Römische Kuppeln

Gaukler

Caesar
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Es ist ja auch nicht leicht als Kuppel, neben den größeren Konkurrentinnen Aufmerksamkeit zu erregen ;)
Hat was.


Apropos "Konkurrenz" - nämlich die in Rom siegreich bestandene ;) der Kuppel mit dem Kirchturm: Darüber schreibt der gute Gatz in Roma Christiana (3. Aufl., 2008, S. 60) wie folgt:
Während Nikolaus [V.] die Vision einer neuen Stadt entwickelte, kam unter Sixtus IV. die Renaissance nach Rom. (...) erfolgte unter ihm zum ersten Mal nach langer Unterbrechung wieder der Bau neuer Kirchen. Die erste unter ihnen war S. Maria del Popolo an der Piazza del Popolo. Sie wies dem römischen Kirchenbau einen neuen Weg, denn sie erhielt als kreuzförmige Basilika ein gewölbtes Mittelschiff. Damit wurde das gemauerte Gewölbe, auf das die altchristliche Basilika verzichtet hatte, endgültig in den römischen Kirchenbau eingeführt. Noch folgenreicher war die Zusammenführung beider Schiffe durch eine Vierungskuppel. Damit war das Grundschema für den Kirchenbau der Hochrenaissance und des Barock gegeben. Während der Zentralbau sich letztlich nicht durchsetzen konnte und es beim basilikalen Typ blieb, erhielt dieser fortan keinen Campanile mehr, sondern eine Vierungskuppel. Daher bestimmen bis heute Kuppeln, nicht Türme, die Silhouette des historischen Zentrums Roms.
 
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Simone-Clio

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Liebe Simone,
besonders schön finde ich es, dass du deinen Bericht nicht mit den spektakulärsten, allseits bekannten Kuppeln begonnen hast, die wahrscheinlich jeder auf Anhieb identifizieren kann.
Liebe ColleMarina,

es freut mich, dass Du das so siehst und da es sich so verhält, wirst Du Dich sicher mit der nächsten Kuppel "anfreunden" können. :);)

Es ist ja auch nicht leicht als Kuppel, neben den größeren Konkurrentinnen Aufmerksamkeit zu erregen ;).
Nein, das ist es wahrhaftig nicht! Aber als unbekanntere oder verstecktere Kuppel hat man auch Vorteile. :cool: Als ich dieses Foto betrachtet habe,

fiel mir die Kuppel von S. Maria della Pace gerade deswegen auf, weil ich sie nicht sofort zuordnen konnte! Und schon war sie die Nummer 2 in diesem Thread! ;) :)

Dass die Kuppel von Santa Maria della Pace der des Pantheon ähnelt, ist mir vorher noch gar nicht aufgefallen.
Auf dem Foto kannst Du sie noch einmal ziemlich nahe beieinander sehen. Die Ähnlichkeit hält sich zwar in relativ engen Grenzen aber die Absicht Vergleichbares zu schaffen, lässt sich doch erkennen.

Über die beiden Kuppeln habe auch ich Dinge erfahren, die mir bisher unbekannt waren. Vielen Dank!
Das freut mich und ich habe zu danken für Euer Interesse.
 

Simone-Clio

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Apropos "Konkurrenz" - nämlich die in Rom siegreich bestandene ;) der Kuppel mit dem Kirchturm: Darüber schreibt der gute Gatz in Roma Christiana (3. Aufl., 2008, S. 60) wie folgt:
Während Nikolaus [V.] die Vision einer neuen Stadt entwickelte, kam unter Sixtus IV. die Renaissance nach Rom. (...) erfolgte unter ihm zum ersten Mal nach langer Unterbrechung wieder der Bau neuer Kirchen. Die erste unter ihnen war S. Maria del Popolo an der Piazza del Popolo. Sie wies dem römischen Kirchenbau einen neuen Weg, denn sie erhielt als kreuzförmige Basilika ein gewölbtes Mittelschiff. Damit wurde das gemauerte Gewölbe, auf das die altchristliche Basilika verzichtet hatte, endgültig in den römischen Kirchenbau eingeführt.
Besten Dank für diese sehr interessante Ergänzung!

Ich habe das Zitat ein wenig gekürzt und bei den Worten über S. Maria del Popolo gedacht, dass sich ja daran eigentlich ein Bericht über die Kuppel dieser Kirche anschliessen sollte, aber gerade zu ihr besitze ich kaum Fotomaterial. Das muss also noch eine Weile warten, aber mit diesem Foto eines Gemäldes aus dem Museo di Roma im Palazzo Braschi kann ich dienen:

Es ist ein Werk von Willem van Nieulandt aus der Zeit um 1600-1625. Vgl. Veduta di Piazza del Popolo | Museo di Roma
 

Gaukler

Caesar
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Ein sehr schönes Gemälde.


