Hallo Arktoi,
jetzt haben wir noch von einem Tag zu erzählen. Da wir am ersten Tag unserer Visite im Süden in Arles ein Kombiticket erstanden haben, aber längst nicht alle Besichtigungen auch erfolgt sind, war es gar keine Frage: wir fahren noch einmal hin. Außerdem gab es auch keinen Regen (allerdings auch keinen so strahlenden Sonnenschein mehr :nod: - für unsere Bötchentouren hatten wir genau die richtigen Tage ausgesucht).
Zuerst ging es ins Amphitheater (wenn wir richtig hingeschaut haben, waren in der Arena nocht Blutspuren zu sehen ...). Da es aber in luftiger Höhe doch sehr windig war, haben wir auf den Fototermin verzichtet (so weit hinunterzupurzeln - vielleicht gar in eine völlig unzugängliche Ecke: nein, danach stand weder uns noch den Chefinnen der Sinn. Obwohl: wir sind sicher, dass die sapeurs-pompiers ausgerückt wären um
uns zu retten.
Anschließend ging es zum Theater, dessen Rekonstruktion wir ja schon im Museum gesehen haben, wie auch so manches Ausstattungsstück. Das stand den stadtrömischen Einrichtungen um nichts nach! Verwendet wurde bester Carrara Marmor, die Augustusstatue von der Bühnenrückwand ist vom Feinsten und die Venus von Arles ist sogar richtig berühmt. Nur: diese ist nur noch in Form einer Kopie vor Ort. Das Original wurde nach Paris verschenkt, damit der König seinen Garten in Versailles damit dekorieren konnte - heute ist sie im Louvre:
Aphrodite dite "Vénus d'Arles" – Antiquités grecques, étrusques et romaines | Musée du Louvre
In situ sind nur noch eine Reihe von Architekturteilen, deren Qualität auf italische oder sogar (stadt-)römische Handwerker schließen läßt. Ja - Augustus hat sich nicht lumpen lassen ...
Es war uns natürlich ein Vergnügen, die herabgefallenen Marmorgesimse der Bühnenfront als Bärensitzbänke umzufunktionieren:
Wenn man sich vorstellt, dass die Bühnenwand drei Stockwerke umfaßte und etwa 100 farbige Marmorsäulen (darunter sogar der tunesische Giallo antico! Sündhaft teuer ...) hatte, dazu die Statuen. Das muß gigantisch gewesen sein. Vorbild war wohl ein Gebäude, das viele von Euch kennen: Das Marcellustheater.
10 000 Personen sollen im Theater von Arles Platz gefunden haben.
Anschließend sind wir gemütlich weitergezogen, zu den "Champs Elysées", oder wie es dort heißt: Alyscamps. Außerhalb der Stadtmauer gelegen, befand sich dort - an der Via Aurelia - die Nekropole. Von dort stammt ein Teil der umfangreichen Sammlung antiker Sarkophage im Museum (wenn wir uns richtig erinnern, stand irgendwo, es sei die umfangreichste nach den Vatikanischen Museen). Heute ist nur noch ein kleiner Teil der Nekropole zu sehen - Ergebnis des Baus einer Eisenbahnlinie im 19. Jh. Am Ende der Allee steht eine Kirchenruine. Hier lud uns eine Säule zum Platz nehmen ein - aber wir sind natürlich nicht als Säulenheilige (wie Simon, der Stylit) dort geblieben.
DENN: wieder in Aix angelangt, haben uns die dort heimischen Kollegen ein ganz tolles Geschäft gezeigt. Das wäre auch nach Eurem Geschmack gewesen, wenn wir an so manche Beiträge hier denken:
Ihr könnt Euch vorstellen, dass wir uns wie im Schlaraffenland vorkamen und eifrig probiert haben. Aber das hatten wir uns ja auch nach so viel Kultur wirklich verdient.
Am nächsten Morgen waren die Fotoapparate leider schon in den diversen Koffern: die Chefinnen sind gemeinsam nach Lutetia gefahren. Also trafen wir uns in etwas kleinerer Formation im Hotel, gingen in ein Café zum frühstücken. Dann konnten wir noch gemächlich über den Markt in Aix spazieren - der allerdings angesichts des heftigen Regens am frühen Morgen noch gar nicht fertig aufgebaut war. Und dann ging es leider auch schon mit dem Bus zum Bahnhof und dann mit dem TGV nach Lutece.
Danke fürs Lesen - und vielleicht hat ja der eine oder andere von euch mal Lust, die Gallia Narbonensis zu erkunden. Deswegen wird die Chefin, wenn sie Zeit hat auch noch einen Nachtrag für Zweibeiner schreiben ...
Viele Grüße in alle Bärenhöhlen und an alle Ehrenbären
S., Felix, Victor et alii