Rom im Frühling 2026 - ein Kurzbericht

Freitag, 24. April - Vormittag

Vor etwas mehr als drei Jahren habe ich einen leichten Schlaganfall erlitten, der mich beim Gehen nach wie vor stark einschränkt. Bei meinem letzten Rombesuch haben wir uns die Ponte Nomentano angeschaut und eine Brückenmadonna entdeckt. Damals habe ich ihr versprochen, wenn ich wieder „normal laufen“ kann, dann stifte ich ein zweites GRAZIE Täfelchen. Mein Zustand hat sich seit zwei Jahren nicht verschlechtert, aber zufriedenstellend ist er auch nicht. Jedenfalls ist es für ein Votivtäfelchen noch zu früh. Aber dennoch wollte ich der Madonna einen Besuch abstatten und ihr danken! Also fuhren wir zur Piazza Venezia und stiegen in einen Bus um, der uns direkt zur Ponte Nomentano brachte. Selbstverständlich gibt es zu dieser Madonna auch eine Geschichte, die ich hier kurz wiedergeben möchte: In den Jahren zwischen den Weltkriegen lebte eine Frau namens Maria in der Nähe der Brücke. Sie brachte einen Farbdruck von Maria, Unserer lieben Frau der Gnaden in einer Nische an und betete dort jeden Morgen. Mit der Zeit schlossen sich ihr Kinder an, die kleine Aufgaben bekamen: Ein Kind trug die Blumen, ein anderes das Wasser und die Kerzen usw. Eines Tages war der Farbdruck verschwunden und das jetzige Bild angebracht. Die Frau konnte mit dem neuen Bildnis nicht viel anfangen uns sagte zu den Kindern: „Meine Kinder, das ist nicht unsere Madonna. Lasst uns nach Hause gehen!“ Später kam heraus, dass ein Nachbar das Gips Bild anbrachte dessen Tochter Selbstmord beging. Die Gesichtszüge seiner Tochter gaben der Madonna ihr Gesicht.




Das Bildnis geriet in Vergessenheit. In den letzten Jahren änderte sich dies. Inzwischen gibt es eine kleine Gruppe von Frauen, die sich um die Madonna kümmern.

Umberto und ich verharrten in Stille vor dem Relief, als sich ein kleiner Junge von der Hand seines Vaters löste und auf uns zu lief. Er umklammerte mein „krankes“ Bein und zeigte auf das Marienbild. Der Vater kam und sagte, dass der Junge die Madonna besonders mag.

Bald darauf verließen wir die Brücke und begaben uns zu Bushaltestelle. Umberto wollte den Mittagsspritz unbedingt in der Villa Torlonia einnehmen, weil ihm das Lokal beim letzten Besuch so gut gefiel. Gesagt, getan – die nächsten 90 Minuten verbrachten wir „im Dolce-Vita-Modus“.

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25. April – Nachmittag

Mit dem Bus fuhren wir die Via Nomentana in Richtung Termini zurück und stiegen auf der Via Nationale aus. Im letzten Jahr habe ich mich etwas intensiver mit König Heinrich VIII. und seine Zeit auseinandergesetzt. Ich beschäftigte mich auch mit Bischof John Fisher der, den Eid auf die Suprematsakte verweigerte dadurch beim König in Ungnade fiel und wegen Hochverrats angeklagt und im Tower eingekerkert wurde. Während seiner Haft erhob ihn Papst Paul III. zum Kardinal mit der Titelkirche San Vitale, die wir jetzt besuchen wollten und die anscheinend keine Mittagspause hat. Eine schöne Kirche, schon Hunderte von Malen dran vorbeigefahren – ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall.




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Danach machten wir uns zum Kapitol auf, denn Rom ohne Kapitol ist wie der Papst ohne Zucchetto!


Wir machen zuerst Cola di Rienzo, dann den beiden Dioskuren, Marc Aurel und der Kapitolinischen Wölfin unsere Aufwartung.


Genossen den Blick über das Forum Romanum und stellten fest, dass es bei einem nächsten Besuch mal wieder fällig wäre. Vor allem waren wir gespannt, ob die rekonstruierte Statue von Kaiser Konstantin noch steht?


Sie stand noch da – in ihrer ganzen Größe und Pracht. Wir verließen den Kapitolshügel über den frisch restaurierten Laubengang und machten uns zu unserer Unterkunft auf.


Zum Abendessen wollten wir in den Stadtteil Monteverde aufbrechen und das Il Focolare besuchen. Der Besuch scheiterte daran, dass der passende Bus nicht kam. Nach einer Stunde Wartezeit beschlossen wir ins La Vittoria zu gehen.
 
Zugleich mit sonnigem Dank ;) für diesen netten neuen Berichtsteil sei auch eure gute Absicht gelobt, unsere einstige Lieblings-Futterkrippe Ristorante "Il Focolare", Via Rossetti Gabriele, 40 zu besuchen. Schade, dass es nicht geklappt hat.

