Denkmal-Komplex San Salvatore in Lauro
So blau, wie der Himmel über San Salvatore in Lauro am 22.12.2015, war das Gewand der
Kanoniker von S. Giorgio in Alga, die Kardinal
Latino Orsini (1411 bis 1477) hierher berief. Die Kirche wird erstmals 1177 erwähnt. Kardinal Orsini liess sie 1449 neu errichten. Nach ihrer Vollendung berief er die Kanoniker von S. Giorgio in Alga aus Venedig. Diese lebten bis zur Aufhebung des Ordens 1668 im neben der Kirche errichteten Konvent S. Giorgio.
Die Kirche der Früh-Renaissance brannte 1591 ab. Ab 1594 wurde mit dem Neubau begonnen. Baumeister der neuen Kirche war
Ottaviano Mascherino. Kuppel und Campanile kamen 1727–1734 hinzu, die klassizistische Fassade erst 1857–1862.
Die beiden hohen Säulen des Kirchenportals waren weihnachtlich dekoriert und es gab einen Hinweis auf die Ausstellung "Via Lauretana, via della Misericordia" in den ehemaligen Konventsgebäuden.
Unser Interesse an diesem Morgen galt dem Kreuzgang des ehemaligen Konvents. Der sogenannte
chiostro grande (der große Kreuzgang) hat den Brand von 1591 überstanden. Gaukler hatte uns schriftlich zu einem Besuch angemeldet und so betraten wir die Gebäude durch das schöne Portal mit zwei Cherubim-Köpfen von
Camillo Rusconi (1658 bis 1728).
Dahinter liegt ein imposantes aus Nussbaum gefertigtes Portal, das wir etwas genauer anschauen möchten. Geschmückt ist es mit einer Darstellung von Jesus Christus in einer Mandorla umgeben von zwei Füllhörnern und der Schrift "SODALITIVM PICENVM". Der
Pio Sodalizio dei Piceni di Roma ging 1899 aus einer Vereinigung von Bewohnern der Region der Marken in Rom hervor und ist eng mit der
Basilika vom Heiligen Haus in Loreto in den Marken verbunden.
Piceni (Picener), so nennen sich die Bewohner der Marken.
Il Pio Sodalizio dei Piceni ha acquisito l'attuale denominazione con lo Statuto approvato nell'anno 1899. Deriva dall'Associazione di Marchigiani residenti in Roma costituitasi all'inizio del 1600 poi divenuta Confraternita della Santa Casa di Loreto nel 1633 sotto il Pontificato di Urbano VIII.
Quelle:
Pio Sodalizio dei Piceni
Wappentier der Marken ist der Grünspecht (ital. picchio verde) und dieser soll über der Tür zu sehen sein.
Wir meldeten uns in der Pförtnerloge, deren Eingang im Kreuzgang liegt - ein wirklich hübsch gelegener Arbeitsplatz! In der Nähe hängt eine Marmortafel zur Erinnerung an Kardinal
Giovanni Battista Maria Pallotta, den aus den Marken gebürtigen Gründer der Vorgängervereinigung der heutigen
Pio Sodalizio dei Piceni.
Der relativ unbekannte Kreuzgang vom Ende des 15. Jahrhunderts gehört zu den schönsten und am besten erhaltenen Roms. Als ein wenig störend empfand ich das rote Banner mit dem Schriftzug "Musei di San Salvatore in Lauro".
Unser Begleiter wollte uns allerdings zuerst einen anderen Teil des ehemaligen Konvents zeigen.
Giardino-auditorium
Er führte uns zum tiefergelegenen sogenannten
giardino-auditorium. Während wir uns umsahen und hübsche Details entdeckten, gönnte er sich eine kleine Zigarettenpause.
