San Teodoro al Palatino
Nachdem wir bereits vom Palatin aus schöne Blicke auf
San Teodoro al Palatino am Fuß des Hügels hatten werfen können, bot sich ein Besuch der Kirche an.
Sie liegt unterhab der
Domus Tiberiana, an der antiken Straße, die das Forum Romanum mit dem Forum Boarium entlang des Nordwestabhangs des
Palatin verband. Ihr runder Grundriss wird oft auf die Grundmauern eines römischen Rundtempels zurückgeführt aber es gibt keine archäologischen Beweise dafür. Dass die Kirche rund ist, muss am Willen der Erbauer liegen.
Diese Tafel an der Rückseite von S. Teodoro berichtet Folgendes zur Geschichte:
At the foot of the Domus Tiberiana facing the Velabrum stands an Orthodox Christian church with a circular plan, built from the 15th century onwards on the site of an earlier diaconia dedicated to the Greek Saint Theodore of Amasea and attested from the late 8th century. Archeological excavations inside the church have revealed the presence of a basilica hall dating to the 5th century; perhaps the first diaconia, and further below the remains of a private residence with an atrium dating to around the 1st century BC opening onto the Vicus Tuscus, now Via di San Teodoro.
Der griechisch-orthodoxen Gemeinde in Rom gehört San Teodoro erst seit 2000.
Johannes Paul II. überließ die Kirche dem
Ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel und der
griechisch-orthodoxen Gemeinde in Rom. 2002 bis 2006 wurde die Kirche restauriert und für den
byzantinischen Ritus umgestaltet. Am 1. Juli 2004 nahm der Patriarch
Bartholomeos I. an der Weihungsfeier teil.
Vgl.:
Sacra Arcidiocesi Ortodossa d'Italia e Malta
und
La chiesa di San Teodoro al Palatino, segno d'amicizia fraterna tra Roma e Costantinopoli | Tv2000
Auf dem Weg zu San Teodoro kamen wir an der Via di San Teodoro an diesem besonderen Nasone mit drei „Nasen“ in Form von Drachenköpfen vorbei. Er wurde 1874 errichtet und gehört damit zu den ältesten der Stadt. Es gibt nur noch drei Nasoni mit diesen Drachenköpfen in Rom. Es war warm und das frische, kühle Wasser bot eine willkommene Erfrischung.
Die Gründung der Kirche geht auf das späte 6. Jh. zurück. Von der damaligen Rundkirche sind noch die Apsis und wenige Mauerreste erhalten. Geweiht wurde die Kirche dem Soldatenheiligen Theodor von Amasaia, auch als
Theodor Tiro bekannt.
Theodor, der
Legende nach der Bruder des heiligen
Georg, war ein einfacher
Soldat im Heer von Kaiser
Maximian in
Pontus am
Schwarzen Meer und ein überzeugter Christ. Er war Kommandant einer Garnison in
Galatien und erlitt in der letzten römischen
Christenverfolgung unter
Maximinus Daia in
Amaseia, der Hauptstadt der ehemaligen römischen Provinz
Helenopontus, den
Märtyrertod
Die Kirche gehörte im Mittelalter zu den sieben ursprünglichen
Diakonien Roms.
1453 bis 1454 ließ Papst
Nikolaus V. durch den Florentiner Architekten
Bernardo Rossellino (1409 bis 1464) einen kuppelgewölbten, in Ziegeln ausgeführten Rundbau mit drei Apsiden neu errichten.
Dieses Foto lässt Rossellinos flache Kuppel von San Teodoro gut erkennen. Es war dies die erste Kuppel in Rom nach vielen Jahrhunderten. Von 1451 bis 1455 war Rossellino als Baumeister für Papst Nikolaus V. in Rom tätig, wo er an den Entwürfen für den Ostabschluss der Peterskirche mitarbeitet.
Interessant finde ich die mir bislang unbekannte Tatsache, dass San Teodoro eine Zeit lang die Kapitolinische Wölfin beherbergte!
Nach Quellen aus dem 10. Jahrhundert war die Statue vor dem alten
Lateranpalast aufgestellt. Danach wurde sie in der Kirche
San Teodoro al Palatino aufbewahrt. 1471 schenkte Papst
Sixtus IV. im Zuge der Umgestaltung des Kapitolsplatzes durch
Michelangelo und der Ausstattung des Platzes mit Antiken die Wölfin den Konservatoren der Stadt Rom. Die Zahlung von 10
Goldflorin durch Sixtus diente möglicherweise als Honorar für Antonio Pollaiuolo, der um diese Zeit die Zwillinge hinzugefügt haben soll. Bis 1583 war die Statue auf einem Sockel im
Portikus des Konservatorenpalastes aufgestellt. Seit 1586 steht sie auf einem Podest in der Mitte der
Sala della Lupa im Konservatorenpalast.
Quelle
Leider geht auch aus
dieser Seite der Kapitolinischen Museen nicht ganz klar hervor bis wann die
Lupa sich im Lateran befand. Evt. bis 1450. Danach und bis 1471 soll sie sich in San Teodoro befunden haben.