Ich habe (...) bei den Worten über S. Maria del Popolo gedacht, dass sich ja daran eigentlich ein Bericht über die Kuppel dieser Kirche anschliessen sollte, aber gerade zu ihr besitze ich kaum Fotomaterial. Das muss also noch eine Weile warten (...).
Nun, das hat ja Zeit und läuft uns nicht weg - vor allem nicht angesichts des wirklich weiten Feldes, auf dem sich dieser Thread bewegt:
Es soll 155 Kirchen mit Kuppeln geben, hinzu kommen noch die Kuppeln von Kapellen und diejenigen anderer Gebäude.
 

Simone-Clio

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Die Kuppel von S. Salvatore in Lauro

Baubeginn 1727

Die schlichte aber elegante Kuppel erkennt man auf dem folgenden Foto vorne rechts, nicht weit entfernt von S. Maria della Pace. Sie erreicht eine Höhe von 43 Metern.

Kurze Geschichte von Salvatore in Lauro bis zum Baubeginn der Kuppel

San Salvatore in Lauro wird erstmals 1177 erwähnt. Der Vorgängerbau der heutigen Kirche war Jesus Christus als Erretter geweiht. Das Attribut "in Lauro" verdankt sie dem Umstand, dass sich an dieser Stelle in der Antike ein der Europa geweihter und von einem Lorbeerhain umgebener Tempel befand. Siehe: Chiese da visitare a Roma

La più antica attestazione della chiesa, sorta sulle rovine di un antico tempio pagano dedicato alla dea Europa e circondato da piante di alloro – in latino laurus – è presente già alla fine del secolo XII nel famoso Liber Census di Cencio Savelli, futuro Papa Onorio III, sotto il titolo Sancti Salvatoris de Lauro.
Zur frühen Geschichte von San Salvatore in Lauro siehe bei Interesse meinen Bericht Verborgenes Rom

San Salvatore in Lauro ist seit 1669 die Nationalkirche der Einwohner der Marken, der Piceni, in Rom. Damals erwarb die Confraternita dei Piceni (Bruderschaft der Piceni) die Kirche und den gesamten Komplex. Als Nationalkirche der Einwohner der Marken, wurde San Salvatore in Lauro der Madonna von Loreto in den Marken geweiht, aber der alte Name der Kirche ist der den Römern geläufige geblieben.
Ein Relief an der Fassade zeigt Engel, die das Heilige Haus aus Nazareth, in dem Maria aufwuchs und die Verkündigung des Herrn empfing, nach Loreto tragen. Die klassizistische Fassade wurde erst zwischen1857 und 1862 errichtet und mit dem Relief von Rinaldo Rinaldi geschmückt.

Die Kuppel von San Salvatore in Lauro

1727 hatte die Bruderschaft der Piceni genügend Mittel um den 1594 begonnenen Kirchenbau zu vollenden und den benachbarten Konvent zu restaurieren. Ludovico Rusconi Sassi (1678 bis 1736), ein Architekt des Rokoko, erhielt den Auftrag zum Bau von Kuppel und Campanile. Er gestaltete auch den Altarraum. Die Kuppel wurde zwischen 1727 und 1731 errichtet.

Zitat von Wikipedia:
He designed the Odescalchi chapel in the Basilica dei Santi Apostoli (1719–1722) and Paolucci chapel in San Marcello al Corso (1723–1724). He worked on the cupola and presbytery of San Salvatore in Lauro and the designs for San Giuseppe alla Lungara (1730–1734).
Die Kuppel erhebt sich über einem zylindrischen Tambour, wo sich Pilaster mit Fenstern abwechseln. Acht Rippen gliedern die bleigedeckte Kuppel. Diese wird von einer anmutigen Laterne überragt, die wiederum durch acht Voluten in ebenso viele Fenstersegmente unterteilt ist. Die Laterne krönt eine Kugel mit einem Kreuz.

Ich bin der Kuppel von San Salvatore in Lauro zweimal aus für Touristen nicht unbedingt alltäglichen Perspektiven relativ nahe gekommen. Das erste mal im Oktober 2010 von einer Ferienwohnung in der Via dei Coronari aus:

Das zweite Mal im Dezember 2015. Siehe: Verborgenes Rom. Damals hatten wir uns zu einer Besichtigung des Kreuzgangs im Denkmal-Komplex von San Salvatore in Lauro angemeldet. Unser Begleiter wollte uns allerdings zuerst einen anderen Teil des ehemaligen Konvents S. Giorgio zeigen. Er führte uns zum tiefergelegenen sogenannten giardino-auditorium. Von dort hat man einen schönen Blick auf den Campanile und die Kuppel von S. Salvatore in Lauro.


Das Kuppelinnere

Noch habe ich kein eigenes Foto der Kuppel von innen, sondern nur das folgende des Altarraums:

Für einen Blick in die Kuppel empfehle ich folgenden Link von der Homepage der Kirche: Virtual Tour, altare e cupola - San Salvatore in Lauro. Mit Hilfe der Pfeiltasten, kann man den Blick nach oben wenden. 7 Klicks und die Kuppel ist in ihrer Gesamtheit im Bild.

Ein Foto der Kuppel findet man in der Fotogalerie zu San Salvatore in Lauro von Alvaro de Alvariis:

Die Kuppel ist mit hellem Stuck dekoriert. Sie soll im 19. Jh. ausgemalt worden sein, aber diese Darstellungen wurden bei einer Restaurierung 1954 entfernt. In der Laterne erkennt man den Heiligen Geist in Gestalt der Taube.

