Roma Curiosa

pecorella

Caesar
Stammrömer
Roma Curiosa
oder Rom für Neugierige

Was wäre eine Stadt wie Rom ohne ihre kuriosen Geschichten, unterhaltsamen Anekdoten, Legenden, skurrilen Orte und Geheimnisse.

Selbst hinter bekannten Sehenswürdigkeiten verstecken sich manchmal kleine Geheimnisse und Entdeckungen.

In diesem Thread sollen diese ihren Platz finden.

Ob sie immer wahr sind, chi sa? (wer weiß)

Bestimmt gib es auch hier im Forum schon Hinweise auf das ein oder andere, aber hier soll diesen Dingen ein extra kleiner Beitrag gewidmet werden.

Da ich momentan nicht nach Rom komme, werde ich bei dem ein oder anderen Beitrag den Streetview bemühen müssen, da mir die passenden Fotos fehlen. Aber das werde ich beim nächsten Rombesuch nachholen.

Inhaltsverzeichnis:
Fontana di Trevi: Wie eine Vase einen Kritiker zum Schweigen brachte
Ein "Römer fliegt zum Mond
Ein Heiliger Schrein für Wasienkinder
Via Ostiense: Hilfsmittel für einen kleinen König
Piazza Santa Maria Sopra Minerva: Warum die Dominikaner auf das Hinterteil eines Elefanten schauen müssen
Portico d'Ottavia: Warum es nicht immer lohnt einen dicken Fisch an der Angel zu haben
Wie Napoleon auf den Aventin kam
Ein Klo in luftiger Höhe
Das Echo von der Piazza del Popolo
Warum schon die alten Römer Instagram, kurz Insta genannt, kannten
Die goldene Kugel auf der Kuppel von San Pietro
 
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pecorella

Caesar
Stammrömer
Fontana di Trevi

Wie eine Vase einen Kritiker zum Schweigen brachte


Jeder kennt den berühmten Trevi-Brunnen und für Romtouristen ist es ein Muss dort eine Münze in den in den Brunnen zu werfen.

Doch wer sich ein wenig umschaut wird ein Detail finden, dass gar nicht so recht zur übrigen Dekoration des Brunnens passt. Es ist eine große Vase, die sich vor einem kleinen "Fels" auf der rechten Seite des Brunnens befindet. Doch wie kam es dazu?


Diese Geschichte spielt im Jahr 1732, als Nicola Salvi den Trevi Brunnen auf der Piazza di Trevi, dem Herzen des Stadtteils Trevi, monumental gestalten wollte und sich ein neugieriger Frisör immer wieder in die Arbeiten einmischte.

Sein Frisörladen befand sich in der Via della Stamperia, im Erdgeschoss des Palazzo Castellani, und er hatte eine perfekte Aussicht auf die Bauarbeiten.

Zwischen Schur und Frisur fand der Frisör reichlich Zeit die Bauarbeiten zu beobachten und zu kritisieren.

Irgendwann wurde es dem Architekten des Brunnens, Nicola Salvi, einfach zu viel und er beschloss dem Treiben ein Ende zu setzen.

Der ständigen Kritik und Beschwerden des Friseurs überdrüssig fügte Salvi dem Projekt eine "kleine" Ergänzung hinzu. Er ließ für die rechte Seite des Brunnens eine riesige Vase aus Travertin anfertigen und diese direkt vor den Laden des Frisörs als Sichtschutz aufstellen, um ihm so völlig den Blick auf den Brunnen zu versperren.

Den Frisörladen gibt es heute nicht mehr, aber der Palazzo Castellani existiert natürlich noch. Von daher versucht doch mal selber beim nächsten Rombesuch aus dem Blickwinkel des Ladens auf den Brunnen zu schauen, man kann so gut wie nichts sehen!
 
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Ludovico ROB

Triumphator
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Stammrömer
Auf der rechten Seite bin ich immer wieder gern am Brunnen gesessen, bis es schließlich verboten wurde. Die Vase ist mir nicht aufgefallen. Ich werde beim nächsten Besuch darauf achten und an die einprägsame Geschichte denken.
 

Nihil

Praetor
Stammrömer
Oh ein neuer interessanter Thread zu den Kleinigkeiten, die Rom so speziell machen. Das ist ein schöner Auftakt Pecorella. Die Geschichte war mir völlig unbekannt und ich glaube, so wie Ludovico ist mir die Vase noch nie ins Auge gesprungen. Ich werde gleich mal meine Fotos durchforsten, aber ich denke, ich habe kein Bild davon. So ähnlich wie der Friseur, hätte die Vase auch mir die Optik auf das sprudelnde Nass versperrt.
Ich hoffe auf viele neue, kleine Geschichten in diesen romarmen Zeiten. Vielen Dank!!!!
 

pecorella

Caesar
Stammrömer
Ein „Römer“ fliegt zum Mond

Vielen von uns ist sicherlich die erste Mondlandung von Apollo 11 am 16. Juli 1969 in guter Erinnerung. Ich war damals 7 Jahre alt und ich konnte anhand der herrschenden Aufregung verstehen, dass etwas ganz besonderes passieren wird.

