Bunter Reigen römischer Tiere

Gaukler

Caesar
Forum-Sponsor
Stammrömer
Hhhmmm ... das macht mich denken, dass wir vielleicht sogar schon wissen sollten, um welches Tier es sich handelt. ;)

Aber nun ja: In jedem Falle werden wir es bald erfahren. :cool:
 

Simone-Clio

Augustus
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Stammrömer
Mich würde nicht wundern, wenn man auch an der Ara Pacis welche finden würde.
Du hattest den richtigen Riecher. Hier liest man zumindest davon:
A ravvivare ulteriormente la bassa fascia floreale oltre al colore di quando in quando, tra fiori tralci e fogliame, compaiono vividi flash di esemplari di piccola fauna. L'agile lucertola, la placida lumaca, il ritroso scorpione ...
Hervorhebung von mir.

Und auch hier:
Auf dem darunterliegenden Akanthusrelief kann man neben reich verzierter Ornamentik, welches viele florale Elemente enthält, einige Tiere identifizieren: Schwäne, Grashüpfer, Vögel, Schnecke, Eidechse, Frosch, Skorpion, Wurm.
 

Claude

Triumphator
Stammrömer
Super -
ich bin eben meine Photos durchgegangen, aber offenbar habe ich die Schnecke nicht abgelichtet. Aber dort gibt es so manches kleines Getier. Eben habe ich ein Bild mit einer kleinen Echse entdeckt. Die Ranken sehen nur so gleichartig aus, wenn man oberflächlich darüber hinweg schaut.
 

nummis durensis

Pontifex Maximus
Stammrömer
Diesen interessanten thread kannte ich ja noch gar nicht... :D

Zur Eidechse fiel mir ein, dass sie als Detail eines Bronzereliefs von Gianlorenzo Bernini: "Eidechse kriecht der Sonne entgegen" auf einer Säule des Baldachins in St. Peter, Rom, abgebildet ist.

Einen interessanten Beitrag dazu bzw. zum "Eidechsentöter" hat ein verehrter numismatischer Kollege dazu mal verfasst (Sauroktonos revisited):


Grüsse
Rainer
 

Simone-Clio

Augustus
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Stammrömer
@nummis durensis
Willkommen bei den römischen Tieren!

Soweit ich weiß, sind es sogar drei Eidechsen, die sich am Fuss der Baldachin-Säulen tummeln: die mit der Sonne an der Basis der nordwestlichen Säule, die mit dem Skorpion an der Basis der nördöstlichen Säule und eine in der Nähe von Medaillons an einer anderen Seite der Basis der nordwestlichen Säule. Sie sind anscheinend extrem schwer zu fotografieren, aber ich werde mein Glück hoffentlich einmal versuchen können.

Den Beitrag deines Kollegen im Numismatikforum werde ich gleich in aller Ruhe lesen nachdem ich ihn bereits kurz überflogen habe. Danke für den Hinweis!
 

Simone-Clio

Augustus
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Stammrömer
Elefanten
Teil I

Es gibt in Rom an der Piazza della Minerva den einen Elefanten, den fast jeder kennt und liebt:


Aber neben diesem gibt es noch viele weitere aus den unterschiedlichsten Epochen. Ich werde versuchen, die mir bisher bekannten in zwei aufeinanderfolgenden Beiträgen vorzustellen.

A. Elefantendarstellungen aus der Antike

1) Im etruskischen Museum der Villa Giulia ist folgender Teller mit der Darstellung eines Kriegselefanten, gefolgt von einem Jungtier, zu sehen:

Der Teller aus dem 3. Jh. v. Chr. wurde in einem Grab der Nekropole Le Macchie in Capena gefunden. Möglicherweise entstand er nach dem Sieg von Manius Curius Dentatus über König Pyrrhus in der Schlacht bei Benevent.

2) In meinem Beitrag über die Bären habe ich das Mosaik vom Aventin mit der Darstellung von Orpheus und den wilden Tieren vorgestellt. Zu den Tieren aus der Domus dei Pactumei gehört auch ein Elefant. Dessen Bild sei nun hier gezeigt:


3) In Ostia antica habe ich 2015 zwei Elefanten fotografiert:


Das Schwarz-Weiss-Mosaik mit diesem Elefanten findet man am Piazzale delle Corporazioni. Vor jeder der dortigen Handelsniederlassungen befindet sich ein Mosaik, das auf eine bestimmte mit Rom im Handelsaustausch stehende Stadt hinweist. Der Elefant verweist auf Händler aus der Ortschaft Sabratha im heutigen Libyen. Der Schriftzug (auf meinem Bild leider nicht vollständig zu sehen) lautet Stat(io) Sabratensium (Niederlassung der Sabrathenser). Das Mosaik besteht aus relativ groben Tesserae. Mehr als um die künstlerische Qualität ging es bei seiner Anfertigung um den Wiedererkennungseffekt.

