Römischer Sommer

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Römischer Sommer


Statue "L'Estate",
Piazza del Popolo


Grün ... frisches, sattes Grün ... so weit das Auge sieht!



Nein, wir sind natürlich nicht in „My fair lady“ :D - sondern in der ewigen Stadt: auf deren achtem Hügel, dem Gianicolo. Nicht zählend zu Roms sieben klassischen Hügeln; dafür aber gerade im römischen Sommer umso lebens- und liebenswürdiger. Grün und schattenspendend einerseits unmittelbar gegenüber von Gäste-, Mutter- und Krankenhaus der Salvatorianerinnen die Villa Sciarra; und anderseits hinter der Villa Maria Terrasse und Parkgelände, mit ausreichend bequemen Sitzgelegenheiten und frei zugänglich für alle Hausgäste. Wie viele höchst angenehme Morgen- und Abendstunden, letztere oft bis weit in die Nacht hinein, haben wir dort zugebracht! Römisches Licht ... römische Luft ... einfach zauberhaft.






Hingegen auf unseren Tagestouren, bei sommerlichen Temperaturen und ohne einen einzigen Regentropfen, mussten wir uns den Schatten stets mit Bedacht suchen – vermieden also nach Möglichkeit Wegstrecken en pleng soleil. :lol:

Diesen Ausdruck, der im Laufe der Tage zum geflügelten Wort :thumbup: avancierte, hatte unsere Freundin M. (für Eingeweihte: Doudous Chefin :idea:) mitgebracht. Sie machte unser römisches Trio zum Quartett - oder besser: zu einem vierblättrigen und ergo Glücks-Kleeblatt!




Ebenfalls etwas Grünes :] also ... und zugleich ein Wort bzw. Bild, welches die Atmosphäre unserer Rom-Tage perfekt beschreibt. :thumbup: 8)


Claudes Vogel setzte als mit Abstand erster die Füße auf römischen Boden. Diesen Umstand nutzte sie zum Ausstellungsbesuch in den kapitolinischen Museen: Ritratti. Le tante facce del potere und wird mit einem Beitrag darüber die Themenreihe unseres Reiseberichts eröffnen.

M. und ich trafen am Nachmittag ein, bestückten zunächst unsere Kühlschränke mit allerlei leckeren Sachen - darunter auch Lachsschinken, Honigmelone und San Gimignano - für's abendliche Picknick und spazierten anschließend in der Villa Sciarra durch's Grüne.




Blick hinüber zum Aventin





Irgendwann vor 21.00 Uhr erreichte schließlich auch Simone die Villa Maria: nach einer kleinen Odyssee. :eek: Denn ihr Taxifahrer vom Flughafen erwies sich als unfähig, den Largo Giovanni Berchet zu finden :roll:, weswegen er sie auf dem Viale Trastevere kurzerhand an einen Kollegen übergab :~ (unter Teilung des vorausbezahlten Fahrgeldes von 40,- €).

So war unser Glücks-Kleeblatt nun also komplett und konnte - mit dem im Reisekalender seit langem ersehnten Picknick auf der Terrasse - sein römisches Abenteuer beginnen.

G.




Inhaltsverzeichnis:


Donnerstag, 18. August




Freitag, 19. August



Samstag, 20. August



Sonntag, 21. August


Montag, 22. August


Dienstag, 23. August
 
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Als erste durfte ich den Boden der geliebten Urbs betreten. Da ausgerechnet heute Brückenbauarbeiten angesagt waren, fuhr kein Zug von FCO Richtung Roma intra muros. Dem Ersatzbusverkehr und den damit verbundenen Abenteuern wollte ich mich nicht aussetzen – und so war ich dank des Shuttle noch früher als geplant in unserem „Domizil im Grünen“ angelangt. Dort hielt es mich jedoch nicht lange, denn das Kapitol lockte mit dem zweiten Teil der Ausstellung „I giorni di Roma“.
Eine kleine Enttäuschung gab es: Angesichts des frühen Aufstehens war das Frühstück schon lange vorbei und ich wollte mich in Simones Pizzeria mit einem Stück Pizza für den restlichen Tag stärken. Aber: chiuso per ferie. :?
Mit der Linie 44 ging es dann in die Stadt zur Piazza Venezia, denn eine CIRS war mir schon vor längerer Zeit von Gauki nach Lutetia geschickt worden.







Beim Zusteuern auf das Kapitol fand ich eine offene Tür und neugierig, was sich dahinter verbirgt, trat ich ein. Leider diente der Innenhof als Parkplatz, er enthielt aber bereits einen schönen Brunnen, den ich geschwind ablichtete. Dann ging ich zum nächsten Innenhof – ein wunderbarer Garten, den ich allerdings nicht mehr fotografieren konnte, weil ich zurückgepfiffen wurde. Schade … Das Tor stand wohl nur auf, weil ein Auto beladen werden sollte. Später sah ich dann, dass es sich um den Palazzo Fani Pecci Blunt handelt, der in der 2. Hälfte des 16. Jh. auf Veranlassung des toskanischen Adligen durch Giacomo della Porta renoviert wurde. Viel mehr habe ich allerdings nicht herausfinden können.




Nun ging es aber die Cordonata hinauf, um in die Kapitolinischen Museen zu gehen.
Im Eingangsbereich beeindrucken gleich die an der Wand angebrachten Staatsreliefs.






Viele Photos stelle ich nun nicht mehr ein, denn zu den kapitolinischen Museen gibt es hier schon mehr als genug. Gelohnt hätte sich das für die Bebilderung des Ausstellungberichts, aber leider galt dort Photoverbot. Es durften nur in Bereichen Bilder gemacht werden, in denen keine Objekte der Ausstellung waren – was nicht allen Besuchern klar war, denn es gab wiederholt Diskussionen mit den Aufpassern.



Bei diesem Blick am späteren Nachmittag aus dem Fenster vom Tabularium aus wußte ich: Ich bin wirklich angekommen!






Die Ausstellung gliedert sich in 6 Abteilungen und es waren sehr schöne Objekte vorhanden, allerdings war es manchmal etwas schwierig, den Überblick zu behalten – die Präsentation war nicht optimal und auch innerhalb der Sektionen nicht unbedingt systematisch. Das lag sicher an den räumlichen Verhältnissen in den KM und daran, dass die Werke teilweise in die bestehende Ausstellung integriert werden mußten bzw. Porträts an ihrem angestammten Platz blieben. Zahlreiche Objekte aus der permanenten Kollektion sind für die Zeit der Sonderausstellung in andere Säle verfrachtet worden (die armen Besucher, die dann auf Suche gehen mußten).

Thema der Ausstellung waren die „Gesichter“ der Macht: Porträts aus römischer Zeit. Ein Porträt stellt einen bestimmten Menschen dar, mit individuellen Merkmalen. Trotzdem muß die Frage gestellt werden, wie „wahr“ ein Porträt ist. Selbst wenn es individuelle Züge hat, finden sich auch immer unrealistische Züge.

Im ersten Teil werden das römische Ahnenbild und die Totenmasken thematisiert („Dalla maschera al ritratto“). Verständlicherweise war die Sektion nur klein, da wegen des Materials (Wachs oder Gips) praktisch nichts überliefert ist. Schriftliche Quellen vermitteln Genaueres (Polybios). Derartige Bilder waren bis zur späten Republik Mitgliedern der Nobilität vorbehalten, die mindestens den Rang eines kurulischen Ädils bekleidet hatten und wurden bei der pompa funebris mitgeführt (in dem Falle waren sie teilweise aus Gips und wurden von Schauspielern getragen: Die Täuschung der Betrachter war perfekt, denn da die Toga capite velato getragen wurde, war für den Betrachter nicht zu sehen, dass hier eine Maske zum Einsatz kommt). Damit wurden hohe Abkunft und Alter der Familie dokumentiert (Cicero verweist in seinen Reden darauf, dass er damit nicht aufwarten kann). Es gab auch Köpfe aus Wachs, die im Atrium der domus aufgestellte wurden. Einen guten Eindruck vermittelt der Togatus Barberini.


Die Ahnenbilder, die er in der Hand hält, sind mit unbewegten Gesichtszügen auf den Betrachter hin gerichtet. Es ging vor allem um die Wiedergabe der individuellen Physiognomie wegen der Wiedererkennbarkeit. Diese Besonderheit des – nicht kodifizierten - ius imaginum betraf allerdings nicht den privaten Bereich: In seinem Haus durfte man Bilder aufstellen, von wem auch immer man wollte – es sei denn, es handelte sich um einen erklärten Staatsfeind. :twisted:​
Die Gattung des römischen Porträts wurde lange Zeit auf die Verwendung von Bildern im Totenkult zurückgeführt. Das allerdings trifft sicher nicht zu: öffentlich Ehrenstatuen sind bereits seit dem 4. Jh. v. Chr. belegt und erst später - im 3. Jh. gibt es die Leichenfeiern mit den Totenmasken.

In der 2. Sektion geht es unter dem Titel „Egitto, Grecia e Roma“ um die Frage, ob die Porträts eine genuin römische Erfindung sind. Das wird heute niemand mehr behaupten. Wie hier gezeigt wurde, kamen die Prototypen für römische Porträts aus Ägypten und vor allem aus Griechenland. Besonders die auf der Insel Delos gefertigten Bildnisse hatten großen Einfluß. Bilder nach dem Muster hellenistischer Herrscherbilder wurden in Italien auch aus Terrakotta hergestellt: eine Verbindung griechischer Tradition mit dem Kunsthandwerk der Etrusker. Eine große Rolle spielte das Porträt Alexanders des Großen (das sieht man vor allem an der charakteristischen Haarlocke, der Anastolé, und am Pathos der Kopfwendung - vgl. die Haarlocke des Pompeiusporträts). Porträts von Dichtern und Intellektuellen waren bei den Römern besonders beliebt, konnte man doch durch die Aufstellung derartiger Bilder in seiner domus mit dem eigenen Bildungsniveau protzen. Die politische Führungsschicht war seit dem 2. Jh. v. Chr. begeistert von griechischer Kultur und bevölkerte die Exedren, Gärten und Wandelgänge ihrer Villen, wo sie anstelle des ermüdenden negotium dem otium nachgehen konnten, mit Statuen.



Bild: Archäologisches Nationalmuseum, Neapel


Die Statuenausstattung sollte auch Anregungen zu geistreichen Gesprächen geben. Selbst die Räume des Hauses wurden mit griechischen Namen bezeichnet (gymnasium, bibliotheca etc.). Der Hausherr tauschte in seiner Freizeit gern die Toga mit einem bequemeren griechischen Gewand. Schaut man Porträtbüsten von Römern an, so stellt man fest, dass es neben dem hellenistischen Herrscherporträts ein weiteres Vorbild gab: die Bilder griechischer Philosophen. Wenn der dominus einer bestimmten Philosophenschule angehörte, dann näherte er sein eigenes Porträt in Haartracht und Gesichtszügen der Person an, die er verehrte (s. o.: wie wahr ist ein Porträt). Übrigens bietet der berühmte "Brutus" vom Kapitol immer wieder Stoff für wissenschaftliche Diskussionen - gerade jetzt gibt es eine neue Kontroverse: Claudio Parisi Presicce vertritt die These, dass es sich um ein rekonstruiertes Porträt (ritratto di reconstructione) aus augsuteischer Zeit handelt und nicht um ein Werk aus dem 4./3. Jh. v. Chr.



Der dritte Teil der Ausstellung widmet sich den verschiedenen Typen von Bildnissen („Lo schema delle immagini“). Porträtähnlichkeit der Dargestellten findet man im Gesicht. Pose und Kleidung dagegen hängen von der öffentlichen Rolle ab, die festgehalten werden soll. In der Kaiserzeit gibt es für die statuae pedestres (Standbilder „zu Fuß“) ein Repertoire von Standardtypen:

Die Togastatue: Hervorhebung der öffentlichen Würde (dignitas),




Bilder: Neapel​


oder die Rolle in priesterlicher Funktion (pietas), wenn der Kopf von der Toga verhüllt ist (capite velato).



Augustus von der Via Labicana, Palazzo Massimo alle Terme


Die Panzerstatue: Das bekannteste Beispiel ist der Augustus von Primaporta (Augustus von Primaporta). Im Vordergrund steht die militärische virtus. Hier ist auch das ikonographische Programm auf dem Panzer von größter Bedeutung. In der Ausstellung wurde das am Beispiel der Panzerstatue des Germanicus aus Amelia erläutert (der wohl ursprünglich ein Caligula gewesen sein dürfte).






Darstellung in heroischer Nacktheit. Dieser Typ steht in der Tradition der Porträts der hellenistischen Dynasten und wurde bei den Römern schnell populär.


Claudius (Neapel)​



Natürlich spielte auch das Format eine Rolle: Eine Reiterstatue war erheblich prestigeträchtiger als ein Standbild oder gar eine „verkürzte“ Darstellung wie eine Büste oder imagines clipeatae. In der Kaiserzeit erhielten nur die Kaiser selbst schon zu Lebzeiten ein Reiterstandbild – Privatpersonen konnten erst nach dem Tod auf diese Weise geehrt werden. Das berühmteste Beispiel ist der Marc Aurel vom Kapitol, da er zudem als Bronzeoriginal erhalten ist.






Als Beispiel wurden die Statuen des Marcus Nonius Balbus aus Herculaneum besonders hervorgehoben. Er spielte auch in Rom seine Rolle, war 32 v. Chr. Volkstribun, 20 v. Chr. Gouverneur von Kreta und Kyrene. Belegt sind 10 Statuen in Herculaneum, von denen immerhin 5 erhalten sind und alle genannten Typen repräsentieren. Zwei waren in der Ausstellung vertreten: die Panzerstatue, die am Hafen auf der Terrasse vor den Suburbanen Thermen ausgestellt war, und die Statue in heroischer Nacktheit, die man bei den Ausgrabungen des Theaters gefunden hat. Aber es gibt auch eine Togastatue und ein Reiterstandbild von ihm.




