Pasticcio romano - römisches Durcheinander

FestiNalente

Censor
Stammrömer
Ich merke gerade, dass wir dringend ein Forums-T-Shirt brauchen.

Das gibt es doch schon :lol: :~

In etwa ein solches:
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Danke ihr Lieben, genau so oder so ähnlich - gibt es nicht auch eines mit "in dubio pro secco"-Aufdruck :roll: ?​
Bitte:
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Pasquetta

Triumphator
Stammrömer
Ich merke gerade, dass wir dringend ein Forums-T-Shirt brauchen.

Das gibt es doch schon :lol: :~

Danke ihr Lieben, genau so oder so ähnlich - gibt es nicht auch eines mit "in dubio pro secco"-Aufdruck :roll: ?​

:thumbup: Super :thumbup: danke für die "Eigenreklame" ;).

@ tacitus
Danke für diesen Teil! Wäre man doch auch so lang schon mit der urbs vertraut!


Bitte, gern geschehen - und ich bin sicher, es gelingt Dir, irgendwann auch lange mit der urbs vertraut zu sein;). Ich merke bei mir, dass ich doch schon oft sage: "wie war das doch früher so schön, als ...". Aber das schmälert meine "Rom-Sehnsucht" in keinster Weise, schade nur, dass ich nicht so oft dort sein kann wie ich möchte :~ (aber so geht es wohl jedem, der an der Romitis erkrankt ist :twisted:).
Gruß
Pasquetta
 

Ludovico ROB

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Stammrömer
Liebe Pasquetta,
deine Passage zum Cimitero Acattolico ist sehr stimmungsgeladen. Sie vertieft meine vielen und auch jungen Eindrücke von diesem friedvollen Ort in Rom. Vielen, vielen Dank dafür. Leider passt die hell gewordene Pyramide nun nicht mehr so ins Bild.
 

Tscharlie

Optio
Stammrömer
Liebe Pasquetta,

vielen Dank für Deine Eindrücke. Sie zeigen mir, dass ich an viele Orte (die ich im Januar schon 'abgehakt' hatte ) nochmal muss, um sie mit anderen Augen und anderem Wissen zu sehen.

Viele Grüße
Tscharlie
 

Pasquetta

Triumphator
Stammrömer
Vielen Dank für Eure Rückmeldungen, die ich zwar schon gelesen hatte, aber erst jetzt dankend und schriftlich "würdigen" kann. Ich freue mich, dass Ihr mit dabei wart auf dieser Tagesetappe. Die restliche nach S. Paul vor den Mauern folgt in Kürze ;).
Pasquetta
 

Pasquetta

Triumphator
Stammrömer
Und weiter geht es -
per Bus, der uns schnell schnell entlang der Via Ostiense nach St. Paul vor den Mauern bringt – diese Basilika gehört zu den vier Papstbasiliken und ist eine der sieben Hauptkirchen Roms.


Diese Fotos stammen von einer früheren Reise ;).

Die erste Kirche, die dann schon bald erheblich vergrößert wurde, ließ Kaiser Konstantin über dem Grab des Apostels und Märtyrers Paulus errichten. Dieser war, da römischer Bürger, außerhalb der Stadtmauer mit dem Schwert hingerichtet – der Legende nach nicht weit von hier in Tre Fontane – und dann offenbar weiter stadteinwärts in einer Nekropole an der nach Ostia führenden Via Ostiense beigesetzt worden. Zu all dem liest man immer wieder „vermutlich“, „der Legende nach“, „man nimmt an“, „es ist nicht erwiesen“.

Unter dem Papst Zephyrinus (198-217) lebte in Rom der Presbyter Gaius. Diesen zitiert Eusebius von Caesarea im 3. Jh. mit dem Hinweis, dass Gaius erwähnt habe „Ich kann dir die Tropaia (Siegesdenkmal, von Eusebius als Hinweis auf Grabstätten gedeutet) der Apostel zeigen. Sowohl wenn du zum Vatikan als auch wenn du auf der Straße nach Ostia gehst, wirst du die Tropaia von jenen finden, die diese Kirche gegründet haben.“


Man betritt den Vorhof, der eine riesige Säulenhalle mit Garten ist und sieht sich der ebenfalls riesigen Paulus-Statue gegenüber und dem goldglänzenden Mosaik der Fassade. Es braucht immer eine Weile, bis ich wieder Zugang zu dieser Kirche finde. Liegt es daran, dass sie mir beim ersten Anblick immer so „neu“ vorkommt? S. Paolo fuori le mura wurde durch ein Großfeuer in der Nacht vom 15. auf den 16. Juli 1823 fast vollständig zerstört. Außer dem Querschiff und einer Seite des Kirchenschiffes blieb nicht stehen, gerettet werden konnten das Ziborium, Teile des Triumphbogens mit dem Mosaik und der Kreuzgang. Durch Zuwendungen aus der ganzen Welt konnte die Basilika einigermaßen identisch auch unter Einbeziehung der vom Feuer verschonten Teile wieder aufgebaut werden.


Heute schaue ich mir einmal genauer die Portale der Kirche an, da es ja zum Paulus-Jahr 2008/9 ein neues gegeben hat, die Porta Paolina, die am 28.6.2008, am Vorabend des Festes der hl. Peter und Paul, von Papst Benedikt XVI. geöffnet wurde.


Auf der Porta Paolina sind logischerweise einige Szenen aus dem Leben des Apostel Paulus dargestellt:

die Steinigung von Stephanus, bei der Paulus alias Saulus auf die abgelegten Kleider von Stephanus „aufpasste“ (Apg 7,58 )

das Damaskus-Erlebnis (Apg 9,3ff),

die Begegnung mit Petrus, den er mehrmals in Jerusalem getroffen hatte, vielleicht ist hier das Apostelkonzil dargestellt? (Apg 15,4)

und sein Tod durch Enthauptung.


Auf den grünlichen Bronzeflügeln des mittleren Portals sind ebenfalls Episoden aus dem Leben der Apostelfürsten Petrus und Paulus abgebildet: von ihrem Wirken in der jungen Kirche bis hin zu ihrem Märtyrertod.




