Malteser-Orden: ohne Gemurmel

Gaukler

Caesar
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Kurzbericht - auf diverse Anfragen hin bzw. für jene, die's interessiert

Warum in Italien ein Raum, worin ein Verstorbener aufgebahrt liegt, "camera ardente" (also "brennende Kammer") heißt, hat sich mir viel später erst erschlossen (es geht um die brennenden Kerzen). Jedenfalls aber hatten als solchen Raum die Malteser-Ritter für ihren verstorbenen (78.) Großmeister Fra Andrew Bertie ihre Prioratskirche S. Maria auf dem Aventin eingerichtet.


Also dort, wo man durch das Schlüsselloch des Gartentores den berühmten Blick auf den Petersdom werfen kann. Und während sonst sowohl dieses wie auch
der zugehörige reguläre Eingang​
stets verschlossen ist und sich nur Botschaftern öffnet - denn die Vertretungen des als Völkerrechtssubjekt geltenden Ordens einerseits beim italienischen Staat und andererseits beim heiligen Stuhl haben in dem Gebäude an der Piazza Cavallieri di Malta Nr. 4 ihren Sitz - oder anderen Menschen, die eine besondere Berechtigung nachweisen können, stand diesmal fast eine volle Woche lang die Tür jedermann offen, der dem Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen und für ihn zu beten wünschte.

Auch mich führte natürlich nach meiner Ankunft am Freitagnachmittag der erste Weg dorthin; und da es bereits 16.00 h war, bin ich auch gleich zu der während dieser Trauerwoche täglich um 17.00 h dort zelebrierten Messe - mit vorangehendem Rosenkranzgebet - geblieben. Rings um mich herum italienische Ordensdamen, welche die zu diesem Zeitpunkt einzige deutsche Uniform in ihrem Kreise sehr wohlwollend musterten - und am folgenden Tag, nach der Beisetzung, hörte ich sie untereinander sagen, sie hätten es gar nicht erwartet, aber überaus schön gefunden, dass so enorm viele Gäste aus dem Ausland angereist wären.
Auch die "Empfangsdame" ist eine langjährige liebe Freundin von mir


Für die Exequien am Samstag (16.2.) war die quasi benachbarte Kirche S. Sabina ausgewählt worden - angesichts ihrer Größe und des Nichtvorhandenseins von Kirchenbänken eine gute Wahl; denn es versammelte sich eine überaus zahlreiche Trauergemeinde. Ich persönlich hätte an die 800 Personen geschätzt; aber es hieß später, es seien nahezu 1000 gewesen (Sitzplätze gab es ca. 300, selbstredend für Ordensdamen und Ordensritter sowie - im Chorraum - für Kleriker reserviert).

So mancher hier dürfte S. Sabina kennen: als die Basilika mit den Säulen und der Schola cantorum aus dem 5. Jh. sowie der schätzungsweise ebenso alten hölzernen Eingangstür, auf welcher sich die älteste bekannte Kreuzigungsdarstellung findet; und auch, weil sie unmittelbar neben dem für seine Aussichtsterrasse wie für seine Orangenbäume berühmten und beliebten Parco Savello (alias Giardino degli Aranci) gelegen ist.






Über beides - Orangen wie Aussicht - verfügen die Malteser-Ritter allerdings auch. 8)



Wegen der großen Zahl der erwarteten Gäste, darunter außer Ordensrittern und sonstigen Maltesern jeglicher Couleur bzw. aus vielen Ländern auch nicht wenige Diplomaten, war die Polizeipräsenz gewaltig - wobei die Carabinieri unter anderem auch jene futuristisch anmutenden "Segway"-Elektroroller sowie Pferde und einen Hubschrauber einsetzten.


So war also am Beisetzungstag (16.2.) bereits frühmorgens die normalerweise nur von Schlüssellochguckern frequentierte Piazza dei Cavallieri di Malta mächtig bevölkert, hauptsächlich von Uniformierten aller Art - wobei die Herren in der martialischen Aufmachung mit Schärpe und Säbel dem militärischen Kontingent der italienischen Malteser (SMOM = Sovrano Militare Ordine di Malta) angehören; die teils in grauen Uniformen und teils in apfelsinenfarbener Einsatzbekleidung dagegen deren ziviler Abteilung (CISOM = Corpo Italiano di Soccorso, Ordine di Malta).


Mit militärischen Ehren und Militärmusik wurde demzufolge dann um 11.30 h der Sarg des Großmeisters in die Basilika S. Sabina getragen; die Exequien zelebrierte Pio Kardinal Laghi, der oberste Geistliche des Malteser-Ordens. (Der Großmeister selbst dagegen gehört dem Orden als Laienbruder an, bekleidet aber gleichwohl den Rang eines Kardinals, wofür die Priester- und Bischofsweihe ja nicht notwendig Voraussetzung ist; allerdings nimmt er genau darum, also mangels Ordination, nicht an der Papstwahl teil.) Als liturgische Sprache für diese international besuchte Feier hatte man sinnvollerweise die gute alte lingua franca der Kirche gewählt, also das Lateinische; und die Schola aus dem benachbarten Benediktiner-Liturgie-Institut San Anselmo sang die 18. Choralmesse - welche offenbar bzw. erwartungsgemäß, wie am kräftigen Mitsingen der Gemeinde zu merken, den meisten vertraut war.

