Rom Objektiv (Sehenswertes fotografisch festgehalten)

nummis durensis

Censor
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Hallo Ludwig, vielen Dank für deine ausführliche Erklärung.

Ich selbst bin ja überhaupt kein Freund von der Nachbearbeitung, aber ich bin noch immer baff, was man aus den Handybildern rausholen kann. Hätte Friedrich nichts geschrieben, wäre ich ganz klar von einer guten Digicam ausgegangen.

Grüsse
Rainer
 

Ludovico ROB

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Auch zu Analogzeiten wurde jedes Foto bearbeitet. Damals natürlich im Labor. Ich fotografiere hauptsächlich RAW, weil ich die Entwicklung nicht irgendeiner Automatik in der Kamera überlassen will, sondern selbst bestimmen will was wie bearbeitet wird. Die totale Entfremdung, die heute viele Fotografen durchführen, gefällt mir auch nicht.
 

Ludovico ROB

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Ostia Antica
Als ich letzte Woche mein elektronisches Fotoarchiv durchstöberte, stieß ich auf eine Menge Fotos, die ich 2018 in Ostia Antica aufgenommen habe. Ich war bisher fünf oder sechs mal in der antiken Hafenstadt. So erstellte ich jetzt aus den Besuchen von 2011, 2014 und 2018 eine Serie, die ich hier vorstellen will.

Die erste Besiedlung der Tibermündung erfolgte wohl schon zur Zeit der Könige. Die ersten nachgewiesenen Spuren werden auf den Beginn des vierten Jahrhunderts v.Chr. datiert. Die erste nachgewiesene Siedlung war wohl ein römisches Militärlager, das dann schnell zu einem wichtigen Hafen Roms ausgebaut wurde. Die Stadt wurde schon unter Augustus erweitert und erreichte ihren Höhepunkt im 2. Jdt.n.Chr. Auch nachdem Claudius im Gebiet von Fiumicino größere Hafenbecken bauen ließ, die unter Trajan vervollständigt wurden, behielt Ostia Antica große Bedeutung als Verwaltungs-, Lager- und Verteilzentrum für die logistische Versorgung Roms. Zu Beginn des 5. Jahrhunderts war Ostia aber bereits recht unbedeutend. Die Sarazeneneinfälle im 9. Jdt. zwangen die wenigen verbliebenen Einwohner die antike Stadt zu verlassen. Sie ließen sich etwas östlich der Stadt nieder. Wenn man heute vom Bahnhof Ostia Antica zur Ausgrabungsstätte läuft, fällt auf der rechten Seite ein mächtiger Komplex auf.


Hier handelt es sich um die Burg von Julius II, eine wuchtige Festung.

Gehen wir nun aber zurück zum Eingang. Es lohnt sich auf jeden Fall an der Kasse den Plan mitzunehmen, den es auch in Deutsch gibt. Er zeigt die Lage von 68 wichtigeren Objekten. Es gibt auch einen Audioguide, den ich aber nicht nutzte. Ambitionierte Besucher sollten sich gut vorbereiten. Es gibt die Internetseite ostia-antica.org auf Englisch. Unter www.ostia-antica.org/map/plan3.htm werden die fünf Regionen gezeigt. Klickt man die einzelnen Regionen an, gelangt man zum jeweiligen Detailplan, auf dem man sich die einzelnen nummerierten Objekte mit Fotos und englischen Erlauterungen anzeigen kann. Das ist die detaillierteste Darstellung, die ich bisher im Internet gefunden habe. Nun will ich einen optischen Rundgang starten, der zwar umfangreich ist, aber dennoch nur einen kurzen Anriss bieten wird.


Betreten wir die Stadt an der Porta Romana dem ehemaligen Stadttor. An der Ziegelmauer wurden Fragmente der Marmorverkleidung angebracht. Danach beginnt der Portikus, der sowohl bei Regen Schutz als auch kleinen Läden Raum bot.


An dieser Stelle muss man sich eine Reihe von Läden und Werkstätten vorstellen.


