Bericht: Hola Madrid!

Claude

Triumphator
Stammrömer
Am 24. 10. sollte es endlich losgehen. Seit Ende August freuten wir uns schon auf den gemeinsamen Ausflug.

Der Koffer wurde am Abend gepackt - mit winterlicher Ausrüstung (warme Pullis, Handschuhe, auf Empfehlung einer madriderfahrenen Kollegin ein warmer Schlafanzug, Schirm etc.). Gegen Mittag traf ich dann Aina in La Defense und wir machten uns auf den Weg zur Porte Maillot, wo der Shuttle-Bus nach Beauvais abfahren sollte. Es war alles grau, zwar nicht mehr ganz so kalt wie in den Tagen vorher, aber es regnete und es war einfach ungemütlich.
Es war für uns beide das erste Mal, dass wir in Beauvais mit Ryanair gestartet sind. Allen Befürchtungen zum Trotz klappte es wie am Schnürchen, der Flieger hob pünktich ab. Der Flughafen in Beauvais ist schauderhaft (aber den wollten wir ja nicht besichtigen ;)). Gegen Abend landeten wir in Madrid, sammelten unser Gepäck ein, waren endlos lang in den Gängen des dortigen Flughafens unterwegs und nahmen dann die Metro in die Innenstadt, die in 20 Minuten zu erreichen ist. Auch die Suche nach dem Hotel war fix erledigt - gleich zahlte es sich aus, dass Aina des spanischen Idioms fließend mächtig ist! Ein gewaltiger Vorteil, denn man kann fragen und die Antworten verstehen. Davon sollte ich die ganze Woche über profitieren.

Das Hotelzimmer kann man als spartanisch bezeichnen, aber es war sehr sauber, die Betten bequem UND: es war mitten im Zentrum von Madrid (aber doch total ruhig - eine Ausnahme, wenn man Reiseführer studiert, das dortige Nachtleben kennt und das Verhältnis der Spanier zu Lautstärkepegeln).

Nun brauchten wir aber noch eine Stärkung - und es war auch schon fast die landesübliche Abendessenzeit. Also machten wir uns auf den Weg, um einen ersten Eindruck von der Stadt zu bekommen. Es war unglaublich viel los. Aina fragte in einem Lädchen, in dem wir uns mit einer Wasserflasche versorgt hatten, wo man denn etwas picken könnte und wir bekamen einen Hinweis, haben aber dann das Gegenteil von dem getan, was uns geraten wurde. Also nicht rechts herum, sondern nach links.
Gelandet sind wir in einer Tapas-Bar, rappelvoll unglaublich laut und kein einziger Tourist. Wir haben gut und preiswert gegessen.

Nach einem kleinen Verdauungsspaziergang (wobei wir unseren Freund für die nächsten Tage, den Erdbärbären an der Puerta del Sol, kennenlernten) waren wir dann rechtschaffen müde und sind in unsere Unterkunft zurück.

Claude
 
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Claude

Triumphator
Stammrömer
25.10.2009

Das Frühstück war ähnlich spartanisch wie das Zimmer, aber mit etwas anderem hatten wir eigentlich nicht gerechnet. Wie in Rom auch, ist es besser in irgendeiner Bar in den Tag zu starten. Immerhin war der Kaffee gut und weckte einen.

Zuerst wollten wir die Stadt erkunden, um uns einen Überblick zu verschaffen. Der Spaziergang durch die Altstadt war somit unser erster Programmpunkt.

"Altstadt" ? Nun ja - im Vergleich zu Roma ist Madrid eine sehr junge Stadt. Erst mit den späten Habsburgern beginnt ihr Aufstieg - 1561 hat Philipp II. den Hof von Toledo dorthin verlegt - an ein städtisches Zentrum war dabei nicht gedacht, deswegen blieb der Bischofssitz (einen Bischof gibt es erst seit 1883 in Madrid) auch in Toledo (auch heute noch Sitz des Primas von Spanien) und es wurde keine Kathedrale gebaut (die heutige Kathedrale ist erst 1993 von Johannes Paul II. geweiht worden). Den größten Entwicklungsschub erfuhr die Stadt im 18. Jh. unter den Bourbonen.