Hier die Rekonstruktion so, wie sie heute in Herculaneum steht.

Imagines clipeatae (Schildbüsten) kommen etwa gleichzeitig in der griechischen wie in der römischen Welt um 150 v. Chr. auf. Leitende Bürger und private Wohltäter erhalten solche Bildnisse; werden quasi „auf den Schild gehoben“ und in dieser Form an öffentlichen Gebäuden angebracht (an der Fassade der Basilica Aemilia oder an Gebäuden am Forum (in der Ausstellung waren Beispiele vom Forum in Cumae zu sehen). Anders als in Griechenland gab es derartige Bildnisse auch an privaten Gebäuden und im Totenkult, wo sie die Funktion der Memoria erfüllen sollen.


Eine andere Gattung sind die Hermen. In Griechenland stellte man Büsten des Gottes Hermes an Straßen, Kreuzungen, Grundstücksgrenzen oder gegenüber der Tür auf: Der Gott sollte für Schutz sorgen. Später ersetzte man den Hermes durch einen Porträtkopf. Auf öffentlichen Plätzen wurden sie für Mitglieder der lokalen Elite, für Dichter, Philosophen, Redner etc. errichtet. In Rom dagegen standen die Hermen nie auf öffentlichen Plätzen, Kaiser wurden nur in seltenen Ausnahmen in dieser Form dargestellt. Meist handelt es sich um Sklaven, Freigelassene oder Mitglieder der Mittelschicht.


Statuen von Frauen waren in der Republik die große Ausnahme – die Ehrung der Cornelia (die Mutter der Gracchen) durch eine Sitzstatue war eine einzigartige Auszeichnung. Das änderte sich nach dem Tod Caesars. Die Frauen des Kaiserhauses erhielten nun ebenfalls Ehrenstatuen im Reichsgebiet. Damit wird auf ihre dynastische Funktion als Mutter, Ehefrau oder Schwester verwiesen. Die Bildnisse haben oft Hochzeit, eine Geburt, den Geburtstag oder die Verleihung eines Ehrentitels als Anlaß.


Es ging weiter mit den Gesichtern der Mächtigen („Il volto dei potenti“). Hier wurde erklärt, wie Privatpersonen aus allen sozialen Klassen in ihrer Darstellung den Kaiser oder Mitglieder des Kaiserhauses nachahmen. Das zeigt sich vor allem in der Kleidung und bei den Frisuren. Im Extremfalle führt das so weit, dass man ein Privatporträt mit einem Kaiserporträt verwechseln konnte. Als Beispiel diente u.a. das Porträt eines Priesters eines orientalischen Kultes, das man lange Zeit für ein Bild Trajans gehalten hat. Der Schuhmacher C. Julius Helius, der in hadrianischer Zeit lebte, ließ sich auf seinem Traueraltar mit einem Glatzkopf und einem Gesicht darstellen, der dem des Vespasian ähnelt. Daran kann man sehen, dass die Bildnisangleichung zwar ein Hilfsmittel zur Datierung von Privatporträts sein kann, aber nicht in jedem Falle zuverlässig ist.
Auch innerhalb der Dynastie kann man eine Angleichung der Porträts beobachten: Man orientierte sich an Herrschern, die vom Volk besonders verehrt wurden. In der julisch-flavischen Dynastie fällt die Ähnlichkeit der Adoptivsöhne mit Augustus auf, was teilweise zu Schwierigkeiten bei der Benennung führt. Ein anderer Fall ist ein Bildnistyp des Septimius Serverus, das die Frisur von Marc Aurel wählt, um durch diese Angleichung seine Macht zu legitimieren.
In dieser Sektion fanden sich auch zahlreiche der normalerweise im Kaisersaal oder in anderen Räumlichkeiten der KM ausgestellten Kaiserporträts. Hier standen sie mal alle zusammen, ergänzt durch Stücke aus anderen Museen. Sehr schön fand ich, dass die Büsten von Zitaten begleitet wurden. So konnte man über Hadrian erfahren, dass auch er als Musiker und Sänger auftrat und auf diesem Gebiet anscheinend einige Begabung hatte. Lucius Verus sorgte sich sehr um sein blondes Haar: Damit es noch mehr strahlte, bestäubte er es mit Goldstaub. Commodus hat sich Haare und Bart selbst gekürzt indem er sie versengte: Er hatte zu große Angst vor den Barbieren. Diese Einzelheiten berichtet die Historia Augusta – aber natürlich fehlten auch Zitate aus dem Panegyricus von Plinius d. J. oder aus Sueton nicht.


Die 5. Abteilung der Ausstellung widmete sich der Darstellung von Mitgliedern der Kaiserdynastie und Privatleuten im Schema von Göttern („Principi e privati come dei“). Ursprünglich war das allein dem Herrscherhaus vorbehalten (man denke in diesem Zusammenhang an die Apotheose der Kaiser), doch weitete sich dies in der spätflavischen Periode aus – vor allem in Kreisen von Freigelassenen, die durch die Annäherung an einen Gott ihren sozialen Aufstieg dokumentieren wollten. Gerade sie übernahmen die imperialen Repräsentationsmuster – allerdings wurden sie nur im privaten Bereich (oder auf Gräbern) aufgestellt. Immerhin waren die höchsten Götter nach wie vor dem Kaiserhaus vorbehalten. Das gehörte zur Selbstrepräsentation, drückt aber auch den Wunsch nach göttlicher Unsterblichkeit aus. Es gibt eine große Zahl von Göttern, deren Eigenschaften die Principes für ihre eigene Person beanspruchen wollten. Berühmt ist die Darstellung des Commodus als Herkules: Die Qualität der bildhauerischen Arbeit wurde erst mit Bernini wieder erreicht. Auch Mars, Apollo oder Juppiter waren oft das Vorbild für Herrscherdarstellungen. Die Kaiserin erscheint häufig als Venus oder Ceres.


Augustus im Iuppiter-Schema​


Der Blitz im Detail​

Im letzten Teil ging es um die Frisuren der Frauen („Acconciature femminili“). Hier muß man die Virtuosität der Künstler bewundern, die kleinste Details wiedergeben. Überflüssig zu sagen, dass die Frisuren immer extravaganter und komplizierter wurden.


Bild aus dem Palazzo Massimo​


Die persönliche Eitelkeit und Egozentrik zeigten sich bei Kaiserinnen und Prinzessinnen vor allem in der Frisur. Wenn eine von ihnen eine neue Mode lancierte, verbreitete sich das sehr schnell bei Privatpersonen. Die Nachahmung erfolgte in allen sozialen Schichten und im ganzen Imperium: Die Bilder von Mitgliedern der Kaiserfamilie verbreiteten sich sehr rasch im ganzen römischen Reich. Aussehen und tägliche Kosmetik waren für römische Frauen sehr wichtig. Die Weiblichkeit mittleren oder höheren Ranges wandte sehr viel Zeit für die tägliche Toilette auf, wobei gerade bei den Frisuren enormer Aufwand getrieben wurde: Die Frisuren wurden regelrecht aufgebaut mit Perücken, Haarteilen, Haarverlängerung, falschen Locken. Man benutzte Brenneisen, um die Haare in die gewünschte Form zu bringen, Klips, Haarspangen aus Knochen, Elfenbei, Metall und Edelmetall. Zur Verzierung dienten Gemmen, Edelsteine. Die Betrachtung der auf uns gekommenen Porträts erfordert viel Imagination, weil die verschiedenen Farben von Haar, Haarbändern, Diademen, Haarnetzen daran nicht wahrnehmbar sind. Die bevorzugten Haarfarben waren blond und rot – viele Haare aus Germanien wurden zur Perücken und Haarteilen verarbeitet. Mode war aber auch Rabenschwarz – die Haare hierfür wurden aus Indien importiert. Wer sich diesen Luxus nicht leisten konnte, mußte mit den durchaus bekannten Färbemethoden vorlieb nehmen. Um den Besuchern der Ausstellung eine vage Vorstellung von den Farben, Stoffen und dem „drapée“ der Gewänder zu vermitteln standen hinter der Reihe von Büsten im letzten Saal der Ausstellung die Ergebnisse von Arbeiten der „Academia di costume e di Moda“ unter dem Titel „I vestiti nuovi delle Imperatrici“ – sehr interessant, aber leider nicht fotografierbar. Einen Eindruck liefert vielleicht dieser Link:
http://www.museicapitolini.org/didattica/progetti_speciali/i_vestiti_nuovi_delle_imperatrici

Nun hatte ich über vier Stunden in der Ausstellung verbracht und mußte langsam an die Heimfahrt ins Grüne denken: Die Tre a Roma dürften nun bald komplett sein. Doch nicht ohne einen Besuch bei meiner "Favoritin":




Die Venus vom Esquilin; Bernard Andreae hält sie für ein Porträt von Cleopatra, das Caesar im Tempel der Venus Genitrix auf seinem Froum habe aufstellen lassen. Ich habe da so meine Zweifel, der Skandal wäre vermutlich zu groß gewesen.​

Und natürlich brauchte ich auch noch einen Löwen ;):​



Aber nun mußte noch der bei erster Durchsicht als sehr gut eingeschätzte Katalog der Ausstellung gekauft werden. Auch wenn ich des landesüblichen Idioms nicht mächtig bin: Immerhin kann ich die Bilder betrachten und so ganz schlecht ist das Leseverständnis nicht. Und wer weiß: Vielleicht wird der schon seit langem gehegte Plan, diese schöne Sprache zu lernen, ja doch mal umgesetzt. Mit gefühlten 10 Kilo auf dem Rücken marschierte ich zur Bushaltestelle – aber nicht, ohne noch einen Abstecher zum ersten Standort des DAI Rom zu unternehmen.



Das Gebäude steht leer, aber ein Gerüst deutet darauf hin, dass Arbeiten im Gange sind.

Buslinie 44 sollte mich wieder zur Villa Maria bringen. Da ich mich nicht sonderlich gut auskenne, die Absicht auszusteigen aber durch ein Signal an den Fahrer kundgetan werden muß, wollte ich mich mit Haltestellenzählen aus der Affäre ziehen. Raffiniert gedacht, aber die Rechnung ging nicht auf: Zum einen hielt der Bus mangels Bedarf nicht an allen Haltestellen, zum Anderen: Der Busfahrer kannte offenbar seine Strecke nicht. Jedenfalls verfuhr er sich wiederholt und es gab Unruhe unter den Fahrgästen. Am Ende standen drei Passagiere neben dem Fahrer, um ihm den richtigen Weg zu weisen. Schade, dass Gauki nicht mit im Bus war :twisted: :~ …
Immerhin könnte auch das als Erklärung dafür dienen, dass Busse manchmal einfach nicht kommen wollen, wenn man an einer Haltestelle steht und wartet. Ich kam in voller Vorfreude auf das Wiedersehen allen Widrigkeiten zum Trotz schließlich wohlbehalten in der Villa Maria an.

á suivre …

C.
 
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Auf dem
Campo Verano


Zum römischen Hauptfriedhof, ein riesiges Areal an der Via Tiburtina, lassen wir uns gemütlichst schaukeln :thumbup: (und fröhlich leuchtenden Auges hüpft dabei, vor allem an Porta Portese, ein gewisser Saltimbanco :~:~ mit den geschundenen Blattfedern x( :uhoh: des Busses um die Wette ;)) auf den Buslinien 75 und 3 - letztere sehr angenehm klimatisiert: ein noch ziemlich nagelneues Gefährt, eigens für uns. :thumbup: :proud: :smug: ;)

Zudem hat diese Verbindung den Vorteil, dass sie uns am ersten Tag und einfach so im Vorübergleiten :~ ein mehr oder minder intimes Wiedersehen beschert mit einer ganzen Reihe vertrauter Orte: Aventin; Porta Paola, Cestius-Pyramide; Circo Massimo, Palatin und Colosseo; S. Giovanni in Laterano; S. Croce in Gerusalemme ... und schließlich S. Lorenzo fuori le mura.





Allerdings können wir - das hatten wir bereits vorher in Erfahrung gebracht - die Basilika leider nicht besuchen; den ganzen August über nicht. Und als wir dann hinkommen, ist sie sogar noch mehr als geschlossen. :nod:

Ja, wie denn das:?::!::?: :eek:

Nun, sie ist eigentlich geöffnet :roll: ... aber ausschließlich für eine Handvoll der oberen römischen Zehntausend. Denn man feiert dort heute den 57. Todestag von Alcide de Gasperi, im zugleich 130. Jahr seines Geburtstages (Lebenslauf).


Auch die stv. Bürgermeisterin Sveva Belviso (hier mit Amtsschärpe) ist zugegen; Touristen sind demzufolge heute erst recht draußen vor der Basilika anzuleinen. :twisted: ;) :~


Nun, wir überlassen den römischen Polit-Rummel getrost sich selbst, um einzutauchen in das - hier allerdings leider nicht allzu reichliche - Grün :idea: :thumbup::thumbup: und die Ruhe dieser so friedvollen Totenstadt, angelegt zu Beginn des 19. Jh. und den Geist jener Zeit verströmend aus allen Poren. :thumbup:

Der Weg führt uns vom Haupteingang ...




Diesen Lageplan gibt's auch im Internet.



... vorbei am Garibaldi-Grab ...​




... und durch ein erstes großes Gräberfeld hindurch bis hin zur Friedhofskapelle.



