Frühlingsahnen in Roma Aeterna

Ludovico ROB

Triumphator
Teammitglied
Moderator
Stammrömer
Besonders die Fotos der Fresken aus dem Pavillon der Villa Medici weckten angenehme Erinnerungen an unseren Besuch vor wenigen Jahren. Damals durfte ich nicht fotografieren. Neben unserer Führerin wachte noch eine Aufpasserin über die strenge Einhaltung des Verbots. Bei unserer speziellen Führung spielten die lukullischen Gärten eine wichtige Rolle. Der römische Feldherr Lucullus brachte ja Gartenbaukunst und die feine Küche aus dem vorderen Orient nach Rom. Die üppigen Gärten und seine Villa lagen auf dem Gelände der heutigen Villa Medici.
 
Zuletzt bearbeitet:

halmsen

Senator
Forum-Sponsor
Stammrömer
Rom-Reise
20.02.2019-24.02.2019
Liebe Nihil,
vorhin bin ich auf Deinen exzellenten Bericht gestoßen, den ich bis hierhin an einem Stück angeschaut und gelesen habe. Was für ein Programm! Was für eine Fülle an Zielen und Details! Vieles hatte ich noch nie gehört, geschweige denn gesehen. Und die detailreiche Arbeit, die Du Dir für das Forum machst. Ganz toll! DANKE. Ich freue mich auf die restlichen Tage.
Gruß Alex
 

ColleMarina

Praetor
Stammrömer
Rom-Reise
11.03.2020-25.03.2020
Jetzt habe ich auch endlich die letzten Berichtsteile lesen können und bin ganz überwältigt von der Vielfalt und den Details, die du für das Forum hier ausgearbeitet hast. Ich kann gar nicht sagen, was mich am meisten begeistert: Testaccio - Villa Medici - Ostia Antica? Alles ganz toll fotografiert und kenntnisreich beschrieben - vielen Dank dafür, liebe Nihil!
 

Nihil

Tribunus plebis
Stammrömer
Lieber Ludovico, lieber Halmsen, liebe ColleMarina und alle anderen treuen Mitleser,

Danke für eurer grosses Lob, da werde ich ganz rot...Ich freue mich sehr, dass mein Reisebericht Leser findet und wenn mein Geschreibsel dann auch noch Freude bereitet, Interesse weckt und , wer weiss, vielleicht zum Selbstentdecken animiert, ist das prima. Manchmal ist es einfach Glück, dass man zufällig zur rechten Zeit am rechten Ort ist, und dann auch noch die Kamera einsatzbereit hat. Ich muss aber zugeben, dass ich mir nun bei der Entdeckung Roms viel mehr Zeit lasse ( oder lassen kann), denn die Ziele, die für die meisten Erstbesucher auf dem Programm stehen, sind " abgearbeitet". Das heisst natürlich nicht, dass ich keine Wiederholungen einlege. Oft sieht man ja erst beim zweiten, dritten Blick mehr. Und wenn man dann endlich mal die passende Literatur dazu gelesen hat....bei mir meistens erst nach dem Rombesuch:rolleyes:, weiss man auch mehr!
Demnächst folgt die Fortsetzung und ich hoffe, dass ihr weiter mitlest.
 
Zuletzt bearbeitet:

Nihil

Tribunus plebis
Stammrömer
Und es folgt der siebte Streich; Freitag, 7.Tag

Heute hiess es für einen Teil der Familie / Freunde schon Abschied nehmen und zurück zu fliegen in die kühlen nördlichen Gefilde. Roma konnte sich, was das Wetter betraf, nicht so recht entscheiden, ob die Sonne scheinen sollte, oder eher Wolken aufziehen, oder doch ein bisschen Regen?! Wir hatten von allem etwas, was man auch auf den Fotos sieht...Genauso wie das Wetter, waren auch die Informationen zum, auch im Forum gross angekündigten Generalstreik: widersprüchlich :rolleyes:. Also für einen Generalstreik war die Umsetzung: pppppfffffffff. Mehrere Telefonanrufe bei den diversen Fluglinien ergaben nichts: man wisse nichts von einem Streik!, Beim Bahnhof gab man sich bedeckt: es könnte sein, gewisse Züge, eventuell oder auch nicht. Die Taxifahrer, die angeblich den Streik unterstützen sollten mit Beförderungsverweigerung, sagten am Vorabend des Streiks " Bis morgen dann...". Kurz, meine Familie hatte weder morgens , noch im Laufe des Tages keinerlei Schwierigkeiten den öffentlichen Verkehr zu nutzen. Ich hatte sowieso mein Besichtigungsprogramm um die Ecke und damit in Laufdistanz geplant. Heute wollte ich den Coelio entdecken. Es wurde nur der halbe Hügel! Also muss ich wieder kommen, um auch den Rest zu entdecken. :)
Ich spazierte über den kleinen Aventin und dann auf der Viale Aventina bis zum


