Pasticcio romano - römisches Durcheinander

Ludovico ROB

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Pasquetta, deine Schilderungen der Via Triumphalis ersetzen schon fast einen eigenen Besuch. Vielen Dank. Vielleicht führen meine Wege auch einmal dorthin.
 

pecorella

Caesar
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Antonio Ponzanelli hat mit diesem Denkmal aus weißem Marmor das „Wunder von Guadalupe“ aus dem Jahre 1531 dargestellt: der Indio Juan Diego Cuauhtlatoatzin (was für ein Name!) zeigt dem Erzbischof von Mexiko das Abbild der Muttergottes, das sich auf wundersame Weise in seinen Mantel eingeprägt hatte.


Liebe Pasquetta,
ich war ja nur wenige Tage nach dir in den Vatikanischen Gärten. Vielen Dank für deine wunderbaren Beschreibungen, ich war sofort wieder da.

Das Bild oben hast du genauer und detaillierter fotografiert wie ich, denn bei dir kann man das Abbild der Mutter Gottes besser erkennen.

 
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Pasquetta

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@ Padre
Er hat viele Erinnerungen an meine Besuche geweckt hat! So einiges, was Du uns vorgestellt hast, habe ich zwar gesehen, aber die Hintergründe waren mir so nicht bekannt! Grazie mille:!:
Es freut mich, dass Du auch - und mit Gewinn ;) :proud: - mit durch die Vatikanischen Gärten mitgegangen bist. Du kennst sie - von der Örtlichkeit her - sicher besser als ich.

@ pecorella
Liebe pecorella, vielen Dank für dieses schöne Foto :nod: als Ergänzung zum "Wunder von Guadalupe"!

@ Ludovico
Pasquetta, deine Schilderungen der Via Triumphalis ersetzen schon fast einen eigenen Besuch. Vielen Dank. Vielleicht führen meine Wege auch einmal dorthin.

Bitte schön, es war mir ein Vergnügen - und: :nod: selbst hingehen und ansehen hat was für sich ;) :D.

Nun geht es weiter mit der 3. Vatikanischen Station... :~ Vielleicht habt Ihr ja Lust wieder mitzukommen ;).
 

Romitis

Praetor
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Vielen Dank für den Bericht über die Nekropole und die vielen interessanten Fotos.
Es ist so faszinierend, was dort alles gefunden und ausgegraben wurde. Inzwischen habe ich noch andere Artikel im Internet darüber gelesen.
Die Vorstellung, daß durch die Hälse der eingelassenen Amphoren die Toten mit "Milch und Honig" versorgt wurden, finde ich sehr schön.

Ich bin gespannt, wie Dein Tag im Vatikan weitergeht.
 

Pasquetta

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3. Station: Vatikanische Museen

Die Vatikanischen Museen – ich werde mich hüten, näher darauf einzugehen... Sondern nur ein paar persönliche Eindrücke festhalten. Che pasticcio! Was für ein Betrieb und wie viele Menschen sich durch die Museen und den ganzen Komplex wälzen! Täglich sollen es durchschnittlich 20.000 sein, knapp 6 Millionen letztes Jahr... Kein Wunder, dass die Verantwortlichen Überlegungen anstellen, wie die Kunstwerke – und allen voran die Sixtinische Kapelle – geschützt werden können. Ein paar Zahlen, die ich irgendwo gelesen habe, ohne Anspruch auf 100%ige Richtigkeit: die VM sind eine der größten Kunstsammlungen der Welt, in 12 Museen – ich weiß nicht, ob da die Stanzen, Kapellen und Galerien mitgezählt sind - mit mehr als 1300 Räumen sind ungefähr 50 000 Objekte zu sehen, wenn der willige Besucher über sieben Kilometer zurücklegt um diese unendliche Fülle von Statuen und archäologischen Fundstücken, von Fresken, Gemälden, Teppichen und vielem anderen zu bewundern.

Ich habe in diesem riesigen Durcheinander gar kein Foto von der schönen alten Wendeltreppe gemacht, aber die neue Rampe in Form einer Doppelspirale, die anlässlich des Heiligen Jahres 2000 entstand, als auch der neue Eingang in die VM angelegt wurde.

Nach der Mittagspause hat uns B. in Empfang genommen und zuerst die Sixtinische Kapelle erklärt, da vor Ort – frommer Wunsch - nicht gesprochen und schon gar nicht erklärt werden darf. Dann wurden wir an einigen Sehenswürdigkeiten des Museums vorbei gelotst. Anders kann man das nicht sagen bei dem Geschiebe und Gedränge... nicht ärgern, nur wundern, der Blick aus dem Fenster entspannt.



Cortile della Pigna - Der riesige Pinienzapfen aus Bronze aus dem 1. od. 2. Jh. n.Chr. ist natürlich ein begehrtes Fotomotiv wie auch die „Kugel mit Kugel“ in der Mitte des Pinienhofes. „Sfera con Sfera“ schuf der italienische Bildhauer Arnaldo Pomodoro 1990 und man merkt, dass er auch als Goldschmied gearbeitet hat.



Apollon vom Belvedere scheint soeben „den Pfeil“ abgeschossen zu haben und der deutsche Archäologe Winckelmann meinte über diesen Apollo, er wäre „das höchste Ideal der Kunst unter allen Werken des Altertums, welche der Zerstörung entgangen sind“.


Flussgott Arno (oder ist es doch der Tigris?) auf seinem „Brunnentrog“ mit kämpfenden Griechen und Amazonen geschmückt


Laokoon und seine zwei Söhne im verzweifelten Kampf mit den, von der zornigen Athene auf sie gehetzten Meeresschlangen, die Gruppe wird auf auf 40-30 v. Chr. datiert – alles Kunstwerke im achteckigen Hof , dem “Cortile Ottagono”.

Der Torso vom Belvedere „Perfektion des menschlichen Körpers und Ideal menschlicher Schönheit“ - Michelangelo hat ihn als Modell für seinen Adam an der Decke der Sixtinischen Kapelle genommen – ist an das British Museum ausgeliehen. Gut für die Londoner – für uns eine Kopie...


Wir schieben uns durch die Sala Rotonda mit den wundervollen Bodenmosaiken aus dem 3. Jh. n. Chr. und dem großen Porphyrbecken - das angeblich aus der Domus Aurea stammt - nur um dann in die Sala a Croce Greca weitergeschoben zu werden.