Dort wird gerade eine Beisetzung vorbereitet - und als wir später im Vorbeigehen von Nahem einen Blick darauf werfen, wird uns bewusst: Was hier soeben aus dem Leichenwagen gehoben wird, das ist ein Kindersarg. :cry:

Aber offenbar nicht nur Kindern - denn "ved." steht ja wohl für "Witwe" bzw. "verwitwet" - gibt man zuweilen plüschohrige Begleiter bei:







Man beachte auch die Kopfbedeckung dieser Ordensschwester. ;)


Wir folgen der rechter Hand vom Eingang gelegenen Gräbergalerie, lesen Namen und Jahreszahlen; tauschen immer wieder unsere Gedanken aus über Zeitläufte, Lebenszeiten und Umstände: Mütter, zu früh ihren Familien entrissen; junge Soldaten und hohe Militärs: als große Kriegshelden gefallen auf irgendeinem Schlachtfeld - und von ihren Angehörigen ganz einfach als geliebte Menschen betrauert.


Hier ist ein Admiral für immer vor Anker gegangen.​



Familientragödie in einer typischen Darstellung des 19. Jh. - und doch in gewissem Maße zeitlos:






Wir stoßen auf eine ganz ähnliche Szenerie wie auf dem cimitero acattolico:
Imitation eines römischen Altars: eine der Antike (auch bzgl. der Kleidung) nachempfundene Abschiedsszene zum Tode der Ehefrau und Mutter Elisa Temple (1771-1809) aus Massachusetts. Ein Engel mit gesenkter Fackel führt sie fort; ihre Familie bleibt in tiefer Trauer zurück.

Auch hier, auf dem Campo Verano, verweist vor allem die Kleidung, antiker Manier angeglichen, auf das klassische Vorbild zurück; anders als dort jedoch hier eine hoffnungsvolle Geste:


Die Rechte des Engels weist gen Himmel , wo die Familie wieder vereint sein wird; und die Fackel/der Zweig in seiner Hand ist nicht zum Boden gerichtet.




Weitere Grabmale und/oder bildliche Darstellungen in der Gräbergalerie:







Nicht selten geleitet ein Engel die Verstorbenen.





Ein Gefallenen-Denkmal:​









Dann steigen wir hinauf zum oberen Teil des Geländes, wo wir auf diesen Wasserturm stoßen; darunter befindet sich ein tiefer Brunnen, der sämtliche Wasserstellen des Friedhofs speist.




Dort oben, auf dem sog. Pincetto, befinden sich viele aufwendig, zumeist im Jugendstil, gestaltete Mausoleen.
Wir haben gerade erst begonnen, sie zu betrachten, da erleben wir eine Überraschung: Dieses Auto kommt angefahren ...


... und ihm entsteigen zwei Friedhofsangestellte, welche uns freundlich, aber energisch klar machen, dass man eine Genehmigung benötige, um diese exklusive Totenstadt der Reichen und Mächtigen zu photographieren. :eek: Und nein, diese Genehmigung werde durchaus kostenlos erteilt - aber es müsse einer von uns für die ganze Gruppe unterschreiben, dass wir unsere Bilder nicht publizieren, weder im Internet noch sonst irgendwo.

So also kam Claude, die als einzige von uns ihren Ausweis (d.h. nicht nur eine Kopie) bei sich hatte, in den Genuss einer exklusiven Autofahrt über den Friedhof: Während einer der beiden Angestellten bei uns blieb, um uns gleichermaßen zu beaufsichtigen wie aber auch freundlich zu unterhalten, nahm der andere sie mit zur Überwachungszentrale, um ihren Ausweis zu photokopieren und das wertvolle Dokument auszustellen (es gibt dort zahlreiche Monitore, so erzählte sie uns später; und auf einem davon habe man uns wohl ausgemacht, als wir diesen Teil des Friedhofs betraten). Und so kommt ihr alle hier nun eben nicht :p :] in den Genuss der schönen Photos, die wir anschließend aufgrund dieser unserer Exklusiv-Lizenz :proud: ;) :smug: machen durften.

Tja, da bleibt euch also nur eines: selbst hinauszufahren zum Campo Verano und euch mit eigenen Augen umzusehen auf diesem besonderen Teil des Geländes - es lohnt sich! :thumbup: :nod: :thumbup:


G.
 
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Weil es so schön war, verweilt doch bitte kurz noch mit mir

auf dem
Campo Verano

Diesen Beitrag widme ich Karolina, einer lieben Nicht-Forista, die Ende Oktober/Anfang November 2010 mit Angela, Gaukler und mir über den Dächern von Rom logierte, wie im gleichnamigen Reisebericht nachzulesen.​

Weihnachten 2010 schrieb Karolina mir diese Karte mit den besten Wünschen fürs neue Jahr:​


In Erinnerung an unsere schöne Zeit in Rom hatte sie den Engel vom Campo Verano :idea: als Motiv ausgesucht.​

Als die Tre a Roma den Campo Verano in die Liste der Besichtigungswünsche aufnahmen, dachte ich sofort daran, dass ich unbedingt für Karolina Ausschau nach dem Engel halten müsse. Gesagt, getan und hier ist nun der​

Angelo della notte


für Karolina

Am Ende der rechten Galerie des Quadriportico


hat er sich auf dem Grab von Primo Zonca niedergelassen. Um wen es sich bei Primo Zonca handelt, kann ich leider nicht sagen. Der Künstler, der die Skulptur 1885 für das Grab anfertigte, hingegen ist bekannt. Es handelt sich um Giulio Monteverde (1837 bis 1917).






Lange verweilte ich vor diesem Bildnis, das seine Wirkung auf mich nicht verfehlte.​

Weitere Werke von Giulio Monteverde findet man auf dieser Seite und in der dort verlinkten Fotogalerie. Sehr bekannt ist auch der Engel von Monteverde für ein monumentales Grab in Genua. Eine Kopie jenes Engels soll auch das Grab von Monteverde selbst schmücken. Er starb 1917 in Rom und liegt auf dem Campo Verano begraben. Dieses Grab haben wir nicht gesehen.​

Gipsmodelle beider Engel und noch viel mehr findet man in der Gipsoteca Giulio Monteverde der Heimatgemeinde des Künstlers in Bistagno im Piemont.​

S.
 
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Jugendstil in Rom


Villino Ximenes

Mit der Strassenbahn der Linie 19 machten die Tre a Roma sich vom Campo Verano auf den Weg zum Villino Ximenes, an der Piazza Galeno/Ecke Via Celso gelegen. Die Jugendstil-Villa ist das herausragendste Bauwerk im Viertel Nomentano.​

Wie man auf den Gedanken kommen kann, genau davor eine Tankstelle zu errichten, konnten wir nicht nachvollziehen.​




Hier lebte und arbeitete der 1855 in Palermo geborene und 1926 in Rom verstorbene Bildhauer Ettore Ximenes.
Der Künstler liess die Villa in Zusammenarbeit mit zwei Freunden, dem Architekten Leonardo Paterza Baldizzi und dem Ingenieur Mirabelli, 1902 errichten. Ximenes selbst ist für die Liberty-Dekoration an der Fassade und im Inneren seiner Residenz verantwortlich.​

Auffallend ist sofort die Kombination aus terracottafarbenem, sizilianischem Tuffstein und den eleganten weissen Stuckarbeiten.​

Die Fenster sollen spätgotische Formen aus Sizilien nachahmen und sind mit bunten Majolika-Fliesen, die unterschiedliche pflanzliche Motive zeigen, wie es für den Jugendstil so typisch ist, verziert.​





Besonders gut gefiel mir unter dem Dach der Fries mit den Orangen, die ich zum Auftaktbild für diesen Beitrag gemacht habe.​


Sehr schön auch die Brüstung, der mit einem Flachdach versehenen Villa. Darunter eine Art Loggia, die mit einem Madonnenbild und Engeln ausgeschmückt ist:​



Das mit vier Hähnen und dem Schriftzug (Ruit Hora = Die Zeit läuft) verzierte Türmchen kann man am besten auf dem folgenden Foto (weiter oben im Grossformat) erkennen. Die Hähne laden dazu ein, keine Zeit zu verschwenden.​


Thema des dekorativen Frieses auf mittlerer Höhe der Fassade ist der "Ara dell'Arte" (Altar der Künste). Um einen Altar mit der Aufschrift "Ara Artium" herum gruppiert sich eine ganze Prozession von Gestalten in den unterschiedlichsten Gewändern diverser Epochen von der Antike über die Renaissance bis zur Moderne. Sie stellen Künstler aller Zeiten dar, die einst in Rom tätig waren.​



Die kleinen Gestalten auf den Stufen des Altares sollen die primitive assyrische, ägyptische, griechische und römische ... Kunst darstellen. :eek: 8O​

Auch im Inneren der Villa, die heute einer religiösen Gemeinschaft beherbergt, sind schöne Jugendstilarbeiten erhalten. So z.B. Fresken mit mittelalterlichen Motiven im Eingangsbereich, die Dekoration des Esszimmers (Chrysanthemen-Muster) und des Raucherzimmers (Girlanden und Schmetterlinge). Ein Salon soll mit einer Serie von Gemälden geschmückt sein, auf denen man u.a. Gianlorenzo Bernini, Papst Urban VIII., Kardinal Mazarin sowie eine Büste Ludwigs XIV. erkennen kann. Auch Fenster und kleinere Kunstobjekte im Liberty-Stil sind erhalten.​


Zum Abschluss noch ein paar Bilder von der Seitenfassade an der Via Celso mit dem Eingang zur Villa:​





Edit:
Was ich vorhin zu schreiben vergass ist dies: Von Ettore Ximenes gibt es noch weitere Werke in Rom, worauf vor allem die im Villino Ximeines beheimatete religiöse Gemeinschaft hinweist:​

Tra le sue numerose opere, si possono citare la Quadriga per il Palazzo di Giustizia a Roma, dove realizzò anche il gruppo con il Diritto per il Vittoriano e diversi monumenti nel Cimitero Verano.
Von der Quadriga des Justizpalastes wusste ich bereits vor unserer Reise. Ein gutes Foto der Quadriga befindet sich an letzter Stelle dieses Albums auf der HP des Gerichtes.​



S.
 
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Nach diesen beiden schönen Programmpunkten wurde es erst einmal Zeit für eine Mittagspause.

Mit der Linie 19 fuhren wir weiter zur Piazza Buenos Aires und fanden dort an einer der vier Ecken des im Volksmund Piazza Quadrata genannten Platzes ein Restaurant mit Terrasse, das uns zusagte.
Das "Sesto", Piazza Buenos Aires 1/4 sollte uns nicht enttäuschen. :thumbup:
Man sucht sich an einem Buffet aus, was man möchte: Antipasti, Nudeln, Risotto, Fruchtsalat ... Eine freundliche Bedienung stellte unsere Tabletts mit Essen und Getränken zusammen und wir gingen damit an unseren Tisch.

Nach einem kleinen Eis in der Gelateria gegenüber



mussten wir zum Glück nicht zur Schule :D



:thumbup: :) :eek: :) :thumbup:​

sondern widmeten uns erneut dem Thema​

Jugendstil in Rom


Coppedè-Viertel

Da die Zauberwelt des Gino Coppedè


hier im Forum schon ausführlich vorgestellt wurde (Vergleiche Links im Thread Jugendstil in Rom ), verzichte ich diesmal weitestgehend auf Text und lasse statt dessen Bilder sprechen.


Links und rechts, durch den Torbogen miteinander verbunden, die Palazzi degli Ambasciatori​




An dieser Stelle möchte ich von dem glücklichem Umstand berichten, dass wir auch ein Treppenhaus betreten durften :thumbup::thumbup:​

Während am Eingang des an der linken Strassenseite gelegenen Palazzo degli Ambasciatori Gauki durch das Fenster der Eingangstür in's Innere zu spähen versuchte und sich dabei die Nase an der Scheibe plattdrückte :D, erschien von der Straße her ein freundlicher Hausbewohner und lud uns ein, doch hineinzukommen und uns alles anzuschauen - nur sollten wir bitte beim Hinausgehen die Tür wieder gut hinter uns zuziehen (was wir dann natürlich auch taten).
Auf diese Weise entstanden einige Aufnahmen aus dem Treppenhaus, wie sie so niemals zuvor in unserem Forum gezeigt :proud: 8) werden konnten:​


Rechts der Löwe des Evangelisten Markus​




Leider fehlt eine Aussenaufnahme dieses Teils des Palazzo. :( Mal sehen, ob ich noch bei älteren Aufnahmen eine auftreibe. Die beiden folgenden Bilder sind Aufnahmen vom gegenüberliegenden Palazzo.​



An der Strassenecke erwartete uns dann eine weitere Überraschung.
Dieses Haus befindet sich zwar immer noch in Restaurierung - welche jedoch bis auf das Erdgeschoss soeben abgeschlossen und das Gerüst entfernt worden ist, so dass es sich uns in frischem Glanz präsentierte und wir für das Forum ganz neue Bilder 8) :proud: mitbringen konnten:​




Piazza Mincio mit
Fontana delle Rane
(Fröschebrunnen)​


Piazza Mincio
Villini delle Fate (Feenhäuser)​


Diese Heiligenfigur an den Villini delle Fate
hat ja bereits an anderer Stelle
( OT aus: Römische Hausmadonnen - Seite 2 )
zu m.E. interessanten Diskussionen geführt​


Leider standen wir hier vor verschlossenem Tor (die Via Olona ist nun mal ein Privatsträsschen) :cry:​


und konnten zu unserem grossen Bedauern der vornehmen Römerin mit dem runden Handy :) keinen Besuch abstatten. :(

Vielen Dank für den Hinweis auf verschiedene Beiträge von mir. Einen weiteren kann ich noch hinzufügen und zwar einen aus meiner Feder im Reisebericht der Tre a Roma (Gruppenaccount von Claude, Gaukler und mir). Es finden sich dort noch einige Bilder aus dem Coppedè-Viertel, vor allem solche der "Dame mit dem Handy". (Vergleiche hier) ;)




Statt dessen bewunderten wir diese frisch renovierte Villa, die bei meinem Erstbesuch noch zum Verkauf stand:​



und andere geschmackvolle Objekte:​



In dieser Villa lebte einst Beniamino Gigli

Wir setzten unseren Weg weiter bergab fort und kamen zu noch nicht besuchten Villen:​



Besonders eindrucksvoll dieser Prachtbau mit seinen Fresken:​






Bescheidener diese verlassen wirkende Villa:​



Hier endete unser Streifzug durch das​



Wir stiegen in den nächsten Bus und liessen uns gemütlich zur Piazza Buenos Aires sowie weiter mit der Tram Nr. 19 zur Piazza del Risorgimento bringen.​

S.
 