am Fuss des Celio gelegen. Merkur hatte es mir bei diesem Romaufenthalt angetan! Lauter Zufälle, aber eindrücklich. Erst die Statue im Romulustempel, dann der hübsche Merkur im Garten der Medici Villa, als Kopie des Werkes von Giambologna....und nun die Merkur geweihte Quelle bzw. sein Tempel in Rom. Der Kult des Mercurius war von grosser Bedeutung in Rom, da er als Gott des Kornhandels galt und was wäre Rom ohne Panem ( et circensis) gewesen?! Es wurde eine Kornhandelsgesellschaft gegründet , deren Mitglieder Mercuriales genannt wurden. Der Feiertag des Gottes war der 15. Mai, an dem im Tempel geopfert wurde und die Anwesenden und die Waren mit ( Weih-) Wasser aus der Quelle besprengt wurden.
Der 4. bzw. 3. Tag der Woche wurde nach Merkur benannt Mercurii dies. Unser Mittwoch entspricht nur der Zeiteinteilung der Woche. In anderen romanisch geprägten Sprachen hat sich Merkur bis heute erhalten. Span.:Miercoles, ital.: Mercoledi, franz.: Mercredi, alban.: e Mërcurë.
Leider konnte ich nicht ausfindig machen, ob und wann dieses Brunnenhaus zu besichtigen ist. Also zog ich den Hügel hinauf. Hier ein kleiner Überblick über den Hügel, der doch ein sehr weitläufiges Gebiet umfasst.

Zunächst stand ich am rechten Ort vor einer grossen Treppe, die zur Kirche hinauf führt


Nachdem mir ein freundlicher Mittourist den richtigen Klingelknopf gezeigt hatte, wurde ich auch hineingelassen in die Kirchenräume. Man betritt nämlich erst einen Vorhof und kann die Kirche nur über die Klosterpforte betreten.

Die Kirche wurde barockisiert, was meiner Meinung nach nicht unbedingt zu ihrer Verschönerung beigetragen hat. Immerhin gibt es einen sehr schönen Fussboden aus Kosmatenmosaik.


Ein sehr schön gearbeiteter Steinsessel stand" im Weg" herum;),


in einer Seitenkapelle entdeckte ich dieses Fresko, was scheinbar so am ursprünglichen Ort belassen wurde, denn das Fresko beschreibt eine Rundung, während die Wand der Kapelle ganz gerade gezogen ist.


In der gleichen Kapelle ist ein Wandbild des Namensgeber dieser Kirche: der heilige Gregorius, einer der vier lateinischen Kirchenväter. Papst Gregor I. von 590 - 604, stammte aus einer adligen römischen Familie und strebte zunächst eine weltliche Karriere an. 575 wurde er Mönch, wobei ihn vorallem das benediktinische Mönchstum beeindruckt. Die elterliche Villa wandelte er in ein heute noch bestehendes Kloster um:
Santi Andrea e Gregorio al Monte Celio. Der Namenszusatz Gregorio kam natürlich erst später dazu.

Und was hier als Portrait Gregors mit der Engelsburg im Hintergrund erscheint, geht auf die Legende zurück, dass Gregor der Grosse aufgrund einer Pestepidemie eine Bittprozession anführte, und plötzlich sah, wie der Erzengel Michael auf dem Hadrianeum( dem Begräbnisort des Kaiser Hadrian am Tber) landete und sein Schwert in die Scheide steckte. Dies interpretierte Gregor als göttliches Einsehen und als Ende der Pest, was sich scheinbar bewahrheitete und seither zum Namen " Engelsburg" führte.
Die drei der Kirche angeschlossenen Oratorien waren natürlich geschlossen. Auch hinterherum gab es keinen Zugang, nur Sicht durch wässrige Spiegelungen:)


So führte mich mein Weg um die Ecke in den Clivo di Scauro:

Der Clivus Scaurius ist noch eine der alten orginalen römischen Strassen, die vom Circus Maximus/ Pallatin zum Tempel des vergöttlichten Kaiser Claudius führte. In ihrem Strassenverlauf kann man noch Ziegelbauten aus dem 3. Jahrhundert nach Christus sehen und auch noch die Reste des Claudius-Tempels, überbaut in späteren Jahren.

Bei der folgenden Namensbezeichnung musste ich mich erst belesen. Dies scheinen die noch bestehenden Aussenwände einer der ersten christlichen Bibliotheken zu sein, wo die Werke kirchlicher Autoren in Latein und in Griechisch gesammelt wurden. Agapetus war Bischof von Rom und damit auch Papst, der allerdings nur von 535-536 als Kirchenoberhaupt der weströmischen Kirche wirkte. Er lebte in politisch und auch religiös unruhigen Zeiten, doch es scheint, dass ihm eine Einigung/ Entspannung zwischen der Ost- und der Westkirche gelang. Er wird heute noch als Heiliger in der Orthodoxie verehrt.

Dies war mein nächstes Ziel: Die Basilika SS. Giovanni e Paolo

Diese Kirche ist eine der frühesten Kirchen der römischen Kirchengeschichte. Sie steht auf den Resten von Häusern aus dem 2.-4. Jahrhundert n. Chr. Man kennt mehrere Namen für diesen Ort, u.a. auch Titulus Byzantis. Eventuell war Byzantis der Besitzer dieser Domus, eines Stadtpalastes aus dem 4. Jahrhundert, der in seinen Privaträumen eine christliche Kultstätte einrichtete. Diese wurde auch bei der späteren Bebauung geschont bzw. in den Kirchenbau mit einbezogen. Die Kirche ist zwei lokalen Heiligen geweiht, die römische Beamte oder Offiziere waren und das Martyrium um 361 unter Kaiser Julianus Apostata erlitten.
Von aussen wirkt die Kirche rein romanisch , mit einem seitlich, ehemals frei stehenden, eleganten Kirchturm und einer Apsis mit Zwergengalerie.