Das Mosaik des Fußbodens aus dem 3. Jh. n. Chr. zeigt eine schöne Athenebüste mit einem angefügten Medusenhaupt und stammt aus Tusculum. Wenn ich mir die kargen Reste von Tusculum, die wir auf unserer kürzlichen Lazio-Fahrt angeschaut haben, mit solchen Bodenmosaiken vorstelle... :~ Kein Wunder, dass dann die Landvillen so mancher vornehmen „römischen Berühmtheit“ gerne aufgesucht wurden.

Die Sala a Croce Greca wird von zwei Porphyrsarkophagen dominiert. Dem Sarkophag der Konstantia, Tochter Konstantins, mit den zwischen Weinranken sich tummelnden Liebesgöttern in Kindergestalt, die Trauben ernten und keltern – und dem Sarkophag der heiligen Helena, Mutter Konstantins.


Die „kriegerischen“ Darstellungen auf dem Sarkophag lassen darauf schließen, dass er für einen Mann der Kaiserfamilie gedacht war, vielleicht sogar für Konstantin selbst. Die römischen Reiter, die über gefesselte Barbaren hinweg sprengen sind eher kein Motiv für das Grab einer hoheitlichen Frau.


Wo sind die Zeiten, als die Menge der Besucher in diesem Saal überschaubar war und wir die Bediensteten beobachten konnten, wie sie hingebungsvoll den roten Porphyr des Sarkophag der heiligen Helena auf Hochglanz polierten, auf einer Trittleiter stehend und vor sich hinsingend. Tempi passati... :roll:

Erneute Schiebung – im Klartext: durch die Galleria degli Arazzi mit den prächtigen Wandteppichen (16./17. Jh.) aus den Manifakturen von Brüssel, der Lombardei, Flandern und der Barberinis und der 120 m langen Galleria delle Carte Geografiche mit Landkarten der Regionen Italiens und des Kirchenstaates, mit Stadt- und Landschaftsansichten, die zeigen, wie es um das Jahr 1580 aussah, werden wir in der Menschenmenge mehr geschoben und gedrängt, als dass wir genussvoll die Kostbarkeiten bewundern könnten.

Wohin gehört dieses Fresko? In die Sala dell'Immacolata?
Ich habe das Foto wohl gemacht, wegen des "Schweizer Gardisten" in seiner farbenfrohen Uniform... :?

Aber halten wir uns noch ein bisschen in den berühmten Stanzen des Raffael auf, die Papst Julius II. 1508 - 1524 neu gestalten ließ. Die alten Fresken wurden abgewaschen und Raffael hatte die Möglichkeit, eine wunderbare Bilderfolge für die Stanzen zu schaffen, in die er auch die ungünstigen räumlichen Vorgaben, z.B. über den Tür- und Fensteröffnungen, meisterhaft einbezog. Ohne jetzt näher auf die einzelnen Fresken einzugehen nur einige Beispiele, die mir in dem ganzen Durcheinander in Erinnerung geblieben sind.

Der für Empfänge und offizielle Zeremonien bestimmte Sala di Costantino wurde nach Entwürfen Raffaels, jedoch erst nach seinem Tod, von seinen Schülern ausgemalt und die Fresken wirken wie wertvolle Wandteppiche.


Hauptthema sind natürlich Szenen aus dem Leben Konstantins d.Gr., wie seine Taufe und der Sieg an der Milvischen Brücke. Auch ein Blick an die Decke lohnt. Auf einem Scheingewölbe ist der „Triumph der christlichen Religion“ dargestellt.


Das Kreuz erhebt sich über der zerschmetterten Götterstatue und je nachdem wo man steht oder wie man sich dreht ändert sich die Perspektive.

Die Stanza d'Eliodoro diente dem Papst für die Privataudienzen. Das Bilderprogramm soll das „sichtbare Eingreifen Gottes“ in verschiedenen Epochen der Kirche darstellen. Sehr eindrucksvoll das Bild von der„Messe von Bolsena“, ein Meisterwerk von Raffael.

Die Geschichte dazu: ein böhmischer Priester zweifelte während einer Messe, die er 1263 in Bolsena hielt, an der Wandlung der Hostie in den Leib Christi und musste dann sehen, dass aus der konsekrierten Hostie Blut tropfte. Auf dem Fresko nimmt Julius II. an der Messe teil mit seiner Gefolgschaft und Menschen aus dem Volk. Alle Gestalten konzentrieren sich auf das Geschehen am Altar, nur zwei Augenpaare suchen den Blick des Betrachters, bzw. ziehen uns in das Geschehen mit hinein: ein höfischer Jüngling und ein kleines Kind.



In das Bild von der „Befreiung des Petrus“, das darstellt, wie der Apostel von einem Engel aus dem Kerker gerettet wird während seine Bewacher schlafen (beschrieben in der Apg 12,5-12), bringt Raffael außergewöhnliche Lichteffekte ein.


Und noch ein Fresko, das ich nicht mehr zuordnen kann :?, das mich aber wohl im vorbeigehen beeindruckt hat.


Irgendwann fängt man an, nur noch in der Menge mitzustolpern, in deren Sog man sich unweigerlich Richtung Sixtinische Kapelle bewegt. Zuvor „muss“ man noch durch einen Teil der Abteilung Moderne Religiöse Kunst – sozusagen zum Atemholen – obwohl auch hier ein längeres Verweilen ob der – modernen – Kunstschätze angesagt wäre.

Papst Paul VI. von Lello Scorzelli ;)

Die Sammlung von Gemälden, Skulpturen und Graphiken wurde auf Wunsch von Papst Paul VI. angelegt und kam vor allem durch Schenkungen zustande. Papst Paul VI. war ein persönlicher Freund vieler Künstler der Moderne, was man auch immer wieder außerhalb des Museums sehen kann (z.B. die modernen Portale am Peterdom von Giacomo Manzù und Luciano Minguzzi oder sein Kreuzstab von Lello Scorzelli ).

