Die Brunnen des Pietro Lombardi (I),
Palazzo della Sapienza und Vatikan
3 römische Schwer-Punkte 
Am Montag, dem 11. Februar 2013, setzten Gaukler und ich einen lange gehegten Plan in die Tat um und begannen eine Tour zu den Brunnen Pietro Lombardis aus der zweiten Hälfte der zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts.
Einen Lebenslauf und ein Verzeichnis der Werke (elenco opere) des römischen Architekten Lombardi (1894 bis 1984) in italienischer Sprache findet man hier:
monitor/D -Pietro Lombardi. Neben den Brunnen stammen in Rom u.a. viele Grabkapellen auf dem Campo Verano von ihm. Auch Filmkulissen hat er gebaut, u.a. für
Ben Hur.
Als ich im Januar folgenden Artikel
Piazza Testaccio torna en plen air: via la tettoia del vecchio mercato - Corriere Roma in der Online-Ausgabe des Corriere della sera las, stand fest, dass die Zeit drängte.
Der Artikel berichtet, dass der erste Brunnen Lombardis, der Amphoren-Brunnen an der Piazza dell'Emporio, unterhalb des Aventin, an seinen ursprünglichen Platz an der Piazza Testaccio im gleichnamigen Viertel zurückversetzt werden soll.
Oft war dieser Brunnen, der leider wirklich nur eine bessere Verkehrsinsel ist, mir aufgefallen, aber nie war ich aus dem Bus von oder nach Piramide ausgestiegen, um ihn näher zu betrachten.
Dass römische Brunnen gerne wandern, ist mir klargeworden, als ich mich mit den Brunnen Giacomo della Portas beschäftigte. Den Amphoren-Brunnen wollte ich nun noch vor seinem Umzug photographieren.
Der Brunnen ist, wie gesagt, für den
Rione Testaccio geplant worden. 1921 wurde das aufstrebende Viertel aus dem Rione Ripa ausgegliedert und erhielt als Kennzeichen die Amphore. Dort befindet sich der
Monte Testaccio, der in Jahrhunderten aus den Scherben zerbrochener antiker Amphoren aus dem römischen Hafen am Tiber entstandene Hügel.
1925 ging Pietro Lombardi als Sieger aus einem Wettbewerb für einen an der Piazza Mastro Giorgio (heute:
Piazza Testaccio) zu errichtenden Brunnen hervor. Dieser wurde 1927 (verschiedentlich wird auch das Jahr 1926 genannt) aufgestellt, aber bereits 1935 an die
Piazza dell'Emporio versetzt, als ein gedeckter Markt errichtet wurde.
Der Brunnen ist in einem traurigen Zustand. Im Gegensatz zu früher kommt auch kein Wasser mehr aus dem Berg von Amphoren in seiner Mitte.
Hier das Projekt zur Neugestaltung der Piazza Testaccio:
www.akaproject.it , PIAZZA TESTACCIO ROMA (Slideshow mit einer Ansicht des Platzes zu verschiedenen Jahreszeiten.) Wir würden uns sehr freuen, einen schön restaurierten und munter sprudelnden Brunnen möglichst bald dort wiederzusehen. :nod:
Nach der Zukunftsmusik hier noch der Link zu einem Video, dessen Beginn den Amphorenbrunnen an seinem alten Standort und in der vollen Pracht seiner jungen Jahre zeigt:
Fontane di Roma - YouTube
1927 gewann Pietro Lombardi einen erneuten Wettbewerb zur Errichtung von 10
fontanelle rionali (Stadtteilbrunnen), von denen 8 noch existieren. Alle sind aus Travertin.
Ein weiterer am Campo Verano wurde 1943 während der Bombardierung des Viertels zerstört. Siehe
diese alte Aufnahme. Ein weiterer, an der Piazza Scossacavalli, fiel dem Bau der Via della Conciliazione zum Opfer. Er stand dort genau neben einem Brunnen Carlo Madernos, der vor die Kirche Sant'Andrea della Valle versetzt wurde.
Hier auch eine alte Aufnahme dieser
fontanella.
Wir haben unseren Brunnen-Spaziergang am Morgen mit der
an der
Piazza San Marco gleich neben der Piazza Venezia begonnen.
Symbol des
Rione Pigna ist der Pinienzapfen.
Der Name des Viertels stammt von einem riesigen antiken Pinienzapfen (italienisch Pigna), der der Legende nach einst die Kuppelöffnung des Pantheons verschlossen haben soll. Tatsächlich wurde die Skulptur jedoch als Brunnen in den angrenzenden Thermen des Agrippa genutzt. Sie steht heute im Cortile della Pigna in den Vatikanischen Museen.