Auf der gegenüberliegenden Straßenseite liegt der Platz auf dem man die geflügelte Statue der Minerva Victoria gefunden hat.



Die Thermen der Cisiarii sind eine von etwa 20 Badeanlagen in Ostia Antica. Wahrscheinlich handelt es sich hier um die private Badeanlage der Fuhrleute, die den schnellen Personenverkehr abwickelten. Das Bodenmosaik mit den Maultierkarren ist durchaus sehenswert.


Vorbei an einer kleineren Badeanlage


erreicht man schließlich die Neptunthermen, die größte Therme der antiken Hafenstadt. Natürlich gehörte zu ihr auch eine Halle zur Körperertüchtigung.


Von der Terrasse über dem Portikus hat man gute Sicht auf die prächtigen Bodenmosaike. Das große Schwarzweiß-Mosaik zeigt Neptun, den Gott des Meeres, auf einem Wagen, der von vier Hippokampen gezogen wird. Um ihn herum tollen Meerestiere, Eroten mit Delphinen und Tritonen.


Hier einige Details


In einem zweiten Raum ist die Meeresgöttin Amphitrite auf einem Hippokamp reitend dargestellt.



Bei gutem Licht kann ich mich kaum von diesen prächtigen Darstellungen lösen.



Von der Aussichtsplattform schweift der Blick über die Mosaike, die Palästra und schließlich zur Feuerwehrkaserne im Norden.


Das Fischgrätenmuster der Ziegelsteine war so etwas wie das Parkett der Antike. Die Tonröhren leiteten die heiße Luft über die Wände. Wer sich unten etwas umschaut, wird die Öffnung finden, die zu einem der Heizungsräume führt.


Wenn man Zeit hat, lohnt sich auch ein Spaziergang durch die Gebäude nördlich der Neptunthermen. Die Arkanthusblüte gilt als Vorbild für die korinthischen Kapitelle. Bei den Römern sind diese allerdings häufig verspielter als bei den Griechen.


Natürlich trifft man in Ostia Antica auch auf viele Wohngebäude. Hier ist eine einfache farbige Wand in einer Insula, einer Mietskaserne zu sehen.



Gleich hinter den Neptunsthermen stößt man rechts des Decumanus Maximus auf dieses unscheinbare Objekt. Es handelt sich um die Caupona des Fortunatus, eine Weinbar. Die Inschrift lautet: "Fortunatus sagt: Da du Durst hast, trink den Wein aus dem Krater".


Wenige Meter weiter findet man die Reste eines christlichen Oratoriums


Schon aus der Ferne zu sehen ist das mächtige Theater. Es wurde auf Initiative von Augustus vor der Zeitenwende errichtet.


Über eine Treppe im halbkreisförmigen Portikus gelangt man zum Eingang und hat einen überwältigenden Blick auf die Sitzreihen und die Bühne. Im Sommer werden hier Schauspiele aufgeführt.


Ein Blick über das Halbrund des Zuschauerraumes.


Immer wieder faszinierend ist die Theaterdekoration mit den Theatermasken. Ich erinnere mich noch gerne an die Zeit als ich unsere drei Kinder vor dieser Kulisse ablichten durfte.


Vom Zuschauerraum des Theaters blickt man Richtung Norden direkt auf den Platz der Korporationen. Unter Augustus wurde dieser rechteckige Platz mit einer Säulenhalle überdacht. Dieser bot den Zuschauern in den Pausen Schutz vor Sonne und Regen. Der Altar des Mars und der Venus zeigt auch ein Relief der Gründungssage Roms.




Im 2. und 3. Jdt.n.Chr. entwickelte sich der Platz zum Wirtschafts- und Handelszentrum der Stadt. Die Fußböden der einzelnen Büroräume der Importeure, Händler und Handwerke sind die "Firmenschilder". Besonders die Mosaike der großen Mittelmeerhäfen sind interessant.


