Bericht: Toskana im Corona-Jahr 2020

Ludovico ROB

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Danke für euer Mitgefühl. Die Sache ist mental von mir längst abgehakt. Natürlich kann ich die Erinnerung nicht einfach auslöschen, aber man kann aus dieser Erfahrung ja auch lernen. Es kann mich wieder treffen, also werde ich etwas vorsichtiger sein ohne die Aktivitäten dadurch einzuschränken. Ganz besonders die erlebte Gemeinschaft der einfachen Einwohner in Querceto hat mich deutlich mehr beeindruckt als die negative Erfahrung.
 

Ludovico ROB

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Querceto 7, Pinienwald und Cecina Mare

Heute stand der letzte aktive Programmpunkt des Fotokurses an. Dafür fuhren wir nach Cecina. Zunächst ging es in Meeresnähe in einen Pinienwald, der mich allerdings nicht so beeindruckte.


Mit der verbliebenen Fotoausrüstung testete ich einige Möglichkeiten. Mit dem Tilt-Shift-Objektiv versuchte ich die Mitte des Fotos durchgehend scharf darzustellen, während die Bäume zum Bildrand hin zunehmend unscharf werden.



Dann entdeckte ich an einem Pinienstamm diese fremdartig anmutenden Käfer. Bei der späteren Bildbesprechung erfuhr ich, dass es sich wohl um verlassene Larvenhüllen von Zikaden handelt.


Dann legte ich mich auf den weichen, mit einer dicken Nadeldecke belegten Waldboden und beobachtete durch den Sucher den Verlauf der Baumstämme und Baumkronen. Ich stellte an der Kamera einen Grün-Filter ein.


Im Stehen experimentierte ich weiter mit Farben und T/S-Objektiv. Der Schwarz- Weiß- Look mutet richtig winterlich an.


Dann kombinierte ich die Farbexperimente mit einem Auf-/Ab-Wischeffekt. Irgendwann hatte ich genug von den Experimenten im Wald und ging an den Strand.


Ich finde diesen Strandabschnitt deutlich weniger attraktiv als den Golf von Baratti.



So übte ich noch etwas mit meinem Lens Baby. Die Fokusierung damit ist nicht so einfach.


An der Strandbar gesellte ich mich zu anderen Kursteilnehmern. Dann fuhren wir Geschädigten zur Polizeiwache in Cecina. Am Nachmittag stand wieder eine Bildbesprechung auf dem Programm wo wir an Bildbeispielen der Teilnehmer lernten.


Beim Abendessen wurden wir wieder verwöhnt. Dies ist mein spezieller Vorspeisenteller mit leckerem Salat und Ziegenkäse. Der nächste Vormittag war frei, da Veranstalterin und Dozentin mit unseren Bildern gemeinsam eine Fotoshow zusammenstellten. Zu unserem Ausflug nach Volterra und der Fotoshow komme ich aber im nächsten Berichtsabschnitt.​
 
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Ludovico ROB

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Qerceto Schluss, Volterra

Am letzten Tag der Fotowoche hatten wir bis 15 Uhr frei. Es bildeten sich kleine Gruppen, die sich nach Lust und Laune ihr Ziel suchten. Wir fuhren in Begleitung einer Berlinerin nach Volterra. Diese Kleinstadt mit etwa 10.000 Einwohner liegt, weithin sichtbar, auf einem Hügel. Ihr Ursprung ist etruskisch. Als Zentrum der Alabasterverarbeitung habe ich sie ja schon vorgestellt. Heute durchstreiften wir ohne festes Programm einfach die mittelalterlich anmutende Stadt.

Am Rande eines Parkplatzes im Norden der Stadt, fanden wir noch eine Stelle, wo wir das Auto abstellen konnten.


Wir passierten den Brunnen und stiegen die breite Treppe empor zur Stadt auf dem Hügel.



Auf der Piazza XX Settembre steht dieses Denkmal.


Wie bei den meisten Orten in dieser Gegend Italiens fühlt man sich zeitlich weit zurück versetzt. Keine modernen Bauten stören das einheitliche, historische Bild der Stadt.


Da es wieder sehr heiß war, bot uns diese kleine Kirche nach dem Aufstieg etwas Kühle und Ruhe.


Wir schlenderten durch die engen Gassen und warfen hie und da einen Blick in die Schaufenster und Geschäfte. Pici sind spaghettiähnliche, aber wesentlich dickere Nudeln, die hier in der Toskana eine Spezialität sind. Cinghiale findet man natürlich nicht nur in der hier gezeigten Form. Besonders in Siena fehlte Wildschwein fast auf keiner Speisekarte. Ich habe dort am ersten Abend sogar Risotto Cinghiale gegessen.


Die engen Gässchen lassen das Fotografenherz höher schlagen.


Das Zentrum der Stadt bilden Paläste und Dom, die sich rund um die Piazza dei Priori reihen. Der Palazzo dei Priori gilt als ältester Kommunalpalast der Toskana.



Wir betraten einen offenen Raum im Palazzo Priori. Die schlanken Säulen waren harmonisch vor den Blumentafeln arrangiert.




Die Kathedrale Santa Maria Assunta (ich frage mich, ob hier alle großen Kirchen so heißen) wurde im 12. Jahrhundert erbaut und im Lauf der Jahrhunderte mehrmals verändert. Die Marmorplastik auf dem Hauptaltar schuf Mino da Fiesole 1471. Die rechteckige Form der Kanzel ist ungewöhnlich. Die goldfarbigen Kassettendecke erhielt der Dom im 16. Jdt.