In der Kirche stand ich zwischen zweien meiner römischen Malteser-Freunde - und habe dort bzw. während der hl. Messe selbstverständlich nicht photographiert; ich setze darum hier einen Link ein, der ein Bild vom Kircheninneren zeigt: Bild:Santa Sabina.JPG - Wikipedia

Eindrucksvoll war - selbstverständlich - der anschließende Leichenzug von S. Sabina nach S. Maria del Priorato, wo der Sarg in der Großmeister-Gruft beigesetzt wurde.






Mit im Trauerzug auch Erzbischof Renato Boccardo, vielen wohl noch bekannt vom Weltjugendtag 2005 her als päpstlicher Reisemarschall; inzwischen ist er Generalsekretär des Vatikanstaates - und als solcher auch stets um die Sanitätsstation der Malteser am Petersplatz bemüht, die er nicht selten höchstpersönlich besucht (ich habe ihn auch selbst schon dort gesehen), um sich zu vergewissern, dass alles in Ordnung ist und nichts fehlt.

Zum Schlussakt an der Gruft versammelten sich selbstverständlich nur noch die zelebrierenden Geistlichen, die Ordensritter sowie die Schola - und aßen später auch für sich im Prioratsgebäude zu Mittag (selbstverständlich genau das Gleiche, was wir alle bekamen - also keine Missverständnisse, bitte; ich sah mit eigenen Augen, wie es hineingetragen wurde). Währenddessen öffnete sich für uns andere, was ja höchst selten geschieht, das Tor mit dem berühmten Durchblick; und für mich selbst (wie sicherlich für die allermeisten) zum ersten Mal - obwohl ich im Garten selbst zuvor schon mehrfach war.



Dort hatte man, mit einigen Metern Abstand zur Aussichtsterrasse, einen großen Pavillon aufgestellt und darunter ein warmes Buffet aufgebaut: Antipasti, Suppe, Pasta, Fleisch, Brot und Wein; alles miteinander überaus lecker. Und man kann sagen, dass es nicht nur eine sehr große, sondern auch eine fröhliche Versammlung war - wie ja schon zuvor während der liturgischen Feiern stets nicht so sehr Tod und Abschied im Vordergrund gestanden hatten, sondern die Auferstehung.


Da jedoch um 17.30 h mein Vogel die Füße einziehen sollte, war dies für mich persönlich allerdings schon die Stunde des Abschieds - also von meinen römischen Freunden; aber erst nach einem noch recht ausgedehnten Zusammensein, überdies verbunden mit dem Wiedersehen einiger weiterer Bekannter, die ich teils seit dem heiligen Jahr nicht mehr getroffen hatte (und auch sämtliche anwesenden deutschen Malteser hatte ich entweder sehr lange nicht mehr oder auch noch niemals gesehen). Immerhin musste ich nicht zuvor erst in dem "Wappen-Pavillon", der zur Kleiderkammer umfunktioniert war, meine


Der Pavillon hier rechter Hand; normalerweise vergittert ...

... diesmal aber nicht!

Siebensachen zusammen suchen; und als ich gehen musste, brachen immerhin auch zahlreiche andere Gäste bereits auf.

Aufbruch unter Orangen

Insgesamt war es - und zwar für uns alle - ein ganz besonderes Erlebnis, das ich keinesfalls hätte verpassen mögen. :nod: :thumbup:
 
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Simone-Clio

Augustus
Teammitglied
Moderator
Stammrömer
Vielen Dank für diesen sehr persönlichen, wunderbar geschriebenen Bericht und die stimmungsvollen Bilder!

Sicher wirst du uns alle in der kommenden Zeit über das Neueste bei den Maltesern zu berichten wissen!

Herzliche Grüsse,
Simone
 

Claude

Triumphator
Stammrömer
Vielen Dank für diesen doch ganz besonderen Bericht und die Bilder.

Was die "camera ardente" angeht, kann ich Dich aufklären. Im Französischen heißt es nämlich auch "chapelle ardente". Das kommt von den zahlreichen Kerzen, die um den Katafalk oder Sarg stehen und brennen.

Viele Grüße
Claude
 

Gaukler

Caesar
Stammrömer
Danke, Claude - wie sage ich doch so oft und gern (vor allem in Bezug auf mich selbst): "Man wird so alt wie eine Kuh
cowcool.gif
/ Und lernt doch immer noch dazu!"
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:D

Wieder was gelernt also - sehr schön :thumbup:; nochmals besten Dank! :nod:
 
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patta

gesperrt/ruhend
Gaukler, vielen Dank für die tollen Fotos und den besonderen Bericht.
Ich bin froh, dass Du es geschafft hast, dabei zu sein :nod:

patta
 
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