Man betritt eine Art offenen Kirchenplatz, der sich zwischen dem Narthex, den Klosteranbauten und dem Kirchturm auftut. Die den Narthex tragenden Säulen sind natürlich Spolien aus römischen Tempeln. Aber das olle Zeug lag ja auch überall rum, also wurde es gleich weiter verwendet.;)

Der Eingang zur Kirche wird von 2 Löwen bewacht, die aus dem 12. Jahrhundert stammen.



Die Kirche innen ist sehr barockisiert, man kann allerdings noch einiges aus der ersten Bauphase erkennen, zumindest die herrlichen Kosmatenarbeiten, hier und da auch noch ein römisches Kapitell.

Die Kirche war leider sehr dunkel gehalten, weshalb mir keine Fotos vom schönen Fussboden gelungen sind. Diese Kirche ist eine der beliebtesten römischen Hochzeitskirchen und wird bei so einem Akt bestimmt schön ausgeleuchtet. Um Punkt 12:00h wurde das Portal geschlossen, ich zog weiter auf den "Gipfel", den Parco Celimontana.
Hier ein Blick zurück durch das Gartenportal auf SS. Paolo e Giovanni:

Im Park gab es viele Ein-und Ausblicke auf Stadtmauern, alte Stadttore wie den Arco di Dolabella, Aquädukte wie die Acqua Claudia.

Nicht alles ist immer uralt in Rom; hier was Neues, nämlich Neogotisches, also nur rund 100 Jahre alt, wild romantisch überwuchert:

Eigentlich gibt es auch Toiletten dort im Park, gegen Bezahlung, leider nicht zugänglich, zumindest nicht im Winter. Und da sind wir bei einem Problem auf dem Caelius: Kein Café, Kein Clo!!! Also für Besichtigungstouren empfiehlt sich eine leere Blase. Bei Kaffeedurst oder Blasendruck muss man auf der anderen Hangseite absteigen und wird dann in den Gassen fündig, oder man muss heroisch aushalten. Da oben auf dem Gipfel weht viel Geistiges/ Geistliches mit Kirchen und Kirchlein und ansonsten regiert die verwilderte Natur. Der Park erschien mir etwas vernachlässigt, und nicht nur, weil der Sturm der vorherigen Woche auch hier Spuren hinterlassen hatte. Überall kniehohe Brennesseln und gewisse Stellen mit strengem Geruch und Papiertaschentüchern. :(:eek:
Auch diese Figur wirkte beschietert,

allerdings waren die Übeltäter sofort auszumachen.:p

Der Park ist wunderbar gelegen, mit Ausblicken vorallem gen Caracalla-Thermen. Im Mittelalter ein Weinberg, wurde das Areal von der Mattei-Familie 1553 erworben. Mir scheint, die Matteis hatten gerne schöne Aussichten auf Rom, wie auch von der Loggia Mattei auf dem Palatin.;) Ein paar Jahre später liess Ciriaco Mattei die Villa bauen, die allerdings im Laufe der Jahrhunderte viele Umbauten erlebte. Heute ist hier der Sitz der italienischen geographischen Gesellschaft.


Im Park, der später in einen englischen Garten umgeformt wurde, fand sich natürlich viel Antikes in der Erde, was in die Sammlung der Mattei einging, später an den Vatikan verkauft wurde und noch später dann, auch als Raubkunst in Paris landete.
Hier im Park liegt trotzdem noch einiges rum:

Hier sieht man einen angestückelten Obelisken, zusammengesetzt aus einem orginalen Spitz (aus den Zeiten Ramses II. stammend) und anderen Teilen, deren Ursprünge man nicht mehr weiss. Schön drappiert auf einem Untersatz und flankiert von zwei grossen Amphoren.


Immer wieder ergeben sich schöne Sichtachsen und das Auge erfreuende Ansichten:


Ich strebte nun dem Ausgang an der Via di Navicella zu und begegnete dem eigentlichen Herrscher über Celimontana:

Der schwarze Panther hielt Hof und übte mit absoluter Autorität die Aufsicht über diesen Park aus. Die Besucher mussten um dieses stoisch sitzende Katzenvieh herumlaufen, das sich nicht einen Millimeter bewegte. Ich konnte beobachten, dass die Hunde an der Leine den weitmöglichsten Abstand zu der Katze hielten, bzw. ihre Besitzer an der Leine in die entgegengesetzte Richtung zerrten. Es ist anzunehmen , dass Canis Lupus ( der Hund) über einschlägige Erfahrungen mit Felis Cato ( Katze) verfügte und der Gewinner dieser Auseinandersetzung zwischen den Spezies feststand. :D

Beim Ausgang könnte man eigentlich gleich die nächste bestimmt sehr schöne Kirche anschauen; S. Maria in Domnica. Diese ist leider für die längste Zeit geschlossen, denn aufgrund der Metro-C-Bauarbeiten ist die Kirche innen wie aussen total mit Gerüsten gesichert gegen die Erschütterungen beim Tunnelbau.
Das Marmorböötchen vor S. Maria in Domnica liegt auf dem Trockenen:


Genauso gesichert wie S. Maria in Domnica, ist auch S. Stefano Rotondo um die Ecke. Dort kann man zwar in die Kirche hinein, sieht aber leider nichts von den erst kürzlich renovierten Orginalfresken. Diese sind allerdings auf eine Baufolie gedruckt, die den Orginalen vorgehängt sind. So gibt es nur ein paar herum irrende Fotos, bevor die Kirche um 13:00 geschlossen wurde. Bei geschickter Anordnung könnte man trotz der kirchlichen Mittagspause, viele Kirchen da oben auf dem Celio "in einem Rutsch" besuchen.
Blick in den Vorhof und Narthex von S. Stefano Rotondo:


Ach, auch hier schmückende Gartendekorationen in echt Antik:


Mein Weg führte mich zurück durch den Arco Dolibella in die Via de S. Paolo della Croce, um die abgassgesättigte Via Claudia zu vermeiden. Mittlerweile schien die Sonne und so wirkte die Kirche SS. Paolo e Giovanni ganz anders, gleichsam leuchtend:

Und nun erfolgte der Abstieg in die Unterwelt, denn ich begab mich in die Case Romane del Celio, die durch einen Seiteneingang unter der Kirche SS. Paolo e Giovanni zu betreten ist. Und glücklicherweise ist die Case Romane durchgehend von 10:00-18:00 Uhr geöffnet. Auf meinem kleinen Informationesblatt steht zwar etwas von Mittagspause, aber das ist nicht mehr aktuell, genauso wie der Eintrittspreis von 6 Euro...mittlerweile kostet der Eintritt 8 Euro und ist sein Geld wert!
Aber während das Auffüllen des Wasserhaushaltes auch auf dem Celio kein Problem darstellt, es sprudeln auch auf der Höhe die Nasoni:

sorgte bei mir nun der Blasendruck für eine gewisse innere Anspannung. Die Dame der Case Romane löste diese auf sehr unkomplizierte, menschlich mitfühlende Art und Weise, indem sie mich auf ihr Chemiebehelfsklo im Garten schickte. Ausnahmsweise!!!! Dass das Toilettenproblem ein chronisches ist, hatte schon Amator antiquitatis in seinem schönen Reisebericht von 2015 beschrieben:
 
Zuletzt bearbeitet:

Nihil

Tribunus plebis
Stammrömer
Siebter Streich, 2. Teil: Case Romane

Die Case Romane besteht aus mehreren Wohnhäusern,( deshalb auch der italienische Plural) und das macht die Übersicht ein bisschen schwierig, denn es geht rauf und runter durch verschiedene Jahrhunderte, An- und Aufbauten, Trennungen, Zusammenfügungen. pagane und christliche Zutaten und daraus wird ein wunderbarer römischer Eintopf! Um mich nicht im Eintopf zu verlieren, drückte mir die nette Aufseherin einen Plan in die Hand mit sehr ausführlichen Erklärungen auf Deutsch, der nach der Besichtigung wieder abzugeben ist. Aber bevor ich loszog, betrat ein Trüppchen Touristen ein, die sich eindeutig in den Örtlichkeiten vertan hatten, denn sie suchten nach der Kirche S. Paolo. Die nette Aufseherin erklärte diesen verlorenen Seelen, dass die mittlerweile geschlossene Kirche über uns eine Art Gemeinschaftspraxis wäre, mit zwei Chefs :D, nämlich einem S. Giovanni und einem S. Paolo. Das verwirrte die Leute ziemlich, denn eigentlich suchten sie S. Paolo fuori le Mura... :oops: Nun, Stadtpläne sind nicht immer einfach zu lesen, und auch mein Plan von der Case Romane war auch voller Überraschungen.
Ich begann in einem Raum direkt neben der Eintrittstür. Ganz viel zu sehen war nicht, denn die Fresken dort waren nur schemenhaft sichtbar. Interessant war aber doch die Darstellung einer Kreuzigungsszene.


Christus ist mit einem Colobium, einer ärmellosen Tunika bekleidet, die Augen geöffnet, stehend am Kreuz mit ungekreuzten Beinen. Maria steht unter dem Kreuz. Dieses Fresko erinnert sehr an das Fresko in Santa Maria Antiqua. Leider kann ich mich nicht erinnern, ob etwas zum Entstehungszeitpunkt des Freskos gesagt wird. Aber die Ähnlichkeiten zwischen diesem Oratorium und Santa Maria Antqua sind frappierend und die räumliche Distanz zwischen den beiden Orten ist eine Nahe.


Diese Fresken bleiben ohne Titel, links eventuell das letzte Abendmahl, oder Emmaus, oder...???
Es folgte die Stanza dei Geni, ein bukolischer Bilderbogen, einfach nur zu Geniessen und wahrscheinlich 100-200 Jahre älter als die christlichen Motive.







Allein dieser Raum hätte ja schon genügt, aber der Überraschungen wurden immer mehr. Der Besucher bewegt sich durch mindestens 4 Jahrhunderte auf der gleichen Ebene, manchmal auch ein Stockwerk höher, dann geht es wieder hinunter. Vieles, was heute unter der Erde liegt oder von der Kirche SS.Paolo e Giovanni bekrönt wird, war zu römischen Zeiten ebenerdig.

Es folgte der Raum mit den Marmor-Imitationen:


Bei dem Raum, der dann folgte , konnte ich ein lautes Überraschungsohhh und - ahhh nicht unterdrücken. Aber ich war ja allein in diesen Hallen unterwegs, da fiel es nicht weiter auf, dass ich Selbstgespräche führte. Die Aula dell ´ Orante:





Der Saal ist nach dieser Figur benannt, die in einer typischen betenden Pose so garnicht zum Rest des Bildprogramms passen will.