Henri Matisse

Francis Bacon - Marc Chagall

Und nun betreten wir durch eine kleine Tür an der Altarwandseite die nach Papst Sixtus IV. della Rovere benannte Kapelle und sind mittendrin … in der rappelvollen Cappella Sistina.
Jedes erklärende Wort über die Sixtinische Kapelle würde hier den Rahmen sprengen: die Gemälde an den Seitenwänden von Botticelli, Perugino und anderen Künstlern der italienischen Renaissance mit gegenübergestellten Szenen aus dem Leben von Moses und Jesus, das riesige Deckengemälde mit Michelangelos berühmter Schöpfungsgeschichte und den Sibyllen und Propheten sowie das, die ganze Altarwand füllende, Jüngste Gericht. Darum spare ich mir jede Beschreibung – jeder wird die Sixitinische Kapelle auf seine eigene Art in Erinnerung behalten.

Wer sich gerne auf „belletristische Art“ mit der Entstehungsgeschichte der Sixtinischen Kapelle befassen möchte, dem sei der Roman "Der sixtinische Himmel" von Leon Morell empfohlen.

Mich hat besonders interessiert, wie die neue Beleuchtung wirkt. Nachdem die Sixtinische Kapelle über einen Zeitraum von 20 Jahren für das Jubiläumsjahr 2000 restauriert worden war und seither wieder in kräftigen, leuchtenden Farben erstrahlt, ist sie zum 450. Todestag von Michelangelo im Februar 2014 mit 7000 LEDs bestückt worden, die Tageslichtatmosphäre verbreiten sollen. Außerdem soll die Wärmeentwicklung und der Energieverbrauch geringer sein als bei den vorherigen Glühlampen. Und selbst für mich totalen Laien in solchen Sachen ist erkennbar, wie sich die neue Beleuchtung auf die die Farbenpracht der Fresken auswirkt: es ist phantastisch. Nicht nur, dass es aussieht, als ob gutes Tageslicht die Bilder bescheint, Details leuchten geradezu plastisch – die Goldbordüren an den Gewändern und Teppichen auf den Bildern an den Wänden glänzen als wären sie eben erst aufgestickt worden...

Im Durchschnitt sollen jährlich 5,5 Millionen Menschen die Kapelle besichtigen und bei einer Öffnungszeit von neun Stunden täglich, außer Sonn- und Feiertagen, drängen sich oft bis zu 1500 Besucher gleichzeitig in ihr. Gefühlt während der Zeit, die wir dort waren, könnte das stimmen... Unübersehbar die Menschenmenge und leider auch unüberhörbar. Weder die fortwährende Aufforderung „Silenzio!“ noch über Lautsprecher verbreitete Gebete – schließlich ist die Kapelle ein sakraler Raum, welche Ironie – zeigten ihre Wirkung. Auch das „No photo!“ wurde laufend ignoriert und so mancher musste seine Digitalbilder von der Sixtina unter Kontrolle des Aufsichtspersonals wieder löschen. Kein Wunder, dass die Verantwortlichen für diesen Raum über ein Besucherlimit nachdenken.

„Das Recht der Massen auf die Cappella Sistina“ - schon Marie Luise Kaschnitz stellte dazu bereits vor mehr als fünfzig Jahren ihre Überlegungen an. Sie gestand es ihnen zu, auch wenn sie u.a. ausführt: „Man sollte, schlagen die Unerbittlichen vor, die Massen vom Besuch der römischen Museen ausschließen, einen Befähigungsnachweis verlangen und damit für die Studierenden und wirklich Genießenden Raum und Stille schaffen. Eine Wortes von L.C. (gemeint ist wohl Ludwig Curtius) gedacht, man sieht nur was man weiß, also was man schon im Geist kennt und sucht, was man mit anderen Dingen in Beziehung setzen kann.“ (Zitat aus: M.L. Kaschnitz, Engelsbücke – Römische Betrachtungen) Ganz ähnliche Töne hörte man vor kurzem auch von Italiens Kultusminister, als der dem Massentourismus den Kampf ansagte. Zitat aus verschiedenen Tageszeitungen von Anfang Juli 2015: „Nach Italien müssen wieder gebildete Reisende zurück. … Ich bin nicht an dem … 8O (ich möchte es nicht auf eine Volksgruppe reduziert wissen :~) interessiert, der aus dem Kreuzfahrtschiff aussteigt, … das Kolosseum fotografiert und wieder wegfährt.“ Soviel zu Überlegungen, dass vielleicht auch einmal wieder „angenehmere Besichtigungsverhältnisse“ in der Sixtinischen Kapelle zu erwarten sind...


Wir verlassen die Cappella Sistina und den Bereich der Museen um im Schnelldurchgang noch ein paar Highlights im Petersdom und den Grotten aufzusuchen - hier zweimal Petrus ;): einmal als Bronzestatue im Petersdom (um 1300 von Arnolfo di Cambio) und dann in den Grotten (Marmorbild (3. Jh.), das ursprünglich einen Philosophen oder Rethoriker darstellt, zu Petrus "umfunktioniert" (Kopf und Hände "neu", der Kopf wird wiederum di Cambio zugeschrieben) -


um dann müde und voll mit einem Durcheinander von Eindrücken jeder seine eigenen Wege zu gehen...
 
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pecorella

Caesar
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Zitat aus verschiedenen Tageszeitungen von Anfang Juli 2015: „Nach Italien müssen wieder gebildete Reisende zurück. … Ich bin nicht an dem … (ich möchte es nicht auf eine Volksgruppe reduziert wissen ) interessiert, der aus dem Kreuzfahrtschiff aussteigt, … das Kolosseum fotografiert und wieder wegfährt.“ Soviel zu Überlegungen, dass vielleicht auch einmal wieder „angenehmere Besichtigungsverhältnisse“ in der Sixtinischen Kapelle zu erwarten sind...

So ist es liebe Pasquetta.

Nach nun einigen Besuchen in den VM, bin ich schon erstaunt, wie sich einige Menschen da benehmen.
Ich habe dort immer den Eindruck, dass 80 % der Besucher nur an der Sixtina interessiert sind und von daher auch möglichst schnell dort hin wollen.

Jedenfalls waren bei unserem Besuch dort einige Leute die dies eindrucksvoll unter Beweis gestellt haben.

