Am Sonntag, dem 7. September haben wir sehr zeitig gefrühstückt und uns dann alle 11 gemeinsam zu Fuss auf den Weg von unserem Quartier über den Gianicolo nach St. Peter und zum Campo Santo gemacht um dort um 9 Uhr an der Messe in deutscher Sprache teilzunehmen.
Unterwegs bot sich uns dieser herrliche Blick auf die Kuppel des Petersdoms:
Ihr Anblick fasziniert mich immer wieder, ob aus der Nähe oder aus der Ferne, ob bei Tag oder bei Nacht. Bevor wir unseren Sonntagsspaziergang fortsetzen, möchte ich an dieser Stelle einen kleinen Beitrag zur Würdigung der Rolle Giacomo della Portas beim Bau der Kuppel leisten.
Giacomo della Porta und die Peterskuppel
In seiner Ausgabe 24/2011 hat der deutsche Osservatore Romano einen sehr beachtenswerten Artikel mit dem Titel "Studie zur Struktur und Statik der Petersdomkuppel. Wichtige neue Details entdeckt" veröffentlicht. Einen Teil kann man im Netz lesen Siehe:
Kultur der archivierten Ausgabe 24/2011 des Osservatore Romano. Der Autor, Sandro Barbagallo, ist der Meinung, dass "die geniale Urheberschaft" della Portas "nie so gewürdigt worden ist, wie sie es verdient".
Nach der Lektüre des genannten Artikels und weiterer Quellen aus dem Netz z.B.
C'è molto di Porlezza nella cupola di Michelangelo S.24 in
Il Cuccio. Notiziario del Comune di Porlezza (Oktober 2008), ergibt sich für mich folgendes Bild:
Als Michelangelo 1564 starb, stand nur der Kuppeltambour. 23 Jahre später, am 19.1.1587 erhielt Giacomo della Porta von Papst
Sixtus V. den Auftrag zum Bau der Kuppel. 10 Jahre wurden ihm dafür gewährt und unterstützen sollte ihn
Domenico Fontana. In nur 22 Monaten intensiver Arbeit gelang es die Kuppel zu errichten. Auf der Baustelle waren 800 Arbeiter Tag und Nacht (!) beschäftigt. Giacomo della Porta hat sich jeden Tag persönlich dem grossen Projekt gewidmet. Zu Beginn hat er z.B. Zeichnungen in Originalgrösse auf den Boden von S. Paul vor den Mauern gezeichnet um den Arbeitern die Vorgehensweise zu erläutern!
Osservatore Romano schrieb:
Als Della Porta den Auftrag übernimmt, wird ihm klar, daß die Krümmung der Kuppelschale, so wie sie Michelangelo geplant hatte, auf der Höhe des Tambours einen starken Druck nach außen erzeugt und somit die ganze Struktur gefährdet hätte. Der Architekt löst das Problem, indem er die vertikale Struktur der Kalotte um sieben Meter erhöht. Er erreicht schließlich, daß das Gewicht der ganzen Struktur nach unten verlagert und somit die Statik gesichert wird.
Er verwendete nur die allerbesten Materialien. Die Ziegel wurden dort gebrannt, wo sich heute das Papstwappen in den Vatikanischen Gärten befindet.
Am 8.8.1589 wurden die 36 Säulen aufgestellt. Wenige Tage später starb Sixtus V. Der Bau der Laterne und die Bleiverkleidung wurden 1593 unter
Clemens VIII. abgeschlossen.
Untersuchungen von Marta Carusi vor einigen Jahren haben auch enthüllt, was man mit dem blossen Auge nicht sieht: Eine Metallstruktur aus 7 Eisenringen (64 Ankern zwischen den beiden Kuppelschalen, zahlreichen Ketten in der inneren Kugelschale und den Gewölberippen, 16 Riegel) sorgt für die statische Widerstandskraft der Kuppel.
Siehe
Il Giornale dell'Arte - Forse È Da Riscrivere La Storia Del Cupolone. Pink in der Zeichnung eingetragen sind die Eisenringe Giacomo della Portas von 1589 und 1590.
Marta Carusi veröffentlichte 2010 den Aufsatz "La struttura portante della cupola di Della Porta: 1588-2010". Siehe:
"Annali di architettura", n. 22, 2010 :: Palladio Museum.
Hier der Link zur Websseite der Architektin.
Vom Gianicolo zum Campo Santo und an den Tiber
Es folgen einige weitere Eindrücke von unserem Spaziergang über den noch sehr stillen Gianicolo. Die Himmelsbläue war nicht zu übertreffen, die Temperatur noch sehr angenehm aber später wurde es sehr heiss!
Schliesslich kamen wir am
Campo Santo Teutonico an. Es waren sehr viele Menschen zur ersten Messe mit Rektor Hans-Peter Fischer nach der Sommerpause im August gekommen. Auch vom Friedhof aus ist der Blick auf die Peterskuppel besonders schön.