Auf dem linken Flügel von unten nach oben:
1) Petrus bei der Taufe in den Katakomben
2) Die Gründung der römischen Kirche
3) Die Übergabe der Schlüssel
4) Das Domine Quo Vadis
5) Die Kreuzigung des Petrus

Auf dem rechten Flügel von unten nach oben:
1) Die Ankunft von Paulus in Rom
2) Predigt von Paulus an die Römer
3) Die Bekehrung des Paulus
4) Die Bekehrung des Hauptmanns
5) Die Enthauptung von Paulus


Das Portal entstand 1931 und Künstler wie auch der damalige Abt des Benediktinerklosters St. Paul waren der Kultur- und vermutlich auch sonstigen Politik des faschistischen Regimes nicht abgeneigt, was die „Embleme Roms und des Faschismus“ in den oberen Feldern des Portals erklären könnte.


Rechts vom Hauptportal befindet sich die neue Porta Santa aus vergoldeter Bronze, die anlässlich des Heiligen Jahres 2000 eingesetzt wurde und Bilder aus den Evangelien, dem Leben des Apostel Paulus und den Papst im Gebet mit den Gläubigen zeigt.





Als Einladung und Zusage steht auf dem Portal „Ad sacram Pauli cunctis venientibus aedem – sit pacis donum perpetuoque salus“ - allen, die in diesen heiligen Tempel des Paulus kommen, sei das Geschenk des Friedens und des immerwährenden Heiles zugesagt.​


Und dann, wenn ich diesen riesigen Kirchenraum betreten habe, stellt sich auch das Gefühl wieder ein, dass ich fast „überwältigt“ bin von dieser Kirche, ihrer Größe und ihrer „Leere“. Die Schritte werden nach vorne zur Confessio und zum Apsismosaik gelenkt.


Nach mehrjährigen Grabungen gaben vatikanische Archäologen am 6. Dezember 2006 bekannt, dass sie unter der Basilika einen altrömischer Sarkophag entdeckt hatten. Er wurde unter einem Epitaph gefunden mit der Aufschrift „Paulo Apostolo Mart“ (‚dem Apostel und Märtyrer Paulus‘). Die Knochenreste, die man im Sarkophag fand, wurden durch eine Untersuchung mit der Radiocarbon-Methode auf das 1. bis 2. Jahrhundert datiert, wie auch die mit Gold verzierten Stoffreste. 2009 sprach Papst Benedikt XVI. von einer wahrscheinlichen Bestätigung, „dass es sich um die sterblichen Überreste des Apostel Paulus handelt“. Vor dem Altar kann man seitdem zum Sarkophag hinabsteigen, der hinter einem Fenster sichtbar ist, um am Apostelgrab zu verweilen. Ich sehe weniger Gläubige, die hier beten wollen als eher neugierige und „was ist das?“-fragende Touristen, die daran vorbei stolpern.


Das Mosaik des Triumphbogens, der noch aus der ursprünglichen Kirche stammt, zeigt im römisch-byzantinische Stil einen segnenden Christus in der Sonnengloriole, dem sich die 24 Ältesten der Apokalypse nähern, über ihnen schweben die Evangelistensymbole und neben dem Bogenansatz stehen die hl. Petrus und Paulus. Leider wurde das frühchristliche Mosaik im 18./19. Jh. etwas „entstellend“ restauriert.


Auch wenn das Apsismosaik aus dem frühen 13. Jh. eine Kopie ist, bin ich doch jedes Mal wieder angetan von seinem Glanz, in dessen Mitte der als Pantokrator zwischen Aposteln sitzende Christus thront. Ist es der Unterschied zwischen diesem Christus und dem so streng wirkenden auf dem Triumphbogen der mir dieses goldene Mosaikbild näher sein lässt?


Ein weiteres Glanzlicht dieser Basilika ist der 5,60 m hohe Osterleuchter, geschaffen Ende des 12. (u.a. von Pietro Vassalletto, der auch am Kreuzgang gearbeitet hat).


Dieses kostbare Meisterwerk aus Marmor erinnert an die römischen Triumphsäulen. Während jedoch darauf die Kriegszüge und römischen Siege gezeigt werden, durch die die Kaiser Ruhm erlangten, zeigt diese Bildsäule einen anderen Sieg: die Passion und Auferstehung Jesu, Sieg über Tod und Sünde. "Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben." (Joh 8,12) ist das Thema der Darstellungen.

(Leider sind die paar restlichen Fotos vom Osterleuchter total unscharf geworden. :blush:)

Symbolische Figuren bilden den Sockel (die babylonische Hure zwischen Löwen mit menschlichen Köpfen und Fabelwesen) und aus Weinranken und Blattwerk erwächst der „Lebensbaum“ mit den Bildern aus dem Osterfestkreis (die Leidensgeschichte, Auferstehung und Himmelfahrt Christi). Der Brand, dem die Basilika zum Opfer fiel, verschonte diesen Leuchter und obwohl ihn niemand mehr in der neuen Basilika stehen haben wollte und er jahrelang unbeachtet in einer Ecke des Kreuzgangs lag, kehrte er irgendwann doch an den Platz zurück, der ihm gebührt um mit der Osterkerze die Osterfreude zu verkünden. Und gleichzeitig gibt er mit dem Baldachin und den Mosaiken eine Ahnung vom Glanz der alten Basilika.

Lange könnte man hier sitzen und schauen – aber die Zeit ist fortgeschritten und irgendwo scheinen schon die Kirchenschlüssel zum Abschließen zu klappern...


Noch ein Blick nach oben zu dem Mosaikband mit den Porträts aller bisherigen Päpste – die bis zum 16. Jh. nach der Phantasie dargestellt wurden und erst ab dann realistische Porträts als Vorlage haben, wie man beim jetzigen Papst gut erkennen kann. Und wieder gibt es zu diesen Medaillons eine kleine Geschichte: der Legende nach kommt Christus wieder, wenn kein Platz mehr ist für ein weiteres Papstbild. Nachdem unter Johannes Paul II. nur noch drei freie Plätze waren hat man sich nun beeilt, weitere zu schaffen und 25 neue Medaillons angelegt. Also 3 + 25 – 2 = 26 Papstbilder können zu den 266 bereits vorhanden noch hinzugefügt werden und dann wird man weitersehen ...