1862 hat Luigi Fontana (1827 bis 1908) die Pendentifs der Kuppel mit Darstellungen von Moses, David, Ezechiel und Jesaja ausgemalt.
Moses hält die Gesetzestafeln in einer Hand, den Stab, mit dem er Wasser aus dem Felsen schlug in der anderen. David trägt die Königskrone und spielt die Leier. Ezechiel ind Jesaja sind mit ihren jeweiligen Schriften abgebildet. Engel umgeben die vier Gestalten des Alten Testaments und halten Spruchbänder, auf welche Sätze der Propheten geschrieben sind.

Von Moses und David habe ich folgende Fotos bei Alvaro de Alvariis gefunden:

Bis zum Ersatz durch eigene Bilder leisten diese sehr gute Dienste.
 

Romitis

Tribunus plebis
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Danke für die interessante Vorstellung der Kuppel von San Salvatore in Lauro.

Ich sehe mir auch die Kirche von außen gerne an, besonders die rechte Außenfassade gefällt mir.

Noch habe ich kein eigenes Foto der Kuppel von innen, sondern nur das folgende des Altarraums
Vielleicht kann ich mit meinen Fotos aushelfen bis Du eigene machen kannst?

 

Simone-Clio

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Herzlichen Dank für die schöne und willkommene Ergänzung durch Deine Bilder!

Besonders angetan hat es mir die Großaufnahme der Laterne mit dem Heiligen Geist. Sogar kleine Wolken über den Fenstern kann man erkennen.

Ich habe das Gefühl, dass die nächste Kuppel Dir auch gefallen wird ;) aber noch bin ich nicht über die Materialsammlung hinausgekommen.
 

Simone-Clio

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Die Kuppel von San Carlo ai Catinari
1620
Diesen Beitrag muss ich mit dem Hinweis beginnen, dass die Kirche seit dem 30. Oktober 2016 als Folge eines Erdbebens geschlossen ist. Man erfährt dies auf der Homepage der Kirche. Die Kuppel ist also momentan nur von aussen zu betrachten. Sie gehört für mich zu den schönsten Roms und ich freue mich immer, wenn ich ihren warmen Ziegelton über den Dächern von Rom sehe, z.B. vom Kapitol, der Engelsburg oder dem Aventin aus.


Die 1620 erbaute Kuppel ist eine der höchsten in Rom. Vor dem 20. Jahrhundert wurden ihre 61 Meter Höhe nur vom Petersdom mit 138 Metern, S. Andrea della Valle mit 84 Metern, San Carlo al Corso mit 67 Metern und S. Agnese in Agone mit 65 Metern übertroffen.
Leider habe ich keine Angaben zu ihrer Weite gefunden aber mit dieser scheint sie bis ins 20. Jh. an vierter Stelle der römischen Kuppeln gestanden zu haben:

La cupola (...) è, tra quelle prima dell'epoca contemporanea, la quarta di Roma per grandezza, dopo quelle del Pantheon, di San Pietro in Vaticano e di Sant'Andrea della Valle. Nel XX secolo furono costruite altre due chiese (Santi Pietro e Paolo all'EUR e San Giovanni Bosco nel quartiere omonimo) le cui cupole, per grandezza, superano sia quella di San Carlo ai Catinari che quella di Sant'Andrea della Valle.
Quelle: Chiesa di San Carlo ai Catinari - Wikipedia

1. Baugeschichte von Kirche und Kuppel

San Carlo ai Catinari (vollständig: Chiesa dei Santi Biagio e Carlo ai Catinari) ist eine Kirche der Barnabiten und eine der eindrucksvollsten Barockkirchen Roms. Sie wurde zu Ehren von Karl Borromäus (1538 bis 1584) errichtet und war die erste Kirche in Rom, welche das Patrozinium des 1610 Heiliggesprochenen erhielt. Dieser war ein Wohltäter des Ordens der Barnabiten.

Kirche und Kuppel wurden zwischen 1612 und 1620 nach Plänen und unter der Regie von Rosato Rosati (1559 bis 1622) errichtet.
Kardinal Giovanni Battista Leni, der 1627 verstarb, hinterliess S. Carlo ai Catinari seinen Besitz. Vgl. cardLENI GIOVANNI BATTISTA. Mit diesen Mitteln wurde von 1635 bis 1638 die noch fehlende Fassade errichtet. Drei Jahre später die Apsis. Vollständig abgeschlossen waren die Bauarbeiten 1650.

Zurück zu Rosato Rosati. Dieser war Kanoniker an der Kirche San Lorenzo in Damaso und Architekt im Nebenberuf. Ein einziges weiteres Bauwerk von ihm ist bekannt und zwar die Jesuitenkirche S. Giovanni in seinem Heimatort Macerata in den Marken. Sie wurde erst 1625, drei Jahre nach seinem Tod vollendet. Auch sie ist geschlossen, da sie beim Erdbeben vom 24. August 2016 Schaden genommen hat.

Ursprünglich war für San Carlo ai Catinari keine Kuppel vorgesehen. Entgegen den Vorstellungen der Ordensleitung in Mailand, wünschten die römischen Barnabiten aber eine solche. Diese Planänderung musste erst von der Ordenszentrale abgesegnet werden. Die verantwortlichen Barnabiten in Rom wünschten die Planänderung weil sie in Konkurrenz zu den benachbarten Theatinern standen, die zeitgleich mit dem Bau von S. Andrea della Valle beschäftigt waren. Diese hatten seit 1608 eine Vierungskuppel für ihre Kirche geplant.

Der Blick der römischen Barnabiten auf die Baustelle von S. Andrea della Valle führte keineswegs zu einer Imitation der dortigen Kuppel, sondern es entstand ein ganz eigenständiges Werk. Allerdings bestimmte die bestehende Rivalität das Tempo auf der Baustelle von San Carlo ai Catinari. Die Kuppel der Barnabiten war im Sommer 1620 vollendet und man war den Theatinern um drei Jahre zuvorgekommen.

Allerdings zu einem relativ hohen Preis: Die schnell ausgeführte Konstruktion machte nachträgliche Sicherungsmassnahmen notwendig um die Konstruktion zu stabilisieren. Darauf werde ich noch zurückkommen.

Der Grundriss der Kuppel von San Carlo ai Catinari soll eine zwölfblättrige Rose symbolisieren. Bei einem Baumeister namens Rosato Rosati nicht verwunderlich! Die zwölfblättrige Rose als Grundriss eines Zentralbaus findet man z.B. auch in der Liebfrauenkirche in Trier.

2. Das Äussere der Kuppel

Die Kuppel erreicht zwar nicht die absolute Höhe jener von S. Andrea della Valle, dafür trägt sie die sehr persönliche und eigenwillige Handschrift ihres Architekten. Hier ein älteres Foto auf dem man die Details gut erkennen kann.


Bild von Wikimedia Commons
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Die aus Ziegelsteinen errichtete und auf vier mächtigen Pfeilern ruhende Kuppel ist eine kühne Konstruktion. Kühn, da der Anteil der Mauerfläche in etwa dem Anteil der Öffnungen entspricht! Die Kuppel wölbt sich über einem auffallend hohen Tambour mit zwölf Fenstern. Zwischen den Fenstern befinden sich Pilaster. Deren Kapitelle erinnern zwar an antike ionische Kapitelle mit ihren gerollten Voluten, sind aber wesentlich eigenwilliger gestaltet. Davon werde ich bei nächster Gelegenheit noch eigenen Bilder nachliefern.

Die Pilaster tragen ein Gebälk mit vorspringendem Gesims. Darüber befinden sich in der Attikazone zwölf flachbogige, durch Voluten voneinander getrennte Öffnungen. Eigentlich sind es nur noch vier Öffnungen, die übrigen acht wurden später zugemauert um für höhere Stabilität der Kuppel zu sorgen. Über der Attikazone erhebt sich die bleigedeckte Kuppel.

Sie hat die Form einer Halbkugel mit zwölf Rippen und zwölf oculi. Die Rippen betonen den vertikalen Impuls von Tambour und Kuppel. Durch die oculi wird der Raum zwischen äusserer und innerer Kuppelschale erhellt. Bekrönt wird die Kuppel von einer hohen Laterne in Form eines Rundtempels mit zwölf ionischen Säulen und Fenstern. Das Dach der Laterne endet in einer Kugel, welche Reliquien enthalten soll und einem Kreuz. Das Kreuz wurde am 11. Juni 1620 aufgerichtet.

Diese Kuppel mit ihrer innovativen Struktur warf leider von Beginn an aus statischer Sicht eine Reihe von Problemen auf. Besonders die Fundamente und Pfeiler mussten verstärkt werden. Auch war die Kuppel vom Pech verfolgt: Neben mindestens drei Blitzeinschlägen wurde sie auch schon vor dem 30. Oktober 2016 zweimal von Erdbeben in Mitleidenschaft gezogen. Einmal am 22. März 1812 und einmal am 13. Januar 1915. Am 29. Juli 1849, zur Zeit der Römischen Republik, wurde sie durch Artelleriebeschuss vom Gianicolo aus beschädigt. Insbesondere die Bleiplatten auf dem Dach von Kuppel und Laterne wurden in Mitleidenschaft gezogen. 1860 ordnete Papst Pius IX. die Restaurierung der Kirche mit besonderem Augenmerk auf die Kuppel an.

3. Das Kuppelinnere


In der Laterne befindet sich ein Fresko von Gottvater aus dem 19. Jh.. Es ist das Werk des Malers Francesco Coghetti (1802 bis 1875). Es ersetzt ein 1818 durch Blitzeinschlag in die Kuppel zerstörtes barockes Fresko zum gleichen Thema von Giovanni Giacomo Sementi.

