Cortili aperti (III)
Palazzo Altieri
Piazza del Gesù, 49
Der Palazzo der
Familie Altieri liegt zwischen der Via del Plebiscito, der Via del Gesù, der Via Santo Stefano del Cacco und der Via degli Astalli. Die Familie besaß bereits im Mittelalter einzelne Häuser im Rione Pigna, darunter auch solche, die beim Bau der Kirche Il Gesù abgerissen wurden. Im 17. Jahrhundert wurden sie von Lorenzo Altieri zu einem einzigen Gebäude zusammengefasst.
Als Gianbattista Altieri 1643 Kardinal wurde, beauftragte er den Architekten Giovanni Antonio de Rossi mit der standesgemässen Vollendung des Palastes. Diese Bauphase dauerte bis 1650.
Bekannt ist die Geschichte einer Witwe namens Berta, die sich standhaft weigerte ihr Häuschen für das Bauprojekt aufzugeben. De Rossi soll es einfach in den Palast integriert haben. Ob es Berta wirklich gab, kann man nicht beweisen, aber wenn die Geschichte nicht wahr ist, so ist sie doch gut erfunden und man schmunzelt über die einfache Frau, die den Mächtigen ein Schnippchen schlug.
Weitere Arbeiten wurden unter dem neuen Besitzer Prinz Gaspare Altieri zwischen 1670 und 1676 durchgeführt. 1670 wurde im Alter von 80 Jahren Emilio Altieri, der Bruder Gianbattistas, zum Papst gewählt. Er nahm den Papstnamen
Clemens X. an.
An der rechten Seite und hinter dem ursprünglichen Palazzo entstanden neue Anbauten. De Rossi entwarf nun auch den eleganten Innenhof. Der Haupteingang blieb an der Piazza del Gesù.
Durch das Säulenportal mit dem darüberliegenden Wappen Clemens' X. betreten wir ein Atrium, durch das man in den ersten Hof mit ionischen Pilastern gelangt. An den Wänden erkennt man als dekoratives Element über den Fenstern auch den Stern aus dem
Wappen der Altieri.
Ein Portikus trennt den ersten vom größeren zweiten Hof.
Mehrere Fenster im zweiten Innenhof sind nicht echt, sondern trompe l’oeil-Malereien.
Dort befindet sich auch ein Brunnen, in dem sich munter Goldfische tummeln.
Auch dieser Brunnen stand früher im Innenhof des Palazzo Altieri und diente als Pferdetränke. Im 19. Jahrhundert wurde er dort entfernt und 1874 als öffentlicher Brunnen an der Rückseite des Palazzo wiederaufgebaut.
Den schönen römischen Sarkophag zieren zwei Putten, die ein Medaillon mit Gorgonen-Haupt halten und zwei weitere Putten. Neben diesen klassischen Motiven, gibt es auch noch zwei Eichhörnchen, die höchst lebendig wirken und sich mit leckeren Früchten aus zwei Vasen bedienen.
In Palazzo Altieri war mehr als "nur" die Cortili zu besichtigen. Erfreut stiegen wir im Inneren das prächtige Treppenhaus empor und bewunderten die Büsten, Statuen, Vasen … mit denen es ausgestattet ist. Auch einen Fahrstuhl aus jüngeren Tagen gibt es.
Heute sind drei Banken im Palazzo Altieri untergebracht. Es gibt aber auch private Wohnungen. In einer davon lebte die Schauspielerin Anna Magnani rund 30 Jahre lang bis zu ihrem Tod 1973. Das zweite Bild auf
dieser Website zeigt sie auf der Dachterrasse ihrer Wohnung mit Blick auf San Pietro.
Ihren letzten Filmauftritt in Fellinis Film "Roma" hatte sie an ihrer Haustür im Palazzo Altieri. Siehe dieses Video:
Roma - Anna Magnani 2 - YouTube
Auch
Carlo Levi lebte hier und hat den Palazzo in seinem
Roman "Die Uhr" (L’orologio) beschrieben.
Siehe bei Interesse
diesen Spiegel-Artikel von 1948.
In dem flüchtlingserfüllten Rom hatte Levi zunächst große Wohnungssorgen, bis ihm ein Studio in dem schönen Palazzo Altieri in der Nähe der Jesuskirche zur Verfügung gestellt wurde. Doch auch dort findet er wenig Ruhe. Denn der frühere Zimmerbewohner, ein Bildhauer, will das Studio zurück haben.