Der Handel mit Sabratha war im 1. und 2. Jh. besonders intensiv und erreichte unter Mark Aurel seinen Höhepunkt. Nicht nur Getreide und Olivenöl kamen aus dieser nordafrikanischen Stadt; Sabratha handelte auch mit wilden Tieren. Bei dem dargestellten Elefanten handelt es sich nach Meinung der Experten um einen nordafrikanischen Waldelefanten. Diese waren deutlich kleiner als die afrikanischen Elefanten und hatten rundlichere Ohren.

Das zweite Elefantenmosaik befindet sich, wie ich nachträglich gelesen habe, in der Statio 28 der Insula VII in der Regio II von Ostia antica. Dabei handelt es sich wahrscheinlich um eine ägyptische Niederlassung, welche Rom ebenfalls mit Getreide und wilden Tieren versorgte. Dafür spricht die Darstellung weiterer Tiere an dieser Stelle (Keiler und Hirsch). Das Mosaik lässt sich auf das 2. Jh. datieren.


Hier ein besseres Foto von der bereits verlinkten Seite über den Piazzale delle Corporazioni. Der Elefant ist, wie der erste, ein schlankes Tier mit langen Beinen und rundlichen Ohren, wahrscheinlich ebenfalls ein Waldelefant. Bereits die Karthager domestizierten diese Tiere und bereiteten sie auf den Einsatz im Krieg vor.

4) Eine interessante Elefantendarstellung befindet sich am Konstantinsbogen.

Man findet sie an Nordseite der Attika des Triumphbogens im zweiten Relief von links. Den Hintergrund der Szene bildet die Darstellung eines Ehren- oder Triumphbogens Kaiser Domitians. Er war von einer Elefantenquadriga bekrönt.

Vgl.: Attikarelief (Profectio) vom Konstantinsbogen mit diesem kleinen Foto.

Manchmal wurden die Wagen römischer Kaiser bei Triumphzügen nicht von Pferden, sondern von Elefanten gezogen. Sie galten als Symbol der kaiserlichen Macht. Auch nach dem Tod von Kaisern wurde ihr Abbild bei Totenfeiern in einem Wagen durch den Circus gefahren, der oft von Elefanten gezogen wurde. Da die Tiere für ihre Langlebigkeit bekannt waren, galten sie in diesem Zusammenhang als Symbol der Unsterblichkeit.

5) Die Darstellung einer Elefantenquadriga, welche einen Ehrenbogen bekrönt, ist auch auf dem sog. Torlonia-Relief mit einer Hafenansicht zu sehen. Hier ein Foto des Originals und hier eine Kopie des Reliefs, ausgestellt im Museo di Porta San Paolo:


Das Relief wurde im 19. Jh. in Portus an der Nordseite des trajanischen Hafenbeckens gefunden und entstand um 200 n. Chr.

Im Hintergrund der rechten Bildseite erkennt man ein Bogenmonument mit einer Elefantenquadriga. Bei dem Lenker des Wagens handelt es sich wahrscheinlich um Kaiser Domitian, von dem man weiss, dass er solche Quadrigen aufstellen liess. Der Ehrenbogen ist möglicherweise identisch mit jenem vom Relief am Konstantinsbogen.

6) Eine interessante Darstellung mit Elefanten aus der Antike ist im Kreuzgang von S. Lorenzo fuori le mura ausgestellt.


Es handelt sich um den Deckel eines Sarkophags aus der Mitte des 4. Jh. Dargestellt ist eine Prozession zu Ehren der Magna Mater.

Die Bezeichnung Magna Mater (lateinisch für Große Mutter) wird in der archäologischen Fachliteratur fast ausschließlich für die antike Göttin Kybele (griech. Κυβέλη), die Große Göttermutter (Megále Meter) vom Berg Ida (lat. Mater Deum Magna Ideae, kurz Magna Mater), verwendet.
Solche Prozessionen fanden im April statt, wenn zu Ehren der Magna Mater die Ludi Megalenses veranstaltet wurden.

Die vier Elefanten ziehen einen Karren, auf dem möglicherweise der Stein von Pessinus mitgeführt wurde. Leider ist der Sarkophagdeckel an genau dieser Stelle beschädigt.