Processi ed esecuzioni "alla lupa" sono registrate di tanto in tanto fino al 1450. La Lupa era conservata con altri monumenti, come l'iscrizione bronzea della lex de imperio Vespasiani, che venivano esposti come cimeli per attestare la continuità tra Impero romano e papato, tra antichità e medioevo.
San Teodoro dürfte ausgewählt worden sein, weil sich die Kirche in der Nähe des
Lupercal befindet.
Wikipedia schrieb:
Das Lupercal war eine
Höhle am Hügel
Palatin und eine der wichtigsten Kultstätten der antiken Stadt
Rom. Laut dem
Gründungsmythos Roms wurden dort die Zwillinge
Romulus und Remus von einer Wölfin gesäugt, bevor sie 753 v. Chr. die Stadt gründeten.
Eine wichtige Etappe in der langen Geschichte von San Teodoro al Palatino war das frühe 18. Jh., als Papst
Clemens XI. den schweizerisch-italienischen Architekten
Carlo Fontana mit der Umgestaltung von San Teodoro beauftragte. Die Arbeiten dauerten von 1703 bis 1705. Von Carlo Fontana stammt der Vorhof der Kirche zu dem man über eine geschwungene doppelte Treppenanlage von der drei Meter höher gelegenen Via di San Teodoro hinuntersteigt.
Das Foto links zeigt einen Teil des kleinen Platzes. Der runde Altar in seiner Mitte ist antik. Ebenfalls von Carlo Fontana stammt der Portikus vor dem Rundbau. Das Glockentürmchen ist erst von 1709. Über dem Eingang erkennt man ein altes Fresko mit einer Szene der Geburt Jesu. Sein Alter ist unklar (evt. 15. Jh.).
Betritt man San Teodoro, so fallen natürlich sofort die
Ikonostase und viele goldglänzende Ikonen auf:
Links: moderne Ikone, S. Teodoro mit dem Kirchenmodell in der Hand darstellend.
Über den beiden Seitenaltären hängen noch Gemälde mit katholischen Heiligen von denen ich aber nur das obige fotografiert habe. Das andere erkennt man
hier. Der Heilige auf meinem Foto ist der Heilige
Crescentius. Er passt gut zu den anderen heiligen "Drachentötern"

in dieser Kirche. Das Gemälde ist ein Werk von
Giuseppe Ghezzi (1634 bis 1721).
Schmuckstück von S. Teodoro al Palatino ist das um 600 entstandene Apsismosaik.
Apsismosaik von S. Teodoro
Zuerst dachte ich, ich könne kein brauchbaren Foto davon machen weil es völlig im Dunkeln lag. Da meine Smartphonekamera aber alle Motive automatisch etwas aufhellt, sind schliesslich doch ein paar brauchbare Bilder entstanden. Details konnte ich allerdings mit dem Smartphone leider nicht fotografieren denn stärker gezoomte Bilder werden nicht scharf.
Die Komposition des Apsismosaiks blieb bis heute erhalten aber es wurde natürlich mehrfach und stark restauriert. So z.B. 1642 unter Kardinal Francesco Barberini. Das hohe Alter des Mosaiks erkennt man unter anderem im Vergleich zu anderen Mosaiken des 6. und 7. Jahrhunderts in Rom, vor allem solchen aus SS. Cosma e Damiano und S. Lorenzo fuori le mura.
Vor einem Goldgrund und in einer Bordüre mit pflanzlichen Motiven zeigt das Mosaik die auf einer sternenbesetzen Weltkugel thronende Gestalt Christi. Er hat die rechte Hand zum Segensgestus erhoben und trägt in der Linken einen Kreuzstab. Aus bunten Wolken kommend, hält die Hand Gottes den Loorbeerkranz über das Haupt Christi.
Zum Vergleich:
Vom Betrachter des Mosaiks aus rechts führt Petrus (mit Schlüssel) den Heiligen Theodor (mit Märtyrerkrone auf den verhüllten Händen) zu Christus. Zum Vergleich, unten zwei Aufnahmen des Apsismosaiks von SS. Cosma e Damiano. Die Ähnlichkeit mit dem dortigen Heiligen Theodor ist unverkennbar! Vgl. bei Interesse meinen Bericht über einen Besuch in SS. Cosma e Damiano
hier.
Vom Betrachter aus links führt Paulus (mit Schriftrolle) einen jungen Heiligen mit langen blonden Haaren und der Märtyrerkrone zu Christus.
Diese Gestalt ist nicht eindeutig zu identifizieren und oft wird einfach nur von "einem Heiligen" gesprochen. Es könnte sich aber auch um den
Hl. Georg handeln, der ja der Legende nach ein Bruder des Hl. Theodor war. Eine weitere Möglichkeit ist, dass hier der Heilige Cleonicus (gestorben 308), ein Anhänger des Hl. Theodor, dargestellt ist. Zu Cleonicus siehe
hier.
Zum Schluss noch zwei Fotos von Teilen der flachen Innenkuppel. Seit der jüngsten Restaurierung zeigt sie einen hellen Blauton, wie ihn Carlo Fontana in den ersten Jahren des 18. Jahrhunderts ausgesucht hatte. In der Mitte befindet sich ein von der griechisch-orthodoxen Glaubensgemeinschaft angebrachtes rundes Bildnis von Christus als
Pantoktator.