Kreuzgang von San Giovanni in Laterano
Mit all ihren grandiosen Kunstwerken sind Basilika und Baptisterium ein wahres Juwel für Romreisende. Der Kreuzgang der Kathedrale des Bischofs von Rom ist eine eher etwas abgelegene Schönheit in all dieser Pracht.
Er gehört mit Sicherheit zu den Höhepunkten mittelalterlicher Kunst des 13. Jahrhunderts und gilt als einer der schönsten Roms. Sein quadratischer Grundriss mit einer Seitenlänge von 36 Metern macht ihn zum grössten Kreuzgang Roms.
Für mich war dies ein besonders schöner Moment, denn ich kannte ihn noch nicht. Mit dem Bau wurde etwa 1220/22 unter Papst
Honorius III. von Pietro Vassalletto senior und dessen Sohn Vassalletto junior (sein Vorname ist nicht bekannt, vielleicht ebenfalls Pietro) begonnen. Der Vater lebte von ca. 1160 bis 1226/30 und war zwischen 1180 und 1225 tätig, der Sohn vollendete das gemeinsam begonnene Werk etwa 1232.
Zusammen mit der Familie der Cosmaten sind Vater und Sohn Vassalletto berühmt für ihre Marmorintarsien. 240 teils gewundene Säulchen, jede anders verziert, tragen die Arkaden des Kreuzgangs.
Stolz hat Vassalletto junior seinen Vater und sich in einer Inschrift im Kreuzgang verewigt. Leider habe ich das erst später erfahren und muss auf ein
Photo aus dem Netz zurückgreifen, um sie hier zu zeigen.Sie lautet: NOBILIT(ate) DOCT(us) HAC VASSALLECTVS I(n) ARTE, CV(m) PATRE CEPIT OPVS Q(uo)D SOL(us) PERFICIT IP(s)EÜbersetzt: Vassallectus, in diese vornehme Kunst eingeführt, begann dieses Werk mit seinem Vater und beendete es alleine.
Enttäuschend für die, die den Kreuzgang bereits gut kannten, war, dass man den Hof mit dem Brunnen aus dem 9. Jh. in der Mitte nicht betreten durfte. Die von Löwen und Sphinxen bewachten

Eingänge waren versperrt.
Dennoch hielt das römische Kaleidoskop hier wunderschöne Muster für uns bereit. Die Arbeiten der Vassalletti und in den 36 Meter langen Arkadengängen ausgestellte Reste aus römischer Zeit sowie aus der alten Basilika verfehlten ihre Faszination auf uns nicht.
Die beiden folgenden Photos zeigen die erste grössere Arbeit von
Arnolfo di Cambio in Rom, eine Prozession von Klerikern während eines Begräbnisses.
Viele Stücke stammen, wie gesagt, aus der Zeit vor der Renovierung von San Giovanni in Laterano durch Francesco Borromini. Darunter befinden sich Teile eines unter Borromini entfernten Magdalenen-Ziboriums, welche heute einen alten Papstthron umgeben, der früher im Chor stand.
Eine tolle Überraschung, ganz speziell für mich, gab es hier in Gestalt dieses Architekturelements:
Es handelt sich dabei um einen Überrest des alten Magdalenenaltars. Dass er noch existiert und welche Rolle er für Borromini gespielt hat, wusste ich, aber hier hatte ich ihn nicht vermutet. Meinen Informationen zufolge sollte sich die Kugel im Lateran-Museum befinden. Umso erfreuter war ich, sie hier anzutreffen.
Diese Bekrönung des alten Altars war für Borromini, der ihn abzubauen hatte, die Inspirationsquelle für die Bekrönung, die er für San Giovanni in Oleo schuf!
San Giovanni in Oleo mit Kopie der Bekrönung
Rechts das Original unter der Portikus von San Giovanni a Porta Latina
Siehe dazu bei Interesse:
Die Werke Francesco Borrominis - Seite 2.
Zum Abschied von San Giovanni in Laterano noch ein paar Rosen aus dem Kreuzgang:
Ich habe den Kreuzgang Ende Oktober 2013 besucht und zwar während der Rom-Reise, die im damaligen Reisebericht der Tre a Roma (Claude, Gaukler und ich, damals mit "Verstärkung" durch Pasquetta) beschrieben wird. Dort war ich u.a. für die Abfassung des Beitrags über den Besuch der Basilika zuständig (
Römisches Kaleidoskop ). Dieser diente nun als Basis für das hier Gezeigte.
EDIT:
Im weltweiten Netz gibt es die spannende Möglichkeit San Giovanni in Laterano virtuell zu besichtigen. Siehe:
San Giovanni in Laterano - Visita Virtuale. Hier der direkte Link zum Kreuzgang:
St. John Lateran - Cloister.