Spaziergang durch Rom


Sehr schön, Dein Bericht über die Domus Aurea! :thumbup:

Ich durfte sie auch im Mai besuchen und war einerseits begeistert, andererseits auch etwas traurig, denn die ursprüngliche Pracht wird wohl nicht mehr hergestellt werden können.​
 
Dentaria, so wie dir ging es mir schon in den 90er Jahren. Eine richtige Vorstellung der ehemaligen Pracht ist bei Betrachtung der traurigen Reste schwer moeglich. Das ist auch der Grund, warum ich diesen Besuch wohl nicht wiederholen werde.

Die Beschreibung in einem archaeoligischen Buch hat mir wesentlich mehr gebracht.
 
Vielen Dank für diesen weiteren schönen und lehrreichen Bericht. Was die domus aurea angeht, bin ich etwas gespalten. Auf der einen Seite bin ich sehr froh, dass sie wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird, andererseits fürchte ich einen Hype um diese Attraktion. Der Name Nero ist eben doch ein Begriff und ich fände es schade, wenn in Zukunft viel Menschen, wie beim Petersdom, nur dorthin kämen, weil es eben dazu gehört oder weil der Name zieht. Allerdings warnst du ja auch, dass der Zustand der Anlage nicht gerade berauschend ist. Mal sehen, wie sich das weiterentwickelt.
 






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Tja, nicht gerade berauschend ist leider sogar noch untertrieben. Schaut man z.B. hier in die Sala di Achille a Sciro: Das untere Foto stammt von der erklärenden Tafel, das obere von mir. Wenn das untere nicht extremst bearbeitet wurde, wird in ein paar Jahren nichts rettenswertes mehr übrig sein. :roll:

Ich glaube, der Hype wird sich in Grenzen halten, weil die umfassende Schönheit für die Augen unsichtbar ist.

PS. Vielleicht sollte man hier sogar hingehen - ganz ausnahmsweise - und die schönsten Fresken mitsamt der Mauern aus ein paar wenigen Räumen (und natürlich den Speisesaal) anderswo wieder aufbaut und den Rest einfach der Natur übergibt. Wenn man heute schon von über 50 Millionen Kosten spricht, bleibts garantiert nicht dabei oder man merkt zwischendurch sogar, dass das ganze quasi undurchführbar ist.
 
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Obwohl ich beim Spaziergang über den Palatin mit den ganzen Ruinen nicht so viel anfangen konnte (mir fehlt da leider die Vorstellungskraft), hat es mir dort trotzdem sehr gut gefallen. Man entdeckt immer wieder Ecken, die einen wunderbaren Blick auf die Stadt frei geben und ist erstaunt wie viel Ruhe dieser Hügel ausstrahlt.

Und, so kam es mir jedenfalls vor, schauen sich viele nur das Forum Romanum an, auf dem Palatin war es deutlich leerer.

Mir geht es ganz genau so, und deswegen probiere ich, die ollen alten Steine mit ein wenig 'Drumherum' aufzupeppen (und ich hoffe dabei nicht allzu belehrerisch herüberzukommen - für mich ist das einfach auch nur eine interessante und wichtige Aufarbeitung/Vertiefung).

Logisch, wenn man die Reizüberflutung des Forums genossen hat, fehlt einfach die 'Kraft', noch die Weiten des Palatins zu erforschen.

Zuerst habe ich auf meinen Spaziergang noch die ollen Mauern fotografiert. Aber irgendwann wurde mir klar, dass ich all die roten Ziegelstein-Überreste gar nicht mehr zuordnen kann.

Trotzdem werde ich im Mai wieder hin gehen :nod:

Sag mal, weißt du was ich da im Forum fotografiert habe :roll:
Ich weiß genau wo es steht und finde es einfach schön, habe aber vergessen zu schauen was es genau ist.
Peinlich, :blush:aber da muss ich jetzt durch, wenn ich wissen will, was es ist :~



Offenbar hat Dir noch niemand auf Deine Frage zu dem Photo geantwortet. Das sind die Überreste der Basila Aemilia auf dem Forum. Genau dieses Relief/ Fries hat mich letzte Woche auch gefangen :) Google-Ergebnis für http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/6/67/Basilica_Aemilia_3D.jpg
 
Ich glaube, der Hype wird sich in Grenzen halten, weil die umfassende Schönheit für die Augen unsichtbar ist.