Zentraler Punkt des achteckigen Baptisteriums ist natürlich das Taufbecken. Es ist ein Werk von Andrea Sansovinio.


Wir spazierten eine Weile entlang der westlichen Stadtmauer Richtung Norden,



machten dann aber kehrt, um den bekannten Blick auf Dom und Priori Palast zu erhaschen. Entlang der Biegung an der Viale dei Ponti gibt es mehrere geeignete Aussichtspunkte. Dass die Sonne nicht ideal für eine schmucke Aufnahme stand, war vorher klar. Leider störte auch die große weiße Plane vor einem Baugerüst die Sicht. Na ja. Nun habe ich noch einen Grund wieder hierher zurückzukehren.

Wir nahmen unterhalb der Aussichtsmauer auf der großen Terrasse eines Lokales einen Imbiss zu uns und ruhten uns aus.


Auch hier sind motorisierte Zweiräder ein beliebtes Fortbewegungsmittel.


Wieder genossen wir den Schatten in den engen Gassen.


Das schmucke Tor lockte uns in den Innenhof zu dem vermoosten Brunnen.


Solche Hinweise auf das Alabster-Kunsthandwerk sahen wir an einigen Stellen der Stadt.


Wir machten uns nun langsam auf den Weg zurück zum Parkplatz.


Natürlich wollte ich das Römische Theater mit den Ruinen der Thermen im Hintergrund etwas näher betrachten.


Ich löste eine Eintrittskarte, die eigentlich auch zur Besichtigung der anderen antiken Ausgrabungsstätte berechtigt hätte. Man kann ein Stück hinunter steigen und an der Absperrung entlang die Ausgrabung und Rekonstruktionen näher unter die Lupe nehmen. Die Ausgrabung selbst ist für die Öffentlichkeit gesperrt. Das Theater wurde zur Zeit des Kaisers Augustus erbaut und bot etwa 2.000 Zuschauern Platz.


Auf dem Weg zurück kamen wir an dieser einfachen Skulptur vorbei. Nach einer halbstündigen Fahrt trafen wir wohlbehalten wieder in Querceto ein.
Für die Fotoshow um 18 Uhr waren noch ein paar deutschsprachige Gäste geladen. Sie waren von der mit Musik untermalten Show unserer Fotos genauso entzückt wie wir selbst. Die Managerin der Accademia meinte abschließend, dass sie am meisten erstaunt hat, dass wir in dem kleinen Ort so viele und vor allem auch ihr noch unbekannte Motive gefunden hätten. Wenn sie, die schon viele Jahre hier arbeitet, das sagt, wird es wohl stimmen.


Nach der Show wurden wir alle wieder kulinarisch verwöhnt. Rebecca hatte zum Abschluss Peposo, eine toskanische Spezielität zubereitet. Dabei werden große Rindfleisch Würfel in Rotwein und Gewürzen lange im Ofen gegart. Das Gericht schmeckt wirklich köstlich, zumal bei diesem Blick. In angeregter Unterhaltung ließen wir den Abend ausklingen. Der Großteil der Runde gönnte sich aber noch den obligatorischen Caffè Corretto am Gemeindehaus. Am nächsten Morgen verabschiedeten wir uns nach dem Frühstück. Die gemeinsame Woche hatte aus uns doch eine Gruppe geformt. Die Teilnehmer aus der Würzburger Gegend werden sich zu gegebener Zeit noch einmal treffen, natürlich beim besten Italiener der Stadt.
BEVA und ich machten uns auf den Weg nach Rom. Die Fahrt zum Haus des Deutschen Ordens auf der Via Nomentana verlief reibungslos. Für Rom hatten wir außer dem Besuch unserer Angehörigen auf dem Campo Santo keine festen Programmpunkte. Es war sehr heiß. Wir bummelten deshalb nur gemütlich durch die Stadt, besuchten uns bereits bekannte, gute Lokale und genossen die ungewohnt leere Stadt. Selbst die Busfahrten waren diesmal angenehm. Nach drei Tagen fuhren wir über Trient, den Brenner und über die Inntal Autobahn Richtung Heimat. Nennenswerte Staus gab es erst in Deutschland. Bayern muss die nutzbaren Fahrbahnen an der Grenze natürlich auf eine Spur begrenzen, damit man für alle denkbaren Fälle gewappnet ist. Es war schön in der Toskana. Es ist aber auch schön nach vierzehn Tagen dem Navi zu befehlen: Nach Hause.
 
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Nihil

Praetor
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Wunderbar in deinen herrlichen Aufnahmen und Begleittexten zu schwelgen, besonders an so einem verregneten Sonntagnachmittag. Herzlichen Dank!
 

Angela

Augustus
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Rom-Reise
15.03.2020-22.03.2020
Lieber Ludwig,

mit viel Vergnügen habe ich Deine letzten Reiseerinnerungen gelesen und die schönen Bilder betrachtet.
Volterra haben wir noch nie besichtigt, es steht aber auch schon lange auf meiner Wunschliste.


Die rechteckige Form der Kanzel ist ungewöhnlich.​
Dein Bild der Kanzel hat mich sofort an die beiden Kanzeln von Donatello in San Loerenzo in Florenz erinnert:

 
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