Einige waren permanent auf der Überholspur unterwegs, ohne Rücksicht auf Verluste. Wer im Weg stand oder zu langsam ging wurde umgerannt bzw. auf Seite geschubst. Lustig fand ich allerdings, dass ein Mann vor lauter Eile eine Treppe übersehen hatte und sich fast daher legte :lol:
 

Ludovico ROB

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Für mich bestätigt das wieder einmal, wenn ich alleine in den VM bin, werde ich zunächst die Dentaria Taktik anwenden und dann gezielt einige der weniger frequentierten Abteilungen besuchen. Gut, dass ich dort immer ohne Zeitdruck bin und mein dickes Fell vorher noch in Form bringe.
 

pecorella

Caesar
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Wir hatten leider keine Chance so früh da zu sein, da wir zuvor in den Gärten waren. Aber stimmt, ein dickes Fell und die ein oder andere Nahkampf - Erfahrung sind auf jeden Fall von Vorteil.
 

Simone-Clio

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Und noch ein Fresko, das ich nicht mehr zuordnen kann :?, das mich aber wohl im vorbeigehen beeindruckt hat.


Es handelt sich hier um ein schönes Detail aus dem unteren Teil der Disputa del Sacramento.

Wikipedia schrieb:
Auf der untersten Ebene, dem gepflasterten Erd- oder Kirchenboden, sind mehr als 40 Personen zu sehen, die teilweise identifizierbar, teilweise als Typen dargestellt sind. Über ihnen ist links eine Kirchenbaustelle, rechts eine mächtige Pfeilerbasis zu erkennen, wohl Anspielungen auf den zeitgleich entstehenden Petersdom, aber auch auf das mystische Wesen der Kirche.[8] Nächst der Mittelachse sitzen rechts und links auf Marmorthronen die vier lateinischen Kirchenväter Gregor der Große (mit den Gesichtszügen Julius’ II.), Hieronymus, Ambrosius und Augustinus. Von den übrigen Personen sind u.a. Sixtus IV., Dante, Thomas von Aquin und ganz links Fra Angelico erkennbar. Auffällig sind die beiden bärtigen Männer unmittelbar links und rechts vom Altar; der linke, mit Pluviale bekleidet, weist mit beiden ausgestreckten Armen zur Monstranz, der rechte, schwarz gekleidet, mit Arm und Zeigefinger zum Himmel, in Korrespondenz zu den Gesten Platos und Aristoteles’ in der Schule von Athen gegenüber. Wen diese Figuren darstellen sollen, ist unsicher.[9] Bei aller Erregtheit und Bewegtheit der Gestalten richtet sich aller Aufmerksamkeit auf die Mittelachse – mit Ausnahme einer Personengruppe im linken Vordergrund, die abgewandt in einem Buch liest und darüber diskutiert. Ein blond gelockter junger Mann in blau-goldener Kleidung fordert sie mit Blick und Geste auf, sich der Mitte zuzuwenden.
Vergleiche: Kunst Raffael Stanzen Disputa del Sacramento - unterer Teil
 

Simone-Clio

Augustus
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Wohin gehört dieses Fresko? In die Sala dell'Immacolata?
Ich habe das Foto wohl gemacht, wegen des "Schweizer Gardisten" in seiner farbenfrohen Uniform... :?


Das wusste ich nicht und die Suche hat ein wenig gedauert. Ja, Du hast richtig vermutet. Das Fresko gehört in die Sala dell'Immacolata. Photos hier und hier. Francesco Podesti hat folgende vier Szenen dargestellt:

Wikipedia schrieb:
  • Discussione su Maria concepita senza peccato
  • Proclamazione del Dogma (avvenuta l'8 dicembre del 1854)
  • Incoronazione dell'effigie della Vergine ad opera di Pio IX
  • Sibille, storie e figure allegoriche (nella parete con le finestre)

Vergleiche: Pius IX. - Der Immaculata-Papst - Veronika Seifert - Google Books
 

Pasquetta

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@ Romitis

Vielen Dank für den Bericht über die Nekropole und die vielen interessanten Fotos. ...
Die Vorstellung, daß durch die Hälse der eingelassenen Amphoren die Toten mit "Milch und Honig" versorgt wurden, finde ich sehr schön.

Bitteschön, liebe Romitis. Der Umgang in der Antike mit dem Tod und den Toten beeindruckt mich auch immer wieder. Übrigens hat uns unsere Führerin auch erzählt, dass man den Toten auch "Wunschzettel" zugesteckt hat und nicht nur für "gute Wünsche", auch für "Verwünschungen", diese hat man aber nicht den eigenen Toten ins Grab gesteckt, sondern diese "Fürbittdienste" bei den Göttern sollten fremde Tote übernehmen. Es hat also auch damals schon arg "gemenschelt" ;).

@ pecorelle und
@ Ludovico
Ich wusste ja in etwa, was mich in den VM am Nachmittag erwartet, so war ich nicht zu überrascht, eher einfach nur verwundert, was dort für ein Betrieb herrscht x(. Und ich habe das Ganze ziemlich "stoisch" über mich ergehen lassen ;) und einfach beobachtet. Und: es war sehr interessant. :nod:


 

Padre

Censor
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Ich habe in diesem riesigen Durcheinander gar kein Foto von der schönen alten Wendeltreppe gemacht, aber die neue Rampe in Form einer Doppelspirale, die anlässlich des Heiligen Jahres 2000 entstand, als auch der neue Eingang in die VM angelegt wurde.


Ich könnte mit einem Foto von der alten Wendeltreppe aushelfen.


Ganz herzlichen Dank für Deine Fortsetzungen :thumbup::thumbup::thumbup:.
 

Pasquetta

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@ Padre
Ich könnte mit einem Foto von der alten Wendeltreppe aushelfen.
Vielen Dank für das schöne Foto von der Wendeltreppe, mit dem sozusagen "eine Lücke" gefüllt wurde. ;) Es freut mich, dass Du mitgelesen hast.

@ Simone
Es handelt sich hier um ein schönes Detail aus dem unteren Teil der Disputa del Sacramento.
...
Vergleiche: Kunst Raffael Stanzen Disputa del Sacramento - unterer Teil

Ja, Du hast richtig vermutet. Das Fresko gehört in die Sala dell'Immacolata. Photos hier und hier.