PS. Vielleicht sollte man hier sogar hingehen - ganz ausnahmsweise - und die schönsten Fresken mitsamt der Mauern aus ein paar wenigen Räumen (und natürlich den Speisesaal) anderswo wieder aufbaut und den Rest einfach der Natur übergibt. Wenn man heute schon von über 50 Millionen Kosten spricht, bleibts garantiert nicht dabei oder man merkt zwischendurch sogar, dass das ganze quasi undurchführbar ist.

Also ist die Quintessenz: Besuchen Sie die domus aurea, solange sie noch steht. :lol:

Die Idee hat was. Vespasian wollte die domus den Römern zurückgeben, du der Natur. Finde ich den Zeitumständen angemessen! ;) Oh mann, wir haben doch noch gar nicht Dienstag...
 
Du kennst uns doch, wir sind sehr geduldig! Wenn Du einmal Zeit und Lust hast gehen / lesen wir natürlich gerne mit! ;)
 
Ihr seid wirklich geduldig. Ich bin wohl der einzige, der es mehr als drei Jahre in der Nähe des Kolosseums aushält; es ist aber auch wirklich schön dort. Bevor mir aber endgültig das Efeu um die Füsse wuchert, gehe ich mal ein paar Schritte weiter. Eigentlich brauche ich ja nur ein paar Meter zu meinem Ausgangspunkt, dem Circus Maximus, und hätte meinen Spaziergang beendet. Aber dazu habe ich natürlich keine Lust, und ausserdem hab' ich jetzt ja genug ausgeruht.

Östlich des Kolosseums und unweit der Straßenbahnhaltestelle liegen zwischen Via d, S. Giovanni in Laterano und Via Labicana noch ein paar alte Steine herum, die ich natürlich noch beschnüffeln muss. Die meisten kommen hier noch vorbei, wenn sie sich auf den Weg nach San Clemente aufmachen.

Die antiken Reste sind Teil einer grossen Anlage, dem ludus magnus. Hier verweilten die Gladiatoren, wenn sie nicht gerade in der Arena kämpften. Die Gladiatorenschule oder -kaserne war die grösste der vier bekannten in Rom und natürlich eng verbunden mit dem Amphitheater, mit dem sie durch einen unterirdischen Gang verbunden war. Hier übten nicht nur die Helden der Arena ihre Kampftechnik, sondern wohnten auch gleich dort. Untergebracht waren sie in geräumigen ca. fünf mal vier Meter grossen Doppelzimmern mit Ausblick auf die mittig angeordnete Trainingsarena, die immerhin fast 3000 Zuschauern Platz bot. An den vier Ecken der Arena waren jeweils dreieckige Brunnen zur Erfrischung der Kämpfenden angelegt, wovon einer rekonstruiert werden konnte.




Die Anlage wurde unter Domitian angelegt, doch die heute noch sichtbaren Reste stammen aus der Zeit Trajans, der den ludus magnus umbaute und anderthalb Meter in seinem Niveau anhob. Da der Bezirk auf dem antiken, steinernen Stadtplan aus dem 3. Jahrhundert n. Chr., dem Forma Urbis Romae noch in grossen Teilen erhalten war, kann man den Gesamtkomplex gut erfassen, denn der Grossteil kann wegen der Lage unter den modernen Stadthäusern nicht ausgegraben werden. Die ausgegrauten Stellen markieren die heute sichtbaren Ruinen.



Mit dem Ende des Weströmischen Reiches erledigten sich auch die Gladiatorenkämpfe, und Amphitheater nebst ludus wurden nicht mehr benötigt. Beide wurden zur Plünderung freigegeben, wobei es in erster Linie der Marmor war, der - fein gemahlen zu Kalk - als Baumaterial weiterverwandt wurde. Zum "guten" Schluss endete die Ausbildungs- und Wohnstätte der einst so geliebten Helden als Friedhof.


Roma bella mi appare...
 
