Die Zeitumstellung bescherte uns eine zusätzliche Stunde in Rom und die Due Pazze trieb es früh aus den Betten. Sogar das Schaf ließ sich diesmal wecken, und hopste motiviert aus den warmen Daunen. Denn wussten wir doch schon von vergangenen Reisen, dass einem die Stadt sonntags früh alleine gehört.
So setzten wir bereits um 7 Uhr zu einem Streifzug durch das noch im Tiefschlaf steckende Rom an.
Alles Leben schien noch kuschelig in Morpheus Armen zu liegen, außer " unserer" Grille, die auch in diesen frühen, zwielichtigen Stunden vor sich hin zirpte. Ein letzter Sommergesang im Herbst.
Auf den Fotos erkennt ihr wo entlang die Due Pazze mäanderten. Wir guckten von oben in den touristisch nett zurecht gemachten Area Sacra.
Ein paar gut genährte Katzen zeigten keine Ehrfurcht vor dem heiligen Bezirk und lümmelten noch schläfrig auf und zwischen den Säulen.
Ein herrlicher Sonnenaufgang wurde uns auf dem Hügel der Hügel beschert. Allerdings auch lächerlich Zeitgeistiges wie Modefotographie oberhalb des Forum Romanums.
Wir stiegen wieder die Treppe der Treppen herab und bogen in die grobe Richtung unseres Viertels.
Und kamen am Frühstücksaal des Hotels Smeraldo vorbei, wo Romfan und die Bajuwaren gerade ihre letzten römischen Cappuccino genossen.
Nun, ihr könnt es euch schon denken und es gehört ja mittlerweile auch zur Tradition, wir vollzogen abermals ein ellenlanges Abschiedsritual vor dem Hotel. Und auch die Römer wurden wach, da das Schaf andauernd sentimental vor sich hin blökte.
Da Sonntag morgen das Forno am Campo di Fiori verschlossen war, kehrten wir in ein nettes Caffè am Largo di Librari ein. Feiner Kaffee/ Cappuccino/ feine Cornetti/ und eine echt römisches Atmosphäre, sowie normale Preise mitten in einem touristischen Mahlstrom. Wir beschlossen, nun auch für die letzten Tage in Rom dort unseren Morgen zu starten.
Mittlerweile trafen ernsthafte Nachrichten vom Pilgerweg ein:
Ab 10 Uhr Stadtwanderung von San Giovanni in Laterano bis zum Vatikan.
Start beim Franziskusdenkmal vor der Lateran-Basilika, Santo Stefano Rotondo, Acquedotto neroniano, Arco di Dolabella, Clivio di Scauro, Circo massimo, Torre della Moletta ( wg Franziskus' Freundin Jacoba dei Settesoli),
Roseto, Giardini degli Aranci, Isola Tiberina, Trastevere, Basilica Santa Maria in Trastevere, Lungotevere bis Piazza di San Pietro. Ankunft ca. 16 Uhr, dann Hotelbezug.
Es wurde also tatsächlich ernst.
Wir versuchten noch irgendwie Eindruck bei den tapferen, echten Pilgern zu schinden und hofften, dass uns ein Fläschchen San Pellegrino Wasser und der eindeutige Hinweis auf unsere Pilgerunterkunft ein wenig mehr Ernsthaftigkeit verleihen würde. Ob das bei den wirklichen Pilgern verfangen würde????
Die Primär-Quelle und Inspiration für unsere römische Pilgerschaft:
Unsere Geschichte beginnt in den italienischen Alpen, wo das Mineralwasser von S.Pellegrino aus einer geschützten Quelle an die Oberfläche tritt.
www.sanpellegrino.com
Nach einer Rast machten wir uns auf zu einer Runde durchs Centro, ohne aber ein Ziel zu haben.
Gleich gegenüber von Beli machte Pecorella Nihil auf einen sehr schönen Laden (Foulard Bamboo) mit Tüchern aufmerksam, ein Tipp, den sie von
@Tizia bekommen hatte.
Pecorella besaß bereits einen dieser wunderschönen Schals (ein Mitbringsel von Tizia) und Nihil wusste vor lauter Auswahl nicht welcher Schal nun die Reise nach Spanien antreten soll. Nun, was macht Frau, wenn sie sich nicht entscheiden kann. Mit dem Argument des nicht mehr all zu weiten Weihnachtsfestes und der reichlich vorhandenen Verwandtschaft, orderte Nihil gleich vier Tücher und hat wahrscheinlich immer noch das Problem, dass sie nicht weiß, welche Tücher verschenkt werden sollen und welche für immer bei ihr bleiben.
Pecorella hingegen konnte sich nicht zwischen zwei Tüchern entscheiden, aber irgendwann war auch hier die Wahl auf ein Mix an Grüntönen gefallen, erinnerten sie das Schaf doch an satte Weiden und Wiesen.
Nun, die Beute wurde schnell nach Hause gebracht und nach einer kurzen Pause, aber schon mit schmerzenden Füßen überlegten wir, wie wir den Rest des Tages noch verbringen wollten. Die Wahl fiel auf das Ara Pacis Museum, wohl auch, weil uns der Bus bis vor die Türe bringen würde. Pilgern in Rom geht auf die Füsse, vorallem wenn man doch nicht wirklich vom heiligen Geist getragen wird.
In einem sehr modernen Gebäude findet man den Altar des Friedens.
Der römische Senat widmete den Altar im Jahre 13 v. Chr. dem ersten römischen Kaiser Augustus, der nach seinen Siegen über Spanien und Gallien nach Rom zurückgekehrt war
Quelle
Ara Pacis – Wikipedia
Die Due Pazze konnten nicht wirklich Frieden machen in und mit dem Gebäude. Das Gebäude ist architektonisch und funktionell gelungen. Das Tageslicht filtert durch die Fenster. Der Ausblick auf die Umgebung ist interessanter als auf das ausgestellte Monument. Die Due Pazze fanden den reichlich gehobenen Eintrittspreis nicht gerechtfertigt, guckt man doch auf wenig Original, dafür aber auf ergänzende Gipsabdrücke.
Fazit: von draußen reingucken reicht völlig, es sei denn man sucht noch ein kitschiges Mitbringsel fürs heimatliche Sideboard.
Nach der Besichtigung versagten unsere Füße endgültig ihren Dienst und wir beschlossen Bus-Bingo zu spielen. Dafür stellt man sich einfach an die nächste Haltestelle und nimmt den nächsten Bus der erscheint. Wir hatten Glück, es erschien der Bus 85 mit der Endstation Colle Albani. Also hinaus ins Grüne und wohl auch auf der Flucht vor den nahenden Pilgern, denn die Due Pazze hatten Sorge, noch einen Teil des Weges mitgehen zu müssen.
Der Bus fuhr die beiden Pseudopilgerinnen zunächst durch die Touri-Hotspots wie ums Colosseum , um irgendwann die römischen Vorstädte zu erreichen. Es kam uns vor, als seien wir schon vor den Toren Roms gelandet, die Colle Albani vor uns zum Greifen nahe und die grünen Wiesen des Parco Regionale dell´Appia Antica zu unserer Rechten.
Das Schaf hätte gerne dort geweidet, aber Nihil wollte keine unangenehmen Zusammentreffen mit Wildschweinrotten auf Sonntagsspaziergang riskieren.
So ließen sich die Due Pazze in einem Vorstadt-Caffe nieder, genossen bei Kaffee, Cola und Tramezzini die sonntägliche römische Movida, bevor sie wieder mit der gleichen Linie ins Centro zurück kehrten. Brachte der Bus sie doch genau zu ihrem letzten Ziel für den Tag, dem Vittoriano. Der Grund war, dass wir unbedingt den Sonnenuntergang von der Terrazza bewundern wollten. Pecorella hatte extra die Sonnenuntergangszeiten notiert und so kamen wir ca. 30 Minuten vor dem Ereignis dort an. Doch dann die Enttäuschung. Diese Idee des Sonnenunterganges hatten wohl viele und es gab eine so lange Schlange, dass wir wohl erst nach Sonnenuntergang oben angekommen wären. Und das für einen Preis von 15 Euro. Rom lässt sich die Reinigung der überdimensionierten Schreibmaschine von den Touristen gut bezahlen.
Das Schaf wollte nach Hause, Nihil noch in eine ihrer Lieblingskirchen zum Kerzenanzünden. Anschließend versuchte Nihil durch dunkle Gassen den Weg zur Ferienwohnung zu finden, was auch ausnahmsweise mal gelang.
Gut versorgt mit Pizza al Taglio und Wein ließen die Due Pazze den Abend gemeinsam zuhause ausklingen.
Nachricht vom Pilgerweg:
Sind um 16 Uhr bei San Pietro angekommen, Romfan konnte beruhigt um 17 Uhr abreisen, die Stadt ist sicher. Jetzt geht es ins Hotel.
Treffpunkt morgen 15 Uhr auf dem Campo dei Fiori