Wir starteten unseren Rundgang auf der Plaza Mayor: beim Betreten des Platzes meinte ich nur: Wow - die Place des Vosges im Großformat. In der Mitte steht die Reiterstatue Philipps III. Eine wunderschöne, einheitlich gestaltete Platzanlage, schon früher Treffpunkt der Bürger, wo Theaterstücke aufgeführt wurden, wo Märkte und Stierkämpfe stattfanden, wo aber auch der Galgen stand und die Autodafés der Inquisition stattfanden.
Da Sonntag war, bekamen wir einen Eindruck davon, wie es früher gewesen sein muß: Briefmarken- und Münzhändler hatten in den Arkaden ihre Stände aufgebaut. Neugierig wie wir sind, stöberten wir in den Angeboten. Hier gab es auch so manche römische Münze (hätte ich die Augustus-Münze vielleicht doch kaufen sollen???).

Fortsetzung und Fotos folgen
 
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Claude

Triumphator
Stammrömer
Weiter ging es durch den arco de Cuchilleros. Ein wuselndes Viertel mit alten Häusern und Gassen. Die Markthalle von San Miguel stimmte uns auf kulinarische Genüssen ein.


Durch die calle Conde de Miranda kamen wir auf die plaza del Conde de Barajas (charmant!) und erreichten irgendwann die Bischofskirche San Miguel, eine der wenigen vom italienischen Barock inspirierten Kirchen Spaniens aus dem 18. Jh. Auf der Rückseite ist der Sitz der Nuntiatur, wenn ich Wappen und Inschrifttafel richtig interpretiere.

Fortsetzung folgt bald ...
 
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Asterixinchen

ehemalige Moderatorin
Stammrömer
Hallo und Moin, Moin Claude!


VIELEN DANK

:thumbup: :nod: :thumbup: :nod: :thumbup:

für den Beginn Deines / Eures Reisebeichtes


Ich bin schon sehr gespannt wie es weitergehen wird ....



Gruß - Asterixinchen :)
 

Angela

Augustus
Teammitglied
Moderator
Stammrömer
Rom-Reise
15.03.2020-22.03.2020
Hallo Claude,

Du bist aber auch wieder fix! :thumbup:
Vielen Dank für Deine ersten Eindrücke - Madrid ist für mich gänzlich unbekannt und so freue ich mich auch sehr auf Fotos! ;)

Liebe Grüße

Angela
 

Aina

Aedilis
Stammrömer
Gracias!!

Ich bin noch gar nicht wieder zu Hause! Das hast du sehr schön begonnen. Estas siempre mas rapida que yo! Lo siento! Tengo mala conciencia...

Bis dann

Aina
 
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Claude

Triumphator
Stammrömer
Wie Du weißt kann ich zwar das geprochene Wort nicht verstehen (bei der ersten Durchsage auf Spanisch im Flugzeug dachte ich, die verschlucken ihre Zunge) - aber schriftlich verstehe ich erstaunlich gut ...

Claude
 

Aina

Aedilis
Stammrömer
Wie Du weißt kann ich zwar das geprochene Wort nicht verstehen (bei der ersten Durchsage auf Spanisch im Flugzeug dachte ich, die verschlucken ihre Zunge) - aber schriftlich verstehe ich erstaunlich gut ...

Claude

Im Schriftlichen ist Spanisch leichter zu verstehen als Italienisch. Mündlich ist es umgekehrt!

Lo aprenderas! Seguro!
 

Claude

Triumphator
Stammrömer
Während wir durch die Gässchen und Strässchen spazieren, hören wir Musik - wie ich zuerst dachte: Dudelsäcke. Neugierig geworden gehen wir in Richtung der Laute, die wir hörten und stießen auf ein unerwwartetes spectacle: In traditionelle Gewänder gehüllt (teilweise jedenfalls), der Moderne aber durchaus zugetan (es wurde ganz zeitgemäß mit dem Handy telefoniert, auch wenn man in historischen Gewändern hoch zu Roß saß) zog eine Prozession durch die Straße. Ich dachte zunächst: Patronatsfest einer Kirche. Aber Aina befragte einen Passanten: einmal im Jahr werden die Schafe der Provinz (bzw. ihre Repräsentanten - natürlich nicht alle) durch die Stadt getrieben. Wohl vergleichbar mit dem Almabtrieb an der wende vom Sommer zum Winter.


Man beachte das Schuhwerk: damit bleibt man im Mist nicht stecken!