Der letzte Tag der Ludi Megalenses war zugleich der Weihungstag des 191 v. Chr. gegründeten Tempels der Magna Mater Idaea, der ihr auf dem Palatin an der dem Circus Maximus zugewandten Seite erbaut wurde. Zunächst hatte der 294 v. Chr. während des zweiten Konsulats des Lucius Postumius Megellus der Victoria erbaute Victoria-Tempel[1] das Kultbild der Magna Mater Idaea beherbergt, nachdem der Magna-Mater-Kult aufgrund eines Spruches der sibyllinischen Bücher während des Zweiten Punischen Krieges im Jahr 204 v. Chr. in Rom eingeführt wurde.[2] In Gestalt eines schwarzen Meteorsteins hatte eine römische Gesandtschaft zuvor aus dem phrygischen Heimatheiligtum der Magna Mater in Pessinus ihr Kultbild überführt. Der Stein wurde in eine Silberstatue eingearbeitet.
B. Elefantendarstellungen aus der Renaissance

1) In den kapitolinischen Museen befindet sich ein grosses Fresko, welches die Alpenüberquerung Hannibals zum Thema hat und den karthagischen Feldherrn auf einem Elefanten reitend darstellt. Das Fresko befindet sich im Konservatorenpalast in der Sala di Annibale.


Das Fresko ist ein Werk von Jacopo Ripanda und stammt aus der Zeit um 1510.

2) Star der römischen Elefantendarstellungen im frühen 16. Jh. ist der Elefant Hanno, italienisch Annone.

Hanno (* um 1510; † 8. Juni 1516; italienisch Annone) war ein Indischer Elefant, den König Emanuel I. von Portugal (1469–1521), genannt Manuel der Glückliche, dem neu gewählten Papst Leo X. zum Geschenk machte. Er kam 1514 nach Rom und wurde das Lieblingstier des Papstes. Hanno starb infolge einer Verstopfung und ihrer Behandlung mit einem durch Gold angereicherten Abführmittel.
Die erste Darstellung Hannos, die ich kennengelernt habe, ist dieser schöne Wandbrunnen mit seinem Porträt in den Gärten der Villa Madama:


Der Brunnen aus weissem Marmor ist das Werk von Giulio Romano.

Hanno findet man mit viel Glück auch im Palazzo Baldassini in der Via delle Coppelle, 35. Der Innenhof ist allerdings meist unzugänglich, da sich dort das private Istituto Luigi Sturzo befindet. Der Palazzo Baldassini wurde im Auftrag des Juristen Melchiorre Baldassini von Antonio da Sangallo d. J. von 1515 bis 1518 errichtet. Der Haupthof des Palazzo ist mit einem Fries mit Triglyphen und Metopen verziert. Diese enthalten Darstellungen von Symbolen, die eng mit der Person Baldassinis verbunden sind: das Familienwappen, zwei Greifen, die den Juristen selbst darstellen, zwei Symbole, die für Baldassinis Beruf (die Schriftrolle) und die Treue zur Kirche (die offene Rose) stehen. Man findet auch die Medici-Lilie und andere Symbole der päpstlichen Macht, die eine Art Widmung an Papst Leo X. darstellen. Ihm verdankte Baldassini seinen sozialen Aufstieg.

Unter den verschiedenen Symbolen sticht die Figur des Elefanten Annone hervor. Der weisse Dickhäuter kam ja am 12. März 1514 in Rom an und wurde zum Liebling des Medici-Papstes und der Bevölkerung. Da der Baubeginn des Palazzo in diese Zeit fällt, lag es nahe, auch den Dickhäuter des Papstes in das Bildprogramm des Frieses aufzunehmen.


Auch an einer Decke im Palazzo Baldassini wurde, neben anderen Tieren, das Bild eines Elefanten eingefügt. Die Bemalung der Decke ist das Werk von Giovanni da Udine (1487 bis 1564).

... per il lavoro a Palazzo Baldassini, Giovanni da Udine realizzò una serie di grottesche dove si può notare il disegno di un bestiario, formato da animali esotici e di fantasia tra i quali spiccano un elefante, un rinoceronte, un toro, una scimmia, un pappagallo
Quelle

Ebenfalls Giovanni da Udine zugeschrieben wird dieses Stuckrelief mit einer Darstellung von Annone im Palazzo Massimo alle Colonne.

