Spaziergang durch Rom - Addenda et Corrigenda

nummis durensis

Princeps Senatus
Stammrömer
Rom-Reise
20.12.2019-27.12.2019
Wenn man die Steine und Münzen zu lesen versteht, wird Geschichte daraus.
Ja. Es ist sozusagen Geschichte zum Anfassen. Ach, eigentlich sammel' ich ja nicht Münzen, sondern das Wissen darüber. :)
Zur Zeit warte ich auf einen Republik-Quinar, der eng mit der Tiberinsel und dem Aeskulaptempel in Verbindung steht. Von letzterem bekommt man vor Ort eigentlich nichts mit... Aber das macht es gerade so interessant.


Hier ein Foto von der Seite Tempio di Cesare - Digitales Forum Romanum auf dem die Lage der archtitektonischen Überreste (links unterhalb der Bildmitte) zu erkennen ist.
Genau das isses. Da latscht man zigmal vorbei, und erst, wenn man sich intensiv beschäftigt, fällt es wirklich auf.

Grüsse
Rainer
 

nummis durensis

Princeps Senatus
Stammrömer
Rom-Reise
20.12.2019-27.12.2019
Die Statue des Marsyas

Marsyas ist eine vielschichtige und komplexe Gestalt der antiken Mythologie, die eine weitaus wichtigere Stellung für die Stadt Rom und seine Bürger einnahm, als man das vermuten möchte. Seine Wurzeln stammen aus Phrygien, einer Region in der heutigen Türkei, wo er als Gott des gleichnamigen Flusses Marsyas nahe der Stadt Kalainai tätig war, die er im übrigen auch gegen die Galater beschützte. Es waren schliesslich die Griechen, die ihn dann kurzerhand zum Silen bzw. Satyr umfunktionierten, und ihn mit vielerlei Mythen und Geschichten bedachten. Die bekannteste von ihnen erzählt von einem Wettstreit unter Männern, namentlich zwischen Marsyas und Apoll. Den Stein ins Rollen gebracht hat aber die Göttin Athene, die vorher mal kurz eben die Flöte erfand, dieser aber schnell überdrüssig wurde, als sie merkte, dass ihr Anlitz durch das Flötenspiel entstellt wurde. Somit landete das Teil im Müll, worauf Marsyas darüber stolperte und Gefallen daran fand. Übermütig und grössenwahnsinnig forderte er den Gott auf der Kithara namens Apoll zu einem Musikwettbewerb heraus, wobei als Schiedsrichter die Musen tätig werden durften. Nach der instrumentalen Einlage beider Kontrahenten neigte sich die Waagschale Richtung der Herausforderers, jedoch bot der kluge Apoll noch eine gesangliche Zugabe, die ihm letztendlich den Siegeslorbeer einbrachte. Nun hatte man vorher vereinbart, dass der Gewinner mit dem Unterlegenen machen könne, was er wolle. Apoll hängte den armen Satyr an eine Fichte, dem heiligen Baum der Kybele, und liess ihm bei lebendigem Leibe die Haut abziehen. Mit dem dabei vergossenen Blut entstand dann der Fluss Marsyas, wie Ovid berichtet.

Von der blutigen Häutung des Marsyas erzählen zahlreiche Kunstwerke wie die Statuen des Marsyas aus dem Louvre in Paris bzw. im Kapitolinischen Museum zu Rom, aber auch ein Gemälde von Tizian.


Statue des Marsyas - Kapitolinisches Museum / Rom

Aber es existiert auch eine weniger blutige Darstellung des Satyrs. Auf dem Forum Romanum befand sich bereits zu republikanischen Zeiten eine Statue des Marsyas, der lässig einen "Weinschlauch" schultert und die rechte Hand zum freundlichen Gruss erhebt. Wann sie aufgestellt wurde, ist nicht bekannt, aber für das Jahr 273 v. Chr. wurde bereits eine solche Figur in der latinischen Kolonie Paestum nachgewiesen, wobei es sich um eine Bronzereplik des stadtrömischen Vorbildes handelte. Wie Servius berichtet, stand Marsyas unter dem Schutz des Gottes Liber; jenem alten Gott, der mit dem plebeischen Hügel, dem Aventin, assoziert war. Weitere antike Quellen erzählen uns, dass in damaliger Zeit in vielen Gemeinden italischen Rechts Statuen des Marsyas aufgestellt wurden, die im übrigen auch auf zahlreichen Provinzialmünzen belegt sind. Servius betont, dass die erhobene Hand des Satyrs sinnbildlich dafür stehe, dass es den Gemeinden an nichts fehlt. Der ominöse "Sack" wird grösstenteils als Weinschlauch bezeichnet. Meine Gedanken gehen jedoch dahin, dass es die abgezogene Haut des Geschundenen ist; ob er sie mit Wein gefüllt hat, lasse ich mal dahingestellt. Aber im Gesamtkonzept passt es sehr gut, dass Marsyas aus der Not eine Tugend gemacht hat und den Falerner "über das Volk ausschüttet". Zumindest hier besteht noch viel Interpretationsspielraum.

Die Statue stand sinnbildlich für die Freiheit aller Bürger der Römischen Republik, und so erhielt sie ihren Platz an der zentralen wichtigen Stelle des Forums, dem Ort des politischen Wirkens, dem Comitium. Nach neuesten Erkenntnissen vermutet man ihren genauen Platz dicht bei der Curia Hostilia neben dem Puteal - in etwa dort, wo der Lapis Niger zu finden ist. Alte Platzierungen, wie beispielsweise diejenige vom Modell des antiken Roms aus dem Museo della Civiltà Romana sind damit überholt.

Der Marsyas des Forum Romanums ist auch auf den plutei trajani abgebildet. Die Marmorreliefs zeigen ihn gleich zweimal. Diese doppelte Darstellung darf als Anhaltspunkt bzw. Verbindung der beiden Reliefs angesehen werden. Sie bieten nicht nur einen Blick über die damalige bauliche Situation des Forum Romanums, sondern beschreiben auch die rechtsstaatliche Ordnung und die Freigiebigkeit des Kaisers, die in der Alimentationsgruppe besonders zum Ausdruck kommt. Diese und auch die anderen Szenen wie das Congiarium, die kaiserliche Getreidespende, vermitteln in der Prominenz mit Marsyas das Konzept der Libertas. Von Trajan ist übrigens inschriftlich bezeugt, dass er seine Briefe mit der Abbildung des Marsyas zu siegeln pflegte. Andere Quellen berichten ferner darüber, dass die Bürger an der Statue des Marsyas Botschaften hinterliessen; ein Brauch, der uns ja von Pasquino bestens bekannt ist. Marsyas, die Freiheitsstatue Roms als Symbol für das römische Bürgerrecht.


plutei trajani


Natürlich kann ich auch die entsprechende Münze dazu vorstellen. Ein Denar der römischen Republik aus dem Jahr 82 v. Chr. zeigt auf seiner Rückseite die Statue des Marsyas mit dem "Weinschlauch". Rechts davon ist eine Statue auf einer Säule abgebildet, die allerdings nicht namentlich benannt werden kann, da der räumliche Kontext fehlt und die Figur nicht eindeutig identifizierbar ist. Ich arbeite daran...
Der Münzmeister Lucius Marcius Censorinus entstammte dem Geschlecht der Marsi, die angeblich ihren Namen auf Marsyas zurückleiten, doch wird diese These nach wie vor kontrovers diskutiert und ist nicht bewiesen.



Lucius Marcius Censorinus
Denar
82 v. Chr.
Av.: Kopf des Apollo n.r.
Rev.: L. CENSOR Marsyas steht m. "Weinschlauch" n.l.; r. Säule mit Statue
3,94 Gr.
Sydenham 737
Cr. 363
Anm.: Kleine Stempelbrüche auf dem Av., prachtvolle alte Patina

 
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ColleMarina

Praetor
Stammrömer
Rom-Reise
11.03.2020-25.03.2020
Wieder einmal eine interessante Beschreibung, sowohl des Mythos als auch der entsprechenden Darstellungen auf Reliefs und Münze.

Warst du nicht auch vor ein paar Jahren in der Centrale Montemartini? Dort gibt es ja auch noch ein sehr schönes Relief von Apoll und Marsyas...
 

nummis durensis

Princeps Senatus
Stammrömer
Rom-Reise
20.12.2019-27.12.2019
Vielen Dank für die Info.

Im MCM war ich schon zweimal, aber das Relief ist mir nicht aufgefallen. Ich habe es im Netz hier gefunden. Eine sehr schöne Darstellung. Weiterhin ist in Athen noch ein Relief zu bewundern; da ist noch zusätzlich der Skythe dargestellt, der später die blutige Tat ausführen durfte.

Grüsse
Rainer
 

ColleMarina

Praetor
Stammrömer
Rom-Reise
11.03.2020-25.03.2020
Genau das meinte ich! Wenn du magst, kann ich auch noch ein Foto, das ich gemacht habe, zur Verfügung stellen.
 

nummis durensis

Princeps Senatus
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Rom-Reise
20.12.2019-27.12.2019

Der Tempel des Asklepios

auf der Tiberinsel ist wieder so ein Bauwerk, von dem es keine Überreste gibt. Er gehörte zu einem heiligen Bezirk, der für Kult und Inkubation erforderlich war, und das in der Form eines flussaufwärts fahrenden Schiffes. Als im Jahre 293 v. Chr. in Rom eine Epedemie ausgebrochen war, befragte man die Sibyllinischen Bücher, wie man die Krankheit überwinden könne. Die Lösung war der griechische Heilgott Asklepios, den man jedoch erst einmal aus Epidauros, seiner bedeutendsten antiken Heilstätte, holen musste. Seine Therapie bestand vor allem in der Inkubation, dass heisst, die Kranken legten sich an heiliger Stelle nieder und bekamen im Traum Hinweise, welcher Heilmittel sie sich bedienen sollten, wenn die Heilung nicht schon vorher durch ein Wunder vollbracht war. Gemäß der Anweisung machte sich also eine Gesandtschaft auf nach Griechenland, und Asklepios folgte der freundlichen Einladung in die Urbs. Freiwillig segelte er in Inkarnation einer Schlage mit über das Meer und entlang des Tibers, bestimmte aber den Ort, wo er verweilen sollte, selbst. Wie es geschah, schildert uns Ovid:

Als zum Haupt der Welt, zu der römischen Stadt sie gelangt war,
richtet die Schlange sich auf, und oben gelehnt an den Mastbaum,
regt sie den Hals und späht umher nach gelegenem Wohnsitz.
In zwei Teile begibt sich der Strom mit umfliessenden Wellen -
Insel heisst die Statt, und neben dem Land in der Mitte
streckt er sich rechts und links mit zwei gleichmässigen Armen.
Dahin wendet sich jetzt zu gehen die phöbische Schlange
aus dem latinischen Kiel, und gekehrt in die himmlische Bildung
setzt sie dem Jammer ein Ziel und erscheint heilbringend der Hauptstadt.



Die Tiberinsel war nicht einfach so da, sondern entsprang getreu der römischen Tradition aus einer mystischen Sage. So soll sie im Anfang er römsischen Republik durch die Aufstauung des als sacrum den Unterirdischen geweihten tarquinischen Getreides entstanden sein. Das machte Sinn, denn bis dahin war sie unbewohnt und durch die sandigen Anschwemmungen auch nicht wirklich kultivierbar. So verwundert es nicht, dass sich bald nach dem Tempel noch andere Heiligtümer dort hinzugesellten. Livius berichtet uns von einem Tempel des Jupiter Iurarius, ein anderer wurde aus Strafgelder dem Faunus erbaut. Aber - viel wichtiger - auch die Flussgottheit Tiberinus hatte hier ihre Kultstätte, von derem lokalen Festtag im Dezember die amiternischen Fasten unterrichten. Der Tiber bedeutete für die Römer nicht nur die Grenze zur Abwehr von Feinden, nicht nur die Verbindung zur weiten Welt mittels der Schifffahrt, sondern auch Fruchtbarkeit. Darum verehrte man den Flussgott vor allem auch als Spender des lebenbringenden Wassers. Wenn Trockenheit herrschte ertönte von überall her der Ruf "Adesto Tiberine cum tuis undis!" - Erscheine, Tiberinus, mit deinen Wellen!


Sämtliche Tempelanlagen, von welchen die Insel ausschliesslich in Anspruch genommen war, sind verschwunden, und schon seit dem frühen Mittelalter sind moderne Gebäude an ihre Stelle getreten. Heute heisst die Insel von der Kirche des hl. Bartholomaeus, die auf den Resten des Asklepiostempels errichtet wurde, "Insula di S. Bartholomeo".




Was noch erhalten ist, sind die travertinverkleideten Peperinblöcke an der Ostspitze, die, als Schiffsbug ausgebaut, eine um einen Stab gewundene Schlange, einen grottig erhaltenen Kopf des Asklepios und ein stierkopfartiges Element für die Vertäuung zeigen.