Biegt man rechts in die Via dei Molini ab, stehen rechts die Ruinen der großen Lagerhäuser. Gegenüber befindet sich eine der größten Mühlen Ostias. Die schweren Mühlsteine sind in den Räumen verteilt. Der Mühle war später auch eine Bäckerei angegliedert. Damit war ein optimaler Materialfluss gewährleistet.

Bei meinem letzten Besuch überraschte mich hier ein stärkerer Regenguss. Deshalb suchte ich schleunigst Zuflucht im Restaurant. Da der Regenguss doch länger dauerte, besuchte ich anschließend das kleine Museum.


Obwohl die wertvollsten Funde aus Ostia Antica in den Museen Roms zu finden sind, lohnt sich der Besuch durchaus. Bei mir gehört er zum Standardprogramm Ostia Antica.


Die Tötung des Urstirs ist eine zentrale Darstellung in den zahlreichen Mithras-Tempeln. Das sicher wertvollste Exemplar ist in den vatikanischen Museen zu bewundern.


Im Museum ist auch die oben erwähnte geflügelte Statue der siegreichen Minerva zu sehen.


Auch der Herkules, dessen Kopie im Gelände ich später noch zeigen werde, wird hier gezeigt.


Natürlich wurden in Ostia Antica auch viele Sarkophage entdeckt. Ab und zu werden zwischen den antiken Werken auch moderne Kunststücke gezeigt..



Meine Lieblingsgruppe ist das Paar Amor und Psyche. Ich beneide die Dame im Hintergrund, die ständig ein Auge auf die beiden Verliebten wirft. Natürlich zeige ich hier nur eine kleine Auswahl der Objekte. Wer mehr sehen will, muss das Museum schon selbst besuchen.


Wieder im Freien merkt man, dass der große Flughafen ganz in der Nähe ist.


Nicht weit vor dem Museum sind 35 Doli vergraben. In diesen Terracottagefässen mit einem Fassungsvermögen von etwa 1000 Litern wurden Flüssigkeiten wie Wein oder Olivenöl gelagert.


Geht man nun wieder Richtung Hauptstrasse, so findet man in der Straße der Diana das Haus mit dem Thermopolium. Dank einer neueren Restaurierung kann man die Struktur dieses Gasthauses gut erkennen.


Vor allem der Hauptraum, die Gaststätte, ist sehr anschaulich dekoriert. Man sieht die Verkaufstheke und ein Wandgemälde mit der Darstellung von Speisen. Sicher war in diesem Gasthaus, ganz in der Nähe des Forums, eine Menge los.


Forum und Forumsthermen waren auch hier das Zentrum der Stadt.


Direkt hinter den Forumsthermen ist eine große öffentliche Toilette zu finden. In Gesellschaft wurden hier nicht nur Geschäfte verrichtet, sondern auch Geschäfte gemacht.


Wo die doch alle hinschauen, wo doch im Hintergrund in luftiger Höhe, gut sichtbar das Kapitol thront?


Hier hat man den vollen Durchblick.


Am südlichen Ende des Forums sind die Ruinen des Tempels der Roma und des Augustus mit einigen Marmorstücken der Verkleidung zu sehen.


Die Basilika daneben war wohl Handels- und Gerichtsgebäude.


Das Haus der Laren ist eines der vielen Mietshäuser in der Nähe des Forums. Den Namen erhielt es durch den Lar oder die Laren, die in der Nische gefunden wurden. Lares Familiares waren die Schutzgeister der Familien.


Es folgen zahlreiche Gebäudereste, die man natürlich einzeln betrachten und erforschen kann. Der Tempel mit dem Rundaltar ist einer der vielen kleinen Tempel auf dem Gelände. Im Hintergrund sieht man die Figur des Herkules auf dem Areal des Herkulestempels.

Nun wechsle ich in die Region IV, die sich südlich der Decumano Massimo erstreckt.


Das Haus der Fische ist ein Mietshaus in dem Darstellungen mit Fischen gefunden wurden.


In diesem Nymphäum wurden Eroten gefunden. Es wird vermutet, dass eine größere Nische eine Venus Statue beherbergte.




