Am vorletzten Sonntag, dem 28. April 2019, hatte ich die große Freude den zauberhaften Garten von Ninfa zu besuchen. Die Tickets habe ich über die Webseite
Fondazione Roffredo Caetani Onlus | Acquisto online contributi di ingresso Giardino di Ninfa, Castello Caetani e Pantanello erworben. Von Termini aus nahmen wir zu zweit am Morgen um 8.36 Uhr den Regionalzug nach
Latina (Latina Scalo). Nach einer angenehmen, 40-minütigen Fahrt trafen wir um 9.16 Uhr am Bahnhof ein. Vor dem Bahnhofsgebäude standen zwei Taxen der Firma Chiama Taxi Latina. Unser Fahrer war ausgesprochen freundlich, so dass die gut 8 km lange Fahrt in sehr angenehmer Weise verlief.
Der Garten von Ninfa ist nur gegen Voranmeldung und nur mit geführter Besichtigung, zu der Gruppen von bis zu 50 Personen gebildet werden, zu besuchen. Die Dauer der Führung beträgt rund eine Stunde. Als wir unsere Reservierung für das Zeitfenster zwischen 10.30 Uhr und 11 Uhr am Eingang zum Garten vorzeigten, fragte ein Angestellter uns, ob wir auch bereit seien, uns einer sofort startenden Gruppe anzuschliessen, obwohl es erst etwa 9.45 Uhr war. Wir bejahten das natürlich und schon waren wir unterwegs! Unsere Führerin wusste (in italienischer Sprache) viel zu erzählen, aber ich muss gestehen, dass ich nur selten in ihrer Nähe war, sondern lieber etwas abseits um zu fotografieren.
Eine Stunde ist viel zu kurz um dem Zauber dieses Ortes gerecht zu werden, aber wirklich gehetzt fühlte ich mich dennoch nicht, obwohl es leider immer schnell gehen musste.
Bevor ich nach Ninfa kam, verfügte ich über einiges Wissen zur Lage des Ortes und zu seiner Geschichte seit Beginn des 20. Jahrhunderts. Nach dem Besuch habe ich mich unter dem Zauber der Erinnerung an Ninfa daran gemacht, möglichst viel über die mittelalterliche Geschichte des Ortes zu erfahren und habe überrascht festgestellt, dass auch das späte 16. Jh. eine für Ninfa interessante Zeit war. All das möchte ich allerdings nicht hier ausbreiten, sondern in einem kommenden eigenen Berichtsteil über die Geschichte Ninfas.
Lasst uns zuerst in Bildern schwelgen und den Rundgang nachvollziehen auf dem wir durch den Garten von Ninfa geführt wurden. Ich wünsche allen interessierten Lesern viel Freude beim Entdecken!
Diese vier ersten Fotos entstanden auf dem Weg zwischen dem Eingang zum Garten und dem Ort des Beginns des eigentlichen Rundgangs. Sie bieten, wie ich finde, keinen schlechten Einstieg denn man erkennt darauf einige Merkmale des Ortes: zum einen die Lepinischen Berge im Norden, zum anderen die allgegenwärtige Präsenz des Wassers im Garten und zum dritten, durch den Bergfried des Kastells, die mittelalterliche Vergangenheit von Ninfa.
Der erste Halt auf unserem Rundgang wurde an der mit herrlichen Rosen bewachsenen Turmruine eingelegt. Wenn ich es recht verstanden habe, war er einst der freistehende Campanile der Kirche S. Giovanni. Deren Ruinen erkennt man auf dem Foto oben rechts. Hier nannte unserer Führerin einige Details zu den Häusern und Kirchen des untergegangenen Ninfa: Es gab im Mittelalter bis zu vier Etagen hohe Häuser, zahlreiche Kirchen, zwei Klöster, zwei Krankenhäuser, dreizehn Mühlen, eine Zollstation, ein Rathaus, das Kastell mit dem Bergfried. Rund 2000 Menschen lebten hinter den Stadtmauern mit ihren elf Türmen.
Wunderschön ist diese Stelle mit Blick auf den Bergfried des Kastells. Der kleine Bach mit seinen niedrigen bogenförmigen Mini-Wasserfällen gefiel mir sehr gut. Wieder zuhause habe ich mehr über deren Anlage erfahren und möchte euch diese Geschichte nicht vorenthalten.