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Bei meinen ersten Rombesuchen bin ich gerne die Via di San Giovanni in Laterano ein paar Meter weiter geschlendert, um nach San Clemente zu gelangen. Das schöne Gotteshaus im Rang einer Basilica minor ist dem Märtyrer Clemens I. geweiht, der in der Zeit von 88 bis 97 Bischof von Rom war. Seit 1677 gehört sie und das angrenzende Kloster irischen Dominikanern.



Über die Basilika wurde schon viel hier im Forum geschrieben, so dass ich mich äusserst kurz halten werde. Das besondere an ihr ist, dass sie in drei Ebenen besucht werden kann. Neben der mittelalterlichen Kirche im "Erdgeschoss", auch Oberkirche genannt, führt der Weg ein Stockwerk tiefer in die Räume einer frühchristlichen Basilika aus dem 4. Jh. n. Chr., der Unterkirche. Unter dieser findet man dann noch römische Gebäudereste aus dem 1. bis 3. Jh. n. Chr. nebst eines Mithräums.





Interessant und wertvoll sind vor allem die Wandmalereien der Unterkirche. Hier ist nicht nur die Widmungsinschrift für Clemens I. zu finden, sondern auch ein interessantes Detail. Etwas versteckt kann man eine unbekannte Episode aus dem Leben des Heiligen entdecken, die sich beinahe wie eine Geschichte aus der römischen Mythologie liest.




Teodora, die Frau des Sisinnius, wird vom heiligen Clemens zum Christentum bekehrt. Sie trifft sich mit Gleichgesinnten, worauf ihr Ehemann eine Affäre hinter der häufigen Abwesenheit der Bekehrten vermutet. Schliesslich verfolgt er sie bis in den Gottesdienst, wo er durch göttliches Eingreifen stumm und taub wird. Teodora bittet den heiligen Clemens, ihrem Mann zu helfen, der ihn daraufhin tatsächlich heilen kann. Anstatt Clemens zu danken, bildete sich Sisinnius nun ein, der Heilige hätte seine Frau verhext, um daraus Profit zu ziehen. Er trägt seinen Gefolgsleuten auf, Clemens zu ergreifen und ihn zu ihm zu bringen. Doch - von Gott geblendet - fesselten sie eine Säule und versuchten diese abzuführen, angetrieben vom Präfekten; dessen Worte sind wie bei einem Comic an der Wand zu lesen: "Fili de le pute, traite" („Zieht, ihr Hurensöhne“). Währenddessen kommentiert der heilige Clemens das Geschehen aus dem Abseits heraus: "Duritiam cordis vestri saxa trahere meruisti" ("Es geschieht euch Recht, dass ihr Steine angeschleppt habt bei der Härte eueres Herzens").



Auch wenn die Geschichte ihren ganz besonderen Reiz hat... die Kirche selbst hat leider viel davon eingebüsst. Seit sie in allen einschlägigen Reiseführern als "Geheimtipp" breitgetreten wurde, ist es mit der Ruhe und Beschaulichkeit, der schon im kleinen Atrium mit seinem Brunnen dem Besucher entgegenströmte, vorbei. Schon ihre Nähe zum Kolosseum lässt den Strom an Besuchern nicht abbrechen, die sich in die kleine Basilika drängen. Hinzu kommt, dass seit einigen Jahren "Türsteher" an den Eingangsportalen herumlungern, die dem Durchreisenden einen Eintrittsobolus abnötigen. Bei meinem ersten Rombesuch hatte ich die Kirche noch fast ganz für mich alleine, und es durfte auch noch nach Herzenslust fotografiert werden. Da wurden die analogen Bilder auch noch sorgfältig ins Album geklebt. O tempora, o mores!




Roma bella mi appare...
 
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Wieder wunderbare interessante Berichte. Och, ich würde es wohl 3 Jahre in und umzu des Colosseums aushalten. Antike gucken ist für mich nicht langweilig oder ermüdend. In S. Clemente war ich letztes Mal auch, eigentlich um mich in kirchlicher Stille und Ruhe von meinen erschöpfenden Ausflügen zu erholen. Das Vorhaben war aber durch die Betriebsamkeit in den heiligen Hallen zum Scheitern verurteilt. Aus welchem Jahr( hundert) stammt denn dein Foto-Album? Fotographieren darf man ja schon ewig nicht mehr. Immerhin kann man wirklich gut aufbereitete Postkartenmotive des Mosaiks in S. Clemente kaufen.
 
