Den Bildern sieht man an, wie kalt es war - deswegen denke ich: ein wenig Kontrastprogramm wäre vielleicht nicht schlecht ...
Leonardos Romreise - 5. Teil
Ein wunderbarer Ausflug stand noch bevor. Und das war ein toller Tag, zumal auch der Frühling seine Vorboten schickte. Das Timing war geradezu perfekt (merci an Claude, die für das Programm verantwortlich war): der schönste Tag der Woche war für den Ausflug nach Tivoli reserviert.
Und NEIN - gemeint war nicht das Stadion von Alemannia Aachen ...
In der Villa Hadriana kam ich voll auf meine Kosten und ich denke noch gern an die Sonne und den wolkenlosen Himmer. Ein himmlisches Vergnügen - sollte man meinen.
Die Prachträume des sog. Teatro marittimo regten zu intensiven Bärenträumen an.
Was war das für ein Vergnügen - vor allem war so gut wie gar nichts los, kein Besucherandrang. wir konnten die Villa richtig genießen und die Stege zum Inselpavillon mußten gar nicht eingezogen werden, damit ich meine Ruhe hatte.
Besonders gut gefiel mit auch der "canopus" bezeichnete Teil der Villa, obwohl die Namen ja doch weitgehend der Phantasie entsprechen.
Hier machte ich auch Bekanntschaft mit den Flussgöttern Nil und Tiber
Was wir uns erzählt haben - aus fernen Zeiten - das verrate ich allerdings nicht.
Ganz mutig wagte ich es, mich dem Krokodil anzunähern. Und es war auch so freundlich, mich zum Platznehmen aufzufordern.
Einstmals war es eine Brunnenfigur, aus deren Maul Wasser sprudelte.
Überhaupt ist dieser Teil der Villa mehr als interessant. In der Regel wird darin ein Abbild Ägyptens gesehen - in Wirklichkeit ist das viel mehr.
Je vous explique:
Hinten am "canopus" ist eine Grotte mit einem "stibadium" - einem halbkreisförmigen gemauerten Speisesofa, auf dem der Kaiser platzzunehmen pflegte. Hinter selbigem ist eine "Höhle" und diese steht für den Nil vom ersten Katarakt an. Deswegen auch der Wasserfall ganz hinten in der Grotte. In den seitlichen Nischen befanden sich Statuen von Antinoos als Osiris, des jugendlichen Liebhabers des Kaisers Hadrian aus weißem Marmor. Genau - ihr habt es sicher gemerkt: weiß ist die Farbe der Krone Oberägyptens.
Das halbkreisförmige stibadium selbst barg in einigen seiner Nischen ebenfalls Statuen des Antinoos-Osiris - aber nun in rotem Marmor. Damit ist das eine Anspielung auf Unterägypten, eben auf die rote Krone der Pharaonen. Und das stibadium selbst steht für das Delta des Nil. Die dort vorhandenen Wasserbecken stellen die Mündungen des Nil in das Mittelmeer dar und ergießen sich in ein Becken vor der Anlage.
Und wenn man nun weiterdenkt, so ist das große langestreckte Becken gar nicht mehr der Nil (der ist ja in der Grotte), sondern es stellt das Mittelmeer, das mare nostrum, dar. Und dieses sah der Kaiser vor sich, wenn er bei sommerlichem Klima dort seine Gelage veranstaltete. Damit machen dann auch die Karyatiden und die übrigen Statuen Sinn, die hier aufgestellt waren. Leider läßt sich die Dekoration der Villa wegen der unzureichenden Dokumentation der alten Ausgrabungen nur unzureichend rekonstruieren.
Vielleicht hätte ich eine Zeichnung machen sollen ...
Beim Verlassen der Villa konnte ich noch ein paar Entchen entdecken, die friedlich ihre Kreise zogen:
Bevor mir hier nun alles flötengeht, speichere ich mal schnell und dann geht es weiter ...
Viele Grüße
Leonardo
à suivre