Der Orans/ Orante ist als Figur frontal zum Betrachter gerichtete. Der Orante steht, die Arme sind erhoben und ausgebreitet, die Handflächen sind sichtbar. Die Haltung drückt Frömmigkeit und Verehrung aus. Die Darstellung existierte allerdings schon in der Antike. Die Christen interpretierten die Haltung als Nachahmung der Haltung Christi am Kreuz und Hingabe an Gott.

Dann ging es ein steiles Treppchen hoch und man steht vor einer winzigen Confessio, die den Heiligen Paolo und Giovanni geweiht war.


Die rechte Figur ist leider kopflos, aber man beachte die Gammadia auf seiner Tunika! Die Gammadien sind eine ziemlich komplizierte Sache, die hier im Forum von Simone Clio mal ausgearbeitet worden sind. Es ist ein christliches Symbol , in diesem Fall ein I und steht für den griechischen Buchstabens IOTA. Das ist wiederum der Anfangsbuchstabe für Jesus Christus, der Gesalbte und symbolisiert auch den Zahlenwert 10( 10 Gebote).

Ich habe nicht das ganze Bildprogramm aufgenommen, denn Teilbereiche waren stark zerstört oder man konnte in der Enge auch nicht fokusieren. Die Gesichter sind sehr ausdrucksstark und die Augen schauen den Betrachter direkt an.

Das war aber immer noch nicht das Ende, denn die Case Romane haben mit noch etwas aufzuwarten. Nun wird es wieder ganz römisch, denn plötzlich findet man sich im Nymphäum wieder. Und dies ist das bisher grösste Nymphäum in Rom. Das Nymphäum der Proserpina:



Proserpina ( lat.) ist die Persephone in der griechischen Mythologie. Als Tochter des Jupiter( Zeus) und der Ceres erweckte sie die Begierde des Gottes der Unterwelt, Pluto ( Hades), der Proserpina entführt und in seine Unterirdischen Verliesse verschleppt, übrigens mit dem Einverständnis von Jupiter. Ceres war darüber untröstlich und suchte nach ihrer Tochter, vernachlässigte dabei ihre Pflichten der Erde gegenüber, so dass es zu Missernten, Trockenheit, Überschwemmungen, Stürmen, Hungersnöten, kurz lauter Umweltkatastrophen kam. Die Menschen starben, weshalb die Opfergaben für die Götter immer weniger wurden. Das fand man dann im Olymp nicht gut und musste einen Kompromiss finden. Proserpina teilte das Jahr auf: ein halbes Jahr hauste sie mit Pluto, in den sie sich mittlerweile verliebt hatte und ein halbes Jahr kam sie wieder auf die Erdoberfläche und wohnte mit Ceres. Am Ende des Winter, wenn Proserpina zu ihrer Mutter heraufkommt, freut sich Ceres sehr und lässt den Frühling kommen. Die Freude, wieder zusammen mit ihrer Tochter zu sein, hält den Sommer über an. Und wenn dann Proserpina im Herbst wieder in die Unterwelt zu Pluto abstegt, dann wird Ceres depressiv und es kommt der Winter.:)

Danach kroch ich aus den Tiefen der Case Romane ans Tageslicht, ziemlich erschlagen von der Fülle an Fresken und Räumen und Geschichten. Draussen war Frühling! :), oder zumindest ein Ahnen von Grün und Wärme. Ceres hatte also Ihre Tochter Proserpina wieder.;)
 
Zuletzt bearbeitet:

Nihil

Tribunus plebis
Stammrömer
Liebe Pecorella, dass ist ja der Supertip!!!! Das sind die Insidertips, ohne die Rom nur dreiviertel so schön wäre. Vielen Dank, dass werde ich für meinen nächsten Besuch im Hinterkopf behalten. Hauptsache, man ist zu den Öffnungszeiten der Kirche am stillen Örtchen.;)
 
Zuletzt bearbeitet:

Angela

Augustus
Teammitglied
Moderator
Forum-Sponsor
Stammrömer
Rom-Reise
15.03.2020-22.03.2020
Caelius: Kein Café, Kein Clo!!!
In der Basilika SS. Giovanni e Paolo gibt es das begehrte Stille Örtchen (wenn man rein kommt rechts halten) ;)
Und auch bei S. Stefano Rotondo gibt es links der Kirche ein stilles Örtchen!

Vielen Dank für die Schilderung Deines Spaziergangs über den Celio, die Villa Celimontana ist ein Park, in dem ich immer wieder sehr gerne bin.
 
Zuletzt bearbeitet:

halmsen

Senator
Forum-Sponsor
Stammrömer
Rom-Reise
20.02.2019-24.02.2019
Auch von mir ein Dankeschön für den spannenden Spaziergang. -:)
 

Tizia

Pontifex Maximus
Stammrömer
Ich finde deinen Bilderbogen der Stanza dei Geni ganz wunderbar. Herrliche Bilder, trotz des Alters und der dunklen Räume noch erkennbar.
 

Nihil

Tribunus plebis
Stammrömer
Vielen Dank Euch allen! Die verschiedenen Informationen zu den versteckten stillen Örtchen sind wirklich Gold wert. Und wenn SS.Paolo e Giovanni um 12:00 schliesst, hat man noch eine Stunde mehr Zeit bis 13:00 um S. Stefano Rotondo zu erreichen. Der Spaziergang über Celimontana ist so was von entspannend, überhaupt nicht überlaufen und dabei mitten in der Stadt. Und dann die Gelegenheit in den Case Romane die lange Mittagspause auch noch auf schöne Art zu verbringen.
 