Ein Pinienzapfen bildet denn auch den oberen Teil dieser
fontanella. Getragen wird er von Blütenblättern, welche immer als Tulpenblätter beschrieben werden. Wasser sprudelt oben aus dem Pinienzapfen sowie aus zwei Hähnen unterhalb der
pigna.
Wir setzten unseren Weg fort zur
in der
Via degli Staderari an der Mauer des ehemaligen Universitätsgebäudes der Sapienza, welches heute das Staatsarchiv (Archivio di stato) beherbergt.
Der Brunnen befindet sich im
Rione Sant'Eustachio. Dieser trägt eigentlich die Zahl VIII, während auf dem Brunnen irrtümlicherweise die Zahl IV zu lesen ist. In der Mitte erkennt man den Hirsch des Heiligen Eustachius, dessen Kirche sich in unmittelbarer Nähe befindet.
Die vier dicken Bücher - zwei davon mit Lesebändchen ausgestattet 8) :thumbup: - sind natürlich eine Anspielung auf die alte Universität im Palazzo della Sapienza. Die Kugeln erinnern an Papst
Leo X. Medici, der der Universität bedeutende Impulse gab.
Am Nachmittag besuchten wir zwei weitere Stadtteilbrunnen, zuerst die
am
Largo del Colonnato, nahe dem Passetto di Borgo hinter den Kolonnaden des Petersplatzes. Motive dieses Brunnens sind drei Papstkronen, gekrönt von einer vierten, und die paarweise angeordneten Schlüssel des Himmelreichs, die Jesus Petrus verliehen hat.
Das Wasser fliesst aus dem oberen Teil der Schlüssel in drei muschelförmige Becken.
Zwischen den drei Schlüsselpaaren befinden sich u.a. das Wappen der Stadt Rom und des
Rione Borgo, ein Berg, über dem ein Stern steht und ein liegender Löwe.
Der letzte Brunnen, den wir gemeinsam aufsuchten, war die
Fontana delle palle di cannone
Sie liegt ebenfalls im Rione Borgo, in der
Via di Porta Castello. Unter einem Travertinbogen sind Kanonenkugeln aufgestapelt und aus einer Maske fliesst das Wasser in ein halbkreisförmiges Becken zu ebener Erde. Der Brunnen war als Pferdetränke gedacht. Er ist eine Anspielung auf den militärischen Charakter des Viertels an der Festung der Engelsburg.
Am Morgen, als wir die Fontana dei Libri besuchten, machten wir auch einen Abstecher zum Palazzo della Sapienza und Borrominis Universitätskirche Sant'Ivo alla Sapienza. Dort gedachte ich einige Details für einen Beitrag im Borromini-Thread zu photographieren. Zum Schutzpatron von S. Ivo alla Sapienza siehe
diesen Beitrag von Claude S.4 hier im Thread.
Palazzo della Sapienza und Sant'Ivo alla Sapienza
Um einen besseren Blick auf den Innenhof und die Kuppel der Kirche zu haben, stiegen wir in die erste Etage hinauf. Zwei Handwerker, eine Magazinarbeiterin des Staatsarchivs sowie im Gang rechts eine Frau, die, wie wir später erfuhren, Kunsthistorikerin und Angestellte des Staatsarchivs im Palazzo della Sapienza ist, waren die einzigen Menschen ausser uns.
Interessiert blickte ich in diesen Raum, dessen Tür zum Gang offenstand - wusste ich doch, dass Borromini höchstpersönlich diese Regale für die Biblioteca Alessandrina entworfen hat! Die Tür stand nur offen, weil offensichtlich Vorbereitungen für eine Konferenz dort stattfanden.
Durch ein Fenster sahen wir in einem anderen Raum ein schönes Deckenfresko.
Schliesslich sprach uns die Frau an, da sie merkte, dass wir voller Bewunderung für das Gesehene waren. Dank Gauklers Sprachkenntnissen entspann sich ein nettes Gespräch, sozusagen unter Archiv-Kolleginnen.

