Im Rom des Gian Lorenzo Bernini

Ludovico ROB

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Eine schöne Bronzeskulptur. Leider ist die Sicht durch die Querstange sehr gestört. Aber die ist wohl aus statischen Gründen notwendig.
 

dentaria

Augustus
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Rom-Reise
13.12.2021-18.12.2021
Archäologisches Nationalmuseum
Am nächsten Tag fahre ich früh nach Neapel. Weshalb nach Neapel?
Nun, zu Berninis Zeiten befanden sich die Skulpturen der Sammlung Farnese noch im Palazzo Farnese und Bernini kannte sie sicherlich so gut, dass sie sein Werk beeinflusst haben.
Das Gebäude wurde im 16. Jh. als Kaserne erbaut und im 17. Jh. zur Universität umgebaut.
Die neapolitanische Universität wurde bereits am 5. Juni 1224 von Friedrich II. gegründet, als drittälteste Uni Italiens.
Von 1787 bis 1816 wurden alle Sammlungen in dem restaurierten Palazzo vereint, im Jahr 1957 wurde die Gemäldesammlung nach Capodimonte überführt.
König Karl III. von Neapel hatte eine umfangreiche Kunst- und Antikensammlung - die Sammlung Farnese - von seiner Mutter Elisabeth Farnese geerbt und von Rom (und Parma) nach Neapel geholt.
Die Sammlung umfaßte 400 Skulpturen, Gemmen, Bücher und Zeichnungen. Viele der Funde wurden einst in den Caracalla-Therme und nach ihrer Entdeckung 1647 im Palast der Familie Farnese aufgestellt.​







Arthemis Ephesius​


Das Idol des Artemis Ephesius-Kultes (Göttin der Natur). Der Busen hat 4 Reihen von Brüsten, die symbolisch die alles ernährende Natur bedeuten.​





Die Hauptwerke sind​

Hercules Farnese


Es handelt hierbei sich um eine römische Kopie eines griechischen Originals des Bildhauers Lysipp aus der Zeit Alexanders des Großen, welches leider verloren ging. Wie auf der Schrift zu erkennen, ist
die Kopie von Glykon. Die Herkunft des Marmors ist nicht bekannt. Von dem Original wurden in der Antike mehr als 90 Kopien angefertigt, was auf die Beliebtheit des Werkes schließen läßt. Gefunden
wurde die Skulptur zusammen mit anderen 1545 in den Caracalla-Thermen - für diesen Ort wurde sie wohl auch geschaffen - und Paul III. hat sie sogleich in seinem neuen Palast bringen lassen. Die
damals fehlenden Beine wurden zunächst von Giacomo della Porta ergänzt und erst lange nach dem Fund der Originalbeine wieder ersetzt. Aufgestellt wurde sie, zusammen mit dem "Hercules Caserta", prestigeträchtig in den Arkaden des Innenhofes. In dem neu entbrannten Antiken-Konkurrenzkampf alter römischer Adelsfamilien standen die Farnese nun ganz oben. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts wurde die Sammlung Farnese zunächst nach Parma, im Juli 1787 dann nach Neapel gebracht.​


Stier Farnese




Die ca. 4m hohe Marmorgruppe wurde ebenfalls in den Caracallathermen gefunden.
Die Szene spielt sich auf dem Berg Kithairon ab: Amphion und Zethos sind im Begriff ihre Mutter Antiope zu rächen, die jahrelang von Lykos, dem König von Theben und seiner Frau Dirke gefangen gehalten und misshandelt worden ist. Die Brüder töten Lykos und binden Dirke an den Stier, während Antiope zusieht. Das Werk wurde schon bei Plinius d.Ä. erwähnd im Zusammenhang mit den Künstlern Apollonis und Tauriskos​




Atlas Farnese
Der Titan Atlas trägt natürlich nicht die Erdkugel, sondern das Himmelsgewölbe auf seinen Schultern. Auch hier handelt es sich um eine römische Kopier eines Griechischen Originals eines unbekannten Schöpfer. Zur Vorlage nahm er dabei offenbar den Sternkatalog des Hipparchus, der zweitausend Jahre lang als verschollen galt.
Die 41 Sternbilder zeigen den Himmel um 125 v. Ch.​





 

nummis durensis

Pontifex Maximus
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Ich sag's doch, das Museum ist unbedingt etwas für meines Opas Enkel :nod:

Geniale Objekte, danke für's Zeigen. Ist dir näheres über die beiden Herren bekannt? Ersterer scheint ja wohl aus der julischen Dynastie zu stammen und der andere sieht wie ein Grossonkel Hadrians aus :lol:

Zur Artemis Ephesus: Da bin ich allerdings ein Verfechter der 'Stierhodentheorie' ;)
 

Simone-Clio

Augustus
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Stammrömer
Ich sag's doch, das Museum ist unbedingt etwas für meines Opas Enkel :nod:

Geniale Objekte, danke für's Zeigen. Ist dir näheres über die beiden Herren bekannt? Ersterer scheint ja wohl aus der julischen Dynastie zu stammen und der andere sieht wie ein Grossonkel Hadrians aus :lol:
Ersterer ist der Farnese Caesar. Siehe: http://cir.campania.beniculturali.i...allery/RA73?searchterm=CESARE&set_language=en

This bust was found in Rome near the monastery of San Lorenzo, in the Spolia Christi district, the area where in medieval times it was believed that the Forum of Trajan and, in particular, the Basilica Ulpia were located. Mounted on a moulded base with a concave profile, it portrays Julius Caesar with regular features, curly hair brushed towards his forehead, a particularly robust cranium, two deep horizontal wrinkles on his forehead and a protruding chin. It is part of a series of colossal portraits of the emperors of the first century A.D. as well as the forefathers and leading figures of Republican Rome which were arranged in the Forum of Trajan and the neighbouring Forum of Augustus. The sculpture, which was located at Palazzo Farnese together with the colossal portraits of Vespasian, Tiberius and Antoninus Pius, was intended, according to a design that was never carried out, to decorate the main entrance of the building.
Vielleicht findet sich die zweite Büste auch auf dieser Seite! :idea:

Vielen Dank auch von mir für diesen Teilbericht, dentaria. :thumbup:
 

nummis durensis

Pontifex Maximus
Stammrömer
Nun, die Portraits von Caesar, Augustus & Co. sind auch nicht immer einfach zu deklarieren. Man darf nicht vergessen, dass es gerade zu dieser Zeit schwer in Mode war, die hohen Herren zu idealisieren. Selbst die Münzabbildungen bringen da oftmals nicht wirklich weiter, denn dort ist ähnliches zu beobachten. :idea:

Es gibt übrigens ein lustiges Spielchen, wo man sich üben kann, den Herren der Schöpfung die jeweilige Kaiserlady zuzuordnen: http://www.roth37.it/COINS/Sfinge/coppie/coppie.html
 

dentaria

Augustus
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Rom-Reise
13.12.2021-18.12.2021
Umso höher ist Deine Leistung, die Büste richtig zuzuordnen. :thumbup:​

Vielen Dank dafür.

Morgen gibt's noch mehr Bilder aus dem Museum.​
 

nummis durensis

Pontifex Maximus
Stammrömer
Na ja, das möchte ich nicht als Leistung bezeichnen. Es rührt einfach von meinem besonderen Interesse bzw. langzeitigen Projekt, inwiefern die Münzabbildungen mit den Plastiken übereinstimmen. Da bekommt man natürlich einiges 'zu sehen' und irgendwann werden die Personen fast zu 'Familienangehörigen' :lol:

Und ich freue mich auf weitere Bilder... vielleicht ist auch die Plautilla dabei? *sabber*
 

Simone-Clio

Augustus
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Hercules Farnese



(...) Die​

damals fehlenden Beine wurden zunächst von Giacomo della Porta ergänzt und erst lange nach dem Fund der Originalbeine wieder ersetzt. Aufgestellt wurde sie, zusammen mit dem "Hercules Caserta", prestigeträchtig in den Arkaden des Innenhofes.
Hervorhebung durch mich. Nicht "mein Freund" ;) Giacomo della Porta (1532 bis 1602) sondern Guglielmo della Porta (1500 bis 1577) hat die Beine für den Herkules Farnese geschaffen.

Siehe z.B.: Projekt Gutenberg-DE - SPIEGEL ONLINE



An seine Bauten schließen sich die wenigen Namen der Künstler an, welche als Schüler oder Gehilfen, nun schon die dritte Generation, Michelangelo umgaben und überlebten.
Beim Palast Farnese ging ihm Guglielmo della Porta zur Hand. Michelangelo ließ den Herkules darin aufstellen, der heute als der Farnesische in Neapel steht und dem damals die Beine vom Knie bis an die Knöchel fehlten. Della Porta ersetzte sie. Michelangelo war so zufrieden damit, daß er, als die echten alten Beine dann gefunden wurden, diese beiseite setzen ließ. Goethe sah die Statue noch, bevor sie aus Rom nach Neapel geschafft wurde. Als er sie zuerst gesehen, hatte er gemeint, es sei nichts gegen die Restauration einzuwenden, als dann aber die echten Füße darunter gebracht worden waren, schreibt er, es sei ihm unbegreiflich, wie man die Arbeit della Portas so lange habe gut finden können. Sicherlich erkannte auch Michelangelo den bedeutenden Unterschied, und was er tat beweist, wie große Rücksicht er auf della Porta, vielleicht aus Güte, nahm, denn die Superiorität der antiken Arbeit, der sich heute jeder, ohne beleidigt zu sein, unterordnen würde, war damals nicht so allgemein anerkannt.​
 
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Augustus
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Hier noch mehr Skulpturen



















 
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