Tizia

Pontifex Maximus
Stammrömer
Vielen Dank Euch allen! Die verschiedenen Informationen zu den versteckten stillen Örtchen sind wirklich Gold wert. Und wenn SS.Paolo e Giovanni um 12:00 schliesst, hat man noch eine Stunde mehr Zeit bis 13:00 um S. Stefano Rotondo zu erreichen. Der Spaziergang über Celimontana ist so was von entspannend, überhaupt nicht überlaufen und dabei mitten in der Stadt. Und dann die Gelegenheit in den Case Romane die lange Mittagspause auch noch auf schöne Art zu verbringen.
Nun habe ich den vollständigen Bericht gelesen und bin begeistert. So ab und an gab es hier schon Hinweise und Bilder von den Case Romane. Durch die unglaubliche Fülle hat jeder andrere Schwerpunkte gesetzt. Allmählich erschließt sich mir der Komplex mehr und mehr.

Und noch ein kleiner Vermerk zum Thema „Stilles Örtchen“ Auch in San Gregorio kann man durch Klingeln beim Konvent diesbezüglich Erleichterung erhalten. Ist ein Erlebnis :)
 

Nihil

Tribunus plebis
Stammrömer
Liebe Tizia, danke für dein Mitlesen, und wenn sich dir jetzt mit der Case Romane ein echtes Schmankerl erschlossen hat, ist das wunderbar. Mir ist es dort genauso gegangen. Ich kannte diesen Ort auch nicht, hatte irgendwo im Hinterkopf undeutliche Bilder abgespeichert, aber was sich dann meinen Augen bot, war ein wunderbares Schwelgen in Farben, Darstellungen, ein Eintauchen in die Spätantike und das frühe Christentum. Ein Genuss!!! und besonders überrascht war ich, als ich nach dem Minimuseum, in dem ebenfalls sehenswerte Objekte zu sehen sind , die bei den Ausgrabungen gefunden wurden, plötzlich wieder beim Ein-/ Ausgang stand. Der Komplex wirkt riesig, dabei ist alles auf engstem Raum komprimiert. Ich kann für mich sagen, die Case Romane ist eine Entdeckung. Und ich war dort die meiste Zeit ganz alleine, wie es im Sommer aussieht, weiss ich nicht, aber ich denke, die Case Romane führt das Dasein eines " Mauerblümchens";)
Und mit deiner Einlassung eines stillen Örtchens im Klosterkomplex S.Gregorio, ist der Celio plötzlich garnicht mehr so Toilettenlos wie angenommen. Super! jetzt habe ich schon 3 stille Örtchen für den ( morgentlichen ) Blasendruck.:)
 

pecorella

Magnus
Stammrömer
Liebe Nihil, herzlichen Dank für deinen Bericht über den Celio, über den ich noch am Freitag spaziert bin. Ich habe noch überlegt, ob ich in die Case Romane hinein gehen soll, aber ich habe mich so ganz alleine nicht hinein getraut. Irgendwie mag ich nicht so alleine durch die Unterwelt spazieren, aber ich mag auch die Katakomben nicht sonderlich.

Von daher einen ganz lieben Dank für deinen Bericht, nun weiß ich wenigstens was ich verpasst habe :confused:
 

Nihil

Tribunus plebis
Stammrömer
Liebe Pecorella

Ohhh, wie schade, dass du dich nicht in die Case Romane getraut hast. Es sind zwar unterirdische Räume, aber gut ausgeleuchtet. Ich hatte nie den Eindruck, unter der Erde zu sein. Es ist auch anders als Katacomben, wo es vor allem enge Gänge gibt. Hier sind es oft grosszügige Räumlichkeiten. Es wirkt nicht eng, gedrückt oder beklemmend. Eher, als habe man vergessen, Fenster einzubauen...
 

ColleMarina

Praetor
Stammrömer
Rom-Reise
11.03.2020-25.03.2020
Ich bin begeistert, liebe Nihil! Schon seit unserer zweiten Rpmreise stehen die Case Romane auf meiner Liste; aber irgendwie schoben sich immer "wichtigere" Ziele davor. Wenn ich jetzt auf deinen Bildern sehe, was es dort alles zu sehen gibt, kommt der Ort jetzt ganz fett und in Rot geschrieben oben auf die Liste.
Danke schön für deinen faszinierenden, detailreichen und humorvollen persönlichen Bericht!
 

pecorella

Magnus
Stammrömer
Liebe Pecorella

Ohhh, wie schade, dass du dich nicht in die Case Romane getraut hast. Es sind zwar unterirdische Räume, aber gut ausgeleuchtet. Ich hatte nie den Eindruck, unter der Erde zu sein. Es ist auch anders als Katacomben, wo es vor allem enge Gänge gibt. Hier sind es oft grosszügige Räumlichkeiten. Es wirkt nicht eng, gedrückt oder beklemmend. Eher, als habe man vergessen, Fenster einzubauen...
Dankeschön liebe Nihil, dann werde ich mich wohl beim nächsten Rombesuch trauen.
 