Das Haus der Fortuna Annonaria kann als klassisches Beispiel für herrschaftliche Häuser gesehen werden. Um einen großen Garten mit Brunnen sind die Räume angeordnet. Mit Marmor und Mosaiken wird nicht gespart. Sogar eine Toilette mit fließendem Wasser gehörte zum Anwesen. Es gehörte wohl einem wohlhabenden Beamten und wurde im 4. Jdt. radikal umgebaut.


Auf dem Komplex der Magna Mater stand ein Tempel, mehrere Schreine, Läden und Wohnungen. Er liegt am südlichen Ende des Ausgrabungsgeländes. Hier kann man in aller Ruhe herumstöbern. Es verirren sich normalerweise nur sehr wenige Touristen hierher.


Das Santuario de Attis, auf dem Campo della Magna Mater gelegen, beinhaltet den Schrein der Attis. Die beiden Hirten mit Flöte und Stab bewachen den Schrein.


Nun geht es quer hinüber in die nordwestliche Ecke der antiken Hafenstadt.
Die Horrea Epagathiana et Epaphroditiana ist das besterhaltene Lagergebäude in Ostia Antica. Die Inschrift über der Eingangstür besagt, dass es sich um ein privates Lagergebäude handelt.


Etwas weiter stehen die Reste des großen Herkulestempels. Den Herkules haben wir ja schon im Museum kennengelernt.


Das Haus des Amor und der Psyche wurde nach dem Fund des Liebespaares so benannt.


Auch diese Figurengruppe kennen wir ja bereits aus dem Museum.


Nach dem Regenguss war der Fußboden mit den bunten Marmorplatten wie frisch gewischt.


Die Thermen der Sieben Weisen liegen mit dem Haus der Wagenlenker und dem Haus der Serapis in einem Dreierkomplex. Der Name kommt von einem Wandgemälde auf dem die Weisen zu sehen sind.


Über eine Treppe gelangt man zur Aussichtsplattform, die einen guten Blick auf schon Gesehenes und auf Neues gewährt. Hier kann man sich orientieren.


Über einen kleinen Hof gelangt man zum Haus der Wagenlenker. Um einen zentralen Innenhof waren Wohnungen und Läden gruppiert.


Auf dem Weg zur Straßengabelung fällt der Blick auf die Reste der Christlichen Basilika und den Tempel der Schiffszimmerleute.


Ich laufe noch zum südwestlichen Ende der Stadt um die kärglichen Rest des alten Hafentores zu betrachten.


Nun geht es zurück Richtung Eingang. Nun betrachte ich einige Objekte, die ich auf dem Hinweg übersehen hatte, wie den Portikus mit Brunnen oder den Sarkophagrest in einem Haus.



Den nächsten längeren Aufenthalt legte ich am Geschäft der Fischhändler ein. Hier kann man sich noch ohne große Hilfe vorstellen, wie der Betrieb ablief.


Etwas Natur,


dann ging es wieder vorbei an bereits bekannten Ruinen.


Das Miträum der Schlangen hat den typischen Grundriss eines Mithrastempels. Das Besondere sind hier die Wandgemälde mit den Schlangen.



Nun wandere ich wieder in südlicher Richtung in eine wenig begangene Gegend. Im Mithräum des Glücklichsten fallen vor allem die scheinbar einfachen Bodenmosaike auf. Da jeder dargestellte Gegenstand etwas aus dem Mithraskult symbolisiert, könnte man sich damit aber lange beschäftigen.


In dieser Gegend standen wohl vor allem Mietshäuser. Ab und zu erblicken die Augen die Überbleibsel eines Wandgemäldes, Marmorbruchstücke und einfache Bodenmosaike.



Ich streife gerne durch hohes Gras, schaue hinter Hecken oder Brennessedickicht und erfreue mich an den verschiedenen Farben von Marmorsäulen, dem beständigen Kobaltblau oder an einem antiken Kanaldeckel. Es muss ja nicht immer die hohe Kunst sein.