Das Kuppelinnere ist in zwölf Segmente unterteilt und kassettiert. Die einzelnen, sich nach oben verjüngenden Kassetten sind mit vergoldeten Rosetten verziert. Ich bin nicht sicher auf welche Zeit diese zurückgehen. Einmal habe ich gelesen, dass es sich, wie bei den Darstellungen in den Kuppelpendentifs, um Werke von Domenichino (1581 bis 1641) handeln soll. Auf letztere komme ich noch zu sprechen.

Am Fuss der Kuppel befindet sich eine umlaufende Schrift in einem blauen Fries. Sie lautet: ECCE SACERDOS QUI IN DIEBUS PLACUIT DEO ET IN TEMPORE IRACUNDIAE FACTUS EST RECONCILIATO (Seht, das ist der Hohepriester, der in seinen Tagen Gott gefiel und zur Zeit des Zornes trat er auf als Mittler der Versöhnung.) Das bezieht sich auf Jesus Sirach 44,16 und findet sich im Missale Romanum. Einerseits als Lesung bei Heiligenfesten für Bekenner, aber auch als Antiphon im Gesang. Bezug ist die Heilsgeschichte. Durch diese Worte soll Karl Borromäus als christusgleicher "Versöhner" bzw. "Mittler" dargestellt werden.

Die Kuppelpendentifs in San Carlo ai Catinari wurden zwischen 1627 und 1630 von Domenico Zampieri, genannt Domenichino ausgemalt. Sie sind ein Spätwerk des Künstlers und bestechen u.a. durch ihre illusionistischen Effekte. Dargestellt sind, in Gestalt einer Frau und ihrer Begleiter, die vier Kardinaltugenden Mässigung, Tapferkeit, Besonnenheit und Gerechtigkeit.


Bild von Wikimedia Commons
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Hier im Uhrzeigersinn:

Gerechtigkeit​


Die Devise der Familie Borromeo humilitas (Demut) ist oben links in dieser Darstellung zu erkennen. Ein kleiner Putto trägt ein Schild mit dieser Devise.
Da Domenichino nach Neapel berufen wurde, beendete sein Schüler Francesco Cozza (von dem das Fresko in der Laterne von S. Maria della Pace stammt) die Darstellung der Mässigung. Man erkennt in dieser Darstellung die heraldischen Symbole der Familie Borromeo: Pferdezaumzeug, Kamel und Einhorn. Vgl: Borromeo – Wikipedia

Besonnenheit

https://flic.kr/p/cboPGm
*************
Ich bedauere, dass die Kirche seit Ende Oktober 2016 geschlossen ist. Vor allem ist das schade für die Pfarreimitglieder, aber auch ich, als Tourist, hoffe, dass die entstandenen Schäden in absehbarer Zeit behoben sein werden, denn in der Kirche haben ja erst kurz vor dem Erdbeben Restaurierungsmaßnahmen stattgefunden. Als ich im Mai 2013 zum ersten Mal dort war, wurde im Innenraum restauriert. Ich schrieb damals:

Auf dem Weg vom ehemaligen römischen Ghetto zur Piazza Navona kamen wir an der Piazza Benedetto Cairoli zur Kirche San Carlo ai Catinari, welche dem Heiligen Karl Borromäus geweiht ist. Der Name "ai catinari" verweist auf die früher in der Nähe ansässigen Werkstätten, in denen u.a. Krüge und Waschbecken (italienisch "catini") hergestellt wurden. Die Kirche besitzt eine der größten Kuppeln Roms. Im Innenraum blieb uns der Blick in diese verwehrt, sie wird gerade restauriert. Einen Blick in die Kuppel und auf vier Fresken Domenichinos, die vier Kardinaltugenden darstellend, ermöglicht diese Website.
Bei einem erneuten Besuch im September 2014 war die Restaurierung beendet. Allerdings war unter der Kuppel ein Netz gespannt, durch das hindurch man die Kuppel aber relativ gut fotografieren konnte. Siehe mein Foto weiter oben.

Zum Auftakt statteten wir der Kirche San Carlo ai Catinari einen Besuch ab. Bei meinem Erstbesuch dort im Mai 2013 war das hochbarocke Innere, insbesondere die Kuppel, gerade in restauro und ich wollte mir das Resultat ansehen. An der Basis der Kuppel ist jetzt ein Netz gespannt.
Wenn ich San Carlo ai Catinari noch einmal besuchen kann, werde ich u.a. genauer auf die Apsis achten, denn, wie ich in Zusammenhang mit meinen Recherchen zur Kuppel auch erfahren habe, stehen dort, links und rechts des Altars, die beiden Gipsmodelle der Statuen von Petrus und Paulus auf dem Petersplatz. Siehe: STATUEN DER HEILIGEN PETER UND PAUL AUF DEM PETERSPLATZ « Fondazione Pro Musica e Arte Sacra.
Adamo Tadolini (1788 bis 1868) hat 1838 die Marmorstatue des Heiligen Paulus geschaffen. Von Giuseppe de Fabris (1790 bis 1860) stammt die zwischen 1838 und 1840 entstandene Marmorstatue des Heiligen Petrus. Die beiden Gipsmodelle der Stadtpatrone Roms in S. Carlo ai Catinari erkennt man z.B. auf diesem Foto.
 