Das Vittoria ... da höre ich ein leises Klingeln im Hinterkopf: Durfte ich nicht einen Besuch von euch dort vor noch gar nicht allzu langer Zeit vermerken in unseren Restaurantkritik?

Moment ... werde nachschauen.

Edit:
Ja, in der Tat, hier ist es: La Vittoria, San Pietro.
Und das war im März – so dass du also durch einen weiteren Kommentar den Zeitpunkt der jüngsten Bewertung nur wenig nach oben schrauben würdest. Jedoch, wie ja jeder Italiener ;) weiß: "Every little helps."
 
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Samstag, 25. April

An diesem Vormittag trennten sich unsere Wege. Umberto wollte zum ersten Mal auf die Via Appia antica erkunden. Obwohl ich relativ gut zu Fuß unterwegs war, hatte ich doch bedenken und außerdem brauchte Umberto auch mal sein eigenes Tempo beim Gehen! Mein zweites Frühstück sollte in meiner Lieblingsbar, die Bar Brassai in der Via di Panico, nahe der Engelsbrücke, stattfinden. Mit dem Bus fuhr ich zur Haltestelle Paola und von dort aus waren es nur ein paar Schritte bis zur der Bar, in der ich meinen allerersten römischen Cappuccino getrunken habe. Während ich meinen Cappu schlürfte und in mein Cornetto biss, kam mir der Gedanke die öffentlich und kostenfreien Werke von Caravaggio, Raffael und Bernini zu besichtigen. So ging es zuerst nach Santa Maria delle Pace. Als ich an San Salvatore in Lauro vorbeikam, meinte ich, dass der Platz um die Kirche herum neugestaltet wurde. Auf jeden Fall steht jetzt ein Lorbeerbaum auf dem Platz, der wohl daran erinnern soll, das dort einst ein Lorbeerwald stand.

Santa Mari delle Pace war geöffnet und ich konnte Raffaels Sybillen in aller Ruhe bewundern und wie eine Besucherin in den Heizungsschacht hinein fotografierte …


Meine nächste Station war San Luigi dei Francesi mit den Werken Caravaggios. Als ich ankam stand eine lange Schlange vor der Kirche an. Es wurden immer nur wenige Besucher hineingelassen. Da ich keine große Lust darauf hatte in der Hitze zu stehen, zog ich eine Monachella im Sant’Eustachio vor und warf einen Blick auf die Kuppel von Sant'Ivo.


Weiter ging es zu Santa Maria sopra Minverva, um dort den Christus von Michelangelo zu bestaunen und selbstverständlich den Elefanten von Bernini.


Der Elefant war kein Problem, da die Kirche renoviert wird war der Christus nicht zugänglich.


Als nächstes ging es zum Largo di Torre Agentina. Es folgte ein kurzer Blick auf die Katzen und dann weiter ins ehemalige Ghetto zum Schildkrötenbrunnen. In der Bar Tartaruga machte ich eine kleine Verschnaufpause.


Auf dem Weg zur Tramhaltestelle Arenula/Cairoli kam ich an diesem Hinterhof vorbei.


Meinen Nachmittagsspritz wollt ich in Trastevere genießen und zwar auf der Piazza di San Maria in Trastevere im Caffè delle Arance. Der Spritz war lecker und die Beigaben üppig, so ließ es sich aushalten.


Trotz Sonnenschutz wurde es mit der Zeit doch zu warm und ich ging in die kühle Kirche. Bevor ich mich auf den Rückweg machte, kehrte ich für einen Cappuccino in die Bar Antico ein. Mit der Tram ging es wieder zurück bis Cairoli es folgte ein letzter Gang über den Campo de‘ Fiori und am Palazzo Cancelleria stieg in die 64 und fuhr zur Unterkunft zurück.

Umberto und ich hatten ich am Abend eine Verabredung im La Vittoria mit @gordian und seine BEVA. Wir erlebten einen schönen und interessanten Abend miteinander und Padre fand endlich jemanden, der Tippa alla romana mag und genießt!
 
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Auf dem Weg zur Tramhaltestelle Arenula/Cairoli kam ich an diesem Hinterhof vorbei.
Ein Satz, der die Hoffnung nicht unberechtigt erscheinen lässt, es werde auch noch Photos geben. ;)

Im Übrigen ist man mit Trippa auch bei mir an der richtigen Adresse.
Nur eben, dass es halt an einer römischen solchen gebricht.
 
