Palazzo Pamphilj - Galleria Cortona
Wohl bei jedem Besuch der Piazza Navona ist man beeindruckt vom Ausmaß des Platzes auf dem Grundriss des antiken Stadion des Domitian, von der zentralen Fontana dei Quattro Fiumi mit dem fast siebzehn Meter hohen Obelisco Agonale, der Fontana del Moro am südlichen und der Fontana del Nettuno am nördlichen Ende der Piazza.
Verweilt man, lässt man die Augen schweifen und sich nicht ablenken vom touristischen Trubel und vom Spiel der Gaukler und Musikanten, erkennt man ganz an der Spitze des Obelisken eine Taube mit einem Ölzweig.
Natürlich auf dem mit Hieroglyphen versehenen Obelisken ein Verweis auf Gen 8,11. Mehr aber noch ein Verweis auf die Familie, die seit dem 17. Jahrhundert Gestalt und Aussehen der Piazza Navona geprägt hat. Über den unsichtbaren antiken Schichten des Stadions des Domitian, von denen man einen Eindruck im kleinen Museum an der nördlichen Ecke des Platzes bekommen kann (
Homepage - Stadio di Domiziano), befindet man sich bis heute, ablesbar an den Fassaden und Monumenten, im Wohnzimmer der aus Umbrien am Ende des 15. Jahrhunderts nach Rom übersiedelten Adelsfamilie Pamphilj, deren Familienwappen eine Taube mit Ölzweig und drei goldene Lilien zieren (
Pamphilj (Adelsgeschlecht) – Wikipedia).
Als
Giovanni Battista Pamphilj (*1574–1655) am 15. September 1644 zum Papst gewählt wurde und den Namen Innozenz X. annahm, wurde es Zeit, der neuen Würde der Familie auch architektonisch Ausdruck zu verleihen, um nicht hinter der Familie seines Vorgängers
Maffeo Barberini (*1568), als Papst Urban VIII. (1623–1644), zurückstehen zu müssen.
Davon zeugen unübersehbar an der südwestlichen Seite der Piazza Navona der Palazzo Pamphilj, erbaut ab 1646 von den Architekten
Girolamo Rainaldi und Francesco Borromini auf drei Grundstücken, die das Adelsgeschlecht dort bereits im 15. Jahrhundert erworben hatte, und die Kirche Sant’Agnese in Agone, in ihrer heutigen Gestalt ab 1652 von Rainaldi entworfen, dann nach eigenen Plänen von Borromini und Bernini vollendet – eine ursprünglich an den Palazzo Pamphilj direkt angeschlossene kleine ‚Hauskapelle‘ der Familie Pamphilj (Weihe am 17. Januar 1672).
Unsere letzte Romreise in der Karwoche vom 26. bis zum 30. März 2018 hatten wir Anfang März so kurzfristig wie keine andere gebucht. Man mag es sich im August 2018 nicht mehr vorstellen können, aber es gab im Frühjahr 2018 eine Zeit des andauernden Nebels, der ständigen Kälte und der alles durchdringenden Nässe, dass man sich nur noch nach Sonne und etwas vorfrühlingshafter Wärme sehnte. Wir sind von Rom in dieser Hinsicht auch nicht enttäuscht worden und als wir am ersten Nachmittag, ‚Witterung aufnehmend mit der urbs‘, auch zur Piazza Navona kamen, sind wir nach Sant’Agnese in Agone hineingegangen, ohne zu ahnen, dass uns die Familie Pamphilj (bzw. doch ihre Rechtsnachfolger) am letzten Tag unseres Aufenthalts eine große Überraschung bereiten würden.
Die Kirche war bis 1992 im Besitz der Familie Pamphilj, erst dann ging sie ins Eigentum des Vikariats Rom über und ist seit 1998 Titelkirche eines Kardinaldiakons. In der Frühen Neuzeit war der Vorgängerbau der heutigen Kirche bereits einmal von 1517 bis 1654 Titelkirche eines Kardinalpriesters.
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Als wir im Januar 2012 in Rom waren, hatte es die Gelegenheit gegeben, den Palazzo Barberini mit der Galleria Nazionale d’Arte Antica zu besichtigen. Vor allem darin aber Pietro da Cortonas Deckenfresko "Triumph der göttlichen Vorsehung" zur Verherrlichung der Barbarini-Familie:
Der Palast ist nämlich nichts als steingewordener Ausdruck des päpstlichen Nepotismus unter Urban VIII. Erbaut von den Papstneffen Taddeo Barberini (1603–1647, vgl. Taddeo Barberini - Wikipedia, the free encyclopedia) und Francesco Barberini (1597–1679, vgl. Francesco Barberini), sollte er dazu dienen, den Machtanspruch der Familie auch nach dem Tode Urbans VIII. abzusichern. Auch Pietro da Cortonas Deckenfresko „Triumph der göttlichen Vorsehung“ folgt diesem Zweck, ist also vor allem anderen ein Propagandakunstwerk. Das zentrale Bienenwappen der Barberini wird von einem Lorbeerkranz umschlossen, der von den Allegorien der Tugenden Glaube, Liebe und Hoffnung getragen wird. Gleichzeitig verweist die Unsterblichkeit in heller Erleuchtung auf diese Symbolik, den immerwährenden Machtanspruch der Familie untermauernd. So kann jedes noch so kleines Detail des Freskos auf die Familienpolitik der Barberini hin ausgedeutet werden.
Reinhardt, Volker
Werbelink. Kein Nachteil beim Kauf, die Werbeprovision ermöglicht dieses Angebot.
Man müsste nun eigentlich den Palazzo Barberini verlassen und schnurstracks zur Piazza Navona laufen, denn im dortigen Palazzo Pamphilj hat genau derselbe Pietro da Cortona der Familie des Pamphilj-Papstes Innozenz X. wenige Jahre später ein Deckenfresko zu deren Verherrlichung gemalt … Dieser Palast beherbergt heute die brasilianische Botschaft in Italien und kann nach Voranmeldung alle zwei Wochen Dienstags um 15:30 Uhr besichtigt werden [...]. Wer sich für die verwickelte, aber spannende und aufschlussreiche Geschichte der Machtkämpfe zwischen den verschiedenen Papstfamilien im Rom des 16./17. Jahrhunderts interessiert, sollte zu Volker Reinhardts Darstellung greifen: Im Schatten von Sankt Peter: Die Geschichte des barocken Rom.
Daran erinnerten wir uns am Gründonnerstag, 29. März, als wir, vom Campo Santo Teutonico und vom Petersplatz kommend, nach Streifzügen kreuz und quer durchs Centro storico, nachmittags wieder zur Piazza Navona kamen. Am Rande der Fontana del Moro sitzend ging der Blick zum Palazzo Pamphilj, an dessen Haupteingang ein großes Plakat auf eine Ausstellung mit Werken indigener brasilianischer Künstler hinwies. Seit 1920 ist der Palazzo Sitz der brasilianischen Botschaft in Italien, seit 1961 gehört das Gebäude dem brasilianischen Staat. Die kurzfristige Buchung der Reise hatte uns keinerlei Zeit zu genauer Planung gelassen. Längst war uns auch entfallen, zu welchen Zeiten überhaupt Führungen durch den Palazzo angeboten würden. 'Lass uns einfach mal hineinschauen. Vielleicht machen sie eine Ausnahme', dachten wir uns.
Im Eingang erwartete uns eine Sicherheitsschleuse, davor eine Empfangsdame. Nein, das Deckenfresko von Cortona könne man nur im Rahmen einer Führung besichtigen, zu der man sich vorher rechtzeitig auf den Internetseiten der brasilianischen Botschaft anmelden müsse. Aber die Führung heute begänne in 30 Minuten. Wir sollten ruhig warten, vielleicht sei sie ja nicht ausgebucht und wir könnten dann doch teilnehmen. Nach 20 Minuten erschien eine Dame, bei der es sich um die Palastführerin handelte. Sie hatte eine Liste der angemeldeten Teilnehmer dabei, prüfte die Übereinstimmung ihrer Personaldokumente mit der Anmeldung, nahm dann, nach freundlicher Auskunft, dass die Führung keineswegs ausgebucht sei, unsere Personaldaten auf und nach Durchqueren der Sicherheitskontrolle standen wir im Palazzo Pamphilj und nahmen an der Führung durch den Palast teil. Wir verstanden kein Wort - es war die wöchentliche Führung auf Português ...
Wer auf Nummer sicher gehen möchte, kann auf dieser Internet-Seite der brasilianischen Botschaft
Agendamento Visita Guiada die Führung vorher anmelden. Sie findet donnerstags um 15:30 Uhr statt. Führungen in italienischer Sprache sind seltener, dienstags ebenfalls um 15:30 Uhr, vgl.
Prenotazione visita guidata. Die Webseite der brasilianischen Botschaft bietet hier
visita virtuale auch einen virtuellen Rundgang an; über eine Auswahl von Räumen kann man sich dort hier
Gli interni, über die Galleria Cortona hier
Galleria Cortona informieren.