Am Ende eines längeren oder kürzeren Spazierganges durch das Ausgrabungsgelände schlendere ich normalerweise noch durch die Gräberstraße in der Nähe des Ausgangs. Diese Nekropole war den Beamten der Kolonie und den wohlhabenden Gesellschaftsschichten vorbehalten.


Ich hoffe, dass mein Blick auf die Ruinen von Ostia Antica zu einem Besuch animiert. Über das römische Normalleben kann man hier deutlich mehr lernen als an den feudalen Überbleibseln in der City. Verabschieden will ich mich mit einem ausnahmsweise stärker bearbeiteten Foto. Es soll den Untergang der antiken Hafenstadt symbolisieren.

Vielleicht führen ja auch meine Wege wieder einmal hierher.​
 
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pecorella

Caesar
Stammrömer
Lieber Ludovico, vielen Dank für deinen wunderbaren Bericht über Ostia Antica. Ich liebe diesen Ort sehr. Ich hätte nie gedacht, dass er mal so unerreichbar wie gerade sein könnte.

Das letzte Foto ist wunderschön.
 

Ludovico ROB

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Stammrömer
Ostia Antica ist ein Ort, den ich immer wieder besuchen könnte, weil immer wieder die Chance besteht Neues zu entdecken. Natürlich geht das am besten, wenn man alleine ist. Danke Pecorella, für deinen Kommentar und das geduldige Lesen und Betrachten des langen Beitrages.
 

Ludovico ROB

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Stammrömer
Rom-Spaziergänge im Corona Jahr 2020
Wie in meinem Toskana Bericht erwähnt, fuhren wir nach den schönen, erlebnisreichen Tagen in der Toskana am Samstag nach dem Frühstück nach Rom. Nach den familiär bedingten vielen Wochen Aufenthalt hier in 2018, musste Rom 2019 mal ohne uns auskommen. Da wir in diesem Jahr schon mal in der Nähe waren, hängten wir drei Tage Romaufenthalt an. Der einzige feste Programmpunkt war der Besuch der Familiengräber im Campo Santo. Sonst wollten wir einfach nach Lust und Laune durch Rom streifen und schauen, wie es in der Stadt in diesem Ausnahmejahr so zugeht.

Wir hatten als Unterkunft das uns bereits bekannte Haus des Deutschen Ordens in der Via Nomentana gebucht. Ein wesentlicher Grund war, dass ich dort den PKW sicher abstellen konnte. Ein weiterer Grund waren natürlich die Sauberkeit und die sehr gute Verkehrsanbindung. Wir merkten schon bei der Ankunft, dass keine normalen Verhältnisse herrschten. Uns empfing der Leiter des Deutschen Pilgerzentrums Pfarrer Walter Demmel. Wir plauderten etwas natürlich auch über die aktuellen Verhältnisse. Die Angestellten des Hauses haben natürlich Kurzarbeit. Die Zimmer sind wenig belegt. Frühstück wird derzeit nicht angeboten. Wir machten uns deshalb kurz frisch und besorgten im Supermarkt um die Ecke das Nötigste für die nächsten Tage. Da wir den Kühlschrank mit benutzen durften, war diese Regelung kein Problem. Am Morgen herrschten angenehme Temperaturen. Der Kaffee wurde für uns vorbereitet.


So konnten wir in Gesellschaft von Froschkönigen unser Frühstück jeden Morgen im geräumigen Garten einnehmen.


Mit dem 60er Schnellbus fuhren wir zur Piazza Venezia. Ich habe die Busse hier in den letzten 46 Jahren noch nie so leer erlebt wie in diesem Jahr. Bis auf den 64er zum Vatikan am Sonntag Morgen, konnten überall die Abstände eingehalten werden. Bis auf extrem wenige Ausnahmen trugen alle Mund- und Nasenschutz. Die Ausnahmen ließen die Maske an einem Ohr baumeln, um im Bedarfsfall schnell reagieren zu können. Natürlich wurden nicht alle Sitzsperren beachtet.

Am Kapitol und auch im Forum Romanum sahen wir nur wenige Besucher. Ausnahme war eine kleine Hochzeitsgesellschaft am Kapitol, natürlich wieder mit mehreren gut ausgerüsteten Fotografen.