Antike gucken ist für mich nicht langweilig oder ermüdend.

Für mich auch nicht, und zu den alten Steinen wirst du sicherlich in meinem Spaziergang genug "Stoff" finden. :cool:

Na na, sooo lange ist das auch nicht her. Das war 1997. Ich habe damals zu Rom gefunden, weil der Vater meiner Freundin ein grosser Romkenner und -liebhaber war. Da er überdies noch Erklärbär in Geschichte war, musste ich vor der Reise einiges an intensiver Vorbereitung über mich ergehen lassen, die mir aber nicht geschadet hat. Ganz im Gegenteil... Ich kann mich gut daran erinnern, dass er mich ganz zuerst auf den Gianicolo hoch schickte. :D
 
"Päpstin Johanna"
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Wer sie sucht, findet sie. Nur einen Steinwurf von San Clemente entfernt in der Via dei SS. Quattro Coronati schmiegt sich ein kleiner Altarbau ganz unscheinbar an die Wohnhäuser, und fast hätte ich ihn im Vorbeigehen fast übersehen. Eine weisse Rose wirkt etwas verloren am rostigen Gitter, das die verblichene Wandmalerei schützt, die sich im Inneren verbirgt. Ein Marienbild, an dem fromme Frauen Blumen bringen - hier an der Vicus Papissa, wie die Strasse früher hiess. Der Name hat übrigens nichts mit Johanna zu tun, sondern mit einer reichen Familie aus dem Mittelalter namens Pape, die sogar eine eigene Kapelle besassen. Der letzte der Sippe hinterliess eine Frau namens Papessa. Natürlich mag sich ein Fremder damals über den seltsamen Namen gewundert und sich einen Reim daraus gemacht haben: die Nähe zum Papstpalast, die Tatsache, dass die Päpste bei Prozessionen die (damals recht enge) Straße mieden, ein heidnisches Göttinnenbild mit der seltsamen Inschrift... das alles mag zur Entstehung dieser volkstümlichen Legende beigetragen haben, bis sie sich schließlich verselbstständigte, man in Rom begann, an sie zu glauben.

Die Geschichte der Päpstin Johanna ist rasch erzählt. Den zahlreichen Legenden zufolge stammte Johanna aus Mainz und soll über verschiedene Umwege nach Rom gelangt sein, wo sie aufgrund ihrer Bildung und ihres Verstandes schnell die hierarchische Leiter aufgestiegen war. Angefangen als Notar erklomm sie den Kardinalsstuhl, um darauf dann zum Papst gekrönt zu werden. Allerdings hatte sie einen entscheidenden Fehler gemacht. Eines Tages, bei einem Ausritt, brachte sie einen Sohn zur Welt. Das aufgebrachte Volk band sie am Schwanz des Pferdes fest und ließ sie rund um die Stadt schleifen, bevor es sie steinigte und ihren Leichnam verscharrte. An der Stelle, an der sie starb, wurde ein Gedenkstein errichtet, auf dem geschrieben stand: „Petre, Pater Patrum, Papisse Prodito Partum“ („O Petrus, Vater der Väter, offenbare die Kindsgeburt der Päpstin“)

An diese Legende von der Päpstin Johanna wollte man lange genug glauben, nicht obwohl, sondern eben gerade weil sie so pikant war. Die klatschsüchtigen Römer überlieferten jeden Skandal, ob wahr oder nur glaubhaft erdichtet. Geblieben ist dieser kleine Altarbau, der in den letzten Jahren endlich einmal restauriert wurde. Die alten Fotos bezeugen den traurigen Eindruck, den selbst eine Legende nicht verdient hat.




Mittlerweile strahlt der Bau nach dieser umfangreichen Restaurierung wieder ein wenig heller und freundlicher. Ein winziger Kieselstein im grossen "Gesamtkomplex Rom", und doch ein beachtenswertes Mysterium. Ich gehe gerne daran vorbei, denn immer findet sich eine frische Blume oder sogar eine Widmung daran. Die Geschichte von der Päpstin Johanna ist eine Sage, nicht mehr, aber auch nicht weniger.




