Kleiner Sonntagsausflug nach Echternach
15.11.2009
Aus Zeitmangel und weil die Suchfunktion im Forum den Stammtischbereich nicht abdeckt, kommen wir jetzt nicht auf den Ursprung des Interesses zweier Bärenhöhlen an den Werken des bekannten Glaskünstlers Anton Wendling zurück.
Kirchenfenster Wendlings in luxemburgischen Kirchen befinden resp. befanden sich in der Krypta der Kathedrale in der Hauptstadt sowie in der Basilika in Echternach.
In Zusammenhang mit der soeben stattfindenden
Ausstellung tauchte dann hier bei uns die Frage auf, ob die Kirchenfenster in Echternach, wie im Katalog zur Ausstellung beschrieben, ein Opfer des Zweiten Weltkrieges wurden und zerstört sind oder ob es sie doch noch gibt.
Um dazu evt. mehr herauszufinden, hatte Simone schon lange vor mal wieder den Weg ins Abteistädtchen anzutreten. Leider kam immer wieder etwas dazwischen.
Am vergangenen Samstag, las sie im Luxemburger Wort, der grössten Tageszeitung in L., gleich zwei Artikel, die mit Bildern von Entwürfen Anton Wendlings für die Seitenschifffenster der Basilika illustriert waren.
Das Bild links gehört zu einem Artikel, der die Willibrordus-Oktave 2009 vom Samstag, 7. November bis Sonntag, 15. November 2009 zum Thema hat. Ausser dem Bild enthält der Artikel keine Informationen zu Wendling. Das Bild zeigt Willibrord, der einen Altar weiht. Es war der erste Entwurf Wendlings für ein Seitenschifffenster. Die Skizze ist dem Katalog der Wendling-Ausstellung in Linnich entnommen.
Spannender war eine Sonderbeilage des LW "In Dei nomine Feliciter" (In Gottes Namen voran, zum glücklichen Gelingen!-Wahlspruch Willibrords). Auf der 4. Seite (auf dem Pfoto rechts im Bild) leuchtete uns die Überschrift:
"Die ersten Skizzen der seitlichen Wendlingsfenster der Basilika"
entgegen. Illustriert war der Artikel mit einem weiteren Entwurf Wendlings (Tod Willibrords). Würden wir endlich mehr über das Schicksal der Fenster erfahen?
Zunächst erfuhren wir, einigermassen erstaunt, dass die Entwürfe nicht das Aussehen der definitiven Fenster wiederspiegeln! Seit Herbst 1930 plante man in Echternach Erneuerungsarbeiten in der Basilika.
Mitte 1932 wurde dem damaligen Dechanten Anton Wendling vorgestellt. Es wird angenommen, dass der Dechant den Künstler um Skizzen aus dem Leben Willibrords bat. Es handelt sich um jene, die in der Ausstellung zu sehen sind. Bis zur Herstellung der Fenster sollte es aber noch ein langer Weg sein, war doch eine internationale Expertenkommission damit beauftragt über Skizze, Kartons und Fenstervorlagen zu wachen und zu entscheiden.
Leider bricht der in Fortsetzungen angelegte Artikel bereits an dieser Stelle ab. Autor ist der heutige Dechant Théophile Walin. Seine Quelle ist das Archivmaterial des Kirchenrats und des Willibrordus-Bauvereins anhand dessen sich "die Entstehungsgeschichte der Skizzen zu den fenstern in etwa rekonstruieren lässt" obwohl einige Fragen anscheinend offen bleiben.
Unser Interesse blieb nun leider unbefriedigt und das war umso bedauernswerter, als die Fortsetzung erst für Pfingsten 2010 geplant ist :?!
Ein Ausflug nach Echternach wurde immer dringender

und die Trabanten hier waren natürlich nicht abgeneigt Detektiv zu spielen und die Nase mal wieder aus der Höhle herauszustrecken