Den Weg zur richtigen Bushaltestelle für die Rückfahrt zu finden war gar nicht so einfach, erst als wir einmal um's „Karree“ gelaufen sind hat es geklappt und das auch erst durch die Unterstützung von zwei nette Damen und einem älterer Priester, die bei einem Schwätzchen zusammenstanden und uns die richtige Auskunft gaben. Aber so ein bisschen und auch noch weiteres „Durcheinander“ nehmen wir gut gelaunt in Kauf und landen irgendwann an der Tiberinsel, auf die die Ponte dei Quattro Capi, auch Ponte Fabricio genannt, führt.



Der Pons Fabricius ist die älteste noch im Ursprungszustand erhaltene Brücke Roms, erbaut 62 v. Chr., heute zwar restauriert, aber im Kern original. "Brücke der vier Köpfe" heißt sie wegen der zwei Pfeiler, die vier Köpfe tragen - darstellend Herkules oder Janus :? - wer, das ist hier die Frage ;). So wie darüber, könnte man auch über den Mädchenkopf, eingemauert im Caetani-Turm, rätseln...


Auf der Tiberinsel befindet sich neben dem Krankenhaus der Fatebenefratelli auch das Kloster dieser Barmherzigen Brüder und die Kirche des hl. Bartolomäus in ihr werden die Gebeine des Heiligen aufbewahrt.

Die Kirche ist zwar auch sehenswert, aber heute besuche ich sie nicht. Außerdem habe ich hier diesbezüglich wieder "Heimvorteil": auch Frankfurt am Main hat eine Bartholomäus-Kirche, den Kaiserdom der Stadt, in dem sich Bartholomäus' Schädeldecke 8O als wertvolle Reliquie befindet.


Aber jetzt geht es erst einmal hinein nach Trastevere und durch die kleinen Gassen hinüber zur Trattoria de Gli Amici wo die gute "leibliche Stärkung" ein weiteres dazu beitrug, dass wir einen guten Tag abschließen und einen gelungenen Abend in Trastevere verbringen konnten.


"Die Freunde" der Comunità di Sant'Egidio betreiben gemeinsam dieses ansprechende Lokal. Auf den T-Shirts stand "Capace? Idoneo? Abile? AMICO" also: „Jeder ist fähig, geschickt und geeignet für den Teil seiner Aufgabe - und wir sind alle Freunde“. So hat uns der "capocameriere", der so ein bisschen den Raum "im Blick" hatte, ihr Motto erklärt. Und das soll wohl heißen: jeder hat seinen Platz in der Gesellschaft, wir gehören alle zusammen, egal ob „behindert“ oder „normal“. Und das ist doch mal ein gutes Motto für einen, diesmal etwas geruhsameren Tag im Durcheinander der quirligen Stadt Rom.
 
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Simone-Clio

Augustus
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Deinen Berichtsteil zu Sankt Paul vor den Mauern habe ich eben mit Genuss betrachtet und gelesen. Ein Besuch dort ist wahrhaftig immer wieder ein Erlebnis!
 

Pasquetta

Triumphator
Stammrömer
Deinen Berichtsteil zu Sankt Paul vor den Mauern habe ich eben mit Genuss betrachtet und gelesen. Ein Besuch dort ist wahrhaftig immer wieder ein Erlebnis!

Das freut mich, liebe Simone, dass Du auch mit nach S. Paul vor den Mauern mitgegangen bist, sicher hast Du dabei viel Dir Bekanntes wieder entdeckt ;).

Nun soll es gleich auch weitergehen, diesmal "rund um St. Peter".
 

Simone-Clio

Augustus
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Stammrömer
Das freut mich, liebe Simone, dass Du auch mit nach S. Paul vor den Mauern mitgegangen bist, sicher hast Du dabei viel Dir Bekanntes wieder entdeckt ;).

Das stimmt, aber etwas mir noch Unbekanntes habe ich nicht entdeckt. ;) In die Umgebung von San Pietro folge ich Dir ebenfalls sehr gerne!

Bis dann
Simone
 

Pasquetta

Triumphator
Stammrömer

Heute ist „Vatikantag“ mit vier „Stationen“. Der schöne, sonnige Morgen beginnt mit Vogelgezwitscher und Möwengeschrei. Später am Tag sollte uns auch noch das Gekrächze der grünen Papageien begleiten. Heute muss es zügig und früh los gehen, wir haben um 9 Uhr Termin zur Führung an der

1. Station: Vatikanische Gärten

Am Petersplatz sammelten sich bereits eine große Menge Kinder, Jugendliche und Erwachsene und noch viel mehr kamen uns auf unserem Weg Richtung Vatikanische Museen entgegen. Sie gehören alle einer „sportiven Gruppe“ an, was man an ihrer einheitlichen Kleidung erkennen konnte. Die„Società Sportiva Lazio“ hat heute in der Audienzhalle eine Begegnung mit Papst Franziskus.

Wir mussten uns bald einreihen in die Menschenschlange, die sich Richtung Museen bewegte, hatten jedoch dank des gebuchten Termines eine „Extra-Schlange“ und keine Wartezeiten zu befürchten, so dass wir zügig auch durch die Sicherheitskontrolle kamen und in dem ganzen „Gewusel“ am Treffpunkt unsere Führerin Frau sowieso, eine recht viel aber verständlich deutsch sprechende Italienerin, finden konnten.

Blick vom Ausgang in den VM zu den Gärten:
Monte Mario mit dem Astronomischen Observatorium Rom

Noch ist es relativ früh am Morgen und wir sind noch einige der wenigen, die in den Vatikanischen Gärten unterwegs sind – das sollte sich jedoch bald ändern, aber noch können wir Gartenanlagen und Ausblicke, Ruhe und frische Lust gut genießen.


Als Ruhe- und Meditationsort des Papstes waren diese Gärten schon damals gedacht, als sie Ende des 13. Jh., als der päpstliche Wohnsitz vom Lateran in den Vatikan verlegt wurde, angelegt wurden. Waren sie in den Anfangszeiten auch noch zum Teil für die Versorgung zuständig – Gemüse und Obst wurde angebaut und sogar Getreide, das in der vatikaneigenen Bäckerei verarbeitet wurde -, so wurden sie im Laufe der Jahrhunderte eine weitläufige, abwechslungsreiche, hügelige Gartenanlage, deren 22 Hektar heutzutage von 27 Gärtnern täglich gehegt und gepflegt wird.


Wir beginnen unseren Rundgang bei der Fontana della Zitella. Wo früher ein Orangengarten und Hühnerställe waren gibt es jetzt Gewächshäuser und Geräteschuppen, gepflegte Wege, gesäumt mit mehr oder weniger antiken Skulpturen.


Auch ein „Fensterblick“ in das Museo Paolino, einen unter Papst Paul VI. entstandenen Erweiterungsbau der VM, zeigt Schönes:


Bodenmosaiken aus den Caracallathermen.
Wie es dem ursprünglichen Ort angepasst war, sind togabekleidete Kampfrichter und nackte Athleten mit charakteristischen Attributen in Händen dargestellt.



Unser Weg führt uns durch den Garten, der im „englischen Stil“ wuchert, mit Statuen besetzt ist und auch mal ein Brunnen leise plätschert,



hinauf bis zum Turm in dem der nach der Gründung des Vatikanstaates 1929 eingerichtete Radio Vatikan mit der Sendezentrale 'Marconi' untergebracht ist.


Studios und Verwaltung sind aus Platzgründen jedoch schon lange an die Via della Conciliazione verlegt worden. Wie in einer Dokumentation zu „75 Jahre Radio Vatikan“ nachzulesen ist, wurde der „Radiopionier“ und Nobelpreisträger Guglielmo Marconi bereits vier Tage nach der Unterzeichnung der Lateranverträge offiziell mit der Planung des Vatikansenders beauftragt. “Marconi betrachtete diese Station in den vatikanischen Gärten als die Krönung seines Lebenswerks und nahm für seine Arbeit keine Bezahlung an.“ Weiter heißt es:
„1930/31 meldete sich der Vatikansender unter der Tradition gewordenen Ansage "Laudetur Jesus Christus" mit Musik und Versuchsprogrammen in Englisch und Italienisch. Am Nachmittag des 12. Februar 1931 war dann die offizielle Eröffnung. Um 15.30 Uhr erscheint Marconi und testet die Ausrüstung ein letztes Mal. Es gelingen Funkverbindungen nach New York, Melbourne und Quebec. Um 16.20 Uhr fährt Pius XI. vor. Guiseppe Gianfranceschi und Guglielmo Marconi begleiten den Papst zum Mikrophon. Morse-Zeichen kündigen den Sendebeginn an: "In nomine Domini. Amen. Im Namen des Herrn. Amen." Es ist 16.49 Uhr, als Papst Pius XI seine Ansprache Omni creaturae beginnt. Sie ist ganz in Latein verfasst und betont den weltweiten Anspruch des Evangeliums auf die Stadt und den Erdkreis.“
So war das also in den grauen Vorzeiten des Radios. Eine neue Sendezentrale wurde unter Papst Pius XII. außerhalb Roms in Santa Maria di Galeria gebaut und 1957 eingeweiht.


Unser schöner Weg führt uns weiter zu einem der höchstgelegenen Teile der Vatikanischen Gärten (71 m über dem Meeresspiegel!) und zur Lourdesgrotte, eine massstabgetreue Nachbildung jener Mariengrotte in Lourdes und 1902 Geschenk der Franzosen an Papst Leo XIII., eingerahmt mit glänzend grüner Jungfernrebe - wie passend -, eine Art Wilder Wein. Der Altar in der Grotte wurde Papst Johannes XXIII. geschenkt.


Wer sich jetzt schon ausruhen will, kann dies hier in der Nähe tun, auf so schönen "Sitzgelegenheiten" ;).




Wir spazieren jedoch weiter und haben so etliche Marienskulpturen, -altäre und -denkmäler gesehen; für den Marienmonat Mai passend und ein schönes Augenmerk.


Wie z.B. die moderne Skulptur der Madonna von Fatima mit den drei Hirtenkindern, ein Werk des Amerikaners Frederick Shradi. Es verweist auf das Datum vom 13. Mai 1981, der Tag, an dem auf den damaligen Papst Johannes Paul II. während der Generalaudienz auf dem Petersplatz ein Attentat verübt wurde. Er wurde durch zwei Schüsse lebensgefährlich verletzt und war später immer davon überzeugt, dass ihn die Muttergottes von Fatima gerettet hat. Der 13. Mai ist der Jahrestag der Marienerscheinungen, die am 13. Mai 1917 in dem portugiesischen Wallfahrtsort begannen.



Ein anderes sehr einprägsames Marienbild ist das der Madonna della Misericordia von Savona, dass Papst Johannes Paul II. von der Diözese Savona geschenkt wurde.


Dargestellt ist Maria, wie sie am 18. März 1536 einem Bauernsohn aus der Gegend von Savona in Ligurien am Fluss Letimbro erscheint und ankündigt, dass sie ihren Sohn für die Menschen um Barmherzigkeit anflehen wird. Diese große azurblaue Keramik ist eines der ganz wenigen Kunstwerke einer Frau für die Vatikanischen Gärten (ich fand nur noch einen Hinweis auf eine Frau, die eine Statue für die Gärten geschaffen haben soll). Die Künstlerin Renata Minuto hat es angefertigt und es befindet sich in einer Nische an der Mauer beim Turm des Radio Vatikan.



Noch sind wir ziemlich „allein“ unterwegs in dieser Ecke der Gärten des Kirchenstaates, nur ein paar weiß gekleidete Nonnen freuen sich mit uns an der schönen Natur und lassen sich gerne neben dem nächsten Marien-Monument ablichten.


Antonio Ponzanelli hat mit diesem Denkmal aus weißem Marmor das „Wunder von Guadalupe“ aus dem Jahre 1531 dargestellt: der Indio Juan Diego Cuauhtlatoatzin (was für ein Name!) zeigt dem Erzbischof von Mexiko das Abbild der Muttergottes, das sich auf wundersame Weise in seinen Mantel eingeprägt hatte.



Die Katholiken Mexikos schenkten dieses Denkmal im September 1939 dem damaligen Papst Pius XII.



Und schon befinden wir uns am „Vatikanischen Airport“ oder besser am „Elioporto“, dem Hubschrauberlandeplatz des Vatikans, den Papst Paul VI. anlegen ließ. Von hier aus startete der „Reisepapst“ Johannes Paul II. zu seinen vielen Reisen innerhalb Italiens oder zu den Flughäfen Ciampino und Fiumicino, von wo er die Pastoralreisen in alle Kontinente antrat. Von hier aus flog Benedikt XVI. am 28. Februar 2013, nachdem er „auf das Amt des Bischofs von Rom, des Nachfolgers Petri“ verzichtet hatte und zurückgetreten war, nach Castel Gandolfo.


Den kleinen „Flugplatz“ ziert die Statue der von Johannes Paul II. sehr verehrten „Schwarzen Madonna“ von Tschenstochau in Polen. Das dortigen Klosters Jasna Góra schenkte Papst JPII diese bronzene Marienstatue mit dem Jesuskind im Arm und einer goldenen Krone auf dem Haupt als Dank für all das, was der Pontifex für sein Heimatland getan hatte.


Wir laufen – nicht mehr ganz so allein – lange Alleen entlang, schnuppern den Duft der mächtigen Kampferbäume und staunen über die vielen Olivenbäume,



die zum Teil Jahrhunderte alt sind und Geschenke an den Papst ob aus Apulien, der klassischen italienischen Region der Olivenhaine, wo derzeit das große Olivenbaumsterben stattfindet, ob zum Heiligen Jahr 2000 oder ob aus Israel, deren Regierung als Symbol für die "blühenden" Beziehungen zwischen dem Vatikan und dem jüdischen Staat einen vierhundert Jahre alten Olivenbaum aus der Gegend von Nazareth schenkte. Papst Benedikt XVI. hatte auf seiner Israelreise bewundernd vor einem alten Olivenbaum verweilt und den Wunsch geäußert, ein ähnlicher Baum möge die Vatikanischen Gärten segnen (oder vielleicht eher schmücken). Und dieser Wunsch wurde ihm erfüllt.

Madonna del Divino Amore


Wir sind nun am am Torre di San Giovanni angekommen. Papst Johannes XXIII., il papa buono, hat diesen ehemaligen Verteidigungsturm in der Leoninischen Mauer restaurieren lassen. Über dem Eingang sehen wir zwischen Johannes dem Evangelisten und Johannes den Täufer das Wappen von Johannes XXIII.:


ein Turm zwischen zwei Lilien und darüber der „venezianische“ Markus-Löwe.

Il Papa buono zog sich gerne hierher zurück, hat aber – wie immer wieder in netten Anekdoten berichtet wird – den Kontakt zu den Gärtnern und Arbeitern in seine „Einsiedelei“ gesucht. Im Gegensatz zu Papst Pius XII., der täglich, bei Wind und Wetter, Regen oder Sonnenschein, ebenfalls die kleine Allee beim Torre S. Giovanni zum Spaziergang aufsuchte, nur dass zu dieser Stunde dann kein Mensch sich dort aufzuhalten hatte und der Weg vorher von einem der päpstlichen Begleiter von jedem Steinchen frei gekehrt worden war... damit der päpstliche Fuß sich nicht anstoße...


Bei der Restaurierung des Turmes wurden auch Wohnräume eingerichtet, die Johannes XXIII., da er in der heißen Jahreszeit nicht gern nach Castel Gandolfo fuhr, als Sommerresidenz nutze. Später waren auch immer wieder hochrangige Gäste des Vatikans dort untergebracht.



Bevor sich uns von einer der Terrassen wieder ein grandioser Blick auf die Kuppel des Petersdom bietet – auch dafür sind die Gärten gerühmt – erst einmal eine ganz andere Ansicht:


Die „Jungfrau von Lujan“
und der „Arbeiterchristus“.

(Foto in der Eile und Gegenlicht leider nichts geworden ;))

Beide Werke hat Alejandro Marmo geschaffen, ein Künstler aus Buenos Aires, der vor allem mit Abfallmaterial arbeitet. Die Vergine di Lujan ist die Patronin Argentiniens. Alejandro Marmo, ein Freund von Papst Franziskus, hat aus verrosteten Gittern, Ketten und anderem Alteisen, das er in den Remisen auf dem päpstlichen Gutshof in Castel Gandolfo gefunden hat, diese Marienstatue und das Kreuz gefertigt in Zusammenarbeit mit argentinischen Jugendlichen aus schwierigem sozialen Milieu.



Auf unserem weiteren Weg – bereits zu fortgeschrittener Stunde des Vormittags – laufen wir auch vorbei an der Milleniums-Glocke für das Heilige Jahr 2000, die auf dem Petersplatz das Heilige Jahr eingeläutet hatte und nach Ablauf dessen hier aufgestellt wurde. Die „Päpstliche Glockengießerei Marinelli“ aus der Provinz Molise hat sie nach ihrer jahrhundertealten Tradition angefertigt. Seit mindestens 1300 werden in dieser, dem Weltkulturerbe der Unesco angehörenden Glockengießerei Glocken – auch für den Kirchenstaat und noch immer mit mittelalterlicher Technik - hergestellt.



Bevor wir zu den „italienischen Gärten“ kommen, dessen geometrische Hecken und kugelförmige Buchsbüsche schön akkurat geschnitten sind, passieren wir an der Via Pio XI. - ja, auch in den Vatikanischen Gärten gibt es Straßennamen und -schilder - noch das kleine Standbild der “Virgen de la Caridad del Cobre”, der Schutzpatronin Kubas.


Am Sockel des Standbildes ist die Legende der Auffindung des Gnadenbildes angedeutet: zwei Ureinwohner Kubas und ein zehnjähriger Sklave afrikanischer Abstammung finden 1612, als sie auf der Suche nach Salz sind, die leuchtende Marien-Statue im Wasser der Bucht von Nipe. Sie trägt die Aufschrift „Jungfrau der Nächstenliebe“ und wird bald nach El Cobre zu einer Kupfermine gebracht, wo sie den Beinamen „del Cobre“ („vom Kupfer“) erhielt. Sie wurde zum Symbol der Befreiung der Karibikinsel von der Sklaverei und dem Kolonialismus.