Grab von
Jean-Pierre Kirsch (1861 bis 1941)
Direktor des Römischen Instituts der Görres-Gesellschaft in Rom von 1888 bis 1895 und von 1926 bis 1941
Alle Bilder entstanden erst nach der Messe aber viele sind es nicht denn es herrschte grosses Gedränge auf dem kleinen Areal des Friedhofs. Das lag daran, dass eine grosse Gruppe junger Leute der Meisterschule für Steinmetz- und Steinbildhauerhandwerk aus München gekommen war um in den darauffolgenden Tagen Restaurationstätigkeiten auf dem Friedhof nachzugehen.
2013 haben die Schüler dieser Fachschule für die Restaurierung und Umsetzung (vom Friedhof in die Kirche) der oben abgebildeten Christusstatue gesorgt.
Dieses Jahr haben sie über die Tätigkeit am Campo Santo hinaus auch Gräber auf dem Cimitero Acattolico restauriert.
All dies habe ich erst an diesem Wochenende auf der Website der Schule gelesen. Siehe:
| Städtische Fachschule für Steintechnik - Meisterschule für das Steinmetz- und Steinbildhauerhandwerk der Landeshauptstadt München - Referat für Bildung und Sport
Nach der Messe blieben viele Besucher um einem kleinen Vortag von Professor
Stefan Heid über die Kirche Santa Maria della Pietà zuzuhören. Interessant waren u.a. seine Ausführungen zu den beiden barocken Epitaphen des Prälaten Georg Meisel und des Bildhauers Laurentius Rues.
Zum Schluss sahen wir uns noch die der Schweizergarde gewidmete Schweizerkapelle an.
Vom schrecklichen Ende vieler Schweizergardisten während des Sacco di Roma am 6. Mai 1527 hatte ich schon oft gehört. Hier eine Schilderung auf der
Webseite des Vatikan:
Die Schweizergarde, die sich vollzählig beim Obelisken eingefunden hatte, der damals in der Nähe des Campo Santo Teutonico stand, und die wenigen römischen Truppen leisteten verzweifelten Widerstand. Der Kommandant Kaspar Röist wurde verwundet und später im Quartier vor den Augen seiner Frau Elisabeth Klingler von den Spaniern auf barbarische Art niedergemetzelt. Von den 189 Schweizern überlebten nur die 42 Gardisten, die - unter der Führung von Herkules Göldli - KlemensVII. zu seinem Zufluchtsort, der Engelsburg, begleiteten. Die anderen fielen heldenhaft, zusammen mit 200 in die Kirche Geflüchteten, vor dem Hochaltar von Sankt Peter. Die Rettung Klemens' VII.und seiner Leute ermöglichte ein geheimer Fluchtgang, der sogenannte »Passetto«, den AlexanderVI.auf der Mauer, die vom Vatikan zur Engelsburg führt, hatte anlegen lassen.
Dass man allerdings genau weiss, wie Kaspar Röist ausgesehen hat, das erzählte uns Professor Heid. Ein Porträt des Kommandanten findet sich in diesem, ein Jahr vor den schrecklichen Ereignissen gestifteten Fresko in der Kapelle:
In der Mitte: Kaspar Röist
Nur noch zu dritt setzen wir unseren Weg weiter fort. Als wir zum Petersplatz kamen, hatten sich schon viele Menschen zum Angelus mit Papst Franziskus eingefunden.
Wir blieben nicht, aber gestern habe ich diese beiden Videos gesucht, die ich mir noch ansehen werde:
Es war sehr warm geworden und als erste von uns fand Gauki Abkühlung am Tiara-Brunnen.
Eigentlich wollten wir in die Engelsburg aber da die Schlange davor ziemlich lang war und "pleng soleil"

sich nicht vermeiden liess, gingen wir weiter über die Engelsbrücke und tauchten ein in die schattige Via dei Coronari.
In der Gelateria del Teatro genehmigten wir uns ein leckeres Eis. Sehr lecker schmeckte die Sorte: Zitrone mit Honig und Rosmarin. Man kann auch drinnen an einigen Tischchen sehr nett sitzen. Für den herzhaften Hunger gibt es dort inzwischen auch Pizza!
Wir gingen zurück Richtung Tiber,
suchten erneute Abühlung am frisch restaurierten Brunnen an der Piazza Trilussa und machten uns bald danach auf den Rückweg zur Villa Maria.
Nach der Hitze des Tages beschlossen wir zu viert den eher geruhsamen Sonntag bei einem leckeren Mahl im Ristorante
L'Antica Roma, Via Alberto Mario, 17A. Dort hatte es mir bereits am ersten Abend gut gefallen und gut geschmeckt und auch diesmal waren alle zufrieden! Nach sehr leckeren Scaloppine al limone am ersten Abend, mundete mir am Sonntag eine perfekte Saltimbocca alla romana. :thumbup: