Piano nobile
Vom obersten Absatz der
Scala Regia beginnt man den Rundgang durch das
Piano nobile.
Hier ein Plan dieser Etage.
Deambulatorium
Wir warfen zunächst einen Blick in den Säulengang rings um den runden Innenhof. Einst waren dort 12 Büsten römischer Kaiser aufgestellt. Einzelne Namen stehen noch auf den Sockeln, z.B. Galba.
Salone d‘Ercole
Beginnen wir mit dem Herkulessaal neben der
Scala Regia. Durch das mittlere der fünf grossen Bogenfenstern kann man auf einen Balkon hinaustreten. Es bietet sich ein atemberaubender Blick auf den Ort und bis zum Horizont.
Leider habe ich die freskierte Decke nicht fotografiert.
Hier eine tolle Panoramaansicht durch die man navigieren kann.
Das Motiv in der Deckenmitte zeigt die bereits im ersten Beitrag erwähnte Szene von der Entstehung des Vicosees aufgrund der Einwirkung des Halbgottes Herkules. Die Keule des Herkules ist mit einer Farnese-Lilie geschmückt. Das soll natürlich eine Parallele zu Kardinal Alessandro Farnese darstellen, der sich um den Wasserbau in der Gegend von Caprarola gekümmert hat.
Der Wandbrunnen auf dem Foto oben links ist ein Werk von Curzio Maccarone, der auch in der Villa d’Este in Tivoli am Brunnenbau beteiligt war. Das Fresko auf dem Foto rechts zeigt den Gelehrten
Fulvio Orsini.
Spätestens seit 1554 gehörte er zum engeren Beraterkreis der Farnese; 1558 wurde er Sekretär und Bibliothekar des
Kardinals Ranuccio Farnese. Bis zu seinem Tod lebte er im Palast der Farnese in Rom, der eines der politischen und kulturellen Zentren der Stadt zu dieser Zeit war. 1565 wurde er nach dem Tod Ranuccios Konservator der Antikensammlung des Kardinals
Alessandro Farnese.
Die beiden Fotos oben zeigen Motive der Decke. In der Darstellung vom Bau eines Herkules-Tempels ist auch der Architekt Vignola mit Zirkel und Blatt in der Hand verewigt.
Kapelle
Vom Herkulessaal aus gelangt man in die runde Privatkapelle Alessandro Farneses. Sie wurde unter der Leitung von
Federico Zuccari von einer Gruppe von Künstlern mit religiösen Motiven freskiert.
Die Decke zeigt die Erschaffung der Erde und weitere biblische Motive.
An den Wänden befinden sich Aposteldarstellungen. Judas Thaddäus und Jakobus der Ältere sind „versteckte“ Porträts von Taddeo Zuccari und Vignola, deren Namenspatrone diese Apostel sind. Leider verstarb
Taddeo Zuccari 1566 während der Arbeiten an der Kapelle.
Sala dei Fasti Farnesiani und Sala del Concilio
Dieser Raum ist zusammen mit der
Sala del mappamondo (dem Saal der Landkarten) wohl der wichtigste Raum des Palazzo. An seinen Wänden und an der Decke sind bedeutende Episoden der Familiengeschichte der Farnese dargestellt. In der Mitte der Decke ein Farnese-Wappen mit 16 Lilien und dem Einhorn als Helmzier. Mehr über die Themen der Fresken und mehr Bilder auf
dieser italienischen Seite.
In diesem kleinen Vorraum zur Sala dei Fasti Farnesiani finden sich Fresken rund um Paul III. Farnese, der das Konzil von Trient einberufen hat.
Hier ist die Eröffnung des Konzils 1546 dargestellt,
Stanza dell'Aurora, Stanza dei Lanifici und Stanza delle Solitudine
Diese Räume gehören, wie bereits die
Sala del concilio zu den Privaträumen Kardinal Alessandro Farneses. Ihre heute schmucklosen Wände waren früher mit kostbaren Ledertapeten bespannt. Die
Stanza dell'Aurora diente als Schlafzimmer und an ihrer Decke sehen wir allegorische Darstellungen rings um das Thema Nacht und Schlaf.
Im oberen Bereich ist die Nacht dargestellt. Sie trägt Zwillinge in den Armen, welche mal als allegorische Darstellungen von Schlaf und Tod, mal als Castor und Pollux interpretiert werden. Im mittleren Bereich sehen wir eine geflügelte Gestalt mit Fackeln, umgeben von Luna und Merkur der den Menschen Schlaf bringt. Im unteren Bereich des prächtigen Ovals erscheint
Aurora in der Morgenröte auf ihrem Sonnenwagen und vertreibt die Nacht.
Das Bildprogramm stammt, wie in anderen Räumen auch, von
Annibale Caro. Grosse Teile des Freskos wurden im 18. Jh. zerstört und das Fresko wurde 1834 neu gemalt.
Der nächste Raum, di
Sala dei lanifici, diente wohl als Garderobe. Die mythologischen Szene rings um die Göttin Minerva illustrieren die Techniken der Textilherstellung. In der Mitte der Decke ist dargestellt, wie sie die Menschen lehrt Kleidung aus Wolle zu tragen.
Von diesem Raum aus führt eine Brücke in den sogenannten Giardino d'inverno (den Wintergarten).
Nun gelangen wir in die
Stanza delle Solitudine o dei Filosofi. Sie war das Studierzimmer des Kardinals. Neben heidnischen Philosophen ist auch Jesus Christus dargestellt. In einem von insgesamt vier Medaillons erkennt man
Diogenes von Sinope in seiner Tonne.
Gabinetto dell'Ermatena
An der Decke dieses kleines Raums, ein weiteres privates Studierzimmer von Kardinal Farnese, sind Hermes und Athena mit einem gemeinsamen Körper dargestellt. Sie stellen die Personifikation von Beredsamkeit und Weisheit dar.
In den Ecken des Raums sind u.a. Gegenstände aus dem Bereich der Wissenschaften und der Künste dargestellt:
Auch Landschaften mit antiken Motiven sind zu sehen:
Links: Tivoli mit dem Serapeum Kaiser Hadrians
Rechts: Odysseus bei den Sirenen
Das nächste Foto zeigt einen kleinen Verbindungsgang der vollständig mit Motiven einer Pergola ausgemalt ist.
Stanza della Penitenza, Stanza delle Giudizi , Stanza delle Sogni und Sala degli Angeli
Ich habe dort leider nur sehr wenige Fotos gemacht. U.a. das folgende, welches das weise
Urteil König Salomos darstellt:
Aus der
Sala dei Giudizi gelangte man früher über eine Zugbrücke, heute über eine normale Brücke, in den Sommergarten:
Deckenfresko der
Stanza delle Sogni mit der Darstellung der biblischen
Jakobsleiter:
Zwei Bilder aus der
Anticamera degli Angeli:
Rechts eine Szene, die Romfreunde leicht erkennen: Papst Gregor I. dem Großen erscheint im Jahr 590 über dem Mausoleum des Hadrian der Erzengel Michael, der ihm das Ende der Pest verkündet indem er das Schwert des göttlichen Zorns in die Scheide steckt. Daher hat das antike Mausoleum seinen Namen Engelsburg. Toll gemacht, finde ich auch die Komposition der vielen Bischofsmitren hinter dem Papst.
Nun kommen wir zum Landkartensaal, der
Sala del Mappamondo
Sie erinnert an die Galerie der Landkarten in den Vatikanischen Museen. Neben den Landkarten der damals bekannten Welt findet man auch eine Reihe von Fresken bekannter Entdecker. Hier stellvertretend für weitere Christoph Kolumbus.
Das Faszinierendste an diesem Raum ist die Himmelskarte mit den Sternbildern als Deckengemälde. Für mich das schönste Fresko im gesamten Palazzo Farnese. Die Karte wurde zwischen November 1573 und Dezember 1575 gemalt. Trotz intensiver Forschung weiß man nicht genau wer der Maler war. Abgebildet sind die damals bekannten 50 Sternbilder. Durch die Entdeckung weiterer Weltgegenden ist ihre Zahl später auf 88 gestiegen. 12 der 50 Sternbilder kennen wir als Tierkreiszeichen.
Die Sternbilder Großer und Kleiner Bär
Die Tierkreiszeichen Schütze, Steinbock und Wassermann
48 der 50 Sternbilder beschrieb bereits der Gelehrte
Claudius Ptolemäus. Diese Konstellationen bevölkern auch heute noch unseren Himmel.
Ein der Himmelskarte von Caprarola hinzugefügtes Sternbild ist
Antinoos und ein zweites sind die
Jagdhunde.
Hier endet die Beschreibung des Piano nobile im Palazzo Farnese in Caprarola. In den kommenden Tagen erkunden wir dann die Gärten an der Rückseite des Palazzo.