Auch auf dem Weg zum Französischen Garten hören wir immer wieder das laute Gekreische und Gezeter der vielen grünen Mönchssittiche, die sich in den Zedern des Gartens angesiedelt und rasch vermehrt haben. Auch sie sollen vor längerer Zeit einmal ein Geschenk an den Papst gewesen sein und sich hier, dank der guten Möglichkeiten was Klima und Nahrung anbelangt, sehr schnell „eingelebt“ haben.


Beim Giardino alla francese, der im Gegensatz zum streng geometrisch angelegten italienischen Garten mit Blumen und blühenden Sträuchern bepflanzt ist, gibt es auch einen Rosengarten mit wahrscheinlich alten Rosensorten, da viele davon wunderbar duften.





Von dort schaut man auch hinab auf das ehemalige Kloster „Mater Ecclesiae“, dem jetzigen Wohnsitz des zurückgetretenen Papstes Benedikt XVI. In dem Gebäude waren fast zwanzig Jahre lang verschiedene Schwesterngemeinschaften untergebracht. Die Klausurnonnen versorgten den päpstlichen Haushalt mit biologisch angebautem Gemüse aus dem angrenzenden Garten, sorgten für den Blumenschmuck der Klosterkirche und kochten Orangenmarmelade von den hauseigenen Früchten ein. Des weiteren sollten sie sich im täglichen Gebet „in besonderer Weise der Fürbitte für die Kirche, den Papst und die römische Kurie widmen “.
Natürlich schauen wir, welche Fenster geöffnet sind oder welche Fensterläden geschlossen – in der Bibliothek brannte Licht – und auch vom großen Adlerbrunnen aus hat man Benedikts neue Bleibe im Blick.






Fast 100 Brunnen gibt es in den Vatikanischen Gärten und alle bekommen sie ihr Wasser vom nördlich von Rom gelegenen Braccianer See. Der größte Brunnen im Garten ist sicherlich der barocke Adlerbrunnen, erbaut von Giovanni Vasanzio, einem Holländer, der an etlichen Brunnen in Rom gearbeitet hat.


Der Adler, der über der der Felsenhöhle thront, ist das Wappentier der Borghese-Familie und damit von Papst Paul V. der diesen Brunnen anlegen ließ. Kühle Wassermassen fallen in das Brunnenbecken, in dem eine bis zum Hals abgetauchte Nymphe aus Stein sich vergnügt.


Bevor wir die Gärten wieder verlassen passieren wir noch deren ältesten Teil, der bereits Ende des 13. Jh. angelegt wurde.


Wir kommen an der „geraden Linie in Nord-Süd-Richtung“ vorbei, dem Meridiano di Roma, der vom Monte Mario herab an der Viale Vaticano auf das Gebiet des Vatikans trifft, durch die Gärten verläuft und nahe des Vatikanischen Bahnhofs den Vatikanstaat wieder verlässt um über die Via Aurelia Richtung Villa Doria Pamphili weiter zu „entschwinden“.

Wir machen einen kurzen Fotostopp am Brunnen des Sakraments, ebenfalls von dem Holländer Vasanzio gebaut, der von hoch oben bewacht wird von zwei „furchterregenden“ Adlern, dem Wappentier des Borghese-Papstes.


Der Brunnen wird gerade gereinigt, so dass wir das Wasserspiel des (ebenfalls Borghese-) Drachens nicht sehen konnten, das angeblich dem Brunnen den Namen gegeben hat: es bildet eine Monstranz mit Kerzen.

Eines der am besten erhalten Gebäude der Gärten ist die „Casina di Pio IV“, das unter Pius IV. 1561 vollendet wurde und nicht nur Sommersitz des Papstes war, sondern ihm auch, im damals noch wildreichen Gelände als Jagdschlösschen diente. Geplant hatte es Pirro Ligorio, der auch an den Bauten und Wasserspielen der Villa d'Este in Tivoli beteiligt und ein Experte für harmonisches Bauen in Kombination mit der Natur war.

Die Fassade des kleinen Nymphäums ist reichgeschmückt mit einer Loggia, mit Stuck- und Mosaikeinlegearbeiten und in den Nischen drei antiken Statuen. Ist es die Göttin Kybele oder doch Ceres, und an ihrer Seite allegorische Figuren der Juventas, Göttin der Jugend, und der „schamhaften“ Pudicitia?

So endet - von unserer munter drauf los erzählenden Führerin „Knopf im Ohr“ unablässig mit Informationen versorgt - unser Rundgang durch die Vatikanischen Gärten. Viele Eindrücke davon werden bleiben, aber die schönsten sind vielleicht die verschiedenen Blicke auf die Peterskuppel. Sie präsentierte sich uns in ihrer ganzen Majestät, mal wie in einem Tal oder auf einer Wiese liegend, mal wie ein Hügel aus Marmor und dann wieder eingerahmt vom Grün der Bäume: „il cupolone“ wie sie die Römer liebevoll nennen.



 
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Simone-Clio

Augustus
Teammitglied
Moderator
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Stammrömer
Liebe Pasquetta,

Deine Bilder und Beschreibungen aus den Vatikanischen Gärten sind ein Hochgenuss! Herzlichen Dank für diesen wundervollen Beitrag, der mich sehr darin bestärkt, irgendwann selbst den Vatikanischen Gärten einen Besuch abzustatten.

Die herrlichen Bilder der Peterskuppel haben es auch mir angetan und ich musste wieder an den Anteil Giacomo della Portas an ihrem Erscheinungsbild denken. :nod:

Auch die schönen Rosen gefallen mir sehr. Eine ganz besondere Freude hast du mir persönlich allerdings mit diesen Aufnahmen gemacht:


Wir kommen an der „geraden Linie in Nord-Süd-Richtung“ vorbei, dem Meridiano di Roma, der vom Monte Mario herab an der Viale Vaticano auf das Gebiet des Vatikans trifft, durch die Gärten verläuft und nahe des Vatikanischen Bahnhofs den Vatikanstaat wieder verlässt um über die Via Aurelia Richtung Villa Doria Pamphili weiter zu „entschwinden“.


Mit der Person und den Leistungen Angelo Secchis habe ich mich nach meiner Rom-Reise im April ein wenig beschäftigt und war recht fasziniert. :nod: Spaziergänge im römischen Grün (ganz nach unten srollen) und Spaziergänge im römischen Grün - Seite 13
 

Tizia

Censor
Stammrömer
Liebe Pasquetta,

durch deinen Spaziergang durch die vatikanischen Gärten hast du mich einmal mehr bestärkt, so eine Führung einmal mitzumachen.

