplex dieses alten ausgedienten Kraftwerkes, das 1912 eingeweiht wurde und die erste öffentliche Einrichtung Roms zur Erzeugung von elektrischem Strom war, benannt nach dem Ökonom und Mitglied der römischen Stadtverwaltung
Giovanni Montemartini. Das Kraftwerk lag damals noch vor der Stadtmauer und das Gelände sollte als Industriegebiet ausgebaut werden. Außer dem Kraftwerk gab es hier die
Mercati generali und ein Gaswerk sowie verschiedene Industrie- und Handwerksbetriebe. Unter Mussolini wurde es im Hinblick auf die geplante Weltausstellung um- und ausgebaut, der Krieg stoppte die Arbeiten und erst 1952 wurde das Gebäude des Elektrizitätswerks, so wie es heute dasteht, fertig. Gut fünfzig Jahre nach Baubeginn war es jedoch total veraltet. Die Stromerzeugung wurde 1963 eingestellt, die Maschinen wurden abmontiert, das Gebäude verfiel. Zum Glück für dieses Monument der Industriegeschichte – und seine Besucher – entschloss sich die städtische Elektrizitätsgesellschaft das Hauptgebäude mit dem Maschinensaal und dem Kesselraum zu restaurieren und etliche Maschinen an ihrem ursprünglichen Platz wieder aufzustellen.
So war ein neuer Kulturraum geschaffen. Und die Kapitolinischen Museen konnten einen Teil ihrer wegen Umbauarbeiten ausgelagerten Skulpturensammlung wirkungsvoll ausstellen, statt sie im Depot verstauben zu lassen. Das Nebeneinander von antiken Kunstwerken und moderner Industriearchitektur hat einen besonderen Reiz und fand großen Anklang und so ist seit 2005 die Centrale Montemartini sozusagen eine Außenstelle der Kapitolischen Museen.
Zur Sammlung, die zum Großteil aus Funden besteht, die bei Ausgrabungen in den antiken Gärten Roms gemacht wurden, werde ich nichts schreiben – das Museum ist schon mehrmals – auch mit sehr eindrucksvollen Fotos – im Forum erwähnt bzw. beschrieben worden (z.B:
hier).
Hier nur eine bunte kaleidoskopische Folge von Bildern aus den Räumen der Centrale Montemartini.
Der Blick ist zur Abwechslung vor allem auf die weiblichen Schönheiten der Sammlung gerichtet und weniger auf die berühmten Herren der Antike.
Und hier noch Ausschnitte aus dem Jagdmosaik:
Und die "großartige Dame" war auch noch da:
Wir verlassen diese beeindruckende Schau -
und während ich das Kaleidoskop drehe,
entdecke ich hier in dieser Gegend an der Via Ostiense ein paar, wenn auch schwach schimmernde aber doch bunte Farbsplitter, die mit der Erinnerung an das Rom vergangener Jahre zu tun haben.
Hier waren früher die
Mercati Generali angesiedelt. Mitte der 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts hatte ich einmal die Gelegenheit, diese Mercati aufsuchen zu dürfen, als Begleitung einer betagten Nonne, die für ein Schwesternhaus mit angeschlossener Pension Obst und Gemüse vom Großmarkt holen fuhr. Es war meine erste Erfahrung mit einem Großmarkt und das Gewusel, das geschäftige Hin und Her, der Lärm und das lautstarke Anpreisen der Waren durch die Händler hatte mich sehr beeindruckt. „Frutta fresca, freschissima - Sorella, venga – venga!“ Schwester Annina wählte bedächtig die Ware aus, prüfte bietola und insalata di lattuga, schaute nach Orangen und Äpfel und ließ sich nicht durcheinander bringen von der Hektik und dem Gedränge. Sie kannte ihre Händler. Nach Abschluss des Einkaufs trugen die Laufburschen die Kisten zum kleinen Transportauto – es war sicher keine
Ape, denn wir waren zu dritt und ich glaube nicht, dass wir alle in einer Ape Platz gehabt hätten – und verabschiedeten sich höflich, so wie die Schwester sich mit einem stillen Lächeln für den Gruß bedankte. - Das römische
Erinnerungskaleidoskop hat sich gedreht ...