Seit Monaten amüsieren sich die Zeitungen über den zwischen den beiden Zimmerrivalen ausgebrochenen Kampf. Der Kampf wird mit Durchreissen der Telefonleitungen, Abstellen des Wassers und Barrikaden vor der Toilette geführt. Der Bildhauer hat Levis Tür mit gehässigen und ironischen Inschriften verziert. Eine von ihnen fordert die Damen, die nach Mitternacht zu Levi kommen, auf, keinen Lärm zu machen.
Levi schreibt an einem Roman über seine gegenwärtigen tragikomischen Erlebnisse. "Die Uhr" wird er heißen.
Von früheren Episoden zurück zur Gegenwart. Am Tag der "Cortili aperti" war ausnahmsweise auch das unter dem Dach untergebrachte Familienarchiv der Altieri zu besichtigen. Der riesige helle Raum besitzt einen herrlichen alten Boden und Holzregale aus Nussbaumholz. Er beherbergte früher die Bibliothek der Altieri (Librària Altieri).
Leider herrschte hier Fotografierverbot aber gestern habe ich zwei Fotos im Netz entdeckt.
Dieses, welches auch den Flyer der Cortili aperti schmückte und
dieses.
Beide wurden von
Massimo Listri, einem bekannten Architekturphotographen, 1998 aufgenommen. Die Büste auf dem zweiten Photo zeigt Clemens X. Altieri, die Hand zum Segen erhoben, hinter einer Kanzel und umgeben von prächtigen Stuck-Draperien. Die Büste ist ein Werk Gian Lorenzo Berninis von 1576. Allerdings befindet sie sich heute in der Galleria Nazionale di Arte Antica im Palazzo Barberini. Siehe:
Statue of Clement X (Bernini)
Die besten Informationen zur Papst-Büste findet man auf
dieser Website.
The work, which was recently acquired by the Italian State, was found in a niche in the library of Palazzo Altieri by Martinelli in 1955.
Dunkel kommt es mir so vor, als habe sich bei unserem Besuch anstelle der Büste ein modernes Gebilde aus Pappmaché (?) befunden. Vielleicht erinneren Angela und ihr BEVA sich besser.
Palazzo Odescalchi
Piazza SS. Apostoli, 81
Seit 1745 gehört der Palazzo gegenüber der Basilika SS. Apostoli den
Odescalchi, die sich seit dem 16. Jh. in Rom nachweisen lassen. Zuvor gehörte er den Colonna, den Ludovisi, wieder den Colonna, den Chigi und schliesslich den Odescalchi. Seine Baugeschichte ist ebenfalls eine komplizierte.
Bereits im 15. Jh. stand hier ein mit Türmen versehenes Gebäude der Familie Benzoni aus Crema in der Lombardei. 1622 kaufte es Kardinal Ludovico Ludovisi, eine Neffe Papst Gregors XV.
Carlo Maderno war es, der den Auftrag zum grundlegenden Umbau erhielt. Da der Kardinal den Palast bald wieder an die Vorbesitzer verkaufte, wurden nur der von Maderno entworfene Innenhof und wenige Räume verwirklicht.
Kardinal Fabio Chigi erwarb den Palast 1661 von den Colonna und beauftragte Gian Lorenzo Bernini 1665 mit dem Umbau und der Neugestaltung der Fassade, welche aber durch spätere Anbauten weiter verändert wurde und extrem langgezogen wirkt.
Doch betreten wir nun durch das rechte der beiden Tore den Palazzo Odescalchi. Wir gehen auf diese Statue zu und gelangen in den rechteckigen Innenhof von wahrlich riesigen Ausmassen.
In der Mitte steht auf einem Rasenrondell eine Statue auf ihrem Podest. Gleich angezogen wurde mein Blick aber auch von einem kleinen Wandbrunnen, der sich leider in erbärmlichen Zustand befindet und aus dem kein Wasser mehr fliesst. In zwei Muschelschalen erkennen wir zwei Delphine und darüber einen Adler. Der Adler findet sich auch im über dem Brunnen angebrachten
Wappen der Odescalchi wieder. Es zeigt einen Adler, einen Löwen und sechs Räuchergefässe für Weihrauch.
Im Erdgeschoss setzte Maderno Säulen der
toskanischen Ordnung ein. Sie sind durch einen Zwischenraum vom Pfeilersystem getrennt. So erreichte er eine Auflockerung der langen Wände.
Gerne hätte ich gewusst, wen die vielen Statuen darstellen und bedauerte etwas, dass das beaufsichtigende Personal keine kleine Führung anbot.
In der Privatsammlung der Odescalchi befindet sich übrigens auch ein Werk Caravaggios und zwar die erste Fassung der "Bekehrung des Paulus" von 1600/01. Siehe
hier.