Aber was wäre die erste Mondlandung ohne einen Bezug zu Rom.

Einer der drei Astronauten von Apollo 11 war Michael Collins. Seine Eltern, der Vater war ein Armee-Offizier der in der amerikanischen Botschaft stationiert war, befanden sich 1930 zum Zeitpunkt seiner Geburt in Rom. Sie wohnten damals nicht weit entfernt von der Galleria Borghese, in der Via Tevere 16.

Während Neil Amstrong und Edwin Aldrin mit der Landefähre „Eagle“ auf dem Mond landeten und Amstrong den berühmten Schritt tat, kreiste Michel Collins mit der Kommandokapsel Columbia Warteschleifen und war in einem Funkloch.

So kommt es, dass Michel Collins häufig vergessen wird, oder zumindest sein Name nicht so präsent ist, wie der der beiden anderen Astronauten.

Nicht so die Römer. Voller Stolz ließ die Stadt Rom noch im gleichen Jahr eine Gedenktafel in der Via Tevere 16 anbringen. Einer der seltenen Fälle wo dies noch zu Lebzeiten einer Person passiert ist.

Um die Tafel zu zeigen, muss ich leider den Streetview bemühen, aber ich hoffe es gefällt euch trotzdem.


Heute ist Michael Collins 90 Jahre alt und lebt in den USA.

edit: Michael Collins ist am 28.04.21 in den USA verstorben
 
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dentaria

Augustus
Stammrömer
Rom-Reise
03.07.2021-04.07.2021
Herzlichen Dank für diese mir völlig unbekannte Geschichte. Ich wollte damals unbedingt Astronautin werden, lediglich das Überlebenstraining der NASA hat mich davon abgehalten. Aber mein Alternativprogramm war ein Studium der Astrophysik. Leider musste ich vor meinem Abitur erfahren, dass ich als Frau keinerlei Aussicht auf einen Job gehabt hätte. Gut, dann habe ich halt die schwarzen Löcher nicht im All sondern im Mund gesucht. War auf alle Fälle familienfreundlicher.
 

pecorella

Caesar
Stammrömer
Ein Heiliger Schrein für Waisenkinder

Madonna degli Orfani

Vielleicht ist dem ein oder anderen in der Viale Trastevere schon das hübsche Madonnenporträt aufgefallen. Es befindet sich direkt gegenüber vom pompösen Ministerio della Pubblica Istruzione an der gleichnamigen Haltestelle.

Angebracht ist es an einer Mauer die früher einmal die Außenmauer eines Waisenhauses war. Heute befindet sich dahinter ein Sportplatz.

Aber das Porträt befindet sich nicht ohne Grund an der Mauer eines ehemaligen Waisenhauses. Gewidmet ist dieses Porträt dem Beschützer der Waisenkinder Don Orione, ein Franziskanerpriester, der sich besonders um verwaiste Kinder gekümmert hatte und aus diesem Grund 2004 von Papst Johannes Paul II. Heiliggesprochen wurde.

Anfang 1944 wurde das Porträt vom Bildhauer Arrigo Minerbi hergestellt, in der Mitte befindet sich das Bild der Jungfrau Maria, das heute von einer Glaswand geschützt wird.


Etwas unterhalb gibt es einen Schlitz mit der Bitte „Pane agli orafani“ "Brot für die Waisen“. So sammelte man Spenden für die Waisenkinder. Ob dies heute auch noch so ist, konnte ich leider nicht herausfinden.


Sofort wurde die Madonna der Waisen ein Gegenstand besonderer Verehrung und die Menschen brachten rundum das heilige Bild viele kleine Votivtafeln an in denen sie sich für ein widerfahrenes Wunder, eine glückliche Liebe, Rettung aus einer Notsituation oder die Heilung von einer Krankheit bedanken. Wieder andere versprechen ab sofort ein tugendhafteres Leben zu führen. Oft liest man nur die Buchstaben „PGR“, dies beutet „per grazie ricevuto“ und heißt übersetzt „Dank für die empfangene Gnade“. Auch heute noch bringen die Menschen weiterhin kleine Tafeln an und aus Platzmangel sind sie auch längst der Mauer zu finden.