Eine Marmortafel nennt Papst
Sixtus V. (1585 bis 1590), dem der Garten gewidmet ist. Dieser Papst hat die Kirche San Salvatore in Lauro 1587 zur Titeldiakonie erhoben, ein Titel, der ihr 1670 wieder aberkannt wurde. Papst Benedikt XVI. hat ihn 2007 wieder eingeführt und aktueller Kardinaldiakon von S. Salvatore in Laureo ist
Angelo Comastri.
Diese Tafel wurde 1996 angebracht
(...) um die Rückgabe des Denkmal-Komplexes S. Salvatore in Lauro an den Glanz des Zentrums der Marchigianità über Rom zu feiern.
Wobei natürlich der Ausdruck "Marchigianità" im Grunde unübersetzbar ist; er meint wohl die Präsenz und Vitalität von Landsmannschaft und Lebensweise der Marken.
Vom Garten aus hat man auch einen schönen Blick auf den Campanile und die Kuppel von S. Salvatore in Lauro. Erst später erinnerte ich mich daran, dass wir diese Kuppel im Herbst 2010 aus einem Fenster unserer Ferienwohnung an der Via dei Coronari sehen konnten:
Nach dem Aufenthalt im Garten folgten wir unserem freundlichen Führer wieder ins Innere. Mit einem gewissen Stolz deutete er auf diese Tafel, die an den Besuch von Papst Johannes Paul II. am 16. März 1997 erinnert.
Zu unserer Freude schloss er uns spontan das ehemalige Refektorium des Konvents auf. Der Raum ist heute als
Salone dei Piceni bekannt. Hier finden Versammlungen der Vereinsmitglieder der
Pio Sodalizio dei Piceni statt.
Das schöne Fresko mit einer Darstellung der Hochzeit von Kana an der Stirnwand des Raumes nahm uns gleich gefangen. Wie die Deckenmalereien ist das Fresko ein Werk von
Francesco Salviati (1510 bis 1563), einem italienischen Maler und Zeichner des Manierismus.
1531 reiste er wie viele der Künstler, die nach dem
Sacco di Roma die Stadt verlassen hatten, nach Rom, wo die Päpste und Adelsfamilien ihre Mäzenatentätigkeit wieder aufgenommen hatten. Dort traf er wieder auf
Giorgio Vasari, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verband. In Rom hatte er Gelegenheit, die innovativen Werke von
Michelangelo,
Raffael und
Giulio Romano zu studieren, die Salviatis künftige Malweise prägen sollten.
Leider habe ich kein besseres Photo und muss mir mit einer Ausschnittsvergrösserung helfen, um ein wenig mehr über dieses 1550 entstandene Werk zu erzählen.
Der Einfluss Raffaels wird am Aufbau des Bildes deutlich. Es ist in zwei Halbkreisen aufgebaut.
In der Mitte des unteren Halbkreises sitzen Jesus, Maria und weitere Personen an einem gedeckten Tisch. Maria ist dargestellt, wie sie vertraulich die Hand auf jene ihres Sohnes legt. Im Vordergrund stehen die symbolischen sechs Krüge deren Wasser Jesus in Wein verwandelt hat. Nette Details sind das Kätzchen, das unter dem Tisch hervorkommt und ein liegender Hund im Vordergrund. Leider sind sie auf meinem Bild nur schwer zu erkennen. Zu meinem (und vielleicht auch Eurem) Vergnügen habe ich im Netz eine
Seite gefunden, die hübsche Vergrösserungen einzelner Partien zulässt.
Der zweite Halbkreis des Freskos dient der Darstellung von Musikern (rechts), kostbarem Tafelgeschirr auf einer Anrichte (links), sowie vor allem Hochzeitsgästen und Zuschauern. Das Gewölbe im Hintergrund erinnert wieder an Raffael und dessen Schule von Athen.
An einer Wand des ehemaligen Refektoriums befinden sich drei Grabmonumente. Dem Fresko am nächstes ist dasjenige für Papst
Eugen IV. (1431 bis 1447), das aus Alt-St. Peter hierhergebracht wurde. Als junger Mann war Gabriele Condulmaro (auch Condulmer) eines der ersten Mitglieder der oben erwähnten Kanoniker von S. Giorgio in Alga. Das Grabmonument ist ein Werk des Künstlers
Isaia da Pisa.
Es folgen die Grabmonumente für
Maddalena Orsini (1534 bis 1605), Gründerin eines Dominikanerinnenklosters auf dem Quirinal und das für Kardinal Alessandro da Cordova.
In einer Ecke stand das Banner der Pio Sodalizio dei Piceni. Die nun schon mehrfach erwähnte Vereinigung erwarb Kirche und Konvent 1669 und führte die Verehrung der Madonna von Loreto in S. Salvatore in Lauro ein. Ein Studienkolleg für Studierende aus den Marken wurde in den ehemaligen Konventsgebäuden eingerichtet.
Nach dem Besuch im Refektorium musste sich der zuvorkommende Pförtner wieder seinen Pflichten zuwenden und liess uns Kreuzgang und Cortile allein erkunden, nicht ohne auf die stattfindende Ausstellung aufmerksam zu machen.
Folgt uns nun durch das Renaissance-Labyrinth des ehemaligen Konvents von S. Salvatore in Lauro. Nicht ich habe es so getauft - es wurde schon früher aufgrund der Loggien, Portiken, Flure, Treppen und Passagen rings um Kreuzgang, Innenhof und Garten so genannt.
Der Kreuzgang ist ein sehr qualitätsvolles Werk vom Ende des römischen Quattrocento, wahrscheinlich von 1491. Das Ergeschoss mit seinen Säulen und Arkaden ist der älteste Teil und wahrscheinlich das Werk von
Baccio Pontelli. Er ist ein wenig bekannter Architekt, der zu Unrecht oft nur als "Handwerker" betrachtet aber als Künstler unterschätzt wurde.
Schlanke Marmorsäulen tragen an jeder Seite des quadratischen Gevierts fünf Arkaden. An den Ecken ersetzen Pfeiler die Säulen. Alle stehen auf einer niedrigen Brüstungsmauer unterbrochen von 4 Öffnungen zum Hof in der Mitte.
Das Obergeschoss mit Pfeilerarkaden ist eine Erweiterung aus dem 16. Jh. und nicht so elegant in den Proportionen, wie die unteren Gänge.
Auf meinen Bildern erkennt man einen schönen Brunnen in der Mitte des Kreuzgangs. Ich habe gelesen, dass es einen grossen Brunnen im Kreuzgang gab, dieser aber 1743 entfernt wurde. Ob nun der alte Brunnen zurückgekehrt ist, oder ein anderer seinen Platz eingenommen hat, kann ich nicht sagen. Leider habe ich es versäumt mir das Wappen am Brunnen anzuschauen, es liefert vielleicht einen Hinweis auf das Alter des Brunnens.
Vor der Pförtnerloge schmücken ein paar Pflanzen, u.a. sogar noch im Dezember blühende Geranien das Mäuerchen.
Besonders schön finde ich die feinen Marmorprofile der Arkadenbögen im unteren Teil des Kreuzgangs. Auf dem folgenden Photo kommen sie gut zur Geltung:
An einer Seite des Obergeschosses des Kreuzgangs öffnet sich der Blick von einer Loggia auf einen dahinterliegenden etwas kleineren Innenhof, cortile oder cortiletto genannt.
Viele feine und schöne Kunstwerke gibt es hier zu bewundern. An zwei einander gegenüber liegenden Seiten befinden sich Marmorportale mit Nischen für Statuen von Heiligen.
Über einem der Portal erkennt man eine Büste des eingangs erwähnten Kardinals Latino Orsini. In der Mitte des hübschen
cortile steht ein Brunnen aus dem 17. Jh., die Fontana dei Piceni. Das ganz von Pflanzen bewachsene Becken ist von einer runden Balustrade umgeben
. In jeder Ecke dieser Seite des
cortile steht eine moderne Skulptur.