Nun machten wir uns auf den Weg zum krönenden Abschluss der Cortili-Tour, dem
Palazzo Borghese
Largo Fontanella Borghese, 19
mit seinem Innenhof und vor allem seinem "giardino segreto", seinem von Mauern umgebenen Garten mit dem zauberhaften Nymphäum.
Unterwegs kamen noch diese Bilder zustande:
Hausmadonna an der Piazza SS. Apostoli, Oratorio del SS. Crocifisso
und endlich fertig restauriert :thumbup:, die Fassade von San Lorenzo in Lucina
Zweimal hatte ich bei früheren Romreisen durch das geöffnete Tor des
Palazzo Borghese spähen können und bedauert, mich dort nicht näher umsehen zu können.
Wikipedia schrieb:
Der äußere Eindruck ist monumental und repräsentativ: drei Stockwerke und zwei
Mezzanine sowie zwei majestätische, von Säulen flankierte Eingänge mit darüberliegenden Balkonen. Der Hauptzugang führt in den erwähnten
Arkadeninnenhof, in dem mehrere berühmte antike Skulpturen aus der Borghese-Sammlung stehen. Vom Innenhof gelangt man durch eine offene Doppelloggia an der Rückseite in einen idyllischen Gartenhof, der drei reich dekorierte Springbrunnen beherbergt.
Hier ein paar Aufnahmen vom 29.12.2011:
Am 25. Mai 2013 betraten wir zunächst den eigentlichen Innenhof. Er ist von 96 dorischen und ionischen Säulen umgeben. Vor uns lag die Doppelloggia, die in den Gartenhof führt.
Rechts und links vom Durchgang in diesen, sowie an einer Seite des Arkadenhofes, liessen die Borghese insgesamt drei gigantische Statuen aufstellen. Sie sind ein Amalgam aus verschiedenen antiken Fragmenten, die von späteren Bildhauern ergänzt wurden. Am bekanntesten ist die als Apollo Citaredo (Photo links) bekannte Figur, welche allerdings einen Frauenkopf und nicht denjenigen eines Gottes trägt!
Zwischen den beiden ersten Statuen hindurch gelangten wir in den Gartenhof und waren bezaubert von den reichen Details der drei Wandbrunnen, welche die Göttinnen, Flora, Venus und Diana im Bad darstellen.
Die Arbeiten zu dieser herrlichen Anlage fanden zwischen 1671 und 1677 statt, als die Borghese zunächst
Johann Paul Schor und danach
Carlo Rainaldi mit der Umgestaltung des bereits vorher existierenden Gartens beauftragten.
Der Tiroler Johann Paul Schor, der in Rom, wo er 1674 starb, auch
Giovanni Paolo Tedesco genannt wurde, war mir bis dato kein Begriff aber er muss aussergewöhnliche Dinge geschaffen haben.
The great Roman artist Gian Lorenzo Bernini praised Johann Paul Schor as a great decorator and a man of unlimited ideas and invention, declaring that whether one wanted a design for a carriage, a chair, or some silver, Schor could produce it. The son of a painter, Schor traveled to Rome around 1640. From 1656 until his death in 1674, he was employed by the Vatican, becoming the best-known German-speaking artist in Rome. He was particularly known for his inventive designs, producing stage sets for festivals, table sculptures for banquets, sedan chairs, state coaches, fantastic suites of furniture, and wall paintings.
Quelle
Zum abgebildeten Tisch,

und damit wären wir noch einmal beim Palazzo Altieri, heißt es
hier:
A 1713 guidebook of Rome mentions a room in the Palazzo Altieri that was decorated as "an artificial cave, composed of mountains and rocks. Inside is a bed made of tree-trunks, a table, a fountain..." The Getty Museum's table would not have been out of place in such a grotto.
Zu Johann Paul Schor habe ich
hier noch das Bild eines barocken Bettes für Maria Mancini Colonna gefunden.
Nach diesem kleinen OT nun aber zurück zu den Brunnen. Sie sind mit Statuen von Leonardo Retti, Filippo Carcani und Francesco Cavallini, alle Schüler Gian Lorenzo Berninis, ausgestattet.
Weitere Aufnahmen aus dem Gartenhof:
Der einzige offene Hof, den ich nicht gesehen habe, weil ich ihn schlicht vergessen habe, ist der anscheinend sehr schlichte
cortile des
Palazzo Montoro, Via di Montoro 8. Photos habe ich von ihm keine gefunden, nur
diesen Blick durch das Eingangstor.