Sonntag, 26. April

Für diesen Sonntag stand der Besuch der Messe in der Kirche Santa Maria delle Pieta auf dem Santo Campo Teutonico auf dem Programm. Wir erlebten eine Neuerung beim Einlass: Die Schweizer Gardisten ließen uns erst 15 Minuten vor Beginn der Messe passieren! Wir erlebten einen schönen Gottesdienst und eine beeindruckende Predigt von Prälat Klasvogt. Nach der Messe begaben wir uns auf den Petersplatz das Regina Caeli mit Papst Leo XIV. zu beten. Für kurz nach 11 Uhr war es schon verdammt heiß auf dem Platz und ich suchte ein schattiges Plätzchen unter den Kolonnaden. Umberto durchstreifte den Petersplatz und erfreute sich an die vielen, meist afrikanischen, Menschen in ihren bunten Gewandungen.


Das Warten auf den Papst verging wie im Flug und als das Fenster des päpstlichen Arbeitszimmers geöffnet wurde und der Gobelin herausgehängt wurde stieg die Spannung an. Wahrscheinlich erging es den allermeisten Menschen auf den Platz wie mir: Es war die erste Begegnung mit dem neuen Papst! Dann hatte die Spannung endgültig ein Ende. Der Papst erschien und legte kurz das Evangelium aus, betete mit uns, grüßte etliche Pilgergruppen, die auf dem Petersplatz anwesend waren. Schon bei seinem ersten Auftritt, als Papst, war er mir sympathisch. Mir gefällt seine gelegentlich aufkommende Schüchternheit, seine Besonnenheit, dass er einen größeren Wert auf Traditionen legt; als sein Vorgänger, dass er die Auseinandersetzungen mit den Mächtigen nicht scheut – und dass auf eine freundliche Art, zudem scheint er mir auch ein wenig verschmitzt zu sein.



Als wir am gestrigen Abend einen Tisch fürs Mittagessen im La Vittoria bestellen wollten, sagte der Wirt: Wenn Papa morgen fertig ist, dann kommt ihr einfach! Papa war fertig und wir hatten auch etwas Hunger uns so machten wir uns zum letzten Mal auf den Weg zu unserer Futterkrippe. Der Laden war wieder gut gefüllt – und es gab tatsächlich einen freien Tisch für uns.

Langsam nahte der Abschied von der urbs. Die Wartezeit auf den Shuttle Service verbrachten wir im Garten der Schwestern und dann ging es zum Flughafen. Ein letzter Spritz bei Eataly – und so endeten schöne Tage in der schönsten Stadt der Welt.

E N D E​
 
... und so endeten schöne Tage in der schönsten Stadt der Welt.

E N D E​
Schade, ich habe so gerne mitgelesen und war mit euch in der "schönsten Stadt der Welt" unterwegs. Es ist immer wieder schön, dass sogar erfahrene Romkenner wieder etwas Neues in der Ewigen Stadt entdecken (an San Vitale bin ich auch xmal vorbeigefahren-gelaufen und war nie drinnen in dieser Kirche). Vielen Dank für den schönen Bericht!
 
Vielen Dank für deine Eindrücke und den schönen Bericht über schöne Tage in Rom!
Es war mir eine Freude, die Stadt mit dir zu durchstreifen.
 
Wir fanden es sehr nett im La Vittoria und meine Vorliebe für Trippa -- immer gut jemanden zu finden, der diese teilt. Italien ist in dieser Hinsicht großartig, insbesondere für Menshen aus Deutschlands Süden, die derlei schätzen.
 
Liebe @Pasquetta, es freut mich sehr, dass Du mich auf meinen Wegen in Rom begleitet hast! Ein kleiner Nachtrag zu San Vitale:
Kardinal John Fisher hat seine Titelkirche auch nie betreten, da er trotz seiner Erhebung zum Kardinal enthauptet wurde.

Die nächste Romreise wird kommen und somit ein neuer Bericht.
 
Ein sehr schöner Kurzbericht, vielen Dank. Langsam aber sicher bekomm' ich richtig Schmacht. Meine letzte Romreise lag noch vor Corona, und danach war immer wieder etwas anderes, das mir dazwischen kam.

Beste Grüsse
Rainer
 
... und so endeten schöne Tage in der schönsten Stadt der Welt.

E N D E​
Schade, ich habe so gerne mitgelesen und war mit euch in der "schönsten Stadt der Welt" unterwegs. Es ist immer wieder schön, dass sogar erfahrene Romkenner wieder etwas Neues in der Ewigen Stadt entdecken (an San Vitale bin ich auch xmal vorbeigefahren-gelaufen und war nie drinnen in dieser Kirche). Vielen Dank für den schönen Bericht!
Lieber Padre,

genau wie Pasquetta erging es mir auch - und San Vitale kenne ich nur aus Ravenna ...

Vielen Dank, dass ich Eure Wege mitgehen durfte und das hat mich auch erinnert, dass ich dringend meinen eigenen Bericht weiterschreiben sollte. Allein im Moment ist bei mir (Semesterende!) so viel zu tun, dass ich nicht die Ruhe finde.

Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben, versprochen!

Liebe Grüße
Angela
 
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