Wir spazierten durch die Gassen zum Campo dei Fiori. Die meisten Lokale und Bars am Platz hatten geöffnet. Die letzten Marktstände wurden abgebaut und die Straßenreinigung war bereits in vollem Gange. Wir ergatterten zwei Sessel am Rand und konnten bei einem Drink das Geschehen beobachten.


Sobald der Platz vor einem Lokal gereinigt war, wurden ein oder auch zwei Reihen Tische zusätzlich aufgestellt. Ich gehe davon aus, dass dies ein Entgegenkommen der Stadt für die gebeutelten Restaurantbesitzer ist.


Die E-Roller stehen an jeder Ecke und werden in Rom auch gut genutzt. Die Rollerfahrer sind meist sehr vernünftig. Manche umkurven aber auch sehr rasant die Fußgänger. Da man die Flitzer kaum hört, ist das nicht ganz ungefährlich.


Natürlich war auf der großen Piazza Navona Betrieb, besonders um den Vierströmebrunnen und in einigen Lokalen.


Es herrschte aber nirgends Gedränge wie in den Vorjahren üblich. Da kaum Straßenkünstler und Maler anwesend sind, kommt natürlich auch keine richtige Stimmung auf. Die Atmosphäre des Platzes leidet selbst am späten Samstag Nachmittag sehr.
Ich habe an diesem Tag nur mit Handy fotografiert. Bei dem letzten Foto habe ich mal einen anderen Look ausprobiert.


Rund um das Pantheon waren die Verhältnisse ähnlich wie auf dem vorherigen Platz. Soweit wir von außen sehen konnten, war auch drinnen wenig Betrieb. Es war alles gut für einen Einbahnbetrieb abgesperrt. Wir besorgten bei Pinocchio noch ein Geburtstagsgeschenk für unseren jüngsten Enkel.


Lediglich am Trevi Brunnen herrschte Gedränge. Nur zwei Jungen tobten vor dem Geländer. Alle anderen Passanten drängten sich hinter dem hinteren Geländer. Wir hielten uns am linken Rand auf und schlenderten bald wieder zur Piazza Navona zurück. In den Gassen Richtung Engelsburg fanden wir eines unserer Stammlokale, wo wir auch wieder gut zu Abend aßen. Leider ist der Seniorchef letztes Jahr gestorben. Er war schon bei unseren letzten Besuchen schwer vom Krebs gezeichnet, verbreitete aber stets gute Laune.


Auf dem Heimweg zum Bus konnten wir einen Blick in die Ruinen des Stadio di Domiziano werfen. Dort war ein Buffet aufgebaut. Die Gäste waren gut versteckt. Da wir erst am späten Nachmittag in die Stadt gefahren waren und stets den Schatten gesucht hatten, war die Hitze am Samstag erträglich.


Pfarrer Demmel hatte uns beim Empfang erzählt, dass jetzt die Sonntagsmesse im Campo Santo, wie auch in der Anima, um 10 Uhr beginnt. So nahmen wir nach dem Frühstück den 90er und stiegen dann an Termini in den 64 um. Der Bus vor uns vor der Nase weg. Der nächste wartete aber bereits. So konnten wir einen genehmen Sitzplatz frei aussuchen. Der Fahrer wartete bis der Bus nicht proppevoll, wie sonst üblich, aber doch gut gefüllt war. Wir schafften es gerade so mit dem Einzug der Priester in der Kirche zu sein. Wir mussten uns vorher in die Reihe der Wartenden für den Petersplatz mit einreihen. BEVA musste unseren Trinkwasservorrat ausschütten. Die lassen sich immer wieder Neues einfallen. Nach der Kontrolle bogen wir zum Campo Santo ab, passierten die Schweizer Gardisten und die italienische Polizei. So wurde es halt doch noch eng.


Nach der Messe und dem Gräberbesuch überlegten wir noch zum Angelus auf den Petersplatz zu gehen. Als wir aber die Schlangen vor den Kontrollen sahen, überlegten wir es uns wieder anders. Die prächtige Kuppel Michelangelos wirkt eh nur mit genügend Abstand betrachtet.