Vielen Dank fürs Mitnehmen sagt Tizia
 

Romitis

Praetor
Stammrömer
Liebe Pasquetta,

mit viel Interesse und Vergnügen habe ich Deinen Bericht von Anfang an verfolgt.
Der Ausflug in die Vatikanischen Gärten hat mich ganz besonders gefreut, so konnte ich doch durch Deine Beschreibungen erleben, worauf ich bei meinem letzten Besuch in Rom verzichtet hatte. Wunderschöne Bilder und die Kuppel von San Pietro kann man garnicht genug anschauen und fotografieren.

Beim Lesen ist mir eingefallen, daß ich vor vielen Jahren als Jugendliche mit einer Reisegruppe in Tschenstochau war und die Schwarze Madonna gesehen habe.

Übrigens habe ich eben erst bemerkt, daß mein neuer Reisebericht mit zwei fast identischen Fotos wie Dein Bericht beginnt (die Madonna und das Tor bei Santo Spirito). Da sind wir wohl den gleichen Weg gegangen.

Ich freue mich auf die Fortsetzung, vielen Dank sagt - Romitis
 

Amanda

Tribunus Militum
Stammrömer
Liebe Pasquetta,

Deine Bilder und Beschreibungen aus den Vatikanischen Gärten sind ein Hochgenuss!

Absolut. :thumbup:

Als ich letzten Monat die Tour mit dem Bus unternahm, dachte ich gleich, diese Tour muss ich nochmal zu Fuß machen. Erstens kann man diesen wunderschönen Ort viel besser genießen und deutlicher einfacher Schöne Fotos machen. ;)
 

ColleMarina

Consul
Stammrömer
Liebe Pasquetta,

erst jetzt durch deinen wundervollen Bericht bekomme ich eine Vorstellung davon, wie riesig und wie abwechslungsreich die Vatikanischen Gärten sind. Ich hatte mir das alles viel kleiner vorgestellt.
Besonders gut gefallen mir die kleinen Geschichte am Rande, über die Künstler, über die verschiedenen Päpste und deren "Engagement" in den Gärten.
Im Dezember wird es sich wohl nicht so lohnen sie zu besichtigen, denke ich. Aber für den übernächsten Rombesuch werden sie auf jeden Fall vorgemerkt.
Vielen, vielen Dank für deine Mühe!
 

Pasquetta

Triumphator
Stammrömer
Euch allen sage ich herzlichen Dank für die freundliche Reaktion auf "die vatikanischen Gärten". Es hat auch mir Spaß gemacht, nochmal dort spazieren zu gehen. Und wenn ich den Wunsch verstärkt habe, selbst einmal dort "unter Anleitung zu bummeln", um so besser :~ :twisted:.


Wir kommen an der „geraden Linie in Nord-Süd-Richtung“ vorbei, dem Meridiano di Roma, ...


Mit der Person und den Leistungen Angelo Secchis habe ich mich nach meiner Rom-Reise im April ein wenig beschäftigt und war recht fasziniert....
Ja, liebe Simone, das war ein netter Zufall. Ich habe damals ja noch nichts gewusst von Deiner Entdeckung und den anschließenden Recherchen dazu. Als ich dann später in Deinem Bericht davon las, hat es gleich "klick" gemacht :nod: :).

durch deinen Spaziergang durch die vatikanischen Gärten hast du mich einmal mehr bestärkt, so eine Führung einmal mitzumachen.

Liebe Tizia, es lohnt sich meiner Meinung nach - und vor allem für Dich, als passionierte Gärtnerin ;).

Beim Lesen ist mir eingefallen, daß ich vor vielen Jahren als Jugendliche mit einer Reisegruppe in Tschenstochau war und die Schwarze Madonna gesehen habe.
:D so werden Erinnerungen geweckt :nod: und ja,
Übrigens habe ich eben erst bemerkt, daß mein neuer Reisebericht mit zwei fast identischen Fotos wie Dein Bericht beginnt (die Madonna und das Tor bei Santo Spirito). Da sind wir wohl den gleichen Weg gegangen.

das habe ich auch gemerkt ;) und es fällt ja nicht schwer, in Rom "gleiche Wege" zu gehen :twisted:(und bei Wiederholungstäters auch abseitige ;)).

Als ich letzten Monat die Tour mit dem Bus unternahm, dachte ich gleich, diese Tour muss ich nochmal zu Fuß machen. Erstens kann man diesen wunderschönen Ort viel besser genießen und deutlicher einfacher Schöne Fotos machen. ;)

Da hast Du recht, auch wenn es natürlich wirklich um "streng geführte" :D Gruppen handelt, aber wenn man zu Fuß unterwegs ist, dann geht das Fotografieren leichter. Man kann sich zwar auch dann nicht im eigentlichen Sinne "frei bewegen" und es wird schon darauf geachtet, dass man nicht abschweift oder (zu sehr ;)) zurückbleibt und im Grunde ist es ein rasches Durchgehen (ist ja auch zeitlich begrenzt).

... bekomme ich eine Vorstellung davon, wie riesig und wie abwechslungsreich die Vatikanischen Gärten sind. Ich hatte mir das alles viel kleiner vorgestellt.

Vielen, vielen Dank für deine Mühe!

Bitteschön - gern geschehen ;).

Ich fand es - nachdem ich das letzte Mal vor über zehn Jahren in den Gärten war - interessant und auch schön, wieder einmal dort durch zu gehen und zu sehen, wie so eine Gartenanlage im Laufe der Jahrhundert gewachsen ist und sich gewandelt hat. Und man kann die Arbeit der Gärtner dort nur bewundern :nod:.

LG an Euch alle
Pasquetta
 

Pasquetta

Triumphator
Stammrömer

2. Station: Nekropole Via Triumphalis

In der Zwischenzeit war es schon ganz schön warm geworden, mit zügigem Schritt sind wir am Eingangstürchen bei der Fontana della Galera.