Die kleine Bronzeskulptur links ist von
Umberto Mastroianni, einem Onkels des Schauspielers Marcello Mastroianni und trägt den Titel
Sarabanda (1959).
Obwohl sie ein wenig seltsam an diesem Ort anmutet, gefiel mir die Figur in der rechten Ecke gut. Sie war 2013-14 Teil einer Ausstellung mit Werken des Bildhauers
Emilio Greco welche unter dem Titel
Emilio Greco: I segni e le forme. Sculture e incisioni an zwei Orten in Rom stattfand: im Museo di Roma des Palazzo Braschi und hier, in den ehemaligen Konventsgebäuden von S. Salvatore in Lauro. Die Beton-Figur trägt den Titel
Grande figura accoccolata n.1 (1961). Zu Emilio Greco folgt evt. nach Beendigung des Reiseberichts noch ein kleiner Exkurs.
Dem ersten Portal genau gegenüber liegt unter einem Portikus ein weiteres sehr ähnliches. Die Tür führt ins ehemalige Refektorium. Links und rechts davon befinden sich zwei Grabmäler aus dem späten 15. Jh.
Besonders schön ist das Relief an der Innenseite des Eingangs zum
cortile. Es zeigt die Befreiung von Petrus durch einen Engel aus dem Gefängnis in Jerusalem. Das Relief entstand Mitte des 15. Jahrhunderts und ist ein Werk des Bildhauers
Vincenzo de' Rossi (1525 bis 1587). Es befand sich ursprünglich in einer Petrus-Kapelle der 1591 abgebrannten älteren Kirche.
Im
cortile befindet sich auch der Eingang zu einigen Ausstellungsräumen. Hier hatte Angela 2009 dankenswerterweise für mich den Katalog einer damals stattfindenden Ausstellung über den russischen Dichter Gogol in Rom besorgt.
Ich war im Dezember früh am Morgen der einzige Besucher der kleinen Ausstellung "Via Lauretana, via della Misericordia". Ausgestellt waren u.a. zwei Gemälde von
Lorenzo Lotto (1480 bis 1557), der 1552 in das Kloster von Loreto eintrat und dort gestorben ist. Bei dem einen Gemälde handelt es sich um die
Adorazione dei magi (1554-1555) aus dem Museo Antico Tesoro di Loreto.
Besonders gut gefiel mir die
Madonna adorante il Bambino (1546) aus der Pinacoteca Civica di Palazzo Chiericati in Vicenza.
Als ich die Ausstellung verliess, genoss ich noch einmal den Blick auf das Petrus-Relief und gelangte durch die kurze Passage wieder in den Kreuzgang.
Nun wollte ich auch noch einen Blick in die Kirche werfen, die ich an einem Dezemberabend 2010 zum ersten Mal besucht hatte. Damals war die Krippe allerdings eine andere:
2010
Die diesjährige Krippe gefiel mir sehr gut und ich stand lange davor um alle Details anzusehen:
Hier noch ein Blick auf den Altarraum der Kirche mit der Kopie der Madonna von Loreto.
In Erinnerung geblieben war mir auch eine lebensgroße Skulptur von Padre Pio, der Jesus hilft sein Kreuz zu tragen:
Als ich aus der Kirche heraustrat blieb ich noch ein wenig auf dem Platz stehen und überlegte, was ich mit dem angebrochenen Morgen anfangen sollte. Meine drei Begleiter waren gemeinsam zu eigenen Zielen aufgebrochen und ich zögerte noch ein wenig, welchen Weg ich einschlagen sollte. Dann kamen als nette Überraschung ColleMarina und ihr BEVA auf mich zu und wir unterhielten uns ein wenig über die Zufälle des Lebens

bevor sie ebenfalls Kirche und Kreuzgang einen Besuch abstatteten.