In den Vatikanischen Museen gibt es eine schöne Tür mit Holzintarsien zwischen der Stanza di Eliodoro und der Stanza della Segnatura. Auch dort ist Annone verewigt. Die kunstvolle Arbeit ist das Werk von Fra Giovanni da Verona. Sie entstand 1514/1515. Hier die beste Abbildung der Tür, die ich gefunden habe. Als Vorlage für das Motiv diente diese Zeichnung eines Künstlers aus der Schule von Raffael. Dargestellt ist Hanno gemeinsam mit seinem Betreuer Giovanni Battista Branconio del'Aquila.

3) Im Zentrum des Kreuzgangs von S. Maria degli Angeli in den ehemaligen Diokletiansthermen steht zuammen mit sechs anderen Tierköpfen ein Elefantenkopf aus der Spätrenaissance im Stil des Manierismus.


Dromedar, Pferd, Widder und zwei Stiere wurden zwischen 1586 und 1593 beim Neubau des Palazzo Zambeccari (heute Valentini) gefunden. Damals gehörte das Terrain, ein Teil der Trajansforen, Kardinal Michele Bonelli, genannt Alessandrino. Er nutzte die antiken Tierköpfe aus dunklem Marmor zur Dekoration seines Palazzo. Möglicherweise waren sie Teil einer Brunnendekoration im Innenhof. Der Kardinal liess zwei weitere Protomen anfertigen, einen Elefanten und ein Rhinozeros. Beim Elefantenkopf weisen stilistische Merkmale auf die Moderne hin. Die Römer hätten vor allem die Stosszähne, aber auch die Ohren naturalistischer dargestellt. Als Vorlage für Rhinozeros und Elefant dienten grafische Darstellungen, nur weiss man beim Elefanten nicht welche. Der Bildhauer scheint nicht bekannt zu sein.
 
Zuletzt bearbeitet:

Claude

Triumphator
Stammrömer
Liebe Simone,

wieder ein fundierter Beitrag, den ich mit großem Vergnügen studiert habe. Wunderbar, wie Du das alles so zutage förderst!

Manchmal wurden die Wagen römischer Kaiser bei Triumphzügen nicht von Pferden, sondern von Elefanten gezogen. Sie galten als Symbol der kaiserlichen Macht.
Das hat als erster Pompeius versucht - doch er scheiterte mit den vier Elefanten an der Porta Triumphalis: sie paßten einfach nicht hindurch.
 

Simone-Clio

Augustus
Teammitglied
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Stammrömer
Liebe Claude,
herzlichen Dank für deine liebenswürdige und schnelle Reaktion.
Der Beitrag ist mir zu früh losgeflitscht, ich muss nachher noch ein paar Fotos einfügen.
Ich bitte noch um ein wenig Geduld.
 

Gaukler

Caesar
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Stammrömer
Zu schade, dass Beli kein Internet hat. Denn er wäre sicher fasziniert von diesem schönen, interessanten Beitrag über seine römischen Kollegen.
 

lukasi

Tribunus Militum
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Stammrömer
Liebe Simone,

was für ein beeindruckender Beitrag über Elefanten, die es in Rom zu bestaunen gibt.
Obwohl ich viele der gezeigten Darstellungen kenne, sind mir jedoch die Hintergrundinformationen
dazu nicht bekannt gewesen.
Vor allem wusste ich nicht, dass es sich bei dem Elefanten im Wandbrunnen der Villa Madama, den ich
bei meinem Besuch dort, zu einem meiner Lieblingsbrunnen erkoren habe, um eine Darstellung des
päpstlichen Elefanten Hanno handelt.
Ich freue mich daher schon sehr auf den angekündigten 2. Teil.
 

Simone-Clio

Augustus
Teammitglied
Moderator
Stammrömer
Zu schade, dass Beli kein Internet hat.
:) ;)

Denn er wäre sicher fasziniert von diesem schönen, interessanten Beitrag über seine römischen Kollegen.
Mal sehen, ob ich über gängige Informationen hinaus vielleicht auch noch weniger Bekanntes über ihn selbst herausfinden kann!

Vor allem wusste ich nicht, dass es sich bei dem Elefanten im Wandbrunnen der Villa Madama, den ich
bei meinem Besuch dort, zu einem meiner Lieblingsbrunnen erkoren habe, um eine Darstellung des
päpstlichen Elefanten Hanno handelt.
Ja, der Elefantenbrunnen der Villa Madama ist wirklich zauberhaft. Den würde man gerne öfter sehen! Es freut mich, dass der Beitrag dir noch ein wenig Neues vermitteln konnte.
 
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