Von Gabartella aus brachte uns die Metro in „Null-komma-wenig“ zum Kolosseum.
Dort flüchteten wir vor den Menschenmasse hinauf auf den Celio-Hügel. Wie wohltuend: nur einen Steinwurf vom Umtrieb am Kolosseum entfernt breitet sich hier Ruhe aus, mit viel Grün und schönen Ausblicken.
Wir warten noch ein paar Minuten bis die Kirche
Santo Stefano Rotondo geöffnet wird und können dann in aller Ruhe und mit Bedacht diese alte Rundkirche auf uns wirken lassen.
Die dem hl. Stephanus, dem ersten christlichen Märtyrer (
Apg 7,56-60), geweihte Kirche auf dem Hügel Caelius ist
hier bereits ausführlich und profund beschrieben worden. Ich habe sie einfach unter dem Aspekt des Wiedersehens betrachtet:
das schöne Rund mit den 22 Säulen -
die Kapelle der hl. Primus und Felizianus mit dem Gemmenkreuz im Apsismosaik
(

)
und den anschaulichen Bildern vom Martyrium der beiden römischen Brüder, das wahrscheinlich um 304 unter Kaiser Diokletian stattfand
- die aus der Renaissancezeit stammende achteckige Altarinsel mit dem Hochaltar,
der unter anderem dem hl. Stefan von Ungarn geweiht ist. Die Beziehungen Ungarns zur Kirche Santo Stefano Rotondo bestanden bereits seit dem 15. Jhdt. und zuletzt war József Kardinal Mindszenty, der Primas von Ungarn, bis 1975 Titularbischof der Kirche.
Die im 16. Jhdt. geschaffenen Fresken im äußeren Säulenkranz mit den blutrünstigen und qualvollen Darstellungen vom Hingemetzel der ersten christlichen Märtyrer haben mich noch nie lange hinsehen lassen. Angeblich sollen in der Zeit vor der - wegen Baufälligkeit - Schließung der Kirche die römischen Familien mit ihren Kindern am Stephanstag, den 26. Dezember, nach Santo Stefano Rotondo „gepilgert“ sein, um dort die blutrünstigen Bilder zu betrachten – vielleicht als Gegengewicht zum lieblichen Weihnachtsfest...
Seit 1985 ist Santo Stefano Rotondo Titularkirche des deutschen Kardinals Wetter, 2006 konnte die Kirche wieder der Öffentlichkeit zugängig gemacht werden.
Seit mehr als fünfzig Jahren haben sich immer wieder „Freunde“ und Gönner von Santo Stefano Rotondo dafür eingesetzt, dass dieses Schmuckstück unter den römischen frühchristlichen Kirchen restauriert wurde, Ausgrabungen, Umbauten und „Neuanschaffungen“ vorgenommen und seine Bau- und Kunstgeschichte erforscht und ausgewertet werden konnten. - Ende der 1960er Jahre kam ich damit
in Kontakt:
... CENTRUM INTERNATIONALIS PRO RENOVATIONE S. STEPHANI ROTUNDI, des Internationalen Zentrums für die Erneuerung von Santo Stefano Rotondo... Der Idee einer zeitgemäßen Erneuerung des verlassenen, 1500-jährigen christlichen Zentralbaus auf dem römischen Monte Caelio im Geiste der Ökumene ...
so dass mein römisches Erinnerungskaleidoskop sich auch darum und dazu dreht und seine Farben aufleuchten lässt...
Der Weg den Hügel hinab Richtung Kolosseum ist mit diversen Gelaterie bestückt, so dass einer genussvollen Rast nichts im Wege steht. Und dann tauchen wir ein in den sonntäglichen Verkehr auf der auto- aber nicht radfahrerfreien Via dei Fiori Imperiali – hier wird geschlendert, flaniert und gebummelt, fotografiert, mit Blick in Stadtplan und -führer beratschlagt und besichtigt. Erinnerungsfarben drehen sich: der Campanile von S. Francesca Romana taucht auf und die mächtigen Bögen der Maxentius-Basilika. Ihre Ruinen wie auch die Kirche Francesca Romana boten in lauen Sommernächten eine eindrucksvolle Kulisse für die dort stattfindenden Konzerte...