Gaukler

Caesar
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Stammrömer
Darf man trotzdem schon antworten? ;)

Kann mich gar nicht erinnern, diese Kirche jemals betreten zu haben - und umso interessanter natürlich finde ich ihre gelungene Präsentation.

Auch dies wusste ich natürlich nicht - zumal der Orden ja nicht eben zu den bekanntesten zählt:
Aber immerhin weiß ich von der Kirche S. Antonio Maria Zaccaria, d.h. dem Ordensgründer geweiht, weil ich oft genug vorbeigegangen bin an dem Grundstück der Curia Generalizia auf dem Gianicolo; m.W. nicht öffentlich zugänglich: Google Maps.
Vgl. auch: Oratorio P.P. Barnabiti - Roma.
 

Simone-Clio

Divus
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Der Hinweis, dass ich dem Beitrag noch ein paar abschliessende Worte hinzufügen würde, gehört inzwischen der Vergangenheit an. Der letzte Absatz meines Beitrags und deine Antwort habe sich gekreuzt. Natürlich durftest du schon antworten! ;)

Kann mich gar nicht erinnern, diese Kirche jemals betreten zu haben - und umso interessanter natürlich finde ich ihre gelungene Präsentation.
Es freut mich, dass die Präsentation dir gefallen hat und ich hoffe, dass die Baumaßnahmen in der Kirche bald zu einem guten Ende gebracht werden können. Es ist nämlich eine sehr schöne Kirche und einen Besuch dort kann ich nur empfehlen.

Aber immerhin weiß ich von der Kirche S. Antonio Maria Zaccaria, d.h. dem Ordensgründer geweiht, weil ich oft genug vorbeigegangen bin an dem Grundstück der Curia Generalizia auf dem Gianicolo (...)
Ja, auf diese bin ich auch während meiner online-Recherchen gestossen, aber leider weiss ich nicht mehr wo ich von ihr gelesen habe. Ich glaube es war im Jahr 1933, als der Konvent an S. Carlo ai Catinari von den Barnabiten aufgegeben wurde und sie auf den Gianicolo gezogen sind. Die Kirche befindet sich in der via Ulisse Seni, 1 oder 2. Siehe: Chiesa di Sant'Antonio Maria Zaccaria (Roma) - Wikipedia und Sant'Antonio Maria Zaccaria. Eine Kuppel gibt es dort auch! :cool:
 

Romitis

Tribunus plebis
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Ich habe das Gefühl, dass die nächste Kuppel Dir auch gefallen wird ;)
Sehr sogar.
Viel Interessantes hast Du wieder zusammen getragen. Die beiden Statuen links und rechts des Altars habe ich im letzten Sommer fotografiert, jetzt weiß ich, dass es Petrus und Paulus sind. Ich hatte leider nur ganz kurz Zeit, um mir die Kirche anzusehen. Überall lagen Teile der Baugerüste und im Kirchenschiff war es sehr dunkel. Nicht die besten Verhältnisse, um brauchbare Fotos zu machen.
Auf der Facebook-Seite der Kirche sind Fotos von den Restaurierungsarbeiten zu sehen. Sie wurden am 27.09.2018 veröffentlicht. Das riesige Baugerüst, das auf den Bildern zu sehen ist, war bei meinem Besuch am 03.07. noch nicht aufgebaut.
 

lukasi

Primus Pilus
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Liebe Simone,

nun war es mir endlich möglich, deine überaus informativen Hintergrundinformationen zu den Kuppeln von
S. Maria della Pace, San Salvatore in Lauro u. San Carlo ai Catinari zu lesen.

Bei meine Besuchen in S. Maria della Pace war ich wohl vor allem auf die Fresken der Cappella Ponzetti und natürlich
auf die Cappella Chigi mit den Sybillen von Raphael fixiert, so dass ich dem übrigen Kircheninneren u. somit auch
der Kuppel nicht die genügende Aufmerksamkeit gewidmet habe.

An das Innere von San Salvatore in Lauro habe ich kein rechtes Erinnerungsvermögen, wohl aber an den schönen
Kreuzgang.

San Carlo ai Catinari habe ich, Asche auf mein Haupt, bisher total ignoriert. Ich bin immer recht achtlos vorbeigegangen,
ohne einen Blick in das Innere der Kirche zu werfen. Das wird sich jetzt, nach dem ich durch deinen Beitrag
soviel Wissenswertes darüber erfahren habe, und sollte die Kirche nach den Renovierungsarbeiten wieder geöffnet
sein, beim nächsten Rombesuch sicher ändern.

Auch den beiden erstgenannten Kirchen u. ihren Kuppeln werde ich, nach deinen intensiven Beschreibungen,
bei einem zukünftigen Besuch mehr Beachtung schenken.

Ursula
 

Simone-Clio

Divus
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Ich hatte leider nur ganz kurz Zeit, um mir die Kirche anzusehen. Überall lagen Teile der Baugerüste und im Kirchenschiff war es sehr dunkel. Nicht die besten Verhältnisse, um brauchbare Fotos zu machen.
Immerhin war es ein glücklicher Zufall, fast schon ein Privilieg ;), dass du überhaupt einen Blick in die an sich geschlossene Kirche werfen konntest.