Nachdem wir wieder einmal „abgezählt“ worden sind – nicht das letzte Mal an diesem Tag - geht es vorbei am Galeerenbrunnen an der Rückseite des Palazzetto del Belvedere. Im Brunnen versprüht ein aus Kupfer und Blei 1620/21 gefertigtes Kriegsschiffe aus allen Kanonenrohren sein Wasser.



Auf dem Weg hinab zur Parkgarage „Santa Rosa“ und zur Nekropole an der Via Triumphalis hat man eine schöne Sicht über die Mauer hinaus zur Piazza Risorgimento und innerhalb der Mauer auf vatikanische Paläste, die aus dieser Sicht noch höher erscheinen als vom Petersplatz aus.


Dann öffnet sich für uns das Tor zu den Ausgrabungen der Nekropole an der Via Triumphalis, die man 2006 bei Baumaßnahmen für eine Parkgarage entdeckt hat und die nach der Erweiterung des archäologischen Areals und der „museumsgerechten“ Gestaltung samt kurzer Videoeinspielung seit Dezember 2013 wieder, nach Anmeldung und in Begleitung eines Führers (oder einer Führerin), besichtigt werden kann.


Entlang der Via Triumphalis, die Rom vor 2000 Jahren über die Hügel (Vatikan und Monte Mario) nach Nordosten mit der etruskischen Stadt Veij verband, wurde wie auch an der Via Cornelia (die „unter dem Petersdom“, mit dem Petrusgrab, nordwestlich nach Cerveteri führte) eine Nekropole angelegt, eine Totenstadt außerhalb der Stadtmauern, terrassenförmig an den Hängen der Hügel.




Über einen Steg aus Metallgittern gehen wir ganz nahe vorbei an den Ausgrabungen, in denen immer noch gearbeitet wird, schauen hinab auf kleinen Mausoleen, Erdgräber, Sarkophage, Statuen, Mosaike, Grabbeigaben – wir schauen auf das, was uns von Menschen aus den ersten nachchristlichen Jahrhunderten erzählt, die an den Hängen dieses antiken Hügels ihre letzte Ruhestätte gefunden haben. Vor allem Sklaven und Freigelassene wurden hier beigesetzt. Anhand von Inschriften konnte zugeordnet werden, wer hier bestattet worden war,


z.B. Alcimus, Baumeister des größten Theaters von Rom.


An die 40 Totenhäuser und mehr als 200 Einzelgräber auf verschiedenen Ebenen, z.T. in ausgezeichnetem Zustand, wurden freigelegt.



Auf dem ältesten Teil der Nekropole befindet sich das Urnenfeld mit den columbaria „Taubenschlägen“, deren Nischen oft noch schön bemalt sind.


Um die Toten am diesseitigen Leben teilhaben zu lassen, wurden ihnen an Fest- oder persönlichen Gedenktagen „Milch und Honig“ serviert. Dies geschah über in die Erde eingelassene Amphoren, durch deren Hälse man die Gaben für den Toten in das Grab einführen konnte.




Um 150 n.Chr. wurde die Gegend um das Urnenfeld verschüttet und ungefähr ab dann begann man die Toten nicht mehr einzuäschern, sondern in der Erde zu begraben.



Und aus der einfachen Erdbestattung - mit Ziegeln oder Steinplatten giebelförmig abgedeckt, so wie es auch am Petrusgrab gewesen war -

wurde für den, der es sich leisten konnte, eine letzte „Luxus-Ruhestätte“ mit Stuck und Mosaikboden



wie hier im prächtigsten Totenhaus: betrunkener Dionysos der sich auf einen lüsternen Satyr stützt, um den Weingott herum schwirren Putten, die Traubensaft keltern.


Die Archäologen und Ausgräber haben „gute Arbeit“ geleistet. Vieles ist an seinem ursprünglichen Platz belassen worden, so kann man sich gut die Entwicklung des Friedhofes vorstellen und erkennen, wie die verschiedenen Dinge zusammengehören. Wie man zu den Skeletten „in situ“ stehen mag, das sei dahingestellt.


Reste von Sarkophagen und Statuetten, Lampen, Gefäße u.ä. in Glasvitrinen ergänzen die Ausstellung und geben ein Bild davon, was den Toten mitgegeben wurde.

("nur" Anschauungsmaterial: Bildqualität bitte entschuldigen ;))









Mittagszeit – die Führung durch die Nekropole neigt sich ihrem Ende zu. Der „schlüsselgewaltige“ Aufseher schaut schon verstohlen auf die Uhr, wahrscheinlich hat auch er bald Mittagspause, und nachdem er sich vergewissert hat, dass wir alle das Ausgrabungsgelände verlassen haben schließt er auch schon die schwere Eingangstür ab.


Wir steigen, beeindruckt von dem was wir gesehen haben, den Hügel wieder hinauf und gehen am Galeeren-Brunnen durch die Absperrung – nicht ohne dass der uns gefolgte Aufseher der Führerin mitteilt, dass zwei aus der kleinen Gruppe noch fehlen würden... Ja, durchgezählt wurden wir heute einige Male und aufgepasst, dass die Anzahl der Personen auch immer mit den Gemeldeten übereinstimmt, wurde sehr genau!

Aber als wir durch die Absperrung in den Bereich des Museums zurückgekehrt waren, war auch die Gruppe wieder vollzählig und alles hatte seine Richtigkeit. Und wir konnten erst einmal – in Ruhe wäre bei dem Betrieb nicht der richtige Ausdruck und entspräche ja auch nicht dem Motto "pasticcio romano" ;) – eine Pause machen und – mit Erfolg – versuchen, einen Platz in der Cafeteria zu ergattern, um eine Kleinigkeit – zu akzeptablem Preis – zu essen und vor allem zu trinken. Und nach einem guten „Espresso im Plastikfingerhut“ waren wir wieder so weit, uns auf die nächsten kulturellen Highlights einlassen zu können.
 

Padre

Censor
Stammrömer
Liebe Pasquetta,
vielen Dank für den schönen Spaziergang durch die Vatikanischen Gärten, den Du mit uns geteilt hast und den ich auch sehr genossen habe :nod:. Er hat viele Erinnungen an meine Besuche geweckt hat! So einiges, was Du uns vorgestellt hast, habe ich zwar gesehen, aber die Hintergünde waren mir so nicht bekannt! Grazie mille:!:

Sagt
Padre
 
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