Wir entfliehen dem Trubel auf dieser Zielgeraden Richtung Piazza Venezia und treten ein in den Kreuzgang von
Santi Cosma e Damiano, eine der vielen
Stationskirchen Roms, gebaut in die Reste einer Bibliothek des Forum Pacis, das Kaiser Vespasian errichten ließ. Die Mauern der Kirche sind der einzige heute noch erhaltene Teil davon.
Der größte Schatz der Kirche dürfte wohl das wunderschöne, frühchristliche Apsismosaik sein:
Christus schwebt auf farbigen Wolken, die an die „rosenfingrige Eos“ (oder hier in Rom an Aurora) denken lassen, vom blauen Himmel.
Er ist in Begriff, die Schriftrolle – das Gottesgesetz – an die etwas tiefer stehenden Apostelfürsten Petrus und Paulus zu übergeben, die die beiden Heiligen Kosmas und Damian, die ihre Märtyrerkränze in den Händen halten, zu Christus hinführen. Der Heiligenlegende nach waren sie Zwillingsbrüder aus Syrien und mildtätige Ärzte. Diese Kirche soll nicht ohne „Hintergedanken“ ihnen geweiht sein: sie waren sozusagen der Gegenpart zu Castor und Pollux, deren Tempel nicht weit vom Friedensforum stand, und auch der Kult um Heilgötter wie Apollo und Aeskulap sollte so unterbunden werden.
Ganz rechts sieht man den hl. Theodor (der erst Schutzpatron von Venedig war

(der mit dem Krokodil auf der Säule an der Piazzetta) und dann als Patron nach Brindisi gewechselt hat

), angetan mit einem wunderschönen Mantel (leider ist das Foto davon unscharf :cry

, (Papst Felix IV., der Stifter der Kirche, links außen abgebildet,ist „neueren“ Datums (17.Jhdt.)) Und dann ist natürlich nicht zu übersehen die schöne Schar der Schafe, auch wenn nicht mehr alle „original“ sind, die zum „Wasser des Lebens“, auch als Flüsse des Paradieses gedeutet, kommen und sich um das „Lamm Gottes“ aus der Apokalypse scharen.
Eine weitere frühchristliche Kirche liegt neben der Piazza Venezia:
San Marco. Eine der schönsten Fassaden der Frührenaissance mit einem dreibogigen Portikus ziert die Kirche, die zum Palazzo Venezia gehört, der ehemaligen Niederlassung der
Serenissima Repubblica di San Marco in Rom.
San Marco und der Löwe gehören auch hier zusammen.

Und auch hier, in dieser relativ dunklen Kirche mit ihrer blau-goldenen Kassettendecke wieder ein eindrucksvolles Apsismosaik.
Hier zeigt es Christus auf Goldgrund, segnend und das Buch der Göttlichen Botschaft in der Hand, umgeben von Heiligen, ganz recht die hl. Agnes, die „beiden Markus“ (der hl. Papst Markus und der Kirchenpatron Markus der Evangelist) direkt neben Christus und ganz links Papst Gregor IV., der „Stifter“ mit dem Modell der Kirche und mit dem quadratischen Heiligenschein als noch Lebender dargestellt ist. Auch hier finden sich wieder die zwölf Lämmer*, die aus den Toren des himmlischen Jerusalems zum Lamm, „dem Quell des ewigen Lebens“, ziehen.
Schmunzeln musste ich beim Betrachten der kunstvoll verzierten „Fußabstreifer“, auf denen die mit ihrem Namen bezeichneten Figuren stehen...
Ob Isis (oder ist es „nur“ eine ihrer Priesterinnen?) alias Madama Lucrezia, wie sie als eine der „statue parlanti“ vom römischen popolino genannt wurde, wohl neben der Kirche San Marco auch anderes bewacht, was bei ihr abgestellt wird?