Das Photographieren wurde ausdrücklich erlaubt; trotzdem haben die folgenden Aufnahmen eher die Qualität von Schnappschüssen, da es während der gut 45 Minuten dauernden Führung kaum die nötige Ruhe gab, einzelne Objekte oder Säle mit genügender Konzentration abzulichten. Aufgrund der fehlenden Vorbereitung haben wir sicher auch Wichtiges übersehen, etwa Details der Architektur von Borromini. Aber da kann man darauf vertrauen, dass spätere Besucher aus dem Forum dies nachholen werden.
Aufnahmen aus der Sala Palestrina
Caravaggisten an den Wänden
Repräsentative Botschaftsräume
Blicke auf die Piazza Navona
Deckenfresken in einem kleinen Speisesaal
[trotz der Informationen auf der Webseite der Botschaft nicht mehr näher zu identifizieren]
Galleria Cortona
Schließlich erreicht die Führung die Galleria Cortona, jenen Repräsentationssaal des Palazzo Pamphilj, den wir schon lange einmal sehen wollten. Und da "gelegentlich" ein großes Bild gestattet ist, sei das Deckenfresko von Pietro da Cortona so hier eingesetzt:
Der Saal erstreckt sich durch die gesamte Breite des Palazzo, zur einen Seite schaut man auf die Piazza Navona, zur anderen auf die Via di Santa Maria dell'Anima. 33,20 Meter in der Länge, 7,20 Meter in der Breite. Und wenigstens andeutungsweise ist auf dem großen Bild die Struktur zu erkennen, mit der da Cortona das von Borromini architektonisch vorgegebene Tonnengewölbe ausgemalt hat: Ein großes Mittelfresko ist links und rechts von zwei Medaillons umgeben, an die sich an den jeweiligen Kopfenden des Gewölbes zwei weitere szenische Darstellungen anschließen.
Das Fresko wurde 1651 begonnen und 1654 fertiggestellt. Zuvor hatte Pietro da Cortona in den Jahren 1633–1639 das Deckengemälde im Palazzo Barberini und in den Jahren zwischen 1639 und 1647 Deckengemälde im Palazzo Pitti in Florenz vollendet. In Rom gibt es von ihm u.a. noch Fresken im Palazzo Mattei di Giove, im Palazzo Sacchetti und im Palazzo dei Conservatori.
Thema des Freskos ist die Geschichte des Aeneas, des – über Romulus und Remus – mythologischen Stammvaters der Römer. Dessen Mutter ist die Aphrodite, also römisch die Venus. Und diese hat unter ihren Attributen zwei Tauben. So verlängert und überhöht das Adelsgeschlecht der Pamphilj ihre eigene Herkunft (aus dem ländlichen Umbrien) in mythologische Tiefen.
Innozenz X. und das Wappen der Familie Pamphilj an der Stirnseite der Galleria Cortona
Zentrales Fresko
Das zentrale Fresko zeigt einen Götterrat. Zu sehen sind Jupiter sowie Venus, die von Amor begleitet wird. Über Jupiter schwebt die blaugewandete Allegorie der 'Gerechtigkeit', erkennbar an der Waage, die sie Jupiter entgegenhält. Bewusst wird das Fresko hier in drei verschiedenen Perspektiven gezeigt, im Detail auch noch eigens die 'Gerechtigkeit'.
Zu sehen ist der Windgott Aeolus mit der Göttin Juno.
Medaillon II
Venus versucht ihren Ehemann Vulcanus davon zu überzeugen, für ihren Sohn Aeneas Waffen zu schmieden.
Sie liegt, begleitet von Amor, auf einer Wolke. Vulcanus stützt sich auf eine Rüstung. Zyklopen sind bei ihrer Arbeit.
Zum Schluss noch zwei unkommentierte Detailaufnahmen des Freskos
und noch eine (schwierig zu photograpierende) Gesamtansicht, die teilweise auch die zwölf Türen zeigt, die in den Festsaal hineinführen:
Und damit sei diese erste römische Notiz beendet. Wir können nur empfehlen, einmal eine Führung durch den Palazzo Pamphilj einzuplanen. Die Galleria Cortona gehört jedenfalls mit zu den großen Sehenswürdigkeiten der urbs. Zusammen mit dem großen Deckenfresko im Palazzo Barberini ist sie Ausdruck der Rivalität der Papstfamilien in der Frühen Neuzeit. Schade, dass sie nur zu ganz ausgesuchten Zeiten besichtigt werden kann.