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An der Piazza del Risorgimento kam es zu dem schon erwähnten Hutkauf für die Hälfte des Glückskleeblattes. M. entschied sich für ein romantisches Modell mit breiter Krempe und Stoffblume, Gaukler für ein sportlicheres Modell mit schwarzem Ripsband. Beide waren nun wohl behütet für die kurze Passeggiata Richtung Petersplatz.

Am Passetto und an den Kolonnaden angekommen liess ich mir den Tiara-Brunnen zeigen, ein Werk von Pietro Lombardi (1894 bis 1984), über dessen Stadtteilbrunnen wir uns kürzlich unterhalten haben. Denjenigen für den Rione Borgo hatte ich trotz ungezählter Besuche im Vatikan noch nicht mit eigenen Augen gesehen.



Die Wasserflaschen wurden mit dem guten Wasser des Brunnens aufgefüllt; auch sonst eignet er sich gut zur Erfrischung ... :~ :~​

Vor uns lag nun der Petersdom, die Schlange war kurz und am Portone di Bronzo vorbei erreichten wir schnell den Portikus von San Pietro.​


Claude, Gaukler und M. gingen in den Petersdom hinein und brachten diese Bilder mit zurück:​



Ich hatte mir eigentlich folgendes Thema als Schwerpunkt vorgenommen:​

Die Bronzeportale von Minguzzi und Manzù
am Petersdom

Diesen Plan zu realisieren stellte sich allerdings als äusserst schwierig heraus. Entgegen meinen Erwartungen waren beide Tore geöffnet. An der Porta del bene e del male (der Pforte des Guten und des Bösen) von Luciano Minguzzi standen beide Flügel offen und waren mit meiner bescheidenen Kamera nur sehr schlecht zu photographieren. Besser wurden da schon die vier unten eingestellten Bilder von Claude.​


Porta del bene e del male von Luciano Minguzzi

Linker Flügel

Die Heiligen Vitale und Agricola
Der Türklopfer hat die Gestalt eines Raubvogels (Sinnbild des Dämons), der mit seinen Krallen eine Taube tötet


Der Heilige Andreas
Deportation von Sklaven


Das Heer der Märtyrer
Kain und Abel sowie der reuige, neben Christus Gekreuzigte



Rechter Flügel

Der Heilige Augustinus, der die Irrlehre besiegt.
Der Türklopfer hat die Form von zwei Tauben in ihrem Nest (Sinnbild der Engel)


Johannes der Täufer tauft einen Einsiedler.
Ein farbiger Bischof spendet einem Soldaten die Kommunion


Das Zweite Vatikanische Konzil mit Johannes XIII., Paul VI. und drei weiteren kirchlichen Würdenträgern
Auferstehung des Lazarus und Tobias mit dem Engel





Porta della morte von Giacomo Manzù

An der "Porta della morte" (Portal des Todes) war der linke Flügel geschlossen und liess sich recht gut photographieren, der rechte hingegen war geöffnet, und die Bilder sind schlecht.​


Giacomo Manzù und Papst Johannes der XIII. waren befreundet. Ich habe eben damit begonnen die Erinnerungen Manzùs an den Papst zu lesen. Danach kann ich sicher im Thread "Römische Kirchenportale" mehr sagen.

Hier also nur ganz kurz ein paar halbwegs brauchbare Bilder. Nach einer erneuten Romreise sehen wir dann weiter!​



Detail aus dem Feld mit Papst Johannes XIII. (unten rechts):​


Wieder auf dem Petersplatz stehend photographierte ich mit mehr Erfolg diese Madonna:


Viele Male hatte ich sie schon betrachtet, aber ihre Geschichte war mir unbekannt, bis ich vor ein paar Wochen dieses Video sah:


Ein langer Besichtigungstag ging zu Ende und zufrieden kehrten wir auf unseren grünen Hügel zurück.


Später sassen wir gemütlich im Ristorante La Piazzetta in Trastevere auf der Terrasse, stiessen mit Prosecco auf den gelungenen Auftakt unserer Erkundungen im sommerlichen Rom an und liessen es uns gut schmecken.
Vielen Dank noch einmal an M. für die Einladung. Insalata Caprese und vor allem die Spaghetti carbonara schmeckten hervorragend. Den Abend liessen wir schliesslich im Garten unserer Residenz auf dem Gianicolo ausklingen und freuten uns auf mehr römischen Sommer. :nod:

S.
 
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San Sebastiano fuori le mura

Wie bereits an anderer Stelle in diesem Forum geschrieben, war ein Ziel des Rombesuchs San Sebastiano ad catacumbas, wo sich die nun als Original erwiesene Büste des Salvator Mundi befindet, deren Kopie ich in diesem Sommer in Sées (Normandie) entdeckt habe.


Die Kirche gehört zu den sieben Pilgerkirchen Roms. Ihren Besuchern wird, wie die Inschrift an der Front verspricht, Ablaß gewährt.


San Sebastiano gehört zum Typ der Coemeterialbasiliken und dürfte, wenn man von den Inschriften ausgeht, aus der Zeit Konstantins stammen. Das Terrain war alles andere als geeignet, um dort eine große Kirche zu bauen, da es stark abfällt. Zudem fielen dem Bau eine Straße, eine Nekropole mit Columbarien und einige ältere Gebäude zum Opfer. Nur der Kaiser als Pontifex Maximus war in der Lage, zum einen in einen alten Grabbezirk einzugreifen und sich zudem über die komplizierten Eigentumsverhältnisse, die dort herrschten, hinwegzusetzen. Da auf der gegenüberliegenden Seite der Via Appia der Palast des Maxentius lag, kann man davon ausgehen, dass der Kaiser hier auch selbst über Besitz verfügte. In der frühchristlichen Zeit hieß die Kirche basilica Apostolorum. In der Tat ist für den Ort „ad catacumbas“ eine Verehrung der Apostelfürsten Petrus und Paulus bezeugt, der liber Pontificalis berichtet gar, die Reliquien der beiden seien unter Papst Cornelius (251-253) an die Via Appia gebracht worden. Deswegen hat man lange Zeit angenommen, die frühen Christen hätten angesichts der Verfolgungen in der Regierungszeit der Kaiser Decius und Valerian die Überreste der Apostel an der Via Ostiensis und am Vatikan an die Via Appia überführt, da ihre Gräber in Gefahr gewesen seien. Das hält sich hartnäckig in Reiseführern und wird auch bei Führungen gesagt. Doch bei aller Grausamkeit der Verfolgungen respektierten die Römer die Gräber: An eine Profanierung war nicht zu denken, denn nach römischer Auffassung waren sie sakrosankt (selbst die Errichtung des ersten Petersdoms stieß auf Protest, weil eine alte Nekropole aufgelassen wurde). Eine Translation der Reliquien war demnach nicht nötig. Allerdings war es den Christen während der Verfolgungen verboten, die Friedhöfe zu betreten, und damit fehlte ihnen der Ort für die Memoria, denn die Apostelgräber waren nun nicht länger zugänglich. Als Ausweg bot sich ein ungehindert zugänglicher Ort an. Dafür bot der an der Via Appia gelegene Ort „ad catacumbas“ an, denn eine Legende erzählt, dass Petrus und Paulus dort einmal zusammen in einem Haus gewohnt hätten. Auf diese Legende bezieht sich eine Inschrift, die Papst Damasus anbringen ließ: „Hic habitasse prius sanctos conoscere (sic) debes“. Das bestätigen archäologische Untersuchungen: Ein Grab der Apostel ist nicht nachweisbar (an der Stelle gab es überhaupt keine Gräber), wohl aber eine Gedenkstätte, welche man in der hier eingerichtet hat (die sog. Triclia. Es handelt sich um einen Komplex, der einen Hof umfaßt, zu dem ein eindeutig heidnisches Mausoleum und zwei Portiken gehörten). Nach der Errichtung der Kirche war diese nicht mehr zugänglich. Sie war aber auch nicht mehr nötig, denn seit der Errichtung der Basilika war die Kirche selbst die Gedenkstätte. An den Wänden der Portiken erhaltene Graffiti aus der Zeit um 250 nennen Petrus und Paulus. Wir konnten sie bei der Führung durch die Katakomben sehen. Erwin Gatz schreibt, dass hier der Ursprung des Festes Peter und Paul am 29. Juni zu suchen ist. Erst als die Gedächtniskulte an den Gräbern der Apostel am Vatikan und an der Via Ostiense aufblühten, verlor der Kult an der Via Appia an Bedeutung und wurde im 8. Jh. durch den Kult des Hl. Sebastian ersetzt, der unter Diokletian das Martyrium erlitten hatte und unter der Kirche bestattet ist. Damit war der Erhalt der Kirche gewährleistet. Da es hier so viele Brunnenfreunde gibt: Sebastian ist der Schutzpatron der Brunnen. Nach Benediktinern, Zisterziensern, Regularkanonikern ist die Stätte heute in der Hand von Franziskanern.
Hier findet Ihr einen Grundriß: http://www.catacombe.org/basilica.html
Allerdings ist in der heutigen Kirche nur das Mittelschiff der ursprünglichen Umgangsbasilika genutzt. Es wurde unter Kardinal Scipione Caffarelli Borghese 1608 barock umgestaltet, vermag aber doch noch einen Eindruck des antiken Raumes zu vermitteln.



Hier die von Carlo Fontana errichtete Capella Albani, die Papst Clemens XI. dem Hl. Fabian erbauen ließ.

Den Typ der Umgangsbasilika hatten wir schon im vergangenen Jahr bei S. Agnese kennengelernt: Die Umgänge nutzte man für die Beisetzung Verstorbener und für die Abhaltung des Totenkults. Beim Betreten der Kirche fällt sofort die prächtige Holzdecke auf, die in einem Feld den Titelheiligen wiedergibt, in anderen Feldern das Wappen von Scipione Borghese und das Papstwappen Gregors XVI.



Gleich am Eingang eine Inschrift, ein Epigramm des Papstes Damasus, welches den hl. Eutychius lobt und seine Martern beschreibt. Es war ursprünglich in der Katakombe am Grab des Heiligen angebracht. Leider weiß man weder, wo dieser Heilige begraben ist, noch Genaueres über sein Leben. Die einzigen Quellen sind das Epigramm und ein Eintrag im Martyrologium Hieronymianum.


In der Seitenkapelle auf der linken Seite befindet sich der Altar mit den Reliquien des Heiligen Stefanus. Er ist verziert mit einer Skulptur des Bernini-Schülers Antonio Giorgetti.


Gegenüber befindet sich in einer Nische der „Salvator Mundi“ , das letzte Werk Berninis. Ich zitiere dafür aus meinem früheren Beitrag:

Nach meiner Entdeckung holte ich mein Bernini-Buch von Charles Avery hervor und fand dort eine Abbildung der Büste – allerdings ohne den Hinweis auf die französische Provinzstadt. Hier wird nur auf eine Büste im Chrysler-Museum in Virginia verwiesen, die mit dem letzten Werk, das Bernini geschaffen hat, identifiziert wird. Bernini war zu dem Zeitpunkt bereits über 80 und wollte sie seiner Gönnerin, Christina von Schweden, aus Dankbarkeit zueignen. Da sie zunächst ablehnte, weil sie kein entsprechendes Gegengeschenk machen könne, vererbte er ihr das Bildnis des „Salvator mundi“. Der Biograph Berninis, Baldinucci, berichtet: „dieses Werk war, wie er sagte, sein liebstes, und es war das letzte, das die Welt aus seiner Hand empfing“. Bernini hat das Werk nicht mehr vollendet : seine Kräfte reichten nicht mehr aus, den Entwurf umzusetzen. Ein Tonmodell wird er noch angefertigt haben können, für die Marmorarbeit brauchte der alte Künstler Hilfe. Überliefert sind Entwurfszeichnugen – das Werk selbst war seit dem 17. Jh. verschollen. Die letzte Erwähung stammt aus dem Jahr 1773 – dann verlieren sich die Spuren.

1972 glaubte man, den Salvator mundi in dem amerikanischen Museum wiedergefunden zu haben. Aber es gab noch eine Version dieses Werks – eben die Kopie in Sées, die ein französischer Freund des Künstlers hatte anfertigen lassen. In der Ausstellung, die Bernini zu seinem 100. Todestag im Palazzo Venezia (1999) gewidmet war, wurde genau diese Arbeit aus Sées als das Original präsentiert.

Allerdings gibt es eine weitere Kopie in S. Sebastiano fuori le mura, die nach den Ergebnissen der Kunsthistoriker das Original sein muß. Dies wurde zuerst 2001 angenommen und scheint heute erwiesen zu sein.