Und nun springen wir schnell in die Tram 8 um nach Trastevere zu fahren. Stop: oft daran vorbei gefahren... was steht in meinem Reclam-Kunstführer von 1965?
„Um 499 wurde über antiken Bauten die Titelkirche S. Chrysogoni errichtet, deren Grundriß und Bausubstanz, eingegangen in einen Neuau des 8. Jhdt., in der um 1924 ausgegrabenen Unterkirche erhalten sind. 1123 errichtete Papst Calixtus II. die bestehende Basilika, die 1618-26 durch Sergio Venturi eine schlichte, wenig qualitätsvolle Barockausstattung ... erhielt. Die Restaurierung von 1866 vermochte den Eindruck des Innern nicht zu verbessern.“ Vielleicht habe ich deshalb selten hineingeschaut... Aber jetzt steigen wir aus und sogar hinab in die die „Unterwelt“ von
San Crisogono.
Die Kirche wurde Ende des 5. Jhdt. (und aufVorgängerbauten (zwei, wahrscheinlich sogar drei
ecclesiae domesticae des 2./3. Jhdt.), einem der ältesten
tituli von Trastevere
(titulus Crisogoni neben
titulus Callisti und
titulus Ceaciliae)erbaut. Und entsprechend tief liegen die Ausgrabungen. Über eine Treppe in der Sakristei steigt man hinunter – nach Entrichtung eines kleinen Eintrittsobolus – auf das Niveau der Unterkirche, deren Reste man bei mehreren Grabungen zwischen 1907 bis 1924 zutage förderte.
Gut zu erkennen ist der Grundriss der Vorgängerkirche mit dem Chor- und Altarraum und verblasste, jedoch noch immer schöne Fresken aus dem 8. bis in das 11. Jhdt..
Darunter eines, das den hl. Benedikt bei der Heilung eines Aussätzigen zeigt.
Wunderschön der Marmorsarkophag aus dem 2. Jhdt. mit Motiven aus der Meer-Mythologie. Wem er wohl Raum gab für die letzte Ruhe? Einem reichen Kaufmann, der Geschäfte mit Griechenland machte... Einem Reeder, den es nach Rom verschlagen hatte und der hier verstarb... Sind es Sirenen, die mit ihrer Musik als Helferinnen der Totenklage gelten und ihn auf dem Sarkophag dargestellt begleiten... Aber wahrscheinlicher ist, dass es Nereiden sind, die Seeleuten mit ihrem Spiel unterhielten und Schiffbrüchigen beschützten. Nereiden und geflügelte Putten waren im 2./3. Jhdt. sehr beliebt als „Bootsinsassen“.
Bei den Ausgrabungen stieß man auch auf mehrere gemauerte Becken, bei denen eines davon als Taufbecken verwendet worden sein könnte. Die Vermutungen gehen dahin, dass die Becken ursprünglich zu einer Wäscherei oder Färberei gehört haben, da die
ecclesiae domesticae und die Ursprungskirche mitten in einem Handwerkerviertel lagen.
Die jetzige Kirche hat einen schönen Kosmaten-Fußboden und zwei prächtige Säulenreihen, die das Mittelschiff begrenzen. Die Barockausstattung gab Kardinal Scipione Cafferelli-Borghese Anfang des 17. Jhdt. in Auftrag – überall ist der Borghese-Adler und -Drache zu entdecken.
(Sehr gute Bilder zur Kirche habe ich hier entdeckt.)
Wieder ans Tageslicht zurückgekehrt geht auf der weiten Piazza der Blick noch zur Fassade der Kirche S. Agata,
die eine Rolle spielt bei der sommerlichen
festa de Noantri: die farbige Holzstatue der „Madonna del Carmine“, der Patronin der
Trasteverini, wird an ihrem Festtag im Juli in einer Riesenprozession mit viel Freudenlärm von S. Agata, wo sie aufbewahrt wird, durch die Straßen des Viertels getragen und kehrt für eine Woche in der Basilika S. Crisogono ein, der Kirche der Karmeliter, bevor sie in einer erneuten Prozession nach S. Agata zurückkehrt. Der kürzere Weg wäre ja einfach über die Piazza... aber durch die Straßen des Viertels ist es viel schöner und der Verehrung der Madonna angebrachter. Erinnerungskaleidoskop-Steinchen blitzen auf an ein vergnügtes Volksfest und einen verkorksten Magen nach dem Genuss von Spaghetti alle vongole...