.
So bestiegen dann am Sonntag wir beide, Armand und Dodou, erwartungsvoll die TTT und holten gemeinsam mit Simone unsere Begleitung für diesen Ausflug ab.
Kaum angekommen wurden wir von feierlichem Glockengeläut durch den Abteihof zur Basilika geleitet. Bald würde die Andacht mit Predigt zum Abschluss der Willinbrordus-Oktave beginnen. Es war nicht unsere Absicht daran teilzunehmen. Wir wollten später wiederkommen, machten aber schnell noch ein paar Bilder:
Dann schlenderten wir ein wenig durch das Städtchen. Armand, der Echternach ja schon im Frühling kennengelernt hatte schwelgte in Erinnerungen, zeigte Doudou begeistert die bekannten Plätze, erinnerte sich an Spiele mit Fatzi und den anderen Kumpels. Doudou gefiel es sehr gut in Echternach und er machte alles mit, was auch immer Armand vorschlug :nod: 8).
Staunend entdeckten sie vor der Basilika diese riesige neue Figur:
Tarzisius, der Schutzheilige der Ministranten
Richtung Marktplatz, am Langen Veit vorbei, ging es weiter und die Stufen zum Marktkreuz hinauf, diesmal "nur" zu zweit:
Wir sitzen auf einigen Exemplaren der erwähnten Sonderbeilage zum LW, die auf Hochglanzpapier gedruckt in der Basilika zum Mitnehmen auslag.
Nach dem Aufstieg zum Marktkreuz wollten wir unbedingt zum Klettern am Gitter der Orangerie:
Das war ein Spass :nod:
Schliesslich mahnte Simone zum Aufbruch, wir wollten schliesslich noch einmal in die Basilika, hatte unsere Mission ja noch überhaupt nichts gebracht :blush:.
Im Abteihof wohnten wir durch geöffnte Fenster einer Konzertprobe bei. Die Dämmerung setzte nun ein:
Die Andacht ging zu Ende und wir wieder hinein in die Basilika. Eine Ministrantin gab Simone ein Bildchen mit einer Willibrorddarstellung. Dann traf sie auf einen Geistlichen und fragte ihn kurzentschlossen nach den Wendlingfenstern. Sie erhielt die Antwort, mit der sie gerechnet hatte: Nein, die Fenster gibt es nicht mehr, sie sind dem Zweiten Weltkrieg zum Opfer gefallen. Wieviele es waren konnten wir leider nicht erfahren. Die heutigen Fenster werden auf einem plastifizierten Blatt beschrieben mit dem man herumgehen und die Szenen besser kennenlernen kann:
Da es aber nun fast dunkel war, hatte es keinen Sinn mehr zu fotographieren.
Die interessanteste Information, die Simone an diesem Tag erhielt war diejenige, dass Anton Wendling auch Fenster für eine Kapelle in
Weilerbach, gleich neben Echternach gelegen, angefertigt haben soll. Nachdem das Alters- und Erholungsheim geschlossen und in eine Heim für Asylbewerber umfunktionniert worden sei, so der Geistliche, sei die Kapelle aufgegeben worden und die Fenster seien vom Staat (?) eingelagert worden!
Das klang ja spannend! Meinte Gaukis Bekannte wohl diese Fenster, als sie von Wendling-Fenstern aus Luxemburg sprach, die noch erhalten seien :?:.
Der Ausflug hatte sich jedenfalls gelohnt, alle hatten Spass gehabt und fuhren zufrieden mit dem Erfahrenen nachhause!
Für uns gab es noch leckere Waffeln ("Eisekuch"):
Nachdem wir es uns gut hatten schmecken lassen, mussten wir, neugierig, wie wir sind natürlich im Internet Nachforschungen anstellen, ob man etwas zum Stichwort Wendling und Weilerbach finden konnte. Man konnte :!:
(...) Weilerbach. In dem Vorort von Echternach hatte der 1891 in Mönchengladbach geborene Glasmaler und Grafiker Anton Wendling drei Chorfenster und neun Langhaus-Fenster geschaffen, für die Hauskapelle der Naturheilanstalt Heliar. Das Gebäude dient heute als Wohnheim für Asylbewerber, aus der Kirche soll ein Vortragsraum werden.
Die Glasfenster mit dem die Wundmale zeigenden Heiland, sind mit der neuen Funktion nicht vereinbar, fand die zuständige Behörde und nahm Kontakt zu den Jansen-Winkelns auf. Und die ließen sich nicht umständlich bitten, sagten fachkundigen Ausbau und sachgerechte Lagerung der Scheiben zu. Den Auftrag erhielt die Speicker Firma Pongs, die eine Fachadresse für Glasmalerei und Restaurierung ist.
Zwei Mitarbeiter waren jetzt in Luxemburg, kletterten auf ein sechs Meter hohes mobiles Gerüst bis unters Gewölbe der Kirche und machten sich an die Arbeit. Die farbigen Glasscheiben mussten sie an den Rändern aus dem Putz schlagen, ein vorgelagerter Holzrahmen musste entfernt, der harte Kitt abgeschlagen, die eisernen Querverbinder abgeschraubt und schließlich die rund 30 Kilo schweren Glasfenster heil auf den Kleinlaster gebracht und nach Mönchengladbach transportiert werden.
Jetzt erreichten sie ihren vorläufigen Bestimmungsort: das Magazin der Forschungsstelle Glasmalerei. Und damit ist ein Werk Wendlings gerettet, von dessen vielen Fenstern in Mönchengladbach nur wenige in St. Peter, Waldhausen, und in der Franziskanerkirche erhalten sind. Auf den ersten Blick stehen nun zu kleinen Paketen zusammengestellte Glasscheiben zusammen, kein Lichtstrahl bringt die alten, zum Teil bemalten Scherben zum Leuchten. Bündel von flachen Eisenstangen, die als "Windeisen" auf die in sich instabilen Blei-Glas-Gebilde gebunden waren und sie stabilisiert hatten, liegen daneben. Vielleicht werden sie im nächsten Jahr in Horst aan de Maas bei Venlo zwischen Venlo und Venray Teil der Ausstellung "gerettetes Glas" sein.
Wow, das ist ja ein Ding!
Nur, wo sind diese Fenster jetzt genau???? Wurden sie in der im Artikel genannten Ausstellung gezeigt???
Es bleibt spannend! Ob sich wohl dazu etwas im Katalog der momentanen Ausstellung findet???
Heute kam mit der Post eine Schnell und Steiner-Broschüre über die Basilika in Echternach. Sie war ganz nach dem Geschmack von Emil (ein guter Detektiv ganz wie bei Erich Kästner) und Anton (noch ein Anton in der Geschichte

). Hier seht ihr die beiden zusammen mit Diego bei der Lektüre. Hoffentlich auf dem schwarz-weiss-Foto zu erkennen, wie zerstört die Basilika am Kriegsende war, da kann kein Fenster "überlebt" haben 8O
Der Satz unter den Pfötchen von Anton und Emil spricht auch von der Zerstörung der Echternacher Fenster.
So, liebe Freunde, das war es für heute von uns in dieser spannenden Kunstgeschichte. Wir hoffen es hat euch gefallen. Nun müssen wir ganz schnell "Gute Nacht und bis morgen" sagen!
Eure Bockfelsener