An diesem Punkt angelangt, scheint die „Vaterschaft“ des Salvator mundi geklärt. Doch von all dem einmal abgesehen, wird uns mit der Geschichte des Salvator mundi ein Bild von Gian Lorenzo Bernini überliefert, wie wir es bisher nicht gekannt haben; das rührende Bild eines mächtigen Mannes, dem mehr als ein halbes Jahrhundert lang ganz Rom zu Füßen lag, der verehrt, bewundert und hofiert wurde von vier Päpsten, einem Dutzend von Kardinälen, ja sogar vom Sonnenkönig. Und der am Ende seines Lebens doch nichts anderes tun wollte als das: das Bildnis Jesu zu schaffen, seinen „Liebling.“ „Aus Verehrung.“
30Giorni | Der letzte Bernini und der Salvator mundi (von Pina Baglioni)
Hier seht Ihr Bilder des Originals, die ich nun in San Sebastiano machen konnte:



Leider war es in dem Falle nicht möglich, um die Büste herumgehen, denn sie befindet sich in einer Nische und ist nicht so frei aufgestellt wie in Sées.​

Unter den zahlreichen Reliqiuen von San Sebastiano befindet sich ein Fußabdruck Christi, von dem die "Quo Vadis-Legende" erzählt.


Nach dem Rundgang durch die Kirche wollte Simone zu ihrer persönlichen Passeggiata ins Stadtzentrum zurück. Das restliche Trio ließ sich die Gelegenheit nicht entgehen, die Katakomben zu erkunden. Wieder galt es, das Photoverbot zu respektieren. Wenn man sich vor der Kirche befindet, ist der Eingang rechts.

„Ad catacumbas“ bedeutet eigentlich nur so viel wie „tiefe Stelle“. Diesen Namen erhielt der Ort, weil sich hier eine Grube befand, aus der man Puzzolanerde förderte (den Namen erhielt dieses Material, das man zur Herstellung von „opus caementicium“ braucht, von der am Golf von Neapel gelegenen Hafenstadt). Heute dient uns der Name zur Bezeichnung von unterirdischen Begräbnisstätten. Katakomben sind kein spezifisch christliches Phänomen: Ihre Entstehung hängt mit dem Übergang zur Körperbestattung im 2. Jh. n. Chr. zusammen, die viel mehr Platz beanspruchte. Wenn man die Callistus-Katakomben als Beispiel nimmt, so zeigt sich, dass sie schon in republikanischer Zeit in Benutzung waren, und man kann bis ins 4. Jh. Gräber von Nichtchristen nachweisen. Auch in der Nekropole des Vatikan sind heidnische neben christlichen Gräbern zu finden. Columbarien zur Aufnahme der Aschenurnen reichten nun einfach nicht mehr aus.

Die christlichen Katakomben von San Sebastiano reichen vier Stockwerke tief in das Tuffgestein. Nur ein Teil davon ist für Besichtigungen zugänglich. Interessant waren die Inschriften, die teilweise zwar in lateinischer Sprache, doch mit griechischen Buchstaben geschrieben waren. Im Zentrum befindet sich die Krypta des hl. Sebastian: Die Reliquien befanden sich in einem einfachen Sarg, über dem ein Altar errichtet worden war. Auch hier unten begegnete uns Bernini: Die Büste des Heiligen soll von seiner Hand sein. Leider finde ich sie weder im Werkeverzeichnis noch in meinem Bernini-Buch, wo lediglich ein heiliger Sebastian aus Madrid verzeichnet ist.

Steigt man die Treppe weiter hinab, so gelangt man – 13 Meter unter der Kirche – in die Schlucht „ad catacumbas“, also in die Puzzolangrube, die einst unter freiem Himmel lag, und damit in vorchristliche Zeit. Hier finden sich drei Grabhäuser mit Ziegelfassaden die auf das 1. Jahrhundert zurückgehen. Für eines von ihnen kennen wir sogar den Besitzer: M. Clodius Hermes. Hier sind die Wände reich mit Fresken verziert. Da uns der Zutritt nicht gestattet war, konnten wir diese allerdings nicht vollständig sehen. Die ersten Bestattungen dort erfolgten in Columbarien und waren eindeutig der altrömischen Religion verhaftet. Später ging man auch hier zur Körperbestattung über. Vielleicht wurden auch Christen dort beigesetzt. Die Verwendung von christlichen Symbolen ist aber kein Beweis: Schafträger, Anker oder gar der Fisch sind nicht zwingend als christlich anzusehen. Clemens von Alexandrien empfiehlt diese Symbole gerade mit dem Hinweis darauf, dass sie auch bei Nichtchristen üblich sind. Auch die Szenen an der Eingangswand sind nicht mit völliger Sicherheit Darstellungen biblischer Themen: Ihre Deutung ist höchst umstritten (Peter Lampe). Die beiden anderen Grabhäuser zeichnen sich durch die reiche Stuckdekoration aus. Das mittlere Grabhaus gehörte einem collegium der „innocentores“. Leider ließ uns die Führerin dann doch nicht hinreichend Muße, alle Grabhäuser in Ruhe zu betrachten. Sicher hätte man noch einige interessante Details entdecken können.
Die Anlage wurde in der Mitte des 3. Jh. nicht mehr benutzt: Die Eingänge wurden mit Material zugeschüttet und man errichtete darüber die Gedenkstätte für Petrus und Paulus in der sog. Triclia (s.o.).
Aus den kühlen Räumen in der Tiefe kamen wir wieder ans Tageslicht. Mit einem Sprint erreichten wir gerade noch den Bus – der Fahrer hatte uns offenbar gesehen und war so nett zu warten (manchmal ist es eben auch von Vorteil, wenn es keine minutengenauen Fahrpläne gibt :]). Sonst hätten wir nämlich noch eine halbe Stunde auf der Via Appia zubringen müssen.

Einige Bilder findet Ihr hier: www.catacombe.org

Während der Busfahrt stellten wir unser Programm um dergestalt, dass wir nun zunächst San Paolo fuori le mura besuchten. Auf der Rückfahrt von dort trennten wir uns: Gauki und M. wollten zur Villa Maria zurückzufahren, um eine Siesta zu machen. Ich stieg an der Via Ostiense aus, um mir die Centrale Montemartini anzusehen, die hier im Forum schon häufiger Gegenstand von Bildberichten war.

Deshalb hier nur die Vögelchen, die mir so gut gefallen haben: Sie bildeten die Bordüre des Fischmosaiks (s.u.). Hier vergnügen sich Vögel und allerlei Kleintiere in einer Akanthusranke.




Nun das Fischmosaik:


Die Fragmente stammen aus San Lorenzo in Panisperna, das man 1888 im Garten der Kirche gefunden hat. Einst zierte es den Boden einer Grotte, die 14 m2 groß war und vermutlich zu einer Thermananlage gehört hat. Da hier eine Abdichtung mit wasserdichtem Stuck vorhanden gewesen ist, konnte das Mosaik unter Wasser gesetzt werden. Die Römer hatten eine große Vorliebe für Fische, worüber es jede Menge Anekdoten gibt. Das Wasser sorgte beim Mosaik dafür, dass die Farben leuchtend hervortraten und die Darstellung einen sehr realistischen Zug bekam. Leider sind nur Fragmente erhalten - das Mosaik, dessen Fische auch identifizierbar sind, muß großartig gewesen sein.​

Besonders angetan hatte es mir auch diese Brunnenschale, die in den Gärten des Maecenas gestanden hat und aus der frühen Kaiserzeit stammt:



Beim Verlassen des Museums war eine Erfrischung am nächsten Nasone dringend angesagt und ich fand dieses schöne Exemplar mit der Lupa direkt vor der Tür:​



Und für die Freunde des ÖNPV gab es auch noch das:​


Nachdem auch ich wieder in unserem Heim im Grünen angelangt war, blieb gerade noch Zeit genug für eine kühle Dusche. Mehr verrate ich allerdings noch nicht, denn erst möchten wir erfahren, wie Simone ihre Passeggiata gestaltet hat.

C.
 
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San Paolo fuori le mura






Wovon man nicht reden kann, darüber muss man schweigen.

Dieser berühmte Satz Ludwig Wittgensteins (Abschluss seines Tractatus logicus-philosophicus) drückt in vollkommener und unüberbietbarer Weise mein persönliches Verhältnis zur Kirche des hl. Paulus draußen vor den Toren der Stadt Rom aus. Dieses Gefühl von Überwältigung und staunender Sprachlosigkeit angesichts der gleichermaßen architektonisch wie spirituell so gewaltigen Dimensionen der Basilika erfasst mich jedes Mal von Neuem, sobald ich sie betrete.

Dies schlägt nun also auch durch auf meinen vorliegenden Berichtsteil. Denn bei aller Freude sowohl an der Raumwirkung im Ganzen wie auch an vielen Einzel-Elementen: vor allem dem Apsis-Mosaik (aus dem 13. Jh. - eines der ganz wenigen Ausstattungsstücke, welche den Brand von 1823 überlebt haben), den Papst-Medaillons, dem riesigen Osterleuchter, den Alabaster-Fenstern ... aber nein: Noch nie habe ich mich in der Lage gesehen, davon in Wort oder Bild eine Beschreibung abzugeben. Darum verweise ich insoweit den geneigten Leser auf die Ausführungen bei Kathpedia und bedanke mich herzlich bei meinen Mitstreiterinnen Claude und Simone für einige schöne Photos :thumbup: aus dem Innenraum.



Apsis-Mosaik







Medium 135679 anzeigenOsterleuchter samt einigen Details









Geht es jedoch aus dem Kirchenraum hinaus in den gleichermaßen gewaltig dimensionierten Vorhof, so löst sich des Gauklers Zunge. ;) Und das ist gut so; denn dort gibt es heuer Neues zu vermelden (neu jedenfalls hier im Forum): Zum Paulus-Jahr 2009 wurde das linke Kirchenportal gestaltet als Porta Paolina. Lt. Inschrift hat Papst Benedikt XVI. sie am 28.6.2008 (= Vorabend des Festes St. Peter und Paul) geöffnet; darum dabei sein Wappen und das der Basilika.






Bronzetafeln stellen Szenen aus der Vita des Heiligen dar.









Steinigung des Stephanus; Apg 7, 58: Und die Zeugen legten ihre Kleider nieder zu den Füßen eines jungen Mannes, der Saulus hieß (allerdings trägt er in dieser Darstellung hier besagte Kleider über dem Arm; und es wird dieser Überlieferungsbestandteil aus der Apostelgeschichte durch Paulus' Schriften nicht bestätigt).

Bibelvers darüber: Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei - die größte unter ihnen aber ist die Liebe (1 Kor 13, 13 ).

Bibelvers darunter:




Ich lebe; doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir (Gal 2,20).​






Damaskus-Erlebnis; darunter nochmals der Vers aus dem Galaterbrief (2, 20) auf Griechisch.​






Gal 17, 17 f: (...) ging auch nicht hinauf nach Jerusalem zu denen, die vor mir Apostel waren, sondern zog nach Arabien und kehrte wieder zurück nach Damaskus.
Danach, drei Jahre später, kam ich hinauf nach Jerusalem, um Kephas kennen zu lernen, und blieb fünfzehn Tage bei ihm.






Hinrichtung des hl. Paulus: vermuteter Märtyrer-Tod in Rom; darum über der Szenerie der Engel, welcher den Apostel zum Himmel geleiten soll, mit dem riesigen Palmwedel (= in Heiligendarstellungen Attribut des Märtyrers).


Der Vollständigkeit halber hier nun noch die beiden andere Portale: heilige Pforte ...



... und Hauptportal; damit hatten wir uns ja schon eingehend befasst im Kirchenportal-Thread:
Ponte Sublicio aus, noch ein schöner Blick hinauf zu unserer :proud: ;) Malteser-Botschaft auf dem Aventin.




G.
 
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Passeggiata im Centro storico

Während meine Mitreisenden C., G. und M. die Katakomben von San Sebastiano und San Paolo fuori le mura besichtigten, nahm ich den Bus zurück ins Zentrum und begann meine Passeggiata durchs Centro storico am Largo Argentina.​

Mein erster Weg führte mich in die Via di Torre Argentina 20, in die Bar Pascucci, die ich nun selbst in Augenschein nehmen wollte. (Vergleiche: http://www.roma-antiqua.de/forum/rom_9/bar_pascucci_via_di_torre-17972/)​



Gleich zwei der leckeren, erfrischenden Frullati genehmigte ich mir und stiess in Gedanken mit Pasquetta an. :nod:​

Die Besitzerin ist fast noch netter und freundlicher, als sie schon in dem im zitierten Thread verlinkten Videoclip wirkt. Gern liess ich sie gewähren, als sie anbot, selbst den zweiten (roten) Frullato für mich zusammenzustellen. :thumbup: Das blitzsaubere, angenehme kleine Lokal mit 4-5 Sitzgelegenheiten kann ich wärmstens empfehlen. Auch die Panini und die Pizza calda sahen sehr lecker aus. Auf weitere Besuche dort freue ich mich schon. :nod:​


So erfrischt und gestärkt tauchte ich ein in "mein Terrain" ;) in Rom und genoss die Farben des römischen Sommers. Ich lasse vor allem Bilder sprechen und wähle der Einfachheit halber die chronologische Reihenfolge:​


Bessere Bilder von zwei Hausmadonnen, die schon im einschlägigen Thread vorgestellt wurden.
Ich werde die Bilder noch dort einstellen.​


Römischer Sarkophag als Brunnen hinter dem Palazzo Altieri.​


Schöne Portale und Blick in einen begrünten Innenhof​


Beli blinzelte mir fröhlich zu ;) und schien gar nicht betrübt in seinem "Käfig".
Im Gegenteil, er genoss den Schatten in der sommerlichen Hitze und freute sich auf die kommende Kur.
An diesem Tag war niemand dabei ihn zu "schrubben".
Ich richtete Grüsse von sira aus und kündigte ihm für den kommenden Tag mehr lieben Besuch an ... :~ :~ :~​


Weitere Hausmadonnen am Rande meiner Passeggiata:​


Ich lenkte meine Schritte zur Piazza in Campo Marzio und wusste nicht, ob ich enttäuscht sein sollte oder mich freuen sollte.​