In der Chorkapelle von Santa Maria in Trastevere hängt ein grosses Gemälde, dessen Zentrum eine Frau mit einem weissen Gewand darstellt, die die Tiara, die Papstkrone trägt. Thema des Bildes ist das Trientiner Konzil, aber wer diese Frau ist, konnte bisher nicht mit Sicherheit geklärt werden.



Roma bella mi appare...
 
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Vielen Dank für die Weiterführung deines Spazierganges! Sehr gerne begleite ich dich durch diese interessante Gegend.
Oft schon bin ich diese Straße entlang gelaufen, den kleinen Altar habe ich jedesmal übersehen. Umso schöner ist es, jetzt darüber etwas zu erfahren.
 
Die Tempel selbst können nicht mit Sicherheit zugeordnet werden, doch hat man im Zuge der Grabungsarbeiten einen überlebensgrossen Kopf (1,46 m!) der Fortuna gefunden, so dass man zumindest den Rundtempel als Kultstätte der Glücksgöttin verifizieren kann. Leider hab' ich bisher nicht rausfinden können, wo das Köpfchen letztendlich gelandet ist.


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Es befindet sich im Museo Centrale Montemartini. Hier ein paar Aufnahmen von Herbst 2010

Da ich seinerzeit Nummis' Bericht leider weit weniger sorgsam gelesen :oops: hatte als heute, fiel mir vorhin erst die Bildunterschrift auf, welche besagte:
Der Kopf sei ausgegraben worden, als man dabei war, eine Pinie zu pflanzen 1929 am Vorabend des 21. April = Natale di Roma. :cool:
 
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Du willst mir doch nicht durch das Blümchen sagen, ich solle hier mal so "langsam" weitergehen?

Ist doch nur knapp sieben Jahre her. :cool:
 
Du willst mir doch nicht durch das Blümchen sagen, ich solle hier mal so "langsam" weitergehen?
Ach, du gütiger Hermann Josef von Steinfeld! o_O;) ... nein, natürlich nicht. :)

Also nein, nein – sondern mir fiel lediglich auf, dass bislang wohl weder ich noch sonst jemand geachtet hatte auf das Datum dieses Fundes, von dem du so angetan warst. ;)
 

Santi Quattro Coronati
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Nach einer etwas üppigeren Pause als gewohnt braucht es nur ein paar Schritte zu einer Kirche, die mich sofort fasziniert hat, und obwohl sie nur wenige Gehminuten von der oben erwähnten San Clemente entfernt liegt, führt sie quasi ein "Schattendasein". Denn während sich in San Clemente die Touristenströme durchhangeln, bleibt man in Santi Quattro Coronati ziemlich einsam. Der Grund meiner Euphorie ist dem Kreuzgang zu verdanken, den ich für den schönsten in ganz Rom halte, und der selbst bei Besuchern, die mit der Besichtigung von Gotteshäusern nicht viel am Hut haben, zweifelsohne einen bemerkenswerten Eindruck hinterlassen wird.

Dabei war mein erster Besuch, der leider bisher auch meiner letzter war, nicht geplant und eine Spontanaktion, so dass ich gleich eingestehen muss, dass einer der Höhepunkte, nämlich die Silvester-Kapelle an mir vorübergeeilt ist. Somit wartet sie noch auf mich und meinen ersten Besuch.

Bei der ersten Annäherung denkt man eher an eine Burg als an eine Kirche...

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In Wirklichkeit handelt es sich um einen echten Klosterkomplex, der seit dem 16. Jahrhundert von Augustinerinnen bewohnt und verwaltet wird. Mauerreste unter der Apsis bezeugen einen ersten Kirchenbau im 4. Jh. n.Chr., und natürlich sollten in den folgenden Jahrhunderten zahlreiche Neu- und Umbauten folgen, auf die ich im einzelnen hier nicht eingehen möchte. Tief Interessierte finden die ausführliche Geschichte im betreffenden wikipedia-Artikel.