Unser Freund Archivbär Bruno hätte sich auch gefreut:


Etwas später dachten wir:

Aber unser Rundgang war noch nicht beendet, auch wenn wir gelegentlich Fachleute nach dem Weg befragen mußten:


So kamen wir dann auch an die Plaza della Villa mit dem Ayuntamiento aus dem Anfang des 17. Jh. - das erste repräsentative Verwaltungsgebäude Madrids.


An diesem Platz findet man auch die casa de los Lujanes, eines der seltenen Beispiele für Zivilarchitektur des 15. Jh in Madrid, von deren Balkon aus die königliche Familie Prozessionen (wie wir kurz vorher) verfolgten.

Ein weiteres interessantes Bauwerk an diesem still gelegenen Platz ist leider dúrch Restaurierungen entstellt (aber es waren wieder Arbeiten im Gange - vielleicht zur Behebung von Fehlern).

Über die calle Mayor ging es weiter zur plazuela del Cordón. Schließlich erreichten wir den mittelalterlichen Markt, heute eines der elegantesten Viertel der Stadt. von den Jardines de las Vistillas aus hat man ein schönes Panorama hin zur Kathedale "la Almudena". Weiter ging es zur Kirche San Francisco el Grande, wo man ein frühes Werk von Goya sehen kann: die Predigt des Bernhardin von Siena für den König von Aragon. Das Chorgestühl stammt aus einem Kloster in Segovia.

Die calle de Toledo ist eine der belebtesten Straßen Madrids. Hier konnte man frisch zubereitete Kartoffelchips kaufen (die müssen gut gewesen sein: wir begegneten vielen Leuten mit Tüten in der Hand - aber wir sind standhaft geblieben und haben dann sogar versäumt, ein Foto des Fensters zu machen: es war bis oben hin mit Chips gefüllt. Der Schlange nach zu urteilen müssen die gut gewesen sein ...).

Die Kirche San Isidro war die ehemalige Jesuitenkriche in Madrid und zwischen 1885 und 1993 die Kathedrale der spanischen Hauptstadt. Sie birgt die Reliquien des Schutzpatrons der Stadt.
Auf der Plaza de la Provicia konnte man das alte Gefängnis sehen, in dem Lope de Vega eingesessen hat. Heute befindet sich darin das Außenministerium. Den Rundgang beendeten wir an der Puerta del Sol, bei unserem Freund.

Sicher habe ich einige Schlenker ausgelassen, man entdeckt an jeder Ecke etwas. Jedenfalls haben wir die für den Stadtrundgang vorgeschlagene Zeit weit überschritten und hatten uns nun ein Häppchen verdient. Und wo konnte man das stilvoller einnehmen als - in der Sonne sitzend - an der Plaza Mayor.

Ja - und das habe ich vergessen. All die Winterkleidung, Schirm und sonstige Utensilien sollten sich als völlig überflüssig erweisen. Es waren sommerliche Temperaturen - tagsüber reichte ein T-Shirt und auch am Abend bedurfte es nur einer Strickjacke. Das sollte auch in den nächsten Tagen so bleiben und war zu unserer Freude: vergessen der graue Alltag im regnerischen Paris. Viva Espana!

Nach angemessener Stärkung verbrachten wir den Nachmittag verbrachten in der Sammlung Thyssen (Fotoverbot). Wir hätten dort gern eine Stunde länger gehabt (oder noch ein wenig mehr) - aber um 19 Uhr schloß das Museum.

Einen Überlick über die Schätze, die dieses Museum birgt, findet man hier (auch wenn man kein Spanisch kann - die Bilder sprechen für sich)

http://www.museothyssen.org/thyssen/obras

Es war eine gute Idee, von den Museen zuerst diese Sammlung abzuschauen: dort bekommt man einen guten Überblick über die europäische Kunstgeschichte. Tipp: unbedingt einen Kopfhörer für einen MP3 Player mitnehmen. Den kann man an den Audioguide anstöpseln und braucht dann nur ein Gerät (so schlau waren wir leider nicht, aber beim nächsten Ausflug wird ein Kopfhörer eingepackt!).

Viele Grüße
Claude
 
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Asterixinchen

ehemalige Moderatorin
Stammrömer
Hallo und Moin, Moin Claude!