 
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ColleMarina

Consul
Stammrömer
Eine schöne Erinnerung für mich; denn dort sind wir 2017, als wir in der Villa Maria wohnten, fast täglich vorbei gekommen.
Aber ich wusste nicht, dass an dieser Stelle früher ein Waisenhaus gestanden hat. Weiß man denn, warum das abgerissen wurde?
 

Simone-Clio

Augustus
Teammitglied
Moderator
Forum-Sponsor
Stammrömer
Wenn ich mich auch äussern darf: Die Mauer gehört nicht zu S. Michele a Ripa, sondern zur ehemaligen Casa della Gioventù Italiana del Littorio (GIL) in Trastevere.
Dieses "Haus der Jugend" wurde in faschistischer Zeit (1933) errichtet. Architekt war Luigi Moretti. Eingeweiht wurde es offiziell am 5. November 1937. Die ursprüngliche Funktion des Gebäudes war z.B. die Unterbringung von repräsentativen Büros, Feierabendclubs bis hin zu Sport-, Freizeit- und Wohlfahrtsaktivitäten.
Nach dem Krieg stand der Gebäudekomplex mit Schwimmbad, Sportplätzen etc. zunächst leer.1952 wurde das Theater in ein Kino umgewandelt und für 29 Jahre an Privatpersonen verkauft.
1969 wurde ein Teil des Gebäudes an das Institut Opera Don Orione übergeben, das die Turnhallen, Korridore und Säle in Schlafsäle und Klassenzimmer für junge Menschen umwandelte. Sowohl die Innen- als auch die Außenräume wurden teilweise verändert: Im Inneren wurden verschiedene Trennwände errichtet, um die Nutzung der Innenflächen zu verbessern.
Im Jahr 1981 lief der Vertrag mit der Opera Don Orione aus und das Gebäude wurde aufgegeben.
Zwischen 2005 und 2007 wurde das Gebäude innen und außen einer kompletten Restaurierung unterzogen, bei dieser Gelegenheit wurden die inneren und äußeren Aufbauten abgerissen, auch Reste eines großen Freskos von Mario Mafai, das das den einstigen Ausstellungsraum schmückte kamen wieder zum Vorschein.

Die Region Lazio hat das Gebäude als Kulturzentrum übernommen. Es nennt sich jetzt WeGil und wir haben schon mindestens 2x Hinweise auf Ausstellungen verlinkt, die dort stattgefunden haben. Zuletzt hier: [Foto-Ausstellung] Elliott Erwitt icons


La Regione Lazio il 7 dicembre 2017 ha riaperto al pubblico l’ex GIL, lo storico palazzo di Trastevere che ora sposa le forme razionaliste, in ossequio delle quali l’architetto Moretti intese realizzarlo nel 1933, e l’innovazione dei nostri giorni.
Ich bin sicher, dass wir uns bereits einmal über dieses Thema unterhalten haben, kann das aber momentan auf die Schnelle nicht in den Tiefen des Forums lokalisieren.

Da die Madonna von 1944 ist, das Institut Don Orione aber erst 1969 einzog, lautete die Bezeichnung für sie evt. nicht immer "degli Orfani".

Ich erinnere mich vague an die Danksagungstafel eines Flugzeugpiloten an der Mauer. Vielleicht finde ich sie mal wieder.
 

caravaggiolina

Tribunus plebis
Stammrömer
Das ist ja einen nette Idee mit interessanten Geschichten.
Danke liebe Pecorella, dass du uns die ROM-lose Zeit erleichterst und das Warten auf die nächste Reise verkürzt!

Mit großem Interesse habe ich die ersten Geschichten gelesen und freue mich auf weitere.
 

Pasquetta

Triumphator
Stammrömer

Es ist schon irgendwie „kurios“, wie oft bin ich an dieser Madonnina vorbei gekommen und habe bisher nicht darüber nachgedacht, was es mit ihr auf sich hat. @pecorellas Eintrag hier hier unter „Roma curiosa“ hat dazu geführt, dass ich dies nun nachgeholt habe. Danke für die Anregung!

1969 wurde ein Teil des Gebäudes an das Institut Opera Don Orione übergeben, das die Turnhallen, Korridore und Säle in Schlafsäle und Klassenzimmer für junge Menschen umwandelte. Sowohl die Innen- als auch die Außenräume wurden teilweise verändert: Im Inneren wurden verschiedene Trennwände errichtet, um die Nutzung der Innenflächen zu verbessern.
...
Da die Madonna von 1944 ist, das Institut Don Orione aber erst 1969 einzog, lautete die Bezeichnung für sie evt. nicht immer "degli Orfani".
Das Waisenhaus der Don Orione-Ordensgemeinschaft in der Via Induno in Trastevere scheint es auch schon während den Kriegsjahren gegeben zu haben. In verschiedenen Berichten ist zu lesen, dass dort jüdische Kinder „versteckt“ bzw. aufgenommen worden sind.
Auch der (jüdische) Bildhauer Arrigo Minerbi wurde 1943 dort „versteckt“. Er sollte später die Statue der „Madonna del Don Orione“ -
Maria regina dell'universo - auf dem Monte Mario schaffen, die auf ein Gelübte der Römer zurückgeht, s. z.B. h.: Segnung der restaurierten Marienstatue.
Begonnen hatte Minerbi sich mit Marienabbildungen zu beschäftigen mit dem kleinen Relief,