Liebe Simone, Dir danke ich herzlich für die Ergänzungen zu den beiden, von mir nicht mehr sicher zuzuordnenden Bildern.
Wie üblich hat die "Schwarmintelligenz" gegriffen ;) und auch wenn es keine Rätselfragen von mir waren, so hatte ich irgendwie doch gehofft, dass vielleicht jemand die beiden Bilder erkennen würde und des Rätsels Lösung hätte. Vielen Dank, dass Du Dir die Mühe gemacht hast, mit so viel Erfolg :thumbup:, zu recherchieren.

Ganz langsam :~ nähert sich mein Bericht seinem Ende, aber nun kommt erst mal die 4. Station des "Vatikan-Tages".
 

Pasquetta

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4. Station: Museum Braccio di Carlo Magno


Auch ich verlasse den Bereich Petersdom – es ist mir irgendwie zu umtriebig hier, alles zu sehr geregelt durch die vielen Aufseher und Absperrungen. Ich meine, durch einen „Markthallenbetrieb“ geschleust zu werden und überall wird alles nach dem Motto „Ich war auch hier“ dokumentiert... Zurück ins Hotel, ein bisschen ausruhen? - Da sticht mir ein Hinweis ins Auge: Sculture preziose - Oreficeria sacra nel Lazio dal XIII al XVIII secolo.


Wir hatten einige Wochen vorher eine kurze, schöne Fahrt durch das Lazio gemacht :)~Bericht wird noch fertiggestellt, irgendwann ;)). Mal sehen, was für Schätze – kostbare Skulpturen – der religiösen Goldschmiedekunst aus dem Latiums des 13. bis 18. Jh. im Museum des Braccio di Carlo Magno ausgestellt sind.



Der „Braccio di Carlo Magno“, als linke Verbindung zwischen Kolonnaden und Petersdom, ist das Gegenstück zur berühmteren Scala regia, an deren Fuß das Reiterstandbild von Konstantin d.Gr. von Bernini steht, während gegenüber das Reiterstandbild von Karl d.Gr. - Carlo Magno, zum Kaiser gekrönt in der Weihnachtsnacht 800 in St. Peter – von Agostino Cornacchini (1725) steht, sein Meisterwerk, das aber qualitativ (fast möchte man sagen: kein Wunder) gegenüber dem von Bernini „etwas“ abfällt.

Und wie erwartet: im Museum, das in diesem „Arm“ zwischen Kolonnaden und Vorhalle des Petersdoms eingerichtet ist, erwartet mich keinerlei pasticcio, alles ist schön angeordnet und in Szene gesetzt, es herrscht Ruhe (für die beiden Aufseher wohl auch Langeweile) und nur eine Handvoll Besucher betrachtet die Preziosen hinter Glas: sakrale Goldschmiedekunst aus Diözesanmuseen, Sakristeien und Kirchen des Lazio.





Zu sehen sind Kreuze, Reliquiare in allen nur denkbaren Formen, Statuen und Kelche.


Begrüßt wurde man vom hl. Ambrosius, hoch zu Ross, aus der Kathedrale von Ferentino. Der Silberarbeiter Fantino Taglietti – nur von wenigen Künstlern der ausgestellten Werke weiß man die Namen – ließ sich 1641 von der Figur des Marc Aurel auf dem Kapitolsplatz inspirieren.

Eine der Kuratorinnen der Ausstellung berichtete, dass etliche Kunstwerke total „heruntergekommen“ zu ihnen gelangten und erst einmal „aufgeputzt“ werden mussten.


So auch aus der Abtei Casamari die Gruppe „Battesimo di Cristo“ , die vollkommen schwarz war und erst nach nach der Restaurierung im alten Glanz von vergoldeter Bronze erstrahlte. Sie trägt, was sehr selten ist, zwei Signaturen, Giovanni Ledus und Lorenzo Petroncelli, wo sonst ein Prägestempel ist, und die Jahreszahl 1760.


Und wer strahlt mir da noch entgegen: Papa San Clemente aus dem Diözesanmuseum in Velletri, geschaffen in Silber, Kupfer vergoldet und verziert mit Edelsteinen, von Giuliano Finelli, einem begabten Schüler von Bernini. In Velletri sind sie sehr stolz auf diese wunderschöne Büste des Papstes, nach dem ihr Dom benannt ist, wie wir seinerzeit (s. hier etwas nach unten scrollen) erfahren haben.





das Spiel mit den Spiegelungen ;)

Eine Ausstellung, die mit den Augen zu genießen ist, meinte der Direktor der Vatikanischen Museen bei der Eröffnung, und somit auch die in der Provinz versteckten „Preziosen“ zu entdecken. Und sie sind wirklich schön anzusehen und sicher auch von hoher Qualität - aber ansonsten muss man sie schon mögen, diese Art von sakraler Kunst und wofür (vor allem für Reliquien) sie geschaffen wurden.





 
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Pasquetta

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Heute morgen ist die Luft frischer, frühlingshafter, nicht mehr so schwül und schon sommerlich wie die vergangenen Tage. Oder liegt es daran, dass ich schon vor dem Frühstück unterwegs bin?


Nach dem gestrigen Umtrieb in und um St. Peter soll ein etwas ruhigerer Besuch dort stattfinden, vielleicht sogar mit ein paar Momenten des Innehaltens.


So kurz nach 7 Uhr kommt man ohne Anstehen und längere Kontrolle in den Petersdom. Dort sind schon einige „Mess“bewegungen im Gange, vor allem vor dem Altar mit dem Grab von Johannes Paul II. drängen sich die Menschen, die dort Gottesdienst feiern wollen. Folge davon ist, dass das rechte Seitenschiff abgetrennt ist und man Michelangelos Pietà nur „aus der Ferne“ betrachten kann.


Aber zu dieser frühen Stunde sollte der Petersdom das sein, was er eigentlich ist: eine Kirche, in der Gottesdienst gefeiert und besucht wird. Aber wenn ich mich so umschaue, dann nimmt auch so frühmorgens schon die Zahl derer, die den Dom besichtigen wollen, zu. Man darf gespannt sein, wie dies in Zukunft geregelt werden wird. Das Aufsichtspersonal ist zwar „distanziert höflich und kurz angebunden“, aber ob sie immer unter Kontrolle haben, wer eine Messe besuchen will und wer „nur“ besichtigen …


Bevor der Ansturm größer wurde – schon jetzt stehen Gruppen von Touristen am Eingang – noch einmal vor dem schönen Bronzerelief von Emilio Greco gestanden, das an Papst Johannes XXIII. erinnert und das „dem Gedächtnis und der Liebe eines Papstes gewidmet“ ist, „der die seltene Gabe besaß, in einem keineswegs gewöhnlichen Maße, liebenswert zu sein.“ (wie sich sein Privatsekretär Kardinal Capovilla einmal dazu äußerte). Papa Giovanni XXIII. wird u.a. dargestellt wie er als erster Papst am Weihnachtstag 1958 die Gefangenen im römischen Gefängnis Regina Coeli besuchte. (Ich habe leider keine Foto von der Bronzetafel gefunden und stelle darum zur "Anschauung" einen Link ein, auf dem man das Denkmal sehen kann.)

Der Bildhauer Emilio Greco steht in der Tradition der Gruppe moderner Bildhauer um Marini, Manzù und Minguzzi. Die beiden letztgenannten haben zwei Portale des Petersdoms geschaffen, die ich mir an diesem Morgen noch einmal näher betrachtet habe.





Die Porta della Morte von Gicaomo Manzù, der dieses Portal auf Drängen seines Freundes, Papst Johannes XXIII., fertigstellte und darauf das Thema „Tod“ behandelte.


Auf der Rückseite des Portals ist die Eröffnung den zweiten Vatikanischen Konzils am 1. Okt. 1962 dargestellt und eine Widmung an seinen Freund und „consigliere iconografico“ Don Giuseppe de Luca, der auf der Darstellung der Konzilseröffnung ganz links außen abgebildet ist, wie er aus dem Bild sich entfernt (er war bereits gestorben, als Manzù noch an der Porta arbeitet).



Das Portal wurde am 28. Juni 1964 von Papst Paul VI. eingeweiht und außer ihm, einigen Diplomaten und Würdenträgern war niemand anwesend. L'Osservatore Romano hat nicht darüber berichtet. Seine „Feinde“ in der Kurie hatten ihre Fäden gezogen. Manzù, den Kommunisten, hat das schwer getroffen. Aber Papst Paul VI., Freund und Kenner der Arte Moderna, hielt zu ihm – er hat ihm auch weitere Aufträge erteilt – und es ist festgehalten, dass er Manzù damals mit einem herzlichen „Dio la benedica“ verabschiedet hat.
Dazu passt wieder einmal das "Pacem in terris" auf der Tafel der Porta della Morte auf der betende Johannes XIII. zu sehen ist. ;)

Das zweite Portal ist die Porta del Bene e del Male von Luciano Minguzzi, angefertigt anlässlich des 80. Geburtstags von Papst Paul VI. und an dessen Geburtstag am 26.9.1977 eingeweiht. Sie gehört neben der Tür im Mailänder Dom zu den wichtigsten Arbeiten Minguzzi und hat den Kampf des Guten gegen das Böse als Thema.
(In Ermangelung von aktuellen Fotos hier der Verweis auf Simones hervorragende Schilderung der Porta del Bene e del Male.)


Nach solchen Betrachtungen ging es etwas nachdenklich zurück ins Hotel, wo bei uns schon ein wenig „Aufbruchstimmung“ herrschte. Überlegungen, was für den letzten Tag noch „anfällt“ und es besteht noch Klärungsbedarf hinsichtlich unseres morgigen Transfers zum Flughafen Fiumicino, in dessen Terminal 3 es gestern gebrannt hat und seitdem das „totale Chaos“ dort herrschen soll was Abfertigung und Abflüge betrifft... Aber noch haben wir den den ganzen Tag vor uns. :)
 

Pasquetta

Triumphator
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Und dann will ich mal noch ein paar :~ ;) :twisted: Eindrücke dieses letzten Tages in Rom anbieten:


Der Bus der Linie 64, der uns zum Museo Nazionale Romano beim Bahnhof Termini bringen soll, ist natürlich wieder gedrängt voll und kommt im morgendlichen Verkehr nur stockend vorwärts. Umfallen kann hier drinnen keiner mehr, wie es mit den Taschendieben bei dieser Körperdichte aussieht wäre eine andere Frage. Aber die „Ausblicke“ auf Kleines am Rande sind immer wieder schön, wie hier auf die Fassade von S. Giovanni dei Fiorentini.


Im Palazzo Massimo konzentrieren wir uns erst einmal auf die Highlights des Museums.


Im Eingangbereich die kolossale Kultstatue der Minerva, bei der verschiedene Steinsorten Verwendung fanden, die „hier nicht aus dekorativen Gründen erfolgt, sondern aus dem Bestreben, die Kultstatue in ihrer Farbigkeit an die Polychromie klassischer Tempelbilder anzugleichen“, wie es im „Führer durch die öffentlichen Sammlungen Klassischer Altertümer in Rom“ von Wolfgang Helbig heißt. Wieder ein Beispiel, dass wir uns von der Vorstellung, die klassischen Statuen seien alle „in edler Einfalt und stiller Größe“ - wie der Archäologe Winckelmann meinte – marmorweiß gewesen.


Dieses Kultbild, das wahrscheinlich aus der frühen Kaiserzeit stammt, soll Minerva wohl nicht als Kriegsgöttin darstellen, sondern als friedlich, fast mütterliche Gestalt. Schon die Etrusker kannten eine Minerva mater und der Kaiser Caligula soll seine neugeborene Tochter einer römischen Tempelstatue der Minerva auf den Schoß gesetzt haben. War es vielleicht sogar diese hier? Wer weiß es...


Staunend, und auch bewundernd, stehen wir vor der über 2 m hohen Bronzestatue eines „hellenistischen Herrschers“ aus dem 2. Jh. v.Chr., der auch – da er auf dem Gebiet der ehemaligen Thermen des Kaisers Konstantin gefunden wurde – Thermenherrscher genannt wird. Wen er darstellen soll, darüber gehen die Spekulationen weit auseinander …


Das Stelldichein mit dem grandiosen Faustkämpfer, die Bronzestatue eines „geschlagenen Athleten“ aus dem 4. Jh. v.Chr., haben wir leider um ein paar Tage verpasst, er ließ sich und seine Blessuren in Florenz in der Ausstellung „Potere e pathos“ bewundern. Beide Bronzestatuen sind griechische Originale und wurden 1885 auf dem Quirinalshügel entdeckt. Sie sind von besonderer Bedeutung, da sich nur sieben griechische Bronzen dieser Qualität und Größe bis heute erhalten haben.


Eine kleine Ahnung von seinem „potere e pathos“ konnte man über das Video im Ausstellungsraum bekommen, ich war allerdings „eindeutig im Vorteil“, da ich den Faustkämpfer vom Quirinal vor einiger Zeit in einer Ausstellung des Liebieghaus in Frankfurt gesehen hatte. 8)

Das Untergeschoss des Palazzo Massimo birgt eine Sehenswürdigkeit der besonderen Art: die einzige römische Mumie die man bisher gefunden hat – aus „Pietätsgründen“ habe ich von ihr kein Foto gemacht jedoch von ihrem wunderschönen Sarkophag.


Aber der Reihe nach: Im Februar 1964 fand man bei Bauarbeiten im Gebiet der Via Cassia – Via di Grottarossa in einer Grube einen kostbar gearbeiteten Sarkophag in dem die Mumie eines Mädchens lag. Die perfekt erhaltene Mumie ist nach einer Methode einbalsamiert, die im Rom des 2. Jh. n. Chr. kaum praktiziert wurde, jedoch in Ägypten und im Mittleren Orient. Die besonderen Grabbeigaben, der Schmuck und die kostbaren Kleidung (aus Seide, die damals nur aus China kam), die das ungefähr 8jährige Mädchen trug (z.B. Ohrringe, die Mädchen nur bis zu diesem Alter trugen), lassen annehmen, dass es aus einer sehr reichen Patrizierfamilie stammte. Untersuchungen ergeben, dass das Kind von schwacher Gesundheit war und das zum frühen Tod geführt haben könnte (Lungenentzündung in Folge einer Tuberkulose und eine diffuse Osteoporose).



Neben dem kostbaren Schmuck und den kleinen Gefäßen aus Bernstein des Baltikums fand man als Grabbeigabe auch eine Gliederpuppe.


War sie das Lieblingsspielzeug des Mädchens oder – da die Puppe ein Diadem trägt – ist es ein sogenanntes „Sigillum“, ein kleines Bild einer Göttin, die das Kind im Jenseits beschützen soll? Auch das war damals verbreitet und Kinder spielten auch mit solchen Figuren. Die Art der Einbalsamierung lässt darauf schließen, dass die Familie sich zum Kult der ägyptischen Göttin Isis bekannte, der – wie „alles“ Ägyptische (denken wir an die Cestius-Pyramide) - zu jener Zeit im Römischen Reich weit verbreitet war.



Der Sarkophag, in dem das Mädchen lag, ist überaus sorgfältig gearbeitet und zeigt Jagdszenen mit Dido und Äneas, wie es Vergil in Aeneis 4 (in den Versen 130-159) beschreibt. Ich habe mal nachgelesen ;) und es passt. 8)


Auf der linken Seite des Frieses: Dido tritt aus dem Tor des Palastes – „in Gold geknotet das Haupthaar“ -
(dazu haben wir ja die wunderschönen, feinen goldenen Haarnetze gesehen)

Endlich tritt sie hervor, umdrängt von großer Begleitung.
Schön im Sidonergewand mit farbigem Saume gekleidet:
Lauteres Gold ihr Köcher, in Gold geknotet das Haupthaar,
Und von goldener Schnalle geschürzt ihr purpurnes Jagdkleid.

Und wird von Äneas erwartet

Er selbst, an Schönheit ragend vor allen,
Beut als Genoß Äneas sich dar und schließt seine Schar an. …
nicht säumiger wandelt
Jetzt Äneas; ihm strahlt Anmut vom erhabenen Antlitz.

Zwischen ihnen steht Eros mit der gesenkten Fackel, als Zeichen ihrer unglücklichen Liebe und rechts von Äneas zügelt ein Afrikaner das Jagdross der Dido.

in Gold' hochprangend und Purpur
Stampfet das Roß und knirscht mutvoll am beschäumeten Zügel …


In der Mitte des Frieses geht es auf zur Jagd, angeführt durch Iulus, der von einem Treiber mit „maschigen Garn“, also einem Fangnetz begleitet wird.

Rasch in dem Frühlicht geht aus dem Thor die erlesene Jugend;
Maschiges Garn, Jagdschlingen und breit vorblinkende Spieße …
Auch die phrygischen Männer zugleich, und fröhlich Iulus,
Wandeln einher.


Und an der rechten Seite des Frieses wird die Jagdszene dargestellt.

Als man klimmend erreicht des Gebirgs unwegsames Dickicht,
Siehe vom Scheitel der Klipp' hertaumelnde Gemsen der Wildnis
Stürzen die Höhen herab, von der andern Seite durchfliegen
Offene Felder im Lauf und drängen sich flüchtige Hirsche,
Bang in stäubende Rudel geschart, und verlassen den Bergwald.

(aus: Vergils Äneide von Vergil - Text im Projekt Gutenberg)

So schön und meisterhaft gearbeitet können griechische Sagen dargestellt werden.


Auch die Darstellung auf dem Deckelbord ist beachtenswert. Die Jagdszenen zeigen Jäger in einer felsigen Landschaft, mit sprudelndem Wasser. Sie stellen Raubkatzen nach – sind's Panther, Leoparden oder Löwinnen? Ganz schön heftig geht es zu: mit Speeren und Steinen versuchen die Jäger den wilden Tieren beizukommen während diese ebenso um ihr Leben und das ihrer Jungen kämpfen. Umsonst – ein Reiter hat eines der Kleinen in seinem Mantel und sprengt mit seinem Roß über die Planke auf das rettende Schiff.


Was für eine „Bilderflut“ auf dem Sakrophag eines 8jährigen Mädchens! 8O



Ist das der zweite Stock des Palazzo Massimo? Oder befinden wir uns in der Villa della Farnesina? Hier können wir einen Eindruck bekommen davon, wie begüterte römische Bürger zur Zeit Kaiser Augustus gewohnt haben. 1879 hatte man in Trastevere beim Bau der Ufermauern des Tibers bei der Villa Farnesina – deshalb der Name – die Reste einer luxuriösen Villa gefunden. Die Fresken, Mosaiken und Deckenstuckaturen verschwanden in den Magazinen und wurden Jahre später auseinandergerissen und in verschiedenen Museen in Rom ausgestellt. Seit 2010 sind sie nun im Palazzo Massimo wieder vereint und mehr noch, es wurden nach den Skizzen vom Fundort Räume rekonstruiert, die mit diesen farbenfrohen und doch feinen Wandmalereien und den schwarz-weißen Mosaiken aus der Zeit um 20 v.Chr. ausgestattet wurden.