VIELEN DANK

:thumbup: :nod: :thumbup: :nod: :thumbup:

für die Fortsetzung und für das Einbinden der vielen schönen Bilder

:!: :!: :!:


Gruß - Asterixinchen :)
 

Claude

Triumphator
Stammrömer
Allen Lesern einen Dank für die ermunternden Kommentare.
Ich hoffe, dass ich morgen weiterschreiben kann.

Viele Grüße
Claude
 

Claude

Triumphator
Stammrömer
Ich weiß nicht, wie viele Kilometer wir an unserem ersten Tag insgesamt gelaufen sind: auf alle Fälle war das Abendessen (zu spanischen Zeiten, d.h. um Einiges nach 20 Uhr) redlich verdient. Wieder haben wir es uns in einer Tapas-Bar abseits der Touristenfallen gemütlich gemacht und den Tag mit raciones und Rioja beschlossen. Entsprechend spät waren wir im Hotel.

Tipp: Madrid ist eine sehr lebendige und auch am Abend vibrierende Stadt. Viel für ein Zimmer auszugeben, wenn man ohnehin nur Schlafen möchte (draussen ist einfach zu viel zu entdecken), lohnt sich wirklich nicht.

Gleich gehts weiter. Das Telefon klingelt ...
 
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Claude

Triumphator
Stammrömer
26.10.2009

Angesichts der Tatsache, dass die meisten Museen in Madrid Montags geschlossen sind, hatten wir uns vorgenommen, einen Tagesausflug nach Toledo zu machen.

Von Madrid aus fährt ein TGV in nur 30 Minuten dorthin. Wir hatten den Zug um 10.20 ausgesucht, damit am frühen Morgen kein Stress ausbricht. Das war auch ganz gut so. Am Bahnhof Atocha waren wir mit der Metro recht schnell. Aber dann steckte die Tücke im Detail, galt es den richtigen Schalter zu finden, an dem man die Fahrkarten erwerben kann. Selbst Aina war bald am Verzweifeln: da es verschiedene Bahngesellschaften gibt und jede ihre eigenen Schalter hat, war erst der vierte Schalter der richtige. Bis dahin hatten wir uns dann durchgefragt, waren um 10 am Schalter, vor uns eine längere Schlange von Leuten, die ebenfalls nach Toledo wollten und der Anzeige: Fahrkartenverkauf endet 10 Minuten vor Abfahrt des Zuges. Wir befürchteten schon, dass ein "changement de programme" notwendig werden könnte. Aber das war dann doch nicht erforderlich und nach einer erneuten Sicherheitskontrolle konnten wir den Zug besteigen. kurz vor elf waren wir vor Ort und hatten ausgiebig Zeit, denn den Rückweg wollten wir erst um 19.30 Uhr antreten.
Ein Bus brachte uns vom Bahnhof (neu, aber dem Mudejar-Stil nachempfunden) auf die Plaza de Zocodover und wir konnten die Erkundung des Ortes beginnen.
 

Asterixinchen

ehemalige Moderatorin
Stammrömer
Hallo und Moin, Moin Claude!


VIELEN DANK

:thumbup: :nod: :thumbup: :nod: :thumbup:


für die Fortsetzung

Bin schon gespannt auf Toledo ...


Gruß - Asterixinchen :)
 

Claude

Triumphator
Stammrömer
Toledo
So - da waren wir nun: in der ersten Hauptstadt Spaniens - auf einem Bergsporn gelegen, der vom Tajo umflossen wird. Schon die Römer (Toletum) wußten die strategisch günstige Lage zu nutzen. Und schon früh wurde es ein kirchliches Zentrum, Tagungsort von bedeutenden Konzilien (das erinnerte mich an eine Prüfung vor vielen Jahren ... in der ich eine diesbezügliche Frage, welche allerdings schon sehr speziell war, nicht beantworten konnte - zu meinem Leidwesen biß sich der Prüfer daran fest. Schaden habe ich glücklicherweise damals nicht genommen). Nach den Römern kamen die Westgoten (Rekkared ist in Toledo zum Christentum konvertiert), später die Araber und dann die Reconquista.
Im 12. Jh. lebten 12 000 Juden in Toledo (nachdem ich den Ort kenne, habe ich Lust, die Jüding von Toledo von Feuchtwanger zu lesen), deren Synagogen von der muslimischen Kunst inpiriert sind. In einer Zeit größter Toleranz entstand in Toledo ein Zusammenleben jüdischer, christlicher und muslimischer Kultur, die sich gegenseitig befruchteten und eine Blütezeit der Stadt bedeuteten. Sollten wir heutigen daraus nicht etwas lernen?
Das war jedoch 1492 beendet, als ein königliches Dekret die Juden aus Spanien auswies.