Gegen den Strom zum Petersplatz liefen wir vorbei an Katharina



Diese Karikatur an einer Wand kennen sicher einige von euch.



Wir schlenderten durch die Via dei Coronati zum allseits bekannten L´Orso 80. Unterwegs konnten wir gerade noch der Versuchung widerstehen beim Theatro ein leckeres Gelato zu erstehen. Dafür gönnten wir uns im L´Orso 80 zwei der allseits berühmten Vorspeisenteller. Wir konnten hier erstmals draußen essen. Es waren draußen wesentlich mehr Tische aufgestellt als üblich.


Über die Piazza Navona, wo sich noch weniger Menschen aufhielten als am Vortag, bogen wir ab


zu Pasquino, der auch wieder einige Neuigkeiten zu verkünden hatte. Die Zweiräder standen dichter gedrängt als die Menschen. Allein bei Cul de Sac war gut Betrieb.



Wir starteten unseren Verdauungsspaziergang bei sengender Hitze durch schattige Straßen der Stadt.


Wenn ihr den Roscioli Flitzer seht, wisst ihr ja, wo wir gerade sind. Es ich die erste Adresse. Genauso auffällig war der knallgelbe Roller. Da ich im T-Shirt und nicht im eleganten Hemd unterwegs war, passierten wir auch die Reinigung. Ach, es war ja zudem Sonntag.


Auch im Ghetto war es ruhiger als sonst. Nachdem wir diesen siebenarmigen Leuchter passiert hatten und vor dem eleganten Schildkrötenbrunnen standen, entschlossen wir uns den Spaziergang abzukürzen. Die große Hitze machte uns doch zu schaffen. So verbrachten wir einige Stunden im kühlen Hotelzimmer. Zum Abendessen suchten wir ein Lokal in der Nähe auf, das wir schon einmal vor drei Jahren bei unserer Cousin- Cousinen Tour besucht hatten. Zu der frühen Stunde war noch sehr wenig Betrieb. Wir unterhielten uns mit dem Inhaber. Er gab zu verstehen, dass ihn der Lock Down sehr getroffen hatte. Er äußerte seinen Unmut gegenüber Kollegen, die geltende Vorschriften missachteten. Er sagte klar, bei einem zweiten Lock Down bliebe ihm nichts Anderes übrig als das Lokal dauerhaft zu schließen.


Nach dem Frühstück gingen wir den kurzen Weg zur Rundkirche Santa Costanza. In dieser Kirche hatten wir vor langer Zeit einmal überlegt zu heiraten. Vielleicht wählen wir sie ja für die in nicht allzu weiter Ferne liegende Goldhochzeit.



Der tonnengewölbte Umgang der Grabkirche für die Tochter Konstantin den Großen ist mit hübschen Mosaiken verkleidet. Der überschauliche Innenraum wird wirklich gerne für Hochzeiten genutzt.


Direkt nebenan liegt die Kirche Sant´Agnese fuori le Mura, die über einer der größten Katakombenanlage Roms errichtet ist. In dieser Kirche aus dem 7. Jahrhundert fallen die Frauenempore und die goldene Kassettendecke besonders auf.


Die beiden einfachen griechischen Kreuze gefallen mir besonders. Der Schatten auf dem linken Foto ist eine deutliche Verstärkung des Bildes. Beide Kirchen habe ich in diesem Thread bereits vorgestellt.


Eigentlich wollten wir noch die Villa Torlonia besuchen. Als wir vor dem Tor standen, fanden wir dort einen Zettel, der mitteilte, dass der Park heute geschlossen sei, da gegen Mücken gespritzt werde. Also kehrt marsch. Auf der Schattenseite der Via Nomentana entdeckten wir noch dieses Spinnentor. Ich wagte noch einige Schritte auf das private Grundstück, um diese grazile Dame auf den Sensor der Kamera zu bannen. Beachtet bitte den bizarr aufgerichteten großen Zeh des linken Fusses. Wir entdeckten noch eine Bar mit Biergarten, wo wir uns etwas stärkten.