Auf der Facebook-Seite der Kirche sind Fotos von den Restaurierungsarbeiten zu sehen.
Danke für den Hinweis auf die Facebook-Seite von S. Carlo ai Catinari!
Obwohl es ohne eigene Facebook-Seite fast unmöglich ist, die Photos richtig zu betrachten, habe ich sie mir eben angesehen. Hoffentlich schreiten die notwendigen Arbeiten gut voran!
 

Simone-Clio

Divus
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Liebe Ursula,

es freut mich, dass du etwas Muße gefunden hast um hier bei den Kuppeln zu stöbern! :)

San Carlo ai Catinari habe ich, Asche auf mein Haupt, bisher total ignoriert. Ich bin immer recht achtlos vorbeigegangen,
ohne einen Blick in das Innere der Kirche zu werfen. Das wird sich jetzt, nach dem ich durch deinen Beitrag
soviel Wissenswertes darüber erfahren habe, und sollte die Kirche nach den Renovierungsarbeiten wieder geöffnet
sein, beim nächsten Rombesuch sicher ändern.
Schön, dass ich dir mit dem Bericht über San Carlo ai Catinari noch eine Anregung geben konnte.
Ein Schmuckstück der Kirche ist die 2007 restaurierte und mit eigener Kuppel ausgestattete Kapelle der heiligen Cäcilia, ein Werk von Antonio Gherardi (1644-1702). Der Architekt und Maler erhielt 1695 den Auftrag für den Entwurf und die Ausgestaltung einer Kapelle für die Heilige Cäcilia, der Schutzpatronin der Kirchenmusik, in S. Carlo ai Catinari. Die kleine Kuppel mit ihren musizierenden Stuckengeln hat mir besonders gut gefallen.


 

Simone-Clio

Divus
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Kuppel von San Carlo al Corso

Baubeginn 1668


Die Basilica dei Santi Ambrogio e Carlo, wie der vollständige Name lautet, war eine der ersten Kirchen in Rom, die ich kennengelernt habe. Sie liegt etwas zurückgesetzt von der Straßenflucht an der Via del Corso, 500 Meter von der Piazza del Popolo entfernt. Ich mochte sie von Anfang an vor allem wegen ihres an sonnigen Tagen lichtdurchfluteten Innenraums, des farbigen Marmors in freundlichen Farben, der schönen Stuckengel etc. Die dortige Krippe habe ich schon mehrmals besucht.


Nun habe ich mich näher mit der Baugeschichte und vor allem mit der Kuppel beschäftigt. Diese erreicht eine Höhe von 67 Metern, d.h. von den vor dem 20. Jh. errichteten römischen Kuppeln ist sie die dritte nach S. Pietro und S. Andrea della Valle. Mit einer Weite von fast 14 Metern liegt sie an dritter Stelle nach den beiden bereits genannten.
Fotos von Kirche und Kuppel habe ich bisher vom Corso aus gemacht, aber auch aus grösserer Entfernung vom Vittoriano, von der Engelsbrücke, von der Promenade auf dem Pincio Richtung Trinità dei Monti und von der Terrasse in den Gärten der Villa Medici aus.


1. Kurze Baugeschichte der Kirche von 1612 bis 1684

Die mittelalterliche Vorgängerkirche war Ambrosius von Mailand, Erzbischof und Kirchenlehrer des 4. Jahrhunderts, geweiht. Sie war „Nationalkirche“ der vielen Mailänder in Rom. Im 16. Jh. (1513 bis 1520) wurde die teils demolierte Kirche wiedererrichtet und nach der Heiligsprechung von Karl Borromäus 1610 auch diesem geweiht. Die Doppelbenennung wurde durch den Papst bestätigt.

Am 29.1.1612 fand schliesslich die Grundsteinlegung einer völlig neuen Kirche im Barockstil statt. Gestiftet wurde sie von der Erzbruderschaft der Lombarden in Rom. Diese 1471 gegründete Bruderschaft wurde am 18.8.1612 zur Erzbruderschaft (Arciconfraternita dei Lombardi). Die zweisprachige Webseite der Erzbruderschaft zu San Carlo lässt kaum Wünsche offen: Arciconfraternita

Von 1612 bis 1619 war der Architekt Onorio Longhi Baumeister von San Carlo al Corso. Die Kirche ist sein Hauptwerk.

Die dreischiffige Basilika weist den Grundriss eines lateinischen Kreuzes auf, eine Besonderheit ist das Ambulatorium, das als Fortsetzung der beiden Seitenschiffe um den Altarraum verläuft.
Quelle: Santi Ambrogio e Carlo – Wikipedia

Nach dessen Tod 1619 leitete sein Sohn Martino Longhi il Giovane die Arbeiten. Dieser verliess Rom allerdings später, weil kaum weitergebaut wurde.