Ein Quinar der Republik aus dem Jahre 87 v. Chr. ist dem Gesamtkomplex von Asklepios und der Tiberinsel gewidmet. Auf seiner Vorderseite ist der Kopf des Neptun mit Dreizack abgebildet, der unter anderem auch für die fliessenden Gewässer und damit auch für den Tiber zuständig war. Die Rückseite zeigt den Altar des Asklepios unmissverständlich durch die sich um ihn windende Schlange. Vor ihm eine mit Kranz und Palmzweig schreitende Victoria, deren genaue Bedeutung noch nicht abschliessend geklärt ist. Nach Grueber "Coins of the Roman Republic in the British Museum" bezieht sie sich auf die damals abgehaltenen Spiele, auf die die Denare des Dossenus Bezug nehmen, die jeweils Jupiter, Juno und Minerva in Triumphialquadrigen zeigen. Ebenso möglich wäre eine direkte Verbindung zu einem damaligen Ereignis, beispielweise einer Seuche, die besiegt werden konnte. Es könnte sich natürlich auf den generellen Sieg (i.S.v. Grösse und Macht) der Medizin beziehen; wie so oft ist hier weiterhin der Forschungsgeist gefordert.



L. Rubrius Dossenus
Quinar
Rom
87 v. Chr.
Av.: Kopf des Neptun mit Lorbeerkranz n.r., dahinter Dreizack; DOS SEN
Rev.: Victoria mit Kranz und Palmzweig nach rechts schreitend, davor Altar, um den sich eine Schlange windet, L RVBRI
1,89 Gr.
Cr. 348/4
Syd. 708

Der (Silber)Quinar war eine römische Silbermünze und wurde ca. 211 v. Chr. nach der ersten Münzreform eingeführt. Als Untereinheit des neu eingeführten Denares, der neuen Standardmünze des römischen Reiches, lag sein Wert bei 1/2 Denar und wog ursprünglich etwas unter zwei Gramm. Da der römische Münzfuss auf dem As basierte, besass er einen Umrechnungskurs von fünf Assen; die ersten Ausgaben des Quinars waren daher mit der Wertzahl V versehen.
 
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Princeps Senatus
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20.12.2019-27.12.2019
Die Quelle der Iuturna

Der Lacus Iuturnae wird erstmals erwähnt von Frontinus in seinem Werk "De Aquis Urbis Romae", das sich mit der Wasserversorgung der Stadt Rom beschäftigt. Bevor der Censor Appius Claudius den Aquaedukt erfand, mussten die Römer ihr Wasser aus dem Tiber, Brunnen und den wenigen Quellen auf dem Stadtgebiet schöpfen. Die wichtigste davon entsprang direkt am Fuss des Palatin auf dem Forum Romanum. Damals wie heute war die Versorgung mit Trinkwasser für die Stadt und ihre Einwohner überlebenswichtig, so dass man die Quelle getreu der römischen Tradition umgehend unter Schutzherrschaft stellte, damit sie auch schön weitersprudelt. Aber schon damals war der Vorrat an Göttern, die sich um solche Belange kümmerten, aufgebraucht, und so musste man sich über die Grenzen der Stadt hinaus bemühen, um etwas passendes zu finden. Die Wahl fiel schliesslich auf die Quellnymphe Iuturna, und da brauchte man gar nicht weit zu gehen, hatte sie doch ihren Wirkungsort in Lavinium, dem religiösen Zentrum des latinischen Städtebundes - nur wenige Kilometer von Rom entfernt und romantisch an der Küste gelegen. Bedingt durch die innige Freundschaft mit Jupiter - nach Ovid hatte er sich sogar in die Schöne verliebt, wurde ihr die wichtige Aufgabe zuteil, sich um die Quellen, Teiche und Flüsse zu kümmern. Genau das brauchte man in Rom gerade, und kurzerhand wurde der Kult in die Urbs übertragen, wo Iuturna fortan über die Quelle ihre schützende Hand hielt.

So ist es nicht verwunderlich, dass sich ein ganzer Komplex von Mythen und Geschichten rund um diese Quelle zusammenfand. Castor und Pollux, die beiden Dioskuren, wurden ebenfalls involviert. Als Überbringer guter Nachrichten passten sie prima in das Gesamtkonzept. Darüber hinaus galt das Wasser der Iuturna als heilkräftig, wodurch schon eine gewisse Verbindung zu den Dioskuren bestand, die man bei Krankheiten anrief, und von denen es hiess, dass sie durch Träume Kranke heilten. Aber dies ist eine andere Geschichte, und den beiden Reitern, die durch die Stadt wuselten, und denen wir auch im heutigen Rom immer wieder begegnen, soll ein eigenes Kapitel vorbehalten sein.