In meinem letzten Rom-Reisebericht (korrekte Verlinkung folgt noch) von Ende Dezember 2010 steht dieser Satz:​

Leider habe ich kein Foto davon, ebensowenig, wie vom Palazzo Nari an der Piazza, dessen altersbraune Fassade hoffentlich nicht renoviert wird, bis ich sie doch noch fotografiert habe.​
Tja, was soll ich sagen ... Er wird renoviert und zwar seit Januar und bis April 2012. Diese römischen Farben werde ich nicht mehr zu sehen bekommen. Ich wünsche dem Palazzo, der es, objektiv gesehen, wirklich nötig hatte, eine gelungene Restaurierung.​



Fast ein Fremdkörper an der Piazza, der mir auch immer schon gefiel und der irgendwie an Venedig denken lässt, ist dieser Palazzo, von dem ich keinen Namen und keine Bauzeit finden konnte:​



Im Vorhof von Santa Maria della Concezione in Campo Marzio warf ich, wie im Winter bereits, einen Blick durch die Glastür in den dem Publikum verschlossenen Innenhof. Der Sperrholzzaun steht immer noch und auch an der Chiesa San Gregorio Nazianzeno mit dem romanischen Campanile wird gearbeitet:​


Ich liess mich durch die Gässchen treiben und kam zur Rückseite des Palazzo Nari und der Piazza delle Coppelle, wo ein letzter Marktstand gerade abgebaut wurde und die Tische eines Ristorante bereits für den Abend gedeckt waren:​


Die Via delle Coppelle kannte ich, aber an der kleinen Piazza delle Coppelle mit dem pistaziengrünen Haus war ich noch nie. So hält Rom immer wieder kleine Überraschungen am Wegesrand bereit! :nod: 8)​




Liberty style an der Rückseite des Palazzo Montecitorio


Weiter ging es an Giolitti vorbei 8O zur Piazza del Parlamento und zur Rückseite (der Nordfassade) des Palazzo di Montecitorio, ab 1902 umgebaut im italienischen Liberty style. Architekt war der Sizilianer Ernesto Basile (1857 bis 1932).​


Nannte Pasquetta diese Konstruktion (Mitte) nicht "die römische Seufzerbrücke"? ;)




Gestern erst habe ich im Netz diese HP gefunden, die auch Ettore Ximenes erwähnt. Beide Männer waren Zeitgenossen, Sizilianer, und Basile hat den Villino Ximenes mitgestaltet.

Mehr Jugendstil-Elemente finden sich in der Innenausstattung des Palazzo Montecitorio z.B. die Liberty-Glasdecke des Plenarsaales von Giovanni Beltrami, ein 105 Meter langer und 4 Meter hoher Fries mit allegorischen Darstellungen der Geschichte Italiens von Giulio Aristide Sartorio, der "Transatlantico"-Saal, dessen Inneneinrichtung wiederum von Basile stammt ...). Schöne Eindrücke vermittelt sicherlich der Bildband "Palazzo Montecitorio. Il palazzo liberty"​

* * * * * * * * * * * * * *

Inzwischen machte mir die Hitze etwas zu schaffen. Es wurde Zeit für eine Pause. Ich kam zum Corso, durchquerte eine Passage mit einem leider geschlossenen Café und stand an der Baustelle Piazza San Silvestro.​


Der Nasone funktionierte :thumbup: und ich füllte meine Wasservorräte auf:​


Vor mir lag die Chiesa San Silvestro in Capite. Schon x-Mal hatte ich mir vorgenommen, sie zu besuchen, nun war es soweit. Bevor ich im schattigen Innern Erholung suchte und fand, bewunderte ich den wunderschönen Innenhof mit den zahlreichen vermauerten Spolien und anderen dekorativen Elementen. Ausser dem Küster, der ein Blumenarrangement am Brunnen goss, einem Obdachlosen und mir war kein Mensch dort.​





Im kühlen, dunklen Kirchenraum sass ich lange ebenfalls fast allein und lauschte der Probe einer jungen englischsprachigen Musikerin für ein Konzert. Sie spielte Gitarre und sang dazu.​



Ich kehrte zum Corso zurück und photographierte weitere Zeugnisse des italienischen Liberty style.​

Liberty style
am ehemaligen Palazzo della Rinascente


Giulio de Angelis errichtete das Gebäude zwischen 1886 und 1889 als Bekleidungsgeschäft.
Die erste Firma, die dort ihren Sitz hatte, waren die Magazzini Bocconi.​

und
an der Galleria Colonna (oder Alberto Sordi)





* * * * * * * * * * * * * *

Schnell zog es mich aber wieder hinaus ins sommerliche Rom, das ich dem klimatisierten bei weitem vorzog. Herrlich fand ich Licht und Farben an der Piazza Colonna und der Fontana di Portasanta von Giacomo della Porta, die so ganz anders wirkte als an November-oder Dezembertagen:​




Von der Piazza Montecitorio aus zog es mich noch einmal Richtung Piazza in Campo Marzio.​


Nach wenigen Schritten an der Via di Campo Marzio bog ich nach links in den Vicolo Valdina ab. Über einer, wie mir schien, taufrisch renovierten Fassade lugte der Campanile der Chiesa San Gregorio Nazianzeno hervor:​




Letzte, etwas kunterbunt gemischte, Bilder meiner Passeggiata,
welche ich mit einem doppelten Espresso bei Tazza d'oro ausklingen liess.​



Ich hoffe, es war nicht zu lang und Ihr schliesst Euch den Tre a Roma wieder für den abendlichen Ausflug an.​

S.
 
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I colori dell’Ara

Nach einem guten Abendessen beim „Brillo parlante“ (darüber berichten andere bewährte Berichterstatter) machten wir uns auf zur Ara Pacis, die wir in für uns neuer Form entdecken wollten: bei Nacht und in Farbe.

Während Gauki und M. die laue Abendluft in Tibernähe genießen wollten und die Ara vom Fenster aus betrachteten, beschlossen Simone und ich, uns das Monument aus der Nähe anzusehen, und gingen ins Museum hinein.

Der Friedensaltar bildet mit dem Mausoleum des Augustus und dem horologium, dessen Zeiger – der Obelisk – heute vor dem Palazzo Montecitorio steht, ein Ensemble, das sich im alten Rom auf dem nördlichen Marsfeld befand. Derjenige, der von Norden über die Via Flaminia (heute Via del Corso) in die Stadt kam, konnte diese Denkmäler bewundern, und es ist davon auszugehen, dass der Tumulus des Mausoleums auf den antiken Besucher eine ähnliche Wirkung ausgeübt hat, wie die Kuppel des Petersdoms auf heutige Romreisende.
Änderungen des Bodenniveaus um über 2 m gab es schon in hadrianischer Zeit, worunter besonders der Friedensaltar litt. Die Wirkung der Ara Pacis war nicht mehr die gleiche wie in der Zeit des Augustus, weil man die reiche Dekoration des heiligen Bezirks wegen des Baues einer Schutzmauer nur noch teilweise sehen konnte. Im 2. und 3. Jh. verfiel er zunehmend. Im 13. Jh. diente die Ara Pacis dann gar als Fundament eines S. Lorenzo in Lucina benachbarten Kardinalspalastes. Damit war der Friedensaltar vergessen. In der Renaissance wiederentdeckte Marmorfragmente konnten zunächst keinem Monument zugeordnet werden und gelangten in der Folgezeit an die verschiedensten Orte (u.a. auch in den Louvre). Richtige Ausgrabungen gab es erst zu Beginn des 20. Jhs. Nur indem man zunächst den Untergrund gefror, konnten unter dem Palazzo verbliebene Teile ausgegraben werden: So kam z. B. die Prozession der flamines ans Licht. Wiederaufgebaut wurde der Friedensaltar am Tiberufer. Der 2006 eröffnete Museumsbau des Architekten Richard Meier ist ein gelungener Schrein, um dieses einzigartige Monument angemessen in Szene zu setzen.

Bereits früh hat man Spuren von Polychromie entdeckt, was sich anlässlich von Untersuchungen bei der Neuaufstellung der Ara Pacis erhärtete. In jüngster Zeit hat sich die Forschung wiederholt mit der Farbigkeit antiker Skulptur beschäftigt. Allerdings müssen wir unsere Sehgewohnheiten doch arg ändern. Für die Ara Pacis gibt es seit 2008 Untersuchungen, die auch in den Labors der vatikanischen Museen durchgeführt wurden – es sind jedoch nur sehr wenige originale Farbreste erhalten. So bleibt die durch Projektion von Farben erreichte Rekonstruktion eine Hypothese, die auch gar nicht den Anspruch erhebt, der antiken Realität zu entsprechen. Immerhin kann aber ein Eindruck davon vermittelt werden, wie die Ara Pacis einmal ausgesehen hat. Wir werden noch sehen, dass inzwischen andere Vorschläge diskutiert werden.
Angestrahlt waren die beiden Schmalseiten der Ara, die Nord- und Südseite dagegen nicht.
Die Friese an der Westseite zeigen Ereignisse aus der mythologischen Vergangenheit Roms:

Ein Hinweis zu den Abbildungen: Sie sind nicht ganz scharf, weil die Projektion des farbigen Lichts den Reliefs ebenfalls den Eindruck von Unschärfe entstehen ließ.




Links der schon in die Jahre gekommene Aeneas (capite velato in der Toga, aber ohne eine Tunika darunter zu tragen), der den Penaten ein Trankopfer bringt. Ihm steht ein junger „camillus“ als Opferdiener bei, der eine Schale mit Früchten und Brot trägt. Hinter ihm treibt ein weiterer Opferdiener eine Sau heran. Hinter Aeneas befand sich eine weitere Person, die bisweilen mit Ascanius/Iulus identifiziert wird. Dies ist allerdings nicht ganz unumstritten. Wo z. B. sind die 30 Ferkel, von denen Vergil erzählt? Deswegen ist jüngst vorgeschlagen worden, in der Szene Numa Pompilius zu sehen, den zweiten König Roms, der als Gesetzgeber in die Geschichte der Urbs eingegangen ist. Von ihm die Opferung eines Schweins nach dem Friedensschluß mit der Stadt Gabii überliefert. Diese Deutung würde auch weitere Unstimmigkeiten im Vergleich mit dem 8. Buch Aeneis ausräumen.



Auf der rechten Seite ist – allerdings nur sehr fragmentarisch – die berühmte Szene mit der Wölfin wiedergegeben, die Romulus und Remus säugt. Als Rahmen haben wir den „ficus ruminalis“. Die beiden männlichen Gestalten links und rechts sind Mars und der Hirte Faustulus. Das Bild ist mit Hilfe anderer ikonographischer Quellen rekonstruiert.



Auf der Ostseite des Friedensaltars haben wir rechts das am stärksten beschädigte Relief vor uns: Es wird als Darstellung der Roma rekonstruiert, die von zwei Personifikationen begleitet ist. Vermutlich handelt es sich um „honos“ und „virtus“ – die Benennung als „genius populi Romani“ und „genius senatus“ scheint weniger wahrscheinlich zu sein.





Auf der linken Seite findet sich die vermutlich bekannteste der vier Szenen - zudem ist es das Relief, welches am besten erhalten ist. Die Benennung der Figur war in der Vergangenheit oft Gegenstand gelehrter Diskussion: Tellus (Felsen), Ceres (Ährenkranz), Italia, Venus (Gewand) oder Pax waren die Kandidaten. Es herrscht eine gewisse Ambiguität, da die Dame Attribute verschiedener Gottheiten miteinander kombiniert. In jedem Fall aber verkörpert sie Fruchtbarkeit, Wohlstand und Frieden. Mir erscheint die Deutung von Paul Zanker als Pax am plausibelsten, die dann für die Pax Augusta steht. Das würde auch die Schwierigkeit beseitigen, dass andernfalls auf dem Friedensaltar keine Personifikation des Friedens vorhanden wäre. In jedem Fall Auch Anspielungen auf Livia oder Julia könnten durchaus vorliegen: Die beiden Kinder wären dann Verweise auf die beiden Neffen des Augustus, Gaius und Lucius Caesar. Die Vieldeutigkeit war sicher beabsichtigt: Die Interpretation hing dann vom Betrachter ab. Die in einen Chiton gekleidete Frau sitzt auf einem Felsen und hält zwei nackte Kinder in ihren Armen. Auf ihrem Schoß liegen verschiedene Früchte. Zu ihren Füßen sieht man einen Ochsen und ein Schaf. Auf beiden Seiten wird sie von Personifikationen der Landwinde (auf einem Schwan) und der Meereswinde (auf einem Seedrachen) flankiert, die Regen und günstiges Wetter bringen sollen.

Sind die Friese auf der Westseite der römischen Vergangenheit gewidmet, so enthält die Ostseite eine Aussage über die Zukunft: die aurea aetas, die nun unter römischer Ägide bevorsteht: auch die ödeste Landschaft blüht auf und wird grün.

Auf der Nord- und der Südseite der Ara Pacis verläuft im oberen Bildfeld ein Relief, das jeweils eine Prozession darstellt, deren Teilnehmer von Osten nach Westen gehen, also in Richtung des Haupteingangs der Ara Pacis. Es ist, als würde man den Umzug erst von der einen, dann von der anderen Straßenseite aus sehen. Auf beiden Seiten gehen die „familiares“ am Ende des Zuges. Anlaß dieser Zeremonie war entweder die Rückkehr des Augustus aus Gallien und Spanien oder die Weihe des Bereichs, auf dem der künftige Friedensaltar errichtet werden sollte.