Nach der Mittagsruhe fuhren wir wieder in die Stadt zu einem Spätnachmittagsbummel.


Bei diesem Foto werden viele von euch wissen, wo wir gelandet sind. Natürlich stehen wir vor dem Touristenlokal Carlo Menta in Trastevere. Auch hier standen die Tische deutlich weiter auseinander als sonst. Zu dieser frühen Stunde waren dort natürlich noch große Lücken.


Auf dem Platz vor Santa Maria in Trastevere war nichts los.


Wir gingen den kurzen Weg zu unserer nahegelegenen Stammbar. Diese fanden wir aber verschlossen. So gönnten wir uns in diesem Caffé einen frisch gepressten Orangensaft. Nicht guten Appetit sondern prost. Das Gesicht der alten Frau auf dem Rolltor beeindruckt mich immer wieder.


Diese moderne Skulptur des obdachlosen Jesus auf der Piazza di Sant´Egidio ist ebenfalls sehr bekannt. Damit kommen wir langsam zu unserem letzten Tagesordnungspunkt, der Abendandacht der Gemeinschaft San Egidio in Santa Maria in Trastevere. Vorher suchten wir noch ein Lokal für das Abendessen. Wir entdeckten das Lokal, das wir mit unseren Städtetourfreunden Oberhausen 2005 besucht hatten. Es hat natürlich heute einen anderen Eigentümer.



Natürlich ist die Gottesmutter zentrales Thema in dieser ältesten Marienkirche der Stadt, die natürlich auch in diesem Forum bereits vorgestellt und in diesem Thread auch von mir schon ausgiebig abgebildet wurde.


Im Halbdunkel der Kirche entdeckte ich einige kleinere Werke.




Noch einige Fotos, dann setzte ich mich auf einen der mit großem Abstand zueinander aufgestellten Stühle. Die Bänke waren aus der Kirche entfernt worden. Die kleine Schola stellte sich seitlich im Vorraum auf. Die Kirche füllte sich allmählich. Der Ablauf war wie üblich. Allerdings durften die Teilnehmer nicht mitsingen. Die Gesangsmikrophone waren schlecht eingestellt. So kam auch nicht die übliche Andacht auf.


Noch ein letztes Foto, dann machten wir uns mit Tram und Bus auf den Heimweg.


Im neuen Bus der ATAC fiel mir dieses Schild ins Auge. Eine erfreuliche Nachricht, wie ich finde. Am nächsten Morgen setzten wir uns nach dem Frühstück ins Auto, tankten in der Nähe des Hotels und fuhren mit Zwischenstop in Trient nach Hause. Es war interessant Rom in der Corona Zeit ohne riesige Touristenscharen zu erleben. Trotzdem hoffe ich, dass diese schwierige Zeit bald zu Ende geht.
 
Zuletzt bearbeitet:

Tizia

Censor
Stammrömer
Lieber Ludovico,

vielen Dank für deinen, wie ich finde, etwas nachdenklichen Bericht eures Rom-Aufenthaltes. Sehr schöne Fotos und ein wirklich guter Text. Ich bin gerne mit euch gegangen und habe eure Wege sehr genossen. Besonders die Bilder von Santa Costanza haben mir gut getan. Ich würde mich sehr für euch freuen, wenn ihr eure Goldene Hochzeit in dieser Kirche feiern könnt.

Viele Grüße
Tizia
 

Pasquetta

Triumphator
Stammrömer
Ich schließe mich Tizias Worte gerne an und bedanke mich für diese besonderen Rom-Spaziergänge, die so ein bisschen an "Rom früher" - ohne den Übertourismus besonders der letzten Jahre - erinnern. Ich freue mich für Euch, dass Ihr Rom so erleben konntet und erinnere mich auch noch gerne an den hübschen Garten des Deutschen Orden-Hauses an der Via Nomentana.
Liebe Grüße an Euch beide
 
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