Die Heiligen Vier Gekrönten – denn das ist die Übersetzung von Santi Quattro Coronati – werden als Schutzpatrone der Steinmetze verehrt. Die Geschichte der namensgebenden Heiligen ist jedoch etwas kompliziert. Seit alters her werden vier aus der römischen Provinz Pannonien stammende Steinmetze, namentlich Claudius, Nicostratus, Castorius und Sempronianus, als Märtyrer verehrt. Der Legende nach weigerten sie sich, eine vom Kaiser Diokletian in Auftrag gegebene Statue des Heilgottes Äskulap zu fertigen und diesen zu verehren. Nach der Legenda aurea fanden sie im Jahr 304 n. Chr. den Tod, indem ihnen eiserne Kronen in die Köpfe geschlagen wurden. Papst Miltiades ordnete im Jahr 313 n. Chr. ihre Verehrung an. Auf dem Monte Celio in Rom wurde zunächst eine Hauskirche errichtet, die im Jahr 595 n. Chr. erstmals unter dem Titel Quattuor Coronati („Vier Gekrönte“) bezeugt ist. Ferner überliefert sind vier Soldaten aus der Ehrengarde Diokletians, der Cornicularii, die nicht dem Äskulap opfern wollten und daher 311 n.Chr. bei den Trajansthermen, auf dem gegenüberliegenden Hügel, hingerichtet wurden. Ihre Körper wurden darauf in die Kirche Santi Quattro Coronati überführt. Und noch weitere Märtyrer sollten folgen...

Wenn man die Schwelle überschreitet, hat man den Eindruck, in eine antike, in der Zeit schwebende Atmosphäre einzutauchen, weit entfernt vom Chaos und den frenetischen Rhythmen der modernen Stadt.



Durch einen barocken Portikus geht man vom ersten zum zweiten Vorhof. Er entstand bei der Verkürzung der Kirche zum Paschalis-Bau im 11. Jh. Auf der rechten Seite ist noch der Rest einer Rundbogenarkade mit drei ionischen Säulen erhalten, die ursprünglich das Mittelschiff vom nördlichen Seitenschiff trennten.

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Den Eingang zur Kirche verziert ein barockes Fresko, das die Verehrung der Vier Heiligen durch Nonnen und Waisenmädchen zeigt.

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Das Innere der Kirche, die 1116 von Pasquale II. geweiht wurde, besteht aus einem Hauptschiff und zwei Seitenschiffen, die auf Säulen von Monumenten des kaiserlichen Roms überragt werden. Der Fußboden im kosmatesken Stil ist immer noch der ursprüngliche, der aus großen Marmor- und Porphyrscheiben und polychromen Mosaiken aus Mosaiksteinen aus römischem Marmor besteht.

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Die Apsis, umfasst alle drei Schiffe und erstreckt sich über die Breite des Mittelschiffs der ersten Basilika, wo sich die heutigen drei Schiffe befinden. Die prachtvollen Fresken, die es bedecken, sind das Werk des Florentiner Malers Giovanni da San Giovanni (1592-1636) dar.

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Der von mir hochgelobte prächtige Kreuzgang aus dem 13. Jahrhundert, der Anfang des 20. Jahrhunderts in seiner ganzen alten Pracht ans Licht gebracht wurde.

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Er ist einer der intimsten und friedvollsten Orte in Rom und lässt die Hektik der Großstadt sofort vergessen.

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Die Arkaden ruhen auf schlichten Doppelsäulen mit Lotuskapitellen.

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Der aufmerksame Besucher entdeckt unter den Arkaden in die alten Steine geritzte Spielfelder, die höchstwahrscheinlich aus antiker Zeit stammen. Vergleichbare hat man übrigens auf den Marmorstufen der Basilica Iulia auf dem Forum Romanum entdeckt, wo sich die Römer ihre Zeit zwischen den langweiligen Gerichtsverhandlungen vertrieben.

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In der Mitte des Gartens befindet sich ein Marmorbrunnen, der aus einem runden, in einem einzigen Block geschnitzten Becken besteht.

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Sicher gibt es noch viel mehr interessantes in Santi Quattro Coronati zu entdecken, aber meine nächsten Ziele warten schon, und da gibt es dann wieder mehr von den "alten Steinen".

Roma bella mi appare...

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