Es können auf dem Südfries außer Augustus selbst (capite velato) verschiedene Mitglieder der julisch-claudischen Dynastie und einzelne Würdenträger namhaft gemacht werden. Allerdings ist nicht immer eine hinreichende Sicherheit für die Identifizierung gegeben, so dass auch heute noch unterschiedliche Vorschläge diskutiert werden: Augustus ist die erste Person links, die nicht ganz erhalten ist.


Unbestritten ist die Anwesenheit Agrippas, Freund und Schwiegersohn des Augustus und zweite Mann im Staate. Der kleine Junge, der sich an seiner Toga festhält ist vielleicht Gaius Caesar (wegen der nichtrömischen Kleidung wird auch vorgeschlagen, dass es sich um eine von Agrippa nach einem Feldzug mitgebrachte Geisel aus herrscherlicher Familie handelt). Die nachfolgende Frau wird meist mit Julia identifiziert, es könnte sich aber angesichts der Frisur auch um Livia handeln. Ihr folgt Tiberius:


Hier seht ihr Antonia Minor, die sich ihrem Gatten Drusus zuwendet und den kleinen Germanicus an der Hand hat. Ihr folgen Antonia Maior mit ihren beiden Kindern Gnaeus Domitius Ahenobarbus (der Vater Neros) und Domitia (die Mutter Messalinas). Dahinter Lucius Domitius Ahenobarbus, ihr Mann:


Auf dem Nordfries unten links der kleine Lucius Caesar (?).


Quindecemviri sacris faciundis und Auguren



Septemviri, denen ein Liktor vorangeht.


Nun bleibt noch von dem Teil der Ara Pacis zu berichten, der mich persönlich am meisten fasziniert. Die üppige Vegetation scheint, aus der Ferne betrachtet, mit ihren sich wiederholenden, streng symmetrisch angeordneten Ranken ein rein dekoratives Element zu sein. Allerdings muß man sich fragen, weshalb sie mehr als die Hälfte des Platzes einnimmt und zudem auf Augenhöhe angebracht ist und damit zum genaueren Betrachten einlädt. Die Ökobiologin Giulia Caneva hat über 90 verschiedene reale Pflanzen identifiziert – da Teile des Originals der Ara Pacis fehlen, dürfte die Zahl ursprünglich noch um Einiges größer gewesen sein. Es handelt sich vor allem um Lilien- und Irisgewächse, Orchideen, die aus Zwiebeln oder Knollen entstehen. Es sind Pflanzen, die fest mit der Erde verbunden sind, deren Samen nicht vom Wind zufällig irgendwohin getrieben werden. Nur etwa 15 Pflanzen kommen auf allen 6 Vegetationsfriesen vor, viele sind nur einmal bzw. selten dargestellt. Diese Liebe zum Detail und die Beobachtung, dass die Pflanzen keineswegs zufällig angeordnet sind (Distelgewächse sind immer unten angebracht und es gibt einen „Aufstieg“ zu prächtig blühenden Blumen wie z. B. Lilien), machen plausibel, dass auch hier eine politische Botschaft vorhanden ist, die sich uns aber nicht mehr ohne Weiteres erschließt.





Ein antiker Betrachter war das Lesen der Bilder gewohnt und konnte sie – abhängig von seinem Bildungsgrad – auf einer einfacheren oder komplexeren Ebene dekodieren. Dabei wurde die Lesbarkeit durch die farbige Fassung erheblich erleichtert. Gerade in augusteischer Zeit dienten die Bilder der Kommunikation, wie Paul Zanker in seinem Buch „Augustus und die Macht der Bilder“ gezeigt hat.

Themen des Rankenfrieses sind Fruchtbarkeit, Wiedergeburt, der Prozeß von Werden und Vergehen, die Idee der Ewigkeit, die Harmonie zwischen Einheit und Vielfalt, die Metamorphose. Der Nucleus, aus dem alles entsteht, ist eine Akanthuspflanze.



Der Akanthus ist der Lebensbaum, der heilige Hain, die Weltachse, ja ein Bild für Rom selbst. Davon ausgehend analysiert Giulia Caneva die „Botschaft“ der augusteischen Ranken und kommt zu spannenden Ergebnissen.

Die gezeigte Rekonstruktion der Farbigkeit orientiert sich am Mosaik aus der Ostapsis des Lateranbaptisterium – das Motiv begegnet auch in Ravenna im Mausoleum der Galla Placidia; ein anderes Farbschema wäre das Mosaik aus San Clemente: Hier finden wir einen Goldgrund, was sicherlich byzantinischem Einfluß geschuldet ist. Diese drei Mosaiken sind jedoch aus sehr viel späterer Zeit. Sie zeigen deutlich, wie sich das Christentum die pagane Bildersprache da angeeignet hat, wo sie nicht zu beseitigen war: Im Lateran verweist der Akanthus auf die Wiedergeburt durch die Taufe, in Ravenna verkörpert er die Quelle des Lebens, in San Clemente wird er zum Sinnbild der Auferstehung, indem das Kreuz in seinem Mittelpunkt steht. So komplex wie die Reliefs der Ara Pacis sind diese Bilder allerdings nicht mehr.




Apsis-Mosaik in S. Clemente​



Giulia Caneva vertritt die Auffassung, dass das Blau als Farbe des Himmels zwar für die Reliefplatten in der oberen Hälfte plausibel ist, für die Ranken jedoch weniger. Das Blau wurde zwar bei Landschafts- oder Gartenmalerei (Triclinium der Livia) verwendet, doch das ist ein ganz anderer ikonographischer Kontext, zumal dort auch ganze Pflanzen realitätsgetreu dargestellt werden und nicht Pflanzen, die sich in einem Prozeß von Wiedergeburt und Metamorphose befinden. Sie schlägt als Hintergrund ein dunkles Rot oder Schwarz vor und orientiert sich dabei an pompeianischer Wandmalerei und der Symbolik dieser Farben: Rot als Farbe des Lebens und der Lebenskraft, der Macht und hohen Würde; schwarz war in der Antike durchaus auch positiv belegt als Symbol des Anfangs und der Fruchtbarkeit. Die Ranken selbst waren sicher auch nicht so uniform grün wie es hier der Fall ist, und was die Blüten angeht, so dürfen wir von einer noch erheblich größeren Vielfalt von Farben ausgehen, die dem Betrachter auch die verschiedenen Metastrukturen (z. B. der herzförmige Umriß mancher Rankenfiguren) des Frieses erschließen:




Dies muß man gerade für die schon angesprochenen Metamorphosen der Pflanzen annehmen: Die Ranken und Blüten bestehen aus verschiedenen Pflanzen, die auseinander hervorgehen.

Auch die Tierwelt ist vertreten, allerdings nicht im gleichen Maße wie die Vegetation: Immer wieder findet man in den Ranken kleine Tiere. Im oberen Bereich ist 20 mal wiederholt der mit Apollo verbundene Schwan vertreten, der gerade im Begriff ist, in die Luft aufzusteigen.




Hier auch noch einige Bilder vom eigentlichen Altar im Inneren des eingefriedeten Bereichs:






Wer mag, kann in dem reichbebilderten Buch von Giulia Caneva (Italienisch und Englisch) weitere Details nachlesen.












Nachtrag bzw. Erweiterung:
(...) Beitrag von Orietta Rossini (...) Autorin des "offiziellen" Führers (auch in englischer Übersetzung zu haben) zur Ara Pacis, der sehr gut und zu empfehlen ist.
 
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Leider hat es nun doch eine Weile gedauert, bis unser Reisebericht fortgesetzt wird - aber die Arbeit forderte ihren Tribut - und da ging es in den letzten Tagen hefitg zur Sache. Doch nun kann endlich wieder eine Baustelle aufgehoben werden!

Promenade au soleil

Gestärkt durch ein gutes Frühstück verließen wir unseren grünen Hügel. Es war herrlich, denn der Sommer hatte uns bislang nicht gerade verwöhnt – zumindest in Lutetia.
Gauki und Simone wollten zum sonntäglichen Gottesdienst in S. Maria dell'Anima, während M. und ich einfach nur wünschten, durch die Stadt schlendern. Wir verabredeten, uns später auf der Piazza Navona wiederzutreffen.

Unser erstes Ziel war die französische Nationalkirche San Luigi dei Francesi, deren Fassade ein alter Freund vom ersten Tag gestaltet hat: Giacomo della Porta. Hier wollten wir uns eines der Meisterwerke Caravaggios ansehen, die in der Capella Contarelli zu bewundern sind. Anders als bei meinen vorherigen Besuchen war dort kein Andrang, so dass man die Gemälde mit aller gebotenen Muße betrachten konnte.
Caravaggio erhielt den Auftrag zur Dekoration der Kapelle 1590 im Alter von nur 29 Jahren. Die beiden Seitengemälde entstanden 1599/1600, das eigentliche Altargemälde erst anschließend. Für den Künstler war es der Durchbruch – allerdings machte er sich mit seinem Erfolg auch Feinde.


Das Altarbild zeigt Matthäus, der unter Anleitung eines Engels (der zugleich Anspielung auf das Evangelistensymbol ist) sein Evangelium schreibt. Der Schemel, auf den sich der Evangelist stützt, droht umzukippen – so heftig wendet er sich dem Engel zu, welcher eine Aufzählung zu diktieren scheint (vgl. die Gestik der Hände).


Die Berufung des Matthäus

Christus, der seine Hand in einem Berufungsgestus hebt, tritt zusammen mit Petrus rechts in das Zimmer ein, in dem sich der künftige Apostel mit seinen Kunden befindet und seinem Beruf als Zöllner ausübt. Schaut mal genau auf die Hand Jesu! Sie entspricht derjenigen Adams (und nicht derjenigen Gottvaters) vom Deckenfresko der Sixtina. Auffällig ist der Unterschied in der Kleidung: Tragen Matthäus und seine Kunden die zur Zeit des Malers übliche Kleidung, so sind Christus und Petrus in antike Gewänder gekleidet. Ganz links sehen wir eine Person, die nur darauf konzentriert ist, Geld zu zählen. Der künftige Evangelist ist in der bärtigen Person zu sehen, die vom Lichtschein getroffen wird und fragend auf sich deutet. Aber nein: Irrtum ausgeschlossen.


Martyrium

Dies ist das erste der drei Bilder. Nach der Legende soll Matthäus bei der Feier eines Taufgottesdienstes in Äthiopien ermordet worden sein. Die Vorgaben für dieses Gemälde waren sehr detailliert und Caravaggio hatte seine liebe Mühe, dies umzusetzen, wie sich den unter dem Bild mit Hilfe von Röntgenaufnahmen nachweisbaren früheren Fassungen entnehmen läßt. Im Vordergrund sind der Apostel und sein Henker zu sehen. Dieser hat sich vielleicht unter die Täuflinge gemischt hat, um seine Untat zu begehen: Jedenfalls würde das erklären, weshalb der Mörder nur so spärlich bekleidet ist. Über dem Opfer stürzt ein Engel mit der Palme des Martyrers hinab. Im Hintergrund hat der Künstler sich selbst gemalt und auf diese Weise sein Bild „signiert“.
Faszinierend das Spiel mit Licht und Schatten, das der Künstler uns bietet.

Beim Verlassen der Kirche entdeckten wir diese Marmorplatte, die demjenigen, der für den französischen König betet, einen Ablaß verspricht:


Beeindruckend auch die Dekoration mit diversen Buntmarmorsorten und die raffinierte Zusammensetzung der Marmorplatten.



Auf unserem Spaziergang kamen wir dann auch an Sant'Agostino vorbei. Dort war allerdings gerade Gottesdienst, so dass wir die Pilgermadonna nicht ansehen konnten.

Also spazierten wir am Palazzo Madama vorbei, wo ebenfalls "travaux" im Gange waren. Es war die römische Residenz der Medici – seinen Namen verdankt der Palazzo Margarethe von Parma, der Tochter Karls V., die mit Alessandro de Medici verheiratet war, bevor sie in zweiter Ehe Ottavio Farnese ehelichte. Seitdem Rom die Hauptstadt Italiens ist, befindet sich dort der Sitz des Senats. Wir mußten uns mit der Betrachtung der Fassade zufrieden geben. Im 18. Jh. befand sich hier das Hauptquartier der römischen Polizei, weshalb auch heute noch „la madama“ als Bezeichnung der Polizei dient.


Unser Ziel war nun Sant'Andrea della Valle – Schauplatz des ersten Aktes der Oper Tosca. Leider können wir die Cappella Lancelotti nur durch ein Gitter betrachten. Die Vierungskuppel ist die zweitgrößte Roms nach dem Petersdom. Von innen ist sie mit einer Darstellung des Paradieses geschmückt, die Giovanni Lanfranco 1621 bis 1625 geschaffen hat. In der Apsis finden wir ein Bild der Kreuzigung des Andreas.





Von dort spazierten wir gemütlich weiter bis zu den Resten des Pompeiustheaters, von dem nun wirklich nicht viel übriggeblieben ist. Immerhin kann man den Grundriß noch am Straßenverlauf und an den Häuserfronten ausmachen. Auf dem Campo die Fiori war leider kein Markt und da es Sonntagmorgen war, war auch noch nicht so viel Betrieb.

Nicht weit entfernt ist der Palazzo Spada mit seiner wunderschönen Stuckdekoration, die ihre Anregungen in der Antike fand. In Nischen finden sich römische Helden und Kaiser, Gestalten aus der Mythologie. Es gibt zahlreiche Ornamente und Fruchtgirlanden, die an die Girlanden an der Ara Pacis erinnern. An einer Wand präsentieren nackte Jünglinge die Wappen von Papst Julius III. und des französischen Königs.



Die von Borromini erbaute Kolonnade, die man von der Bibliothek aus sieht (wir konnten sie nur durch ein Fenster betrachten) scheint endlos zu sein, ist in Wirklichkeit nur 8 m lang. Aufgrund der optischen Täuschung, scheint man aber eine 37 m lange Kolonnade vor sich zu haben – diese Wirkung wird erzielt, indem der Boden ansteigt, das Gewölbe niedriger und der Gang insgesamt enger wird.