Nihil

Tribunus plebis
Stammrömer
Hallo ColleMarina und Pecorella

Macht das unbedingt: Fett und Rot unterstrichen auf dem ersten Platz der Besuchsliste. Es lohnt sich. Ich habe bisher die Case Romane auch immer "unter ferner liefen" abgetan. Es ist wirklich ein erstaunlicher Besuch. Und vielen Dank, dass ihr alle noch mitlest!:)
 

Nihil

Tribunus plebis
Stammrömer
8.Tag Kloster Santa Francesca Romana di Tor de´ Specchi

Heute war schon unser letzter ganzer Tag in Rom:(, irgendwie fliegt die Zeit hier schneller davon. Wir standen früh auf, um möglichst pünktlich zu unserem heutigen Ziel zu kommen. Ein Blick von der Terrasse zeigte: Gottseidank, die Pyramide steht noch:

und da sah man das leise Ahnen, den Hauch eines grünen Schimmers an den Bäumen. In dieser kurzen Woche katapultierte sich Rom vom Winter in den Frühling. Die Göttin Ceres war wieder unterwegs!:D
Wir nahmen die Metro und liefen ab Colosseum die Via dei Fori Imperiali hinauf. Kaum ein Mittourist war zu sehen, ausser einem chinesischen Hochzeitspärchen, was sich romantisch vor den Ruinen des Forums ablichten liess. Wir stiegen die hintere Treppe zum Kapitol hoch, auch auf dem Hügel eine wunderbare Leere:



Die Treppen betrippelten wir allein...;)

Und so trippelten wir die Cordonata vom Kapitol hinunter in die Niederungen, und da standen wir auch schon vor dem Kloster " Monastero Oblate di S. Francesca Romana a Tor de´ Specchi"


Es war der 9. März. Das Datum ist zu erwähnen, denn dies ist der Namenstag einer römischen Lokal-Heiligen, eben jener Francesca Romana, nach der das Kloster am Fuss des Kapitols benannt ist. Und nur an diesem einen Tag öffnet das Kloster seine Pforten für Besucher zu einigen Räumen.


Laut meinem Büchlein" Verborgenes Rom", sollte das Kloster morgens und nachmittags für jeweils ein paar Stunden geöffnet sein. Das stimmte an dem Tag nicht ganz: Die Klosterräumlichkeiten waren ab 8:00 Uhr morgens durchgehend bis 18:00 Uhr für Besucher geöffnet. Eine grosse Truppe Freiwilliger/ Freunde des Klosters sorgt für Ordnung. Wenn man nicht gerade in einer geführten Reisegruppe unterwegs ist, ist auch keine Voranmeldung nötig. Die durchgehenden Öffnungszeiten gereichten mir zum Glück, denn kurz nach dem Eintritt in diese Hallen, konnte meine Kamera die dargebotenen Schönheiten nicht mehr fassen! Im wahrsten Sinne des Wortes!!!:( Ich I...., hatte doch tatsächlich vergessen, die Akkus der Kamera aufzuladen.:mad::eek::mad:
Es gibt aber trotzdem Bilder für euch, ich bin nämlich zweimal im Kloster gewesen.

Francesca ( 1384-1440) war adeliger Abstammung, ihre Familie Bussa de Buxis de´Leoni war in Rom zu Ansehen und Einfluss gekommen. Francesca fühlte sich immer schon zu Gott hingezogen und wollte eigentlich in ein Kloster eintreten. Das war allerdings nicht im Sinne der Familie. Stattdessen wurde sie mit 12!!! Jahren reich und angemessen verheiratet. Die Ehe scheint glücklich gewesen zu sein...immerhin war sie 40 Jahre lang mit Lorenzo di Ponziani verheiratet und bekam 6 Kinder. In einer Zeit des religiösen Schisma, mit 2-3 Päpsten/ Gegenpäpsten gleichzeitig, dem papalen Exil in Avignon, den politischen Zankereien zwischen den römischen Potentaten, den Colonnas, den Orsinis, etc. , war Rom in einem völlig verlottertem Zustand. Die Stadt entvölkerte sich, immer wieder brach die Pest aus, auch 2 Kinder von Francesca starben daran. Francesca widmete sich neben ihrem Haushalt und der eigenen Familie, den Armen und Kranken von Rom. Francesca wandelte einen Teil des Familien-Palazzo in Trastevere in ein öffentliches Spital um. Neben ihrer karitativen Wohltaten für die Armen, hatte sie auch ein Händchen für die Heilung von Krankheiten oder Wunden. Teilweise stand sie im Ruf einer Wunderheilerin. Da war es gut, dass der Ehemann Francesca bei diesen für ihre Zeit ungewöhnlichen "Eskapaden" unterstützte und auch ihr Beichtvater Einfluss nehmen konnte, denn sonst hätte Francesca auch leicht auf dem Feuer als Hexe brennen können. Francesca selber war sehr der Mystik verbunden, oft betrieb sie blutige Selbstkasteiungen, und sie hatte ständig Visionen, in denen sie besonders von Teufeln gequält wurde. Aber auch angenehme Visionen kamen vor, wie Treffen mit der Muttergottes, in denen Francesca das Baby Jesus halten durfte. Ganz besonders schön stelle ich mir die ständige Anwesenheit ihres Schutzengels vor, der für Francesca sichtbar war. Aus unser heutigen, scheinbar so rationalen Sicht, wäre Francesca Romana sicher mal in einer psychiatrischen Klinik untersucht worden.
Im Jahr 1425 gründete sie den weiblichen Zweig des Olivetanerordens, eine an die benediktinischen Ordensregeln angelehnte Kongregation; Dieser Orden hatte sein Kloster bei der Kirche S, Maria Nova am Forum. Die weibliche Compagnia delle Oblate del Monastero di Olivetano di Santa Maria Nova, lebt in einem Komplex, der zu verschiedenen Zeiten angebaut, dazugekauft wurde, so dass kein typischer Klosterbau mit Kirche, Wohntrakt und Kreuzgang vorliegt. Es sieht von aussen aus wie verschiedenen Wohnhäuser einer Strassenzeile.
Francesca trat erst später , 1433, nach dem Tod ihres Ehemannes in den Orden ein. Am 9. März 1440 starb Francesca und wurde in der Kirche Santa Maria Nova, danach auch Santa Francesca Romana genannt, beigesetzt.