1652 sorgte der Mailänder Kardinal Luigi Alessandro Omodei (nicht zu verwechseln mit seinem Neffen Luigi Omodei) mit einer Spende für den Weiterbau.

Zur Zeit von Omodei war Tommaso Zanoli (auch Zanolo) Architekt der Lombardischen Erzbruderschaft. Er bezweifelte die Tragfähigkeit der Vierungspfeiler von San Carlo im Hinblick auf die nun in Angriff zu nehmende Errichtung einer Kuppel. Diese sollte einen inneren Durchmesser von rund 14 Metern haben. Als Gutachter wurden Pietro da Cortona und auch Francesco Borromini hinzugezogen. Beide waren überzeugt, dass die Stärke der Vierungspfeiler ausreichend war.

Mit dem Bau der Fassade von San Carlo al Corso wurde erst 1682 begonnen. Abgeschlossen war der Bau dann 1684. Die Fassade entstand nach einer Zeichnung von Kardinal Luigi Alessandro Omodei, dem Mäzen der Kirche. Ausführender Architekt war Giovanni Battista Menicucci.


Eine umfassende Restaurierung von San Carlo al Corso in unserer Zeit fand 1989 bis 1999 statt.

2. Das Äussere der Kuppel

Der Entwurf für die 1668 errichtete Kuppel stammt von Pietro da Cortona, eigentlich Pietro Berrettini, geboren 1596 in Cortona. Er war sowohl als Baumeister, wie als Maler eine bedeutende Gestalt des römischen Hochbarock. Er spielte eine bedeutende Rolle auf der Baustelle von San Carlo al Corso indem er die Aktivitäten der hier tätigen Maler, Bildhauer etc. koordinierte. Cortona und der oben bereits erwähnte Zanoli vollendeten gemeinsam die Tribuna (Chorapsis) der Kirche. Aber bleiben wir nun bei der Kuppel. Sie war das letzte grosse Werk da Cortonas, der im Mai 1669 in Rom verstarb.

Baubeginn der Kuppel war am 7. Juli 1668.

Der Tambour erhebt sich über einer robusten runden Basis. Acht Pilaster teilen den Tambour in acht gleiche Abschnitte, auf denen sich ein rechteckiges Fenster zwischen zwei Säulen öffnet. Pilaster und Säulen haben korinthische Kapitelle. Acht weitere ovale Fenster befinden sich in der Attikazone.

Das folgende, an einem schönen Märznachmittag aufgenommene Foto der Kuppel habe ich von der Engelsbrücke aus gemacht. Leider ist es etwas schief geraten, aber in maximaler Vergrösserung erkennt man viele Details der Kuppel.

Über der Attika beginnt die eigentliche Kuppelschale. Diese ist mit Blei gedeckt und durch Rippen in acht Segmente unterteilt. Sehr schön geformt ist die Laterne mit eleganten Voluten, die die acht Bogenfenster voneinander trennen. Die Laterne endet in einem geschwungenen, bleigedeckten Dach. Darüber befindet sich noch eine Kugel mit einem detailreichen Kreuz.

3. Innendekoration der Kuppel

Ein Erkennungszeichen macht die Innendekoration der Kuppelschale sicher zum Entwurf von Pietro da Cortona und zwar stimmt sie mit jener von Santi Luca e Martina am Forum überein. Die Kuppeln beider Kirchen sind durch Bänder in acht Segmente, sogenannte Segel, unterteilt, was für die Barockzeit etwas Besonders in Rom war. Diese Segel sind in San Carlo al Corso mit aufgemalten, plastisch wirkenden Kassetten ausgefüllt. In Santi Martina e Luca handelt es sich allerdings um Stuckelemente. Siehe hier.

Seit der jüngsten Restaurierung der Kuppel (1992 bis 1999) erscheint das zweifarbige ornamentale Fresko in helleren Farben als vor der Restaurierung und zwar in einem Ockerton vor hellgrauem Hintergrund.
In der Laterne erkennt man eine Glorie von Gottvater mit Engeln. Das Fresko ist ein Werk von Giacinto Brandi aus dem Jahr Heiligen Jahr 1675.
4. Die Kuppelpendentifs

Giacinto Brandi hat ebenfalls die Kuppelpendentifs ausgemalt und zwar mit Darstellungen von vier Propheten des Alten Testaments. Es handelt sich um Jeremia (NW), Hosea (NE), Daniel (SE) und Jona (SW).

Ein schöner Blick auf Apsis und Kuppel von S. Carlo al Corso bietet sich von der Piazza Augusto Imperatore aus. Dort stehen auch zwei Statuen des Heiligen Ambrosius und des Heiligen Karl Borromäus. Bilder aus dieser Perspektive folgen zu einem späteren Zeitpunkt.
 

Gaukler

Caesar
Forum-Sponsor
Stammrömer
Auch beim Blick vom Gianicolo aus fällt diese Kuppel stets besonders ins Auge; und von dort oben habe ich ja nun wirklich schon oft Rom-Neulingen die Stadt gezeigt. Sollte es noch einmal dazu kommen, dann wäre ich mit diesen interessanten Detail-Informationen noch besser dafür gerüstet. ;)
 
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