Auf der Plaza de Zocodover besorgten wir und in einem Oficina de Turismo einen Stadtplan und zogen los. Zunächst zum Alcazar, der heute das Heeresmuseum beherbergt (die Sammlung mußte ihren Platz in Madrid zugunsten der Collection Thyssen räumen). Erster Gouverneur der FEstung war El Cid, Karl V. baute ihn zu seiner Residenz um.

Durch ein Gewirr von Gässchen (es ging auf unebenem Pflaster rauf und runter - von Stöckelschuhen möchte ich dringend abraten!) spazierten wir Richtung Kathedrale. Was auffiel: Die zahllosen Geschäfte mit Schwertern, Ritterrüstungen, Messern und Damaszenerarbeiten. Diese Kunstfertigkeit hat sich seit dem Mittelalter erhalten.


Wenn man sich der Kathedrale nähert, kann man kaum eine Vorstellung von ihren wahren Ausmaßen gewinnen - diese erschließen sich erst im Inneren, wenn man sie betritt und sich an das Halbdunkel gewöhnt hat (immerhin war draussen der hellste Sonnenschein). Erbaut vom 13.-bis zum 15. Jh. findet man hier die komplette Entwicklung der spanischen Gotik. Aber nicht so sehr das in die Höhe streben wie in Frankreich versetzt einen in Erstaunen, sondern die Weite des Raums, dessen Langhaus eine erstaunlich Breite aufweist. Dies ist der Tatsache geschuldet, dass die Kathedrale den Raum der ehemaligen Freitagsmoschee einnehmen sollte. Leider durfte man im Inneren der Kathedrale nicht fotographieren (nicht einmal ohne Blitz, was mit Ainas High-Tech Apparat durchaus möglich gewesen wäre). Wir haben viel Zeit gebraucht, um dieses Bauwerk zu erkunden. Leider war der Kreuzgang wegen Restaurierungsarbeiten nicht zugänglich. In der ehemaligen Sakristei befindet sich eine Pinakothek, die neben Werken von El Greco auch Goya, Tizian und vieles mehr zu bieten hat. Darunter auch den zweiten Caravaggio (Johannes der Täufer), den ich während unseres Ausfluges sehen durfte. Es gibt eine Kapelle, in der auch heute noch jeden Tag eine Messe nach mozarabischem Ritus zelebriert wird, leider schon um 9 Uhr morgens und dafür waren wir definitif zu spät. Das hätte mich schon sehr interessiert.

Von der Kathedrale aus setzen wir unseren Spaziergang fort zur Kirche Santo Tomé mit dem berühmten Gemälde "Das Begräbnis des Grafen Orgaz" von El Greco, das eine alte toledanische Legende zum Inhalt hat.

Hier nun eine Anmerkung: hat es mich schon gestört, dass man für die Kathedrale Eintritt bezahlen mußte (obwohl ich das aus der Toskana kenne - aber damit verwischen sich die Grenzen zwischen Gotteshaus un Museum völlig), so schätzte ich es gar nichtl, dass man an jeder Ecke zur Kasse gebeten wurde. Ein Pauschalticket, das man im Fremdenverkehrsamt erwerben kann, wäre eine bessere Alternative. So mußte man bei jeder Gelegenheit 2,30 Euro zahlen -z.B. wenn man das Bild von Greco sehen möchte. Und für nur ein Bild war das schon heftig - die Kirche an sich hat nicht viel mehr zu bieten.

Das Greco-Museum und die Synagoge El Transito waren leider geschlossen (ein Grund, wiederzukommen) und so beschlossen wir, zunächst eine kurze Mittagspause einzulegen.

Dann ging es weiter zur Synagoge Santa Maria la Banca, auch dort mußten wieder 2,30 gezahlt werden - und deswegen haben wir es auch absolut nicht eingesehen, das Fotoverbot zu beachten.


Nachdem die Kirche 1405 den Rittern von Calatrava übergeben wurde, erhielt sie ihren aktuellen Namen. Das Innere hat den Charakter einer almohadischen Moschee bewahrt und erinnerte mich sehr an die Mezquita von Cordoba.

