28.10.2009 El Escorial
Mit einer Art S-Bahn fuhren wir frohen Mutes zum Kloster San Lorenzo (darauf verweist auch der rostartige Grundriß). Es ging durch eine trockene Mondlandschaft (die wir schon auf dem Landeanflug vom Flugzeug aus gesehen hatten).
Anscheinend ist das ein Naturschutzgebiet, jedenfalls liefen dort Hirsche und Rehe durch die Gegend.
Von Madrid zum Escorial braucht man ungefähr eine Stunde (etwa 50 km von der Hauptstadt entfernt). Es empfiehlt sich, vom Bahnhof aus einen Bus zu nehmen: sonst muß man etwa 20 Minuten bergauf laufen (und die Kräfte kann man sinnvoller einsetzen).
Da Mittwoch war, konnten wir davon profitieren, Bürger eines EU-Mitgliedslandes zu sein: in dem Falle ist der Eintritt frei.
Der Architekturkomplex ist schon beeindruckend, auch wenn man kaum einen Eindruck von der Anlage gewinnen kann, wenn man dem Rundgang folgt. Dazu muß man schon etwas Abstand haben. Überhaupt hatten wir uns die Residenz pompöser vorgestellt - die räume waren teilweise spartanisch, wenn man bedenkt, dass hier die Schaltstelle der Macht des spanischen Weltreichs war. Aber es war je nicht nur Königsresidenz, sondern Grablege und Kloster - dementsprechend fiel die monarchische Pracht bescheiden aus.
Hier einige Einmdrücke:
Leider war die Kirche wegen Restaurierungsarbeiten nicht zugänglich: man hat uns nicht einmal einen Blick hinein werfen lassen (und so konnten wir das von Drhoette gewürdigte Kruzifix auch nicht sehen). Und was die Gruft angeht, so hatten wir auch nur Zugang zur Grablege der Infanten (um in die Gruft der Könige zu gelangen, hätten wir den Audioguide nehmen müssen - aber das war am Eingang nirgendwo vermerkt).
Beeindruckend waren die Kapitelsäle und besonders die Bibliothek (das Deckenfresko erinnerte an die Sixtina - wenn auch nicht mit dem gleichen Sujet und bei weitem nicht von der Qualität).
Die Pinakothek birgt eine Menge an Schätzen - ich weiß nicht, wie viele heilige "Hieronymusse" (mit oder ohne Löwe ... ) wir in den letzten Wochen gesehen haben (angefangen mit der Tizian Ausstellung im Louvre). Zumindest haben wir gelernt, warum das Thema so beliebt war: im Escorial sollten Hieronymitenmönche für das Seelenheil der Könige beten).
Nach dem Rundgang machten wir noch einen Spaziergang durch den Garten im Süden des Komplexes. Leider kann man auch nicht alles besichtigen: in einem Flügel des Gebäudes ist auch heute noch ein Konvent (nach der Säkularisation sind Augustinermönche eingezogen), im anderen Flügel ist eine Schule untergebracht.
Trotzdem haben wir die Zeit gut genutzt. Nach der Besichtigung wollten wir unsere Rucksäcke wieder in Empfang nehmen und es gab zunächst einmal einen Schreck: am Morgen hatten wir die Warnhinweise nicht zur Kenntnis genommen, dass sich Fahr- und Scheckkarten entmagnitisieren können, wenn man sie durch die entsprechenden Schleusen schickt. Am Bahnhof stellte sich dann auch heraus, dass es die Fahrkarten "erwischt" hatte - wir sind unter der Sperre durchgekrochen, weil kein Bahnmitarbeiter in Sicht war. Aina hat dann in Madrid den Fall erklärt, damit wir ohne Klettermanöver auch wieder herauskamen. Bei mir erzeugte das eine gewisse Unruhe, galt es doch am nächsten Tag das Hotel mit der Kreditkarte zu bezahlen ... Was mache ich, wenn ...
Am Abend konnten wir auf der Suche nach einer Futterkrippe noch eine bislang nicht bekannte Gegend der Hautpstadt erkunden - die Plaza de la Armeria und die Plaza de Oriente mit dem Köigspalast under der Kathedrale (welche sogar um 20 Uhr noch geöffnet war und uns zu einem Rundgang einlud):
Bei der Gelegenheit kamen dann auch unsere Reisebegleiter mal zum Vorschein:
Leider war das auch schon unser letzter Abend, den wir mit einem Paellaessen würdigen wollten. Immerhin hatten wir noch den ganzen Donnerstag, denn der Flieger sollte erst gegen 20 Uhr abfliegen. Und den Tag konnten wir dann auch noch bei sommerlichem Wetter genießen.
Viele Grüße
Claude