Und wem könnte diese Villa am Tiber gehört haben? Wer hat in dem „purpurroten Zimmer“ geschlafen?

Ganz so leuchtend rot war das Zimmer in Wirklichkeit nicht ;),
aber ich in der "Eile" und mit meiner Fotografierkunst... :blush: :~

Helbig (Führer durch die öffentlichen Sammlungen der klassischen Altertümer in Rom) führt den Archäologen H.G.Beyen an, der vermutet, „ die Villa sei von Agrippa für Marcellus und Iulia anläßlich deren Hochzeit 25 v.Chr. begonnen, jedoch erst nach dem Tode des Marcellus und der zweiten Ehe Iulias mit Agrippa gegen 19 v.Chr. für ihn selbst vollendet worden“.



Und wenn wir jetzt schon in dieser prächtigen römischen Villa waren, dann liegt es nahe, dass wir auch „in den Garten gehen“.


Livia, die Gemahlin des Kaisers Augustus, hatte bei Prima Porta - ad Gallinas Albas - einen Landsitz.


Und jetzt spare ich mir die nähere Beschreibung und zitiere ich aus "Engelsbrücke - Römische Betrachtungen" von Luise Kaschnitz, die es so beschreibt:

Ort der Legende, wo der späteren Kaiserin Livia das weiße Huhn in den Schoß fiel, einen Lorbeerzweig im Schnabel – ein sehr fruchtbares Huhn, das unzählige Eier ausbrütete, ein sehr lebenskräftiger Lorbeerzweig, aus dessen Nachwuchs man die Kränze für ganze Generationen von triumphierenden Imperatoren schnitt. Der Livia war das Ereignis ein Omen für den glücklichen Ausgang des Feldzuges gegen Sextus Pompeius, in den Octavian gerade gezogen war. Der Ort ihrer ländlichen Rast blieb ihr lieb, und neben dem Lorbeerwäldchen und der Hühnerfarm ließ sie sich an eben dieser Stelle ein Landhaus bauen. Dort wurde ihr später die Statue ihres Mannes aufgestellt, Augustus in Siegergebärde (und mit reichgeschmücken Brustpanzer, die Statue befindet sich in den Vatikanischen Museen)


Und dort wurde ihr auch das Zimmer ausgemalt, der Märchengarten, der weit fort von den Taten der Menschen zu blühen scheint und der sich in eine unendliche Ferne verliert. … Ein Zäunchen aus Bambus, gekreuzte Stäbe, wie man sie noch heute in der Campagna findet, im Vordergrund und gleich dahinter, einen Grasstreifen einfassend, eine kleine marmorne Schranke, kaum einen halben Meter hoch.



In den Ausbuchtungen der Schranke, also noch diesseits der holden Verwilderung, ein paar Bäume von nordisch-fremdländischem Charakter, eine Kiefer, eine Eiche, vier Weißtannen, deren Nadeln auf der Unterseite silbern glänzen.
Dahinter beginnt der eigentliche Garten, … mit Zierpalmen, Obstbäumen und Ölbäumen, … der Lorbeer ist vielfach vertreten, …



Für die Früchte ist Erntezeit, rötlich und sonnengelb hängen sie in den zweigen, Zitronen und Granatäpfel deutlich erkennbar und von den Granatäpfeln einige schon aufgeplatzt, die volle Samenschale von den Vögeln bepickt.



Weiße Blumen, mohnähnlich …weiße und gelbe Margeriten … im üppigen Gras.... Vögel sind vollends frei, picken im Gras, sitzen mit ihren weißen und leuchtend gelben Brüsten auf den Bäumen oder schwingen sich, schwarzgeflügelt, jedes Federchen gespreizt, zum Himmel empor. …


Ein irdisches Paradies, gemalt an die Wände eines Zimmer ...“
das neben den schon erwähnten Bäumen und Pflanzen noch viele andere zeigt: Quittenbäume und Akanthussträucher, Oleander und Dattelplamen, Rosen, Veilchen und Iris...


Man wird nicht müde zu schauen und zu entdecken – Sommerfrische in einem römischen Garten.




 
Zuletzt bearbeitet:

Pasquetta

Triumphator
Stammrömer
Nachdem mir in meinem "Dussel" die ganze "Baustellenarbeit" heute Abend ein- bzw. abgestürzt ist x(, belasse ich es für jetzt damit und lade später wieder zu einem Spaziergang durch den Palazzo Massimo ein ;).
Pasquetta
 

Angela

Augustus
Teammitglied
Moderator
Stammrömer
Rom-Reise
15.03.2020-22.03.2020
Das tut mir leid, Pasquetta!
Deine bisherigen Impressionen vom Palazzo Massimo habe ich mit viel Interesse und Freude verfolgt und hoffe, Du wirst trotz der Panne mit gewohntem Enthusiasmus weiter berichten. :thumbup: :nod:
Deine Bilder von dern Fresken im Haus der Livia sind wunderschön! Auch für mich ein Ort, den ich immer wieder gerne besuche.
 

Ludovico ROB

Triumphator
Teammitglied
Moderator
Forum-Sponsor
Stammrömer
Gerne folge ich deinem Spaziergang durch den Palazzo Massimo, für mich der sehenswerteste Teil des antiken Nationalmuseums. Im letzten Jahr konnte ich bei unserem zweiten Besuch die kunstvolle Bronzeplastik des Faustkämpfers bewundern und ausgiebig fotografieren. Ich hoffe, dass du uns bald weiter durch das Museum führen wirst.
 

nummis durensis

Censor
Stammrömer
Tolle Detailarbeit in Wort und Bild, Pasquetta :thumbup::thumbup::thumbup:

Ansonsten kann ich mich auch nur Ludovicos Worten anschliessen: P. Massimo ist das highlight des musealen Quartetts... und einer der ganz wenigen Museen, die noch ein Münzkabinett pflegen :D
 
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