Über die calle de los Reyos ging es weiter zu San Juan de los Reyes, mit dem traumhaften Kreuzgang, in reinem isabellinischem Stil, der Flamboyant-Gothik mit dem Mudejar Stil mischt. Eigentlich sollte es die Grablege der katholischen Könige werden, die sich aber nach dem Fall von Granada eben dort bestatten ließen.


Besonders angetan hatte es uns der Dudelsackspieler, der hier die Funktion eines Wasserspeiers übernahm:


Wie hoch die Stadt über dem Tajo liegt, kann man von verschiedenen Aussichtspunkten aus erkennen:


Wir schlossen einen Rundgang um einen teil der Stadtmauer an, die gut erhalten ist und durch diverse Stadttore den Eingang in die Stadt erlaubte. Die Moschee, auf den Überersten eines westgotischen Tempels erbaut nd nach der Rückeroberung durch die Christen in eine Kirche tranformiert, war leider nicht zugänglich und wir konnten sie nur von außen betrachten.

.

Es gab noch so manches Gässchen zu bewundern und auf unserem Spaziergang stärkten wir uns mit einer weiteren Spezialität des Ortes: Marzipan (mazapan).

Es galt bald Abschied zu nehmen von Toledo - aber wir kommen sicher irgendwann wieder in das spanische Rom, das auf Hügeln gebaut ist. Unsere Füße wußten, was sie getan hatten und freuten sich auf eine Verschnaufpause im SChnellzug nach Madrid.

Abschied von Toledo:



Gegen 20 Uhr waren sind wir müde wieder in Atocha angekommen und hatten das Abendessen redlich verdient.

Claude
 
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Claude

Triumphator
Stammrömer
27.10.2009 Madrid - Prado

Den heutigen Tag haben wir einer der reichsten Sammlungen gewidmet, die es zu erkunden galt. Leider ist fotografieren verboten ...

Wir haben sieben wirklich kurzweilige Stunden im Prado verbacht. den Schwerpunkt haben wir zunächst auf die spanische Malerei gelegt:
Velasquez :!:, Murillo, Goya, Zurbaran, El Greco ...

Nicht versäumt haben wir den Garten der Lüste und den Heuwagen von
Hieronymus Bosch. Museo Nacional del Prado: Galería On-Line[adv]=

Aber auch die Italiener waren reich vertreten - darauf waren wir durch die Tizian-Ausstellung im Louvre bereits vorbereitet. Ich könnte Romane über das schreiben, was man im Prado sehen kann ... aber dann würde ich niemals fertig!

Einen Eindruck bekommt ihr hier:

Museo del Prado ? Wikipedia
Museo Nacional del Prado: Pintura

Die Antiken der königlichen Sammlung haben ebenfalls ihre Heimat im Prado gefunden:
Museo Nacional del Prado: Escultura

Bei seinem Italienaufenthalt war es z. B. auch Velasquez, der die königliche Antikensammlung durch Käufe erweitert hat. Bei dieser Gelegenheit entstanden auch die beiden Gemälde von der Villa Medici in Rom:
Museo Nacional del Prado: Galería On-Line
Museo Nacional del Prado: Galería On-Line

Auf der HP des Prado kann man auch nach einzelnen Künstlern und Werken suchen - allerdings muß man die spanische Schreibweise kennen:
El Bosco (Hieronymus Bosch) und Velazquez etc. Es lohnt sich durchaus zu stöbern.
 

Simone-Clio

Augustus
Teammitglied
Moderator
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Stammrömer
Hola Claude,

herzlichen Dank für Deinen lebhaften Bericht aus Madrid, einer Stadt, mit der es mir bisher erging wie Angela:

Madrid ist für mich gänzlich unbekannt und so freue ich mich auch sehr auf Fotos! ;)

Das sollte man vielleicht irgendwann ändern! Toledo muss auch sehr reizvoll sein :thumbup:.

LG,
SImone
 

Aina

Aedilis
Stammrömer
Grand merci!!!

Vielen Dank liebe Claude für den schönen Bericht! Ja, genauso war es!:thumbup::thumbup::thumbup::thumbup:

Ich habe ein ganz schlechtes Gewissen, dass ich Dich so arbeiten lasse und nichts beitrage.

Liebe Grüsse,

Aina
 
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