Zurück zur Quelle, die schon in republikanischer Zeit in ein fast quadratisches Marmorbecken gefasst war. Hier standen zwei Statuen der Dioskurenzwillinge, die nach der Schlacht am See Regillus, als sie die Römer gerettet hatten, hier ein zweites Mal erschienen, um ihre Pferde zu tränken. Damals tobte der erste Latinerkrieg, der nur lückenhaft und in legendärer Form überliefert ist. Der Sage nach gelang es den Römern, die von den Latinern hochverehrten Dioskuren auf ihre Seite zu ziehen, sie nach dem Sieg nach Rom zu schicken, wo sie ihre Pferde am Lacus Iuturnae tränkten, ehe sie die frohe Siegesbotschaft der Stadt verkündeten. Nicht zuletzt zeugt der in unmittelbarer Nähe errichtete Dioskurentempel, der in besagter Schlacht gelobt wurde, von den Zusammenhängen.

Die Quelle der Iuturna ist eines der letzten wichtigen Baudenkmäler des Forum Romanums, das restauriert und der Öffentlichkeit erst im Jahre 2015 zugänglich gemacht wurde. Im Wasserbecken finden wir eine Kopie des Marmoraltars aus dem 2. Jh. n.Chr., welcher im Brunnen gefunden wurde. Hier ist die ganze Sippe nett vereint: Dargestellt sind auf seiner Front die Dioskuren auf ihren Lanzen gestützt, an den Seiten aber auch ihre mythologischen Eltern Zeus und Leda mit ihrem aufwirbelndem Gewand und schliesslich rückseitig Helena, die Schwester der Zwillinge.






Das Original des Altars, aber auch die beiden Statuen der Dioskuren wurden 2015 im Rahmen einer kleinen Sonderausstellung im "Tempel des Romulus" ausgestellt. Die Bruchstücke der Reiterstandbilder lassen in ihrem etwas aufgelockerten Stand der Figuren und der archaischen Darstellung erkennen, dass sie bereits in der ersten Hälfte des 5. Jh. v.Chr. als Arbeit eines grossgriechischen Meisters erschaffen wurden. Sie überlebten viele Jahrhunderte bis zum Verfall des Forums. Ausserdem wurde ein Puteal mit einer Weihinschrift des M. Barbatius Pollio gefunden, der zu Zeiten des Augustus kurulischer Ädil war.









Diese und viele andere prachtvolle im Forum ausgegrabene Relikte werden im Antiquarium aufbewahrt. Es ist das Museum des Forum Romanums, und es ist vielen deswegen kein Begriff, weil es seit vielen Jahren geschlossen ist. Ich warte auf die geplante Wiedereröffnung, die bereits 2016 als 'Museo del foro romano' angekündigt wurde. In Italien ticken die Uhren bekanntlich anders; ein Artikel von September 2018 versprach dann wiederum eine bevorstehende Eröffnung für das Jahr 2019 im Rahmen des geplanten "Archäologischen Park des Kolosseums". Nun ist schon fast Weihnachten, und eigentlich hatte ich mich bei meiner bald anstehenden Romreise auf die Besichtigung gefreut. Tja, auch das ist Rom...


Immerhin bleibt mir noch eine schöne Münze. Ein seltener Denar der Republik zeigt auf seiner Rückseite die Dioskuren, die an der der Quelle der Iuturna ihre Pferde tränken. Die Brunnenfassung kann natürlich nicht mit dem oben gezeigten Puteal aus der augusteischen Zeit übereinstimmen, doch ist anzunehmen, dass auch zu Zeiten der Prägung der vorliegenden Münze eine solche vorhanden war.



C. Poblicius Malleolus, A. Postumius Sp. f. Albinus and L. Metellus
Denar
Rom
96 v. Chr.
Av.: Kopf des Apollon mit Lorbeerkranz n. r., links Stern, rechts X - ROMA
Rev.: Die Dioskuren tränken ihre Pferde am Brunnen der Iuturna, über den Köpfen jeweils Stern, links Mondsichel, - A ALBINVS S F
Craw. 335/10a
Syd. 612
 
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