Der Direktor des
Giardino di Ninfa, Lauro Marchetti, der sein ganzes Leben hier verbracht hat, war dabei als sie angelegt wurden. Das war zur Zeit von
Roffredo Caetani (1871 bis 1961), dem letzten Herzog von Sermoneta. Seiner Familie, dem
Adelsgeschlecht der Caetani, gehört Ninfa seit 1297. Er war Komponist und sein Patenonkel war Franz Liszt. "Er hatte eine Idee wie man in diesem Garten auch der Musik ihren Platz einräumen könnte. Zusammen mit den Gärtnern grub er eigenhändig die kleinen Bäche. Dabei überlegte er sich die unterschiedlichsten Positionen, höher oder tiefer gelegen, wie das Wasser fliessen sollte. Er hat es also regelrecht gestimmt." Er regelte die unterschiedlichen Höhen dieser kleinen Wasserfälle nach Gehör. Er schloss die Augen und sagte zum Gärtner: „Mach diesen kleinen Wasserfall etwas tiefer, man hört das E nicht gut.“ Der Gärtner schüttelte zwar den Kopf, tat aber was gewünscht wurde. Und ich muss sagen, die Melodie des Wasers an dieser Stelle ist wirklich sehr hübsch!
Setzen wir unseren Weg nun fort. Es sei noch darauf hingewiesen, dass rund 160 Rosensorten zur Schönheit des Gartens von Ninfa beitragen. Wunderschön auch Formen und Farben der Iris!
Nun kommen wir zu den imposanten Ruinen der Kirche S. Maria Maggiore:
Zu unserem Erstaunen lernten wir, dass in dieser Kirche in schwierigen Zeiten Papst
Alexander III. (1159 bis 1181) gekrönt wurde.
Papst
Alexander III. (* um 1100 oder 1105 in
Siena, vermutlich als
Rolando Bandinelli; †
30. August 1181 in
Civita Castellana bei
Viterbo) amtierte vom
7. September 1159 bis zu seinem Tod als Oberhaupt der
römischen Kirche. Fast zwanzig Jahre lang rang er mit dem
deutschen Kaiser Friedrich Barbarossa und dem englischen König
Heinrich II. gegen das
Schisma des Papsttums. Er gilt als einer der wichtigsten Päpste des Hochmittelalters. In seiner Amtszeit fand 1179 das
dritte Laterankonzil statt. Alexander III. war der einzige Papst in der Geschichte, der insgesamt mit vier Gegenpäpsten hintereinander konfrontiert wurde.
Rechts: ein Stück der Stadtmauer
War es bisher schön sonnig, so bewölkte sich der Himmel nun leider:
Auch Bananenbäume gedeihen im Garten von Ninfa
Der sogenannte Steingarten vor dem Hintergrund der Ruinen von S. Biagio
Rechts: der Lavendelweg
Mitte und rechts: zitronengelbe Pfingsrosen
Sumpflilien an der Macello-Brücke
Die Macello-Brücke ist eine von drei Brücken im Garten, die über den Fluss Ninfa führen. Damit waren wir am äussersten Punkt unseres Gartenrundgangs angelangt. Wir überquerten keine der Brücken. Der gegenüberliegende Teil von Ninfa blieb für uns
terra incognita.
Und dann wartete hinter einer Biegung der Höhepunkt der Besichtigung auf uns - ein Panorama mit von phantastischem Blauregen überwucherten Ruinen wie aus einem Märchen! Wahrscheinlich hatte jeder der Teilnehmer schon einmal ein Foto davon gesehen, aber dann mit eigenen Augen diesen traumhaften Blick zu geniessen, das war unbeschreiblich:
Ich kann mich nicht entscheiden welches Foto ich
nicht zeigen soll, darum zeige ich sie alle. Sich hier wieder loszureissen fiel schwer!
Nun begann es auch noch zu regnen und die Atmosphäre war nicht nur wegen des nahenden Endes des Rundgangs durch den Landschaftsgarten von Ninfa leicht melancholisch.
An der Wand des ehemaligen Rathauses erkennt man das
Wappen der Caetani mit stilisierten Wellen und Adlern. Wir sollten ihm an diesem Tag noch häufiger begegnen.
Schon kam das
Castello di Ninfa wieder in unser Blickfeld. Ich finde es wunderschön und sogar bei Regen sehr fotogen. Sein Ursprung geht wohl auf die Mitte des 12. Jahrhunderts zurück. Ihm war leider keine lange Blütezeit beschieden, denn 1382 ging Ninfa unter. Seinen heutigen Aspekt verdankt das Kastell Restaurierungsarbeiten die
Gelasio Caetani (1877 bis 1934) zwischen 1905 und 1924 durchführen liess. Damals wurden die Zinnen der Ecktürme sowie der obere Teil des hohen Turms und der nordöstliche Abschnitt der Mauer rekonstruiert.
Hier endet der erste Teilbericht aus Ninfa. Es folgen aber noch Informationen über die Geschichte sowie den ebenfalls sehr schönen
Hortus conclusus. Und auch Sermoneta und sein Castello Caetani wollen noch besucht werden. Dafür lege ich gleich noch ein paar Baustellen an.