Der Weg zur Piazza Navona führte uns am Palazzo Farnese vorbei, Sitz der französischen Botschaft. Leider hatten meine Bemühungen um eine Besichtigung wegen der Sommerpause keinen Erfolg. Hier wurden die kolossalen Skulpturen aus den Caracalla-Thermen aufbewahrt, bevor die Sammlung Farnese nach Neapel kam. 1894 wurde der Palazzo an Frankreich verkauft. Mussolini erwarb ihn für Italien zurück, der ihn jedoch 1936 für die symbolische Miete in Höhe von einer Lira für die Dauer von 99 Jahren an Frankreich vermietete.


An S. Maria della Pace mit der wunderbaren Barockfassade vorbei gingen wir zum Treffpunkt auf der Piazza Navona.

Auf diesem Bild sieht man wunderbar den Turm der Anima:


Wir ließen so manche schöne Fassade auf uns wirken - und fragten uns, ob man diese wohl behutsam restaurieren oder ob man sie später vor lauter "Neu" gar nicht mehr wiedererkennen würde.




Auch am nun restaurierten, aber zum Schweigen verurteilten Pasquino kamen wir vorbei und entboten ihm unsere Reverenz. Darüber ist viel Tinte verbraucht worden. Handelt es sich um Menelaus, der den toten Patroklos vom Schlachtfeld trägt oder um Aias mit dem Leichnam des Achill? Wahrscheinlich trifft die letztere Deutung zu.



Schließlich erreichten wir unseren Treffpunkt und das "römische Kleeblatt" war für kurze Zeit komplett.



Bald erreichten wir auch unser Ziel, die Piazza Navona - hier in einer etwas ungewohnten Perspektive vom Palazzo Braschi aus.​


A suivre ...

C.
 
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Bevor ich zum eigentlichen Thema dieses Teilberichtes komme, hier noch ein paar Bilder aus dem sonntäglichen Rom:



Auch mich faszinieren schon lange die römischen Farben dieses Palazzo an der Via della Pace. Es handelt sich um den Palazzo Gambirasi. Dort standen einst Häuser, die den Weg für die Kutschen zu Santa Maria della Pace beschwerlich machten. Sie wurden abgerissen und an ihrer Stelle wurde der schmale Palazzo (hier eine alte Ansicht) errichtet, den der Prälat (anderen Quellen zufolge der Kaufmann) Donato Gambirasi aus Bergamo erwarb.​

Aus einem Besuch des netten Caffès im Chiostro del Bramante wurde leider nichts. Es hatte Betriebsferien!


Via del Governo Vecchio

Links der sogenannte Palazzo dei Ritratti. Die Porträts in den Medaillons aus dem 18. Jahrhundert stellen berühmte Anwälte dar.

Während Gaukler nach einigen Einkäufen in Trastevere kurz in unser Quartier im Grünen zurückkehrte, besuchten wir nun zu dritt das

Museo di Roma a Palazzo Braschi

Seit einigen Monaten kann man das Museum nicht nur von der Piazza di San Pantaleo aus betreten, sondern auch durch das früher immer verschlossene Tor an der Piazza Navona.


Der Besuch dieses Museums war auf meinen Wunsch hin zustande gekommen. Als ich mich vor einigen Monaten näher mit der Geschichte des Brunnens an Santa Sabina auf dem Aventin beschäftigt habe, fand ich heraus, dass die Maske, ein Werk Giacomo della Portas, früher auf dem Forum zu finden war. Nachdem ich hier erfahren hatte, dass das Museo di Roma ein Gemälde von Paolo Monaldi mit dem Brunnen an seinem alten Standort besitzt, wollte ich mir dieses unbedingt ansehen.

Zusätzlicher Anreiz für den Museumsbesuch war die noch bis zum 2. Oktober 2011 andauernde Ausstellung "Palazzo Braschi - Opere mai esposte"

Die Ausstellung war nicht in separaten Räumen untergebracht. Die selten gezeigten Werke fügten sich ohne besondere Kennzeichnung in die Dauerausstellung ein.

Die Begrüssung durch Jupiter höchstpersönlich ;)


war beeindruckend, ebenso das gesamte barocke Treppenhaus mit neoklassischen Statuen, Stuckarbeiten und Kuppel:




Mitte: Achilles​

Auf der italienischen Wikipedia-Seite des Museo di Roma al Palazzo Braschi Seite findet man eine Aufzählung der Räume in den beiden Etagen des Museums, die wir mit stetig wachsender Begeisterung durchstreiften.​


Links: Visita di Pio VI alle Paludi Pontine
Mitte: Porträt von Girolamo Battista Piranesi mit den Ruinen von Paestum
Rechts: Porträt der Girolama Santacroce von Pompeo Girolamo Batoni​


Selbstporträt Canovas 1811/12​


Quirinal - unterhalb der Dioskuren erkennt man noch den alten Brunnen​




Alter Brunnen an der Piazza del Popolo​


Sehr interessante Darstellung der Fontana del Moro an der Piazza Navona von Johann Wilhelm Baur aus dem 18. Jh. Ich werde im entsprechenden Brunnenbericht noch näher darauf eingehen.​



Innozenz X. Pamphili besucht die von ihm bei Bernini in Auftrag gegebene Fontana dei Quattro Fiumi an der Piazza Navona​

Und nun stehe ich vor jenem Gemälde, das ich gesucht habe:​


Paolo Monaldi
Veduta del Campidoglio e del Foro Romano​


Weitere Ausstellungsstücke in der ersten Etage:​




Details eines Deckenfreskos​



Waren wir schon sehr begeistert von den Schätzen der ersten Etage, so sollten die Säle in der zweiten Etage uns weiter in Erstaunen versetzen. Dort trafen wir auch einen sehr netten Aufseher, der unsere Blicke immer wieder auf Besonderes lenkte und sich sehr darüber freute, als ich "sein" Museum lobte!​

Hier geht es zunächst einmal durch das schöne Treppenhaus nach oben:​




Rechts: Fest an der Piazza Navona 1634​


Links: Decke mit ägyptischen Motiven
Mitte: Sixtinische Kapelle
Rechts: Palazzo Rospigliosi​


Oben: Cornelia, die Mutter der Gracchen​




Prachtvolle Decken​

Absolut bezaubernd (aber ohne Blitzlicht schwer zu photographieren) dieser Raum mit Darstellungen der Musen und wunderschönen Details:​





Dieser herrliche Wandschmuck stammt aus den Räumlichkeiten des 1900 abgerissenen Palazzo Torlonia an der Piazza Venezia, an dessen Stelle heute der Palazzo delle Assicurazioni steht.​

Der freundliche Wärter machte uns auf alte Bilder des Palazzo vor dem Abriss aufmerksam (unten links und rechts).​


Das Gemälde in der Mitte nennt sich "Alessandro Torlonia condotto al Tempio della Gloria".​

Mehr Informationen über die Geschichte der Torlonia und des verschwundenen Palazzo gibt es für Interessierte, leider nur in italienischer Sprache, hier:​


Im Raum steht auch die Büste der Anna Maria Torlonia:​


Zwei weitere Räume dienen der Ausstellung von ehemaligen Wanddekorationen und Decken aus dem Palazzo Torlonia:​



Krönender Abschluss des Besuches war dann dieser atemberaubende Blick aus einem Fenster der zweiten Etage auf die Piazza Navona und ihre Brunnen:​



Das Museo di Roma im Palazzo Braschi werde ich mit Sicherheit bald wieder besuchen, um die ersten Eindrücke zu vertiefen, auch wenn die Werke der Sonderausstellung so bald nicht mehr gezeigt werden. Ein Besuch ist absolut empfehlenswert! :nod:​

S.
 
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Im Park der Villa Sciarra

Mein dritter Aufenthalt auf dem Gianicolo sollte nicht ohne einen Besuch des Parks der Villa Sciarra enden.

Erwartungsvoll durchschritt ich die unter Papst Urban VIII. Barberini errichtete Mura gianicolense (Siehe: Mura di Roma), um mir nach diesem schönen Blick


endlich mehr Eindrücke der hinter der Mauer liegenden Welt zu verschaffen.


Der Park war an diesem Sonntagnachmittag belebter, als ich es erwartet hatte. Ältere Römer gingen hier spazieren, Jungen spielten Fussball, Pärchen hatten Decken auf den Grünflächen ausgebreitet, Hunde wurden ausgeführt. Fast alle Bänke waren besetzt.

Der Park machte einen sauberen Eindruck auf mich, allerdings waren einige Wege mit weiss-rotem Band abgesperrt und es sah so aus, als müssten leider einige Palmen gefällt werden.


Die meisten Brunnen im Park liegen leider trocken.


Esedra arborea mit Skulpturen der zwölf Monate



Fontana della Tartaruga

Das Gelände des 7500 qm grossen Parks gehörte im Altertum zu den Gärten Caesars in Trastevere.
Nach dem Bau der Mauer gehörte das Gelände den Barberini, dann ab 1811 den Colonna di Sciarra, welche noch Land des Klosters San Cosimato in Trastevere dazukauften.
In den 1880er Jahren wurde der Grossteil des Geländes bebaut.

Anfang des 20. Jahrhunderts erhielt der Park seine heutige Gestalt, als Villa und Park von dem amerikanischen Diplomaten George Wurts und seiner Ehefrau Henrietta Tower erworben wurden, die hier ein mondänes Leben führten.

Wurts war auch Kunstsammler. Auf der Seite des Museo Nazionale del Palazzo Venezia findet man ein Foto des Ehepaares.

Die Skulpturen und Brunnen wurden 1902 hierher gebracht. Sie schmückten ursprünglich den Park des Castello Visconti di Brignano d'Adda in der Lombardei. Das Wappen der Visconti erkennt man besonders gut an einem der Brunnen, der Fontana dei Putti.




1928 starb George Wurts, und zwei Jahre später überliess seine Witwe Mussolini persönlich Villa und Park mit der Auflage, einen öffentlichen Park einzurichten.




Davor die Fontana dei Sfinghi

Ein grosser Hund (Mitte) nahm hier ein kühles Bad



Im Park wachsen verschiedene Baumarten aus Italien und dem Mittelmeerraum, aber auch viele exotische Pflanzen. Es gibt 122 seltene Arten, davon 58 aus Amerika und Asien. Man zählt allein zehn verschiedene Palmenarten.





Fontana dei Faunetti

Da ich mich auf den oberen Teil des Parks beschränkte, habe ich längst nicht alles gesehen und freue mich schon auf weitere Erkundungen bei einem nächsten Aufenthalt im Grünen.

S.
 
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Le Terme di Caracalla

Einmal durch diese imposanten Ruinen zu wandeln - nach mehrfacher flüchtiger Bekanntschaft von außen: Das war seit vielen Jahren schon der Wunsch des Gauklers in unserem Kleeblatt. Wobei dieser Wunsch - oder Wunschtraum - besiedelt war (und immer noch ist) von romantischen Bildern und Vorstellungen des 19. Jh., wie sie sich manifestieren im "Italienischen Tagebuch" von Fanny Hensel alias Fanny Mendelssohn Bartholdy und des bekannten Gemäldes von Joseph Severn (er zählte übrigens zum römischen Freundeskreis des Ehepaars Hensel), welches seinen Freund Percy Bysshe Shelley in den Caracalla-Thermen zeigt.
Nun also, während unserer römischen Sommertage 2011, ging dieser Wunsch in Erfüllung; und zwar in Begleitung von Claude, die eine ausgezeichnete Kennerin :thumbup::thumbup: der Thermen-Anlage ist. An dieser ihrer Kennerschaft, so hatten wir es eigentlich vorgesehen, sollte sie euch, liebe Leser, in diesem Abschnitt unseres Berichts teilhaben lassen. Nachdem es nun jedoch dazu, nämlich aufgrund Claudes konstanter Arbeitsüberlastung, über ein halbes Jahr lang nicht gekommen ist (aber wer weiß, wer weiß: Vielleicht kann ja irgendwann doch noch etwas daraus werden! ;)), übernehme nun ich es, wenigstens meine Photos einzustellen, unkommentiert - und leihe mir die Beschreibung der Anlage von unserem Administrator Cellarius; hier ein Ausschnitt daraus:​
216 n. Chr. eröffnete Kaiser Caracalla die neuen Thermen am Abhang des kleinen Aventin und damit den zweitgrößten Badekomplex Roms - nur die fast einhundert Jahre später von Diokletian gebauten Thermen, die heute der Stazione Termini ihren Namen geben, waren größer. Die Zahl der Badenden, die pro Tag bedient werden konnten, wird auf 6000-8000 geschätzt.
Möglicherweise hatte die Thermen noch Caracallas Vater Septimius Severus geplant - begonnen worden war der Bau aber erst im Jahr 212, wie Ziegelstempel belegen. Die Bauzeit hatte damit fünf Jahre betragen, während der täglich im Schnitt rund 9.000 Arbeitskräfte beschäftigt gewesen sein dürften. Wirklich vollendet war die Anlage erst 235, viele der Dekorationen und die Umfassungsanlage wurden erst von Caracallas Nachfolgern fertiggestellt. Heute sind die Caracalla-Thermen die besterhaltene Thermenanlage dieser Größenordnung in Rom, wohl auf der Welt.
Weiterlesen ...

Folgt nun also bitte, liebe Leser, ganz einfach unserem Rundgang; und lasst euch vielleicht ein wenig einfangen - wenn es schon nicht von Claudes kundigen Erläuterungen sein kann - von der Größe und Majestät dieses Bauwerks, noch in seinem Verfall.​























G.
 
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