Wir hatten das grosse Glück spontan zu einer kleinen Besichtigung von drei wunderschönen Räumen eingeladen zu werden, der
Biblioteca Alessandrina, der
Aula und der
Aula magna der alten Universität. Antonella Pampalone heisst unsere "Führerin" und hat 2010 ein Buch über den Palazzo della Sapienza mit vielen Photos veröffentlicht, wie sie berichtete. Leider ist es mir bislang nicht gelungen dieses Buch zu erwerben. Ein Versuch bei Feltrinelli schlug fehl und der
Verlag reagiert nicht. (Edit: Inzwischen ist es mir gelungen das sehr gute und vollständige Werk zu erwerben.)
Nach soviel Kunst und Kultur wurde es Zeit auf den Gianicolo zurückzukehren und "meiner"

Pizzeria "Da Simone" einen Besuch abzustatten. Nachdem wir dort einen hervorragenden Mittagsimbiss zu uns genommen hatten, kehrten wir in unser Quartier im Grünen zurück.
Während unserer Abwesenheit waren die beiden abgestorbenen Palmen vor der Haustür entfernt worden. Traurig ragten nur noch die etwa einen Meter hohen Reste der Stämme in die Höhe. Der exotische Käfer hat ganze Arbeit geleistet. :cry: :cry: Siehe:
Rom: Die Ewige Stadt fürchtet um ihre Palmen
Vatikan
Während unserer Rast im Hotel erfuhren wir vom am Morgen angekündigten Rücktritt des Papstes am 28. Februar.
Unter dem Eindruck dieser Nachricht machten wir uns auf den Weg zum Petersplatz, da wir zufällig vorhatten, an diesem Tag die vatikanischen Grotten zu besuchen.
Am Andreas-Pfeiler stiegen wir in die Tiefe. Als extrem störend empfanden wir die wirklich alle zwei Minuten in mehreren Sprachen erklingenden Durchsagen, man befinde sich hier an einem heiligen Ort und werde um Ruhe gebeten. Es befanden sich keine 10 Personen in den Grotten und einzig störend waren diese Durchsagen.
Zum ersten Mal seit Frühjahr 1979 war ich wieder hier unten und stand nach all dieser Zeit erneut am
Grab des von mir besonders geschätzten
Johannes Paul I.
Am Ausgang der Grotten steht diese alte Petrus-Statue mit bewegter Geschichte.
Der Körper ist antik, die linke Hand erneuert und der rechte Arm umgearbeitet, der Kopf hinzugefügt. So wurde die Statue eines Philosophen aus dem 2. Jh. in eine Petrus-Statue umgewandelt.
Dieser Website zufolge ist sie ein Werk von
Nicolò Longhi oder Niccolò de Longhi (1514-1577). Es handelt sich dabei um einen lombardischen Bildhauer aus
Viggiù, der antike Statuen wieder instandsetzte und auch die Trajans-Säule restauriert hat.
Die Statue stand bereits im Quadroportikus des alten Petersdomes. Nach dem Abriss der Fassade 1607 kam sie 1617 in die Grotten. Bis 1949 stand sie in der Kapelle der Madonna Bocciata, danach bis 1979 im Mittelschiff. 1979 erhielt sie ihren heutigen Standort. Für die lateinische Inschrift
IOANNE PAULO II PONTIFICE MAXIMO
HAEC PERANTIQUA PRINCIPIS
APOSTOLORUM STATUA
QUAM PIUS PP. XII A. MCMXXXXIX RESTAURAVERAT
HAC IN SEDE AD NOVAM
DIGNIOREMQUE FORMAM REDACTA
COLLOCATA EST
A. MCMLXXIX
habe ich folgende englische Übersetzung gefunden:
During the pontificate of John Paul II, this very ancient statue of the Prince of the Apostles, which Pope Pius XII had restored in the year 1949, was brought back to a new and more fitting beauty and was set up in this place in the year 1979.
Quelle
In einem alten Führer für die vatikanischen Grotten von 1910, habe ich ein Photo gesehen, demzufolge die Statue früher von Architekturelementen umgeben war, die bei einer Restaurierung entfernt wurden. Es waren dies Reste einer Kathedra, die im 14. Jh. eine Figur Benedikts XII. trug und mit bunten Cosmatenarbeiten verziert war. Zwei Löwen lagen zu Füssen der Statue; sie stammten vom Grab Urbans VI. Ein weihrauchtragender Engel und ein Prophet mit Buchrolle aus der frühen Renaissance standen links und rechts neben Petrus. Im Internet habe ich nur
dieses winzige alte Photo gefunden.
Aus den Grotten traten wir wieder hinaus auf den Petersplatz, auf dem nichts darauf hindeutete, welch historisches Ereignis sich an diesem Tag im Vatikan abgespielt hatte.
S.