Die letzte Sehenswürdigkeit, die wir mit dem S.U.P.E.R.-Ticket besucht haben, war der sogenannte Tempel des Romulus auf dem Forum. Normalerweise wäre er an unserem Besichtigungstag nicht geöffnet gewesen, aber wenn dort eine Ausstellung stattfindet, ist er auch ausserhalb der regulären Besichtigungstage geöffnet.
Der Romulustempel befindet sich zwischen dem Tempel des Antoninus Pius und der Maxentius-Basilika:
Mich interessierte vor allem seine Kuppel und ich werde diesen Teilbericht noch in abgewandelter Form in meinem Thread über römische Kuppeln einstellen. Doch zunächst ein wenig
Allgemeines zum Tempel des Romulus
Als Tempel des Romulus (Tempio del Divo Romolo) bezeichnet man ihn auch heute noch, weil man ihn früher irrtümlich für das Mausoleum des
Valerius Romulus, den 309 im Kindesalter verstorbenen Sohn von
Maxentius, gehalten hat. Der Rundbau bildete in der Antike den Eingang zum
Friedenstempel. So darf man sich den antiken Zustand vorstellen:
Der Ziegelrundbau, seine Kuppel und seine beiden Seitenräume, die jeweils über einen eigenen Eingang und eine eigene Apsis verfügen, wurden im 6. Jahrhundert zusammen mit Resten des templum Pacis zur Kirche SS. Cosma e Damiano zusammengefasst und als Vestibül dieser Kirche integriert. Dies erklärt den guten Erhaltungszustand. Sein reich dekorierter Haupteingang wird von zwei Porphyrsäulen flankiert. Der Tempel ist durch die original erhaltene, antike Bronzetür verschlossen, deren Schloss immer noch funktioniert.
Quelle:
Tempel des Romulus – Wikipedia
Hier ein Foto von 1856 und weitere alte Ansichten:
Man erkennt gut, dass es zu Ausgrabungen im Bereich des Tempels kam, Anbauten abgerissen wurden und das Portal wieder tiefer, auf seiner ursprünglichen Höhe, angebracht wurde. Der Archäologe
Rodolfo Lanciani war es, der 1897 das antike Portal und die flankierenden Porphyrsäulen an Ihre ursprüngliche Stelle zurückverlegt hat. Der Eingang war im Zuge barocker Umbaumassnahmen zwischen 1632 und 1638 höher angebracht worden.
Damals war auch das Innere durch den Einzug einer Zwischendecke in zwei Geschosse unterteilt worden. Diese wurde erst 1990 beseitigt und seit dieser Zeit kann man sich wieder eine Vorstellung von der ursprünglichen Wirkung des hohen und geräumigen Kuppelraums machen. Im April 2019 fand dort gerade ein Teil der Ausstellung über die Dynastie Severer statt und wegen der zu diesem Zweck aufgestellten Stellwände gelang das nicht optimal.
Doch nun zur Kuppel
Ihr Äusseres hat sich im Laufe der Zeit natürlich verändert. Wie sie in etwa in der Antike ausgesehen hat, haben wir bereits in
diesem Reskonstruktionsversuch gesehen. Es folgt ein Stich von 1582:
Damals stand noch der Campanile von SS. Cosma e Damiano, der in Folge eines Erdbebens im Jahr 1600 eingestürzt ist.
Die Kuppel hat einen Durchmesser von 15 Metern. Wie das Pantheon verfügte der Tempel des Romulus ursprünglich über ein
Opaion. 1633 bekam die Öffnung einen Laternenaufsatz. Die Laterne wurde im Zuge einer barocken Umgestaltung des Romulustempels unter Papst Urban VIII. errichtet. Im Fussboden der Rotunde ist ein Abfluss für das Regenwasser unter dem ehemaligen Opaion erhalten:
Zwischen Kuppel und Laterne befindet sich eine ringförmige Inschrift in lateinischer Sprache:
Sie lautet: URBANUS VIII PONT. MAX. ANNO SALUTIS MDCXXXVIII PONTIFICATUS ANN. XV und wurde zu Ehren von Urban VIII. Barberini im Jahr 1638, dem 15. Jahr seines Pontifikats angebracht. Damals wurden die barocken Umbauarbeiten durch den Architekten Luigi Arrigucci (1575 bis ca. 1647) abgeschlossen.
In der Laterne befinden sich acht bogenfömige Fenster. Darunter erkennt man Stuckdekorationen welche abwechselnd die Barberini-Bienen und die Barberini-Sonne zeigen.
Das Fresko in der Kuppel der Laterne zeigt Gottvater von Engeln umgeben. Wer der Maler war, konnte ich leider nicht herausfinden.
Zur Abrundung dieses Berichts möchte ich noch auf verschiedene
weitere Kunstwerke im sog. Romulus-Tempel hinweisen.
An den Wänden haben sich Reste von Fresken aus dem 13. Jahrhundert erhalten. Sie wurden in den 1990er Jahren restauriert und zeigen grosse, gemalte, bis zu 3 Meter hohe Vorhangdekorationen:
Erhalten ist auch ein besonders imposantes Grabmal aus dem 12. Jahrhundert mit kostbarerer, farbiger Marmorverkleidung:
Darüber ein Fresko der thronenden Madonna mit Kind umgeben von den Arztheiligen
Cosma und Damiano. Wenn man genau hinsieht, erkennt man auch die kniende Gestalt des Grabinhabers, der sich der Madonna anempfehlen lässt. Es handelt sich wahrscheinlich um den 1149 gestorbenen Kardinaldiakon von SS. Cosma e Damiano, Guido Pisano, auch als Guido von Pisa resp. Guido de Vico bekannt. Das Fresko wird dem bekannten
Jacopo Torriti zugeschrieben.
Eine tiefe, kapellenartigen Wandnische ist vollständig ausgemalt. Dargestellt sind im Fresko der Rückwand der thronende Christus umgeben von
Maria Magdalena und
Maria Salome. Teilweise wird das Fresko von einem noch älteren (karolingischen?) Ausmalungssystem durchbrochen.