Die Kuppel des Tempietto di Bramante
Baubeginn 1502
Mein ältestes Photo des Tempelchens von Bramante, aufgenommen 2006
Lage:
Um den Tempietto, das hochgelobte erste Werk der Hochrenaissance in Rom zu bewundern, begibt man sich auf den Gianicolo. An dessen Osthang steht die Kirche S. Pietro in Montorio. Daneben befindet sich ein Franziskanerkloster. Über den Renaissance-Kreuzgang an S. Pietro in Montorio habe ich bereits Ende 2017
an dieser Stelle geschrieben.
Nun besuchen wir den Innenhof neben der Kirche. Dort steht hinter dem Eingang mit den beiden Büschen der Tempietto, ohne, dass man ihn von aussen erahnt. Ich betrat 2017 zunächst einen Raum durch den Eingang links. Neben Fresken des ehemaligen Kreuzgangs findet man dort einige Informationstafeln:
Von dort gelangt man ebenfalls in den Hof mit dem Tempietto.
Vorgeschichte:
Der Tempietto erhebt sich über jener Stelle, an der man im Mittelalter den Ort der Kreuzigung des Petrus vermutete. Diese Gedenkstätte nannte man
Cappella della Crocefissione di San Pietro. Man kann auch von einem Martyrion oder einer Memorialkapelle sprechen. Auftraggeber war das spanische Königspaar Ferdinand von Aragon und Isabella von Kastilien.
Baubeginn von S. Pietro in Montorio war 1480-82. Das spanische Königspaar finanzierte maßgeblich den Bau von Kirche und Kloster, daher die fortbestehende enge Bindung zu Spanien. Die Gelder wurden vom spanischen Kardinal Bernardino López di Carvajal verwaltet. Der spanische Papst Alexander VI., Borgia weihte die Kirche im Heiligen Jahr 1500. Der Bau des Tempietto begann 1502 und dauerte wahrscheinlich bis 1505, möglicherweise auch bis 1509.
Donato Bramante kam 1499 nach Rom. Er erhielt zunächst Aufträge von verschiedenen spanischen Auftraggebern in Rom. So z.B. von Kardinal Juan López (1455 bis 1501), Titularkardinal von S. Maria in Trastevere. Dieser beauftragte Bramante mit dem Bau des Brunnens auf der Piazza S. Maria in Trastevere. Vgl.
Il Tempietto | accademiaspagna
Beschreibung des Tempietto:
Wie der Name Tempietto (Tempelchen) bereits zu verstehen gibt, ist der Rundtempel klein, nur gut 10 Meter hoch. Dass Bramante für die Gedenkstätte des Petrus die antike Form des Rundtempels wählte, ist wahrscheinlich darauf zurückzuführen, dass sich an der Stelle, an welcher der Tempietto errichtet wurde, eine viel frühere, als antik geltende,
Rotunde befand. Man nahm an, dass diese über die Zeiten die Kreuzigungsstätte des Petrus bewahrt hatte. Sie wurde als Krypta in den Tempietto mit einbezogen.
Quelle. Originalveröffentlichung in: Nerdinger, Winfried (Hrsg.): Geschichte der Rekonstruktion, Konstruktion der Geschichte [Ausstellungskatalog], München 2010, S. 222-223
Wikipedia schrieb:
Der im Wesentlichen aus Travertin bestehende Tempel ist kreisrund angelegt, drei Stufen führen auf den
Stylobat, den säulentragenden Absatz. Der Säulenring besteht aus 16 grauen Granitsäulen
[7] nach dorischer Ordnung, die in geringem Abstand die Cella umschließen. Das dorische Gebälk trägt einen
Triglyphenfries mit 48 Metopen, die 13 unterschiedliche, in unregelmäßiger Anzahl und Folge wiederholte Symbole aus der
Eucharistie zeigen, wie zum Beispiel Kandelaber,
Pyxis, Kelch und
Patene (Abb.). Die dorische Ordnung setzt sich in der Cella-Außenwand fort und wird in Pilastern wiederholt, ebenso in der Kassettendecke des Umgangs, der mit Rosetten geschmückt ist.
Die darüber eingefügte Balustrade grenzt das zweite Geschoss in Form eines lichtspendenden Tambours ab, der in einer halbkreisförmigen Kuppel seinen Abschluss findet. Die Außenseite des Geschosses ist abwechselnd mit rechteckigen und muschelüberwölbten Nischen verziert, vier Fenster durchbrechen die Reihenfolge.
Quelle:
Tempietto di Bramante – Wikipedia
Als Bramante mit dem Bau des Tempietto begann, hatte der Klosterhof noch einen aus Arkaden gebildeten Kreuzgang. Erst im 17. Jahrhundert wurde dieser Kreuzgang aufgegeben und seine Arkaden zugemauert weil Platzbedarf herrschte. Seither wirkt der Tempietto noch eingeengter.
Die Planung eines von Kolonnaden umgebenen, runden Hofes, in dessen Mitte Bramante den Rundtempel als Kapelle vorgesehen hatte, kam nicht zur Ausführung und ist nur in einem Grundriss von
Sebastiano Serlio überliefert. Ein Grund für den nicht ausgeführten Plan könnte die Beanspruchung Bramantes durch seine Arbeit am Petersdom sein. Unter seiner Verantwortung und nach seinen Entwürfen wurde 1506 mit dem Neubau des Petersdoms begonnen. Zum Tempietto nach Serlio siehe
hier und
hier.
Die Kuppel und ihre Veränderungen:
Die halbkugelförmige Kuppel ist mit Bleiplatten bedeckt. Sechzehn Rippen gliedern die Kuppelschale. Die Kuppel hat im Laufe der Zeit einige Veränderungen erfahren.
1604 stellte König Philipp III. von Spanien 3000 Dukaten für die Restaurierung der Kirche, des Klosters und der Zufahrtswege zur Verfügung. 1605 wurde mit diesem Geld u.a. der Tambour der Kuppel erhöht um sie größer wirken zu lassen. Die Arbeiten umfassten nicht nur die Anhebung der Kuppel sondern auch die Anbringung eines barocken Kuppelaufsatzes. Er zeigt das Wappen des Stifters, König Philipps III. von Spanien. Über dem Kuppelaufsatz steht auf einer Kugel das aufrechte Kreuz Christi. Es bildet eine senkrechte gedachte Linie mit dem auf dem Kopf stehenden Kreuz an dem Petrus gestorben ist und an den hier erinnert wurde.
Neben dem
Wappen Philipps III. am Kuppelaufsatz, befindet sich am unteren Rand der Kuppel ein weiteres Wappen. Es ist ebenfalls nicht original aus der Zeit Bramantes, sondern zeigt
das Wappen jenes königlich-spanischen Gesandten in Rom,
Juan Fernandez Pacheco, Marquis von Vilena, der 1605 die erste Restaurierung des Tempietto überwachte. Er liess sein eigenes Wappen unübersehbar an dessen Schauseite anbringen.
Zu weiteren Veränderungen am Bau und an der Kuppel kam es zu Beginn des 19. Jahrhunderts:
Wikipedia schrieb:
1798, zur Zeit der
Römischen Republik wurde die Anlage nationalisiert. Die Kirche und das Kloster erlitten stärkere Beschädigungen, der Tempietto blieb unversehrt, wurde aber aller Metallteile beraubt, einschließlich der bleiernen Abdeckung der Kuppel. Sie erhielt statt dessen 1804–1805 ein Ziegeldach. Zwanzig Jahre später (1825–1826) restaurierte
Giuseppe Valadier den Klosterkomplex und den Hof. Die Pflasterung des Hofes wurde ersetzt; der Eingangsportikus neu gestaltet und die Ziegeldeckung der Kuppel durch eine Bleiverkleidung ersetzt.
Zum Schluss noch eine Aufnahme der Kuppel vom Innenraum aus:
Man erkennt darauf auch zwei der vier Fenster im Tambour. Zwischen den Rippen zieren zahlreiche Sterne auf blauem Hintergrund die Kuppel. Der Sternenhimmel ist ein Werk des 19. Jahrhunderts und ich habe bisher nirgendwo einen Hinweis auf eine frühere oder andere Bemalung gefunden.
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Auch wenn der versteckt- und hochgelegene Tempietto nicht die Stadtsilhouette Roms mitbestimmt, so hoffe ich doch, dass dieser erste Beitrag zu den römischen Kuppeln den werten Leser ein wenig erfreuen konnte.