Um 8:00 Uhr stand schon eine kleine Schlange vor dem Portal, doch es ging zügig vorwärts Zunächst betrat man eine Art Vorhalle, die ehemals ein Pferdestall gewesen war. Hier war vor einem wunderschönen goldglänzenden Portal ein Bücher und Kartenstand aufgebaut.
Dann ging es nach links die Scala Sancta hinauf. Davon scheint es in Rom mehrere zu geben. Dort im Treppenaufgang dieses schöne Fresko, welches die Madonna mit Kind zwischen dem Heiligen Benedikt von Nursia und Santa Francesca Romana zeigt. Das Fresko wird Antoniazzo Romano zugeschrieben. Übrigens kein Verwandter der Heiligen Francesca! Romana/ Romano sind einfach Bezeichnungen "wie aus Rom stammend."


Die Wände der Scala Sancta sind ebenfalls mit Fresken ausgemalt, allerdings ist die Treppe steil und eng. Fotos liessen sich da kaum machen. Den ersten Raum, den man dann betritt, ist das ehemalige Refektorium. Die Nordwand wurde gegen 1485 in einer Hell-Dunkel-Technik ( chiaroscuo) in Grün/ Grau ausgemalt, aus dem Umfeld von Antoniazzo Romano. Leider habe ich kein Übersichtsbild gemacht. Die Bilder sind in 2 Registern übereinander angeordnet und durch scheinarchitektonische Elemente wie Pilaster gegliedert. Jeweils 5 quadratische Bilder pro Register zeigen die Versuchungen und Visionen der Heiligen durch teuflische Dämonen in verschiedener Form. Durch den grünen Farbton bekommt das Ganze einen äusserst irrealen Ausdruck, der bestimmt beabsichtigt war. Das Geschehen wird verfremdet, durch die grüne Farbe wirkt es ein bisschen psychodelisch. Wichtige Elemente werden durch Rot hervorgehoben, z.B. die Teufelszungen, die Feuerflammen aus Nüstern und Ohren.


Die meisten Bildbeschreibungen sind dem Büchlein, " La vita di S. Francesca Romana nelle pitture di Tor de´Specchi" entnommen, herausgegeben vom Monastero Oblate di S. Francesca Romana. Flappsigkeiten stammen von mir:cool:
Rechts der Eingangspforte vom Betrachter aus, unteres Register:
Francesca erscheinen 7 Dämonen in Form von Wölfen im Schafspelz, die Francesca für ihre Tugenden lobhudeln. Als Francesca die Dämonen auslacht, verwandeln sich die Schafe in Wölfe und versuchen Francesca zu verschlingen


Unteres Register, links der alten Eintrittspforte:
S. Francesca Romana wird von einem Teufel in Mönchskutte belästigt. Der Dämon versucht in Gestalt des Heiligen Onofrio, den Francesca sehr verehrte, Francesca von ihrem Vorhaben eine Kongregation zu gründen abzubringen. Aber das gelingt nicht, denn der falsche Onofrio hat Klauen statt Füsse, Hörner auf dem Kopf und Flammen treten aus seinen Ohren :

Der Teufel deponiert einen verwesenden Leichnam in Francescas Zimmer und lässt sie darüber stolpern. Also das ist schon hochgradig ekelig.

Francesca wird von 3 Teufeln in Mönchskutten bedrängt, die sie mit geheuchelter Demut verspotten.


Während des Gebetes schlagen böse Geister die Heilige mit toten Schlangen derart, dass Francesca mit blauen Flecken übersät zurückbleibt.


Oberes Register rechts vom Betrachter aus: Die knieende Heilige erblickt einen Dämon in Gestalt einer Schlange und nimmt sie ohne Furcht in die Hände, worauf sich die Schlange in ein Ungeheuer mit sieben Köpfen verwandelt. Ausser ihrem ständig anwesenden persönlichen Engel muss in dieser Szene aber auch der heilige Petrus mit dem Schwert eingreifen.


Beim nächsten Bild überfällt ein Rudel Teufel die lesende Heilige, zerreissen ihr die Erbauungsbücher und werfen die Heilige in einen Aschehaufen.


Francesca pflegt ihren erkrankten Ehemann und will ihm einen erwärmten Bettziegel holen, als sie von einer dämonischen Schlange angegriffen wird. Diese wird von ihrem Schutzengel in Stücke gehauen, leider stellt sich ihr auf dem Rückweg ein dämonischer Löwe in den Weg. Ob der warme Ziegel je den Weg ins Bett des kranken Ehegatten gefunden hat, ist nicht überliefert.
Während des Gebetes wird Francesca von Teufeln angegriffen und so schwer geschlagen, dass sie ohne den Beistand ihres Schutzengels gestorben wäre:

Während einer nächtlichen Meditation erscheinen Francesca drei Dämonen, einer in Form eines Löven, einer als Drache und der Dritte in Form einer Schlange:

Der Schutzengel leistet echt Schwerstarbeit bei diesen dämonischen Überfällen:



 
Zuletzt bearbeitet:
Oben