Museo Palatino
Die bereits erwähnte Villa Mills auf dem Palatin (vergleiche den Beitrag über die
Loggia Mattei) gelangte 1856 in den Besitz der Nonnen des
Ordine della Visitazione (Orden der Heimsuchung Mariens). Diese verwandelten den schönen Garten voller Rosen in einen Gemüsegarten und das Haus in ein Kloster. Die Fresken der Loggia mit heidnischen Motiven wurden abgenommen und verkauft, die frei gewordenen Flächen teilweise übermalt.
1868 errichtete der Architekt
Francesco Vespignani (der auch das Kloster S. Anselmo auf dem Aventin geplant hat) im Auftrag des Ordens neben der neugotischen Villa einen zweckmässigeren Bau. Die Arbeiten wurden 1870 unterbrochen. Der einzig errichtete Flügel des geplanten Baus ging in die Hand des jungen italienischen Staates über. Die Nonnen lebten hier allerdings noch bis 1905.
Nel 1903 il Governo ancora una volta impone alla Comunità di lasciare il Palatino che, in seguito a scavi archeologici, viene considerato 'monumento nazionale'.
Quelle:
Monastero Della Visitazione SM Roma - Via Galla Placidia
Beim Abriss der Villa Mills 1926 wurde das ehemalige Kloster verschont und der Archäologe
Alfonso Bartoli richtete darin in den 1930er Jahren ein Antiquarium ein, das heutige Museo Palatino.
Während des Zweiten Weltkriegs wurden viele der Materialien, die bei den zahlreichen Ausgrabungen auf dem Palatin gefunden wurden, im Museo delle Terme di Diocleziano aufbewahrt. Am Ende des Krieges kehrte nur ein kleiner Teil der Sammlung dauerhaft auf den Palatin zurück. In den 1990er Jahren wurde das Museum anlässlich des Bimillenniums des Augustus umstrukturiert und umgebaut und auch danach wurde die Ausstellung noch reorganisiert.
Das sehr nüchterne Aussehen des Museums erklärt sich aus seiner Entstehungsgeschichte im 19. Jahrhundert. Ich habe nur dieses eine Foto der Museumsfassade von meinem
Erstbesuch dort Ende Dezember 2009:
10 Jahre später, im April 2019 habe ich das Museo Palatino zum zweiten Mal besucht.
Ausgestellt sind u.a. ganz viele Marmorsorten. Ich fand es interessant die Namen bekannter Sorten mit einem Herkunftsgebiet auf der Karte in Verbindung bringen zu können.
Mitte: Rekonstruktion der Kaiserpaläste auf dem Palatin.
Auch der Apollo-Tempel ist gut zu sehen.
Mitte: Aphrodite-Statue des Typs Hera Borghese aus dem Stadio Palatino
Das wunderschöne Fresko mit der Darstellung des lyraspielenden Gottes Apollo (
Apollo citaredo) gehörte zu einer Wandverzierung im Haus des Augustus.
Diese Terracotta-Tafeln sind auch sehr interessant. Sie gehörten zur Verzierung einer Portikus des Apollo-Tempels neben dem Haus des Augustus und wurden später durch Marmorreliefs ersetzt. Man erkennt u.a. Mädchen, die eine Kultsäule des Apollo schmücken.
Diese prachtvollen Flügel aus weißem griechischen Marmor sind mein Lieblingsobjekt im Palatin-Museum. Sie wurden erst 2008 in einem Graben des zentralen Kryptoportikus der
Domus Tiberiana gefunden. Es waren eigentlich drei Flügel aber nur ein Paar ist ausgestellt. Wahrscheinlich gehörten sie zu zwei etwa zwei Meter hohen Skulpturen der
Victoria, der vergöttlichten Personifikation des Sieges. Ein Vergleich der beiden rechten Flügel hat ergeben, dass die Statuen nicht exakt gleich waren. Ich konnte mich kaum sattsehen an der qualitätvollen Ausarbeitung der unterschiedlichen Federn.
Relief eines römischen Schiffes aus augusteischer Zeit
Wie bereits angekündigt, sind im Palatin-Museum auch die schönsten Fresken aus der Domus transitoria ausgestellt.
An den Seiten des Innenhofs wurden luxuriös eingerichtete Räume mit farbigen Einlegearbeiten, Marmorfußböden, Stuckdekorationen und Fresken mit epischen Darstellungen angeordnet. Die Bildszenen stellen hauptsächlich Episoden des Trojanischen Krieges dar, einem Lieblingsthema Neros. Die schönsten Fresken sind im Museo Palatino ausgestellt. Die Fülle der Vergoldungen in der Bilddekoration sollte eine Verbindung zum goldenen Zeitalter herstellen, das dank Nero wiedergeboren werden sollte.
Ihnen ist eine eigene Abteilung im Museum gewidmet:
Wie die herrlichen Marmorflügel gehören auch die folgenden Marmorarbeiten in
opus sectile-Technik zu meinen Favoriten im Museum:
Das Motiv der oberen Marmorplatte findet man übrigens im modernen Marmorfußboden der Galleria Sciarra wieder!
Foto von 2009:
Hier sehen wir die Reste eines Tigers aus Terracotta. Seine Streifen bestanden früher aus Marmorinkrustationen von denen nur wenig erhalten ist:
Es folgen eine Porträtbüste Kaiser Neros, weitere Porträtbüsten und schöne Gewänder:
Ein ganz besonderer Moment war es auch vor dieser auf den ersten Blick unauffälligen Tafel zu stehen:
Es handelt sich um das Original des sogenannten Spottkreuzes aus dem
Paedagogium auf dem Palatin. Vor dem Pädagogium stand ich zum ersten Mal im September 2018 und habe hier berichtet:
Dort wurden die kaiserlichen Sklaven ausgebildet und auf ihre Aufgaben vorbereitet. Einer dieser Sklaven hat wohl das bekannte "Spottkreuz vom Palatin" in eine Wand des Pädagogiums geritzt. Die frühen Christen scheuten sich Christus darzustellen und benutzen lieber das Christusmonogramm, den Fisch oder den Hirten mit dem Lamm auf der Schulter als Zeichen. Hier aber sehen wir die Karikatur des Gekreuzigten, ausgeführt von einem Nicht-Christen. Es zeigt ein Mischwesen aus Esel und Mensch und davor einen Mann. Die griechische Umschrift lautet auf deutsch "Alexamenos betet seinen Gott an." Diesen Alexamenos verspottet der Urheber des Graffito.
Das Spottkreuz kannte ich von Fotos und wusste auch, dass es sich in dem kleinen Museum auf dem Palatin befindet - aber nicht woher es stammt! Das Graffito wurde 1857 gefunden und von der Wand des Pädagogiums abgenommen. Nach langen Jahren in zwei verschiedenen römischen Museen kehrte es 1946 auf den Palatin zurück! Siehe:
Alexamenos graffito - Wikipedia
Hier die Fotos von September 2018:
Bevor wir das kleine aber feine Palatin-Museum verliessen, kam es noch zu einer netten Unterhaltung mit einer jungen Aufseherin, die eine Zeit lang in Köln studiert hat und ein gutes Deutsch sprach.
Die herrliche Blüte der
alberi di Giuda war eigentlich schon vorbei, aber das folgende Exemplar in Museumsnähe zeigte noch eine Besonderheit der Bäume:
Der Judasbaum ist eines der wenigen in Europa vorkommenden Gehölze, bei denen die Blütenstände an älteren Stammteilen hervortreten (
Kauliflorie) (...)
Quelle:
Gewöhnlicher Judasbaum – Wikipedia