Und darauf einen großen Schluck köstliches kühles Wasser aus dem Nasone an der Piazza vor S. Crisogono.
Der Weg hinauf auf den Grünen Berg gestaltete sich etwas umständlich, da ich der Annahme war, auch ein Bus 116 bringt uns hinauf. Was er auch getan hat, aber nicht auf den Grünen Berg, sondern auf den Gianicolo. Dabei fand ich es erst noch recht schön hinaufgeschaukelt zu werden, vorbei an S. Pietro in Montorio und der Fontana dell'Acqua Paola. Als er allerdings durch das Tor auf das Gelände des Gianicolo fuhr, war mir klar, dass wir aussteigen sollten. Bei einbrechender Dunkelheit sieht alles anders aus, als man es in Erinnerung hat – aber Fußmärsche in Rom sind ja nichts Unbekanntes und als die Mura Gianicolensi bekannte Züge annahm waren wir auch schon – etwas müde und einer kleinen Rast bedürfend - an der Villa Maria angekommen.
Wie könnte man einen Sonntag in Rom beschließen? Der Möglichkeiten sind viele und wir wählten einen klitzekleinen Bummel durch Trastevere, ein Pizza-Abendessen im Cave Canem, mitten im trasteverianischen Gewühle an der Piazza S. Callisto sitzend – wo ehedem ein weiterer der ältesten
tituli Trasteveres war ;-) - und konnten uns so anschließend noch rechtzeitig zum
Abendgebet der Gemeinschaft Sant'Egidio in S. Maria in Trastevere einfinden.
Die
Gemeinschaft Sant'Egidio entstand mitten aus den Studentenunruhen 1968 auf Initiative von Andrea Riccardi (Träger des Karlspreis 2009 der Stadt Aachen, unter Ministerpräsident Mario Monti war Riccardi Minister für Integration und internationale Zusammenarbeit, aber ohne portfolio). Er war damals selbst noch Schüler und wollte zusammen mit einer Gruppe von Gleichgesinnten eine Gemeinschaft gründen mit dem Ziel, gemeinsam auf das Evangelium zu hören und es im alltäglichen Leben umzusetzen. Heute ist daraus eine weltumspannende Comunità geworden, die sich erfolgreich in der Ökumene und der Friedensarbeit in vielen Krisengebieten einsetzt. Der Dienst an Behinderten, Obdachlosen, Kindern aus den Borgate, Kranken und Gefangenen ist ein charakteristischer Aspekt im Leben der Gemeinschaft. Und das, wie vor mehr als vierzig Jahren schon, immer auch noch in Rom. Besonders „berühmt“ ist auch das jährliche Weihnachtsessen mit den Armen, das ihnen in der Basilika S. Maria in Trastevere – was für ein Rahmen für ein Festessen! - aufgetragen wird.
Außer in S. Maria in Trastevere gibt es auch in San Bartolomeo auf der Tiberinsel die Gelegenheit an Gottesdiensten und dem Abendgebet der Comunità Sant'Egidio teilzunehmen. Immer ist jeder herzlich willkommen.
Und auch hier heute wie früher: die wunderschönen Mosaiken der Apsis und des Triumphbogens sind ausgeleuchtet und erstrahlen in ihrem warmen Goldglanz, der ruhige, meditativer Gesang, die Texte der Lesung, die kurze Ansprache und das gemeinsame Gebet. So fühlt man sich auch als Fremder angenommen in dieser herzlichen Atmosphäre, die die Gemeinschaft Sant'Egidio auszeichnet. Es waren relativ wenige Besucher da (sonntags ist am späten Nachmittag ein Gottesdienst, der wohl vom Großteil der Gemeinschaft besucht wird), aber es war ein schöner und richtiger Abschluss dieses Sonntags.
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