das Don Gaetano Piccinini an der Mauer des Waisenhausgeländes anbringen ließ. (Piccinini wurde posthum als "Gerechter unter den Völkern" geehrt.)
Quellen dazu:
Sempre Don Piccinini in Roma tenne il respiro precisa come «nella Casa trasteverina di via Induno, (39) aperta agli orfani dell'Opera Don Orione» vi furono molti Ebrei, «riparativi in quell'ora e dei quali è impossibile ricordare financo i veri nomi. Poiché, come già si è detto, ai grandi come ai piccini, si dava, al loro entrare nella casa, un nome convenzionale: tutto il resto si ignorava e si voleva ignorare: non una elencazione riservata era in atto, non un registro. ... Per dare spazio ai giochi delle centinaia di ragazzi ospitati, si ottenne dal comune di chiudere largo Ascianghi. «Minerbi ne disegnerà la parte prospiciente il Ministero della Pubblica Istruzione, con al centro la bella edicoletta che accoglie l'immagine della “Mamma degli orfani”, ...
Und demnach
→ (39) Così ne scrive Don Piccinini nel capitolo Nel quartiere… «de noantri» : «La casa trasteverina di Via Induno, il Governo di Badoglio, interessato, come si è detto, dalla Duchessa d'Aosta, l'aveva concessa per gli orfani, per i ragazzi sbandati. Per questo prese il nome di «Casa dell'Orfano». Una grande casa tutta trasparente di vetri e lucida di marmi, ... La Casa dell'Orfano di Via Induno svolse la sua funzione educativa con scuole elementari e di avviamento per alcuni decenni fino agli anni 70, quando fu riconsegnata alle autorità competenti. .
ist das Haus/Gelände vom Governo Badoglio an das Institut Opera Don Orione für "Waisenkinder" überlassen worden. Das Waisenhaus war in Funktion bis in die 70er Jahre, bis es an die zuständige "autorità" zurückging.

Es war interessant, diese ganzen Hintergründe zu dieser schönen Madonnina zu entdecken.
 
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Angela

Augustus
Teammitglied
Moderator
Stammrömer
Rom-Reise
15.03.2020-22.03.2020
Das ist ja einen nette Idee mit interessanten Geschichten.
Danke liebe Pecorella, dass du uns die ROM-lose Zeit erleichterst und das Warten auf die nächste Reise verkürzt!

Mit großem Interesse habe ich die ersten Geschichten gelesen und freue mich auf weitere.
Dem schließe ich mich voll und ganz an.
Sehr schön, ein anderer Blick auf Rom in kleinen Geschichten! Nicht nur in dieser Zeit werden wir uns darüber freuen.
Dein Titel gefällt mir sehr gut, liebe pecorella. Denn "curiosa" bedeutet im Deutschen ja tatsächlich zweierlei: einerseits das uns bekannte und vom italienischen oder lateinischen abgeleitete Wort "kurios", aber daneben ja auch viel häufiger, vor allem in anderen Zusammenhängen auch "neugierig". Und das machst du uns tatsächlich mit dieser Idee.
Rom hat eben sehr viele Facetten - kein Wunder bei dieser Geschichte!
 

pecorella

Caesar
Stammrömer
Liebe @caravaggiolina , liebe @Angela und liebe @Pasquetta ,

es freut mich, wenn euch meine kleinen Geschichten aus Rom gefallen.

Dein Titel gefällt mir sehr gut, liebe pecorella. Denn "curiosa" bedeutet im Deutschen ja tatsächlich zweierlei:
Genau so war es gemeint, auf der einen Seite Kuriositäten aus Rom, auf der anderen Seite Geschichten für Neugierige.

Klar, wird im Laufe der Jahre die ein oder andere Geschichte hier schon mal in einem Reisebericht erwähnt worden sein, oder es gibt einen Hinweis darauf. Ich hoffe es nicht nicht schlimm, wenn sie hier noch einmal als kleines Schmankerl Einzug halten.

Und wie man bei der Madonna degli Orfani sieht, entdeckt man ja immer noch mehr dazu. Von daher Danke für die Ergänzungen.
 
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